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Online-Interviews zu Religion und Demografie

9. Mai 2014 von Michael Blume

Der Abschlussband der langjährigen Forschungen zur Religionsdemografie "Religion und Demografie. Warum es ohne Glauben an Kindern mangelt" hat eine mich etwas überrollende Resonanz an mehreren hundert - überwiegend konstruktiven - Kommentaren, Mails und Nachfragen ausgelöst. Aber auch drei Online-Interviews, davon eines als Videoaufzeichnung, habe ich wahrnehmen können. Diese möchte ich hiermit gerne zur Verfügung stellen und mich bei allen bedanken, die sich tatsächlich neugierig und erkenntnisorientiert interessier(t)en - selbst wenn das heißt, Alltagstheorien zu überprüfen. Den Anfang möchte ich mit dem... weiter

 

Schrumpfung, Aussterben, Verebben, Gesundschrumpfen – Wie benennen wir dauerhaften Kindermangel?

4. Mai 2014 von Michael Blume

Die Herausgabe meines Sachbuches "Religion und Demografie" und der damit verbundene Blogpost zur Anthropodizee-Frage haben eine Flut von Kommentaren und Rückmeldungen ausgelöst, von denen ich die konstruktiven Stimmen selbstverständlich ernst- und aufnehmen möchte. Da wir empirisch-wissenschaftliche Sachverhalte ja immer durch Begriffe erfassen, stimme ich zum Beispiel zu, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken und zu diskutieren. Konkret wurde gefragt: Wie sollen wir den Prozess nennen, in dem eine Population aus Menschen sich über Generationen hinweg unterhalb der Bestandserhaltungsgrenze (von mindestens 2,1 Kindern pro Frau) fortpflanzt? Geburtenraten der letzten Jahrzehnte in Deutschland (blau), Russland (orange) und Grossbritannien (grün). Aus: Blume, M. (2014) "Religion und Demografie", S. 124 ... weiter

 

Aus meinem Leben – Die Autobiografie von Meinhard Tenné

1. Mai 2014 von Michael Blume

Letzten Sonntag habe ich vor Freude ein paar Tränen verdrückt. Der Grund dafür war eine besondere Veranstaltung eines lieben Freundes: Meinhard Tenné (90 J.) stellte seine Autobiografie "Aus meinem Leben" vor, die er - der langjährige Vorstand der jüdischen Gemeinde in Württemberg - dem evangelischen Pfarrer Dr. Reiner Strunk erzählt hatte. Und die Vorstellung fand im "Stuttgarter Lehrhaus" statt, das sich - in der Tradition Martin Bubers - dem Dialog zwischen Juden, Christen, Muslimen und allen Menschen guten Willens verschrieben hat. Entsprechend groß und bunt war die Gästeschar bei diesem ganz und gar nicht gewöhnlichen Termin. Das hervorragend geschriebene Buch schildert das Leben eines "echten Menschen", der am 26. Mai 1923 in Berlin als Meinhard Teschner geboren wurde. Seine Eltern betrieben eine erfolgreiche Schneiderei und hatten auch während der Wirtschaftskrise ihre Angestellten in Lohn und Brot halten können. Der fromme Großvater hatte ein koscheres Restaurant eröffnet und Meinhard zur Bar Mitzwa (dem jüdischen Vorbild der Konfirmation) einen Tenach (hebräische Bibel) vermacht, die dieser bis heute mit sich führt. Die Teschners waren deutsche Juden und selbstverständlich hatte auch Meinhards Vater Heinrich im ersten Weltkrieg treu für das Kaiserreich gekämpft. Entsprechend hatte sich die Familie - trotz zunehmender Schikanen und dem dringenden Warnungen der Mutter, die nach Palästina auszuwandern drängte - nicht vorstellen können, dass sich die Nazis mit ihrem mörderischen Hass durchsetzen würden. Ein ehemaliger Kriegskamerad, der inzwischen bei der SA war, warnte die Teschners am Tag der Reichspogromnacht vor der drohenden Verfolgung. So entkamen Vater Heinrich und Sohn Meinhard (15... weiter

 

Bildung, Religiosität und Kinderreichtum – Das Beispiel des evangelischen Pfarrhauses

25. April 2014 von Michael Blume

Nach dem ersten Blogpost zur Anthropodizee und dem Beitrag in der Sendung Quarks & Co. zu Wissen und Glauben wurde ich wieder viel mit dem wohl populärsten Dreisatz zum Zusammenhang von Religion und Demografie konfrontiert. Viele Deutsche meinen noch immer: 1. Gebildete Menschen seien seltener religiös. 2. Gebildete Menschen hätten weniger Kinder. Entsprechend seien 3. religiöse Familien (nur) deswegen kinderreicher, weil die Eltern durchschnittlich weniger gebildet seien. Nur: Dieser Dreisatz ist schlicht falsch. So ist der Begriff der "Bildung" selbst... weiter

 

Quarks und Co zu Glauben, Wissen und der Evolution von Religion

22. April 2014 von Michael Blume

Wie wahrscheinlich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatte ich seit meiner Jugend viele glückliche Stunden vor Wissenssendungen verbracht, die mit der richtigen Mischung aus Unterhaltung und Information in Forschungswelten einführten. Sie können sich also mein Herzklopfen vorstellen, als eines Tages ein Mitarbeiter der WDR-Wissenssendung Quarks & Co. bei mir anrief und erläuterte, dass sie sich zum ersten Mal in ihrer Sendegeschichte mit dem Thema Religion aus naturwissenschaftlicher (d.h. evolutionärer) Perspektive befassen wollten. Ob ich bereit wäre, dabei mitzuwirken? Natürlich war ich... weiter

 

Die Anthropodizee-Frage. Wer den Himmel leerräumt, schafft die Menschheit ab

21. April 2014 von Michael Blume

Als ich es schon nicht mehr wirklich zu hoffen gewagt hatte, erwartete mich in den Forschungen zu Religion & Demografie eine handfeste und aufregende Entdeckung - und zwar dort, wo ich am wenigsten damit gerechnet hätte: In der Philosophie. Wenn Sie etwas Zeit und Lust haben, möchte ich Sie heute daran teilhaben lassen. Aber Vorsicht - das Gefundene hat auch mich schockiert und ich habe lange gebraucht, um es zu akzeptieren. Als ich vor über zehn Jahren meine religionsdemografischen Studien eröffnete, hatte ich eine einfache Grundthese: Aktive Mitglieder von Religionsgemeinschaften hätten demnach durchschnittlich "etwas mehr" Kinder als Konfessionslose. Wenn "nach Abzug aller anderen Faktoren" ein Reproduktionsvorteil von wenigen Prozentpunkten übrig geblieben wäre, so wäre dies ja aus der Perspektive der Evolutionsforschung mehr als genug gewesen. Doch umso mehr ich außer quantitativen (statistischen) Daten auch qualitative Beobachtungen (Fallstudien) einbezog, umso klarer wurde, dass die Lage viel gravierender war, als ich anfangs gedacht hatte - und sehen wollte. Inzwischen akzeptiere ich als empirischen (also überprüfbaren) Befund: Religionen – und nur Religionen! – vermögen Menschen in ausreichender Zahl zu dem Verzicht zu bewegen, den Familien mit mehr als zwei Kindern bedeuten. Wir kennen heute Dutzende religiöse Traditionen wie  die orthodoxen Juden, Amish, Hutterer, Mormonen usw., die über Generationen hinweg kinderreich geblieben sind; aber keine einzige nichtreligiöse Population, Gruppe oder Gemeinschaft, die auch nur ein Jahrhundert lang die Bestandserhaltungsgrenze von wenigstens zwei Kindern pro Frau hätte halten können. Religiöse Traditionen können demografisch scheitern (z.B. auch durch allzu starren Familien-Traditionalismus); aber nichtreligiöse Populationen scheiterten bislang... weiter

 

Name missbraucht und Homepage down – Ein Erfahrungsbericht

16. April 2014 von Michael Blume

In der letzten Woche war meine Homepage www.blume-religionswissenschaft.de gesperrt gewesen - und ich habe selber einige Zeit gebraucht, heraus zu finden, was eigentlich los war. Weil so etwas vielen und gerade auch Bloggenden geschehen kann, habe ich mich entschieden, kurz zu schildern, was vorgefallen ist. Also: Schon vor einigen Jahren hatte ich mich entschlossen, auf einer ganz einfach gestalteten Homepage ein paar Grundinfos und religionswissenschaftliche Arbeiten im pdf-Format frei verfügbar zu machen. Weil es eben einerseits ein persönliches Angebot und... weiter

 

Religion und Demografie – Schluss-Bilanz nach einem Jahrzehnt Forschung

13. April 2014 von Michael Blume

Es fühlt sich an, als hätte ich ein Schiff mit den Ergebnissen vieler Jahre harter Arbeit beladen und stünde nun am Hafen, als es ablegt und sich entfernt. Und so ähnlich ist es ja auch gelaufen: Vor über zehn Jahren stieß ich durch ein Argument des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) auf die Frage, ob und wenn ja wie "Religiosität" mit Kinderreichtum zusammen hängt. Die Forschungsfrage faszinierte mich, wenn ich auch anfangs noch überhaupt nicht überblicken konnte, wie komplex sie sein würde. Es folgten mehrere Tausend Arbeitsstunden, erhebliche, auch finanzielle Kosten, Dutzende von verschiedenen Veröffentlichungen, Vorträgen und Diskussionen im In- und Ausland sowie auch zahlreiche Blogposts mit oft intensiven Debatten über manchmal Hunderte von Kommentare hinweg. Strecken voller aufregenden Entdeckungen wechselten mit Durststrecken - hinter jeder empirisch gesicherten Antwort tauchten immer wieder neue Fragen auf: Wurden Religiöse eher kinderreich; oder Kinderreiche eher religiös? Wiesen alle Religionsgemeinschaften vergleichbar erhöhte Geburtenraten auf, oder waren manche kinderreicher als andere? Welche Rolle spielten Bildung, Einkommen, Sozialstaat? Warum hatten traditionell religiös geprägte Staaten wie Italien oder Griechenland deutlich niedrigere Geburtenraten als stärker „progressive“ Gesellschaften wie Frankreich oder Schweden? Vertraten nicht verschiedene Statistiker wie Hans Rosling oder Herwig Birg je widersprüchliche Befunde? Welche Rolle spielte das Verbot von Verhütungsmitteln? Und warum verzichtete in einigen religiösen Traditionen ausgerechnet das Führungspersonal per Zölibat auf eigene Familien? Es ist wohl gut, dass ich am Anfang der Forschungen nicht wusste, welche Berge mich erwarten würden, sonst hätte ich es vielleicht kaum gewagt... ... weiter

 

Luke Skywalker heiratet. Wirklich. Star Wars mit Brautkleid

13. April 2014 von Michael Blume

Zu meinen bevorzugten Jagdgebieten als Religionswissenschaftler gehören Bahnhofsbuchhandlungen. Nirgendwo tritt einem die Buntheit und Vielfalt menschlicher Sehnsüchte und Mythen so unmittelbar gegenüber. Doch neben der Neugier ist auch Mut gefordert - denn die Wege der Menschheit sind voller Überraschungen in allen Schattierungen. Nachdem ich zuletzt einige (mormonische) Hintergründe der Twilight-Vampirsaga beleuchtet hatte, war ich bereit für neue Herausforderungen. Aber niemand bereitete mich auf das Kommende vor... Denn es begab sich, dass ich auf eine Fortschreibung des Star Wars-Mythos traf, der - auf dem Wurzelgrund von Christentum, Buddhismus, Gothic & Science Fiction - etwa um die Zeit meiner Geburt entstanden war und seitdem Milliarden Menschen erreicht und berührt hat. (Der Held meiner Jugend war übrigens der verwegene Han Solo und sein "Falcon".) Aber jetzt... ist alles anders! Möge die Macht mit uns sein - Luke Skywalker hat geheiratet! ... weiter

 

Wieviel Mormonenglaube steckt in der Vampirsaga Twilight von Stephenie Meyer?

10. April 2014 von Michael Blume

Heute erwartete mich zuhause eine schöne Überraschung: Mein bislang als eBook vorliegendes sciebook "Die Mormonen" (€ 1,99) lag nun auch als ab sofort erhältliches Taschenbuch (für 9,85 €) auf dem Tisch! Das ebook "Die Mormonen" (€ 1,99) liegt nun auch als Taschenbuch (für 9,85 €) vor Die Freude über das schöne Stück erinnerte mich jedoch auch an eine Frage, die mir als Religionswissenschaftler schon einige Male gestellt worden war: Wieviel Mormonismus steckt eigentlich in der Twilight-Vampirsaga (in Deutschland als "Bis(s)"-Reihe erschienen) von Stephenie Meyer? Auch als Vater einer lesehungrigen Tochter hatte ich mir dazu bereits ein fachliches, bissfestes Urteil gebildet. ... weiter