Rezension: Ich war ein Salafist von Dominic Musa Schmitz


Ein Nachteil freiheitlicher Gesellschaften ist es, dass auch immer wieder Sekten und extremistische Gruppen die Freiheiten und den Sozialstaat mißbrauchen. Doch ein Vorteil freiheitlicher Gesellschaften ist, dass sich schließlich auch die Zivilgesellschaft wehrt und dass sich Aussteiger äußern können.

"Aussteigerliteratur" hat dabei unter Religionswissenschaftlern nicht den besten Ruf, beschreibt sie doch selbst einen (De-)Konversionsprozess und bedient allzuoft nur den Geschmack und die Ressentiments einer sensationslüsternen Mehrheit. Irreführungen wie der Taxil-Schwindel gegen die Freimaurer im 19. Jahrhundert wirken sich bis heute negativ aus - und befeuern Verschwörungsmythen sinnigerweise nicht zuletzt in islamistischen und rechtsextremen Kreisen.

Sehen Sie mir daher bitte eine gewisse Vorsicht nach, als ich darüber nachdachte, "Ich war ein Salafist" von Dominic Musa Schmitz zu erwerben und zu rezensieren. Ich tat es schließlich nicht zuletzt wegen des Mutes des einst salafistischen YouTubers, der in seinem Kanal inzwischen gegen alle Bedrohungen und Beschimpfungen über die Gefahren des Fanatismus aufklärt.

Tatsächlich ist "Ich war ein Salafist" eine reflektierte Autobiografie, in der der Autor die innere Zerrissenheit einer zerbrochenen Jugend wie auch die Faszination von fundamentalistischer Religion eindrucksvoll schildert. So entsteht ein Panorama nicht nur der verzweifelten Suche nach glaubwürdigen Autoritätspersonen, sondern auch der wetteifernden Gruppendynamiken, die den Salafismus immer wieder zerreißen und Teile davon radikalisieren.

Auch die enorme Bedeutung von Verschwörungsmythen innerhalb des Extremismus wird deutlich: Während ein Teil der Salafisten noch die Verschwörungstheorie verbreitet, nach der Osama Bin Laden ein "Agent der US-Amerikaner" sei, wählt ihn ein anderer Teil bereits als Profilbild und eifert der Gewalt gegen "Kuffar" (Ungläubige) nach. Mit diesen Kuffar sind dabei durchaus auch andersdenkende Muslime gemeint - so genannte "Takfiris" gefallen sich darin, andere als "Abgefallene" zu verurteilen und zu bedrohen.

Dass Schmitz auch solche Takfiris beim Zigarettenrauchen während der Pilgerfahrt in Mekka schildert - ebenso wie andere Salafisten nicht wirklich von Drogen, Pornofilmen und Masturbation "loskommen" - macht die Dynamik aus Überforderung und Heuchelei deutlich.

Schmitz erkennt schließlich klar, dass "eine Welt aus Salafisten" wohl "verhungern" müsste - denn zu ehrlicher Arbeit und auch weltzugewandter Bildung führe diese Ideologie kaum. Stattdessen bedienten sich die meisten Salafisten gerne bei den Sozialleistungen (in Deutschland: Hartz 4 und Kindergeld) des ansonstens verhassten Staates sowie bei den vergifteten Zuwendungen des Ölstaates Saudi-Arabien.

SchmitzIchwarSalafist

Trotz aller Bitterkeit und jahrelangen "De-Konversion" aus dem Salafismus gelingt es Schmitz dabei, zwischen Religion einerseits und Fundamentalismus bzw. Extremismus andererseits zu unterscheiden. Tatsächlich reflektiert er das eigene Leben und die eigenen Erfahrungen auch zunehmend vergleichend (S. 248):

Zuletzt war ich auf einem Aussteigersymposium zum Thema Extremismus: Zu den Referenten zählte ein Ex-Nazi, ein ehemaliges Mitglied der türkischen Faschistenorganisation "Graue Wölfe" und ich als früherer Salafist.

An jenem Abend beeindruckte mich vor allen Dingen die Tatsache, dass wir drei ähnliche Lebensläufe hatten: labil, unerfahren, Probleme in der Familie. Stets auf der Suche nach einer festen Struktur, nach Ordnung, nach Halt in einer komplexen, individualistisch geprägten Welt.

Fazit

Schmitz schildert nicht nur (überwiegend) glaubwürdig und selbstreflektiv seine Biografie samt der Faszination des Salafismus, sondern auch die sozialpsychologischen Dynamiken und die Auswirkungen des Internets in modernen Anwerbe- und Radikalisierungsstrategien.

Klassische Strategien von (religiösen & politischen) Sekten wie die Abgrenzung gegenüber allen Andersdenkenden und das Abdichten der eigenen Weltsicht durch Opfer- und Verschwörungserzählungen werden eindrucksvoll deutlich. Auch wenig bekannte Details wie die Konkurrenzen und Allianzen zwischen Sven Lau, Pierre Vogel und Ibrahim Abou Nagie werden geschildert - ebenso wie z.B. der Umstand, dass Vogel anfangs Wahlempfehlungen für die Linkspartei aussprach. Wie der Mord an Marwa El-Sherbini durch einen rechtsextremen Russlanddeutschen am 1. Juli 2009 in Dresden die Radikalen beflügelte beschreibt Schmitz ebenso wie den Umstand, dass El-Sherbini selbst als gläubige Muslimin, ehemalige Schulsprecherin, Ehefrau eines Genetikers und Handballerin gerade nicht dem Frauenbild der Salafisten entsprach. Nicht nur Muslime geraten da ins Nachdenken.

In der Summe ist das Buch also nicht nur für interessierte Muslime und Nichtmuslime generell, sondern auch für Studierende und Fachleute interessant - und es gibt mehr als genug Ansätze an die Hand, der Ausbreitung des Salafismus auch in den deutschsprachigen Ländern entgegen zu treten. Ich kann es daher zum Selberlesen und Verschenken sehr empfehlen.

 


19 Kommentare zu “Rezension: Ich war ein Salafist von Dominic Musa Schmitz”

  1. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Sehr lobenswert aus dem Salafismus auszusteigen und in der Folge über ihn aufzuklären (lustig angemerkt btw: 'wie andere Salafisten nicht wirklich von Drogen, Pornofilmen und Masturbation "loskommen"'), nett auch der Rezensionshinweis, dass die Salafi Takfīr betreiben, was einen nie enden währenden innerreligiösen Krieg garantiert.
    Frage, bevor sich der Schreiber dieser Zeilen womöglich näher mit Dominic Musa Schmitz beschäftigt, welcher Variante des Islam (vgl. 'zwischen den ganzen Möglichkeiten auswählen' - Quelle: verlinktes Video) hängt Herr Schmitz im Moment an?

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      @Webbaer

      Ja, das Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Die Abnabelung von Dominic Schmitz vom Salafismus ist noch sehr jung und m.W. hat er sich seitdem auch keiner anderen islamischen Gemeinschaft angeschlossen, sondern versteht sich in einem liberaleren Sinne weiter als Muslim.

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        SO war's gemeint und jetzt korrekt platziert:

        Der Kollege ist jedenfalls jung und klug, scheint es zumindest zu sein: für einige.
        Derartige Nachricht kann aber nichts mit dem Islam zu tun haben, finden'S net?!
        Haben Sie bei bspw. Lamya Kaddor den Eindruck, dass ein liberaler Islam vertreten bis gefördert wird?

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich im gegebenen Fall, ohne Widerrede und ohne Erörterungsbedarf, ein Häkchen setzen würde der Art "Dr. Blume findet den LIB und seine Stellvertreter liberal (im Sinne des Begriffs)")

        PS:
        Dass die sogenannten CAPTCHAs hier austimen, ist ja nun wirklich ein Fehler bei der software-seitigen Implementation von Geschäftslogik, wer hat dies zu verantworten?

  2. Weckruf Antworten | Permalink

    Ich kenne Sie zwar nicht, empfehle Ihnen aber, dass Sie sich, wenn Sie sich schon "Religionswissenschaftler" nennen, objektiv mit dem Islam auseinandersetzen. Ich empfehle Ihnen das so oder so, weil er die einzige Wahrheit und Rettung vor einem Feuer ist, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind.

    {Gewiß, diejenigen, die Kufr Unseren Ayat gegenüber betreiben, werden WIR in ein Feuer hineinwerfen lassen. Immer wieder, wenn ihre Häute gargekocht sein werden, werden WIR sie ihnen gegen andere Häute austauschen, damit sie die Peinigung (richtig) erfahren. Gewiß, ALLAH bleibt immer allwürdig, allweise.}

    Sodann:

    "so genannte "Takfiris" gefallen sich darin, andere als "Abgefallene" zu verurteilen und zu bedrohen."

    Der Islam ist ein Weg der Mitte und auch im Takfir gibt es die Untertreibung sowie die Übertreibung.

    Natürlich gibt es einige, die den Takfir missbrauchen und ihn ohne vernünftigen Grund aussprechen (und damit das Blut und Eigentum von Muslimen für erlaubt erklären), aber es gibt auch genauso welche, die ihn dort unterlassen, wo er angebracht und gefordert ist (heutzutage sind letztere oft irgendwelche Euro-"Muslime", die merkwürdigen Unsinn von ihren ostanatolischen Hodschas beigebracht bekommen). In manchen Fällen ist ein Muslim sogar zum Takfir verpflichtet.

    Die Murjia, die Untertreiber, glauben, dass der Iman (die Überzeugung des Muslims) sich lediglich im Herzen findet. Man kann, laut ihnen, machen, was man will, man wird durch Handlungen oder Worte nicht ungläubig. Nach deren Irrglauben kann man Allah sogar willentlich beleidigen und Muslim dabei bleiben. Das aber ist eine schändliche Neuerung im Islam und nicht der Glaube der Ahlu s-Sunnah wa Jama'a (85% derjenigen, die sich Muslime nennen, rechnet man den Sunniten zu).

    Wann machen wir Takfir? Nicht bei kleinen oder großen Sünden. Nicht einmal bei kleinem Kufr (kleinem "Unglauben"). Wir machen lediglich bei großem Unglauben und großen Shirk Takfir.

    Ein Beispiel:

    Wer sich über den Islam lustig macht, wird dadurch Kafir. Das deswegen, weil es im Qur'an steht:

    „Die Heuchler fürchten, dass eine Sūrah (im Qur’ān) über sie offenbart werden könnte, die ihnen kundtut, was in ihren Herzen ist. Sag: Macht euch (nur) lustig! Allāh wird herausbringen, was ihr fürchtet. Und wenn du sie fragst, werden sie ganz gewiss sagen: „Wir haben nur (schweifende) Gespräche geführt und gescherzt.“ Sag: Habt ihr euch denn über Allāh und Seine Zeichen und Seinen Gesandten lustig gemacht? Entschuldigt euch nicht! Ihr seid ja ungläubig geworden, nachdem ihr den Glauben (angenommen) hattet. Wenn Wir (auch) einem Teil von euch verzeihen, so strafen Wir einen (anderen) Teil (dafür), dass sie Übeltäter (Mujrimūn – Ungläubige, Polytheisten, Sünder, Kriminelle) waren.“ (9:64-66).

    Hier steht also ganz klar und absolut eindeutig, dass solche ungläubig werden. Und das ist auch der Konsens der Gelehrten und Rechtsschulen.

    Natürlich gibt es aber auch Hinderungsgründe beim Takfir, die man immer beachten muss.

    Die Ahlu as-Sunna urteilt nicht nach dem Inneren Zustand einer Person, sondern allein nach dem Äußeren (weil sie das Innere gar nicht kennt). Wenn wir also großen Kufr ("Kufr akbar") sehen und etwaige Hinderungsgründe nicht vorhanden sind, dann machen rechtmäßigen (!) Takfir auf eine Person. Dann gilt sie als abtrünnig vom Islam. Das ist im islamischen Recht ganz normal verankert, auch wenn Ihnen Euro-"Muslime" etwas anderes erzählen.

    Und was Verschwörungstheorien anbelangt, da sind Sie bei den sogenannten Salafisten an der falschen Stelle. Sogar die meisten Amerikaner halten den 9/11 für eine Verschwörung,. Auch gehe ich jede Wette ein, dass weitaus mehr überassimilierte Euro-"Muslime" als "Salafisten" den Verschwörungen zugeneigt sind.

    "Auch wenig bekannte Details wie die Konkurrenzen und Allianzen zwischen Sven Lau, Pierre Vogel und Ibrahim Abou Nagie"

    Da will sich wohl jemand wichtig machen. Alle 3 verstehen sich hervorragend, auch wenn es einmal (einen bereits beiseite gelegten Streit) zwischen 2 von den 3en gab.

    "nicht dem Frauenbild der Salafisten entsprach. Nicht nur Muslime geraten da ins Nachdenken."

    Nur Unwissende geraten da ins Grübeln. Denn selbst der schlechteste Muslim, der große Sünden begeht, ist noch Muslim und alle Muslime sind Geschwister und gemäß Sunna sogar wie ein Körper. Nur der große Kufr führt aus dem Islam.

    "sondern auch für Studierende und Fachleute interessant -"

    Eher nicht.

    Wie dem auch sei, ich freue mich natürlich, wenn ich Sie aufklären konnte.

    • Paul Stefan Antworten | Permalink

      " Ich empfehle Ihnen das so oder so, weil er die einzige Wahrheit und Rettung vor einem Feuer ist, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind."

      Soso, Sie klären auf und verbreiten Höllengeschichten und damit Höllenangst. Und wenn sie nicht wahr sind, diese Geschichten?

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Lieber @Weckruf,

      ja, ich bin promovierter Religionswissenschaftler und werde bisweilen - gerade auch von Rechtsextremen - für meine positive Haltung auch zum Islam angefeindet. So ist auch meine Ehefrau Muslimin - was, ich weiß, nach den engstirnigen Auslegungen Ihrer salafistischen Sekten streng verboten wäre. Sie glauben, dass man mehrere Frauen heiraten, sie besitzen, missbrauchen und schlagen darf, während umgekehrt Frauen in Ihren Auslegungen keine vergleichbaren Rechte haben. Nun, wir glauben das nicht und wurden nicht nur von einem Standesbeamten, sondern auch je von einem Pfarrer und einem Imam getraut. :-)

      Vielen Dank für Ihre Erläuterungen zum Takfir. Wenn Sie mich persönlich fragen, würde ich freilich antworten, dass der größte "Kufr" doch der ist, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Und genau das machen Ihre Sektenführer, die sich anmaßen, entscheiden zu können, wer aufgrund welcher Anzeichen "ungläubig" zu nennen sei, ins Höllenfeuer oder sogar getötet gehöre. Warten wir es ab: Ich halte es für gut möglich, dass das Höllenfeuer auf genau jene wartet, die die Namen Gottes zur Rechtfertigung von Betrug, Hass und Gewalt missbrauchen - wie dies einige Ihrer Sektenführer und Mitläufer tun.

      Und was Verschwörungstheorien anbelangt, da sind Sie bei den sogenannten Salafisten an der falschen Stelle. Sogar die meisten Amerikaner halten den 9/11 für eine Verschwörung,. Auch gehe ich jede Wette ein, dass weitaus mehr überassimilierte Euro-"Muslime" als "Salafisten" den Verschwörungen zugeneigt sind.

      Ja, selbstverständlich gibt es auch in den USA dumme Leute, Fanatiker und Fundamentalisten - Verschwörungsmythen bilden die Grundlagen aller extremistischen Ideologien, inner- und außerhalb religiöser Verkleidungen. Und, ja, der 9.11. war Ergebnis einer realen Verschwörung, nämlich von Al-Qaida, vermeintlich gerechtfertigt durch den Islam. Und aus Ihren salafistischen Reihen sind ja auch genug Achis dorthin gezogen, wie sie sich nun auch für Daesh (den so genannten "Islamischen Staat") einspannen lassen. Mir sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen, salafistischen Strömungen durchaus bekannt - aber letztlich radikalisiert Ihr alle immer wieder junge Leute in die Gewaltbereitschaft. Und wollt zugleich der Welt weißmachen, Ihr hättet mit dem Terrorismus im Namen des Islam nichts zu tun...

      Wie dem auch sei, ich freue mich natürlich, wenn ich Sie aufklären konnte.

      Das konnten Sie leider nicht - immerhin haben Sie ja darauf verzichtet, Ihr Halbwissen mit arabischem Kauderwelsch aufzuhübschen. Sehen Sie den Tatsachen doch mal mutig ins Auge: Ihr Salafisten verbraucht und zerstört nur, Ihr baut selbst fast nichts auf. Aus der einstmals großartigen, islamischen Zivilisation macht ihr eine Karikatur, indem ihr z.B. von modernen Zahnbürsten abratet, aber die Autos, Züge, Flugzeuge, das Internet und sogar YouTube der "Kuffar" eifrig nutzt. Denn selbst entwickelt und produziert Ihr kaum etwas anderes als Verbote. Ebenso nutzen die meisten von Euch den Rechts- und Sozialstaat aus und beziehen Sozialleistungen, während Ihr diesen Staat gleichzeitig verachtet und selten eine ehrliche Arbeit leistet. Beschämend. Auch für Wissenschaften, Technologien, Medizin, Kunst oder Frieden leistet ihr wenig bis gar nichts, verbreitet aber Un- und Halbwahrheiten z.B. über die Evolutionstheorie. Hier habe ich mal ein Video dazu gemacht:
      https://www.youtube.com/watch?v=V3Gh1WxMrsY

      Den jämmerlichen Zustand der Umma gerade auch aufgrund von Sektierern und Fundamentalisten wie Euch brauchen Sie mir dabei gar nicht glauben - ich fand ja, dass Imam Abdelfattah Mourou aus Tunesien dazu in der Moschee von New Jersey bereits die richtigen Worte gefunden hat (falls Sie oder Ihre Achis Arabisch oder Englisch verstehen sollten):
      https://www.youtube.com/watch?v=bguTeCAPZSk

      Kurz gesagt: Sie, lieber @Weckruf, haben derzeit einen falschen Weg gewählt. Aber Salafisten werden unsere demokratischen Gesellschaften ebensowenig zerstören können wie die Rechtsextremen, die sich auf meinem Blog ebenfalls immer mal wieder herumtreiben und mir sogar schon einen drohenden Steckbrief auf Nürnberg 2.0 gewidmet haben - wegen Islamfreundlichkeit! :-) Ihr Fanatiker seid Euch halt in Eurer Angst vor der Freiheit, Eurem Hass auf Andersdenkende, Eurer Gewaltbereitschaft, Eurer beschämend häufigen Abhängigkeit vom Sozialstaat und Eurer kindischen Fixierung auf selbsternannte Führer sehr, sehr ähnlich...

      Ich wünsche Ihnen also, dass Ihnen einmal der Absprung aus den salafistischen Sekten gelingen wird, lieber @Weckruf. Möglicherweise werden Sie dann doch noch zu einem Menschen, der Gutes bringt und vor Gott und den Menschen geachtet wird. Und, wer weiß, vielleicht werden Sie ja sogar eines Tages zu einem glaubwürdigen Muslim? Das würde mich für Sie ehrlich freuen.

      Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für eine gute Besserung!

  3. serafine Antworten | Permalink

    Hallo :)

    Ich hatte noch ncht das Vergnügen diese Buch in den Händen zu halten, habe aber schonmal in die Youtube Filmchen von Dominic geschaut...hut ab .... ich bin deutsche Muslima ...im November dem Glauben beigetreten ..wenn man das so sagen kann ...und ich denke es wird Zeit das der Islam im 21. Jahrhundert ankommt ...dazu gehört Aufklärung und Mut ...und nicht Fanatismus und Angst verbreiten ....ich kann mich Herrn Blume nur anschliessen und freue mich auf einen regen Austausch zum Thema Religion mit ihm ^^......mein Glauben vernebelt mir nicht den Verstand und mein Horizont ist unendlich ;).....

  4. Weckruf Antworten | Permalink

    Entschuldigt, ich habe hier wohl unter anderem Zaidans sogenannte Quran-"Übertragung" zitiert. Ich sage mich davon entschieden los, denn sie ist miserabel und er selbst nennt sie nicht unbegründet einen "Tafsir" (Auslegung ist damit gemeint). Möge Allah euch rechtleiten. Amin.

    Hier eine bessere Übertragung des Verses:

    "Diejenigen, die Unsere Zeichen verleugnen, werden Wir gewiß einem Feuer aussetzen. Jedesmal, wenn ihre Haut verbrannt ist, tauschen Wir sie ihnen gegen eine andere Haut aus, damit sie die Strafe kosten. Allah ist Allmächtig und Allweise." 4,56

    Desweiteren entschuldige ich mich für meine schlechte Laune und Wut gestern.

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Kein Problem, @Weckruf, das mit der schlechten Laune und Wut... Das ist ja ein regelmäßiges Ergebnis fundamentalistischer Ideologien, also auch des Salafismus.

      Problematischer mag schon sein, dass Ihr in Euren salafistischen Kreisen tatsächlich Allahs "Zeichen" verleugnet - wie z.B. die Erkenntnisse vieler Wissenschaften, die koranischen Aufrufe zu Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Frieden und der Verurteilung von Zwang.

      Tatsächlich aber nutzt Ihr die Rechts- und Sozialstaaten aus, missbraucht die modernen Technologien, zu denen Ihr selbst nichts beitragt, leitet zu Hass, Unfrieden und Extremismus und übt Zwang aufeinander aus, sei es durch ständige Drohungen mit dem Höllenfeuer oder gar durch Gewalt (z.B. gegen Frauen).

      Am Montag habe ich im Berliner Dom zur "Versuchung Jesu durch den Teufel" gepredigt - falls Sie überhaupt Texte von Christen lesen bzw. hören dürfen! ;-) http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/kanzelrede-berliner-dom-die-religion/

      • serafine Antworten | Permalink

        "Problematischer mag schon sein, dass Ihr in Euren salafistischen Kreisen tatsächlich Allahs "Zeichen" verleugnet - wie z.B. die Erkenntnisse vieler Wissenschaften, die koranischen Aufrufe zu Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Frieden und der Verurteilung von Zwang."

        Genau das....wunderbar.....sie führen die Gläubigen zurück in eine Phase des Aberglaubens und der Angst ...ab ins Mittelalter ...dahin wo der Glauben das Gesetzt war und nur der das Leben bestimmte......Sie verhindern die gesunde Weiterentwichlung einer Religion und die damit verbundene Entwicklung der Gesellschaft in diesen Ländern
        Mir fallen eigentlich ganz anderee Worte im Moment ein ...aber Frau hat ja Anstand ;)

        • Michael Blume Antworten | Permalink

          Lieben Dank für die Rückmeldung, @Serafine! Und also alles Gute auf Ihren nicht-extremen Glaubensweg! :-)

          • serafine | Permalink

            Naja Herr Blume ..nicht- extrem wird er wohl nicht ..ich werde bestimmten Leuten extrem Gegenwind bieten .....Ich werde bis zum letzten für eine überfällige Neustrukturierung des Islams kämpfen .....

      • Isa Antworten | Permalink

        Sehr geehrter Herr Blume,

        Sie haben es mit Ihrem Kommentar wirklich auf den Punkt gebracht! Aber als Religionswissenschaftler wissen Sie sicher das für einen fundamentalistisch Gläubigen nunmal das was säkulare oder moderat religiöse Menschen als "Unfrieden" einstufen, für einen Extremisten ein erstrebenswertes Ziel darstellt. Für diese im Religionswahn befindlichen Menschen sind Hass, Terror und Intoleranz legitime Mittel sich gegen den "Unglauben" zur Wehr zu setzen. Diesen zu vernichten und ihre Rechtsordnung überall auf der Welt durchzusetzen, von der sie glauben das sie göttlich so gewollt sei. In dem Sinne haben Fanatiker also eine verkehrste Selbstwahrnehmung. Nicht von ihnen geht der Unfrieden aus. Sondern von den Kuffar, die sich anmaßen die Gesetze Allahs in Frage zu stellen. Dadurch das sie sich nicht der Scharia unterwerfen oder die Salafisten in ihrem Tun nicht völlig gewähren lassen, empfinden dies Salafisten in ihrer verkehrten Weltsicht als Kriegserklärung und daher wird einen Salafisten oder Islamisten auch kein Gerede von menschlichen Werten oder ein wertvoller und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein interessieren.

        Für die gilt nur eines: alles was nicht ihrem Weltbild entspricht zu zerstören und in inquisitorischer Manier das zu errichten von dem sie glauben, es wäre ein Gottesstaat. Eine Gleichheit der Menschen gibt es da nicht. Sie sind die Herrenmenschen und der Rest Abschaum. Eine Brüderlichkeit zwischen "Rechtgeleiteten" und "Irregegangenen" auch nicht und ebensowenig individuelle Freiheiten. Da Freiheit die Möglichkeit des Ungehorsams Gott gegenüber impliziert und dies nicht zu akzeptieren ist. Islam bedeutet für diese Leute nicht Frieden, sondern Unterwerfung und die ist das Wichtigste überhaupt. Viel wichtiger als technologischer Fortschritt, da das Leben sowieso vergänglich ist und wichtig ist nur ,was nach dem Tod mit einem geschieht.

        Man braucht also keinen Wohlstand. Man muss nur Pluspunkte fürs Paradies sammeln und das macht man im Salafismus auf dreierlei Art: 1. Gottesdienste penibel einhalten (also Ibada), 2. Dawa machen (missionieren) und 3. sich von Kuffar (konkurierende muslimische Gruppen eingeschlossen) fernhalten (nach dem Motto: lieben und hassen für Allah) und sobald man die Möglichkeit hat, die ganzen Kuffar oder als Heuchler (arab. Munafiqun) und Abtrünnige (arab. Murtadin) betrachteten Muslime unterbuttern oder gar töten (das nennt man dann Jihad).

        Diese Kreuzzugsmentalität ist elementarer Bestandteil des Salafismus und diesem muss endlich Einhalt geboten werden, sonst wird er bald in der sich immer weiter radikalisierenden Islamistenszene auch so etwas wie ein IS Germany bilden und hier für Chaos sorgen.

        Daran sind im Grund auch die Islamverbände schuld, die zwar nicht salafistisch geprägt sind, aber mit ihrer Heimatverbundenheit nicht gerade zur Schaffung einer gemeinsamen und aufgeschlossenen muslimischen Identität in Deutschland beitragen. Man müsste hier eigentlich alle Islamverbände und jede private Missionierungs- oder Predigerinitiative konsequent verbieten und eine staatlich geförderte Islambehörde (so wie das Atatürk mit der Diyanet gemacht hat) etablieren, die dann eine Art Monopol auf die organisierte Ausübung des Islam in Deutschland hätte und deren Imame auf Deutsch einen mit unseren hiesigen Werten kompatiblen Islam lehren. Das wäre zwar ein Eingriff in das Vereinugungsrecht, aber die Muslime kriegen ja selber keine Reform auf die Reihe. Also muss sie im Interesse des Gemeinwohls staatlich verordnet werden. Mich würde an der Stelle Ihre Sicht dazu als Religionswissenschaftler interessieren!

        Mit freundlichen Grüßen, Isa.

        • Michael Blume Antworten | Permalink

          Sehr geehrter @Isa,

          gerne gehe ich auf Ihre Vorschläge ein - und halte es sogar für möglich, dass Sie selbst wissen, wozu diese führen würden!

          1. Ein freiheitlicher Rechtsstaat läßt sich nicht dadurch verteidigen, dass er sich selbst aufgibt, z.B. indem er Angehörige religiöser Minderheiten pauschal verdächtigt und diskriminiert. Genau aber das schlagen Sie vor: Die Beschneidung elementarer Menschenrechte wie das Diskriminierungsverbot und die Religionsfreiheit. Dies wäre "Selbstmord aus Angst vor dem Tod", würde unsere Demokratie schwächen und sowohl den islamischen Fundamentalisten wie auch anderen Extremisten weiteren Zulauf bescheren.

          2. An Formulierungen wie "Herrenrasse" und "Kreuzzugsmentalität" wird deutlich, dass auch Sie selbst durchaus erkennen, dass Salafisten mit Rechtsextremen und christlichen Fundamentalisten jeweils sehr viel gemeinsam haben, z.B. die Einteilung der Welt in Schwarz-Weiß, die Verachtung von Demokratie und Dialog, das häufige Fehlen von Bildung, das Ausnutzen des Sozialstaates, die höhere Gewaltbereitschaft usw. Tatsächlich sind sie auch "Brüder im Geiste" und treiben sich z.B. durch Übergriffe gegenseitig die Anhänger zu. So führen islamistische Terroranschläge zu einem Erstarken rechtsextremer Bewegungen (was die Islamisten durchaus wollen, um Dialog & Frieden zu sabotieren!) und umgekehrt führte z.B. der Mord eines Russlanddeutschen an Marwa El-Sherbini zu einem Erstarken des Islamismus. Merke: Man kann nur entweder Extremismus bekämpfen oder nicht - wer zwischen "besserem" und "schlechterem" Extremismus unterscheiden will, verschärft die Situation (unbewusst - oder gar bewusst...).

          3. Ein wehrhafter Rechtsstaat könnte und sollte also meines Erachtens sowohl den Salafismus wie auch andere Formen des Extremismus gleichzeitig und entschieden bekämpfen. Dazu gehören mehr und besser ausgestattete Polizeikräfte, die auch z.B. Online-Hassverbrechen entschiedener verfolgen. Dazu gehört mehr Bildungs-, Integrations- und Präventionsarbeit, wie sie z.B. Ahmad Mansour in "Generation Allah" aufgezeigt hat. Und dazu gehört vor allem das konsequente Vorgehen gegen Sozialhilfemissbrauch, von dem nämlich sehr viele Salafisten, Rechts- und Linksextreme gerne leben, während sie gleichzeitig unseren Staat verachten. Gegenüber extremistischen Umtrieben müssten auch Arbeits-, Sozial- und Jugendämter viel stärker vorgehen (können), schon dass würde einige Wirkung zeigen.

          4. Schließlich wären auch internationale Verflechtungen stärker zu beachten: So fördert Saudi-Arabien gezielt auch in Deutschland salafistische Bewegungen, ebenso wie z.B. Russland europäische Rechtsextreme unterstützt. Eine klarer werteorientierte Außenpolitik sowie die entschiedene Abkehr von Öl und Gas wären m.E. die besten Möglichkeiten, den verschiedenen Finanziers des Extremismus das Handwerk zu legen...
          http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/warum-blut-oel-die-rentierstaatstheorie/

          Wie geschrieben - ich halte Sie eigentlich für klug genug, das Meiste hiervon selbst zu erfassen. Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass es Ihnen gar nicht wirklich um die Belkämpfung des Extremismus geht, sondern dass Sie am liebsten einen "Krieg gegen den Islam" insgesamt anzetteln und Schäden für Demokratie und Rechtsstaat durchaus in Kauf nehmen oder gar begrüßen würden... Aber da mag ich mich täuschen - und hoffe das für Sie sogar...

          Ihnen also alles Gute & ggf. gute Aha-Momente beim inneren Ringen!

          • Isa | Permalink

            Also erstmal vielen Dank für das Feedback...

            und nein ich bin sicher nicht gegen den Islam an sich eingestellt, da ich selber auch einen muslimischen Hintergrund habe. Ich bin allerdings kein Islamist und gerade weil ich diesen Hintergrund habe, weiß ich jedoch wie die Islamisten ticken und ich weiß das man diese Leute nicht mit Kuschelmentalität bekämpfen kann und ich denke wir stehen heute hier in Europa vor einer Zäsur. Entweder wir kriegen es hin einen moderaten Islam zu schaffen, oder die Islamisten (und parallel dazu die Islamgegner, denen es aufgrund ihrer ausländerfeindlichen Einstellung in der Tat egal ist, ob ein Moslem radikal ist oder nicht) werden weiter an Einfluss gewinnen. Was wiederum die nationale Sicherheit erheblich gefährdet und bosnische Verhältnise in Zukunft immer Wahrscheinlicher werden lässt (wollen wir es mal nicht hoffen).

            Ansonsten haben Sie natürlich vollkommen Recht mit Ihnen Bedenken bezüglich der Rechtsstaatlichkeit solcher Maßnahmen, aber manchmal muss man einfach handeln und durchgreifen. So wie Atatürk das auch tat. Sonst hätte er niemals die Republik gründen können. Und wenn uns etwas an unserer republikanischen Grundordnung liegt, sollten wir auch jetzt handeln. Solange wir noch können! Zumal so eine zentrale Behörde durchaus auch für die Muslime hierzulande gut wäre. Denn diese würde einen einheitlichen religiösen Service für die Gläubigen, unabhängig von ihrer Herkunft auf Deutsch anbieten und der Islam wäre so auch eine anerkannte Religionsgemeinschaft und nicht in dutzende private und oftmals auch vom Ausland gesteuerte Heimatverbände zersplittert.

            Naja, Ihnen auch noch alles Gute!

          • Michael Blume | Permalink

            Lieber @Isa,

            vielen Dank für die Gedanken!

            Bei allem Respekt auch vor den historischen Leistungen von Atatürk sehe ich doch das Problem der "Reform von oben", dass sie eben nur neue Autoritätsgläubigkeit hervorbringt. Die meisten Kemalisten waren eben nicht wirklich reflektierte Demokratinnen und Demokraten, sondern Nationalisten mit einer tiefen Verachtung für das einfache Volk sowie für ethnische und religiöse Minderheiten. Wer auch immer in der Türkei die Macht errang, sah es als sein Recht an, die Institutionen auszuhöhlen und auszuplündern sowie das Volk "umzuerziehen". Eine lebendige Zivilgesellschaft konnte sich so kaum entwickeln - auch behindert durch fehlende Meinungs- und Religionsfreiheit.

            Ich denke also nicht, dass sich Muslime nur auf die Wahl zwischen Islamismus oder nationalistischem Laizismus beschränken sollten, sondern dass sie einen wirklich aufgeklärten, demokratischen Islam entwickeln können und sollten. Und dafür sehe ich im Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreis mehr als genug ermutigende Beispiele!

            Im aktuellen "diesseits" wird in diesen Tagen ein Artikel von mir zur Krise der islamischen Welt erscheinen. Auch hier hatte ich jedoch schon einmal dazu gebloggt: http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/leise-stimmen-klischees-die-fluechtlings/

            Ihnen danke fürs Nachhaken, Diskutieren und Erklären!

          • Störk | Permalink

            Hallo Herr Blume,

            zumindest was Erdgas betrifft, könnte sich Deutschland ohne große Probleme von Leuten wie Putin unabhängig machen - die technischen Möglichkeiten, Gas in der norddeutschen Tiefebene zu fördern, sind besser als je zuvor, und bis ca. 2013 gab es für die gasfördernden Firmen mit dem bundesdeutschen Bergrecht auch klare Richtlinien, was zum Schutze der Umwelt, der Gesundheit von Arbeitern und Anwohnern und den Eigentumsrechten der Anwohner alles zu beachten war, um rechtssicher Rohstoffe zu fördern. Dann gab es plötzlich auf Youtube ein Propaganda-Video, das nur so strotzte von Lügen, Halbwahrheiten und Fehlinformationen ("Gasland") und plötzlich setzt eine Umweltministerin sich über Bundestag und Bürokratie gleichermaßen hinweg und verordnet ein "Frakking-Verbot".

            Das ganze zu einer Zeit, wo es immer mehr CNG-Tankstellen gibt. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, würde ich fragen "cui bono?". Allerdings gibt es laut Hanlon's Razor ja oft genug Erklärungen, die völlig ohne böse Hintergedanken der Akteure auskommen.

            Wenn man sich anschaut, wie sich die CO2-Bilanz der USA seit der Jahrtausendwende entwickelt hat und das mit der Entwicklung in Deutschland vergleicht, dann ist offensichtlich, daß noch so viele Subventioen in Windräder unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen kein bißchen reduzieren. Eher im Gegenteil

            Natürlich kann man 1.000.000 t Kohle oder Öl auch jederzeit durch 1t Uran oder Thorium ersetzen, aber auch das ist politisch nicht gewollt - stattdessen wird der Brennstoff nach 5% Abnutzung zum "ewigen Müll" erklärt, um ein "unlösbares Endlagerproblem" zu bekommen, an dem man sich generationenlang abarbeiten kann...

            Ja, wenn das Auto vor mir einen "K.Atatürk" Schriftzug auf der Heckscheibe hat, hat der Fahrer eine wesentlich höhere Chance, von mir respektiert zu werden, als wenn da ein "Atomkraft nein danke" Aufkleber prangt - ich kann nicht anders, ich diskriminiere... ;-)

  5. Ingo Antworten | Permalink

    Was macht den Dialog mit dem Islam in Deutschland eigentlich so schwierig.

    Ich glaube jeder aufgeschlossende Kommentator wuenscht sich mehr Dialog mit dem Islam.
    Fuer mich stellt sich oft die Frage "Warum genau ist das so schwierig"

    Meine Meinung dazu ist noch nicht sehr gefesstigt,-
    - allerdings gehe ich zur Zeit von einem eher trivialeren Grund aus.
    Nicht irgendeine Wertedebatte steht einem Dialog im Weg, -
    - sondern schlichtweg die fehlende Organisationsstruktur.

    Es gibt zwar verschiedene Dachverbaende im Islam,- jedoch stehen die teilweise eher in Konkurenz zueinander.
    Es gibt auch jede Menge Gemeinden die garkeinen Dachverband angehoeren.

    Der Islam ist einfach nicht so zentral organisiert wie die christlichen Kirchen es sind.

    Wenn man aber keinen zentralen Ansprechpartner hat, wird der Dialog schwierig.
    Man kann leider nicht so einfach "den Islam" auf eine Konferenz einladen,- oder ihm einen Einladungsbrief zuschicken.
    Daran scheint auch die Einfuehrung eines Islamischen Religionsunterrichts an Schulen zu scheitern.
    Man kann nur auf einzelne Gemeinden und die Menschen direkt zugehen, und das ist schwierig.

    Klingt sehr vereinfacht dargestellt.
    Trotzdem: Ist an diesem Bauchgefuehl etwas dran?

    • Michael Blume Antworten | Permalink

      Ja, @Ingo - der noch immer sehr geringe Organisationsgrad macht den Dialog mit "dem Islam" recht schwierig, da man da schnell Gefahr läuft, von Einzelpersonen oder konkurrierenden Gruppen vereinnahmt zu werden. Das größere Problem war (und ist z.T. noch) aber die Sprach- und Bildungsbarriere - erst langsam wuchs und wächst die Zahl der deutschsprachigen Muslime mit einer auch religiös-geisteswissenschaftlich soliden Bildung. Die Zentren für islamische Theologie laufen auf Hochtouren, aber noch immer sitzen bei Dialoggesprächen oft studierte, christliche Theologinnen und Theologen freundlich-bemühten Laien gegenüber. Aber es geht voran, nicht zuletzt auch über die Ausbildung von islamischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern, die wiederum viel zur Integration, zum Dialog, zur Bildung und zur Prävention von Extremismus beitragen.

      Dass religiöse Fundamentalisten aller Seiten den interreligiösen Dialog (z.B. als "Dialüg") ablehnen, ist aber auch klar. Wenn überhaupt, dann wollen sie Mission bzw. Dawa betreiben, keinesfalls aber selbst zuhören und verstehen. Umso wichtiger, denen nicht das Feld zu überlassen.

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