Das radioaktive Chaos

7. April 2010 von Björn Lohmann in Energie

Atomkraftwerk (Foto: Volker Wiedemann/Pixelio)

Ginge es nur um den Klimawandel, könnte man sicherlich streiten, ob man erst den letzten Rest Uran in Atomkraftwerken verfeuert und dann auf erneuerbare Energien setzt, oder ob man heute schon auf Nachhaltigkeit umsteigen möchte. Das beides nicht parallel geht, ist eindeutig. Doch die Diskussion um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke ist mehr als eine klimapolitische Debatte. Sie riskiert die Glaubwürdigkeit der Demokratie.

Es ist ein Konsens, den die Regierung Schröder damals ausgehandelt hat. Konsens. Regierung und Industrie waren sich einig und hatten die deutliche Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Der Atomausstieg beinhaltet verlässliche Zahlen, mit denen die Atomkonzerne planen konnten. Ebenso wie andere Energieunternehmen, die in erneuerbare Energien investieren wollen. Investitionssicherheit sieht anders aus, Wirtschaftsförderung ebenfalls.

CDU und FDP setzen mit ihrer Brücke in die Unendlichkeit das Zeichen, dass Verträge zwischen Wirtschaft und Politik keine Bedeutung mehr haben. Und gleichzeitig beweisen sie an anderer, aber verwandter Stelle, dass sie offensichtlich nicht an den Interessen der Bevölkerung oder der Gesamtwirtschaft interessiert sind: Man schaue nur auf Asse. Alles deutet darauf hin, dass schon unter Kohl die Probleme dort lange bekannt waren und verschleiert werden sollten – bzw. sollen. Und dieser Verbrüderung aus Politik und Atomlobby soll der Bürger nun vertrauen, dass sie ein auf Jahrtausende sicheres Endlager für Atommüll findet? Atommüll, der nach dem Willen einiger Politiker sich noch Jahrzehnte weiter anhäufen soll?

Ganz zu schweigen davon, dass sich die Welt wieder einmal ernsthaft um nukleare Abrüstung bemüht. Aber wer hätte schon erlebt, dass politisch instabile Systeme oder gar Terroristen an Baumaterial für Atombomben kommen? Material, das praktisch zwangsläufig mehr wird, solange Atomkraftwerke teuren Strom produzieren?

Ob es um Ökologie geht, um die Glaubwürdigkeit der Demokratie oder die internationale Sicherheit: der Pro-Atom-Kurs unserer Regierung schadet allen dreien. Und es gibt keinen Grund, weshalb die Bürger dieses Landes das tolerieren sollten.

Foto: Volker Wiedemann/Pixelio


48 Kommentare zu “Das radioaktive Chaos”

  1. Luchs Antworten | Permalink

    Hallo Björn,

    guter Artikel. Ich frage mich, wie es um die Strafbarkeit der ReGIERungsaktionen bestellt ist. Was z.B. die Vertuschungsaktionen um ASSE betrifft, einst und jetzt (die Regierungskoalition hat bereits zugegeben, dass sie den Skandal weiter geheimhalten will), haben sich ganz sicher einige Leute straffällig gemacht. Wenn wir wirklich eine Demokratie und Gewaltenteilung haben, dann muss die Judikative jetzt aktiv Partei für die bestehende Gesetzeslage ergreifen. Ich denke da an §311 und §328 StGB, bin aber kein Jurist.

    mfg
    Luchs

  2. Luchs Antworten | Permalink

    Strafbarkeit

    Als zugegeben Nichtjurist trifft der folgende Paragraph nach meinem Rechtsempfinden sehr genau zu:

    § 330
    Besonders schwerer Fall einer Umweltstraftat

    (1) In besonders schweren Fällen wird eine vorsätzliche Tat nach den §§ 324 bis 329 mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
    1. ein Gewässer, den Boden oder ein Schutzgebiet im Sinne des § 329 Abs. 3 derart beeinträchtigt, daß die Beeinträchtigung nicht, nur mit außerordentlichem Aufwand oder erst nach längerer Zeit beseitigt werden kann,
    2. die öffentliche Wasserversorgung gefährdet,
    3. einen Bestand von Tieren oder Pflanzen der vom Aussterben bedrohten Arten nachhaltig schädigt oder
    4. aus Gewinnsucht handelt.

    (2) Wer durch eine vorsätzliche Tat nach den §§ 324 bis 329
    1. einen anderen Menschen in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder eine große Zahl von Menschen in die Gefahr einer Gesundheitsschädigung bringt oder
    2. den Tod eines anderen Menschen verursacht,

    wird in den Fällen der Nummer 1 mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in den Fällen der Nummer 2 mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren bestraft, wenn die Tat nicht in § 330a Abs. 1 bis 3 mit Strafe bedroht ist.

    (3) In minder schweren Fällen des Absatzes 2 Nr. 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 2 Nr. 2 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

  3. Physiker Antworten | Permalink

    @ Luchs

    1. Asse ist älter als das von Ihnen zitierte Gesetz, folglich verletzen Ihre Überlegungen rechtsstaatliche Grundprinzipien.
    2. Wem wollen Sie was vorwerfen? Das StGB ist nicht auf "die Regierung" pauschal anwendbar.
    3. Wie wollen Sie hier Vorsatz nachweisen?

    Dieses spezielle Blog - insbesondere dieser Artikel - enthält ausschließlich unbewiesene Behauptungen. Wenn Ihnen das gefällt, sind Sie anfällig für Propaganda.

  4. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Der deutsche Atomausstieg

    Wie kaum ein anderes Volk auf der Welt haben die Deutschen offenbar einen Hang zur Hysterie und zur Besserwisserei - und den Drang, den Rest der Welt belehren zu wollen, was wirklich gut und fortschrittlich ist. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ hieß es bei Wilhelm Zwo. Dummerweise hatte der Rest der Welt aber genau daran kein Interesse! Seit fast 40 Jahren erleben wir in Deutschland eine technikfeindliche Kampagne nach der anderen. Kampf gegen die Atomenergie, Kampf gegen neue Flughäfen, Kampf gegen den Transrapid, in den 80er Jahren Kampf gegen Computer als Arbeitsplatzvernichter, Kampf gegen die Chlorchemie; Kampf gegen Gentechnik, Kampf gegen Autos – mal sehen, was als nächstes kommt. „Die letzte technische Neuerung, die wir akzeptiert hatten, war der Farbfernseher“ sagte vor vielen Jahren ein SPD-Politiker. Ansonsten lautet die Parole: „Wollt ihr die totale Hysterie?“ 40 Jahre Kreuzzug gegen die Kernenergie haben natürlich die Hirne vieler Bundesbürger ziemlich deformiert –nur so ist der schwachsinnige Atomausstieg zu erklären. Kein anderes Land macht da mit! In den USA haben mittlerweile fast 60 Kernkraftwerke von insgesamt über 100 Anlagen eine Laufzeitverlängerung auf 60 Jahre genehmigt erhalten. In den letzen drei Monaten fand ich einige hochinteressante Pressemeldungen: 1. Ein koreanisches Unternehmen baut in den Vereinigten Arabischen Emiraten vier Kernkraftwerke. 2. Japan plant 14 neue Kernkraftwerke. 3. China plant 28 neue Kernkraftwerke. 4. Ach ja, Schweden macht den Atomausstieg rückgängig! Werfen Sie mal einen Blick über den Tellerrand – Sie werden staunen!

  5. Stefan Antworten | Permalink

    @Armin Quentmeier

    Sehr guter Kommentar!

    Ich finde den Blogpost etwas kurios. Warum sollten die Bürger den Ausstieg aus dem Ausstieg nicht tolerieren wollen? Sie haben die Regierung ja schließlich gewählt. Der Unwille zum Ausstieg bei schwarz-gelb kommt ja wohl nicht überraschend. Wo ist da die Glaubwürdigkeit der Demokratie gefährdet?

  6. Carolin Liefke Antworten | Permalink

    Atomkraft ja bitte

    Ich würde sogar noch weitergehen. Es soll namlich tatsächlich Leute geben, die den Ausstieg aus dem Ausstieg nicht nur tolerieren sondern begrüßen.

    Über das für und wider der Kernenergie läßt sich mit Sicherheit lange diskutieren, letztlich laufen aber alle Argumente irgendwann im Kreis. Radioaktive Abfälle sind mit Sicherheit ein Problem. Aber der CO2-Ausstoß "no, unseren Planeten und seine Bewohner zu schädigen. Konsequent müßte man zurück in den Urwald auf die Bäume gehen. Sprachs und tippte diesen Text auf einem Computer, der am Stromnetz hängt, beleuchtet von künstlichem Licht. Ist also keine Option.

    Kernenergie ist Technologie. Technologie, die weiterentwickelt werden muß und die uns nicht verlorengehen darf, bloß weil sie auf der No-Go-Liste einer politischen Partei steht. Einer Partei, die nunmal nicht von 99.9% aller Wähler gewählt wird. Und in diesem Sinne: Abschaltung ja - aber nur von veralteten Kernkraftwerken, die dann durch neue ersetzt werden.

  7. Mona Antworten | Permalink

    Atomausstieg @Armin Quentmeier

    "Seit fast 40 Jahren erleben wir in Deutschland eine technikfeindliche Kampagne nach der anderen."

    Kann ich so nicht nachvollziehen, Deutschland gilt im Ausland als sehr technikfreundlich.

    "Kein anderes Land macht da mit!"

    Stimmt auch nicht, siehe hier: http://de.wikipedia.org/...ergie_nach_L%C3%A4ndern

  8. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Antworten

    @Physiker: Bitte belegen Sie doch Ihre Vorwürfe, so, wie ich in meinem Blog stets die Quellen für Behauptungen nenne, die nicht zum Allgemeinwissen gehören.

    @Armin Quentmeier: Dieses Land ist nicht technologiefeindlich, sondern lediglich nicht blind fortschrittsgläubig. Die erneuerbaren Energien sind das beste Beispiel dafür, wie Deutschland gleichzeitig modernste Technologie und gesellschaftliche Verantwortung voran bringt. (Ich empfehle die Lektüre der "weiterung" von Enzensberger.)

    @Stefan: Wer eine Regierung wählt, wählt nicht zwangsläufig ihr ganzes Programm. Davon abgesehen, dass die aktuellen Pläne in dieser Form nicht im Wahlkampf und nicht einmal im Koalitionsvertrag so benannt wurden. Alle Umfragen zeigen zudem eine Ablehnung der Atomenergie in der Bevölkerung, und die meisten der wenigen, die sie befürworten, tun das aus Angst vor der noch größeren Bedrohung Klimawandel - was Unsinn ist, da eine klimafreundliche Energieversorgung ohne Atomenergie möglich ist.

    @Carolin Liefke: Es ist Unsinn, aus der Ablehnung einer einzelnen (unnötigen) Risikotechnologie eine allgemeine Technologieablehnung herzuleiten. Und warum darf uns die Kernspaltung nicht verloren gehen? Gibt es einen guten Grund? (Ich persönlich befürworte die Existenz von Forschungsreaktoren, selbst Milliardeninvestitionen in die Fusionsforschung, aber eben mit dem Ziel, saubere Energie zu erzeugen, ohne Risiko eines GAUs und Jahrtausende lang stark radioaktive Abfälle. Dafür muss man aber keinen der heute aktiven kommerziellen Kernreaktoren am Laufen halten oder ersetzen.).

    Eine Randnotiz noch an jene, die meinen, Kernspaltung habe eine Zukunft in der Energieerzeugung: Schon der Statusbericht der Bundesregierung zum Energiegipfel im Frühjahr 2006 hat - bei gleichbleibender Nachfrage - ergeben, dass die Uranvorräte noch 70 Jahre reichen. Würden auch die Vorräte erschlossen, die heute absolut unwirtschaftlich sind, wären es 150 Jahre. Bauen mehr Länder neue AKWs, verkürzt sich die Zeit logischerweise. Kernspaltung hat schon heute keine Zukunft, ganz ideologiefrei.

  9. Michael Khan Antworten | Permalink

    Durcheinander der Fakten

    Hier werden Dinge wild durcheinandergeworfen und Bezüge konstruiert, die keiner näheren Nachprüfung standhalten.

    Nukleare Abrüstung ist eine Sache - Fissionskraftwerke eine ganz andere. Nicht jeder Reaktortyp erzeugt waffenfähiges Material - gerade die Bauarten, die sich dafür eignen, nämlich solche mit hoher Neutronenflussdichte und geringem Abbrand, also hohem Urandurchsatz, wie zum Beispiel der CANDU-Typ, werden in Deutschland nicht eingesetzt. Wir haben Druchwasserreaktoren.

    Soviel zu dem Rüstungs-Argument. Es mag vordergründig ziehen, bei Leuten, die sich nicht auskennen. Das ist aber schon alles.

    Das Argument mit der teuren Kernenergie wird belegt durch einen anderen Artikel vom selben Autor, in dem auch nur dasselbe behauptet wurde, schon damals mit reichlich wackligen Belegen.

    Hier wird, wie schon beim Fall Asse, von falscher Handhabung in einem Fall auf die generelle Nicht-Machbarkeit geschlossen. Natürlich sind alte technische Geräte störungsanfällig und damit teuer. Das lässt aber keine Aussage auf die Technik an sich zu - denn dies gilt für technische Anlagen aller Art. Die richtige Schlussfolgerung ist, dass man Geräte rechtzeitig durch neue ersetzen sollte. Die existierenden Kernkraftwerke aus den Achtzigern hätten nach 25-30 Jahren, also jetzt, durch neue, moderne Anlagen ersetzt werden müssen.

    Genau das wurde und wird aber durch hysterische Kernenergiegegner verhindert. So wie andere Hysteriker gegen Windkraftwerke vorgehen, die angeblich die Landschaft verschandeln und für den massenhaften Tod von Zugvögeln verantwortlich sind.

    Je nun - die Energiegewinnung durch Fission wird man nur in beschränktem Zeitrahmen nutzen können. Was für eine Neuigkeit. Die Fissionstechnik ist, ebenso wie jede andere Technik, nur eine Brückentechnologie. Aber jetzt brauchen wir sie.

    Wer sagt denn übrigens, dass es unbedingt notwendig sein muss, abgebrannte Brennelemente über Jahrtausende aufzubewahren? Haben Sie bereits unwiderlegbare Ergebnisse, die die Nicht-Machbarkeit der Transmutation abschließend belegen? Falls ja, würde mich interessieren, wo Sie diese publiziert haben.

    Dass nun auch noch die argumentative Keule des Endes der Demokratie hervorgeholt wird, ist wirklich die Krönung - und das meine ich keinesfalls positiv. Es ist zwar gang und gäbe, dass jeder eine politische Entscheidung, die ihm nicht passt, als demokratiewidrig diffamiert.

    Aber muss das sein? Bloß weil das jeder macht? Der Demokratie schadet nämlich auch so ein Gerede. Die Tatsache, dass eine falsche Entscheidung revidiert wird, schadet ihr nicht unbedingt. Viel schädlicher wäre es, an einmal gemachten Fehlern festzuhalten. Das lehrt zumindest die allgemeine Lebenserfahrung.

    Also, der Artikel ... das war nix.

  10. Michael Khan Antworten | Permalink

    Weltweiter Aussieg aus der Kernenergie?

    Weltweit scheint der friedlichen Nutzung der Kernspaltungstechnik eher eine Blüte als das Ende bevorzustehen.

    http://www.spiegel.de/...les/0,1518,678307,00.html

    http://www.handelsblatt.com/...rdenauftrag;2141732

    http://www.handelsblatt.com/...r-kernkraft;1380470

    http://www.fr-online.de/...tomenergie-wachsen.html

    http://www.spiegel.de/...nik/0,1518,685289,00.html

    Wir können natürlich weiter so tun, als sei das alles gar nicht wahr und als könnten wir in unserem zunehmend irrelevanten kleinen Deutschland die weltweite Realität ignorieren.

    Oder wir können vernünftigerweise uns bemühen, die Zukunft mitzugestalten, sodass unsere Wirtschaft ein Stück des Kuchens abbekommt.

    Davon profitieren nicht nur wir und unsere Kinder sondern auch die Ökologie und sogar der Weltfrieden, denn der hängt stakt davon ab, dass auch die aufstrebenden Nationen Zugang zu allen nötigen Ressourcen haben. Dazu gehört auch eine ausreichende Stromversorgung.

  11. Stefan Antworten | Permalink

    @Björn Lohmann

    "Wer eine Regierung wählt, wählt nicht zwangsläufig ihr ganzes Programm."

    Nein, aber er nimmt es in Kauf. Das schwarz-gelb nicht so atomhysterisch ist wie rot-grün ist dem mündigen Wähler auch klar, ohne dass das extra in einem Programm stehen muss.

    "Alle Umfragen zeigen zudem eine Ablehnung der Atomenergie in der Bevölkerung,..."

    Das kann ja sein, aber Politik muss auch den Mut haben unbequeme Wege zu gehen. Die Bevölkerung lehnt immer alles mögliche ab, da der Befragte ja in der Regel keine Verantwortung trägt: Raumfahrt, Afghanistan, Atomkraft, Straßenbau, Schienenbau, Fluglärm, Hartz IV...

    Was folgt daraus? Ich jedenfalls gebe nichts auf Umfragen und auch nichts auf Politiker, die etwas auf Umfragen geben.

  12. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Mehr Antworten

    @Michael Khan:
    - Stichwort waffenfähiges Material: Stimmt, ist nicht so sehr ein deutsches Problem. Aber Deutschland hat durchaus Außenwirkung, d.h. wenn ein Land wie unseres demonstriert, dass es seine Energieversorgung in kurzer Zeit ohne Atom- und Kohleenergie gewährleisten kann, können andere nachziehen. Das Argument für die Atomrenaissance ist doch allein der Klimawandel.
    - Stichwort Kosten: Hier im Blog, aber auch an anderer Stelle finden sich genügend Referenzen, wie sich die hohen Kosten zusammensetzen (bzw. wie Atomstrom künstlich günstig gehalten wird) - von steuerfreien Rückstellungen über die Befreiung von der Haftpflicht im GAU bis hin zur Endlagerung. Das lässt sich unschwer recherchieren. Hätte man die AKWs übrigens frühzeitig ersetzt, wären sie noch weniger rentabel (selbst unter diesen Subventionsbedingungen rechnen sie sich ja erst durch die langen Laufzeiten).
    - Stichwort Atommüll: Ich werde mich freuen, wenn es gelingt, Atommüll so zu verwerten, dass er seine Radioaktivität verliert. Aber im Sinne verantwortungsbewussten Handels sollte man erst die Lösung haben, bevor man den Müll produziert. Ich lege ja auch kein Feuer in der Hoffnung, dass schon jemand einen Feuerlöscher erfinden wird.
    - Stichwort Brauchen: Du bist jetzt der zweite, der mir sagt, wir brauchen Atomkraftwerke. Aber mir hat noch immer niemand gesagt, warum.
    - Stichwort Demokratie: Hier geht es nicht um die Frage, ob man für oder gegen Atomkraft ist. Es geht darum, wie mit Verträgen zwischen Regierung und Wirtschaft umgegangen wird bzw. wie Regierungen zugunsten einzelner Unternehmen oder einer Branche auf Kosten der Bevölkerung handeln und dieses Handeln dann vertuschen und die Aufklärung behindern. Das schadet der Demokratie, nicht die Atomkraft. Also bitte nicht selbst Fakten durcheinander wirbeln. ;-)

    @Stefan: Ich unterschreibe sofort, dass die Politik auch unbequeme Wege gehen muss, wenn das zum Wohl des Volkes ist. Bei der Wahl zwischen fossilen (darunter Atom) und erneuerbaren Energien sehe ich das Wohl des Volkes allerdings woanders als unsere aktuelle Regierung. Der Weg der Regierung ist - wie auffällig oft unter dieser Regierung - allerdings der Weg zum Wohl einzelner Unternehmen auf Kosten des Volkes und zum Teil sogar in Summe auf Kosten der Wirtschaft.

  13. Michael Khan Antworten | Permalink

    Umfragen

    "Alle Umfragen zeigen zudem eine Ablehnung der Atomenergie in der Bevölkerung"

    Alle Umfragen? Ist das wirklich so? Quelle? Mir kommt es eher so vor, als würde jedes Lager in seiner Klientel eine Zustimmung zum eigenen Standpunkt finden. Es wird wohl auch nicht schwer sein Leute zu finden, die gegen Kernenergie, Kohlekraftwerke, Solarenergie, Windenergie, Stromnetze, Biogas und KWK sind, und gegen die Fusionstechnik sowieso. Gegen Stauseen schon mal überhaupt. Man muss nur die Frage richtig stellen.

    Aber da wir in der Demokratie leben und nicht in der Demoskopie, schließe ich mich Stefans Meinung an. Gerade bei einer langfristigen Entscheidung sollte man auch eine langfristige Perspektive entwickeln und darf nicht allein den Umfragen hinterherhecheln.

  14. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    "Deutschland gilt im Ausland als sehr technikfreundlich.
    Wie kommen Sie denn darauf?"

    Weil man bei Auslandsaufenthalten immer wieder hört, dass Deutschland ein sehr technikfreundliches Image hat. Und auch die Deutschen selbst beurteilen den Technikstandort Deutschland als überwiegend positiv:
    http://www.vdi.de/...chnikstandort_Deutschland.pdf

    "Oder wir können vernünftigerweise uns bemühen, die Zukunft mitzugestalten, sodass unsere Wirtschaft ein Stück des Kuchens abbekommt.
    Davon profitieren nicht nur wir und unsere Kinder sondern auch die Ökologie und sogar der Weltfrieden, denn der hängt stakt davon ab, dass auch die aufstrebenden Nationen Zugang zu allen nötigen Ressourcen haben. Dazu gehört auch eine ausreichende Stromversorgung."

    Spätestens seit der Bankenkriese sollte jedem Menschen klar sein, dass es nicht gut ist sich nur mit Kuchen vollstopfen zu wollen. Die Ressourcen dieser Welt sind begrenzt, insofern wäre Nachhaltigkeit gefragt. Mit Kernenergie kann man m.E. weder die Ökologie noch den Weltfrieden retten und unseren Kindern würde ich auch keine unsicheren Atomendlager hinterlassen wollen.

  15. Christof Antworten | Permalink

    Uran geht nicht aus.

    Das ist reines Wunschdenken der AKW-Gegner. In Wahrheit brauchen AKWs derart wenig Uran (derzeit 25 Milligramm je kWh, mit Wiederaufarbeitung, höherem Abbrand, stärkerer Extraktion von U235 aus Natururan ... lässt sich dieser Bedarf noch deutlich senken, es rechnet sich nur bei den heutigen Uranpreisen nicht - die Brütertechnologie, die gleich 60mal mehr Energie aus der gleichen Menge Uran holen würde, lasse ich jetzt einmal außen vor), dass die Atomwirtschaft immer irgendwo auf der Erde die paar Brösel zusammenkratzen wird können. Der Aufwand kann auch zehnmal höher sein als heute, das würde Atomstrom nicht entscheidend verteuern.

    Ein paar Beispiele, wo Uran heute nicht genutzt wird, weil es billigere Quellen gibt (vor allem aus der Abrüstung):

    Phosphate: Viele Phosphatvorkommen enthalten Uran. Zeitweise wurde das extrahiert, wegen zu geringer Uranpreise wurde das aber wieder eingestellt. Allein die Phosphatvorkommen Jordaniens könnten den heutigen weltweiten Uranbedarf 100 Jahre lang decken. Stattdessen verteilen wir das Uran mit dem Phophatdünger auf unseren Äckern. (Regt kaum jemanden auf, aber die viel geringeren Uranmengen, die als in Form panzerbrechender Geschosse verteilt werden, sind angeblich furchtbar gefährlich)

    Kohleasche: enthält manchmal ähnliche Konzentrationen an Uran wie Uranerze. Bei manchen Kohlevorkommen enthält das Uran gleich viel Energie (bei Umsetzung in Leichtwasserreaktoren) als die Kohle selbst. Dieses Uran wird kaum genutzt, 10.000 t Uran und noch größere Mengen Thorium werden deshalb jährlich mit der Asche aus den Kohlekraftwerken - ja was macht man eigentlich damit? Endlagern ?!?

    Meerwasser: Erst im Labormaßstab ausprobiert, dürfte aber zu vertretbaren Kosten (300$/kg, entspricht 0,75 Cent/kWh) gewinnbar sein. Alleine dieses Reservoir entspricht dem 60.000-fachen des heutigen weltweiten Bedarfs.

    Im Übrigen vertehe ich nicht, was daran so schlimm sein soll, wenn man Uran (radioaktiver Müll aus lange vergangenen Sternexplosionen) vernichtet und nebenbei wertvolle Edelmetalle erzeugt.

    Deutsche AKWs heute stillzulegen, spart fast nichts ein (die Kraftwerke sind bereits erbaut, der Rückbau wird auch nicht billiger ...), kostet aber zig Milliarden für die Ersatzkraftwerke und erhöht den CO2-Ausstoß, weil die Erneuerbaren noch nicht weit genug sind (genaugenommen die Speichertechnik ist noch nicht weit genug, eine ausreichende Anzahl an Windrädern aufzustellen, wäre kein grundsätzliches Problem.)

    In Ermangelung ausgereifter Speichertechnik für elektrische Energie sind solarthermische Kraftwerke mit Wärmespeichern für den Nachtbetrieb die einzige heute verfügbare, in großem Stil realisierbare EE-Technik, die Kohle und Atom wirklich ablösen kann.

    Es gibt gute Argumente gegen AKWs, aber Uranmangel gehört ganz sicher nicht dazu, das ist ein Märchen.

  16. Mona Antworten | Permalink

    Demokratie @Stefan

    "Das kann ja sein, aber Politik muss auch den Mut haben unbequeme Wege zu gehen. Die Bevölkerung lehnt immer alles mögliche ab, da der Befragte ja in der Regel keine Verantwortung trägt: Raumfahrt, Afghanistan, Atomkraft, Straßenbau, Schienenbau, Fluglärm, Hartz IV...
    Was folgt daraus? Ich jedenfalls gebe nichts auf Umfragen und auch nichts auf Politiker, die etwas auf Umfragen geben."

    Demokratie beinhaltet nun mal, dass die Bevölkerung mitentscheiden kann. Wenn Sie aber der Meinung sind, der Willen des Volkes sollte von der Politik ignoriert werden, dann wären Sie in einer Diktatur besser aufgehoben.

  17. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Björn

    Ich werte die Antwort als Eingeständnis, dass das Argument mit der Proliferation waffenfähigen spaltbaren Material hier nicht hergehört.

    Dass ich genügend Leute finden kann, die behaupten, Atomstrom sei teuer, bezweifele ich nicht, ersetzt aber nicht den Beleg. Insbesondere wenn die Begründung nicht überzeugender ist als der Verweis auf die Haftung beim GAU.

    Die Kosten für den größten anzunehmenden Unfall, nämlich Notkühlsysteme, Containment und weitere bauliche Maßnahmen, obliegen sehr wohl dem Betreiber. Sie sind Bestandteil der Erstellungskosten eines Kraftwerks.

    Ich finde sicher auch Leute, die mir vorrechnen, Atomstrom sei unzuverlässig. da brauche ich wahrscheinlich gar nicht lange zu suchen. Tatsache ist aber, dass Kernkraftwerke einen großen Teil des Grundlastbedarfs decken und dass die Tendenz langfristig eher noch steigend ist. Weltweit allemal.

    Dezentral wird es sicher auch Beiträge der nichtkonventionellen Technik geben, aber für die Grundlastdeckung scheint es einen weltweiten Konsens zu geben, dass die Nukleartechnik hier von wachsender Bedeutung sein muss, zumindest solange, bis die Fusionstechnologie großtechnisch einsetzbar ist.

    Mag ja sein, dass die Mehrheit der Nationen der Welt und ihre Regierungen alle fehlgeleitet sind und nur auf das Beispiel Deutschlands warten, um ihnen den rechten Weg zu weisen. Ich kann das nicht beurteilen, aber es erscheint mir unplausibel.

    Abgesehen davon wette ich, dass die Fusionstechnik mit genau denselben Argumenten bekämpft werden wird wie heute die Fissionstechnik.

  18. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Erneuerbare Energien als Endlösung?

    Die Energiefrage ist in Deutschland (und zunehmend auch in anderen europäischen Ländern) wie kaum etwas politisiert und der Autor liegt voll auf dieser Linie.

    Probleme der Erneuerbaren Energien scheinen in der breiten Bevölkerung dagegen kaum bekannt zu sein, was sich durch die Public Relation artige Informationspolitik der Befürworter erklären lässt.
    Dazu ein Beispiel: In der Schweiz (wo ich wohne) will die Gruene Partei bis 2030 die Hälfte sämtlicher Energie mit erneuerbaren Energien erzeugen - dies in einem Land wo es nur in den Bergen genügend Wind gibt. Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Schweizer glauben, bis in Kürze könnten die Erneuerbaren zur dominierenden Energieform werden.

    Weit verbreitet ist der Glaube, die Installation von Windturbinen in Windparks sei schon die Lösung.

    In Wirklichkeit sind die Kosten eines Energiesystems, das von Erneuerbaren Energien dominiert wird, heutzutage gar noch nicht bekannt. Es gibt nur Einigkeit unter den Experten, dass es dazu einen grossräumigen Verbund über Tausende von Kilometern braucht, mindestens solange es keine preiswerten Speichermöglichkeiten für Strom gibt.

    Erneuerbare Energien wie sie in Deutschland heute gefördert werden, sind eine Reise mit unklarem Ziel und unbekannten Kosten.

    Anstatt EE-Hype wäre eine Auseinandersetzung mit den Problemen dieser intermittierenden Energiequellen fällig. Sonst besteht die Gefahr, dass die Stimmung plötzlich umkippt - dann nämlich wenn die breite Bevölkerung anfängt, die Stimmigkeit des EE-Optimisimus zu hinterfragen.

  19. Mona Antworten | Permalink

    Wasserkraft @Martin Holzherr

    "In der Schweiz (wo ich wohne) will die Gruene Partei bis 2030 die Hälfte sämtlicher Energie mit erneuerbaren Energien erzeugen - dies in einem Land wo es nur in den Bergen genügend Wind gibt. Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Schweizer glauben, bis in Kürze könnten die Erneuerbaren zur dominierenden Energieform werden."

    In der Schweiz werden gegenwärtig schon über der Hälfte der Energie mit Hilfe der Wasserkraft gewonnen. Dies bietet sich in einem Land mit vielen Bergen auch an. Auch bei uns in Bayern gab es früher jede Menge kleiner Wasserkraftwerke, die mussten aber auf Druck der großen Energieproduzenten alle dichtgemacht werden.
    Quelle: http://www.kernenergie.ch/...tz.html#anchor_CUFODU

  20. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Mona : Wasser in CH: Werch ein Illtum

    "In der Schweiz .. > Hälfte der Energie mit Hilfe der Wasserkraft gewonnen":

    Welch ein Irrtum. Der Energiemix in der Schweiz ist:
    Öl 56%, gas 14%, Kohle 1% plus 5% Holz etc, 23% elektrische Energie (40% aus KKW und fast 60% aus Wasserkraft).

    Die Grünen sprechen von allen Energien, nicht nur vom Strom, der ja nur 23% der elektrischen Leistung ausmacht.

  21. Stefan Antworten | Permalink

    @Mona

    "Demokratie beinhaltet nun mal, dass die Bevölkerung mitentscheiden kann. Wenn Sie aber der Meinung sind, der Willen des Volkes sollte von der Politik ignoriert werden, dann wären Sie in einer Diktatur besser aufgehoben."

    Na na bitte mal nicht von einem Extrem ins andere fallen. Natürlich soll die Bevölkerung mitentscheiden, tut sie ja auch: Bundestagswahlen, Landtagswahlen,Komunalwahlen...

    Daraus entstand eben in letzter Zeit eine Mehrheit, die mit dem ideologisch begründeten Atomausstieg nichts anfangen kann. Das nicht zu akzeptieren, sondern von den Politikern zu verlangen auf irgendwelche Umfragen zu achten oder wie man auch sagt "dem Druck der Straße" nachzugeben, halte ich für sehr antidemokratisch. Ich will, dass Politiker sachorientiert und nicht medienorientiert entscheiden. Das macht mich doch nicht zum Diktator ;-)

  22. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    „Blinder Fortschrittsglauben“

    Zitat Lohmann: „Dieses Land ist nicht technologiefeindlich, sondern lediglich nicht blind fortschrittsgläubig.“ Über 30 Länder nutzen gegenwärtig die Kernkraft – sind die alle von „blindem Fortschrittsglauben“ benebelt und nur die klugen, weitsichtigen deutschen Übermenschen wissen mal wieder alles besser? Dieser Überlegenheitswahn ist wohl schwer aus den Köpfen rauszukriegen – am deutschen Wesen soll halt immer noch die Welt genesen? Was für eine maßlose Arroganz!
    Noch ein Zitat: „Die erneuerbaren Energien sind das beste Beispiel dafür, wie Deutschland gleichzeitig modernste Technologie und gesellschaftliche Verantwortung voran bringt.“ Die sogenannten „erneuerbaren Energien“ – vor allem Wind- und Sonnenenergie sind erstens keine „modernsten Technologien“, sondern bestenfalls technologisches Mittelmaß, das aber jedes Jahr höhere Milliardensubventionen verschlingt und vor allem eines nicht bieten kann: Versorgungssicherheit. Warum hat die Menschheit eigentlich das Dampfschiff erfunden anstatt die umweltfreundlichen Segelschiffe weiterhin zu verwenden? Ein moderner Industriestaat braucht eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr, also auch bei Dunkelheit und Flaute (kommt gar nicht so selten vor!). Wind- und Sonnenenergie bringen uns nicht nennenswert voran – trotz Subventionen von gegenwärtig 10 Milliarden Euro pro Jahr beträgt der Anteil von konventionellen Energieträgern (Kohle, Gas, Atom) ca. 85% -bleiben 15 % für die „Erneuerbaren“, davon Windenergie 7 % und Sonne 0,95%. Eine wirkliche Erfolgsgeschichte sieht anders aus! Und wie ging diese Erfolgsgeschichte im Jahre 2009 weiter? Da wurden im Jahre 2009 genau 952 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.917 Megawatt neu aufgestellt, die Landschaftsverschandelung geht also ungebremst weiter und manche unbelehrbare Ökoapostel bejubeln die um 15 Prozent angewachsene installierte Windkraftleistung. Und wozu das Ganze? Obwohl so viele Windräder wie nie zuvor vorhanden sind („Insgesamt waren zum Jahreswechsel in Deutschland gut 21.000 Windräder mit einer Leistung von knapp 26.000 Megawatt installiert“ so die „taz“) ging die von den Windrädern produzierte Strommenge um sechs Prozent zurück!! Das darf doch wohl nicht war sein – Milliarden Euro für neue Windräder verbraten und verbrannt und als Ergebnis gibt es weniger Leistung! Klar, welche Energieträger hier einspringen müssen: Kohle- und Kernkraftwerke plus Gaskraftwerke zur Abdeckung der Belastungsspitzen!

    PS. Zu den knapper werdenden Uranvorräten: auch Wind- und Sonnenenergie brauchen zahlreiche Rohstoffe, von denen einige bald knapp werden können, schneller noch als das Uran für die kernenergie. Windräder brauchen 200 kg Neodym pro MW. 97 % der Weltproduktion kommt aus China; das Land hat damit ein Monopol auf dieses wichtige Metall und kann daher bei wachsender Nachfrage des Preis diktieren oder gleich die Ausfuhr drosseln. Sonnenenergie – Module enthalten u. a. Gallium – auch dieses seltene Metall muß eingeführt werden und ein Mangel dürfte die hochfliegenden Solarenergie-Pläne auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Besser für unseren Geldbeutel und die Sicherheit der Stromversorgung wäre es. Das gesparte Geld sollte zur Hälfte in bessere Gebäudedämmung fließen und zur anderen Hälfte in die Fusionsforschung.

  23. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Man sollte schon vorsichtig mit seinen Vorwürfen umgehen. Gleich dem Gegenüber Diktatur-Affinität vorzuwerfen, das ist kein guter Stil. Schlimm genug, dass im Blog-Artikel die Glaubwürdigkeit der Demokratie infrage gestellt wurde, nur weil eine Entscheidung fiel, die dem Autoren nicht in den Kram passt.

    Außerdem sind Umfragen etwas Anderes als "der Willen des Volkes", wobei gerade letzterer Ausdruck ziemlich nach der Diktion demokratiefeindlicher Parteien klingt. Die "öffentliche Meinung" ist da schon ein unverfänglicherer Ausdruck.

    Aber gerade diese öffentliche Meinung ist doch alles andere als klar. Was will die denn? Billigen Strom, gesicherte Versorgung, klar. Keine fossilen Kraftwerke, denn die schädigen das Klima. Keine Windkraftwerke, denn die verschandeln die Landschaft und gefährden Vogelschwärme. Außerdem erzeugt deren Geräusch und Schattenwurf angeblich Depressionen. Und wenn schon Windkraftwerke, dann keine Hochspannungstrassen. Keine Kernkraftwerke wegen der pöhsen Radioaktivität. Biogas ja, aber bitte woanders, vor der eigenen Haustür will man sowas nicht haben (wie überhaupt jedes Kraftwerk). Fusion, um Gottes willen. Man will doch keine zahme Wasserstoffbombe in der Stadt. Investieren sollte man möglichst auch nicht müssen, das sollte es alles für lau geben. Das sind also die Vorgaben, an die sich die Politik zu halten hat.

    Nun ist, entgegen Ihrer Annahme, im deutschen Grundgesetz kein imperatives Mandat vorgesehen. Deswegen ist es auch nicht so, dass die Politik sich die öffentliche Meinung als absolute Richtschnur im Tagesgeschehen vorsehen muss. Da müssen Sie wohl etwas missverstanden haben.

    Auf die Unterschiede zwischen elektrischer Energie und Primärenergie wurde bereits hingewiesen. Diese Begriffe unscharf zu behandeln, ist
    übrigens ein beliebter Stunt in der Energiediskussion. Damit kann man sich zusammenrechnen, was man will. Ein anderer beliebter Stunt, gerade von EE-Lobbyisten, ist die Vermischung von installierter Leistung und tatsächlich gelieferter Durchschnittsleistung. Diese geht meist einher mit dem Ignorieren der Tatsache, dass viele Formen erneuerbarer Energien eine sehr schwankende Verfügbarkeit haben.

    Alles sehr probate Mittel, zu dem Ergebnis zu kommen, das man will. In der politischen Diskussion, gerade wenn sie von naturwissenschaftlichen Nichtschwimmern geführt wird, sehlt es am Verständnis dafür, dass die Realität unabhängig von den Rechenkunststücken ist.

    Was nun die angeblich von der Großindustrie plattgemachten kleinen Wasserkraftwerke in Bayern angeht: Beträchtlich kann deren Anteil nicht gewesen sein. Die Wasserkraft trägt in Deutschland knapp 4% zur Stromerzeugung bei, das Potenzial ist weitgehend ausgeschöpft. Die Stillegung kleiner Kraftwerke wird (falls die gemachte Behauptung überhaupt stimmt) mit dem Aufbau des bundesweiten Netzes einhergegangen sein. Damals war es wirtschaftlich nicht sinnvoll, Aufwand zu betreiben, um kleine Kraftwerke so aufzurüsten, dass sie netzsynchron laufen. Heute könnte man das schon, dann würde der Wasserkraftanteil um einige Zehntelprozent steigen. Dass ein Potenzial für einen deutlich größeren Beitrag der Wasserkraft besteht, wäre mir neu. Die Schweiz steht da um Einiges besser da, sowohl auf der Erzeugungs- als auch auf der Verbrauchsseite, wie das von Ihnen zitierte Dokument darlegt.

  24. Mona Antworten | Permalink

    Rundumschlag @Michael Khan

    Sie unterstellen mir hier Dinge, die ich überhaupt nicht gesagt habe. Ist das der gute Stil, den Sie von anderen einfordern?
    In Bezug auf Energie habe ich lediglich die Wasserkraft in Bayern erwähnt. „Nach der Kernenergie steuert sie als zweitgrößter Energieträger einen Anteil von rund 15 % zur öffentlichen Stromversorgung in Bayern bei. Damit liegt der Anteil der Wasserkraft in Bayern etwa viermal höher als im Bundesdurchschnitt.“
    Quelle:
    http://www.lfu.bayern.de/..._wasserkraft/index.htm

  25. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Weitere Antworten

    @Michael Khan: Ich möchte noch einmal betonen, dass mein Bezug zur Demokratie sich nicht auf die Entscheidung für Atomenergie stützt, sondern auf a) den Umgang mit Konsensverträgen und b) die (wahrscheinliche) Verschleierung von Taten der Regierung zugunsten einer Branche auf Kosten der Bevölkerung.

    @Cristof: Was die Uranvorräte betrifft, kann ich mich nur auf Studien berufen, die mit offiziellen OECD-Zahlen arbeiten. Ich denke, die Autoren, die die Bundesregierung beauftragt hatte, wussten recht gut, woraus man zu welchen Kosten Uran gewinnen kann und wie viel ein AKW verbrennt. Stichwort Wiederaufbereitung: Wussten Sie, dass die Vögel in der Umgebung von Sellafield nach deutschen Maßstäben als radioaktiver Abfall gelten? Warum muss man eine Risikotechnologie am Leben halten, wenn es Alternativen gibt? Wo bleibt die Risiko-Nutzen-Abwägung?

    Auf das Thema Erneuerbare Energien will ich hier nur kurz eingehen, es führt zu weit vom Kernthema weg:
    - Erneuerbare Energien können zusammen mit Gas in kurzer Zeit Deutschland komplett versorgen. Das sagen Studien von Bundesregierung über Wirtschafts- bis Umweltinstitute. Letztere gehen lediglich so weit zu sagen, dass man 2020 alle AKWs abschalten und auf neue Kohlekraftwerke verzichten kann. Das ist wenig erstaunlich, da der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung ziemlich genau der Höhe der deutschen Nettostromexporte entspricht.
    - Die Verlässlichkeit von EE ist gar nicht so schlecht. Wind und Sonne lassen sich relativ präzise vorhersagen (damit arbeiten die Stromnetzbetreiber schon lange), mit flexiblen Gaskraftwerken kann man auf die Schwankung rechtzeitig reagieren. Speichertechnologien sind noch nicht ausgereift, aber erste wären es bis zum bisher geplanten Termin des Atomausstiegs sicherlich, schaut man in aktuelle Publikationen zum Thema (bzw. auf die Art der Solargroßkraftwerke, die die Industrie plant). Davon ab sind die EE mehr als nur Wind und Sonne.

  26. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    "Weil man bei Auslandsaufenthalten immer wieder hört"

    Na, das ist ja ein schlagendes Argument.

    Wenn sich Menschen hoeflicherweise positiv über die Autos mit dem Stern auf der Haube äußern, ist das eine Sache, whichtiger sind aber beispielsweise Klagen darüber, wie schwierig es ist, außerhalb der Ballungsräume Breitbandzugang zum Internet zu bekommen. Oder auch, ganz allgemein, die F&E-Aufwendungen im Vergleich zu unseren Konkurrenten. Da liegen wird im internationalen Vergleich nämlich deutlich zurück.

    Man sollte sich mal überlegem, in welchen technologien Deutschland noch führend ist und wie viele das früher waren.

    "Spätestens seit der Bankenkriese sollte jedem Menschen klar sein, dass es nicht gut ist sich nur mit Kuchen vollstopfen zu wollen."

    Es geht nicht darum, sich vollzustopfen, sondern es steht eine Menge mehr auf dem Spiel, beispielsweise ob wir in der Zukunft noch in der Spitzengruppe sind oder nur noch unter ferner liefen figurieren. Letzteres wird uns nur gelingen, wenn wir Spitzentechnologien nutzen und am Ball bleiben. Dazu gehoert auch die Kernenergie, denn die ist bis auf Weiteres die einzige, die ohne fossile Brennstoffe auskommt und dennoch ausreicht, den Grundlastbedarf industrialisierter Staaten zu decken.

    Für die Schwellenländer geht es darum, überhaupt Anschluss zu halten, nicht darum, sich "vollzustopfen". Keiner von uns kann wollen, dass die das vorwiegend mit fossilen Energieträgern tun, denn die lokalen und globalen Konsequenzen dürften fatal sein.

    Weswegen auch weltweit die Nutzung der Kernenergie auf dem Vormarsch ist. Deutschland war weltweit führend in dieser Technik und hátte heute beste Exportchancen, wenn nicht dummerweise aufgrund jahrzehntelanger, politisch motivierter Untätigkeit dieser Vorsprung verspielt worden wäre.

    Das schadet zwar keineswegs dem Erfolg der kernenergie. Es schließt allerdings uns aus.

  27. Michael Khan Antworten | Permalink

    Stil?

    "Sie unterstellen mir hier Dinge, die ich überhaupt nicht gesagt habe."

    Ich bezog mich auf diese Aussage von Ihnen:

    "Wenn Sie aber der Meinung sind, der Willen des Volkes sollte von der Politik ignoriert werden, dann wären Sie in einer Diktatur besser aufgehoben."

    Diesen Kommentar finde ich nicht angemessen --> schlechter Stil.

    Aber alles weitere bezog sich nicht auf Sie, sondern sollte die Schwierigkeiten illustrieren, die es bereitet, würde die Politik wirklich immer der "oeffentlichen Meinung" folgen wollen.

    Das kann die Politik nicht, und das braucht sie auch nicht, denn das imperative Mandat ist in der deutschen Verfassung nicht vorgesehen.

    Abgesehen davon ist selbst die im Artikel gemachte Behauptung, "alle Umfragen" belegten eine Ablehbung der Nutzung der Kernenergie noch zu belegen.

    Sicher ist der Kreis der Kommentatoren dieses Blogs nicht repräsentativ, aber auf jeden Fall zeigt er keineswegs eine umfassende Zustimmung zu den Thesen des Blogs.

  28. Michael Khan Antworten | Permalink

    Weltvorkommen abbaubaren Urans

    Die Daten scheinen wohl einen bevorstehenden Uranmangel eher nicht herzugeben, wenn man sich keine Mühe gibt, ihn mit Gewalt herbeizurechnen.

    http://www.un.org/...p?NewsID=18741&Cr=uranium

    http://www.world-nuclear.org/info/inf75.html

    Ach so. Die Frage, wozu Kernkraftwerke gebraucht werden, steht noch im Raum. Eigentlich sollte die Antwort auf der Hand liegen, aber meinetwegen: Weil verglichen mit den Alternativen, die zur Grundlastdeckung auf absehbare Zeit verfügbar sind, die Kernenergie die sicherste und umweltfreundlichste Loesung darstellt.

    Und weil wir aufgrund der Industrialisierung und zunehmenden Weltbevoelkerung sowie deren Ansprüchen nicht davon ausgehen koennen, dass erneuerbare Energien oder Einsparung diesem Bedarfswachstum gerecht werden.

  29. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona: Bayerische Wasserkraftwerke

    Sie zitieren diese Webseite des bayerischen Umweltamts:

    http://www.lfu.bayern.de/..._wasserkraft/index.htm

    Daraus ergibt sich aber auch ein starker Ausbau der Stromerzeugung durch Waserkraft seit den Zwanzigern, immerhin eine Verfünffachung. Dass viele kleinere Anlagen dabei zu wenigen großen zusammengefasst werden, ist nichts Besonderes und auch bei anderen Kraftwerkstypen die Regel.

    Aber Bayern war nun einmal früher nicht der Industriestandort, zu dem es in der Nachkriegszeit wurde. Da kann trotz deutlichen Ausbaus (nicht Abbaus) der Kapazitäten der gestiegene Bedarf einer Industriegesellschaft nicht gedeckt werden.

    Nach meinen Informationen ist das Potenzial der Wasserkraft in Deutschland weitgehend ausgeschoepft. Da ist realistischerweise keine Steigerung mehr zu erwarten.

  30. Mona Antworten | Permalink

    Michael Khan @Bayrischer Duktus

    „Außerdem sind Umfragen etwas Anderes als "der Willen des Volkes", wobei gerade letzterer Ausdruck ziemlich nach der Diktion demokratiefeindlicher Parteien klingt. Die "öffentliche Meinung" ist da schon ein unverfänglicherer Ausdruck.“

    Wie Sie wissen lebe ich in Bayern und in Artikel 2 unserer Verfassung steht: „(2) Das Volk tut seinen Willen durch Wahlen und Abstimmung kund. Mehrheit entscheidet.“
    http://www.verfassungen.de/de/by/bayern46.htm

    Außerdem sieht die bayrische Verfassung auch Volksentscheide vor.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Volksentscheid

    Insofern ist der Ausdruck "der Willen des Volkes" keine Diktion demokratiefeindlicher Parteien. Wie Sie wissen ist die bayrische Politik ja durchgehend konservativ.

  31. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Faktenresistente Lohmänner

    Zitat Lohmann: „Erneuerbare Energien können zusammen mit Gas in kurzer Zeit Deutschland komplett versorgen ... dass man 2020 alle AKWs abschalten und auf neue Kohlekraftwerke verzichten kann.“
    Wie soll das eigentlich funktionieren? Zur Erinnerung: der Neubau von genau 952 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.917 Megawatt ist eine Steigerung der installierten Windkraftleistung um 15 %. Geholfen hat es nicht: 21000 Windräder mit einer Leistung von knapp 26.000 lieferten sechs Prozent weniger Strom als im Vorjahr.
    Schauen wir uns die Daten für die Stromerzeugung im Jahre 2009 an:
    In 2007 wurde die Stromversorgung in Deutschland durch folgende Energieträger gesichert:
    Braunkohle 24,5%
    Kernenergie 22,6 %
    Steinkohle 18,3 %
    Erdgas 12,9 %
    Heizöl 2,1%
    Sonstige; Müll: 4,9 %
    Wind 6,3 % (aus 21.000 Windrädern)
    Biomasse 4,2 %
    Wasser 3,2 %
    Photovoltaik 1,0 %
    Konventionelle Energien: 80,4 % -Erneuerbare Energien: 14,7 %; sonstige 4,9%
    Die von Herrn Lohmann so verdammten Energieträger Kohle und Uran tragen 65,4% zur deutschen Stromversorgung bei – und decken mit ihrer zuverlässigen Stromerzeugung nicht nur die Grundlast ab, sondern sorgen auch für eine sichere Stromversorgung, wenn Windmühlen und Solarzellen versagen und deren Leistungsabgabe gegen Null geht.

    Zitat Lohmann: „Das ist wenig erstaunlich, da der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung ziemlich genau der Höhe der deutschen Nettostromexporte entspricht.“ Das ist schlichtweg falsch: Der Stromimport betrug im Jahre 2009 40,5 Mrd. kWh und der Export 54,8 Mrd. kWh; bleibt ein Exportsaldo von 14,3 Mrd. kWh. Das entspricht 10,6% der Strommenge, die durch Kernkraft erzeugt wurde.

    Zitat Lohmann: „Wind und Sonne lassen sich relativ präzise vorhersagen (damit arbeiten die Stromnetzbetreiber schon lange), mit flexiblen Gaskraftwerken kann man auf die Schwankung rechtzeitig reagieren.“
    Erdgas ist nicht nur der wertvollste fossile Brennstoff, es ist auch ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie. Diesen wertvollen Rohstoff in noch größerem Maße zu verfeuern, ist unverantwortlich und für den Einsatz in der Grundlast ist es zu teuer. Erdgas hat die geringste „zeitliche Reichweite“ von allen fossilen Brennstoffen. Nach der „Club-of Rome“-Studie „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 wurde das Ende der Erdgasvorräte für 2010- 2020 prophezeit. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen, aber in wenigen Jahrzehnten dürfte Schluß sein. Wer auf die begrenzten Uranvorräte hinweist, sollte die geringen Erdgasvorräte nicht ausblenden – die sind noch viel geringer!

  32. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Wind + Gas

    Zitat Lohmann: "Erneuerbare Energien können zusammen mit Gas in kurzer Zeit Deutschland komplett versorgen."

    Prima, da haben sie sich kundig gemacht. Wind + Gas, diese Kombination funktioniert, ist nicht zu teuer, aber recht fossil und entspricht dem heutigen Stand wie in Deutschland die Intermittenz von Wind aufgefangen wird.

    Ganz Deutschland können sie aber mit dieser Kombination nur dann komplett versorgen, wenn sie sehr viele Offshore Windparks bauen - und dann wirds schon recht teuer, denn nicht nur die Offshore-Windparks für sich genommen sind um einiges teurer als landbasierte, auch die nötige Infrastruktur (Unterwasserkabel z.B.) ist nicht gratis.

    Ich hoffe nur für sie, dass das deutsche Volk mitmacht, wenn in der Folge der Strompreis gewisse Schmerzgrenzen durchbricht.

    Mich überrascht auch, dass für sie CO2-Emissionsreduktionen erst zweite Priorität haben (erste Priorität scheint das Abschalten der Atomkraftwerke zu haben).

  33. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Weitere Antworten

    Stichwort Schneller Brüter: Meines Wissens gibt es weltweit keinen erfolgreich arbeitenden Schnellen Brüter. Es gibt eine Reihe Testreaktoren und ein paar aufgrund massiver Sicherheitsprobleme stillgelegte Brüter. Ich will nicht ausschließen, dass die Forschung effizientere AKW-Techniken entwickelt, aber weder die heutigen noch die heute als Ersatz verfügbaren Modelle geben das her. Somit gilt bis auf weiteres, dass das wirtschaftlich zu erschließende Uran nicht einmal bis zum Ende des Jahrhunderts reicht.

    Stichwort Kernenergieforschung: Wer mal in der Wirtschaft gearbeitet hat oder regelmäßig die Medien verfolgt, weiß, dass viel zu oft Rendite über Verantwortung gestellt wird, und dass Menschen Fehler machen. Meine Sicherheitsbedenken gegenüber AKWs bleiben deshalb bestehen. Bei Forschungsreaktoren gilt das zwar im Prinzip auch, aber die geringere Anzahl und die Chance, dass Sicherheit dort einen echten Stellenwert hat, sorgen dafür, dass ich Forschungsreaktoren durchaus unterstütze. Ich habe auch nichts dagegen, wenn diese Technologie exportiert wird und Chinesen oder Amerikanern ein AKW um die Ohren fliegt, aber ein zweites Tschernobyl möchte ich nicht in Europa haben, wenn wir den nötigen Strom auch anders und umweltfreundlich zusammen bekommen.

    Stichwort Erdgas: Auch das ist endlich, ohne Frage. Aber sämtliche Modellszenarien zeigen, dass bis 2050 eine rein regenerative Energieversorgung möglich ist. (Auch Speichertechniken sind dann längst serienreif.) Erdgas ist also die echte Brückentechologie.

    Stichwort Energieszenarien: Darüber habe ich inklusive Quellenangaben mehrfach geschrieben, z.B. hier http://www.wissenslogs.de/...ls-die-politik-stimmt und hier http://www.wissenslogs.de/...ppheit-in-deutschland , noch deutlicher wird eine Studie der Beratungsfirma EUtech im Greenpeace-Auftrag: http://www.greenpeace.de/...die_energie_screen.pdf
    Weder Atom- noch Kohleenergie sind in einem solchen zeitlichen Ausmaß erforderlich, dass ein Neubau gerechtfertigt wäre.

    Damit sind wir auch beim Stichwort Prioritäten: Ich habe hier im Blog schon mal diskutiert, was vermeidenswerter ist, GAU oder Klimakollaps. Aber wenn es realistische Szenarien gibt, in denen man beides ausschließen kann, dann muss man zum Glück keine Wahl treffen.

    Bleibt noch der Strompreis: Schon heute sind Ökostromanbieter in vielen Regionen der günstigste Stromanbieter. Das ist ja auch kein Wunder, schließlich sind Sonne, Wind, Erdwärme und Gezeiten kostenlos. Natürlich erzeugen Investitionen kurzfristig Kosten und natürlich sind neue Technologien in den ersten Jahren teuer. Aber die Photovoltaik demonstriert, wie stark der Massenmarkt die Kosten drücken kann. Bitte auch nicht vergessen: Zu den Klimaschutzszenarien gehören auch Verbrauchseinsparungen und Effizienzsteigerungen. Und wenn ich nur noch die Hälfte Strom verbrauche, zahle ich selbst beim doppelten Preis nicht mehr.

    Zuletzt zum Import/Export: Da hatte ich tatsächlich einen Stellenfehler in den Zahlen. Davon unberührt bleibt aber, dass selbst das Bundeswirtschaftsministerium 2008 vorgerechnet hat, dass allein die Überkapazität genügt, um die durch den Wegfall der Atomenergie entstehende Lücke zu füllen. http://www.bmwi.de/...bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf

  34. Jürgen Bolt Antworten | Permalink

    Überraschung

    "Ich habe auch nichts dagegen, wenn diese Technologie exportiert wird und Chinesen oder Amerikanern ein AKW um die Ohren fliegt."

    Die Einstellung überrascht mich zwar nicht, das offene Aussprechen aber schon. Ich möchte ebenso offen sagen, daß mir dieser Zynismus absolut mißfällt.

  35. Carolin Liefke Antworten | Permalink

    Wie schön...

    ...wenn einen ein atomarer Gau am anderen Ende der Welt ebenso kaltlassen kann wie das Umfallen des sprichwörtlichen Sackes Reis eben dort.

    Zu dumm nur, daß die heißgeliebten CO2-Emissionen auf der anderen Seite weltweite Auswirkungen haben.

    Zu dumm nur, daß sich Deutschland gerade an der Subvention erneuerbarer Energien mächtig verschluckt, weil unser Fleckchen Erde nunmal leider geografisch nicht geeignet ist, um uns in dieser Hinsicht zu Selbstversorgern zu machen. Und daß es eine wirtschaftliche und politische Utopie ist, darauf zu bauen, daß man Strom ja auch von woanders her bekommen kann, das sollte jedem klar sein.

  36. Physiker Antworten | Permalink

    weitere ignorierte Fakten:

    @ Björn Lohmann
    1.) Ihre Aussage, dass Sie auch nicht-Erneuerbaren Energien Fortschritte in der Forschung zugestehen ist geheuchelt. Warum sonst würden Sie ununterbrochen wiederholen, dass das "wirtschaftlich zu erschließende Uran" zuende geht (obwohl das eine Scheinargument ist) und es auf der anderen Seite als gesicherte Tatsache verkaufen, dass bei Erneuerbare Energien enorme technologische Fortschritte erzielt werden?
    Fundamental physikalische Probleme wie z.B. die von Ihnen angesprochenen "Speichertechniken" sind nicht zu vergleichen mit nachgewiesenermaßen physikalisch möglichen Techniken, die nur aus politischen/ökonomischen Gründen in Deutschland nicht zum Einsatz kommen.

    2.) Wahrscheinlich haben Sie Ihre eigene Definition von "erfolgreich"; wenn man dieses schwammige Wort weglässt, gibt es aber genug Gegenbeispiele:
    http://de.wikipedia.org/.../Brutreaktor#Verwendung
    Übrigens, hier noch weitere Fortschritte:
    http://www.pro-physik.de/...dArticle.do?laid=12664
    http://de.wikipedia.org/wiki/Laufwellen-Reaktor
    http://www.wissenslogs.de/...itigen-mit-kernfusion

    3.) Es gibt Risikoanalysen zur Kernenergie im Vergleich (letzte Seite):
    http://gabe.web.psi.ch/pdfs/Energiespiegel_13d.pdf
    Man kann diese aber auch ignorieren und irrationale Ängste schüren...

    4.) Dass Ökostromanbieter teilweise günstiger sind, liegt ganz sicher nicht an den Stromgestehungskosten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Stromgestehungskosten
    (egal wie man sich diese schönrechnet...)

    5.) Die Ausgaben für Photovoltaik werden sich auf ca. 80 Mrd. Euro belaufen (Forschungsausgaben, wie sie gerne der Krernkraft angelastet werden, sind da noch gar nicht berücksichtigt)
    http://www.daserste.de/...26wwutg225oyy&cm.asp
    Photovoltaik erzeugt kaum nennenswert Strom und würde zusätzlich zur Windkraft ebenfalls zu negativen Strompreisen beitragen
    http://www.faz.net/...E~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    die im Endeffekt auch wieder vom Verbraucher getragen werden.

    6.) In dem von Ihnen zitierten Artikel des Bundeswirtschaftsministeriums nimmt der prozentuale Anteil der fossilen Energieen (Uran ausgenommen) bis zum Jahr 2020 zu! Man rechnet sich eine Abnahme der absoluten Größe dadurch schön, dass man annimmt, der Strombedarf würde bis 2020 abnehmen. Wenn man von der Wirtschaftskrise absieht, ist diese Annahme absolut unrealistisch. Erst recht, mit Hinblick auf die Elektro-Auto-Phantasien...

  37. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Weitere Antworten

    @Jürgen Bolt und Carolin Liefke:
    Wenn sich ein Land eine Risikotechnik hinstellen möchte, ist es nicht mein Problem, wenn ihm diese um die Ohren fliegt, dazu stehe ich. In meinem Land versuche ich das zu verhindern, so wie es jedem Bürger der Welt für sein Land zusteht. CO2-freien Strom gibt es übrigens nicht nur aus Atomkraftwerken.

    @Carolin Liefke:
    So ziemlich jeder Haushalt in Deutschland kann mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr Strom erzeugen, als er im Jahr verbraucht. Ich kenne genügend Menschen, die das tun. Das Problem ist, dass sie im Sommer einen Überschuss, im Winter einen Mangel haben. Das Problem gilt aber weder für Offshore-Windparks, Gezeitenkraftwerke noch Geothermie oder Biomasse. Davon ab finde ich es seltsam, es als wirtschaftlich und politische Utopie zu bezeichnen, Strom woanders her zu beziehen. Was machen wir denn mit Gas, Öl und Uran seit Jahrzehnten? Warum soll das mit Strom aus dem Mittelmeerraum nicht funktionieren?

    @Physiker:
    zu 1) Die Prinzipien der Speichertechniken gibt es längst, was fehlt, ist die Wirtschaftlichkeit, sprich die Weiterentwicklung.
    zu 2) Der Wikipedia-Link bestätigt genau das, was ich geschrieben habe. Es gibt keinen kommerziellen schnellen Brüter weltweit, der funktioniert.
    zu 3) Das Risiko eines GAU ist gering, das Risiko das Atommüll Grundwasser verunreinigt schon etwas höher. Aber man sollte nicht nur die Wahrscheinlichkeit, sondern auch die Ausmaße eines Ereignisses berücksichtigen. Wer wirtschaftlich denken muss, tut das. Deshalb gibt es auch trotz des geringen Risikos keine Versicherung gegen einen GAU - sie wäre unbezahlbar. Auch Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit sollte man vermeiden, wenn sie unnötig sind.
    zu 4) Was sagt uns das über die konventionellen Stromanbieter, die trotz abgeschriebener AKW teurer sind? Dass der Strompreis niedriger sein könnte, und dass das nicht die Ökostromer verhindern.
    zu 5) 80 Milliarden über 23 Jahre verteilt auf 80 Millionen Bürger sind... rund 40 Euro pro Jahr, dafür, dass das Klima stabil bleibt, es keinen GAU gibt, und weniger Herz- und Lungenkranke durch Kohlekraftwerke. Da gebe ich im Jahr mehr Geld für weniger sinnvolle Dinge aus.
    zu 6) Die Klimaschutzziele sind nur zu erreichen, wenn Deutschland gut die Hälfte seines Energieverbrauchs durch Effizienzgewinne einspart. Dass das realistisch möglich ist, haben verschiedene Wirtschaftsinstitute nachgeprüft, allein ein Blick auf die Gebäudedämmung macht das plausibel. Die Klimaschutzziele zu verfehlen, ist keine Option, auch wenn die Folgen dann nicht wir, sondern unsere Enkel viele Male teurer bezahlen müssten - und Millionen Menschen mit ihrem Leben.

  38. Michael Khan Antworten | Permalink

    Bitte an Björn

    Würdest du bitte endlich begreifen, wofür GAU steht und was man mit dieser Abkürzung bezeichnet?

    Danke.

    Dann hört vielleicht auch diese oft wiederholte Behauptung von der Versicherung gegen den GAU auf, die angeblich von Kernkraftwerksbetreibern nicht bezahlt werden.

    Richtig ist, dass die technischen Vorkehrungen zur Beherrschung des GAU sehr wohl Bestandteil der Erstellungskosten sind und von den Betreibern getragen werden. Egal, wie oft du das Gegenteil behauptest.

  39. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    GAU und Super-GAU

    Lieber Michael, ich verspreche, zukünftig nur noch korrekt vom Super-GAU zu sprechen, wenn ich diesen meine.

  40. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Stabiles Klima?

    Herr Lohmann, Sie wünschen ein stabiles Klima? Dann suchen Sie sich einen anderen Planeten – oder backen Sie sich einen nach Ihren Wünschen! Ein „stabiles Klima“ hat es in 4,5 Milliarden Jahren Erdgeschichte nie gegeben. Selbst in historischer Zeit mit einen angeblich seit 10000 Jahren stabilen Klima (seit dem Ende der letzten Eiszeit) hat es zahlreiche Klimaschwankungen gegeben – und die warmen Zeiten waren immer gute Zeiten! Phasen der Abkühlung brachen immer zahlreiche Katastrophen mit sich – Kriege, Völkerwanderungen, Seuchenzüge, Sturmfluten. Vor mehr als 20 Jahren erschien dazu ein wundervoller Artikel in der FAZ („Hexenjagd im Regen – Wie das Klima die Gesellschaft beeinflußt“ vom 5.7.1989) über die Klimageschichte Mitteleuropas. Dieser wunderbare Artikel sollte Pflichtlektüre für alle Klimahysteriker sein!
    Und noch mal zur Erinnerung: der deutschen Anteil an der globalen CO2-Freisetzung beträgt gegenwärtig 3 % - und kaum ein anderes Land der Welt nutzt Energie dermaßen effizient wie Deutschland. Der Rest der Welt will am deutschen Wesen aber nicht genesen – viele Länder werden in den nächsten Jahrzehnten ihre CO2-Emissionen dramatisch steigern. China, gegenwärtig größter CO2-Sünder, wird seine CO2-Emissionen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln, von 6 auf 12 Milliarden t; Indien verdreifachen, von 1.3 auf 5 Milliarden t. Und der jahrzehntelang größte CO2-Sünder USA wird seine gewaltigen CO2-Ausstoß bestenfalls minimal verringern –vielleicht von 5,7 auf 5 Milliarden t. Die ebenso teuren wie ineffizienten deutschen Spielereien mit Wind- und Sonnenenergie sind da – bestenfalls! - der vielzitierte Tropfen auf den heißen Stein!

  41. Michael Khan Antworten | Permalink

    Danke

    Es freut mich, dass wir solchen Unsinn wie "Die Kosten für die Vorsorge gegen den GAU werden nicht von den Kernkraftwerksbetreibern getragen" hier nicht werden lesen müssen.

    Es ist immer praktisch, irgendwelche Schlagworte verwenden zu koennen, vor denen alle Angst haben, ohne zu wissen, was sie bedeuten. Fast so praktisch, wie wenn man Behauptungen wie "alle Studien zum Thema ..." oder "Alle Umfragen beweisen doch ..." als Scheinbelege nutzen kann. Wissenschaft funktioniert anders, dort muss man sich an Fakten und Belege halten. Das ist ungleich schwieriger.

  42. Michael Khan Antworten | Permalink

    Realismus

    B. Lohmann schrieb: "Davon ab finde ich es seltsam, es als wirtschaftlich und politische Utopie zu bezeichnen, Strom woanders her zu beziehen. Was machen wir denn mit Gas, Öl und Uran seit Jahrzehnten? Warum soll das mit Strom aus dem Mittelmeerraum nicht funktionieren?"

    In meinem Zweig der Realität ist es so, dass man Öl und Kohle lagern kann, Uran sowieso und sogar, bedingt, Gas.

    Somit kann man Notreserven anlegen, die beim Ausfall von Lieferanten die Wirtschaft und das oeffentliche Leben zumindest für einen befristeten Zeitraum am Laufen halten. Vielleicht einige Wochen. Beispielsweise hat Deutschland eine strategische Notreserve an Erdoel angelegt, die 90 Tage reichen soll. Auch Privatleute oder Kommunen koennen sich ihre eigenen Reserven anlegen, wenn sie das wollen.

    Beim Strom geht das allerdings nicht. Das geht z.B. über Pumpspeicherkraftwerke vielleicht in begrenztem Umfang, beispielsweise um mit Nachtstrom Wasser in ein hochgelegenes Becken zu pumpen, das tagsüber wieder über eine Turbine abgelassen wird, um so den Spitzenlastbedarf zu decken.

    (Nebenbei bemerkt: So wird billiger franzoesischer Atomstrom zu Oekostrom umdeklariert, den deutsche Nutzer kaufen und stolz auf ihren Beitrag zur Nutzung regenerativer Energien sind)

    Es gibt aber keine Speicherverfahren, mit denen Strom in den Mengen, die eine Industriegesellschaft benoetigt, für Monate gespeichert werden kann. Es gibt noch nicht einmal eine Vorstellung, wie so etwas technisch realisiert werden koennte. Egal, wie oft hier nassforsch und ohne den geringsten Beleg behauptet wird: "Auch Speichertechniken sind dann längst serienreif.". It just ain't so.

    Gäbe es so etwas, wäre die ganze Sache mit der Grundlastversorgung gar kein Thema mehr. Dann würde man einfach Windstrom oder Solastrom speichern und irgendwann abrufen. Aber es ist eben nicht so.

    Aber weil es so etwas nicht gibt, und solange keine Vorstellung existiert, wie man das überhaupt physikalisch realisieren koennte, auch nicht geben wird, ist es eben NICHT dasselbe, ob man seinen Strom anderswo, weit weg, produzieren lässt oder ob man diese Kapazität dahein ansiedelt und speicherbare Brennstoffe importiert.

    Denn eine Nation, die große Mengen ihres Stroms aus entfernten, noch dazu politisch wenig verlässlichen Gegenden importiert, wobei dieser Strom dann auch noch über Fernleitungen durch andere Länder transportiert werden muss ... eine solche Nation setzt sich einem hohen Risiko aus.

    Stellt dieser Strom einen hohen Anteil der Verrsorgung sicher, dann steht die Wirtschaft im Falle eines Ausfalls sofort still.

    Die Behauptung, es sei dasselbe, Strom oder Rohstoffe zu importieren, ist zumindest hochgradig naiv. Ich weiß nicht, wie jemand auf so etwas kommen kann.

  43. Horst Trummler Antworten | Permalink

    Eine oekologische Predigt

    Der Autor zeigt sich als tiefgläubiger Ökologe. Die technische Wirklichkeit ist Ihm fremd.

    Naturwissenschaftlich gibt es keine "Erneuerbaren Energien". Bei einer weniger strengen Auslegung des Begriffs könnten am ehesten Kohle, Öl und Erdgas darunter fallen als sich deren Lagerstätten in geologischen Zeiträumen erneuern. Die Sonne ist ein Kernfusionsreaktor. Da erneuert sich nichts.

    Der Autor spricht vom verfeuern der letzten Uranreserven. In der Wirklichkeit haben sich die bekannten Uranreserven trotz Förderung vergrößert. Zu vertretbaren Kosten und ohne Änderungen der Reaktortechnologie kann man die umweltfreundliche Kernenergie noch ein paar 100 Jahre weiter nutzen. Beim Einsatz von Reaktorkonzepten mit einer hohen Brutrate kann die Kernenergie die Menschheit über Millionen Jahre hinweg preiswert und umweltfreundlich mit Energie versorgen.

    Gem. des Artikels erzeugen Atomkraftwerke teuren Strom. Gem. einer Analyse, s. Artikel "Renaissance der Kernenergie" unter www.oekoreligion.npage.de kostet der Strom eines umweltfreundlichen Kernkraftwerks etwa 2c/KWh. Der umweltschädliche Strom aus Solarzellen wird gegenwärtig mit 39c/KWh subventioniert, der aus Windmühlen mit 9,5c/KWh. Nicht berücksichtigt ist hierbei das die Stromerzeugung aus Sonne und Wind den Launen des Wetters geschuldet zwischen 0 und Nennleistung schwankt. Der Strom ist in einem modernen Netz wertlos. Gem. der Regeln der altmodischen Mathematik erscheint der Atomstrom eher preiswert zu sein.

    Asse ist technisch gesehen für den eingelagerten Leicht- und Mittelradioaktiven Müll bestens geeignet, im internationalen Vergleich mit anderen Lagern für Leicht- und Mittelradioaktiven Müll eher overdone, s. Artikel "Atommüll ein Problem" www.oekoreligion.npage.de Selbstverständlichkeiten wie das sich ein Salzstock plastisch verformt (Ökosprache einstürzt) und damit wie vorgesehen schliesst werden ökologisch skandalisiert.
    Vandale

  44. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Trummler: Unfug

    Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich diesen Unsinn überhaupt kommentieren soll, den Sie schreiben, weil es so offensichtlich falsch ist. Daher kurz und knapp:

    "Erneuerbare Energien" ist keine physikalische Formel, sondern eine Sprachwendung, bei der es nicht im geringsten um den Energieerhaltungssatz geht.

    Mit Wiederaufbereitung und Erschließung bislang unwirtschaftlicher Uranvorkommen und ohne Vergrößerung der heutigen AKW-Zahl reicht Uran noch eine Weile, wahrscheinlich sogar eine dreistellige Zahl Jahre, sicher keine Millionen, erst recht nicht mit heutiger Technik. Das würden nicht einmal Atomkonzerne behaupten. Aber wollen Sie jedem Diktator der Welt Nukleartechnik hinstellen?

    Der erste Computer kostete mehrere Hunderttausend Mark und konnte nicht besonders viel. So geht es jeder neuen Technologie in ihren Anfangsjahren, Erneuerbare Energien sind da keine Ausnahme. Wenn Sie sich die Prognosen der Energieunternehmen und Anlagenbauer anschauen, sehen Sie aber, dass Windkraft, Geothermie und selbst Photovoltaik 2020 die Produktionskosten des Durchschnittsstrommix erreicht haben sollen. Wasserkraft hat es längst.

    Ihr Kommentar zu Asse diskreditiert sich hinreichend selbst.

  45. Jan Gottwald Antworten | Permalink

    Endlagerung

    Hallo,

    der Artikel ist ja schon älter, aber zu dem Punkt Endlagerung muss ich hier was loswerden. Ich arbeite als Physiker schon seit einigen Jahren in der Endlagerforschung und kann nur sagen, dass dieses Problem ein technisch gelöstes ist. Einzig von Seiten der Politik wird hier immer wieder verzögert und kommen Einwände. Aber von der Machbarkeit ist das durchaus realisierbar. Siehe hierzu meinen Artikel "Endlagerung in Deutschland - wie funktioniert das" auf meinem Blog.

    Das große Problem aber mit dem auch ich immer wieder konfrontiert werde, ist in der Vergangenheit zu suchen. Die Asse ist hier das Stichwort, denn immer wieder kommt das Argument: aber bei der Asse ist es ja auch schiefgegangen. Bei der Asse haben uns die Wissenschaftler und Politiker verarscht. Was aber ist die Konsequenz? Die Problematik radioaktiver Abfall ist groß und erfordert eine Handhabung durch kompetente Wissenschaftler. Diesen aber wird misstraut. Eine echt beschissene Situation ist das.

    Ich für meinen Teil versuche, die Menschen aufzuklären. Daher existiert ja auch mein Blog. Und ich kann nur hoffen, dass irgendwann die Menschen soweit wieder Vertrauen haben und dann das Problem endlich angegangen werden kann. So lange aber von Seiten der Medien und der Politiker Ängste geschürt werden und keinerlei sachliche Information zu den Menschen durchdringt, wird das aber nix werden. Auch Sie scheinen nicht sonderlich von den Möglichkeiten der Endlagerung überzeugt zu sein.

    Eine Frage am Ende hätte ich noch an Sie Herr Lohmann: warum demonstriert eigentlich keiner vor dem Endlager in Herfa-Neurode oder den anderen drei Untertagedeponien? Dort wird Müll endgelagert der für immer gefährlich ist und dessen Volumen schon jetzt mehrere Mio Kubikmeter beträgt. Mir ist das ganz ehrlich ein Schleier und ich meine diese Frage absolut ernst: die grün denkenden Menschen schimpfen über die Kernkraft und haben damit dafür gesorgt, dass die Sicherheitsbestimmungen diesbezüglich die höchsten überhaupt sind, aber sie scheinen sich nicht dran zu stören, dass an vier Stellen in Deutschland Gift in den Boden gepumpt wird um dort für immer gelagert zu werden. Hier besteht dringender Informationsbedarf. Auch dazu habe ich unter den Titel "funktionierende Endlagerung" etwas geschrieben.

    Vielleicht mögen Sie mal lesen und vor allem: Ihre Meinung würde mich sehr interessieren. Denn vielleicht übersehe ich auch einfach ein wesentliches Detail. Was ja manchmal vorkommen kann wenn man zu lange in einer Richtung gearbeitet hat. Alleine deswegen lese ich ja auch gerne Ihren Blog. Ich bin zwar nicht immer Ihrer Meinung, aber bekomme auch mal Anregungen, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

    Ich wünsche auf alle Fälle ein schönes Wochenende und hoffe mit Ihnen auf eine sauberere Zukunft (der Grund warum ich in dieser Branche arbeite :-)).

    Jan

Einen Kommentar schreiben


× drei = 6