Natur des Glaubens http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens Evolutionsgeschichte der Religion(en) Sun, 03 May 2015 16:21:44 +0000 de-DE hourly 1 Amish und Quäker – Lehrreiche Gemeinsamkeiten und Unterschiedehttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/amish-quaeker-lehrreiche-gemeinsamkeiten-unterschiede/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=amish-quaeker-lehrreiche-gemeinsamkeiten-unterschiede http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/amish-quaeker-lehrreiche-gemeinsamkeiten-unterschiede/#comments Sun, 03 May 2015 12:23:42 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2187 ... weiter]]> Während der langen Jahrhunderte der römisch-katholischen, später auch evangelischen Staatskirchlichkeit wurden in Europa religiöse Minderheiten meist verdrängt, manchmal gar vernichtet, so dass die Vielfalt auch des Christentums unterdrückt wurde und vielfach aus dem Blick geriet. Oft erlebe ich auch auf diesem Blog, dass Kommentierende aus Europa einfach von „der Kirche“ schreiben und gar nicht wahrnehmen, dass es neben der katholischen Kirche auch verschiedenste evangelische sowie anglikanische, orthodoxe und weitere Kirchen gibt. Gerade kleinere christliche Gemeinschaften werden auch schnell als „Sekte“ beschimpft – ein sprachlicher Trick, der zum Beispiel auch in der Türkei christliche und muslimische Gemeinschaften mit erheblichen Folgen ausgrenzt.

In Nord-, Mittel- und Südamerika gehörte dagegen die innerchristliche Vielfalt sehr viel stärker auch zum Alltag der Menschen – nicht zuletzt, weil viele aus Europa vertriebene Minderheiten dort Zuflucht und Religionsfreiheit vorfanden. So entstand eine sehr vielfältige und dynamische religiöse Landschaft, was nicht nur für die religionsbezogene Allgemeinbildung von Vorteil ist – sondern auch für die Wissenschaft(en). Denn wo sich Religiosität in einer Vielzahl verschiedener Formen ausprägt, wo dazu auch noch mehr rechtliche Gleichstellung und also fairer Wettbewerb bestehen, lassen sich natürlich aufblühende und absterbende Traditionen sowie die sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und auch demografischen Potentiale von Religionsgemeinschaften besser vergleichend erforschen.

ReligionsdemografiePotentialeCredit: Grafik: Blume, M. (2014) "Religion und Demografie. Warum es ohne Glauben an Kindern mangelt." sciebooks

Auch aus diesem Grund hatte ich in den letzten Jahren Reisen nicht zuletzt dafür genutzt, mehrere in den USA bestehende Religionsgemeinschaften vergleichend zu erforschen und zu beschreiben – so in den sciebooks zu den je christlichen Old Order Amish, Baptisten, Quäkern & Unitariern und Mormonen sowie den jüdischen Haredim, aber auch z.B. den zwischen Religion und Weltanschauung changierenden Freimaurern.

ShelfieMichaelBlume

Hier fand (s)ich nun ein recht nett gemachtes Video zu einigen Gemeinsamkeiten und auch Unterschieden zwischen Amish und Quäkern, das ich Ihnen nicht vorenthalten wollte. Denn ob Biologie oder Religionswissenschaft – erst aus der Vielzahl konkreter Fallbeobachtungen lassen sich Evolutionsprozesse tiefer verstehen

PS: Dies ist übrigens der 500te Blogpost auf "Natur des Glaubens"! :-)

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Licht und Schatten der digitalen Gesellschaft – WDR Westart-Debatte zur Netzpolitikhttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/licht-schatten-gesellschaft-wdr-westart/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=licht-schatten-gesellschaft-wdr-westart http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/licht-schatten-gesellschaft-wdr-westart/#comments Sun, 26 Apr 2015 21:20:00 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2183 ... weiter]]> Vor Kurzem veröffentlichte der religionswissenschaftliche Blog der "Marginalien" eine kleine Blogumschau, für die ich gebeten wurde, den Inhalt meines Bloggens kurz zusammen zu fassen.

Ich schrieb also:

Wissenschaftsblogs wirken als sich verstärkendes Netzwerk – deswegen kann es gar nicht genug davon geben! Mein Blog „Natur des Glaubens“ hat den wissenschaftlichen Schwerpunkt auf der interdisziplinären Evolutionsforschung sowie der Medienreflektion. Normativ werbe ich für die Befassung mit Wissenschaften und trete für Dialogprozesse, Menschen- und Freiheitsrechte ein. Dabei ist NdG auch ein Stück Experiment und teilnehmende Beobachtung: Seit Kurzem habe ich ihn durch einen kleinen Podcast und Videos ergänzt und nutze ihn auch zunehmend für Lehrveranstaltungen. Kurz: Ich liebe die Dynamiken der Blogosphäre, würde mir aber noch viel mehr religionswissenschaftliche Kolleginnen und Kollegen dort wünschen. Wir entscheiden doch durch unser Tun oder Unterlassen mit, welche Inhalte sich im Netz finden!

Dies zu formulieren erinnerte mich auch daran, dass das Bloggen für mich nicht nur ein nettes Hobby gewesen war, sondern auch ein Weg, mich den Schatten einer existentiellen Krise zu stellen, die meine berufliche Existenz ganz an ihrem Anfang fast vernichtet hätte. Es war dies eine gute Vorbereitung auf die Debatte bei WDR WestArt zu "Gefangen im Netz? Wie frei ist der digitale Mensch?", zu der ich eben genau als "Blogger & Religionswissenschaftler" geladen war - auch um von den Erfahrungen zu berichten. Darüber hinaus genoss ich aber auch die Gelegenheit, mit Markus Beckedahl (den ich bereits von einem scilogs-Treffen kannte), der Regisseurin und Netzaktivistin Angela Richter, dem Ökonomen und Journalisten Hannes Grassegger sowie dem Arzt und Autor Bert te Wildt zu debattieren.

Hier also das Video zur Sendung (mit meinem Erfahrungsbericht ab Min 17:23):

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Gefangen im Netz? WDR-Debatte und Krimidinner für Kinderhttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/gefangen-netz-wdr-debatte-krimidinner/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=gefangen-netz-wdr-debatte-krimidinner http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/gefangen-netz-wdr-debatte-krimidinner/#comments Fri, 24 Apr 2015 15:41:05 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2178 ... weiter]]> Am Sonntag, dem 26.04.2015, nehme ich ab 11 Uhr an einer WDR-WestArt-Debatte zum Thema "Gefangen im Netz? Wie frei ist der digitale Mensch?" teil. Dabei soll es einerseits über die Erfahrungen mit einem übergriffigen Geheimdienst gehen, die ich hier auf dem Blog einmal geschildert hatte. Aber auch das Thema Cybermobbing war auf Natur des Glaubens schon Thema - nicht zuletzt, weil ich mir auch als Vater Gedanken darüber mache. Schließlich zahlen schon jetzt immer mehr Menschen auch einen furchtbaren "Preis" für die schöne, neue Welt der neuen Medien.

Dabei will ich klarstellen: Ich bin insgesamt begeistert von den Möglichkeiten neuer Technologien und halte gar nichts von der leider weit verbreiteten Technikfeindlichkeit. Allerdings sehe ich schon unsere Verantwortung als "Netizens", auch die Schattenseiten aller auch guten Entwicklungen in den Blick zu nehmen und ihnen wo möglich zu begegnen.

KinderBildBewegung

In welcher Welt werden sich unsere Kinder bewegen?
Ein Bild auf Leinwand meines mittleren Sohnes. Foto: Michael Blume

Als sich meine Tochter zu ihrem 12. Geburtstag ein "Krimidinner" wünschte, verwandelten meine Frau und ich unser Wohnzimmer in ein "Bistro Blume" mit Internetkaffee. Jede Teilnehmerin erhielt eine - ausgeloste - Rolle, die zur Befassung mit dem Thema Cybermobbing führte (den Krimidinner-üblichen Mordfall fand ich in dieser Altersklasse noch zu krass). Und tatsächlich machte der Abend nicht nur viel Freude (wenn wir auch als Köchin & Kellner ganz schön zu tun hatten...), sondern die Kinder diskutierten auch nach Auflösung des Falls über die Sache weiter.

Gerne stelle ich Ihnen hier das pdf des Krimidinners zur Verfügung - möchte aber ausdrücklich dafür werben, dass Sie es ggf. nur als Anregung für einen eigenen Entwurf nehmen. Denn die Kids finden heute im Netz einfach alles!

;-)

Und wer sich etwas tiefer mit den Vorzügen wie auch Gefahren der Netzkultur befassen mag, dem mag ich hier gerne - ebenfalls kostenfrei - die Artikel "Wir Wildbeuter im Web 2.0" und "Gefühlte Wahrheiten. Leben zwischen Realität und Medienblasen" zum Download anbieten.

BlumePapierschiff

Wohin treiben wir - und auf welchem Medium?
Hier hatte einmal eine Zuhörerin an der Uni Köln einen meiner Flyer diskret in etwas Kunstvolles verwandelt.
Foto: Michael Blume

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Religion und Wissenschaft als Lebensformen – Anthropologische Einsichten in Vernunft und Unvernunft (Salazar und Bestard, Berghahn)http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/religion-wissenschaft-lebenformen-anthropologische-einsichten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=religion-wissenschaft-lebenformen-anthropologische-einsichten http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/religion-wissenschaft-lebenformen-anthropologische-einsichten/#comments Sun, 19 Apr 2015 08:25:30 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2168 ... weiter]]> Jede(r) von uns hat unbewusst oder bewusst eine Meinung dazu, doch die philosophische wie auch empirisch-wissenschaftliche Forschung und Debatte zum Thema ist noch immer unterentwickelt: Gibt es nur eine höchste Form des Wissens (zum Beispiel empirische Erkenntnisse oder religiöse Offenbarungen) wie es erkenntnistheoretische Monisten behaupten? Oder stellen je empirische Wissenschaften, Kunst, Recht, Philosophie und Religion jeweils eigene Wissensformen dar, die sich gegenseitig beeinflussen, aber nicht ersetzen können, wie erkenntnistheoretische Pluralistinnen meinen?

Nun, ich bin ganz klar auf Seiten der erkenntnistheoretischen Pluralisten zu finden - wobei ich aber auch einräume, dass noch sehr viele Fragen zu beantworten sind. Umso mehr freut es mich, dass die spanischen Anthropologen Carles Salazar (Universität Lleida) und Joan Bestard (Universität Barcelona) nun einen Sammelband bei Berghahn herausgebracht haben, der das Thema interdisziplinär, international und interkulturell erschließt.

SalazarReligionScienceFormsofLife2015

In "Religion and Science as Forms of Life. Anthropological Insights into Reason and Unreason" eröffnet Robert McCauley die Debatte, indem er die kognitive "Natürlichkeit" von populärer Religiosität mit den zunehmend anspruchsvollen Herausforderungen professioneller Wissenschaft kontrastiert. Entsprechend drohe nicht Religion "auszusterben", vielmehr sollte mehr Aufmerksamkeit auf die Voraussetzungen und "Fragilität" wissenschaftlichen Fortschritts gelenkt werden.

Das zweite Kapitel stammt von mir und verweist darauf, dass Technologie und Wissenschaft einerseits sowie Religion andererseits (und als drittes Beispiel Kunst) völlig unterschiedliche Funktionen im Leben von Menschen erfüllen - und zwar, empirisch beobachtbar, jeweils erfolgreich und wechselseitig nicht-ersetzbar.

* Blume, M. (2015): Scientific versus Religious 'Knowledge' in Evolutionary Perspective.

Jesper Sorensen diskutiert im dritten Kapitel "Magic and Ritual in an Age of Science", dass gerade der Aufstieg neuer, dem Alltagsverstand unzugänglicher Technologien auch neue Formen des magischen Denkens und Glaubens begünstigt.

Timothy Jenkins beschreibt, wie die Wissenschaften selbst "moralische Gemeinschaften" hervorbringen, deren Angehörige sich bestimmten Werten und Normen verschreiben und Wahrheiten verkünden, die dann von den weiteren Öffentlichkeiten (z.B. über Romane, Filme und Kunstwerke) anverwandelt werden.

Simon Coleman hat erkundet, inwiefern britische Kreationisten Wissen organisieren und beanspruchen - und gefunden, dass nicht nur sie ihr Weltbild durch bewusstes Ignorieren widerstreitender Wissensbefunde stabilisieren.

Marit Melhuus stellt am vergleichenden Beispiel der norwegischen und britischen Debatten in Wissenschaft, Parlament, Kirchen und Öffentlichkeit dar, wie sich die Wahrnehmungen des "Embryo" geprägt und verändert haben. Statt eines unveränderlichen Fakts haben wir es hier auch mit einem Symbol zu tun, das - selbst bei vollem Einverständnis über das biologische So-Sein - aus unterschiedlichen Perspektiven völlig unterschiedlich wahrgenommen und bewertet wird.

Roger Sansi zeigt in seinem Kapitel über "Religion and Science in Brazil" auf, wie die frühen, positivistischen Fortschrittshoffnungen der jungen Nation, der christlich-katholische und zunehmend auch evangelisch-freikirchliche Glauben und die starke Präsenz afrikanischer Religions- und Ritualtraditionen in Brasilien eigene Formen der Selbst- und Weltwahrnehmung hervorgebracht haben, die nicht einfach dem europäisch-amerikanischen Kanon entsprechen.

Ebenso kann Maria Coma am Beispiel spanischsprachiger, charismatisch-katholischer Bewegungen aufzeigen, dass dort Medizin und Wissenschaften gerade nicht als Gegensatz zur Religion gedeutet werden, sondern vielmehr als Hilfsmittel Gottes, der z.B. Kranke zum "richtigen" (d.h. erfolgreichen) Arzt zu leiten vermag.

Joao de Pina-Cabral weist den Begriff des "Aberglaubens" zurück, da er Anderen (z.B. Angehörigen anderer Kulturen oder einheimischen Unterschichten) ein "primitives" Denken vorwerfe - während gleichzeitig die Kognitionspsychologie zeige, dass wir alle als Menschen zu magischem Denken neigten. Die Formen des jeweiligen "Aberglaubens" seien also kulturell unterschiedlich geformt, es gebe aber keine Basis dafür, dies nur Anderen zuzuschreiben bzw. vorzuwerfen.

Zustimmend dazu beschreibt Tom Inglis die Mischungen aus Religion, Magie und praktischer Vernunft in der Alltagskultur Irlands, zu der Wunder- und Elfenglauben ebenso gehören wie das Nebeneinander von Glaubensheilern und moderner Medizin. Befragte schilderten ihm, dass die so unterschiedlichen Überzeugungen "ihr Recht haben", je nach Situation und Zeit.

Heonik Kwon erkundet schließlich am Vergleich vietnamesischer und US-amerikanischer Trauerkultur(en), wie sich medizinisch-psychologische Wahrnehmungen (Trauma, Belastungsstörungen) und vor-sozialistischer Ahnen- bzw. Geisterglauben durchdrungen haben. Gerade "weil" die sozialistische Regierung Vietnams den Krieg nur als Siegesgeschichte erinnern lassen wollte, verbreiteten sich schließlich widerständige Formen des volksreligiösen Erinnerns, nach denen beispielsweise die Geister der Kriegsopfer die Traumata "ausagierten" und durch Besinnung, Gebete und Opfer zu besänftigen waren bzw. sind.

In der Summe ist so ein außerordentlich vielseitiger und anregender Band entstanden der, so hoffe ich, einiges zur Belebung der erkenntnistheoretischen Debatten und Forschungen beitragen wird.

Zum Thema-Genießen & Reflektieren: Ein Video der Evolutionsbiologen von der Universität Tübingen, in der 1. wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor zu 2. dem Erfolg nichtrationaler Erfahrungs- und Verhaltensweisen ("Liebe") präsentiert werden, indem 3. eine modern-sterile Laborumgebung durch einen "Auftritt" von Charles Darwin (aus dem Jenseits!?) sowie Sport, Musik und Dichtung "aufgepeppt" werden. Ist das "nur" Edutainment oder doch eigentlich schon Kunst?

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Gefühlte Wahrheiten. Das Internet zwischen säkularen Heilsversprechen und Apokalypse. Zur Religions- und Medienforschunghttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/gefuehlte-wahrheiten-das-internet-heilsversprechen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=gefuehlte-wahrheiten-das-internet-heilsversprechen http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/gefuehlte-wahrheiten-das-internet-heilsversprechen/#comments Sun, 12 Apr 2015 12:23:13 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2155 ... weiter]]> Wer Religionen (besser) verstehen will, muss etwas von Medien verstehen: Man denke nur beispielhaft daran, wie die Verschriftung religiöser Überlieferungen zu "Heiligen Schriften" die "Weltreligionen" formte (vgl. auch die Linkesche These!) oder wie die Übersetzungen der Bibel die europäische Religions-, Sprach- und Geistesgeschichten umpflügten. Der Satz gilt aber auch umgekehrt: Wer die Auswirkungen neuer Medien verstehen will, sollte etwas von Religion(en) verstehen. So wurde auch das Internet von Anfang an als utopisch-säkulare Heilserzählung präsentiert und politische Cyber-Bewegungen wie "die Piraten" verhöhnten nicht zufällig die gewachsenen Religionen als "überholt" (bevor sie sich selbst zerlegten). Inzwischen gibt es entsprechend auch eigene Cyber-Dystopien wie David Eggers "The Circle", in dem "das Netz" zu einer totalitären, quasi-göttlichen Kontrollinstanz auswuchert.

Nachdem ich vor einigen Jahren schon verschiedentlich zum Thema "Religionswissenschaft & Netzkultur" gearbeitet und auf Basis eines Uni-Seminars auch das sciebook "Psyche & Fantasie des Menschen" veröffentlicht hatte, entfachte das dicke und schwere, aber überaus lohnenswerte Grundlagenwerk "Die mediale Religion. Probleme und Perspektiven der religionswissenschaftlichen und wissenssoziologischen Medienforschung" von Oliver Krüger meine Begeisterung für das Thema noch einmal neu.

DiemedialeReligionOliverKrueger

Aus der Befassung mit diesem Schnittpunkt von Religions- und Medienforschung sind bislang zwei kleinere Artikel und eine Audioblog-Folge entstanden, mit denen ich Teile der deutschen Netzöffentlichkeit zum Mitdenken und -forschen einladen wollte: Beim deutsch-islamischen Nachrichtenportal islamiq ging es um die Frage, ob und wie "böse Medien" seien. Und im deutsch-libertären Magazin eigentümlich frei habe ich gerade einen Artikel zur Frage veröffentlicht, ob das Internet Freiheiten eher fördert oder bedroht. Zum kostenlosen Download als pdf hier:

* Blume, M. (2015): Gefühlte Wahrheiten. Leben zwischen Realität und Medienblasen. eigentümlich frei April 2015, S. 29 - 31

Auch in der Audioblog-Folge über ein anti-evolutionäres Rekrutierungsvideo islamischer Fundamentalisten spielten die durch Krüger bei mir ausgelösten Reflektionen eine große Rolle.

An sich möchte ich an dem Thema gerne dranbleiben und habe mir schon weiteren, religions- und medienwissenschaftlichen "Lesestoff" eingekauft und bereitgelegt. Selbstverständlich interessiert mich aber auch Ihre Meinung - schließlich ermöglichen die neuen Medien eben auch den Dialog.

 

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Saudi-Arabien und der Liberalismus von Raif Badawihttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/saudi-arabien-liberalismus-raif-badawi/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=saudi-arabien-liberalismus-raif-badawi http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/saudi-arabien-liberalismus-raif-badawi/#comments Sat, 11 Apr 2015 16:25:37 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2150 ... weiter]]> An derzeit keinem Staat der Welt bündeln sich Widersprüche auch "unserer" westlichen Politik so sehr wie an Saudi-Arabien: Einerseits beklagen wir - zu Recht! - die blutige Ausbreitung islamisch-fundamentalistischer Bewegungen, andererseits aber stützen und fördern wir das Regime in Saudi-Arabien, dass eine extremistische Auslegung des Islam als Staatsreligion führt und über seine Ölmilliarden in die gesamte Welt exportiert sowie gezielt liberale und demokratische Bewegungen in der islamischen Welt bekämpft. Anfang 2015 bündelte sich dieses "gemeinsame Versagen" bis in die Groteske: Nach den extremistischen Attentaten gegen die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris heuchelten Vertreter Saudi-Arabiens Solidarität mit Frankreich, während gleichzeitig (!) der liberale Blogger Raif Badawi in Mekka öffentlich ausgepeitscht wurde, weil er das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit in Anspruch genommen hatte. Dagegen war US-Präsident Obama schon fast bewundernswert eindeutig: Für die Gedenkfeiern in Paris fand er leider "keine Zeit", zur bald darauf folgenden Bestattung des saudischen Königs reiste er jedoch mit seinem halben Kabinett an. Nein, die Ölgelder vergiften nicht nur die islamische, sondern auch die westliche Welt...

Seit jenem Januar habe ich bei öffentlichen Vorträgen wieder und wieder auf diesen Widerspruch hingewiesen und hoffe, dass Raif Badawi - Ehemann & Vater von drei Kindern - nicht nur als Menschenrechtsaktivist, sondern auch als Symbol für die derzeitige Heuchelei erkannt und befreit werden wird. Immerhin hat der Aufschrei von Abertausenden Aktivistinnen und Aktivisten auf allen Kontinenten schon einmal dafür gesorgt, dass bislang keine zweite Auspeitschung Badawis stattgefunden hat.

MichaelBlumeRaifBadawi2015

Bild von einem Vortrag in Stuttgart. Foto: Ruhan Karakul (mit freundlicher Genehmigung)

(Video: Islam-Vortrag an der Universität zu Köln)

Raif Badawi: 1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke

Der saudisch-islamische Rechtsgelehrte Abd al-Rahman al-Barrak hatte im März 2012 eine Fatwa – ein islamisches Rechtsgutachten – erlassen, in dem er Badawi zu einem vom Islam abgefallenen „Ungläubigen“ erklärte. Er begründete dies damit, dass Badawi Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet habe. Dennoch ist - gegen den Rat mancher Appeaser, die auf eine "geräuschlose Lösung" gebaut hatten - nun ein Buch des Bloggers Badawi im Ullstein-Verlag erschienen, in dem ausgewählte Texte übersetzt wurden. Das Vorwort hatte Badawi seiner inzwischen in Kanada lebenden Ehefrau Ensaf Haidar per Telefon durchgeben können.

RaifBadawi1000Peitschenhiebe

Das Buch ist ein Non-Profit-Unternehmen: Der Preis ist mit 4,99 EUR (eBook 3,99 EUR) niedrig angesetzt und der gesamte Erlös fließt der um Badawis Freiheit kämpfenden Familie zu. Doch es ist erfreulicherweise nicht nur "eine gute Sache", sondern auch inhaltlich interessant: Wir lesen hier die Texte eines arabischen, "klassischen Liberalen", der eben gerade nicht die Religion angreift, sondern ihren Mißbrauch für Zwecke der politischen Macht. Badawi fordert Gedanken-, Meinungs- und Religionsfreiheit, weil ihm bewusst ist, dass sich nur so das beste Potential aller Lebensbereiche finden und entfalten lässt (und ist damit näher am Liberalismus eines Friedrich August von Hayek als am hirnlosen Marktradikalismus). Ja, dass für ihn gerade auch die Menschenwürde nicht (ver-)handelbar ist, wird auch an Texten sichtbar, in denen er die heuchlerische Praxis der islamisch verbrämten "Zeitehen" als blanke Prostitution entlarvt. So schreibt er in einem Beitrag "Ist Liberalismus gegen die Religion?" von 2012:

Im Verständnis des Liberalismus sind Religionen nichts weiter als persönliche Entscheidungen. Der liberale Staat ist ein Staat ohne Religion. Was nicht heißt, dass er atheistisch ist. Sondern dass er die Rechte aller Religionen bewahrt, sie fördert und unterstützt, ohne Diskriminierung oder Bevorzugung einer Religion gegenüber einer anderen, ohne den Glauben der Mehrheit über andere Religionen zu stellen. Der Liberalismus ist das kognitive Gerüst für und die Perspektive auf ein freies, gutes Leben für alle. Und das ist in absolutem Einklang mit der göttlichen Religion, die immer und ewig zum Guten, zur Liebe und zum Frieden aufruft.

Daher möchte ich den Kauf von Badawis Buch nicht nur deshalb empfehlen, weil es ein wichtiges Signal der Solidarität für Raif Badawi und ein Zeichen gegen die verbreitete Heuchelei sowohl der islamischen wie der westlichen Herrschenden darstellt. Die klugen Texte vermögen darüber hinaus auch daran zu erinnern, wie kostbar die Traditionen eines recht verstandenen Liberalismus für die Zukunft der Menschheit insgesamt sind. Wer für die Freiheit von Raif Badawi eintritt, kämpft auch ein Stückweit für die Freiheit aller Menschen - einschließlich der eigenen...

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Evolution der Religion kompakt – Geht das?http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/evolution-der-religion-kompakt-geht-das/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=evolution-der-religion-kompakt-geht-das http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/evolution-der-religion-kompakt-geht-das/#comments Fri, 03 Apr 2015 08:26:28 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2145 ... weiter]]> Neulich stellte mir die "Evangelische Zeitung in Schleswig-Holstein" eine knifflige Aufgabe: Ob es denn möglich sei, die interdisziplinäre Evolutionsforschung zur Religion in weniger als 2.000 Zeichen zusammen zu fassen? Schließlich nahm ich die Herausforderung an - hier ist das Ergebnis...

DarwinEvolutionReligionBlume

Die Evolution des Glaubens

Von Michael Blume

Noch immer glauben viele Menschen, dass zwischen Evolution und Religion ein unauflösbarer Widerspruch bestünde. Dabei war schon Charles Darwin (1809 – 1892), der seinen lebenslang einzigen Studienabschluss in christlicher Theologie erworben hatte, ganz anderer Meinung. Schon er hatte erkannt: Wenn die Evolutionstheorie zutrifft, dann muss auch der Glauben an Gott ein insgesamt nützliches Ergebnis der Natur- und Kulturgeschichte sein!

Inzwischen erkennen auch immer mehr Forscher, die selbst nichtreligiös sind, an: Wenn Religion nur schädlich wäre, wie religionskritische Weltanschauungen oder der Biologe Richard Dawkins in seinem „Gotteswahn“ behauptet haben, hätte sie sich in der Evolution kaum entwickelt und erhalten.

Gemeinsamer Glauben schafft Vertrauen

Aktuelle Hirnstudien belegen, dass der Glauben an höhere Wesen aus den sozialen Wahrnehmungen entspringt, die wir auch beim Umgang mit Mitmenschen anwenden. Zum religiösen Glauben werden diese Wahrnehmungen häufiger dann, wenn wir uns unsicher und bedroht fühlen. Deswegen blieben die neuen Bundesländer überwiegend säkular, wogegen in der zusammenbrechenden Sowjetunion Kirchen und Moscheen wieder aufblühten – und in dauerhaften Not- und Krisenregionen auch religiöse Fundamentalisten und Extremisten massenhaft Anhänger gewinnen. Denn der gemeinsame Glauben an Gott macht nicht automatisch „gut“, sondern schafft zunächst einmal nur Vertrauen innerhalb der Gruppe – was mit tiefer Verachtung für Anders- und „Ungläubige“ einhergehen kann. Im Durchschnitt begünstigen Religionen aber nicht nur stärkere Gemeinschaften, sondern – biologisch entscheidend! – vor allem auch größere Familien: Fromme haben quer durch alle Weltreligionen hindurch durchschnittlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn. Wir kennen zahlreiche Religionsgemeinschaften wie die Amish, Haredim oder die – übrigens überdurchschnittlich wohlhabenden und gebildeten –Mormonen, die über Jahrhunderte hinweg kinderreich geblieben sind. Dagegen kennt die Wissenschaft bislang keine nichtreligiöse Population, die auch nur ein Jahrhundert die Geburtenrate von zwei halten konnte – wo der Glaube zerfällt, schrumpfen auch die Familien. Religiosität war also nicht nur für unsere Vorfahren von naturgeschichtlichem Vorteil, die Evolution der Religion(en) ist auch noch überhaupt nicht abgeschlossen.

Dr. Michael Blume lehrt Religionswissenschaften an den Universitäten Köln und Jena. Der mehrfache Buchautor betreibt außerdem den Blog „Natur des Glaubens“ beim Blogportal von Spektrum der Wissenschaft.

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Religionspsychologie Seminar Uni Köln SS 2015 – Michael Blume Literaturlinks und Seminarthemenhttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/religionspsychologie-seminar-uni-koeln-ss2015/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=religionspsychologie-seminar-uni-koeln-ss2015 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/religionspsychologie-seminar-uni-koeln-ss2015/#comments Thu, 02 Apr 2015 10:05:06 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2158 ... weiter]]> Soeben habe ich mich zu meiner Verblüffung und Freude erfahren, dass sich zum Seminar zur "Psychologie von Religion & (Aber-)Glauben" 70 Studierende angemeldet haben - mehr als doppelt soviel als im letzten Jahr! Vielen Dank für das rege Interesse - das aber natürlich einige organisatorische Anpassungen erfordert. So benötigen wir größere Seminarräume und die Prüfungsordnung schreibt vor, dass neben der verpflichtenden Teilnahme an Vorbesprechung (am 13.4.) und Blockwochenende eine Klausur sowie je ein Referat zu erbringen sind (ich also leider nicht einige Hausarbeiten vergeben kann).

Also setze ich diese Blogpage als einfach zu findende "Nachschlageseite" ein und gebe bekannt:

Die Vorbesprechung findet am 13. April um 16 Uhr im Hörsaal H 124 im HF-Hauptgebäude, Gronewaldstr. 2, statt. Die Teilnahme daran ist verpflichtend, um die Seminarleistungen erbringen zu können. Neben einem knappen Vortrag stelle ich Ihnen auch gerne dieses einführende Video zur Verfügung, um das Thema zu umreißen und ggf. im Nachhinein noch einmal zu reflektieren oder mit Dritten zu diskutieren.

Die Klausur findet gleich am Morgen des ersten Seminartages (13.6.2015) statt. Sie wird etwa eine Stunde dauern und eine Mischung aus Multiple-Choice und Essayfragen enthalten.

Themen der Klausur sind der einleitende Artikel "Homo religiosus" & Begleitartikel (kostenfreier Download hier) und das (kostengünstige & fast vergriffene, aber auch als eBook erhältliche) Buch "Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe". Es soll dabei zum einen darum gehen, einen ersten Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zu gewinnen und wissensgeschichtlich zu erfassen, wie Charles Darwin selbst das Thema erkundete, wie sich seine Positionen dazu entwickelten und wie - bei allen Chancen der interdisziplinären Evolutionsforschung - auch die Gefahren etwa von Sozialdarwinismus, Rassismus und Sexismus historisch-kritisch zu reflektieren sind.

EvolutionundGottesfrage

Das Blockseminar findet dann am Wochenende des 13. - 14.6. statt, jeweils von 9 bis 18 Uhr, im Hörsaal H115 im IBW-Gebäude, Herbert-Lewin-Straße 2.

Vorgesehen sind insgesamt 17 Vertiefungsreferate zu je 4 Personen - mit der Bitte um je einen 20minütigen Vortrag - gerne mit Medieneinsatz - und eine anschließende, ca. 20minütige Diskussion. Die Referatsthemen werden in der Vorbesprechung zugelost. Die je zwei Literaturtips pro Referatsthema bilden - gleichberechtigte - Vorschläge, das Hinzuziehen weiterer Literatur ist aber selbstverständlich erlaubt.

Die Referatsthemen sind:

1. Ist da Jemand? Soziale Kognition, Mentalisierung & Religiosität.

Literaturtips: "Interdisziplinäre Anthropologie. Jahrbuch 01/2013: Soziale Kognition" (Hartung/Herrgen) und "Die Erfindung Gottes" (Bering)

2. Grenzenlos glücklich? Entgrenzungserfahrungen, Transzendenz & Spiritualität.

Literaturtips: "Spiritualität. Moderne Sinnsuche" (Bucher in: Gehirn & Geist) und "Psychologie der Spiritualität" (Bucher)

3. Hängt alles mit allem zusammen? Mustererkennung, Rationalität & Magisches Denken.

Literaturtips: "Magisches Denken" (Grüter) und "übernatürlich? natürlich!" (Hood)

4. Haste mal Feuer? Wie Kultur Körper, Geist und Sozialstrukturen des Menschen umformte (Biokulturelle Evolution)

Literaturtips: "Feuer fangen" (Wrangham) und "Studienbrief: Religion und kulturelle Evolution" (Blume)

5. Ist (Aber-)Glauben natürlich oder kultürlich? Interdisziplinäre und interkulturelle Annäherungen

Literaturtips: "Psychologie" (Fetchenhauer) und "Wie kommt die Kultur in den Kopf?" (Northoff)

6. Wohnt also "Gott im Gehirn"? Erkenntnisse und Erkenntnisgrenzen der sog. "Neurotheologie"

Literaturtips: "Gott, Gene und Gehirn" (Vaas/Blume) und "Kein Platz für Gott?" (Becker)

7. Widerspruch oder Ergänzung? Wissenschaft, Technologie und Religion

Literaturtips: "Why Religion is Natural and Science is Not" (McCauly) und "Religion and Science as Forms of Life" (Salazar/Bestard)

8. Warum brauchen Menschen Rituale?

Literaturtips: "Gott, Gene und Gehirn" (Vaas/Blume) und "The evolution of costly displays... (CREDS)" (Henrich)

9. Warum brauchen Menschen Mythen?

Literaturtips: "The Storytelling Animal" (Gottschall) und "The Literary Animal" (Wilson et al.)

10. Große Kulturen, große Götter? Die (bio-)kulturelle Evolution von Gottesbildern & Geboten am Beispiel von Bronze- und Achsenzeit

Literaturtips: "Faszination Lausitzer Kultur" (Bronzezeit, Tagungsband Spreewaldstiftung) und "Big Gods" (Norenzayan)

11. Der Buddhismus = religiös? Der Islam = spirituell? Wie sich Religiosität, Spiritualität & Magisches Denken in der Realität vermischen (mit Beispielen)

Literaturtips: "Weltreligionen: Woran die Menschen glauben" (Küstenmacher/Mai) und "Studienbrief: Religion und kulturelle Evolution" (Blume)

12. Traditionen & Variationen. Das Judentum im Blickpunkt der Evolutionsforschung

Literaturtips: "Judaism in biological Perspective" (Goldberg) und "Die Haredim. Geschichte und Erfolg des ultraorthodoxen Judentums" (Blume)

13. Die dunklen Seiten des Glaubens. Fundamentalismus und Extremismus in der Religionsgeschichte & -gegenwart

Literaturtips: "Religiöser Fundamentalismus & Extremismus" (Blume) und "Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen" (Kaddor)

14. Engel in Raumanzügen. Neue Religionsformen am Beispiel des UFO-Glaubens / der Raelianer

Literaturtips: "Aliens adored" (Palmer) und "Sind wir allein im All?" (Blume, eBook)

15. Zwei Religionsgemeinschaften im Vergleich: Die Old Order Amish und die Shaker

Literaturtips: „Shaker Experience“ (Stein) und „Die Amish“ (Blume)

16. Werden Menschenrechte "geglaubt"? Die Debatten zwischen Natur- und Offenbarungsrecht

Literaturtips: "Wahres Recht setzen" (Benedikt XVI. im deutschen Bundestag) und "Die Sakralität der Person" (Joas)

17. Sicherheit & Säkularisierung. Wird die Menschheit atheistisch?

Literaturtips: "The origins of religious disbelief" (Norenzayan) und "The Future of World Religions" (Pew Forum 2015)

- Auf das Seminar freue ich mich und hoffe, dass es allen Beteiligten Freude und v.a. Erkenntnisse bringen wird! -

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Eine Anekdote aus dem 19. Jahrhundert zur Auslegung der Bibelhttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/eine-anekdote-jahrhundert-auslegung-bibel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=eine-anekdote-jahrhundert-auslegung-bibel http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/eine-anekdote-jahrhundert-auslegung-bibel/#comments Sun, 29 Mar 2015 15:21:20 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2078 ... weiter]]> Heute mal kein wissenschaftlicher Text, sondern ein Fundstück aus Johann Peter Hebels "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" (1811). Gefunden von Lutz Greisinger, übersandt via der religionswissenschaftlichen Yggdrasill-Liste - eine bemerkenswerte Anekdote zur Frage der Auslegung heiliger Texte...

Gutes Wort, böse Tat

In Hertingen, als das Dorf noch rottbergisch war, trifft ein Bauer den Herrn Schulmeister im Felde an. "Ist's noch Euer Ernst, Schulmeister, was Ihr gestern den Kindern zergliedert habt: so dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar?" Der Herr Schulmeister sagt: "Ich kann nichts davon und nichts dazu tun. Es steht im Evangelium." Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige und die andere auch, denn er hatte schon lang einen Verdruss auf ihn. Indem reitet in einer Entfernung der Edelmann vorbei und sein Jäger. "Schau doch nach, Joseph, was die zwei dort miteinander haben." Als der Joseph kommt, gibt der Schulmeister, der ein starker Mann war, dem Bauer auch zwei Ohrfeigen und sagte: "Es steht auch geschrieben: Mit welcherlei Mass ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Ein voll gerüttelt und überflüssig Mass wird man in euern Schoss geben", und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Dutzend drein. Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: "Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr; sie legen einander nur die heilige Schrift aus."

Merke: Man muss die heilige Schrift nicht auslegen, wenn man's nicht versteht, am allerwenigsten so. Denn der Edelmann liess den Bauern noch selbige Nacht in den Turn sperren auf sechs Tage, und dem Herrn Schulmeister, der mehr Verstand und Respekt vor der Bibel hätte haben sollen, gab er, als die Winterschule ein Ende hatte, den Abschied.

WeihnachtsbaumOsterhaseBraeuche

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Zur Demografie von Humanismus, Buddhismus – und Frankreichhttp://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/zur-demografie-humanismus-buddhismus-frankreich/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=zur-demografie-humanismus-buddhismus-frankreich http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/zur-demografie-humanismus-buddhismus-frankreich/#comments Mon, 23 Mar 2015 20:07:40 +0000 http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/?p=2141 ... weiter]]> Die Zusammenhänge von Religion(en) und Demografie sind multidimensional und komplex - und manchmal hatte ich schon leise Zweifel, ob sich das bisher erarbeitete Wissen gegen die verbreiteten Unsitten des nur oberflächlichen Lesens und kruden Vereinfachens jemals behaupten würde. Doch nachdem Michel Houellebecq im SPIEGEL 10/2015 den demografischen "Tod" von Humanismus, Aufklärung und Republik sowie den Sieg der kinderreichen Religion(en) und vor allem des Islam verkündet hatte, erreichten mich viele Anfragen von Leuten, die es genauer wissen wollten. Auf dieses erfreuliche Interesse habe ich mit einem Artikel "Der Humanismus ist nicht tot. Auch nicht demografisch" im Diesseits-Magazin geantwortet. Der durchschnittlich höhere Reproduktionserfolg religiöser Menschen resultiert eben nachweisbar "nicht" einfach aus patriarchalen Familienverhältnissen, wie Houellebecq zu vermitteln versucht.

Diesseits_Humanismus_Blume2015

Und wo wir gerade bei Frankreich sind: Auch hier überprüfte Thomas Baudin in einer im Demographic Research veröffentlichen Studie den Zusammenhang von Religiosität und Kinderreichtum an französisch-katholischen Christinnen und Christen - und fand ihn ebenfalls bestätigt: Während ein nur nominaler, kaum gelebter Glauben auch kaum demografische Auswirkungen hat, geht gelebter, französischer Katholizismus mit durchschnittlich deutlich erhöhten Kinderzahlen einher.

Ebenfalls im Demographic Research erschien eine neue Studie zur Demographie des asiatischen Buddhismus von Vegard Skirbekk et al., die ich als der auch im Abspann genannte "anonymous reviewer" bereits mit großem Interesse gelesen hatte (und anonym geblieben war, da sich das Team u.a. auch mit meinen Arbeiten befasst hatte). So hatte ich in der Auswertung der Schweizer Volkszählung bereits eine verblüffend niedrige Geburtenrate von Buddhistinnen vorgefunden und in Religion & Demografie (sciebooks 2014) die kulturelle Evolution vom buddhistischen Antinatalismus zu einem nur "gemäßigten Pronatalismus" beschrieben. Nun liefert die genannte Studie weiteres, empirisches Material für die Annahme, dass der nicht- bzw. quasi-theistische Buddhismus über weniger reproduktives Potential verfügt als andere religiöse und spirituelle Traditionen. Das wird für künftige, religionsvergleichend informierte Forschungen noch ein spannendes Forschungsfeld!

In der Summe stelle ich also fest: Zwar nährt sich das Eichhörnchen mühsam und haben die meisten Menschen (auch in der Wissenschaft) bislang allenfalls eine rudimentäre Vorstellung von Religionsdemografie - doch sowohl das öffentliche Interesse wie auch das Forschungswissen wächst. Darüber freue ich mich natürlich.

:-)

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