Biografie von Antoinette Brown Blackwell – Die erste Evolutionsforscherin, die erste Pastorin

22. Februar 2013 von Michael Blume in sciebooks

Nach dem Erscheinen meiner Darwin-Biografie bei Herder konnte ich mir (und ich hoffe: Ihnen) nun einen lange gehegten Wunsch erfüllen: Endlich die erste deutschsprachige Biografie von Antoinette Brown Blackwell (1825 - 1921) schreiben; einer Zeitgenossin und Kollegin Darwins, die mich als Frauenrechtlerin, Kämpferin gegen die Sklaverei, als Theologin und erste Pfarrerin der USA, als Ehefrau, Mutter und vor allem als Wissenschaftlerin tief beeindruckte. In einer gerechten Welt hätte es zu diesem bewegten Leben längst einen großen Film gegeben; in der echten Welt wäre sie beinahe in Vergessenheit geraten. Dass kein Holzbuchverlag auf eine fast unbekannte Frau der Geschichte wetten würde, war mir klar. Aber neue Medien (wie das eBook und die sciebooks) bedeuten eben auch: neue Möglichkeiten!

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Antoinette Brown Blackwell (1825 – 1921) war eine der ersten Frauen, die sich ein Studium erkämpften. Als sogar erste Frau wurde sie in den USA zur Gemeindepfarrerin ordiniert. Sie zog als Vortragsrednerin durch Nordamerika, kämpfte für Bildungschancen, Gleichberechtigung, Wahlrecht. Sie heiratete aber auch glücklich und schenkte sechs Kindern das Leben. „Daneben“ schrieb sie zahllose Zeitschriftenartikel sowie mehrere, vor allem wissenschaftliche Bücher.


Grafik aus: "Die Rolle der Frau in der Evolution von Religiosität", Blume 2010

Begeistert griff Brown Blackwell die Evolutionstheorie auf und interpretierte sie als Bestärkung von aufgeklärter Spiritualität und von Menschenrechten. Sie war umso enttäuschter, als Darwin, Spencer und andere frühe Biologen eine „natürliche Unterlegenheit“ der Menschenfrau behaupteten. Doch statt zu resignieren verfasste sie ein weiteres Sachbuch zur Evolution der Geschlechter („The Sexes throughout Nature“), das viele heutige Gedanken und Forschungen um ein Jahrhundert vorweg nahm. Sie sprach auf dem ersten Weltparlament der Religionen in Chicago. Und als einzige noch lebende Rednerin des ersten Frauenrechtskongresses war es ihr im hohen Alter vergönnt, 1920 an der ersten US-Präsidentschaftswahl teilzunehmen, bei der auch Frauen wählen konnten.

Ich hoffe, dass Leben und Werk dieser großen Frau Sie ebenso berühren, wie es bei mir geschehen ist.


17 Kommentare zu “Biografie von Antoinette Brown Blackwell – Die erste Evolutionsforscherin, die erste Pastorin”

  1. Mona Antworten | Permalink

    Wer hielt ihr den Rücken frei?

    Ich finde es schön, dass Du Dich auch mit der Biografie von Frauen befasst. Antoinette Brown Blackwell arbeitete zuerst als Lehrerin und absolvierte dann noch ein Theologiestudium. Außerdem machte sie weite Reisen und publizierte ihre Schriften - und das obwohl sie mehrere Kinder hatte. Wenn unter Frauen über solche Biografien diskutiert wird, dann kommt meisten ziemlich schnell die Frage auf, wer sich denn da die ganze Zeit um die Kinder gekümmert hat. Das mag jetzt profan klingen, aber meistens scheitern weibliche Karrieren genau an dieser Frage. Antoinette Brown Blackwell hatte anscheinend Hilfe, sonst hätte sie das nicht machen können. Außerdem betonte sie immer wieder, dass sich auch Männer am Haushalt und der Erziehung der Kinder beteiligen müssten.

    Ein wesentlicher Aspekt scheinen mir auch die, von Antoinette Brown Blackwell, nicht erwähnten Klassenunterschiede zu sein. Denn wenn erfolgreiche Frauen Dienstmädchen oder Kinderfrauen beschäftigen, dann sind sie genauso unabhängig wie Männer, die eine Frau zu Hause haben, die ihnen den Rücken freihält.

    Anderes Thema: Antoinette Brown Blackwell wurde zwar als Pastorin ordiniert, aber nach einer Glaubenskrise legte sie ihr Amt nieder. Weiß man Näheres über die Gründe? Sie trat ja später in die unitarische Kirche ein, die nur Gottvater als einzigen wahren Gott anerkennt. Allerdings geht aus meiner Quelle nicht hervor, ob das mit ihrer Glaubenskrise zusammnenhing.

  2. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Mona

    Lieben Dank für Deine Ermutigung und Fragen - dass ich sie alle aus der Biografie beantworten kann, nehme ich als gutes Zeichen! :-)

    1. Hilfe: Ja, Antoinette hatte eine Abmachung mit ihrem Mann Samuel, der selbst aus einer bekannten “Reformerfamilie“ stammte. Eine seiner Schwestern wurde z.B. die erste anerkannte Ärztin der USA. Und er hielt sein Wort, war zudem beruflich erfolgreich. Aber es stimmt auch (und wird in der Biografie beschrieben! :-)), dass die erste Welle der US-Frauenrechtsbewegung von Mittel- und Oberschichten mit Kindermädchen oder helfenden Angehörigen getragen wurde und z.B. den Bedarf für Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, Krankenversicherung etc. ärmerer Frauen noch kaum erkannte. Verbindende Anliegen waren u.a. Frauenwahlrecht, Ehe- & Scheidungsrechte sowie der Kampf gegen Alkoholismus & Gewalt in Familien.

    2. Für ihre Glaubenskrise waren zwei Ereignisse in ihrer Gemeinde (der Tod eines Babies, das Sterben eines Jugendlichen) entscheidend, die sie - wie Darwin! - am christlichen Heilsexklusivismus zweifeln ließen. Sie entwickelte dann einen unitarischen, evolutionären Theismus, der u.a. Gedanken von Hannah Arendt vorweg nahm.

  3. Frank Antworten | Permalink

    DRM

    Herr Blume, ich hätte eine technische Frage bezüglich Ihrer e-books: Mit welchen DRM-Restriktionen sind Ihre e-books ausgestattet? Genauer gesagt unter anderem: Freischaltung auf welchen und wievielen Lesegeräten? Deaktivierung von Kopieren und Ausdrucken? ...
    Der Schutz geistigen Eigentums kann ich natürlich gut verstehen, aber als ich gelesen habe, dass wenn man z.B. sein Amazon-Konto kündigt, man auch seine e-books los ist, bin ich etwas vorsichtig. Das heißt ja soviel wie, dass man e-books gar nicht kauft, sondern nur leiht. Klar, Ihre e-books sind vergleichsweise günstig und somit eher weniger ein Problem, interessieren würde es mich trotzdem.
    Freundliche Grüße.

  4. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Frank

    Danke für Ihre Nachfrage!

    Aus genau den genannten Gründen haben wir bei amazon die DRM-Funktion für unsere (neueren) sciebooks gezielt deaktiviert und bitten auch unsere sonstigen Vertragspartner, auf Kopierschutzmechanismen zu verzichten. (Einige machen es standardmäßig, bei anderen kann man es wählen.)

    Ich sehe es im Grundsatz auch so, dass Autorinnen und Autoren eine Anerkennung verdienen, glaube aber nicht, dass man deswegen seinen Leserinnen und Lesern mit Mißtrauen gegenübertreten sollte. Und unsere sciebooks sind ja bewusst so günstig gehalten, dass es eben eine Anerkennung (und kein Einkommen) ist.

    Also: Bei uns grundsätzlich kein DRM. Und falls irgendein Anbieter da trotzdem pfuscht, mail an mich - dann gibt es das sciebook als pdf nochmal, zum freien und gerne ewigen Besitz! :-)

  5. Mona Antworten | Permalink

    Unitarismus @Michael Blume

    "Sie (Antoinette Brown Blackwell) entwickelte dann einen unitarischen, evolutionären Theismus, der u.a. Gedanken von Hannah Arendt vorweg nahm."

    Das finde ich ja echt interessant! Wusstest Du, dass auch Thomas Mann ein Anhänger dieser Religion gewesen sein soll?

    Näheres hier: http://www.welt.de/...eligion-des-Thomas-Mann.html

  6. Statistiker Antworten | Permalink

    Wie soll ich das denn verstehen??????

    "Darwin, Spencer und andere frühe Biologen eine „natürliche Unterlegenheit“ der Menschenfrau behaupteten"

    Aha, so kann man auch den Darwinismus diskreditieren, er sei eben frauenfeindlich.

    Peinlich, nur noch peinlich........ glaub mal an Deinen Gott, der macht ja alles richtig........

    Wie widerlich muss der Glauben an die Gleichheit den missbraucht werden, um so etwas entstehen zu lassen.......

  7. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Mona

    Ja, das entsprechende Mann-Buch gehört zu meinen Quellen! :-)

    Inzwischen habe ich den Eindruck, dass vor lauter Beschäftigung mit den US-amerikanischen Fundamentalisten der bedeutende Einfluss christlich-progressiver Strömungen in den USA (wie die Quäker und Unitarier) in der Öffentlichkeit lange übersehen wurde. Dabei gibt es da in Bereichen wie Frauenrechte, Kampf gegen Sklaverei, gegen Krieg, Einfluss auf die deutsche und europäische Kultur usw. noch viel zu entdecken. Auch auf den Hinweis eines Bloglesers hin gehe ich dieser Spur derzeit weiter nach! Wenn Dich ein Aspekt besonders interessiert - über Hinweise und Anregungen freue ich mich sehr! :-)

  8. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Statistiker

    Es dürfte wenige Religionswissenschaftler in Deutschland geben, die Darwin so oft und ausführlich gewürdigt haben wie ich; die erwähnte Biografie und auch mehrere Blogposts stehen zur Verfügung.

    Gleichwohl gehört zur historischen Wirklichkeit aber auch, dass Darwin über Frauen (und auch z.B. Iren) Sätze veröffentlicht hat, die einen heute auch erschaudern lassen. Und wenn Sie mir nicht glauben wollen - Darwins Werke sind ja längst alle öffentlich verfügbar!

    So mussten Brown Blackwell und andere (übrigens meist kirchenkritische) Frauenrechtlerinnen erleben, dass plötzlich auch "im Namen der Wissenschaft" behauptet wurde, Frauen seien weniger intelligent, weniger begabt, Bildung schade ihnen usw.

    Dagegen hat sich Brown Blackwell v.a. in "The Sexes throughout Nature" gewehrt und in voller Anerkennung der Evolutionstheorie Charles Darwin, Spencer und anderen respektvoll, aber deutlich widersprochen. Und sie hatte nach heutigem Erkenntnisstand in dieser Frage auch die deutlich besseren Befunde und Argumente! (Wurde aber damals kaum gehört - weil eben Frau.)

    Ich hoffe, es passt in Ihr Weltbild, dass auch Wissenschaftlerinnen prominenten Wissenschaftlern widersprechen dürfen?

  9. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Blume

    "Wenn Dich ein Aspekt besonders interessiert - jetzt ist die Zeit, mir Hinweise zu geben!"

    Danke für die Ehre! Du beschreibst ja da bereits wichtige Vorgaben, wie Frauenrechte, Kampf gegen Sklaverei und gegen Krieg. Nach dem Rücktritt des Papstes wird bei uns, in Bayern, derzeit viel über die Kirche und über Religion diskutiert. Immer wieder kommt auch zur Sprache, dass Benedikt XVI. seinerzeit die Reformbewegung der Kirche in Lateinamerika abgewürgt hat. Dabei sollte sich Kirche und Religion doch auch der Gerechtigkeit verpflichtet fühlen und den Armen dieser Welt beistehen. Auf der anderen Seite müsste aber auch mehr (Gedanken-)Freiheit gewährt werden, wie dass der Unitarismus in gewissen Umfang macht. Insofern wäre der Aspekt inwieweit sich Religion und Humanismus annähern können schon sehr interessant. Antoinette Brown Blackwell und Thomas Mann haben sich anscheinend Gedanken über Religion gemacht, die weit über die gewohnten Vorstellungen hinausgehen.
    Ich fand eine Seite über den Unitarismus, da heißte es: "Im 20. Jahrhundert verbreitete sich der unitarische Gedanke von Großbritannien und den Vereinigten Staaten aus um die Welt. In Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Indien und verschiedenen anderen Ländern entstanden kleine unitarische Gemeinschaften. Aus den internationalen Kontakten mit anderen liberalen Religionsgemeinschaften entwickelte sich schließlich der Weltbund für religiöse Freiheit (International Association for Religious Freedom - IARF)."

    http://www.unitarier.de/...geschichte/unitarismus/

    Ich weiß jetzt zu wenig über diese Geschichte um mir ein Urteil bilden zu können, aber sie wäre es wert näher betrachtet zu werden.

  10. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Mona

    Vielen Dank, Mona - die Anregungen nehme ich gerne auf! Denn in der Tat entwickelte sich gerade auch aus diesen christlich-progressiven Strömungen eine starke Bewegung analog zu den “Freireligiösen“ und nicht-theistischen Humanisten bei uns, nur viel größer & einflußreicher. In späteren unitarischen Gemeinden waren z.B. auch erklärte Juden und Atheisten Mitglieder, die sich über gemeinsame Ziele (wie Bürgerrechte) verständigten. Dem gehe ich gerne genauer nach und hoffe, dann Spannendes berichten zu können.

  11. Mona Antworten | Permalink

    Religion und demokratische Verfassung

    Mich interessierte auch der Einfluss der Religion auf die amerikanische Verfassung, der ja ganz enorm ist. Die Gründerväter kamen oft aus Ländern in denen sie ihren Glauben nicht leben durften, umso religiöser gaben sie sich in der neuen Welt. "Der Nestor der Forschung über den amerikanischen Puritanismus, Perry Miller, behauptet in seinem klassischen Werk über den Puritanismus in Neuengland, dass die ersten Neuengländer zwischen der religiösen und der politischen Gemeinschaft nicht klar unterscheiden konnten." Der neuenglische Puritanismus gilt als eine Hauptquelle der frühen amerikanischen Demokratie. Näheres hier:

    http://www.uni-muenster.de/...e.goslar-vortrag.pdf

    Später gab man sich natürlich aufgeklärt. Interessanterweise wurde das ausgerechnet dem fortschrittlichen Unitarismus zum Verhängnis. Ich habe dazu ein Textfragment (Leseprobe) gefunden, in dem die Distanzierung vom Unitarismus, aufgrund der Versuche Lockes Empirismus mit dem Christentum zu verbinden, beschrieben wird:

    http://books.google.de/...20verfassung&f=false

  12. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Mona

    Danke - damit weitet sich die Perspektive ja nochmal... Ich nehme die Anregung gerne auf!

    Übrigens: Auch Darwins Mutter Susannah und seine Ehefrau Emma waren Unitarierinnen... Ich werde schauen müssen, wie man die Unmengen an Spuren und Material im Griff behalten kann... ;-)

  13. Statistiker Antworten | Permalink

    Ach Herr Blume

    Ihr Argumentationsmuster ist doch bekannt. Das gleicht den meisten Rassisten: "Ich hab ja nichts gegen (eine beliebige Minderheit einsetzen, Sie nehmen in diesem Fall Darwin), ABER die haben doch so unrecht, weil ich Recht habe. SOOOO".

    Mit Ihrem Pseydoargumenten ("Ich befasse mich sogar mit Frauen"... wie toll, das betont ja gerade, dass Sie frauen für minderwertig halten) machen Sie sich nur selbst lächerlich.

    naja, Religions"wissensschaft" ist ja achon ein Oxymoron an sich, Esoterik mit Wissenschaft gleichzusetzen ist eine Beleidigung jeglicher Wissenschaft.

    Das geht jetzt nicht gegen Sie persönlich. Als Religiosität haben Sie keinen persönlichen Zugang zu Wissenschaft, das muss man Ihnen nachsehen.

  14. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Statistiker

    Vielen Dank, dass Sie uns eindrucksvoll demonstrieren, wie tolerant, friedfertig und sachlich Atheisten grundsätzlich sind. Ihre Kommentare empfinde ich als Auszeichnung und Ermutigung - wenn ich Ihnen auch persönlich wünschen würde, dass Sie Neid gar nicht nötig hätten.

    Alles Gute Ihnen! :-)

  15. Mona Antworten | Permalink

    Frage @Michael Blume

    Du schreibst: "Auch Darwins Mutter Susannah und seine Ehefrau Emma waren Unitarierinnen."

    Vor ein paar Jahren konnte man auf faz.net lesen, dass eine Bibel aufgetaucht sei, die Darwins Frau Emma gehörte. "Das Buch ist übersät mit ihren Anmerkungen. Emma war Unitarierin, die Bibellektüre ist ein fester Bestandteil dieser Religionsgemeinschaft. Wir wissen, dass sie Darwin viel vorgelesen hat. Auf das religiöse Familienleben finden wir vielleicht mehr Hinweise in den Anmerkungen." Leider konnte ich nirgends einen Hinweis darauf finden, ob man die Anmerkungen inzwischen entziffert hat. Weißt Du etwas darüber?
    Hier der Artikel: http://www.faz.net/...e-darwins-bibel-1435011.html

  16. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Mona

    Nein, den Fund kannte ich nicht - vielen Dank! Vielleicht wird es ja sogar einmal eine eigene Biografie für Emma Darwin geben! Meine Zeit und Kräfte sind aber wohl zu begrenzt... ;-)

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