Evolution des religiösen Glaubens im SPIEGEL

25. Dezember 2012 von Michael Blume in Allgemein

Hatten Sie ein schönes Weihnachtsfest? Ich wünsche Ihnen das sehr! Meine persönliche Bescherung setzte in diesem Jahr schon zwei Tage vorher ein - am 22.12.2012 (also pünktlich nach dem erwartungsgemäß nicht eingetretenen Weltuntergang) erschien die neue Ausgabe des SPIEGEL, die diesmal die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen als Titelthema hat!

Vom Wissenschaftsjournalisten Manfred Dworschak verfasst und von einer Reihe pfiffig gewählter Illustrationen begleitet, werden zentrale Befunde von Kolleginnen und Kollegen wie Jesse Bering, Ara Norenzayan, Klaus Schmidt, Deborah Kelemen, Pascal Boyer, Gabriele Helmer, Sebouh Aslanian, Rodney Stark und Richard Sosis präsentiert. Auch meine Arbeiten zum (potentiellen) Kinderreichtum religiöser Gemeinschaften und der anhaltenden Kinderflaute unter Nichtreligiösen werden vorgestellt.

Als ich vor einigen Jahren das Bloggen begann, war genau dies mein Traum gewesen: Über den engeren Bereich der Wissenschaft hinaus Menschen zu erreichen und sie dazu einzuladen, die Welt mit etwas mehr Wissen und Tiefe zu entdecken. Die Vorstellung, dass in diesen Tagen überall im Land SPIEGEL-Leserinnen und Leser diese Chance ergreifen macht mich glücklich.

Und, wer mag, zum Weiterlesen die (kostenfreie) Homo religiosus-Titelgeschichte in Gehirn & Geist oder gar das in die Evolutionsforschung zur Religion einführende "Gott, Gene und Gehirn" (3. Aufl. Hirzel 2012).

Gott, Gene und Gehirn (GGG) von Rüdiger Vaas & Michael Blume


45 Kommentare zu “Evolution des religiösen Glaubens im SPIEGEL”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Spiegel 52/12 empehlenswert

    Der Artikel Die Erfinder Gottes im Spiegel 52/12 zeigt facettenreeich, dass Glaubenssysteme die gemeinsame Basis und die Bande zwischen Menschen schaffen, die es braucht, damit sich Gemeinschaften bilden können, die über die Familienbande hinausgehen (Zitat: "Auf seiner Grundlage konnten Fremde Vertrauen zuenander fassen"). Vertrauen in den Andern ist für viele Interaktionen und Transaktionen zwischen Menschen zentral, man denke nur an das Wort Kredit, welches vom lateinischen credere „glauben“ abstammt. In der vorschriftlichen Welt, in der es noch keine Verträge gab, konnte man vor allem Menschen vertrauen, die von einem abhängig waren (Familienangehörigen), oder aber Menschen mit gleichen Grundüberzeugungen. Um so mehr dieser Glauben von einem abverlangt, umso stärker die dadurch geschaffenene Bande.
    Als Einstieg dient dem Artikel die grosse Glaubensbereitschaft von Kindern (an Geister etc.). Im kindlichen Denken hat auch alles einen Zweck und damit tendenziell einen Schöpfer. Es liegt nahe, dass der Mensch mit dieser Bereitschaft geboren wird - mit der Bereitschaft an etwas zu glauben und Zusammenhänge zu sehen, wo es sie nicht unbedingt geben muss. Es wäre aber zu einfach und wohl auch falsch, die Bereitschaft zum religiösen Glauben nur als gruppenevolutionäres Phänomen zu betrachten, das letztlich nur dazu dient, einen Überlebens- und Fortpflanzungsvorteil zu schaffen. Der Artikel hat mich dazu gebracht, die religiöse Ideensysteme als etwas teilweise Eigenständiges zu betrachten, das selber eine Art Evolution durchläuft mit Aufsplittung in viele verschiedene Abarten, die eine Art zweiten darwinischen Deszendenbaum ergeben. Einige dieser Abarten vermindern sogar den Fortpflanzungserfolg und es gab schon mehrere Sekten, deren Ziel Nachkommenlosigkeit war.
    Das stört die biologische Evolution übrigens überhaupt nicht wie viele meinen. Auch Homosexualität und viele andere Verhalten, die man als abträglich für den Fortpflanzungserfolg ansehen muss, widersprechen dem Grundmechanismus der Evolution nicht, sie bestätigen vielmehr zwei Dinge: 1) dass es in der biologischen Evolution sehr viel Freiheit für Neues gibt, egal wie dieses Neue beschaffen ist 2) dass die Evolution blind ist und keinen Zweck verfolgt.
    In der Historie oder auch der Projektion in die Zukunft sieht das natürlich anders aus. Dann leben die Nachkommen gewisser Arten immer noch, während andere verschwunden sind. Anhtropzentrisch gesprochen gibt es den Triumpf des Überlebenden. Doch der/das Überlebende ist nie das Ich, sondern der Nachkomme - und der könnte einem ja herzlich egal sein, mindestens wenn es nicht der unmittelbare Nachkomme, sondern einer in der x-ten nachfolgenden Generation ist.

  2. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr

    Vielen Dank für die kompakte Zusammenfassung des SPIEGEL- Artikels und Ihre Gedanken dazu. Unterstützend kann ich z.B. auf die Stammbäume der Sprachwissenschaft verweisen, die tatsächlich vor und neben den biologischen Entwürfen entstanden.

    Eine Nachfrage hätte ich zu Ihrer Deutung des Gesamtprozesses als ziel- und sinnlos: Immerhin entsteht ja beobachtbar im Evolutionsprozess ziel- und sinnorientiertes Handeln...

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Gibt es Sinn+Ziel oder ist allesNurSpiel

    Wer kennt nicht das plötzlich einsetzende Gefühl der Sinn- und Zwecklosigkeit, denn nur in einem bestimmten "Koordinatensystem" ergibt sich ein Sinn. Das zu ihrer Aussage "Immerhin entsteht ja beobachtbar im Evolutionsprozess ziel- und sinnorientiertes Handeln..."
    Der Evolutionsprozess materialisiert insoweit Sinn, als das er das erkundet, was in unserer Welt möglich ist und über sehr lange Frist vor allem das übriglässt was wichtig und nützlich ist und eine gute Basis für weitere Entwicklungen bietet. Dabei erzwingen ganz wenige Randbedingungen sehr vieles von dem, was wir heute an Eigenschaften von Lebewesen vorfinden. Zum Beispiel sind die hohe allgemeine Intelligenz der höheren Tiere, die Plastizität unseres Denkens und unseres Hirns und unsere Abstraktionsfähigkeit nicht etwas zufälliges, sondern sie ergeben sich aus der Kombination von kompetitivem Vorteil für die Besitzer solcher Eigenschaften und der Tatsache, dass die informationstragenden Teile unserer DNA möglichst kurz sein müssen. Die Information der DNA des Menschen hat Platz auf einer DVD und lässt Wesen mit einer Denkfähigkeit entstehen, die wir heute nicht einmal annäherungsweise mit einem Computerprogramm das auf einer DVD Platz hätte, nachbilden könnten.
    Einen höheren Sinn hat die biologische Evolution aber nicht. Sie schafft eine Welt voller selbstähnlicher Strukturen und selbst ihre materielle Basis, die DNA, ist das Resultat einer Evolution - der präbiotischen Evolution wahrscheinlich. Schließlich kann man sogar grundlegende physikalische Prozesse wie diejenigen, die in der Entwicklung von Quantensystemen eine Rolle spielen und die letztlich die klassische von uns erlebte Realität erzeugen , als Evolutionsprozesse auffassen. Nicht umsonst spricht man vom Quantendarwinismus. Damit scheint unser Universum von Anbeginn evolutionäre Prozesse zu ermöglichen.

  4. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr: Sinn

    Nun, aber Sie schrieben doch selbst, dass Evolutionsprozess "Sinn materialisiert". Gerade aber "wenn" wir davon ausgehen (und da stimme ich Ihnen zu), dass wir Evolution als universellen Prozess verstehen können, kann eine "Sinnlosigkeit" m.E. dann gerade nicht mehr behauptet werden.

    Klar ist, dass wir den Sinn - wie alle anderen evolutionären Merkmale! - immer nur rückwirkend beschreiben können, da es sich bei Evolutionsforschung immer nur um eine historische Forschung handelt. Was uns (z.B. auch an weiteren Emergenzen) erwartet, können wir wissenschaftstheoretisch nicht wissen. Entsprechend, so scheint mir, dürfen Menschen gerade aus evolutionärer Sicht durchaus weiter lieben, glauben und hoffen - und darin bzw. darüber hinaus Sinn finden.

  5. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Das Religiöse transzendieren

    Die säkulare, wissensbasierte Gesellschaft transzendiert die traditionellen, religiös basierten Gesellschaften und bringt das Potenzial jedes Einzelnen weit besser zur Entfaltung als das Gesellschaften tun, die sich von Glaubenssätzen leiten lassen und die Nichtgläubige vernichten wollen.
    Die Frage nach dem Sinn ist auch immer die Frage nach dem Ziel. Das Ziel der traditionell Religiösen liegt außerhalb dieser Welt, das Ziel der säkularen Gesellschaft ist das Glück möglichst vieler in dieser Welt.

  6. Joe Dramiga Antworten | Permalink

    Passend dazu

    Mehdi Hasan interviews evolutionary biologist Richard Dawkins at the Oxford Union and asks: Is religion a force for good or evil? Can it co-exist with science? Is science the new religion? And why if god does not exist, is religion so persistent?

    Dawkins on religion

    http://www.aljazeera.com/programmes/general/2012/12/2012121791038231381.htm

  7. Detlef Piepke Antworten | Permalink

    ... transzendieren

    Sehr schön und kompakt auf den Punkt gebracht, Herr Holzherr! Den Begriff der "Transzendenz" auf den Prozess der Säkularisierung anzuwenden ist völlig richtig. Es geht nämlich auch um ein Transzendieren des Dogmas (sowohl des religiösen, als auch des politischen).
    "... da es sich bei Evolutionsforschung immer nur um eine historische Forschung handelt," müsste der Untertitel des oben abgebildeten Buches auch "Warum Glauben bisher nützte" heißen. Da es menscheitsgeschichtlich so derartig neu ist, dass Welt ohne überempirische Akteure plausibel gedacht werden kann, (und das von großen Bevölkerungsgruppen) gibt es keine geschichtliche Erfahrung mit so einem Prozess.
    Aktuell scheinen säkular orientierte Gesellschaften (wie die skandinavischen oder auch die deutsche) den religiös orientierten (wie den arabischen und zunehmend auch der US-amerikanischen) gegenüber im Vorteil zu sein, wenn es darum geht möglichst vielen Menschen ein gutes Leben im Diesseits zu ermöglichen. Unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht.

  8. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Holzherr & Piepke

    Säkularisierung wird seit jeher als Auflösung von gewachsenen TranszendenzBezügen verstanden. Dies führt tatsächlich zu großen Freiheiten - und dann zu Individualismus und Aussterben. Auch in den skandinavischen Gesellschaften mangelt es den Nichtglaubenden schlichtweg an Kindern, da ist die Empirie gnadenlos... Dass sich das ändert - kann man bislang nur, tja, glauben... ;)

  9. Michael Blume Antworten | Permalink

    Staat, Gesellschaft, Gemeinschaft

    Zum Begriff des Säkularen noch die wichtige Standard-Unterscheidung: Ein Staat ist säkular, wenn er sich nicht über eine bestimmte Religion oder Weltanschauung legitimiert. Beispiel: USA. Eine Gesellschaft gilt als säkularisiert, wenn große Teile der Bevölkerung kaum noch religiöse Praxis zeitigen. Säkulare Gemeinschaften entstehen auf Basis nichtreligioser Weltanschauungen (z.B. des weltlichen Humanismus). Der säkulare Staat ist gerade auch aus Sicht vieler religiöser Traditionen ein Erfolgsmodell, zumal er Religionsfreiheit garantiert. Säkulare Gesellschaften und Gemeinschaften haben sich dagegen immer wieder gebildet, aber bislang nie dauerhaft behauptet.

  10. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Offene Gesellschaft+globaleGemeinschaft

    Der immer wieder gehörte Einwand, säkulare Gesellschaften seien zum Aussterben verdammt, bedeutet in letzter Konsequenz: Es wird auf absehbare Zeit keine globale Gemeinschaft aller Menschen geben, höchstens die globale Gemeinschaft aller Muslime - die Umma -, oder die globale Gemeinschaft aller Christen, wobei man hier wohl schon zwischen der globalen Gemeinschaft je der Katholiken und je der Reformierten unterscheiden muss.
    Eine globale Gemeinschaft, die jedem Menschen unabhängig von seiner Herkunft oder seinem Glauben Grundrechte und Entfaltungsmöglichkeiten zugesteht, dafür stehen noch am ehesten die Konzepte der
    - offenenen Gesellschaft
    - Habermas' Begriff der partizipierenden "Öffentlichkeit" innerhalb seiner Theorie des kommunikativen Handelns.
    Beide Theorie betonen die Wichtigkeit der Rationalität, wobei die offene Gesellschaft dem Liberalismus und dem Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt entspringt, während die Theorie des kommunikativen Handelns das Aushandeln von Lösungen in einem Dialog von Gleichberechtigten als Kernelement einer anzustrebenden Gesellschaftsform sieht.
    In beiden Theorien spielt der religiöse Glaube keine Rolle, wobei Habermas als Reaktion auf den neuen Fundamentalismus in seinem Buch "Zwischen Naturalismus und Religion" fordert, dass religiöse Aussagen in säkulare/rationale übersetzt werden müssen, damit über sie verhandelt werden kann (Habermas kann nicht anders beurteilt diese Anforderung an die Religiösen als unrealistisch)

    Es mag sein, dass (Zitat)Die "säkulare Gesellschaft" nur ein "europäischer Sonderweg" ist, wie selbst der Habermas-Schüler Klaus Eder konstatiert.
    Doch es ist wohl kein Zufall, dass die Idee der säkularen Gesellschaft vor allem in Europa beheimatet ist. Hier - in Europa - spielen religiöse Überzeugungen schon längere Zeit eine kleine und immer kleinere Rolle und gleichzeitig gibt es weiterhin eine kulturelle Vielfalt, die nach einer gemeinsamen Diskussionsbasis ruft. Und diese gemeinsame Diskussionsbasis kann unter diesen
    Offene Gesellschaft+globaleGemeinschaft
    Umständen nur der rationale Diskurs sein. Wohin der Zerfall in verschiedene Glaubenslager führt, zeigt uns dagegen exemplarisch die USA, wo die beiden Parteien - die Republikaner und die Demokraten - inzwischen für völlig verschiedene Weltanschauungen stehen und auf einer weltlichen Ebene die Spaltung in verschiedene religiöse Glaubenssysteme duplizieren. Dabei erleben wir genau wie bei wirklichen Religionen die Verweigerung eines rationalen Diskurses mit dem Resultat, dass nicht einmal wissenschaftliche Erkenntnisse von beiden Lagern "geglaubt" werden. Für den typischen Repuplikaner ist beispielsweise der Klimawandel eine Erfindung der Demokraten.
    Wenn ein Republikaner über Demokraten folgendes sagt: "The vast majority of Democrats are not interested in truth. They are not interested in logic. They are not interested in helping others. And they certainly are not interested in upholding and defending the Constitution." so bedeutet das nichts anderes als dass keine Diskussionsbasis mehr besteht.
    Wer eine Religion einmal als die einzig Richtige hinstellt, der argumentiert genau so. Für die Islamisten, die bald schon Aegypten regieren werden, wird es ebenfalls eine eindeutige Scheidung in Richtig und Falsch auf allen Ebenen des Lebens geben. Diskutieren muss man deshalb nicht mehr, nur noch exekutieren.

    Die Idee der säkularen Gesellschaft wird meiner Ansicht wieder erwachen, wenn die Menschheit realisiert in welches Fahrwasser sie gerät, wenn sie Rationalität durch Glauben ersetzt.

  11. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Holzherr: Warum so Entweder-Oder?

    Die Befunde scheinen mir auch eine etwas optimistischere Deutung zu ermöglichen: Statt der Dominanz nur einer Religion oder Weltanschauung sehe ich ein Anwachsen der Vielfalt & Milieus. So sterben Säkulare doch nicht aus, solange Menschen aus Religionen austreten (was sie in sicheren und wohlhabenden Verhältnissen häufig tun). Umgekehrt bilden sich auch immer wieder neue, religiöse Bewegungen. Idealerweise gelingt eine Kultur gegenseitigen Respekts, in dem Milieus auch die Leistungen der je Anderen anerkennen.

    Und, ja, der Diskurs muss rational sein - und dabei auch die Grenzen der Ratio anerkennen. Die Religion ist vielleicht der mächtigste, aber doch nicht der einzige Lebensbereich, der über die Ratio hinaus weist: Auch Kunst, Literatur, Sport usw. tun das.

    Ich hoffe, dass gerade auch die Evolutionsforschung dabei helfen kann, die Fülle menschlichen Lebens und den Wert der Vielfalt sichtbarer zu machen.

  12. R.J. Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr und Detlef Piepke

    Danke für Ihre Kommentare.

    Was den „evolutionären Erfolg“ der Religionen angeht, sollte man in der Tat sehen, dass Erfolg in der Vergangenheit in keiner Weise Erfolg in der Zukunft unter gewandelten Bedingungen garantiert. Das Gegenteil kann der Fall sein, wie man an folgendem Denkbeispiel leicht sieht: Man nehme an, streng Religiöse mit hoher Kinderzahl gewönnen die Oberhand und stellten die Mehrheit. Das implizierte erhebliches Bevölkerungswachstum und noch mehr Konkurrenz um Ressourcen, deren Endlichkeit kein Gebet und keine Lektüre heiliger Schriften wegdisputieren kann. Sich dann in der Kinderzahl zu beschränken stellt schon eine Kollision mit dem Gedanken dar, dass die Produktion von Kindern an sich wünschenswert ist, wie er sich etwa in christlichem Gedankengut finden lässt. Leider käme diese Adaptationsleisting, wenn überhaupt, sehr spät.

    Dass eine sich weiter rasant vermehrende Population von, sagen wir, 10 Milliarden Menschen „mit Gottes Hilfe“ ihre Ressourcen- und Umweltprobleme löst, ist eine irrationale Annahme. Konsequenterweise erwarten ja die Radikalen, typischerweise mit hoher Kinderzahl, dann auch, dass vorher das „Jüngste Gericht“ eintritt und sich dann alles für sie selbst irgendwie löst und die anderen, die faktischen Konkurrenten, vertilgt werden.

    Ein durchgängiges Charakteristikum der biologischen Evolution ist, dass sie nur „lokal“ optimiert, daher das viele „tinkering“. Religionen haben zweifelsohne in der Vergangenheit bei der lokalen Optimierung und der vor allem auch gewaltsamen Konkurrenz zwischen Populationen geholfen; es geht ja nicht nur um das eigene Sterben, sondern auch um das gute Gewissen usw. beim Töten (so erleben wir derzeit durch den obersten Bundesprediger u.ä. zukunftsträchtig (Hegelscher Weltgeist) den (noch recht subtilen) Versuch der Reimplementierung der Synthese von religiösem Tremolo und militärischer Gewalt). Auch ist ein mindestens so starkes Charakteristikum von Religionen wie die Identifikation innerhalb der Gruppe die Ausgrenzung anderer. Daher das unaufhörliche Bedürfnis nach „minderwertigen“ Feinden (auch dem Papst gelingt es nicht, in auch nur einer einzigen Rede ohne die Identifikation von nicht nur abstrakten („Relativismus“) Feinden auszukommen (Islam, „Atheisten“, Homosexuelle usw.)).

    Die Situation ist aber heute eine ganz andere, da wir offenbar der globalen und nicht nur lokalen Abstimmung bedürfen, wenn wir nicht einer Kaskade von Katastrophen und einem alles Bisherige in den Schatten stellenden Sterbenlassen- und -machen entgegensehen wollen. An unzähligen Punkten, vom Klimawandel über die Meeresverschmutzung und -ausbeutung bis zum hemmungslosen Verbrauch unzähliger unwiederbringlicher Ressourcen, erleben wir die Wirkungen lokaler(=Egoismus einzelner oder von Gruppen) statt globaler Optimierung. Und ich bin mir keineswegs sicher (und eher pessimistisch), was das künftige friedensstiftende Potenzial der Religionen angeht.

    Das in vielen Religionen verborgene (wenn auch oft kurzgeschlossene) und im Prinzip nie zu stillende Ungenügen an der Endlichkeit und zugleich die stets neue Offenheit und Revisionsbereitschaft des Säkularen zu bewahren (wenn ich das einmal so pathetisch formulieren darf), kann m.E. allenfalls den „liberal“ und oft genug abfällig „lau“ Genannten unter den religiösen Menschen gelingen. Ich finde diese Menschen in jeder Hinsicht bedeutsamer und der intellektuellen Aufmerksamkeit würdiger als die Vielzahl stark konfessionell Verhafteter oder gar Fanatiker, von denen nach meiner Meinung mit einiger Wahrscheinlichkeit in summa eher Destruktives als Konstruktives zu erwarten sein wird.

  13. Stefan Antworten | Permalink

    R.J.

    Wie sich Religion (allg.) entwickeln wird, hängt das nicht davon ab, wie sich das Bewusstsein der Menschen entwickeln wird, wie bewusst und selbstbewusst mit ihrer Religiosität umzugehen die Menschen lernen werden?
    Es ist doch nicht Religion, die Menschen macht (naja, natürlich auch), sondern Menschen machen Religion(en). Und längst ist es nicht mehr (nur) Evolution, die Menschen macht, sondern (auch) Menschen machen Evolution. Der Blick meiner Ratio auf die Trennung von Säkularem und Religiösem ist ambivalent. Bewusstsein aber ist mehr als Ratio, und Religion (allg.) hat in Sachen Bewusstseinsschulung ein großes Potential - wenn das zugegeben in der (konkreten) Religion auch oft nicht, oder nur ungenügend, genutzt sein mag. Natürlich braucht es für Bewusstseinsschulung keine Religion. Da ich aber davon überzeugt bin, dass Religion auch in Zukunft nicht "totzukriegen" sein wird, wäre es dann nicht besser, dafür offen zu sein, Säkulares und Religiöses (sich entwickelnd) kooperieren zu lassen?

    (Ich hoffe, Sie nicht missverstanden zu haben.)

  14. Detlef Piepke Antworten | Permalink

    Zukunftsszenario ...

    Mir war es gerade zu Zeit aufwändig ein realistisches Zukunftsszenario aufzubauen, aber R.J. hat ja da schon einiges getan.
    Deswegen kurz: Weniger Kinder sind aktuell natürlich kein "Mangel", sondern eine "gesunde" Entwicklung, da die meisten globalen Probleme aus einem "Überangebot" an Menschen resultieren. Die hoch entwickelten, säkularen Staaten kompensieren den Geburtenrückgang durch Zuzug meist religiöser Menschen. Der Säkularisierungsdruck ist in diesen Staaten aber groß genug, so dass sich religiöse Dogmen nicht ernsthaft als Vorteil erweisen können. Die Religiosität nimmt ab.
    Eine weniger und dann überhaupt nicht mehr wachsende Weltbevölkerung wird den wirtschaftlichen Druck (der aktuell auch in den säkularen Staaten herrscht und eben auch zu weniger Kindern führt) entschärfen, die Bereitschaft Kinder in die Welt zu setzen, wird wieder größer, da auch Atheisten Kinder eigentlich klasse finden. Allerdings werden sie es nicht übertreiben. Das ist gut für den Planeten.
    Der "Individualismus" in säkularen Staaten war nur eine Durchgangsstation (eine Abgrenzung gegenüber der gläubigen Mehrheit), die Entwicklung kehrt sich um, denn in säkularen Staaten werden eher die Gläubigen zu Individualisten, wie vor kurzem ja eine Studie zeigen konnte. Aktuell ist diese Entwicklung schon in vollem Gange, immer mehr Ungläubige tun sich zusammen, weil sie ein hoch menschliches Interesse an sozialem Miteinander haben.
    Nu ja, um es kurz genug zu halten: Die Welt wird gerettet, da das ganz weltliche Know-How zur Verfügung steht (was den islamischen Staaten leider fehlt). Religionen werden natürlich bleiben, werden aber so weit an Macht verloren haben, dass eine neue "Bevölkerungsexplosion" nicht mehr zu befürchten ist.
    "Die Welt" (also die Erde) geht dann in ca. 5 Milliarden Jahren trotzdem unter. Aber: Das Ende ist fern!

  15. Michael Blume Antworten | Permalink

    @R.J., Stefan & Piepke

    Bei allen Unterschieden im Einzelnen freut es mich sehr, dass die Auseinandersetzung mit den Befunden bei Ihnen Nachdenken, Beobachten und das Entwerfen von Szenarien auslöst. Dass ich jetzt nicht Ihre einzelnen Perspektiven "bewerten" möchte, liegt einfach daran, dass Evolutionsforschung sich ja nur auf vergangene Beobachtungen stützen kann - Extrapolationen in die Zukunft haben also immer ein spekulatives Element. Oder, einfacher formuliert: Ich bin da so gespannt und ergebnisoffen wie Sie und lasse mich gerne überraschen! :-)

    @Piepke: Genau gelesen unterscheiden sich unsere Zukunftsszenarien wohl nur in Nuancen. Damit hätte ich nun nicht gerechnet, das wollte ich auch mal einfach freundlich anmerken.

  16. Thomas Antworten | Permalink

    Kinderreichtum?

    Absolut lächerlich. Im sehr religiösen Staat des Vatikans gibt es überhaupt keine Kinder und kann damit nur durch Zuzug aufrecht erhalten werden. Ihre Forschungen sind somit als nicht haltbar falsifiziert und Sie können von vorne anfangen. Ein harter Schlag.Tut mir leid für Sie.

  17. R.J. Antworten | Permalink

    @Stefan

    Sie haben mich nicht missverstanden, und ich gehe mit Ihren Ausführungen d’accord. Von Herrn Holzherr wurde auch bereits auf Jürgen Habermas hingewiesen. Ihm geht es gerade um ein solches - immer auch keineswegs spannungsfreies und sich eben daher stets bewegendes - Miteinander ohne vorschnelle Vereinnahmung und vorschnelles „Verständnis“, eben dasjenige, was Sie offenbar im Sinn haben. Man lese etwa die sorgfältigen, intellektuell einfühlsamen Analysen in „Nachmetaphysisches Denken II“, einem gerade erschienenen Sammelband. Wieweit das dann - außer auf Einzelne - im genauen Sinne des Wortes allgemein „bildend“ zu wirken sein Potenzial entfaltet, werden wir sehen; ich fürchte allerdings, dass insgesamt die BILDung die Oberhand haben wird.

  18. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Thomas: Wissenschaft

    Himmel, etwas ernsthafter könnten Sie sich mit dem Thema schon befassen...

    Wenn Sie auch nur den obigen Blogbeitrag richtig durchgelesen hätten, so würden Sie dort finden, dass ich ausdrücklich vom "potentiellen religiösen Kinderreichtum" schrieb - Religionen beeinflussen (auch) das Geburten- und Familienverhalten in unterschiedlichste Richtungen. So übernahm auch der SPIEGEL-Artikel das Beispiel der kinderlosen (und derzeit aussterbenden) Shaker aus dem Blog:
    Die Shaker - Kurze Blüte, kinderlos

    Und auch das Zölibat war in der Evolutionsforschung und meinen Arbeiten schon mehrfach Thema, haben wir doch auch bei Nichtprimaten (z.B. Ameisen) "Helfer am Nest", die zugunsten der Gemeinschaft auf eigene Nachkommen verzichten. Sogar mein allererster (Gast-)Beitrag vor fünf Jahren hier auf den Scilogs befasste sich mit dem Thema!
    Glaube und Zölibat - biologisch erfolgreich?

    Kurz: Es entstanden und entstehen ständig religiöse Varianten, von denen sich jene besonders erfolgreich durchsetzen, die auch an viele Kinder weiter gegeben werden.

    Kein Merkmal kann oder muss im Evolutionsprozess immer erfolgreich sein, um sich durchzusetzen - es reicht, im Durchschnitt besser (oder bei Drift gleich) abzuschneiden. So haben sich beispielsweise schon viele Menschen durch den unklugen Einsatz der Sprache(n) "um Kopf und Kragen geredet". Nur ein sehr schlichter Geist würde daraus schließen, dass also Sprache an sich evolutionär nicht adaptiv sein könnte...

    Also, lieber @Thomas, Wissenschaft ist dann und so lange spannend, so lange man sie mit einem gewissen Ernst betreibt. Denken bzw. lesen Sie doch vielleicht doch mal ein wenig ernsthafter, bevor Sie Ihr (Vor-)Urteil fällen - oder fragen Sie einfach nach, wenn Ihnen etwas nicht klar ist.

  19. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    Übersetzung des Religiösen

    Habermas fordert die Übersetzung von religiösen Aussagen in säkulare. Klingt interessant, aber was heisst das eigentlich? Eine rein sprachliche Umwandlung? Also nicht mehr sagen, dass Mohammed den Koran vom Erzengel Gabriel diktiert bekam, sondern von seiner Intuition oder Inspiration, die nur im Engel personifiziert wurde? "Auferstehung" verstehen als Metapher für einen immer wieder möglichen Neuanfang? "Gott" als Metapher für das Grenzenlose, Unbekannte, alles Rationale Übergreifende, das ja auch z.B. der Erforscher der "dunklen Materie" kennt?
    Bräuchten wir dann eine neue Bibel- oder Koranübersetzung, die jede Metapher daraus "aktualisiert"? Und in welche säkulare Ebene müssten die religiösen Ausdrücke übersetzt werden: in eine alltägliche oder wissenschaftliche?
    Kann man Bilder einfach in (verständliche) Begriffe übertragen, ohne dass etwas verloren geht? Oder sollten alte in neue Bilder übersetzt werden?
    Hat Habermas das konkret ausgeführt?

  20. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Weltgemeinschaft ist (noch) säkular

    Die (heute noch) global erfolgreichtste Gemeinschaft ist die säkulare Weltgemeinschaft. Ihr Glaubenssystem ist der Humanismus angereichert um Ideen, die auch der Konstruktion des Christentums zugrundelagen und befeuert durch den Impetus, der in sozialen Umbrüchen wie der franzöischen Revolution mit ihrer Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zum Ausdruck kam. Zum Durchbruch verhelfen sollen diesem Glaubenssystem der wissenschaftliche und gesellschaftliche Fortschritt, die Prinzipien der Rationalität und Humanität.
    Die UNO gab dieser Bewegung einen instituionellen Charakter durch Festschreibung der Menschenrechte: Das sind universelle, egalitäre und unteilbare Rechte, die jedem gleichermassen zustehen. Zur Weltbewegung wurde das zugrundeliegende Glaubenssystem durch den Gedanken der Toleranz und durch das Prinzip der Subsidiarität, welches allen anderen, insbesondere religiösen Glaubenssystemen ihre Rechte belässt, solange sie jedem Individuum, freiwilligen Zusammenschlüssen von Individuen und wichtigen Institutionen - wie der Presse - Freiheit gewähren.

    Die jetzt zu beobachtende Rückkehr zu fundamentalistischen Formen des Glaubens sowohl im Christentum als auch im Islam bedeutet nichts anderes als eine Abkehr von den Idealen der freien Gesellschaft und auch eine Abkehr von der Toleranz gegenüber anderen Glaubenssystemen und anderen Lebensweisen.
    Toleranz predigen zwar auch einige Religionen, in der Praxis aber dominieren Ressentiments gegenüber anderen religiösen Auffassungen, am stärksten gegenüber anderen Interpretationen des eigenen Glaubens - wo der Begriff der Häresie von den Orthodoxen nicht nur für sektiererische Abspaltungen reserviert ist , sondern auch von Katholiken gegenüber Protestanten und umgekehrt oder von Sunna-Gläubigen gegenüber Bahais, Alleviten und Sufis verwendet wird. Eine spezielle Form der "Toleranz" haben Muslime gegenüber den anderen monotheistischen Religionen, dem Judentum und dem Christentum, bezeichnen sie diese doch als Dhimmis, Schutzbefohlene minderen Rechts.

    Eine Rückkehr zur Religion ist meist auch eine Rückkehr zu traditionellen Lebensweisen oder einer traditionellen Denkart. Es werden Lebenshaltungen und Praktiken reaktiviert, die nicht direkt in der Religion selbst begründet sind, die aber schon lange ein Amalgam mit der betreffenden Religion bilden. So war die Beschneidung von Frauen (hier Genitalverstümmelung genannt) in Aegypten üblich (90% der Aegypterinnen sind beschnitten) obwohl der Islam als Religion dies nicht verlangt. Im Jahre 2008 wurde die Beschneidung in Ägypten verboten und das sogar mit Zustimmung der islamischen Rechtsgelehrten. Doch jetzt wollen die frisch an die Macht gekommenn Muslimbrüder und Salafisten die Beschneidung wieder legalisieren, denn die Reislamisierung ist eben auch eine Retraditionalisierung.

    Das humanistische, säkulare Glaubenssytem will Grundrechte und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Menschen unabhängig von ihrer Religion oder Staatszugehörigkeit. Religionen taten sich schon immer schwer mit diesem Anspruch und selbst die christlichen Kirchen - deren Glauben ja teilweise in den Humanismus einging - lehnten noch im letzten/vorletzten Jahrhundert Demokratie und Menschenrechte ab. Die islamischen Staaten tun das offiziel nicht mehr, gehören sie doch der UNO an, welche die Menschenrechte institutionalisiert hat und ihre Umsetzung in allen Mitgliedsstaaten (fast alle Länder der Welt) verlangt.
    Doch in den islamischen Làndern, die die Scharia schon eingeführt haben oder sie einführen wollen, gelten die Menschenrechte unter Vorbehalt, was sogar in der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam festgehalten wurde. Dort wird besipielsweise in Artikel 19 Gleichheit vor dem Gesetz für alle Menschen und Rechtssicherheit garantiert wobei die Scharia als einzige Grundlage der Entscheidung über Verbrechen und Strafe gilt. Das verwundert nicht, denn nach der Scharia mögliche Strafen wie Amputationen, Steinigungen oder die Todesstrafe für den Abfall vom Islam sind nicht mit den Menschenrechten vereinbar.

    Die Auswirkungen einer Fundamentalisierung der Auffassungen zeigt sich auch in den USA, wobei hier besonders deutlich wird, dass im weitesten Sinne fundamentalistische Auffassungen selbst einen säkularen Staat wie die USA bedrohen. Letztlich weil die eben von einer säkularen, humanistischen Gesellschaft geforderte Priorität der Rationalität und Humanität nicht mehr gegeben ist. In den USA haben sich die Weltanschauungen, die die beiden grossen Parteien, Republikaner und Demokraten tragen, zunehmend und immer fundamentaler auseinanderentwickelt. Demokraten "glauben" an ihre liberalen Grundsätze in einer Inbrunst, die es sonst nur in der Religion gibt und die Republikaner geraten immer mehr in die Fänge der evangelikalen Fraktion. Beide Parteien - Republikaner und Demokraten - sehen die je andere Partei zunehmend als Glaubenssystem - das es zu bekämpfen gilt. Interessant ist, dass vor allem die Republikaner auch Dinge zu ihrem Glaubenssytem zählen, die den wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen. Republikaner lehnen in der Mehrheit die Evolutionslehre ab und glauben nicht an den Klimawandel.

    Fazit: Der Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt, an Rationalität und Humanität hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer stärker verbreitet. Heute aber bedrohen Fundamentalismen und eine Rückkehr in die Irrationaliät eine gemeinsame Zukunft aller Menschen.

  21. Horst Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr

    "Die (heute noch) global erfolgreichtste Gemeinschaft ist die säkulare Weltgemeinschaft."

    Wenn man Erfolg in Wettbewerb und gleichbleibender Bewußtseinsschwäche bewertet, dann würde das "Christentum", bei gleicher wirtschaftl. Problemlage wie der Islam, sich genau SO um ALLES prügeln.

    URSACHE aller Probleme / Symptomatiken ist der nun "freiheitliche" WETTBEWERB um ... des geistigen Stillstandes seit ...!

  22. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @R.Sünner:Habermas' Postsäkulare Gesell.

    Habermas hat in seinem Buch "Zwischen Naturalismus und Religion" ein kooperative Übersetzung religiöser Gehalte in säkulare Sprache gefordert. Doch diese Übersetzung ist nur dort nötig, wo religiöse Überzeugungen Einfluss auf unsere Zivilgesellschaft haben oder wo umgekehrt die säkulare Gesellschaft das Leben der Religiösen berührt; nicht aber im Urbereich des Religiösen. Fragen wie die richtige Interpretation der Dreifaltigkeitslehre, wer den Koran geschrieben oder diktiert hat und dergleichen sind innerreligiöse Fragen, die nur die Glaubensgemeinschaft betreffen, die daran glaubt.
    Etwas anderes ist beispielsweise das Gebot der Beschneidung von Jungen im Judentum oder Islam. Denn das berührt auch rechtliche Fragen der Zivilgesellschaft. Habermas nimmt implizit an, dass wir in einem säkularen Staat und einer säkularen Gesellschaft leben, die das Glück der Menschen im Hier und Jetzt anstrebt. Diese Gesellschaft kennt ein Recht und Gesetze für die Bedürfnisse einer säkularen Gesellschaft. Wenn Religionsgemeinschaften berücksichtigt werden sollen in der Rechtsgebung und dem säkularen gesellschaftlichen Leben, so müssen sie - gemäss seiner Theorie des kommunikativen Handelns - das Gespräch mit anderen Bürgern und Vertretern dieser säkularen Gesellschaft suchen. Stellen sie dabei beispielsweise die Forderung, dass Abtreibung illegal ist und verboten werden muss, so können sie das nicht einfach mit religiösen Überzeugungen und einem Dogma begründen. Sie müssen dies in der gleichen Sprache begründen, die auch in der säkularen Gesellschaft verstanden wird. In diesem konkreten Fall könnten sie beispielsweise Menschenrechte des Ungeborenen geltend machen. In Jürgen Habermas. Religion in der Öffentlichketi wird allgemein verständlich auf die Idee der kooperativen Übersetzung religiöser Gehalte in eine säkulare Sparche eingegangen.
    Kurz zusammengefasst, sieht Habermas uns in einer globalisierten, pluralistischen, ambivalenten Gesellschaft angekommen. Damit sind auch die Werte und die Glaubenssätze der Religion relativ, glaubensgemeinschafbezogen geworden. Doch die Religiösen sollen sich nicht einfach der Rechts- und Lebensauffassung der Säkularen unterwerfen müssen: (Zitat)"Es ist die kooperative Aufgabe beider Seiten im Staat, der religiösen und der säkularen, auch die Perspektive des andern einzunehmen und zu prüfen, was man wechselseitig voneinander lernen kann."
    Interessant finde ich noch den Hinweis aus oben zitiertem Dokument, dass Habermas als Vorbild für den Einbezug der Religiösen in die säkulare Gesellschaft Immanuel Kant sieht. Auch Kant verwarf nicht einfach die christliche Tradition, auch er übersetzte ihre Inhalte in philosophische Begrifflichkeit.

  23. Horst Antworten | Permalink

    Martin Holzherr

    "Damit sind auch die Werte und die Glaubenssätze der Religion relativ, glaubensgemeinschafbezogen geworden."

    :-) genau da VEGETIERT auch der zeitgenössische "Sozialismus".

    "Auch Kant verwarf nicht einfach die christliche Tradition, auch er übersetzte ihre Inhalte in philosophische Begrifflichkeit."

    Wenn die "christliche" Tradition NICHT der geistige Stillstand im "Recht des Stärkeren" der "braven Bürger" wäre, dann wäre Kant aufgrund der wirklich-wahrhaftigen Erkenntnis der Philosophie der Bibel, ein Sozialist!? :-)

  24. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr

    So weit liegen unsere Geschichtsdeutungen da m.E. nicht (mehr?) auseinander: Der säkulare Staat (der, christlich gesprochen, Gott und Kaiser unterscheidet) ist eine großartige Errungenschaft, der ja erst die Freiheit auch des Glaubens, der Wissenschaft, der Kunst, den Dialog auf Augenhöhe etc. ermöglicht. Religiös verwurzelte Bewegungen haben ihn daher nicht nur mit entwickelt, sondern tragen ihn auch gestaltend mit (in Deutschland zum Beispiel die Christdemokratie).

    Zugleich aber darf der säkulare Staat nicht selbst zum Religionsersatz werden, der Rationalismus nicht die Freiheiten bedrohen. Ja, Der Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt, an Rationalität und Humanität hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer stärker verbreitet. - aber er hat gerade nicht alle Probleme lösen können. So erfolgte der Aufstieg des Islamismus in der arabischen Welt, der Türkei usw. nicht zuletzt aufgrund des Versagens säkularer Eliten und Ideologien. In der westlichen Welt setzte der Zerfall von Gemeinschaften und Familien ein, während sich immer mehr Hoffnungen auf die - zunehmend überschuldeten - Staaten richteten. Menschen entkamen der materiellen Not - und stürzten nicht selten in Sinnkrisen.

    Heute aber bedrohen Fundamentalismen und eine Rückkehr in die Irrationaliät eine gemeinsame Zukunft aller Menschen.

    Was m.E. gerade von den Menschen, die sich selbst als gebildet und rational verstehen, vor allem eines verlangen würde: Zu überlegen, was schief gelaufen ist und welche menschlichen Bedürfnisse & Prozesse mißachtet wurden, die zur vielfachen "Rückkehr in die Irrationalität" führten.

  25. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    Übersetzung des Religiösen 2

    @Holzherr: "Fragen wie die richtige Interpretation der Dreifaltigkeitslehre, wer den Koran geschrieben oder diktiert hat und dergleichen sind innerreligiöse Fragen, die nur die Glaubensgemeinschaft betreffen, die daran glaubt."
    Ist das wirklich so? Dawkins und viele andere Atheisten überlassen solche Fragen aber gerade nicht den Glaubensgemeinschaften, sondern erklären sie für Wahn, Aberglauben, Phantasie, Wunschprojektion etc.
    Ich denke, die Forderung nach Übersetzung von religiösen in säkulare Bilder ist allgemein nötig, um aus der Gleichung "Religion=Wahn, spätpubertäre Phantasieproduktion" herauszukommen. Und das scheint Habermas - anders als Dawkins - doch zu wollen. Er scheint ein tief humanistisches Interesse an jüdisch-christlichen Narrativen und Metaphern zu haben, die für ihn mehr als nur Aberglauben oder Privatangelegenheiten sind. Sonst würde er sie nicht so vehement gegen polytheistische, heidnische oder neo-schamanistische Formen verteidigen.
    Habermas sieht - glaube ich - in jüdisch-christlichen Mythologemen auch verkapselte humanistische Botschaften, die durch Aufklärung und rationales Denken alleine nicht zu haben sind.
    Sonst würde er kaum fordern zu "prüfen, was man wechselseitig voneinander lernen kann."
    Das Übersetzungsproblem ist somit ein ganz allgemeines und gesellschaftlich enorm wichtiges, wenn säkulare Toleranz gegenüber dem Religiösen mehr sein soll als nur ein achselzuckendes "Ach lass doch die armen Verblendeten und Noch-Nicht- Aufgeklärten glauben, was sie wollen, solange sie sich gesetzestreu benehmen."

  26. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @R. Sünner:Dawkins JudChristl. Missionar

    Dawkins ist ein klassischer Prediger in der judäo-christlichen Tradition. Er operiert mit Gleichnissen (Glauben als Virus), ist ein glühender Bekenner der Brights-Bewegung und will die Menschen aus der Versklavung durch die Religion befreien und sie in ein Paradies der Friedfertigkeit und des Diesseitsglücks führen.
    Dawkins Bücher und Thesen sind populär - nimmt man die Buchverkäufe als Massstab -, und werden samteinen ikonischen Wortschöpfungen ( "Gotteswahn") von der Generation meiner Eltern sehr gut verstanden, denn ein System als wahnhaft zu bezeichnen, das sie in ihrer Jugend durch eine repressive Sexualmoral und Drohungen mit Fegefeuer und Hölle erfahren haben, können sie gut nachvollziehen - obwohl solch ein (unbewusster) Nachvollzug wohl selbst wieder als Sünde erlebt wird (denn glauben tun die meisten trotzdem noch).
    Das missionarische Feuer eines Dawkins passt gut zur Ambition von Christlichen und Islam und die Tatsache, dass auch die Brights-Bewegung eine Art Heilslehre ist (wozu das Brights-Symbol der Sonne mit Strahlen passt), zeigt für mich deutlich, dass Menschen des abrahamistischen Kulturkreises egal welchen Glaubens oder Unglaubens eine letztes Ziel, eine Erleuchtung?, jedenfalls ein Transzendieren über die rein biologischen Bedürfnisse, suchen. Dazu passt folgendes Zitat aus der Beschreibung des Bright-Symbols: " it is generally meant to invoke transition and a sense of gradual illumination. The intentional ambiguity of avatar is meant to symbolically reflect an important question: Is the future of humankind becoming luminous or more dim? The Brights “wish to take the promising route, whereby the imagery brings to mind a gradually increasing illumination for this earth of ours, an escalation of enlightenment."

    So gesehen portiert Dawkins einfach eine andere Religion. Und wie viele stark Überzeugten verdammt er die Alt-Gläubigen - die Heiden. Nur sind seine Heiden die Religiösen.

    Habermas scheint dieses Feuer, diese lodernde Flamme eines Dawkins nicht in sich zu haben - oder er zeigt es nicht. Er ist durch und durch der Vermittler und passt von der ganzen Persönlichkeit her zu seiner Theorie des kommunikativen Handelns - fast so wie der Herr zum Hund.

    Es stimmt möglicherweise, was sie schreiben: "Habermas sieht - glaube ich - in jüdisch-christlichen Mythologemen auch verkapselte humanistische Botschaften, die durch Aufklärung und rationales Denken alleine nicht zu haben sind." - womit dann Dawkins und Habermas beide von der judäo-christlichen Kultur durchdrungen wären. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass Habermas einen ehrlichen Diskurs und Dialog anstrebt und dass er Religiöse nur schon darum ernst nehmen will, weil 1) es ohne Ernstnehmen der Gegenseite keinen echten Dialog geben kann und 2) weil für ihn die Welt im Diskurs und Dialog entsteht und den Dialog gegenüber einer Gruppe von Menschen einfach auszuschliessen ein Akt der Gewalt wäre.

  27. Michael Blume Antworten | Permalink

    @ M. Holzherr: Definition von Religion?

    Lieber Herr Holzherr,

    erlauben Sie mir zu Ihrem sehr interessanten Kommentar eine Nachfrage? Sie schrieben dort: Dawkins ist ein klassischer Prediger in der judäo-christlichen Tradition. Er operiert mit Gleichnissen (Glauben als Virus), ist ein glühender Bekenner der Brights-Bewegung und will die Menschen aus der Versklavung durch die Religion befreien und sie in ein Paradies der Friedfertigkeit und des Diesseitsglücks führen.

    Dazu wollte ich einfach fragen, wie Sie Religion denn nun definieren? Wenn jede und jeder "religiös" sei, der oder die mit Metaphern und Symbolen arbeitet und Wahr-Falsch-Überzeugungen mit Überzeugungsabsicht verkündet - wären Sie dann nicht auch selbst als "religiös" zu verstehen? Immerhin "verkünden" Sie doch auch, sogar mit düsteren Warnungen unterlegt: Der Glauben an den wissenschaftlichen Fortschritt, an Rationalität und Humanität hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer stärker verbreitet. Heute aber bedrohen Fundamentalismen und eine Rückkehr in die Irrationaliät eine gemeinsame Zukunft aller Menschen.

    Ganz ernsthaft & interessiert gefragt, lieber Herr Holzherr: Wären Sie nach Ihrer eigenen Definition nicht auch ein wenig "jüdisch-christlich religiös"?

  28. Horst Antworten | Permalink

    Philosophie & falsche Propheten

    Interessen- und Glaubensgemeinschaften - "... werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden." Matthäus 24,24

    Säkularität - wer's gaubt, wie Chancengleichheit, Sozialstaat, Entwicklungshilfe, Demokratie, usw., wird selig!?

    Am Ende HOFFEN und BANGEN die meisten der ach so Auf- und Abgeklärten :-)

  29. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    Habermas

    Im Netz findet sich eine ganz gute Zusammenfassung von Habermas' allmählicher gewandelter Stellung zur Religion, die vielleicht für diesen Blog interessant sein kann: http://www.information-philosophie.de/...&c=75

    1) Eine moderne nachmetaphysische Philosophie kann Religion weder ersetzen, noch verdrängen, solange „die religiöse Sprache inspirierende, ja unaufgebbare semantische Gehalte mit sich führt, die sich der Ausdruckskraft einer philosophischen Sprache (vorerst?) entziehen und der Übersetzung in begründende Diskurse noch harren." Die bisherige Philosophie habe ihre Arbeit am religiösen Erbe mit zu wenig Sensibilität betrieben.
    2) Die Moderne sei überfordert, das entstandene Sinnvakuum mit selbst generierten Mitteln zu schliessen, da z.B. die Sprache des Marktes heute in alle Poren eindringe "und alle zwischenmenschlichen Beziehungen in das Schema der selbstbezogenen Orientierung an je eigenen Präferenzen presse." Demgegenüber drücke die alttestamentliche Metapher von der Gottebenbildlichkeit und Geschöpflichkeit des Menschen eine Intuition aus, die „auch dem religiös Unmusikalischen etwas sagen kann“, etwa auch im Bezug auf die Gefahren manipulierender genetischer Eingriffe, wo einfach ein Mensch an die Stelle des Schöpfers trete.
    3) Die moderne säkulare Vernunft müsse verstehen, dass beide Modi – Glauben und Wissen – mit ihren in Jerusalem und Athen fundierten Überlieferungen zur ihrer Entstehungsgeschichte dazugehören. Sie wird nur zu sich finden, wenn sie ihre beiden Anteile, den säkularen und den religiösen, als „komplementäre Gestalten des Geistes“ zu begreifen lernt, was ihr auch ermögliche, dem Defätismus, „der in ihr selber brütet“, entgegenzutreten.
    4) Nach alledem werde deutlich, dass Habermas auch in seiner Auseinandersetzung mit der Religion dasjenige umsetzt, das für seine Theorie des kommunikativen Handelns wesentlich ist: die kommunikative Vernunft, die sich auch anderen Konzepten gegenüber lernbereit verhält, wenn es darum geht, „in profanen Gemütern ein Bewusstsein für die weltweit verletzte Solidarität, ein Bewusstsein von dem, was fehlt, von dem, was zum Himmel schreit, zu wecken und wachzuhalten."

  30. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Michael Blume: Tiefen-Religion

    In Analogie zu Chomskys These alle Sprachen hätten einen gemeinsamen Ursprung und seien über eine Urgrammatik verbunden, hätten eine gemeinsame Tiefenstruktur sehe ich auch bei einigen Religionen - den abrahamistischen, den missionarischen - gemeinsame Quellen und gewissermassen eine gemeinsame Tiefenstruktur. Auch areligiöse und nicht-religiöse Menschen, die im Kulturkreis der abrahamistischen Relgion leben, kennen diese Tiefenstruktur und wenden sie - je nach Temperament und Empfänglichkeit für diese "Kulturtechnik" - unterschiedlich stark an.

    Was ich mit meinen Aussagen zu Dawkins vor allem im Visier habe ist das Missionarische, das Dawkins genau so wie der Islam und das Christentum hat: Dawkins will wie die Zeugen Jehovas und ähnliche Sekten/Religionen andere Menschen konvertieren und sie aus der "Sündhaftigkeit" ihres momentanen Lebens - das eigentlich mehr ein Vegetieren ist -, herausführen und sie von Gomorrha weg ins Land des Lichts bringen. Wenn Dawkins religiöse Erziehung als Kindsmissbrauch darstellt oder davon spricht, wer junge Menschen zu Moslems erziehe mache etwas ähnliches wie wenn er ihnen Waffen für den Terroreinsatz in die Hand drücke, dann wendet er ähnliche Techniken an und spricht ähnliche Schichten bei seinen Zuhörern an wie das Luther oder andere Prediger und Überzeugungstäter in unserem Kulturkreis gemacht haben.

    Sie schreiben: Wenn jede und jeder "religiös" sei,..
    Doch Dawkins (und auch ich) ist nicht klassisch religiös. Dawkins wird nur vom gleichen missionarischen Furor ergriffen, den jeder Christ oder Muslem schon einmal bei Geistlichen/Predigern oder starken Gläubigen erlebt hat.

    Wer nicht nur für sich sondern für alle Menschen eine "Erlösung" vom Schicksal der Miserables will und anstrebt und wer den elenden Zustand nicht nur in materiellem Mangel sondern in "geistigem" Mangel, in falscher Orientierung, sieht, der hat etwas, was auch in Christentum und Islam vorkommt.

    Viele überzeugte Atheisten haben solch einen missionarischen Zug.

    Ob diese Scheidung in Gut und Böse, ins Land der Schatten und des Lichts bei allen Religionen vorkommt, weiss ich nicht. Ich vermute dass es vor allem bei den abrahamistischen Religionen und im gesamten Kulturrraum, der von ihnen beeinflusst ist, stark verbreitet ist.

  31. Rüdiger Sünner Antworten | Permalink

    @Holzherr

    Was sie meinen, hat schon 2003 Jan Assmann bemerkt und die "mosaische Unterscheidung" genannt: die nach der Wende vom Poly- zum Monotheismus erfolgte Unterscheidung zwischen wahr und falsch, der richtigen und der Irrlehre. Nietzsche dachte schon so und favorisierte den Polytheismus als "Freigeisterei und Vielgeisterei des Menschen" gegenüber dem "Glauben an einen Normalgott, neben dem es nur noch falsche Lügengötter gibt“.
    Nach ihrer sehr weiten Definition wären dann alle Ideologen abrahamitische Monotheisten (und totalitäre Rechthaber). Ich denke, dass es das Licht- und Dunkelschema auch in anderen spirituellen Systemen gibt, es ist sicher eine tief menschliche Angelegenheit, die vor allem mit Ängsten zu tun hat. In Afrika z.B. werden ja heute noch Menschen als "Hexen" ausgegrenzt oder als von Dämonen besessen stigmatisiert, in Indien "Reine" von "Unreinen" geschieden usw.
    Umgekehrt gibt es in den mystischen Traditionen von Juden- und Christentum viel dialektischere Sichtweise auf gut und böse, Licht und Dunkel. Man kann es also nicht verallgemeinern, so sehr das manchen - als einfaches Erklärungsmuster - gefällt.

  32. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Holzherr & @Sünner

    Nun kenne ich die erwähnten (und populären) Assmann-Thesen der "mosaischen Unterscheidung" nicht nur theoretisch, sondern hatte auch schon die - durchaus angenehme - Erfahrung, mit Jan Assmann selbst (auch darüber) zu sprechen.

    Knapp gesagt gehe ich jedoch davon aus, dass an der These "nur einiges" dran ist. Ja, der Monotheismus neigt zu Ja-Nein-Unterscheidungen. Aber damit steht er nicht alleine - denken wir an die griechische Philosophie - und vor allem ist er damit weder zwangsläufig intolerant noch missionarisch.

    So hat ausgerechnet die älteste abrahamitische (und mosaische) Religion, das Judentum, bereits sehr früh die Lehre von den Noachidischen Geboten entwickelt, wonach auch Nichtjuden Anteil an der kommenden Welt haben können. Aus diesem Grund konnte das Judentum schon sehr früh auf Mission verzichten, glauben Juden doch nicht, alle anderen "retten" zu müssen.
    http://www.scilogs.de/...enwart-von-birgit-vollmar

    Auch der Islam kannte von Anfang an Heilsmöglichkeiten auch für nichtislamische Gottgläubige und das, anfangs tatsächlich außerordentlich missionarische, Christentum etwa der römisch-katholischen Tradition erkennt diese seit dem 2. Vatikanischen Konzil ausdrücklich als Lehraussage (Texte: Lumen Gentium & Nostra Aetate) an.

    Ich würde also sagen, dass Monotheismen tendenziell anti-relativistisch sind und durchaus in Intoleranz umschlagen "können". Jede schärfere Form der Verkündigung aber der "mosaischen Unterscheidung" unterjubeln zu wollen halte ich für den bequemen und historisch altbekannten, religionsgeschichtlich aber unzutreffenden Versuch, alle Extremismen (Kommunismus, Nationalismus, Sozialdarwinismus usw.) den Juden "mosaisch" in die Schuhe schieben zu wollen.

    M.E. haben wir es genau mit den gleichen sozialpsychologischen Mechanismen zu tun, die wir bei Anderen stets wahrnehmen: Wir finden komplexe Erklärungen, damit "wir" zu den Guten gehören und das jeweilige Böse, sogar in den eigenen Reihen oder Gedanken, "den Anderen" zuordnen. Wie z.B. die schrecklichen Diktaturen chinesischer, japanischer oder nordkoreanischer Prägungen gezeigt haben muss man weder monotheistisch noch überhaupt religiös sein, um dennoch missionarisch und intolerant zu werden. Ich fürchte, das ist eine finstere Möglichkeit, die sozialpsychologisch in allen Menschen und also in allen Kulturen angelegt ist.

  33. Horst Antworten | Permalink

    @Michael Blume

    "Jede schärfere Form der Verkündigung (...), alle Extremismen (Kommunismus, Nationalismus, Sozialdarwinismus usw.) den Juden "mosaisch" in die Schuhe schieben zu wollen."

    Also das halte ich nun für sehr fragwürdig-ignorant, denn die zeitgeistliche Auslegung / Assimilierung des herkömmlich-gewohnten Monotheismus ist an Extremismus und Schärfe immernoch nicht zu überbieten - das "Recht des Stärkeren", im nun "freiheitlichen" Wettbewerb um ..., mit einer ÜBERWIEGENDEN Masse an Kollateralschäden von Gut & Böse / Gewinner & Verlierer, usw.!

    Nationalismus und Sozialdarwinismus in einer Reihe mit dem Kommunismus zu stellen, ist nur insoweit richtig, daß der Kommunismus leider auch immer nur die falschen Kompromisse zur Hierarchie von und zu materialistischer "Absicherung" gemacht hat und deshalb logisch verlieren MUßTE - im Grunde ist er wie die bisher nur oberflächlich interessen- und profitorient bearbeitete Philosophie des Monotheismus die einzig denkens-, fusions- und reformwürdige Ideologie, für eine Menschheit OHNE ...!!!

    "Sozialpschologisch" sind wir, trotz aller globalisierungstechnischer Erleuchtungs-, Befriedungs- / Kommunikationsmöglichkeiten, weiter in der bewußtseinsschwachen Symptomatik des geistigen Stillstandes mit Isolation in logisch brutal-egoisierendem "Individualbewußtsein" - Warten auf Godot!?

  34. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Montheismus+die Verehrung des Höchsten

    Sloterdijk betrachtet die monotheistischen Religionen von vorneherein als Konfliktparteien, wo das Töten (Zitat)"nun nicht mehr dem Überleben eines Stammes, sondern dem Triumph eines Prinzips" dient.
    Diese höchste Prinizip wird im Judentum nicht-missionarisch verteidigt - nämlich durch Verweigerung der Assimilation -, im Christentum in eine starke Jenseitsorientierung umgesetzt und im Islam politisch-militärisch expansiv interpretiert.

    Auch im Marxismus und Kommunismus lässt sich zwangslos eine Verehrung eines höchsten Prinzips/Ziels finden und wenn man den Krieg Stalins gegen die Kulaken oder die politischen Säuberungen und den Gesinnungsterror der 19030er Jahre kennt und Berichte über die Seelenlage der damaligen Intelligenzia liest, weiss man, dass nur das Streben nach einem höheren Prinzip diesen Terror selbst in der Augen der Betroffenen "rechtfertigte".

    Alle 3 Religionen fordern von den Gläubigen ihr Leben einer einzigen, höchsten Gestalt unterzuordnen, was bis zur Auslöschung des Einzelnen geht, wenn er "im Dienst" ist.
    Nach Sloterdijk muss dieser "Eifer" der Gläubigen von unserer Zivilisation gedämpft werden und der (heilige?) Zorn, die Kränkung und der verletzte Stolz für unsere Gesellschaft produktiv gemacht werden anstatt politisch instrumentalisiert zu werden im religiösen Wahn .

    Hiermit endet meine Darstellung der Sloterdijk'schen Gedanken aus seinem Essay "Gottes Eifer" und ich möchte nun zu meinen eigenen Vorstellung einer Zukunft der Religion kommen.

    Eine humanistische Interpretation des Religiösen

    Missionarische Atheisten meinen den Monotheismus und die Religion überhaupt überwinden zu müssen und sie zeigen in ihrem Eifer oft selbst, dass sie eine andere, bessere Welt anstreben. Und diese bessere Welt ist nicht nur eine materiell bessere, sondern eine human bessere.

    Es gilt meiner Ansicht nach, religiöse Impulse als etwas anzuerkennen, was mehr ist als eine Illusion, die Erfüllung dieser Impule aber nicht im Glauben an überempirische Akteure auszuleben, sondern
    1) im Zusammenleben der Menschen
    2) in der Orientierung des Menschen auf Ziele, die über ihn selbst hinausgehen

    Gedanken dazu hat sich Alain de Botton in seinem Buch Religion for Atheists gemacht, wobei er etwas allzu stark auf Rituale und Praktiken von Religionsgemeinschaften fixiert ist und er diese hinüberretten will in eine atheistische Welt. So fordert er:
    Gemeinschaftsgeist zu entwickeln, dauerhafte Beziehungen aufzubauen, Gefühle von Neid und Unzulänglichkeit zu überwinden, der Hektik der 24 Stunden-Medien zu entfliehen, zu Reisen (Pilgerreise) und mehr aus Kunst, Musik und Arichtitektur zu machen.
    Damit deckt er vor allem meinen oben erwähnten Punkt 1) ab, der das Zusammenleben von Menschen inspierierter, wertvoller machen will.
    Auf Punkt 2) "Die Orientierung auf Ziele, die über das Individuum hinausgehen" ist dagegen schwieriger zu "verweltlichen".
    In den monotheistischen Religionen wird das über den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode in einer besseren Welt und der Vereinigung mit dem Göttlichen "erledigt".
    Der "Ersatz" für solch ein ausserweltliches Ziel könnte ein als sinnhaft/-sinnvoll erlebtes Leben im Hier und Jetzt sein.

  35. Michael Blume Antworten | Permalink

    @ Martin Holzherr

    Vielen Dank für die ausgearbeiteten Gedanken!

    Auf jeden Fall bin ich mit Ihnen gespannt, ob eine um höhere Wesen "entkernte" Religiosität vergleichbar funktional wie ein Theismus sein kann. Bisher ist das nie gelungen, aber die Zukunft hat ja auch erst begonnen... ;-)

    Auch Ihnen ein frohes und beglückendes 2013!

  36. Horst Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr

    "Der "Ersatz" für solch ein ausserweltliches Ziel könnte ein als sinnhaft/-sinnvoll erlebtes Leben im Hier und Jetzt sein."

    "Der Ersatz", wäre dann doch wohl die zweifelsfrei-wahrhaftige Gerechtigkeit FÜR ALLE - Gerechtigkeit die vom nun "freiheitlichen" Wettbewerb um ... zeitgeistlich / bewußtseinsbetäubt verhindert wird!?

    Eine solche Gerechtigkeit, die unsere Welt- und "Werteordnung" MENSCHENWÜRDIG / EINDEUTIG machen würde, hätte ebenfalls das Potenzial die Überproduktion von Kommunikationsmüll dermaßen zu beenden, daß Worte wie Toleranz, Frieden, Freiheit, usw., nicht eine multischizophrene Auslegung aus dem Blickwinkel der imperalistisch-kapitalistischen Betrachter, "Treuhänder" und Konsumautisten ist!?

  37. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Horst: GERECHTIGKEIT für alle

    In Zukunft werden immer mehr Menschen machen können, was sie anstreben. Die Gerechtigkeit für alle wird dann bedeuten, fast unbegrenzte Möglichkeiten für alle.
    Da es ALLE aber nicht gibt, wird jeder sein ein eigenes Ziel anstreben, doch viele werden ein ähnliches Ziel haben, was dann eine freiwillige Gemeinschaft begründet. Einige werden weiterhin ihren "Kommunikationsmüll" (Facebook, Twitter, News, Chatting) pflegen, andere werden sich davon abwenden.

  38. Horst Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr - Schlaraffenland???

    "In Zukunft werden immer mehr Menschen machen können, was sie anstreben."

    Vielleicht haben sie es noch nicht vernommen, aber Ausbeutung und Unterdrückung sind auch / besonders mit der Globalisierung das oberste Gebot.

    Tititainment statt Brot und Spiele, alles bleibt wie es war, auch wenn die "Verantwortungsträger" nun die Armut der "Dritten Welt" gleichmäßig verteilen (WWK USA 1995), so daß niemand mehr sagen kann: "Die Armut hier, der Reichtum dort" - der zeitgeistlich-gewissensberuhigte Zynismus, im Sinne einer heuchlerisch-veränderten Welt- und "Werteordnung" mit Illusion der Light-Version des Kapitalismus. Wer's glaubt wird selig, Konsum- und Profitautisten werden noch autistischer, weil sie nun ausschließlich an systemrationale Wunder glauben!?

    "Da es ALLE aber nicht gibt, wird jeder sein ein eigenes Ziel anstreben, ..."

    Das bedeutet die totale Konfusion des bewußtseinsbetäubten "Individualbewußtseins" - Stumpf-, Blöd-, Wahn- und Schwachsinn im Glaube des Hier und Jetzt der zufälligen Einmaligkeit BEFRIEDET!?

  39. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Horst: Here and now is just a snapshot

    Alles ist ständig im Umbruch und selbst was wir als System wahrnehmen - z.B. den Kapitalismus - ist weit weniger stabil als uns vorgegaukelt wird.
    Bei Fortschreibung des wissenschaftlichen/technischen Fortschritts und ohne desaströse Unfälle näheren wir uns tatsächlich irgendwann dem Schlaraffenland, dem Zustand also, in dem man gut leben kann ohen arbeiten zu müssen, denn die Bevölkerungszunahme nimmt ab und gleichzeitig wird der Produktionsprozess immer smarter und kommt mit immer weniger Arbeit aus.
    Doch fast jede neue Entwicklung birgt ihre Gefahren und kann potenziell die Macht von Wenigen auf Kosten der Meisten vergrössern.
    Neben der Schaffung neuer gesellschaftlicher Ungleichgewichte gibt es aber noch vielerlei andere Gefahren wie Rohstoffmangel, politische Radikalisierung, zunehmender Fundamentalismus.

    Was einige als sklerotisches System wahrnehmen können andere als Wildwasserfahrt erleben.

  40. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Stefan Erhardt

    Ja, genau das wünsche ich mir mit Bezug auf Wissenschaft IMMER: Dass sie zum Nach- und Weiterdenken anregt!

    Sehr gut haben mir in Deinem Blogpost zum Beispiel die weiterführenden Fragen gefallen:

    - Wo bleibt der plausible Erklärungsansatz, dass es dem Menschen zuträglicher sei, an eine sinnlose Welt zu glauben?
    - Wo ist das wissenschaftliche Eingeständnis, dass man über den vermuteten Urknall hinaus keine Erklärungen für diese Welt gefunden hat?
    - Wo werden die Pro-Argumente für das Phänomen “Geist” in der Diskussion ausreichend gewürdigt?
    - Wo sind die Erklärungsansätze für Begrifflichkeiten und Lebensinhalte wie Treue, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit, …?

    Dass kein Zeitschriftenartikel dieser Welt (egal ob im SPIEGEL oder einem christlichen Magazin) alle diese Fragen wird je auf ein paar Seiten wird beantworten können, halte ich für sicher. Das Beste, was ein solcher Artikel leisten kann, ist das Anregen, an diesen Stellen weiter zu denken und zu forschen. Und dass das gelungen ist, belegt ja auch Dein Blogpost!

    Danke für die Verlinkung, die ich allen Interessierten herzlich empfehlen kann!

  41. Störk Antworten | Permalink

    @Piepke

    > Deswegen kurz: Weniger Kinder sind
    > aktuell natürlich kein "Mangel", sondern
    > eine "gesunde" Entwicklung, da die
    > meisten globalen Probleme aus einem
    > "Überangebot" an Menschen resultieren.

    Dadurch, daß man die (faktisch widerlegten) Thesen von Thomas Malthus immer wieder neu aufwärmt, werden sie nicht richtiger. Wer in "zusätzlichen Menschen" immer nur "zusätzliche zu füllende Mägen" sieht, ignoriert dabei die "zusätzlichen Köpfe" mit den "zusätzlichen Ideen", die durchaus helfen können, "zusätzliche Ressourcen" zu erschließen.

    Lesen Sie doch einfach mal hier:
    http://www.thenewatlantis.com/...control-holocaust

  42. Michael Brigant Antworten | Permalink

    Reproduktionsrate und Frühchristentum

    War die hohe Kinderzahl bei gläubigen Christen auch ein wichtiger Grund für die erfolgreiche Ausbreitung des Christentums im Römischen Reich?
    In den ersten drei Jahrhunderten ist die Anzahl der Christen im Römischen Reich auf rund 7 Millionen Menschen bzw. 10 bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen.
    Dies ist nur zu einem kleinen Teil mit einer hohen Reproduktionsrate zu erklären und wird seine Hauptursache im großen Missionserfolg der frühen Christen haben.
    Und diese massenhafte Konversion lässt sich auch nicht ausreichend mit der "Fürsorge für Witwen und Waisen" erklären.
    Meines Erachtens machen Nutzen und Reproduktionsrate einer Religion nur eine Hälfte deren Erfolgs aus.
    Die andere (ggf. wichtigere) Hälfte ist das Vermögen einer Religion, die individuellen religiösen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Und dies scheint das frühe Christentum (im harten Wettbewerb mit Jupiter, Mithras & Co.) sehr gut erreicht zu haben.

  43. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Michael Brigant

    Ja, Sie haben Recht: Anhand z.B. von Grabsteinen lässt sich das Wachstum missionarische wie auch demografische Wachstum christlicher Gemeinden inmitten des demografisch bereits verfallenden Römischen Reiches gut nachvollziehen. Und schon die biblische Apostelgeschichte weist ja auf die hohe Beteiligung römischer Frauen hin, denen Schwerenöter-Götter wie Zeus wenig zu bieten hatten. Vgl. hier:
    http://www.scilogs.de/...kulte-und-siegte-der-eine

    Die andere (ggf. wichtigere) Hälfte ist das Vermögen einer Religion, die individuellen religiösen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Und dies scheint das frühe Christentum (im harten Wettbewerb mit Jupiter, Mithras & Co.) sehr gut erreicht zu haben.

    Auch hier - Zustimmung. Missionserfolge sind die notwendige Bedingung, damit eine Religionsgemeinschaft eine gewisse Grundgröße erreicht - eine hohe Kinderzahl dann die Voraussetzung, dass sie die Jahrhunderte überlebt und ggf. zur Weltreligion anwachsen darf. Auch die Amish oder orthodoxen Juden missionierten in ihren Frühphasen, bevor sie dies aufgrund der erreichten Größe und Kinderzahl gar nicht mehr nötig hatten.

    Ein Beispiel aus dem von Ihnen geschilderten Zeitraum ist zum Beispiel der Manichäismus, der die "religiösen Bedürfnisse" vieler Zeitgenossen (u.a. des frühen Augustinus) anzusprechen vermochte und zeitweise eine riesige Religion sogar regional als Staatskult von Indien bis Nordafrika bildete. Doch mangels demografischer Erfolge (Sexualität und Kinderzeugung galten dem Manichäismus als niedrig und unrein) implodierte dieser frühe Konkurrent des Christentums nach kurzer Blüte wieder.

  44. Mapologist Antworten | Permalink

    Weltuntergang

    Dank mir fand kein Weltuntergang statt:

    http://www.youtube.com/watch?v=T6UGAeSy-N0

    Solche apotropäischen Performances können nur noch die stärksten Magier leisten ---

    Diese Idioten in Bugarach folgten alle der Jüdin Nancy Lieder -- sowie bis heute alle rezenten Religionen indirekt oder direkt von Juden und ihren Memen abhängen.

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