Religion im Internet – Seminararbeit von Stefan Weber und Klaus Lohmann

21. Januar 2011 von Michael Blume in Religion im Internet

Im Rahmen des Wintersemester-Seminars an der Universität Jena hatten sich zwei Studierende, Stefan Weber und Klaus Lohmann, die Aufgabe gestellt, die Rolle des Internets in der Religionslandschaft der USA zu beleuchten. Dabei konnten sie an die hervorragenden Arbeiten Heidelberger und Bremer Religionswissenschaftlerinnen und Religionswissenschaftler anknüpfen, die auch mit den Blogs Webreligion bzw. neu Playground schon länger an dem faszinierenden Thema dran sind. Wussten Sie beispielsweise, dass Maria, die Mutter Jesu, auf Facebook mehr als doppelt so viele Fans hat wie Twilight-Schwarm Edward Cullen?

Aber Stefan Weber und Klaus Lohmann fanden schnell mehr Material, als sich überhaupt verarbeiten ließ - so diese auch auf GodTube(!) verfügbare Version der Weihnachtsgeschichte in "Facebookisch", die es binnen weniger Wochen auf mehr als eine Million Klicks brachte.

Weitere sehenswerte Fundtsücke umfassen die 1996 erstmals eingestellte, erste Webpräsentation eines Klosters, sinnigerweise ein Wüstenkloster:

www.christdesert.org

das erste islamische Onlinejournal

www.renaissance.com.pk

oder auch der erste zoroastrische Cybertempel

www.zarathushtra.com 

sowie einen hinduistischen Cybertempel, in dem man aus zahlreichen hinduistischen Gottheiten auswählen, aber auch buddhistische und islamische Verehrungsrituale vollziehen kann: 

www.spiritualpuja.com

Passend zu ihrem Thema beschlossen wir, als einen Teil der Seminarleistung hier auch eine zweiwöchige Blogdiskussion anzubieten. Das heißt: Bitte stellen Sie mindestens bis zum 5.2 munter Fragen an Stefan Weber und Klaus Lohmann zum Thema Religion im Internet - sonst muss ich es tun. :-)  

Wenn Sie wollen, können Sie zum Thema auch den kompletten Folienvortrag der beiden herunterladen.

Religion im Internet.ppsx 


25 Kommentare zu “Religion im Internet – Seminararbeit von Stefan Weber und Klaus Lohmann”

  1. Michael Blume Antworten | Permalink

    Starterfrage

    Gibt es eigentlich schon Äußerungen von religiösen Autoritäten, ob ein Gebet im Internet (wie z.B. ein Online-Puja) auch als "gültig" betrachtet wird?

  2. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Michael

    Eine interessante Frage. Also ich habe mal gehört, dass ein muslimisches Gemeinschaftsgebet (z.B. das Festgebet, Freitagsgebet) auch per Telefonschaltung gültig ist, wenn man an der Teilnahme in einer Moschee verhindert ist (z.B. durch Krankheit). Wenn das wirklich erlaubt sein sollte, dann sollte es auch online möglich sein. Aber das war keine Fatwa von einem Geistlichen und ich glaube, dass dies auch sehr umstritten ist.

    Sag mal Michael, erinnert dich das Stichwort "puja" nicht an etwas? Das ist jetzt bestimmt 8-9 Jahre her. ;-)

  3. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Hussein

    Toll, dass Du vorbeischaust. Aber hey, eigentlich wollte ich die Frage an Stefan Weber und Klaus Lohmann stellen!? Und bin auch gespannt, was sie dazu schreiben oder herausfinden. Hättest Du bitte auch noch eine Frage an die beiden?

    Öhm, *hüstel*, hilf mir nochmal wegen "puja" im Jahre 2002??? Hatte das was mit dem ersten Abrahamsfest zu tun? ;-)

  4. Ulrich Antworten | Permalink

    Heilige Bücher

    Eine Frage meinerseits wäre, welche religiösen Texte kann ich online finden, welche nicht und warum nicht?

  5. itz Antworten | Permalink

    Das Internet: Totengräber der Religionen. Was halten Sie von dieser These?

    Könnte eine steigende Internetnutzung mit abnehmender Religiosität in Zusammenhang stehen?
    (Ein oberflächlicher Blick auf die USA lässt das vermuten: z.B. Mississippi: höchste Religiosität, wenigste Internetnutzung; New Hampshire meiste Internetnutzung, niedrige Religiosität.)

    Ist die Religion im Internet nicht nur noch ein Mode oder Lifestyle Angebot von vielen (wie z.B. Musik, Film, Sport, etc.)?
    Stehen die Heiligen heute tatsächlich schon in Konkurrenz zu „Vampiren“ bzw. Stars und Sternchen?

    Die wahre Madonna hat übrigens annähernd doppelt so viele Facebook Fans wie Maria. Und selbst die Götter meiner wilden Jugend haben mehr Anhänger als die Mutter Gottes. ;-)

  6. kp Antworten | Permalink

    The Digital Story of the Nativity

    Ich finde die Digital Story of the Nativity auf Youtube (http://is.gd/Xx98OB) deutlich interessanter. Noch interessanter fände ich natürlich zu wissen, ob und wer da von dem abgekupfert hat.

  7. kp Antworten | Permalink

    Re: Heilige Bücher

    Es gibt zahlreiche solcher Bücher im Web. Die beste englischsprachige Quelle für Heilige Bücher ist meines Wissens "Sacred Texts" (http://www.sacred-texts.com/index.htm). Aber natürlich gibt es auch zahlreiche deutsche Übersetzungen online, diese aufzuzählen würde allerdings den Kommentarrahmen sprengen.

  8. kp Antworten | Permalink

    Frage zu Ayers Rock und Second Life

    Ich weiß, dass Second Life nicht mehr so in ist. Dennoch eine Frage: Ich las seinerzeit eine Diskussion darüber, ob Ayers Rock auch in Second Life ein Heiliger Ort ist? Wisst Ihr wie der aktuelle Stand dazu ist?

    Sorry übrigens für das Beantworten einer Frage. Hatte zu spät gesehen, dass sich die Fragen ja nicht die Allgemeinheit richten? :-)

  9. SWeber Antworten | Permalink

    @kp Frage zu Ayers Rock und Second Life

    erstmal generell: Super spannende Themen!! Bin von der Resonanz jetzt schon begeistert und habe gleich ne neue Startseite für meinen Browser ;-)

    Zunächst, SecondLife ist immernoch am boomen. (Man schaue sich die Zahlen für das 1.Quartal 2010 mal an. etwa hier: http://www.avameo.de/...iches-erstes-quartal-2010/ )

    Nun, die aktuelle Diskussion habe ich leider noch nicht im Blick, bin aber dran :-)

    Man kann aber vermuten, dass da weder Ende noch definitves Ergebnis zu erwarten sind :-)
    Religiös oder spirituell geprägte SL User werden den digitalen Ayers Rock definitiv als einen heiligen Ort sehen und weiterhin als Kultort verehren, SL Kritiker und die meisten "Nicht-SL'er" wohl eher nicht.
    Ich denke hier geht es generell darum, ob etwas so künstlich geschaffenes genauso verehrt werden kann, wie natürlich greifbares. Für mich kann es das. Das ist (Religions-)geschichte, nur in einem unglaublich anderen Medium. Das StarWars Universe zeigt ähnliche Tendenzen und World Of Warcaft als ein weiteres prominentes (online) Game bestätigen, dass das möglich ist.
    Bei der Definition des SL-Ayars Rock als heiligen Raum gilt nur die Vorraussetzung, dass ich das Internet als erlebbaren, lebendigen Raum definiere - und da kann man natürlich an Grenzen stoßen.

  10. SWeber Antworten | Permalink

    @ Heilige Bücher

    ich denke in der Zeit von google.books wird es immer schwieriger etwas (bzw zumindest einen Einblick) nicht zu finden :-)

    Die Zahl der inoffiziellen Texte ist wohl nicht zählbar.
    Schönes Beispiel ist etwa der Vatikan, der alle seine aktuellsten "Veröffentlichungen" auch digital presentiert (www.vatican.va)
    Offizielles, was sich NICHT finden lässt, kann wohl auch schon (fast!) auf Sekundär-, Kommentar- und Wissenschaftliche Literatur beschränkt werden. Hier stehen wohl die zT auch durchaus berechtigten Profitaussichten der Autoren und Verlage im Weg.

  11. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @Michael

    Ich wollte die beiden dazu anregen sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Das interessiert mich jetzt auch und ich werde in den nächsten Tagen etwas nachforschen.

    Eine Frage stelle ich gerne noch: In letzter Zeit hört man häufig von Online-Fatwas. Könnten Sie vielleicht etwas dazu schreiben? Mich würde vor allem interessieren, wie diese in Studien bewertet werden.

    Michael: Ich habe nochmal in meine Unterlagen geschaut. Es ist sogar schon etwas länger her. Sommersemester 2001, ein Seminar in der ReWi zu Ritual und Ritualtheorien. Da haben wir uns kennengelernt und es folgte der erste gemeinsame Auftritt: Ein Referat über die Bedeutung von Rituale. Und Puja kam dabei häufig vor. ;-) )

  12. Michael Blume Antworten | Permalink

    @Hussein: Puja!

    Lieber Hussein,

    STIMMT - jetzt erinnere ich mich! Das war dieses Leseseminar zu Humphrey & Laidlaw und deren Ritualtheorie! Ja, das war klasse! Inhaltlich hat mich damals u.a. fasziniert, dass die geschilderten Jains die Tirthankaras wie Personen ansprachen und verehrten, obwohl diese nach der reinen Lehre doch eigentlich befreit & erloschen wären (vgl. Buddha). Letztlich war das eine der ganz frühen Weichenstellungen zu meinen heutigen Forschungsschwerpunkten... *Erinner*

    Danke für die Erinnerung - und auch für die guten Fragen! Bin gespannt auf weitere Antworten! :-)

  13. Klaus Lohmann Antworten | Permalink

    Online-Gebet

    Hier zeigt sich ja reges Interesse am Thema - sehr schön!

    Leider war ich am Wochenende verreist und konnte daher noch nicht antworten. Zum Thema authentische Online-Rituale: ich habe gerade gesehen, dass es auf der offiziellen Website der Jesuiten möglich ist, Online-Gebete durchzuführen. Hierfür wird man auf eine externe Seite namens SacredSpace verwiesen (https://www.jesuiten.org/angebote/online-gebet.html). Die Jesuiten würde ich jetzt schon als eine Art Autorität ansehen. Das wäre also ein Beispiel dafür, wie sich eine christliche Autorität explizit dafür ausspricht, solche Internet-Rituale zu nutzen.
    Auch interessant ist die Online-Fürbitte auf der selben Seite (https://www.jesuiten.org/angebote/online-fuerbitte.html). Diese funktioniert ähnlich wie http://www.light-a-candle.org/ - eine Seite, die wir auch im Vortrag erwähnten.
    Generell ist es natürlich auch schwierig zu sagen, wer z.B. bei diversen Religionen, die im Internet erst wieder richtig aufkamen, die jeweilige Autorität darstellt. Ich denke da zum Beispiel an neopaganistische Strömungen. Derartige Strömungen haben ja (meines Wissens nach - kann mich natürlich irren) kein zentrales Oberhaupt, das entscheiden könnte, was authentisch ist, und was nicht.
    Das nur erstmal eine kurze Antwort auf die Frage. Ich werde aber noch nach weiteren Erkenntnissen Ausschau halten

  14. Klaus Lohmann Antworten | Permalink

    @ itz

    zur Frage "Könnte eine steigende Internetnutzung mit abnehmender Religiosität in Zusammenhang stehen?"

    Dazu kann ich bisher noch keine ausführliche Antwort geben. Trotzdem wollte ich nur kurz anmerken, dass ich in diesem schönen Buch: Dawson, Lorne L. (et al). Religion Online: Finding Faith on the Internet. New York: Routledge, 2004. gelesen habe, dass (zumindest in Amerika) die Gläubigen, die online am aktivsten sind, auch offline die Aktivsten sind. Das sagt natürlich nichts über die Internetnutzung generell, würde ja aber bedeuten, dass Online-Religiosität keine zwingende Abnahme von Offline-Religiösität zur Folge haben muss.

  15. Stefan Weber Antworten | Permalink

    Der Gebetomat

    Das musste ich posten. Hier eine Anmerkung zur modernen Umngangsform mit Religionen, mal etwas anders.
    Gestern vorgestellt, der Gebetomat in Berlin. Unbedingt sehenswert!

    http://www.tagesschau.de/...dungsbeitrag92272.html

    p.s. Antworten auf Fragen bzw. weitere Kommentare sind in Arbeit ;-)

  16. Helmut Wicht Antworten | Permalink

    @ Gebetomat

    Ein Tomatenspender?
    Selten blöde Wortneuschöpfung.

    (Robert Gernhard, reloaded:
    "Machen Sie mal einen Satz mit 'Mandarin'"
    "Wir schafften uns 'nen Beichtstuhl an,
    weil mandarin schön beichten kann."

  17. kerstin Antworten | Permalink

    Tagestipp Abt Martin über Twitter und Co.

    Ich denke, die Aufzeichnung zu Glauben 2.0 passt sehr gut in das Thema hier. An der Gesprächsrunde nimmt unter anderem Abt Martin teil, dem auf Twitter über 2000 Menschen folgen. http://is.gd/vceJUL. Interessant finde ich nicht nur, was er zum Thema Glauben im Social Web sagt, sondern auch seine fortschrittliche Sicht auf das Web insgesamt. Da könnte sich mancher unserer webfernen Politiker eine Scheibe abschneiden.

  18. Klaus Lohmann Antworten | Permalink

    @ Hussein Hamdan

    zum Thema Online-Fatwas:

    ich hab mich mal umgeschaut eine Monographie gefunden, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Hierbei handelt es sich um Gary R. Bunt "Islam in the Digital Age: E-Jihad, Online Fatwas and Cyber Islamic Environments" London: Pluto Press, 2003. Wie sie sehen, ist das Buch schon etwas älter. Einige Erkenntnisse sind aber sicher immer noch zutreffend. Hier nur mal ein Zitat:
    "electronic fatwas not only reproduce conventional processes of interpretation and reasoning to reach decisions or opinions; they are also created especially for the medium. There can be a blurring between the two digital and ‘conventional’ sources. There is evidence of a transition from the newspaper archives of fatwas that have been placed online (and columns written by ‘scholars’), to the introduction of especially created online fatwa resources (some may run in parallel with newspaper columns). Advice on a key issue might be solicited on different websites: this may be through searching database archives of fatwas, edicts, opinions, questions and answers – or by e-mailing a site with a question." (Gary R. Bunt, 2003: S. 135)

    Er stellt hier also fest, dass sich "traditionelle" Formen mit neuen, speziell an das Internet angepassten Formen der fatwa vermischen. Ein Phänomen, welches er auch feststellen konnte, ist, dass sich Gläubige oft auf verschiedene Websites begeben, um den Rat zu erhalten, der am besten zu ihrer jeweiligen Situation passt.
    Dem Thema der Autorität steht er relativ neutral gegenüber. So stellt er z.B. fest, dass sich jedes Individuum online ja als Autoriät hinstellen kann, auch wenn er oder sie keine Ausbildung dazu durchlaufen hat. Insofern können traditionelle Vorstellungen und Modelle, wie sie von islamischen Institutionen vertreten werden, von diesen Online-"Autoritäten" ignoriert werden. Allerdings stellt er weiterhin fest, dass viele Kritiker eine scholastische Ausbildung gar nicht für nötig oder relevant halten, um bestimmte Entscheidungen zu treffen. Die Diskussion über Autorität innerhalb des Islam ist ja schon weitaus älter als das Internet. Generell lässt sich, denke ich, sagen, dass sich diese Debatte nun nur noch weiter ausgeweitet hat.
    Im weitern stellt er einzelne Websites vor, die Online-Fatwa anbieten. Auf eine dieser Seiten bin ich selbst gestoßen: http://www.fatwa-online.com/ - hier kann man zwar nicht persönlich (z.B. via E-Mail) Fragen stellen, doch ist es möglich, aus einem Archiv verschiedene Entscheidungen auszusuchen. Oben bei "Categories" sieht man die verschiedenen Gebiete, aus denen man auswählen kann. Dann erscheinen eine Frage und die entsprechende Antwort. Darunter ist vermerkt, von wem die entsprechende Entscheidung gefällt wurde. Eine andere Art der Online-Fatwa stellt http://www.islam.tc/ask-imam/ dar. Hier kann man individuelle Fragen an Mufti Ebrahim Desai stellen. Daneben gibt es auch ein Archiv mit bereits behandelten Themen. Den Arbeitsaufwand dieses Mannes will ich mir gar nicht vorstellen :)
    Außerdem bin ich hier: http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-912/i.html noch auf ein Interview mit Alev Inan gefunden. Die wiss. Mitarbeiterin an der Universität Passau hat sich in einer Studie von 2007 mit islamischen Websites beschäftigt. Zum Thema Online-Fatwas sagt sie, dass es zu diesem Thema bisher kaum Forschung gab, und dass es bisher unklar ist, welche Bedeutung solche Online-Fatwas im religiösen Alltag von Muslimen wirklich haben. Sie sieht solche Foren grundsätzlich als eine gute Möglichkeit, islamische Werte zu vermitteln, betont aber auch, dass es wichtig ist, die dort gepostet Inhalte zu kontrollieren, damit diese z.B. der Integration nicht im Wege stehen. Als ein Negativbeispiel von Online-Fatwas zieht sie zwei Kofferbomber heran, die im Juli 2006 Bomben in Regionalzüge deponiert hatten, nachdem sie eine entsprechende Fatwa im Internet gefunden haben.
    Auch sehr interessant fand ich, wie sie beschreibt, dass das Internet auch zu einem Raum für Autoritätskämpfe wird. Sie sagte dazu:
    Inan: Der Webauftritt des ZMD ist ein Beispiel dafür, dass sich viele dieser Seiten auch an die nicht-islamische Öffentlichkeit wenden. Die Analyse der Webinhalte hat gezeigt, dass die Betreiber des Portals darauf bedacht sind, den ZMD als die Vertretung des Islam in Deutschland darzustellen.
    Und weiterhin:
    Inan: Das Internet erweitert den Einflussbereich der islamischen Organisationen ungemein. Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Der Stadtrat einer mittelgroßen Stadt in Bayern lädt die verschiedenen Religionsgemeinschaften zu einem "interreligiösen Dialog" ein. Zu Beginn der groß angelegten Veranstaltung zitiert dann einer der Verantwortlichen wie selbstverständlich von der Webseite des Islamrats, weil er annahm, die Aussagen des Islamrats seien die "offizielle" Position der Muslime zu diesem Thema.
    Ich denke, es ist auf jeden Fall lohnenswert, das Interview in voller Länge zu lesen.
    Noch eine letzte Anmerkung: Es gibt auf dem Heidelberger/Bremer Weblog, den Herr Blume schon erwähnte auch einen Eintrag zu Online-Fatwas: http://webreligion.wordpress.com/?s=fatwa
    Hier haben sich Seminarteilnehmer mit Online-Fatwas beschäftigt, und dabei vor Allem herausgefunden, dass Online-Fatwas extrem nützlich sein können, weil sie die Distanz zwischen religiöser Autorität und Gläubigen verkürzt.
    Das war ganz schön viel :) . Aber ich hoffe, es konnte die Frage – zumindest vorerst – beantworten.

  19. Stefan Weber Antworten | Permalink

    @itz und Klaus Lohmann

    zur Frage "Könnte eine steigende Internetnutzung mit abnehmender Religiosität in Zusammenhang stehen?"

    Ich denke die steigende Internetnutzung bringt – generell gesagt – zunächst eine steigende materielle Ausstattung und damit (nicht zwangsläufig aber tendenziell) eine höhere Arbeitszeit mit sich. Daraus ergeben sich für mich Faktoren, die eine starke Religiosität seltener machen (prominente Gegenbeispiele: Mormonen und Muslime in den USA; machen aber auch nicht die Mehrheit aus). Weitere Faktoren, die auch den „oberflächlichen Blick“ auf die USA betreffen, lassen sich m.E. in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen und –umwelten, politischer Gesinnung, Anteil untersch. Ethnizitäten, Geschichte, etc. finden. Damit möchte ich den (offensichtlichen?!) Trend nicht verneinen, aber nicht alleinig eine steigende Internetnutzung als Indikator für eine fallende Religiosität ansehen.
    Natürlich ist Religion gerade auch Mode und Lifestyle im Internet. Nicht zuletzt deswegen boomten die inoffiziellen religiösen Webpages, Mischformen und das Aufleben längst ausgestorben geglaubter Traditionen (Wicca, u.ä.). Menschen produzieren sich, teilen sich mit; besser als über das Internet geht es kaum – ganz klar geschieht dies auch religiös, daher augenscheinlich auch aus Mode- und Lifestyle Gründen.
    Auch der pubertären Phase des Menschen will ich nicht zu viel zusprechen, doch ich glaube, dass es „eher cool“ ist, bei einer Madonna ein „gefällt mir“ zu setzen, als bei einer Maria. Die war zwar letztendlich (m.E.) immernoch erfolgreicher(!) – obwohl mit dem scholastisch-katechetischen Zeigefinger (Schulbankfeeling) behaftet, hat aber sicher nicht soviele Nummer 1 Hits in den von Teenies geprägten Charts.

  20. Max Heidelberger Antworten | Permalink

    religiöse Unterweisung online

    In welchem Ausmaß werden Angebote für religiöse Unterweisung im Internet angeboten und genutzt und welche Formen kann so ein "religiöser Onlineunterricht" annehmen? (Ich denke da an so etwas wie livestreams oder religiöse Unterweisungen per skype)

  21. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @online-fatwas

    Lieber Klaus Lohmann,

    herzlichen Dank für diese ausführliche Rückmeldung. Ihr Kommentar ist eine gute Einführung in das Thema und hilft mir weiter.

    Weiterhin viel Erfolg!

  22. H.Aichele Antworten | Permalink

    Votivtafeln ff

    Mich würde interessieren, wie die zum Internetgebrauch in gewisser Weise ähnlichen Vorgänge gesehen werden:
    - Votivtafeln in Kirchen
    - In ausgelegte Gästebücher in Kirchenräumen Gebete eintragen
    - Plakatwände in Kirchen oder z.B. bei Großereignissen mit Gebetszetteln bestücken
    - ein bisschen anders (weil nicht für Mitleser bestimmt)
    die Gebetszettel von Juden an ihrer Westmauer in Jerusalem (sog. Klagemauer)

    Werden Gebete im Internet als etwas qualitativ anderes gesehen? Oder „nur“ als eine gegenüber diesen vor-elektronischen Formen „technisch“ modernere Art der Gebets-Äußerung?
    [Sammlung und Weitergabe von Gebetstexten zur literarischen Weitergabe, evtl. als Vorlage, Anleitung zu eigenem Beten – ob gedruckt oder im Internet veröffentlicht - das müsste man hier wohl mal beiseite lassen].

  23. Klaus Lohmann Antworten | Permalink

    @Max Heidelberger

    Zum Thema religiöse Unterweisung online:
    Also über Religionsunterricht via Skype habe ich bis jetzt noch nichts gehört. Was natürlich nicht heißt, dass so etwas nicht existiert. Videostreams bzw. Youtube werden in relativ großen Ausmaßen genutzt. So gibt es z.B. einen YouTube-Channel namens mormonmadesimple http://www.youtube.com/user/mormonsmadesimple , auf dem die Lehre der Mormonen auf einfach Art und Weise dargestellt wird. Auf der Seite der Alphachurch (eine Kirche, die nur online zu finden ist - darauf gingen wir auch im Vortrag ein) findet sich eine spezielle Sparte, in der Kinder unterrichtet werden: http://www.alphachurch.org/kidsplace.htm

    Auf Michael Dowds Website: http://thankgodforevolution.com/ wird man sogar auf einen study guide verwiesen, mit dessen Hilfe man wesentlich Inhalte seines Buches vermitteln kann: http://thegreatstory.org/tgfe-dvd-study.html

    Dies sind nur einige Beispiele. "Klassische" Formen der religiösen Unterweisung (vor Allem Texte) finden sich auf den Websites von nahezu allen religiösen Gruppen.

    Aber auch Lehrer erkennen mittlerweile schon das Potential des Internets und Nutzen dieses für Unterrichtszwecke. Ich habe dazu ein Interview gefunden, indem ein Luxemburgischer Lehrer von seinen Erfahrungen mit dem Onlineunterricht berichtet: http://www.rpi-virtuell.net/.../InterviewGindt.pdf

    Man sieht also, dass relgiöse Unterweisung eine große Rolle im Internet zuteil wird. Auch hier ist aber natürlich die Gefahr groß, dass selbsternannte "Autoritäten" dann Unterweisungen mit fragwürdigen Inhalten öffentlich machen können.

  24. Stefan Weber Antworten | Permalink

    @ H.Aichele

    Zunächst: Ich habe ihren Kommentar so verstanden, dass sie danach fragen, ob es solche Formen auch im Internet gibt, bzw. wie diese angesehen oder genutzt werden. Unserem Vortrag folgend, ist http://www.light-a-candle.org/ ein wunderbares Beispiel dafür, dass online Gebete gesprochen werden. User können hier elektronisch eine Kerze anzünden und dazu ein Gebet verfassen, welches sichtbar für Besucher der Seite, neben der leuchtenden Kerze erscheint. Auch gibt es hier eine große Anzahl von abrufbaren Gebeten, geordnet nach Kategorien und Situationen.
    Ein Gebetszettel an der Westmauer ohne in Jerusalem zu sein? Kein Problem: Auch aus unserem Vortrag, die Seite http://www.aish.com/w/note/. Sie bietet kostenlos an, um eine Spende wird gebeten, einen Spruch/Gebet zu posten, der dann von einem Student der Aish HaTorah vor Ort an die Mauer geheftet wird. Der Gebetsinhalt wird auf antisemitischen oder unsittlichen Inhalt überprüft.
    Die Votivtafeln bilden ein schwieriges Element. Zwar haben sie online bei religiösen (Verehrungs-)praktiken (etwa Puja, buddh. Meditation) eine rudimentäre Auseinandersetzung mit dieser Motivik, doch Votivtafeln, etwa nach folgender Definition: „Votivtafel … als Dank für die Erhörung eines Gebetes an einem Wallfahrtsort oder an der Stelle aufgehängt wird, an der das betreffende Ereignis geschah“ (http://www.uelze.de/stilkunde/V/Votivtafel.htm) lassen sich online schwierig umsetzen.

    Zu der Frage, ob Gebete qualitativ anders gesehen werden: Laut mehrerer Studien die das religiöse Surfverhalten von U.S. Amerikanern untersuchten ist das Nachschlagen von Gebeten online eine der populärsten Aktivitäten unter religiösen Nutzern und die Mehrheit bestätigt, dass sie es einfacher finden, Gebete online zu beziehen (z.B. hier zu finden: http://banners.noticiasdot.com/..._Online_2004.pdf z.B. auf S.8). Bei der Befragung der Jenaer Mormonen und Buddhistengruppe stellte sich in beiden Fällen heraus, dass das Online Gebet nur eine medial andere Form der Beschaffung/des Zugangs darstellt, also qualitativ nicht anders gesehen werden.

    Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort ein wenig weiterhelfen konnte, bzw. dass ich Ihre Fragestellung richtig verstanden habe.

  25. kerstin Antworten | Permalink

    Beichte per IPhone-App

    Vor ein paar Tagen geisterte die Meldung zur Beichte per iPhone-App durch die Medien. Der Vatikan höchstselbst in Person des Vatikansprechers hat inwischen zu Wort gemeldet: "Eine sogenannte Beicht-App für den iPhone ist keine sakramentale Beichte." Das kurze Statement kann man hier (http://is.gd/c4p136) lesen. Interessant ist das Statement auch aus einem anderen Grund. Es wird dort deutlich gesagt, dass eine virtuelle Beichte ungültig sei, da die persönliche Beziehung zwischen Beichtendem und Priester nicht vorhanden sei. Ich denke, dass beantwortet zumindest in diesem Fall die in einem anderen Kommentar gestellte Frage, ob virtuelle Religiosität anerkannt ist.

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