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Dürfte ich Sie zum Thema Tod und Jenseits web-interviewen?

28. Mai 2014 von Michael Blume

In den letzten Jahren habe ich mich vor allem auf die Evolutionsforschungen zu religiösem Glauben & Kinderreichtum, also zum "Beginn (bzw. Hervorrufen) des Lebens", konzentriert. Aber auch zum Beispiel im Evolution-Religion-Beitrag bei Quarks & Co. (ab Min. 8:30) wurde ja deutlich, dass das "Ende des Lebens" - Fragen des Todes und Jenseits - nicht weniger wichtig zu erkunden sind. Begann die menschliche Religiosität mit dem Bewußtwerden der eigenen Sterblichkeit? Was bedeutet es, dass Bestattungen seit der mittleren Altsteinzeit die ersten... weiter

 

Evolution des Gewissens von Eckart und Renate Voland – Buchrezension

22. Mai 2014 von Michael Blume

Wenige Menschen haben die interdisziplinäre Evolutionsforschung der letzten Jahre im deutschen Sprachraum so geprägt und auch in die Öffentlichkeit vermittelt wie der Gießener Biophilosoph Prof. Eckart Voland, etwa mit seinem weit rezipierten "Grundkurs Soziobiologie: Die Natur des Menschen". Schon aufgrund dieser Arbeiten und des Themas hätte ich "Evolution des Gewissens" sofort gelesen. Doch dieses Buch ist nicht nur von ihm, sondern auch von seiner Frau Renate Voland, ihres Zeichens Psychologin und Leiterin einer Grundschule. Und soviel sei vorab verraten: Diese interdisziplinäre und auch lebenspraktische Zusammenarbeit hat Früchte getragen und hebt "EdG" über vergleichbare Werke evolutionspsychologischer Spekulation weit hinaus! R. & E. Voland (2014): Evolution des Gewissens. Hirzel, EUR 32,- ... weiter

 

Religionswissenschaft & Netzkultur – Als mein Profilbild zu mutieren begann

17. Mai 2014 von Michael Blume

Manchmal beneide ich die Kolleginnen und Kollegen der Musik- oder Sprachwissenschaft. Ihre Forschungsgebiete sind ja nicht weniger komplex und interdisziplinär, die evolutionäre Perspektive liegt nicht weniger nahe. Aber ich nehme an, dass sie nicht mit so vielen Emotionen zurecht kommen müssen, die von Menschen auf sie projeziert werden. Bei Religion geht es irgendwie immer wieder "ums große Ganze", auch wenn doch vielleicht nur eine Detailfrage erkundet und diskutiert wird. Persönlich erlebe ich Wissenschaft am Glücklichsten, wenn ich selbst im Flow... weiter

 

Anthropodizee & Religionsdemografie – Karim Akerma hofft auf vernünftiges Verebben

13. Mai 2014 von Michael Blume

Oft schon habe ich hier auf dem Blog davon geschrieben, wie das Netz den interdisziplinären Dialog der Wissenschaften beflügelt; nun habe ich es wieder selbst erlebt. In meinem neuen Buch "Religion und Demografie" sowie in meinem ersten Blogpost zur Anthropodizee-Frage schrieb ich über die hervorragenden Arbeiten des Hamburger Philosophen Dr. Karim Akerma. Und was finde ich wenige Wochen später in meinem Postfach? Eine Mail des Besagten, der nicht nur wiederum mein Buch gelesen, sondern dazu auch eine Stellungnahme geschrieben hat. Und in der kommenden Woche hin und wieder auch vorbeischauen und auf Kommentatorenfragen antworten wird. Hier ist er also: Der philosophische Gastbeitrag von Karim Akerma zu "Natur des Glaubens". ... weiter

 

Online-Interviews zu Religion und Demografie

9. Mai 2014 von Michael Blume

Der Abschlussband der langjährigen Forschungen zur Religionsdemografie "Religion und Demografie. Warum es ohne Glauben an Kindern mangelt" hat eine mich etwas überrollende Resonanz an mehreren hundert - überwiegend konstruktiven - Kommentaren, Mails und Nachfragen ausgelöst. Aber auch drei Online-Interviews, davon eines als Videoaufzeichnung, habe ich wahrnehmen können. Diese möchte ich hiermit gerne zur Verfügung stellen und mich bei allen bedanken, die sich tatsächlich neugierig und erkenntnisorientiert interessier(t)en - selbst wenn das heißt, Alltagstheorien zu überprüfen. Den Anfang möchte ich mit dem... weiter

 

Schrumpfung, Aussterben, Verebben, Gesundschrumpfen – Wie benennen wir dauerhaften Kindermangel?

4. Mai 2014 von Michael Blume

Die Herausgabe meines Sachbuches "Religion und Demografie" und der damit verbundene Blogpost zur Anthropodizee-Frage haben eine Flut von Kommentaren und Rückmeldungen ausgelöst, von denen ich die konstruktiven Stimmen selbstverständlich ernst- und aufnehmen möchte. Da wir empirisch-wissenschaftliche Sachverhalte ja immer durch Begriffe erfassen, stimme ich zum Beispiel zu, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken und zu diskutieren. Konkret wurde gefragt: Wie sollen wir den Prozess nennen, in dem eine Population aus Menschen sich über Generationen hinweg unterhalb der Bestandserhaltungsgrenze (von mindestens 2,1 Kindern pro Frau) fortpflanzt? Geburtenraten der letzten Jahrzehnte in Deutschland (blau), Russland (orange) und Grossbritannien (grün). Aus: Blume, M. (2014) "Religion und Demografie", S. 124 ... weiter

 

Aus meinem Leben – Die Autobiografie von Meinhard Tenné

1. Mai 2014 von Michael Blume

Letzten Sonntag habe ich vor Freude ein paar Tränen verdrückt. Der Grund dafür war eine besondere Veranstaltung eines lieben Freundes: Meinhard Tenné (90 J.) stellte seine Autobiografie "Aus meinem Leben" vor, die er - der langjährige Vorstand der jüdischen Gemeinde in Württemberg - dem evangelischen Pfarrer Dr. Reiner Strunk erzählt hatte. Und die Vorstellung fand im "Stuttgarter Lehrhaus" statt, das sich - in der Tradition Martin Bubers - dem Dialog zwischen Juden, Christen, Muslimen und allen Menschen guten Willens verschrieben hat. Entsprechend groß und bunt war die Gästeschar bei diesem ganz und gar nicht gewöhnlichen Termin. Das hervorragend geschriebene Buch schildert das Leben eines "echten Menschen", der am 26. Mai 1923 in Berlin als Meinhard Teschner geboren wurde. Seine Eltern betrieben eine erfolgreiche Schneiderei und hatten auch während der Wirtschaftskrise ihre Angestellten in Lohn und Brot halten können. Der fromme Großvater hatte ein koscheres Restaurant eröffnet und Meinhard zur Bar Mitzwa (dem jüdischen Vorbild der Konfirmation) einen Tenach (hebräische Bibel) vermacht, die dieser bis heute mit sich führt. Die Teschners waren deutsche Juden und selbstverständlich hatte auch Meinhards Vater Heinrich im ersten Weltkrieg treu für das Kaiserreich gekämpft. Entsprechend hatte sich die Familie - trotz zunehmender Schikanen und dem dringenden Warnungen der Mutter, die nach Palästina auszuwandern drängte - nicht vorstellen können, dass sich die Nazis mit ihrem mörderischen Hass durchsetzen würden. Ein ehemaliger Kriegskamerad, der inzwischen bei der SA war, warnte die Teschners am Tag der Reichspogromnacht vor der drohenden Verfolgung. So entkamen Vater Heinrich und Sohn Meinhard (15... weiter

 

Bildung, Religiosität und Kinderreichtum – Das Beispiel des evangelischen Pfarrhauses

25. April 2014 von Michael Blume

Nach dem ersten Blogpost zur Anthropodizee und dem Beitrag in der Sendung Quarks & Co. zu Wissen und Glauben wurde ich wieder viel mit dem wohl populärsten Dreisatz zum Zusammenhang von Religion und Demografie konfrontiert. Viele Deutsche meinen noch immer: 1. Gebildete Menschen seien seltener religiös. 2. Gebildete Menschen hätten weniger Kinder. Entsprechend seien 3. religiöse Familien (nur) deswegen kinderreicher, weil die Eltern durchschnittlich weniger gebildet seien. Nur: Dieser Dreisatz ist schlicht falsch. So ist der Begriff der "Bildung" selbst... weiter

 

Quarks und Co zu Glauben, Wissen und der Evolution von Religion

22. April 2014 von Michael Blume

Wie wahrscheinlich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte ich seit meiner Jugend viele glückliche Stunden vor Wissenssendungen verbracht, die mit der richtigen Mischung aus Unterhaltung und Information in Forschungswelten einführten. Sie können sich also mein Herzklopfen vorstellen, als eines Tages ein Mitarbeiter der WDR-Wissenssendung Quarks & Co. bei mir anrief und erläuterte, dass sie sich zum ersten Mal in ihrer Sendegeschichte mit dem Thema Religion aus naturwissenschaftlicher (d.h. evolutionärer) Perspektive befassen wollten. Ob ich bereit wäre, dabei mitzuwirken? Natürlich war ich... weiter

 

Die Anthropodizee-Frage. Wer den Himmel leerräumt, schafft die Menschheit ab

21. April 2014 von Michael Blume

Als ich es schon nicht mehr wirklich zu hoffen gewagt hatte, erwartete mich in den Forschungen zu Religion & Demografie eine handfeste und aufregende Entdeckung - und zwar dort, wo ich am wenigsten damit gerechnet hätte: In der Philosophie. Wenn Sie etwas Zeit und Lust haben, möchte ich Sie heute daran teilhaben lassen. Aber Vorsicht - das Gefundene hat auch mich schockiert und ich habe lange gebraucht, um es zu akzeptieren. Als ich vor über zehn Jahren meine religionsdemografischen Studien eröffnete, hatte ich eine einfache Grundthese: Aktive Mitglieder von Religionsgemeinschaften hätten demnach durchschnittlich "etwas mehr" Kinder als Konfessionslose. Wenn "nach Abzug aller anderen Faktoren" ein Reproduktionsvorteil von wenigen Prozentpunkten übrig geblieben wäre, so wäre dies ja aus der Perspektive der Evolutionsforschung mehr als genug gewesen. Doch umso mehr ich außer quantitativen (statistischen) Daten auch qualitative Beobachtungen (Fallstudien) einbezog, umso klarer wurde, dass die Lage viel gravierender war, als ich anfangs gedacht hatte - und sehen wollte. Inzwischen akzeptiere ich als empirischen (also überprüfbaren) Befund: Religionen – und nur Religionen! – vermögen Menschen in ausreichender Zahl zu dem Verzicht zu bewegen, den Familien mit mehr als zwei Kindern bedeuten. Wir kennen heute Dutzende religiöse Traditionen wie  die orthodoxen Juden, Amish, Hutterer, Mormonen usw., die über Generationen hinweg kinderreich geblieben sind; aber keine einzige nichtreligiöse Population, Gruppe oder Gemeinschaft, die auch nur ein Jahrhundert lang die Bestandserhaltungsgrenze von wenigstens zwei Kindern pro Frau hätte halten können. Religiöse Traditionen können demografisch scheitern (z.B. auch durch allzu starren Familien-Traditionalismus); aber nichtreligiöse Populationen scheiterten bislang... weiter