Kann Fracking Erdbeben verursachen?

2. Dezember 2013 von Gunnar Ries in Lagerstätten / Rohstoffe

Kaum eine Methode, Erdgas (und andere Kohlenwasserstoffe) zu fördern ist so umstritten, wie das so genannte Fracking.

Das Wort "Fracking" ist eigentlich die Kurzform von "Hydraulic Fracturing". Hierbei wird, stark vereinfacht gesagt, Flüssigkeit mit sehr hohem Druck in ein Bohrloch gepresst, um kleine Risse im Gestein zu öffnen und im Gestein eingeschlossene kleine Kohlenwasserstoffblasen miteinander und dem Bohrloch zu verbinden. Das Ziel ist dabei, auch Kohlenwasserstoffvorkommen wirtschaftlich zu erschließen, die sich mit konventionellen Methoden nicht nutzen lassen. Dabei sind die in Frage kommenden Gesteine wie zum Beispiel Schiefer denkbar ungünstig dafür, denn ihre Permeabilität, also ihre Durchlässigkeit für Fluide (Flüssigkeiten und Gase) ist teilweise extrem gering.

Bei konventionellen Lagerstätten reicht zumeist eine Bohrung aus, um den ersehnten Rohstoff, eventuell mit ein wenig Nachhilfe, an das Tageslicht zu befördern. Bei den so genannten unkonventionellen Lagerstätten bedarf es da dann schon einer regelrechten Sondereinladung.

Die Idee, Lagerstätten für Gas oder für hydrothermale Energiegewinnung mit Hilfe von eigens erzeugten Mikrorissen zu erschließen, ist nicht dabei unbedingt neu. So wurde bereits 1947 zum ersten mal Hydraulic Fracturing experimentell eingesetzt, die erste kommerzielle Nutzung erfolgte 1949 (Montgomery and Smith 2010). Und auch in Deutschland wird zum Beispiel im Gebiet um Cloppenburg seit rund 35 Jahren mit Hilfe von Hydraulic Fracturing Tight Gas gefördert (Ewen et al. 2011).

Das bringt nicht nur sehr hohe Ansprüche an die Bohrtechnik und Orientierung unter der Erde, unter anderem muss dazu oft horizontal innerhalb geringmächtiger Horizonte gebohrt werden, es bedarf auch sehr hoher Drücke, um das Gestein zu zerbrechen. Und hier liegen die Knackpunkte, die sehr vielen Menschen Sorgen bereiten. Denn aufgrund seiner geringen Permeabilität könnte nur das direkt beim Bohren betroffene Gestein seine eingeschlossene Fracht freisetzen, anders als in konventionellen permeablen Speichergesteinen. Man muss also das Gestein erst gewaltsam öffnen, um an den wertvollen Inhalt zu gelangen. Mann verpresst also Flüssigkeit in das Bohrloch, und der eingesetzte Druck muss die im zu frackenden Bereich geringste anliegende Spannung überschreiten. Ignorieren wir mal die Tatsache, dass mit der Frackflüssigkeit, im Normalfall Wasser, auch eine mehr oder weniger große Anzahl verschiedener mehr oder gefährlicher Chemikalien im Spiel sind und bleiben wir beider gewaltsamen Öffnung der Lagerstätte.

 

Immer wieder, wenn in Bereichen Erdbeben auftreten, in denen sie das sonst nicht tun (oder dort wo Menschen sie nicht erwarten), und wenn dann dort in der Gegend noch Gas gefördert wird, dann fällt bei Journalisten und Anwohnern gerne das F-Wort. Meist in Form einer Spekulation, ob die betreffenden Firmen dort nun die umstrittene Methode anwenden, und ob dies nun für das beben verantwortlich gemacht werden könne.

Stellt sich also die Frage: Kann Fracking Erdbeben auslösen?

Eigentlich ist die Antwort simpel: Ja. (Nein! Doch! Ohh)Fracks sind eigentlich kleine, künstliche Mikrobeben, die im Normalfall allerdings nur mit Instrumenten nachweisbar sind. Im Normalfall. Manchmal aber können sie durchaus so stark sein, dass sie auf der Oberfläche auch ohne Instrumente fühlbar sind. Und sie können auch merkliche Schäden hinterlassen. So geschehen zum Beispiel Frühjahr 2011 im englischen Blackpool mit den Magnituden 2,3 (1. April 2011) und 1,5 (27. Mai 2011). Diese beiden Ereignisse veranlassten die britischen Behörden zu der Auflage, dass die beteiligten Firmen sie seimischen Aktivität in ihren gebieten sehr genau zu beobachten haben (Vukomanovic 2011; Department of Energy and Climate Change 2012).

Und wenn man weiter nach vergleichbaren Fällen sucht, wird man schnell fündig, zum Beispiel auch in Deutschland, am 13. Februar 2012 ein Erdbeben mit der Magnitude 3.0 im Gebiet des Erdgasfeldes Neuenkirchen Tewel. Hier war allerdings der letzte Frack zum Zeitpunkt des Erdbebens schon 2 Jahre her. Und das Feld dort ist einschlägig bekannt, denn auch 2004 hatte es dort ein Erdbeben der Magnitude 4,5 gegeben (Schrammar 2012). Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass auch das Beben von 2012 vom Fracking unabhängig auftrat. Besonders in den Niederlanden, aber auch in Niedersachsen sind mögliche Folgebeben von Erdgasförderungen bereits registriert worden, und das auch schon deutlich vor der Einführung der Fracking-Technologie sowie in Gebieten, wo diese Technologie nicht zum Einsatz kommt (Müller 2013; Mix 2012).

Denn Fracking ist nicht die einzige Methode, welche in Fördergebieten Erdbeben auslösen kann. Um es ganz ehrlich zu sagen, sie ist eine unter vielen. Und noch ehrlicher; Eigentlich können fast alle unsere Aktivitäten, bei denen wir Menschen irgendwas aus dem Boden holen oder dorthin verpressen Erdbeben auslösen, sogar die Förderung von Grundwasser, vor allem wenn dort bereits tektonische Spannungen vorhanden sind (Witze 2012). Unvergessen dürfte auch das Erdbeben von Basel im Dezember 2006 mit einer Magnitude 3,5 sein, das mit hoher Wahrscheinlichkeit durch ein Geothermieprojekt ausgelöst wurde. Oder das Erdbeben der Stärke 4.0, das nicht nur das Saarland erschütterte und dort mehr als 250 Gebäude beschädigte, sondern auch gleich den (erdbebenauslösenden) Kohlebergbau beendete (anonymus 2008).

So kann auch die konventionelle Erdöl- und -gasförderung zu einer merklichen Erhöhung der örtlichen Seismizität führen (Müller 2013). Denn wenn die Lagerstätte geleert wird, ändern sich die Spannungsverhältnisse im Erdreich und es können durchaus Beben bis zur Magnitude 3 oder gar 4 auftreten, die für Menschen an der Erdoberfläche deutlich wahrnehmbar sind, bei der aber Schäden noch selten sind. Echte Schadenbeben mit größerer Magnitude werden von Arbeitskreis gesellschaftliche Akteure ausgeschlossen (Arbeitskreis gesellschaftliche Akteure 2011).

Manche Beben, die gerne dem Fracking zugeschrieben werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dem Verpressen des verbrauchten Wassers zurückzuführen, wie es sich in Ohio gezeigt hat (anonymus 2012).

Untersuchungen im Bereich des Barnett Schiefers in den USA haben gezeigt, dass im Zeitraum von November 2009 bis September 2011 rund 67 Erschütterungen mit einer Magnitude von1,5 und mehr stattfanden. Bei 24 von ihnen konnte das Epizentrum genauer lokalisiert werden und es lag in einem Umkreis von 3,2 Kilometern um eine Bohrung. Allerdings zeigten nicht alle gefrackten Bohrlöcher auch eine erhöhte Erdbebentätigkeit. Von den 161 Bohrlöchern im Gebiet einer Studie zeigten rund 90% keine Seismizität (Frohlich 2012).

Vermutlich sind besonders jene Bohrlöcher gefährdet, welche in Gesteinsschichten liegen, die einer ohnehin erhöhten Spannung unterliegen. Diese Spannung kann sich dann durch die menschlichen Aktivitäten leichter lösen. Auch hier liegt mit Sicherheit noch viel Forschungsbedarf vor.

Und da liegt meiner Meinung nach der Hase im Pfeffer (und das gilt auch für die anderen Probleme mit dieser Methode). Viele Menschen haben so eine Heidenangst vor dem Fracking, dass schon die Aussicht, dass man diese Methode anwenden könnte (sie also nicht schlicht und einfach strickt verbietet) zu wachsenden Protesten führt. Selbst wenn dabei nur die entsprechenden Lagerstättenpotentiale erkundet werden sollen. Und auch wenn es darum geht, die Chancen und die Risiken der Methode zu erforschen. Dabei sollte man eben auch nicht die Risiken der konventionellen Fördermethoden so vollkommen außer Acht lassen. Oder eine wachsenden Abhängigkeit von den entsprechenden Rohstoffimporten.

Abgesehen davon ist es schon mehr als nur ein klein wenig St-Florians-Denken, einerseits vehement gegen Fracking und/oder Gasförderung im eigenen Land sein und auf der anderen Seite natürlich bezahlbare Wärme beim Aufdrehen des Thermostats haben wollen. Für ein technisch hoch entwickeltes Land mit sehr guten Umweltgesetzen sollte es sich nicht gehören, eine Technologie pauschal zu verteufeln.

Besonders wenn man sich an die Empfehlungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und die in Deutschland ohnehin sehr hohen Umweltstandards hält und diese konsequent überwacht, sollte das Risiko dieser Fördertechnologie durchaus beherrschbar sein (Ewen et al. 2011; Lingenhöhl, D. 2011). Tektonisch unter Spannung stehende Regionen sollten dabei ebenso ausgeschlossen sein wie Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete oder Gebiete mit durchgängigen/durchlässigen Transportwegen, seien diese nun natürlich oder, etwa durch Bergbauaktivitäten, künstlich erzeugt. Auf jeden Fall erscheint es sinnvoller, die Technik vernünftig und unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen selber einzusetzen. Die Alternative, unter fragwürdigen Bedingungen gefördertes Gas zu importieren würde nur ein Export von Umweltverschmutzung und Gefahren bedeuten.

 

 

anonymus. 2008. “Saarland : Erdbeben – 3600 Bergleute Verlieren Ihre Arbeit - Nachrichten Wirtschaft - DIE WELT.” February 24. http://www.welt.de/wirtschaft/article1716200/Erdbeben-3600-Bergleute-verlieren-ihre-Arbeit.html.

———. 2012. “Ohio Quakes Probably Triggered by Waste Disposal Well, Say Seismologists | Lamont-Doherty Earth Observatory.” June 1. http://www.ldeo.columbia.edu/news-events/seismologists-link-ohio-earthquakes-waste-disposal-wells.

Arbeitskreis gesellschaftliche Akteure. 2011. “Fracking Und Seismische Ereignisse - Erdbeben Und Fracking | Fracking, Erdgassuche in Deutschland.” September 12. http://dialog-erdgasundfrac.de/fracking-und-seismische-ereignisse-erdbeben-und-fracking.

Department of Energy and Climate Change. 2012. “THE UNCONVENTIONAL HYDROCARBON RESOURCES OF BRITAIN’S ONSHORE BASINS – SHALE GAS.”

Ewen, C., D. Borchardt, S. Richter, and R. Hammerbacher. 2011. “Risikostudie Fracking–Sicherheit Und Umweltverträglichkeit Der Fracking-Technologie Für Die Erdgasgewinnung Aus Unkonventionellen Quellen (Übersichtsfassung), 2011”. ISBN 978-2-00-028161-8.

Frohlich, Cliff. 2012. “Two-year Survey Comparing Earthquake Activity and Injection-well Locations in the Barnett Shale, Texas.” Proceedings of the National Academy of Sciences (August 6). doi:10.1073/pnas.1207728109. http://www.pnas.org/content/early/2012/07/30/1207728109.abstract.

Lingenhöhl, D. 2011. “Schiefergas: Das Risiko Ist Beherrschbar - Spektrum.de.” September 16. http://www.spektrum.de/alias/schiefergas/das-risiko-ist-beherrschbar/1123445.

Mix, M. 2012. “Erdgasbohrungen Lösen Erdbeben Aus.” August 8. http://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/langwedel/erdgasbohrungen-loesen-erdbeben-2656288.html.

Montgomery, C. T., and M. Smith. 2010. “Hydraulic Fracturing: The Past, Present,” Journal of Petroleum Technology 62 (12): 26.

Müller, T. 2013. “Niederlande: Wenn Die Erde Täglich Bebt | Wirtschaft | ZEIT ONLINE.” February 18. http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-02/niederlande-erdgas-foerderung.

Vukomanovic, O. 2011. “UK Firm Says Shale Fracking Caused Earthquakes | Reuters.” February 11. http://www.reuters.com/article/2011/11/02/us-gas-fracking-idUSTRE7A160020111102.

Witze, Alexandra. 2012. “Spanish Quake Linked to Groundwater Pumping | Science News.” January 12. https://www.sciencenews.org/article/spanish-quake-linked-groundwater-pumping.


29 Kommentare zu “Kann Fracking Erdbeben verursachen?”

  1. Fracking Antworten | Permalink

    Das Thema ist leider in der Vergangenheit in den Medien ziemlich untergegangen. Die Wahl, Syrien, Spähaffäre, es gab genügend Ablenkungen von diesem recht wichtigem Thema. Es sollte wieder eine große Diskussion dazu gestartet werden, kaum ein Mensch weiß wirklich was fracking ist und welche Risiken es mit sich bringt.

    Ich verurteile das ganze nicht, unterstütze es aber auch nicht. Die Menschen sollten sich selbst eine Meinung darüber bilden und diskutieren!

  2. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Fast jedes Einpressen von Flüssigkeiten, Gasen oder umgekehrt jede Entnahme von Gasen oder Flüsigkeiten (Öl) kann Erdstösse auslösen und tut das auch. Sogar in den Niederlanden, wo nicht wenige Gebäude unter immer wieder auftretenden Erschütterungen Risse aufweisen.
    Dass Fracking in Deutschland, ja sogar in fast ganz Europa in den nächsten 10 bis 20 Jahren kaum in grösserem Stil praktiziert werden wird hat aber noch viele zusätzliche Gründe. Vor allem sind es die Ängste in der Bevölkerung. Diese sind recht gross. Befürchtet wird z.B. der Übertritt von Frackingflüssigkeit ins Grundwasser.
    Sogar viele US-Geologen und Fracker, die sich mit der Materie auskennen sagen, dass es nur eine Kombination von technischen und regulatorischen Faktoren zu verdanken sei, dass Fracking in den USA so einen Boom erfahren hat. Dieser Boom ist sogar in Ländern ohne Bedenken - wie China - nicht so einfach zu wiederholen, zumal das Fracking-Verfahren vor Ort immer an die Verhälntisse angepasst werden muss und in China bis jetzt schlicht das Fachwissen fehlt um erfolgreich zu fracken. Wie die History of Fracking zeigt, war auch in den USA ein entscheidender Punkt, der das Fracking ermöglichte, die Regulierung, welche die von Anfang an bekannten Gefahren des Fracking als nicht relevant unter den meisten Bedingungen taxierte.

    June 2004: EPA report says fracking fluids are toxic and that some portion of these toxic fluids remain in the ground after a frack job. However, the report concludes "injection of hydraulic fracturing fluids into coal bed methane wells poses "little or no threat" to drinking water supplies.
    ..
    2005: Fracking boomed after the Energy Policy Act in 2005 exempted it from compliance with the Safe Drinking Water Act, the Clean Air and the Clean Water Act. Also, the CERCLA Superfund Act doesn't cover fracking sites.

    • Gunnar Ries Antworten | Permalink

      Der Fracking Boom in den USA hat durchaus Gründe. Allerdings ist nicht nicht wirklich abzusehen, wie nachhaltig das ganze Spektakel dort eigentlich ist. Teilweise ist der Gaspreis aufgrund des Überangebots sogar unter die Marke gerutscht, bei der Fracking überhaupt rentabel ist. Es bleibt also überhaupt erst einmal abzuwarten. Von daher haben wir hier eigentlich auch keine Eile, sondern könnten tatsächlich mal etwas Forschung in die Sache investieren.

  3. Tim Antworten | Permalink

    Fracking wird in Deutschland den Weg der beiden anderen verteufelten Großtechniken gehen (Atomkraft und Gentechnik): Irrationale Ängste überlagern wissenschaftliche Argumente.

    Es wäre einmal interessant zu erfahren, wann und warum eine Technik diesen Weg geht. Bei z.B. der Wasserkraft ist es ja genau umgekehrt: Trotz der enormen ökologischen Schäden gilt sie in der Gesellschaft als sauber.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Atomkraft, Gentechnik, Fracking und Kohlendioxidverpressung (CCS) haben in Deutschland keine Chance. Dies als Ergänzung zu folgender Aussage:

      Fracking wird in Deutschland den Weg der beiden anderen verteufelten Großtechniken gehen (Atomkraft und Gentechnik): Irrationale Ängste überlagern wissenschaftliche Argumente.

      Aber auch der Bau von neuen Stromautobahnen (Trasses) hat es in D nicht leicht. Kohle- und Erdgaskraftwerke dagegen sind weithin akzeptiert, wohl weil es in D eine alttbekannte Technik ist und es immer noch ein paar Kohlekumpels gibt, die durch Steinkohlesubventionen in der Arbeit gehalten werden wie man in der Wikipedia liest:

      Am 28. Dezember 2007 trat das „Gesetz zur Finanzierung der Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus zum Jahr 2018 (Steinkohlefinanzierungsgesetz)“ in Kraft. Darin sind für die Jahre 2009 bis 2018 weitere Subventionen in Höhe von 13,9 Milliarden Euro vorgesehen.

      • Tim Antworten | Permalink

        Und erstaunlicherweise haben die Menschen kein Problem damit, wenn Photovoltaik-Module mit Cadmium-Komponenten auf dem Dach des Kindergartens montiert werden. Bloß ein Mobilfunkmasten darf nicht in der Nähe sein, wegen des Elektrosmogs ...

        • Gunnar Ries Antworten | Permalink

          Wie und warum sich eine Technik im Bewusstsein der Bevölkerung als "sauber" oder "gefährlich" gilt, ist mir auch nicht ganz klar. Eine Rolle dürfte aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mangelndes Grundwissen sein. Und natürlich das NIMBY-Prinzip. So ist Gentechnik, Kernenergie und Fracking bähbäh, weil man die eventuellen gefahren nicht sehen kann. Gleiches gilt für Mobilfunk (aber bitte kein schlechter Empfang für mein Smartphone. ultraschnelles Internet muss ja wohl sein). Die Leute haben vor allem erstmal eine Meinung. Und wenn sie die haben, noch dazu von Organisationen mit gutem (ob echt oder nicht ist egal) Leumund unterstützt, dann lassen sich die Menschen auch von Fakten nicht mehr verwirren. Es ist also durchaus ein Kommunikationsproblem. Dazu noch ein übersteigertes Sicherheitsdenken (alle Risiken und Gefahren ausschließen). dass es keine absolute Sicherheit gibt, und das alles mit gewissen Risiken behaftet ist, sehen die Leute nicht. Sie können auch kaum die echten Risiken gegeneinander abschätzen.

          • Dr. Webbaer | Permalink

            Die Leute haben vor allem erstmal eine Meinung. Und wenn sie die haben, noch dazu von Organisationen mit gutem (ob echt oder nicht ist egal) Leumund unterstützt, dann lassen sich die Menschen auch von Fakten nicht mehr verwirren. Es ist also durchaus ein Kommunikationsproblem.

            Ein kulturelles Problem?

            MFG
            Dr. W (der auf D bezogen, bei einer sich je Generation zweidritteln wollenden Bevölkerung, die gerade auch an Planungshorizonten zu nagen hat, kaum anderes erwarten würde)

            PS: Früher haben auch die Sozialdemokraten auf Fortschritt gesetzt.

          • Hans | Permalink

            Und natürlich das NIMBY-Prinzip.

            Äh,... - was bitte ist das NIMBY-Prinzip?

  4. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Und auch wenn es darum geht, die Chancen und die Risiken der Methode zu erforschen.(...) Die Alternative, unter fragwürdigen Bedingungen gefördertes Gas zu importieren würde nur ein Export von Umweltverschmutzung und Gefahren bedeuten.

    Klingt cool, wichtich eben die Risk-Reward-Ration, die nicht jeder mag.

    MFG
    Dr. W

  5. Gunnar Ries Antworten | Permalink

    Dr. W (der auf D bezogen, bei einer sich je Generation zweidritteln wollenden Bevölkerung, die gerade auch an Planungshorizonten zu nagen hat, kaum anderes erwarten würde)

    ..dunkel ist deiner Worte Sinn...

    • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

      Wenn der allgemeine Planungshorizont nicht mehr generationenübergreifend ist gewinnt was?: Jenau, das NIMBY.

      MFG
      Dr. W (der weiterhin die regional & formal korrekte Anrede in der 3. Person Plural (!) bevorzugen würde, wie auch die Annahme der nunmehr möglichen strukturierten Kommentatorik)

      • Gunnar Ries Antworten | Permalink

        Dr. W (der weiterhin die regional & formal korrekte Anrede in der 3. Person Plural (!) bevorzugen würde, wie auch die Annahme der nunmehr möglichen strukturierten Kommentatorik)

        Bedauerliches Einzelschicksal.

      • Wanderer Antworten | Permalink

        Ich bedaure, aber ich verstehe immer noch nicht.
        Inwiefern sind Planungshorizonte, Generationen und das Sankt-Florians-Prinzip verbunden?
        Und ich lasse mich gerne von Fakten verwirren. Das ist immer besser als in den Untiefen des Halbwissens zu verharren.

        Grüße

        • Gunnar Ries Antworten | Permalink

          Diese Frage möchte ich eigentlich gerne an unsren Webbären weiterleiten, der für diese Themen zuständig ist. ;-)

  6. jade Antworten | Permalink

    Vor ein paar Std. erstmals ein Erdbeben erlebt. Nach kurzem Schreck, weil ich der Meinung war, dass es in DE keine Erdbeben gibt, hab ich mal recherchiert. Gab vor einem Monat schonmal eins (hatte ich nicht mitbekommen), da jedoch mit einem Knall (?). Erdbeben mit Knall kommt mir persönlich ein wenig komisch vor. Hab das einem Freund erzählt, der mir daraufhin berichtete, dass es vor 2 Wochen in Norddeutschland auch ein kleines Erdbeben gegeben hat. In Norddeutschland!?

    Nach Polizeibericht, den ich eben gelesen hab, war es übrigens ein beben mit Stärke 3,9. Ich wohne nicht in der Nähe des Epizentrums und der Fußboden in der Wohnung hat geknarzt o_O

    • Gunnar Antworten | Permalink

      Natürlich kann es in Deutschland Erdbeben geben. Der Süden, besonders der Rheintalgraben sind bekannt für Erdbeben und auch im Norden kommen sie vor.Dort schon alleine durch die Salzstöcke.

      • jade Antworten | Permalink

        Also das Erdbeben in Norddeutschland war in Syke. Lt. Karte gibt es dort keine Salzstöcke nur Salzintrusionen (was auch immer das genau ist) aber das Epizentrum lag wohl unter einem Erdgasförerungsfeld. Laut Erdbebendienst ist ein Zusammenhang wahrscheinlich.

        Ich habe in dem Zusammenhang nun einige Berichte gelesen und immer wieder (auch in anderen Gebieten) wird von einem lauten Knall berichtet. Teilweise wird der Knall von offizieller Seite mit Überschallflugzeugen begründet, die aber doch keine Erdbeben auslösen?

        Weiterhin gibt es die gleiche Phänomene (Erdbenen mit Stärke bis zu 4,- sowie dem "Knall") häufig in den Niederlanden und in den USA, in beiden Gebieten wird Erdgas gefördert.

        Das Erdbeben von Samstag hatte sein Epizentrum im Odenwald. Wird dort auch gebohrt oder irgendetwas abgebaut oder sonstwas unterirdisches gemacht?

  7. Gunnar Antworten | Permalink

    Salz im Untergrund kann immer auch Erdbeben auslösen, weil es sich im Kontakt mit Grundwasser lösen kann. Und ja, Erdgasförderung, ich glaube eich habe sowas auch im obigen Blogbeitrag erwähnt, kann Erdbeben auslösen. Immer, wenn wir etwas aus dem Untergrund herausnehmen, können Spannungen entstehen und oder freigesetzt werden. Das mit dem Knall kann, aber es muss nichts damit zu tun haben. Der kann auch sekundär entstehen, wenn Gesteine oder Strukturen zereissen.

    • jade Antworten | Permalink

      Ok, ich wollte es mal aus erster Hand berichten und gleichzeitig erwähnen, dass diese Erdbeben sehr häufig vorkommen. Mir war das keinesfalls bewusst und ich finde das ehrlich gesagt ziemlich erschreckend.

      • Gunnar Ries Antworten | Permalink

        Erdbeben sind in Deutschland nicht so selten, wie man meinen möchte. Die allermeisten sind aber ohne Instrumente kaum bemerkbar.
        Dazu kommen noch die durch menschliche Aktivität ausgelösten. Auch die sind meist nicht spürbar. Aber ab und an kann es eben doch zu spürbaren Erschütterungen kommen.

  8. Hans Antworten | Permalink

    Ignorieren wir mal die Tatsache, dass mit der Frackflüssigkeit, im Normalfall Wasser, auch eine mehr oder weniger große Anzahl verschiedener mehr oder [weniger] (!) gefährlicher Chemikalien im Spiel sind

    Ich glaube, da liegt ein weiterer Hase im Pfeffer. Denn so wie ich die Berichterstattung dazu bisher verstanden habe, scheinen es hauptsächlich mehr gefähliche Chemikalien zu sein, die da eingesetzt werden. (Wobei natürlich nicht auszuschliessen ist, dass die Gefahren durch einschlägige Lobbygruppen über Gebühr aufgeblasen werden.)
    Und dann besteht ja anscheinend auch noch die Gefahr, dass neben dem gesuchten Erdgas auch die Frackflüssigkeit irgendwo an die Oberfläche steigt, wo sie es nicht soll, wie man es in dem Film aus dem Beitrag Küchengeologie vom 4. August 2014 sehen kann. Nun ist es in Natura sicherlich komplizierter als in der im Film verwendeten Gelantine, weil da ja verschiedene Gesteine übereinander liegen, die unterschiedlich durchlässig sind. Und dann kommt auch das Problem der Erdwärme dazu. Je tiefer man bohrt, umso wärmer wird es. Und wenn da nun irgendein Chemikaliencocktail in den Boden gepresst wird, der sich da unten erwärmt und mit dem Gestein reagiert, ist die Frage, ob da nur die Reaktionen ablaufen, die man haben will, oder ob da nicht noch weitere Reaktionen ablaufen, die man nicht haben will? - Und wenn ja welche? Und was bewirken die langfristig?

    • Gunnar Ries Antworten | Permalink

      Naja, neben Wasser ist der Hauptbestandteil der Additive erst einmal Sand. Der ist schon einmal nicht weiter giftig. Und vor irgendwelchen Reaktionen muss man sich da auch kaum fürchten. Jeder der eingesetzten Stoffe hat eine Aufgabe, die er auch sehr gut erfüllt. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Hydraulic_Fracturing#Fracfluide sind einige der möglichen Additive aufgeführt.

      Was die Lagerstättenwässer angeht, diese Problematik betrifft auch andere, konventionelle Lagerstätten.

      • Hans Antworten | Permalink

        Hm... - nun bin ich in Chemie nicht sehr bewandert, aber wenn ich dann weiter unten in dieser Liste so gucke, dann wird mir doch anders. Das mag zum Teil auch an den chemischen Bezeichnungen liegen, denn ohne einen Grundkurs Chemie (Oberstufe) sagt mir das alles nicht sehr viel. - Und nein, ich hatte in der Schule keinen nennenswerten Chemieunterricht, denn dann würde ich dazu sicher anders schreiben. Meine Chemiekenntnisse beschränken sich im wesentlichen auf den Teil, den man als Elektrotechniker braucht um den elektrischen Strom zu verstehen.

        • Gunnar Antworten | Permalink

          Ich weiß ja nicht, was du mit "weiter unten" meinst. Die meisten der Stoffe sind relativ alltäglich. OK, im Grundwasser dürften viele sicher nichts verloren haben, aber das sollte man eigentlich auch verhindern können. Was das Problem der chemischen Bezeichnungen angeht, so trifft das sicher auf viele Menschen zu. Schließlich kann man ja auch nicht alles kennen und auch nicht alles wissen. Man sollte sich aber auch nicht allzu schnell erschrecken lassen. Mit den richtigen Worten kann man nämlich die Menschen sogar dazu veranlassen, gegen die Verwendung von normalem Wasser unterschreiben zu lassen. Ein gutes Beispiel ist das erste Video auf http://www.scilogs.de/mente-et-malleo/ich-fordere-ein-verbot-von-dihydrogenmonoxid/ . Hier schafft es David Harnasch sogar, den Leuten von Greenpeace eine Unterschrift abzuluchsen.

          • Hans | Permalink

            Das "weiter unten" bezieht sich auf die Tabelle in dem verlinkten Wikipediaeintrag. Wenn man die einzelnen Zeilen nummeriert, dann sind jene Zeilen, die eine grössere Nummer haben, diejenigen, die in der Tabelle "weiter unten" liegen. Das ist das ganze Geheimnis.
            Wenn man nicht verhindern kann, dass alle Stoffe die im Grundwasser nichts verloren haben, auch nicht darein gelangen, hat man ein Problem, das meiner Ansicht nach gegen die Methode spricht, solange das Problem nicht gelöst werden kann.
            Und ja, den Gag mit Dihydrogenmonoxid kenn ich auch. Musste aber auch erst mal ein paar Augenblicke drüber nachdenken, bis ich ihn kapiert habe.

  9. Rolf Antworten | Permalink

    Die Chemikalien kann kaum einer bewerten, der nur den Namen ließt. Darum werden die Chemikalien auch in Gefahrstoffklassen eingeteilt. Diese Angaben finde ich aber leider in dem Wiki-Artikel nicht. Unpraktisch ist auch, dass ich zwar Angaben zum tight gas fracking bekomme, aber nicht zum shale gas fracing. Und genau darum geht es doch eigentlich. Wenn ich Gas aus dem Schiefergestein raus holen möchte muss ich viel mehr Aufwand treiben und muss um so mehr verhindern, dass sich die spalten wieder zu setzen. Zu den hier verwendeten Chemikalien und deren Mengen finde ich aber keine Quellen. Beim shale gas fracing werden nach den Angaben von Exxon die Chemikalien immer ungefährlicher und hier habe ich auch kein Problem. Beim tight gas fracking sehe ich noch nicht klar. Hat einer von euch da konkretes?

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