Energiewende muss die Menschen mitnehmen

1. Juli 2011 von Björn Lohmann in Energie

Windpark (Foto: berlin-pics/Pixelio) Eigentlich sind sich fast alle einig: Wir wollen hin zu so viel erneuerbaren Energien wie möglich. Bloß wenn es um konkrete Baumaßnahmen geht, dann werden Bürger plötzlich zu Gegnern – selbst mancher Öko läuft dann Sturm. Die Stadt Schöneck hat bei einem Windpark gezeigt, wie es auch anders geht.

Auf www.kommunal-erneuerbar.de sind zahlreiche Beispiele versammelt, wie Städte zur Energiewende beitragen können. Es gibt viele Tipps für Nachahmer und so manch wertvolle Information zur ökonomischen Relevanz für die Städte. Manche der Ideen sind nicht besonders originell, aber das müssen sie auch nicht, wenn sie dafür gut umgesetzt sind. Und für gute Umsetzung taugt so manches der Beispiele als Anregung – beispielsweise die „Kommune des Monats Mai 2011“, Schöneck.

Seit dem Frühjahr erzeugen dort zwei Windparks so viel Strom, wie die gesamte Gemeinde verbraucht. Zur Eröffnung kamen 2000 Bürger und feierten. Dabei war auch in Schöneck die Skepsis anfangs nicht kleiner als in manch anderer Gemeinde, wo Windräder gebaut werden sollen. Offenbar hat die Stadt einiges richtig gemacht. Sie hat nämlich von Anfang an den Bürger anschaulich gezeigt, was auf sie zu kommt. Schöneck hat Exkursionen zu Standorten vergleichbarer Anlagen organisiert – in meinen Augen eine ganz wesentliche Maßnahme. Ob mir ein Gutachter sagt, die Windräder sind nach x Metern nicht mehr zu hören und in Richtung Stadt gibt es keine Lichtblitze durch Reflexionen, oder ob ich das selbst vorab praktisch erfahren kann, ist ein enormer Unterschied.

Allen Kommunen, die etwas für ihre Klima- und Umweltfreundlichkeit tun möchten, lege ich hiermit das Portal nahe. Das Beispiel Schöneck ist in folgendem Video zusammengefasst:

Natürlich darf man dabei einen Aspekt nicht vergessen: Das Ganze kann nur funktionieren, wenn die Planung tatsächlich die Interessen der Anwohner – und der Naturschützer – berücksichtigt. Genauso wenig wie irgend ein anderes Gewerbe muss ein Windpark in einem Schutzgebiet stehen. Das gilt fürs Land wie fürs Wasser.

Planung der Standorte im Dialog mit Experten und Betroffenen muss die Grundregel sein. Und wenn ein guter Plan steht, muss man ihn allen Betroffenen kommunizieren, auch denen, die sich bei der Planung raus gehalten oder erst später davon erfahren haben. Dann steht die überwältigende Mehrheit hinter dem Projekt.

Dass am Ende der ein oder andere trotzdem klagt, gilt vermutlich für jedes größere Projekt in Deutschland. Auch in Schöneck war es so. Der Richter wies die Klage als in jedem Kritikpunkt sachlich unzutreffend zurück. Für mich klingt das sehr nach einem Kläger mit diffusen Ängsten, der die von der Stadt gebotenen Möglichkeiten nicht genutzt hat, diese auszuräumen.

Aber da sind wir bei einem alten Problem der Wissenschaft: Man kann niemanden zwingen sich zu informieren, und man kann auch niemanden zwingen, der einhelligen Meinung von Experten mehr zu glauben als eigenen Vorurteilen – das zeigen nicht zuletzt Beispiele wie Homöopathie und Klimawandel.

Foto: berlin-pics/Pixelio


19 Kommentare zu “Energiewende muss die Menschen mitnehmen”

  1. Mona Antworten | Permalink

    Studium-Erneuerbare-Energien

    "Planung der Standorte im Dialog mit Experten und Betroffenen muss die Grundregel sein."

    Leider fehlen uns in Deutschland z.T. die Experten für den Dialog. Viele Firmen, die Techniken für erneuerbare Energien herstellen, können sich vor Aufträgen zwar kaum mehr retten, aber es fehlen ihnen die Fachkräfte. Deshalb möchte ich hier einmal auf ein Informationsportal hinweisen, welches über das Studium im Bereich erneuerbare Energien informiert:
    http://www.studium-erneuerbare-energien.de/

  2. Michael Khan Antworten | Permalink

    Mitnehmen ist gut, Nachrechnen besser.

    Der Artikel liefert ebenso wie das gezeigte Video keine konkreten Informationen.

  3. Michael Khan Antworten | Permalink

    Neuer Versuch

    Kurze Nachrechnung: Laut den Grünen in Schöneck damit mir keiner vorwirft, ich würde nur die Industrie zitieren, generiert die dort installierte Anlage pro Jahr 39 GWh elektrischer Energie.

    Die Anlage umfasst laut obiger Quelle sieben Windgeneratoren vom Typ Enercon E82 mit einer installierten Augangsleistung von 2 MW. Die gesamte Anlage hat somit eine Nennleistung von 14 MW. Wenn sie im Jahr 39 GWh produziert, ist die im Mittel generierte elektrische Leistung nur etwa 32% der Nennleistung.

    Damit liefert jeder der Windgeneratoren mit seinen 82 Metern Rotordurchmesser und 138 Metern Nabenhöhe - also eine Gesamthöhe von rund 180 Metern - durchschnittlich eine eher bescheidene elektrische Ausgangsleistung von 636 kW - bei Windstille gar nichts, bei Starkwind ab 13 m/s 2 MW.

    Um ein großes Kernkraftwerk von 1200 MW elektrischer Leistung zu ersetzen, bräuchte man - gleich günstige Standorte vorausgesetzt - 1888 solcher Windräder. Ist der Standort weniger günstig oder beeinflussen sich die einzelnen Generatoren gegenseitig, bräuchte man mehr.

    Die Akzeptanz dürfte eindeutig eine Frage der Anzahl sein. Genau dort liegt die Crux.

  4. Michael Khan Antworten | Permalink

    Experten zuhauf

    Leider fehlen uns in Deutschland z.T. die Experten für den Dialog. Viele Firmen, die Techniken für erneuerbare Energien herstellen, können sich vor Aufträgen zwar kaum mehr retten, aber es fehlen ihnen die Fachkräfte.

    Keine Experten? Kann ich gar nicht nachvollziehen. Da sollte man vielleicht in Blogs nachfragen. Da tummeln sich ja offenbar die Experten.

    Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, einfach drauflos zu behaupten, ohne die Daten zu analysisren oder ohne sie überhaupt zu kennen. An Behauptungen und Meinungen es noch nie einen Mangel gegeben. Die wirkliche Situation und der Zustand der Branche ist anders. Siehe beispielsweise hier eine Analyse der Marktsituaion, ausgehend vom Hersteller Vestas.

    Das Problem ist demnach zumindest in der Windbranche nicht ein Mangel an Fachkräften, sondern an Profitabilität, der keineswegs nur auf das eine Unternehmen Vestas beschränkt ist.

  5. Mona Antworten | Permalink

    Vestas-Aktien

    Man doch nicht ein einziges Unternehmen als Beispiel nehmen. Firmen können auch falsch wirtschaften, obwohl sie das richtige Produkt haben. Da sollte man sich auch mal die Kurse der anderen Aktienunternehmen anschauen.

    Außerdem hat sich die Vestas-Aktie inzwischen sogar wieder leicht erholt, da das Unternehmen eine Partnerschaft mit einer französischen Firma eingehen will.
    Zudem möchte Japan nach seinem Kernkraftdebakel komplett auf regenerative Energien umsteigen und Vestas ist bereits in Japan vertreten und verkauft dort Windkraftanlagen.

  6. Mona Antworten | Permalink

    Wort vergessen

    Sorry, der erste Satz sollte natürlich heißen: Man kann doch nicht ein einziges Unternehmen als Beispiel nehmen.

  7. Michael Khan Antworten | Permalink


    Man doch nicht ein einziges Unternehmen als Beispiel nehmen.

    Das tut der von mir zitierte Artikel auch nicht. Lesen Sie ihn bitte. Er beschreibt, über die Situation des einzelnen Unternehmens hinaus, das Marktumfeld. Das ist viel aussagekräftiger als die Kursentwicklung.

    Irgendeinen Beleg für Ihre These, der Mangel an qualifizierten Fachkräften sei das Problem der Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, entnehme ich der Analyse nicht - worauf basiert Ihre Behauptung?

    Zudem möchte Japan nach seinem Kernkraftdebakel komplett auf regenerative Energien umsteigen [...]

    Woher stammt diese Information?

    Soweit mir bekannt, will Japan den weiteren Ausbau der Kernenergie vorerst auf Eis legen und dafür die Nutzung erneuerbarer Energien ausbauen.

    Das ist auch bitter nötig, denn selbst in so einfach zu realisierenden Anwendungen wie der Brauchwassererwärmung in Eigenheimen ist die Nutzung von Solarthermie in Japan fast unbekannt - mir vollkommen unverständlich.

    Wie auch immer, das Problem von Vestas, und auch anderen, ist nicht, dass sie ihren Aufträgen nicht nachkommen könnten, weil ihnen die Leute fehlen - wobei ich erst einmal nicht sehe, was denn an Windkraftwerken so anders sein soll als an anderen Maschinen, sondern dass sie mit ihren Aufträgen keinen Profit machen, weil die Gewinnspanne zu gering ist.

    Was nun die Akzeptanz von Windkraftanlagen angeht, so bezweifele ich stark, dass dies ein Problem mangelnden Dialogs ist oder das mit verbessertem Dialog die Akzeptanz des zu erwartenden massiven Ausbaus deutlich verbessert werden kann. Immerhin reden wir mindestens von einer ganzen Größenordnung mehr Windenergie als heute.

    Der jährliche Stromverbrauch in Deutschland liegt bei über 600 TWh. Auf der einen Seite sind durch Vermeidung von Verschwendung Einsparungen realisierbar. Auf der anderen Seite ist damit zu rechnen, dass es eher mehr als weniger Anwendungen geben wird, die elektrischen Strom benötigen, insbesondere:

    1.) Elektrische Fahrzeuge - heute noch sehr selten, was sich aber ändern wird
    2.) Brennstoffproduktion durch Elektrolyse und Methanproduktion, mit denen fossile Brennstoffe ersetzt werden.

    Ich halte es für wahrscheinlich, dass dadurch etwaige Einsparungen mehr als aufgezehrt werden, was ja erst einmal gar nicht nachteilig ist ... es bedeutet nur, dass man entsprechende Stromproduktionskapazität aufbauen muss.

    Es bedeutet aber auch, dass sich das Verbrauchsprofil von heute - viel Verbrauch tags mit hohen Lastspitzen zu definierten Tageszeiten und tiefes Verbrauchstal nachts - ausgleichen wird.

    Pro 100 TWh jährlich bräuchte man 18000 der Windgeneratoren wie in Schöeck. Aber nur, wenn man jedes der Kraftwerke so günstig positionieren kann. So viele exponierte Hügel gibt es aber auch nicht, also braucht man mehr.

    100 TWh sind auch nur etwa 15% des j'áhrlichen Stromverbrauchs, wenn man wirklich Kernenergie und fossile Träger ersetzen will, muss deutlich höhere produktionskapazität her. Also redet man vielleicht von Stückzahlen im sechsstelligen Bereich.

    Wir sind hier langsam am Punkt, an dem wir schon bei der Diskussion über Wellenkraftwerke waren: Solange sich alles vage im Ungefähren bewegt, klingt es noch plausibel und machbar, aber sobald man das ganze hinterfragt oder gar nachrechnet, bricht alles zusammen.

    Ich denke, man wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass der Weg der Offshore-Windparks unvermeidlich ist. Die sind nicht dezentral und haben eine Menge anderer Nachteile, aber das ist in der Realität nun mal so, annders als in der warmen, weichen Welt blumiger Vorstellungen.

  8. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Kahn

    Sie werfen mir an anderer Stelle vor: "Man kann natürlich so diskutieren, dass man eben schnell googelt und das gefundene dem gegenüber vor die Füße wirft. Aber muss man?"

    Fast habe ich den Eindruck, Sie haben eben auch mal schnell gegoogelt um ein schwächelndes Unternehmen zu finden, welches Windanlagen herstellt. Wie ich schon oben schrieb, kann man mit jeder Firma baden gehen, das hängt nicht unbedingt vom Produkt ab. Kann schon sein, " dass sie mit ihren Aufträgen keinen Profit machen, weil die Gewinnspanne zu gering ist." Eine genaue Analyse dazu müssen Fachleute abgeben, das kann ich so nicht beurteilen. Auch schrieb ich an keiner Stelle, dass Fachkräftemangel an der Miesere DIESES Unternehmens Schuld sei. Fakt ist, dass die Branche der erneuerbaren Energien als Wachstumsbranche gilt und momentan Fachkräfte sucht. Kürzlich fand eine Messe in Gelsenkirchen statt, auf der hieß es: " Bereits über 370.000 Menschen verdankten 2010 ihren Arbeitsplatz der Erzeugung von Strom, Wärme oder Treibstoffen aus erneuerbaren Quellen. Bis 2030 soll die Zahl auf über 700.000 Jobs in der Branche ansteigen."

    Siehe Flyer: http://euv-ffo.talentpool.de/...cfdde460cb88a8c787

    Die Schule meines Sohnes schickt die Jugendlichen immer wieder auf verschiedene Ausbildungsmessen und da werden Studien -oder Ausbildungsplätze im Bereich der Erneuerbaren stark beworben. Besonders groß sei der Bedarf an Ingenieuren, hieß es.

    Zu Japan: Dass Japan auf regenerative Energien umsteigen will, stand in verschiedenen Zeitungen. Ministerpräsident Naoto Kan sagte dazu im Mai auf einer Pressekonferenz, dass Japan seine langfristige Energiepolitik nach dem verheerenden Erdbeben vor zwei Monaten und seinen dramatischen Folgen für das Atomkraftwerk Fukushima-Daichii vollständig neu überdenken müsse. Ursprüngliche Pläne für einen weiteren Ausbau der Atomenergie werde die Regierung nicht weiter verfolgen. Momentan jedenfalls muss der Konzern Tepco Treibstoff für die Stromproduktion zukaufen, was nur mit massiver Staatshilfe möglich ist.

    Siehe auch: http://www.spiegel.de/...les/0,1518,761796,00.html

    Sie schreiben: "Ich denke, man wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass der Weg der Offshore-Windparks unvermeidlich ist. Die sind nicht dezentral und haben eine Menge anderer Nachteile, aber das ist in der Realität nun mal so, annders als in der warmen, weichen Welt blumiger Vorstellungen."
    Herr Kahn, zwar gibt es in meiner " warmen, weichen Welt blumiger Vorstellungen" auch noch Solarzellen auf dem Dach (haben Sie die Sonnenenergie vergessen?) und Wasserkraftwerke. Aber dass die Energiewende andere Nachteile bringt, wie Sie schreiben, ist unbestritten. Die Menschen in Deutschland haben sich nach Fukushima nun mal gegen Kernenergie entschieden und auch wenn Sie das nicht gut finden, so sollte Ihnen zumindest der soziale Friede etwas wert sein.

  9. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Verspargelte Welt

    Das Argument ist sicher richtig, dass man die Energiewende nicht allein mit Windparks an Land bewältigen kann. Und natürlich sollte man aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auch endlos erneuerbare Energien dort abgreifen, wo es sich am meisten lohnt (Wind an der Küste oder in der Höhe; Sonne im Süden etc.).

    Aber ein Einfamilienhaus kann heute schon seinen Jahresstrombedarf mittels Photovoltaik erzeugen (Energie für eine Wärmepumpe mit eingerechnet). Das würde sich schon heute ohne jede Einspeisevergütugn rechnen, wenn denn die Energie dann erzeugt würde, wenn sie gebraucht wird. Und letzteres ist ein mittelfristig lösbares Problem. Elegant fände ich zum Beispiel ein Wasserstoffnetz, in das per Solarenergie erzeugter überschüssiger Strom Wasserstoff erzeugt und einspeist und der bei Bedarf aus dem Netz geholt werden kann, um eine Brennstoffzelle anzutreiben. Im Ruhrgebiet gibt es meines Wissens sogar schon eine (industrielle) Wasserstoffinfrastruktur, oder sie ist im Aufbau.

    Langer Rede kurzer Sinn: Man muss natürlich das Machbare sehen, aber bitte mit den Augen einer wohlhabenden Erfindernation. Und dann ist man trotzdem wieder an dem Punkt, an dem man die Maßnahmen den Betroffenen erklären muss, damit sie sie mittragen (und darum ging es mir mit dem Beitrag im Wesentlichen).

  10. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Zu Vestas. Ich habe mittlerweile bereits zwei Mal gesagt, dass es in der von mir zitierten Analyse keineswegs allein um das Unternehmen Vestas ging. Lesen Sie doch einfach mal den verlinkten Artikel. Oder lesen Sie ihn nicht, ganz nach Belieben. Dann wäre es allerdings besser, keine Behauptungen darüber anzustellen, worum es dort angeblich geht. Fairerweise.

    Die Zahl der Beschäftigten in der "Branche der erneuerbaren Energien" immer neue Rekordstände erreicht, wundert mich nicht. Erstens ist diese Bezeichnung so weit gefasst und die Formulierung so vage, dass jeder Klempner, der eine Sonnenkollektoren auf dem Dach montiert, dazu gerechnet werden kann.

    Und ja, es ist eine Wachstumsbranche, nicht zuletzt dank üppig sprudelnder direkter und indirekter Subventionen, Einspeisevergütungen und steuerlichen Vergünstigungen. Daran allein möchte ich gar nichts aussetzen. Nur ist diese Tatsache auch nicht unbedingt etwas Besonderes, vor allem sagt sie noch nichts über die Sinnhaftigkeit der Branche aus.

    Würde man in etwas anderes investieren -beispielsweise in neue Baureihen von Kernkraftwerken - dann wäre das halt die Wachstumsbranche. Würden Sie das auch begrüßen, nur weil es Arbeitsplätze sind?

    Zu Japan: Ihre Aussage war ...

    Zudem möchte Japan nach seinem Kernkraftdebakel komplett auf regenerative Energien umsteigen

    Dass dies so sei, ist mir micht bekannt und ich habe es auch nirgends gelesen.

    Lesen Sie nicht mal die Links, die Sie selbst nennen? Sie zitieren den Spiegel:

    http://www.spiegel.de/...les/0,1518,761796,00.html

    Da steht allerdings gleich im ersten Absatz:

    Der Plan, den Anteil der Atomenergie von bisher rund 30 Prozent auf 50 Prozent bis 2030 aufzustocken, werde aufgegeben, sagte Premierminister Naoto Kan. Die Energiepolitik werde von Grund auf überarbeitet. Das Land werde künftig mehr Gewicht auf erneuerbare Energien legen.

    Falls Sie nicht wahrhaben wollen, dass Ihre Behauptung unzutreffend war, auch gut.

    Zu Wasserkraftwerken: In Deutschland ist deren Potenzial weitgehend ausgeschöpft. Ein gewisses Wachstum wird man noch bei Pumpspeicherkraftwerken haben. Da regt sich aber erheblicher Widerstand in der Bevölkerung, ob nn berechtigt oder nicht. Pumpspeicherwerke zählen eigentlich sowieso nicht in der Statistik der Stromerzeugung, denn sie speichern ja nur Strom, der anders generiert wurde, beispielsweise nuklear. So kommt Pumpspeicherwerken eine gewisse Bedeutung zu - nachts wird mit billigem Atomstrom aus Frankreich Wasser hochgepumpt, tags treibt selbiges Wasser eine Turbine an und wird damit sauberer Ökostrom. Sehr schlau, das!

    In Flächenstaaten mit großen Flüssen durch gebirgige Regionen (d.h., nicht in Japan) gibt es ein erhebliches Potenzial, siehe Brasilien, die Türkei und insbesondere China. Aber auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm, die sozialen Folgen auch, und ebenso das Gefährdungspotenzial. Letzteres übersteigt möglicherweise das der Kernenergie um ein Vielfaches. Gerade bei der großtechnischen Nutzung der Wassserkraft streifen die vorgeblich so harmlosen und umweltfreundlichen EE am offenkundigsten ihre Maske ab. Nur will das hier kaum jemand wahrhaben.

    Was die Photovoltaik angeht, scheint
    deren es mit deren selbst theoretisch möglichem Potenzial in Deutschland nicht weit her zu sein. Markus Pössel hat einen Artikel zu einem Buch geschrieben, in dem alle möglichen Abschätzungen vorgenommen werden (schon gut, das werden Sie wieder nicht lesen wollen). Daraus entnimmt man, dass selbst mit einer gewaltigen Kollektorfläche von 128 x 128 km nicht einmal ein Viertel des deutschen Energieverbrauchs gedeckt würde.

    Vielleicht möchten Sie das nicht wahrhaben. Man kann diese Zahlen aber auch nicht einfach wegwischen.

    Zum Thema sozialer Friede: Wie "die Menschen" sich entschieden haben weiß wohl keiner. Mich hat zumindest keiner gefragt. Wurden Sie gefragt? Mein Eindruck ist eher, dass da von oben herab etwas über's Knie gebrochen wurde, nur mit Blick auf die kurzfristigen Wahlergebnisse. Ob das alles so hinhaut oder nicht, war da zweitrangig. Der soziale Frieden hängt in großem Maße davon ab, ob wir wirtschaftlich den Anschluss behalten. Ohne sichere, zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung werden wir das nicht.

    Dann wäre es sehr schnell vorbei mit dem sozialen Frieden, warten Sie es mal ab. Meinen Sie vielleicht, wenn die schöne Seifenblase platzt und die wirtschaftlichen Folgen dieses mit heißer Nadel gestrickten sozialen und wirtschaftlichen Experiments spürbar werden, dann wird einer sagen: "naja, aber wir haben das ja alle so gewollt?" Das denke ich aber nicht, warten Sie's mal ab.

  11. Mona Antworten | Permalink

    Antworten @Michael Kahn

    "Zu Vestas. Ich habe mittlerweile bereits zwei Mal gesagt, dass es in der von mir zitierten Analyse keineswegs allein um das Unternehmen Vestas ging. Lesen Sie doch einfach mal den verlinkten Artikel."

    Dem Artikel entnehme ich nichts weltbewegendes, auch ist er schon etwas alt. Wer sich mit Börsenkursen befasst, weiß, das sich diese jeden Tag ändern können. Da am Wochenende die Kurse nicht aktualisiert werden, hier ein "Analyse-Flash" von gestern:
    http://www.finanznachrichten.de/...-kronen-016.htm

    "Die Zahl der Beschäftigten in der "Branche der erneuerbaren Energien" immer neue Rekordstände erreicht, wundert mich nicht. Erstens ist diese Bezeichnung so weit gefasst und die Formulierung so vage, dass jeder Klempner, der eine Sonnenkollektoren auf dem Dach montiert, dazu gerechnet werden kann."

    Ja, da gehören sicher auch "Klempner" dazu, denn auch das einfache Volk muss arbeiten um zu leben.

    "Und ja, es ist eine Wachstumsbranche, nicht zuletzt dank üppig sprudelnder direkter und indirekter Subventionen, Einspeisevergütungen und steuerlichen Vergünstigungen. Daran allein möchte ich gar nichts aussetzen. Nur ist diese Tatsache auch nicht unbedingt etwas Besonderes, vor allem sagt sie noch nichts über die Sinnhaftigkeit der Branche aus."

    Was verstehen Sie unter "Sinnhaftigkeit" einer Branche?

    "Würde man in etwas anderes investieren -beispielsweise in neue Baureihen von Kernkraftwerken - dann wäre das halt die Wachstumsbranche. Würden Sie das auch begrüßen, nur weil es Arbeitsplätze sind."

    Ich persönlich würde mich darüber natürlich nicht so freuen.

    Zum Spiegelartikel: "Der Plan, den Anteil der Atomenergie von bisher rund 30 Prozent auf 50 Prozent bis 2030 aufzustocken, werde aufgegeben, sagte Premierminister Naoto Kan. Die Energiepolitik werde von Grund auf überarbeitet. Das Land werde künftig mehr Gewicht auf erneuerbare Energien legen."

    Ich sehe jetzt nicht, dass ich komplett falsch liege, auch weiß man ja nicht, ob Japan seine alten Kernkraftwerke auf Dauer behält.

    "Zu Wasserkraftwerken: In Deutschland ist deren Potenzial weitgehend ausgeschöpft. Ein gewisses Wachstum wird man noch bei Pumpspeicherkraftwerken haben. Da regt sich aber erheblicher Widerstand in der Bevölkerung, ob nn berechtigt oder nicht. Pumpspeicherwerke zählen eigentlich sowieso nicht in der Statistik der Stromerzeugung, denn sie speichern ja nur Strom, der anders generiert wurde, beispielsweise nuklear. So kommt Pumpspeicherwerken eine gewisse Bedeutung zu - nachts wird mit billigem Atomstrom aus Frankreich Wasser hochgepumpt, tags treibt selbiges Wasser eine Turbine an und wird damit sauberer Ökostrom. Sehr schlau, das!."

    Ich kenne jetzt nicht alle Stellen in Deutschland, die dafür geeignet wären, aber an der Donau (wo ich lebe) gibt es jede Menge Wasserkraftwerke:

    http://de.wikipedia.org/...kraftwerke_an_der_Donau

    Pumpspeicherwerke finde ich auch nicht unbedingt umweltfreundlich, aber wie ich in meinem letzten Kommentar schon schrieb, muss man hier Zugeständnisse machen, denn irgendwoher muss der Strom ja kommen.

    "In Flächenstaaten mit großen Flüssen durch gebirgige Regionen (d.h., nicht in Japan) gibt es ein erhebliches Potenzial, siehe Brasilien, die Türkei und insbesondere China. Aber auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind enorm, die sozialen Folgen auch, und ebenso das Gefährdungspotenzial. Letzteres übersteigt möglicherweise das der Kernenergie um ein Vielfaches. Gerade bei der großtechnischen Nutzung der Wassserkraft streifen die vorgeblich so harmlosen und umweltfreundlichen EE am offenkundigsten ihre Maske ab. Nur will das hier kaum jemand wahrhaben."

    Über Großprojekte, wie den "Drei-Schluchten-Damm in China" sind wir uns einig. Aber ich bezweifle, dass der in China aus Umweltschutzgründen gebaut wurde. Projekte die eine so starke Zerstörung der Umwelt mit sich bringen, können gar nicht umweltfreundlich sein. China braucht Strom für sein enormes Wirtschaftswachtum und Nachhaltigkeit ist dort noch nicht angekommen.

    "Was die Photovoltaik angeht, scheint
    deren es mit deren selbst theoretisch möglichem Potenzial in Deutschland nicht weit her zu sein. Markus Pössel hat einen Artikel zu einem Buch geschrieben, in dem alle möglichen Abschätzungen vorgenommen werden (schon gut, das werden Sie wieder nicht lesen wollen). Daraus entnimmt man, dass selbst mit einer gewaltigen Kollektorfläche von 128 x 128 km nicht einmal ein Viertel des deutschen Energieverbrauchs gedeckt würde."

    Photovoltaik kann natürlich nicht die einzige Energiequelle in Deutschland sein, darüber brauchen wir gar nicht zu reden.

    " Zum Thema sozialer Friede: Wie "die Menschen" sich entschieden haben weiß wohl keiner. Mich hat zumindest keiner gefragt. Wurden Sie gefragt? Mein Eindruck ist eher, dass da von oben herab etwas über's Knie gebrochen wurde, nur mit Blick auf die kurzfristigen Wahlergebnisse. Ob das alles so hinhaut oder nicht, war da zweitrangig. Der soziale Frieden hängt in großem Maße davon ab, ob wir wirtschaftlich den Anschluss behalten. Ohne sichere, zuverlässige, bezahlbare Energieversorgung werden wir das nicht. "

    Natürlich hat man hier auf die Wahlergebnisse geschielt, man wollte ja wiedergewählt werden, also hat man dem Druck der Straße nachgegeben. Auch mich hat keiner gefragt, aber ich bin ja auch nicht gegen einen Atomausstieg. Im Gegensatz zur Antiatomkraftbewegung haben die Befürworter keine Bürgerinitiativen gegründet oder haben Volksentscheide und Bürgerbegehren gestartet. Warum nicht?

    "Dann wäre es sehr schnell vorbei mit dem sozialen Frieden, warten Sie es mal ab. Meinen Sie vielleicht, wenn die schöne Seifenblase platzt und die wirtschaftlichen Folgen dieses mit heißer Nadel gestrickten sozialen und wirtschaftlichen Experiments spürbar werden, dann wird einer sagen: "naja, aber wir haben das ja alle so gewollt?" Das denke ich aber nicht, warten Sie's mal ab."

    Sehe ich nicht so. Auch die Österreicher sind aus der Atomkraft ausgestiegen und die sind noch immer recht entspannt.

  12. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona: Abschließend

    Wer den von mir verlinkten Artikel gelesen hat, in dem das Marktumfeld von Herstellern von Windgeneratoren gelesen hat, der weiß, dass es dort nicht um den aktueellen Börsenkurs eines Unternehmens gilt. Ich nehme an, Sie wissen das auch.

    Die Branche hat kein Problem mit dem qualifizierten Person,m wie Sie belegfrei behaupten. Die haben das Problem, aufgrund der wachsenden Konkurrenz, vor allem aus dem Ausland, keine Gewinnmarge zu erwirtschaften. Mit steigendem Umsatz wird das Problem nicht etwa gelöst, sondern verschlimmert. Das Problem hat nicht nur Vestas, sondern auch Konkurrenten wie Nordex (in dem Artikel namentlich erwähnt) und auch Enercon. Selbst von den aktuellen Entwicklungen konnte keines dieser Unternehmen profitieren.

    Ihre Behauptung, Japan wolle komplett auf erneuerbare Energien umstellen, ist frei erfunden. Es gibt keinen Hinweis, das es so ist.

    Was soll das, einfach Nachrichten zu erfinden?

    Zu den immer wieder genannten Zahlen über die angeblich geschaffenen Arbeitsplätze: Wenn man viele Milliarden in eine Branche buttert und dan auch noch jeden dazurechnet, dessen Arbeit irgendwie miit der Branche zu tun hat, dann kommt man natürlich vordergründig auf einen hohen Beschäftigungseffekt. Aber die Zahlen sagen gar nichts aus, denn diesen Effekt würde man erzielen, egal in welche Branche man das Geld buttert. Hauptsache, man buttert (und rechnet schön. Würde man in die Kernenergie oder die Rüstung investieren, hätte man halt da einen Beschäftigungseffekt. Na und?

    Zu Österreich: Sie meinen, die seien aus der Kernenergie ausgestiegen? Na, da sollten Sie aber etwas gründlicher recherchieren: Laut der sicher nicht nuklearfreiundlichen oekonews.at musste der österreichische Wirtschaftsminister auf eine Anfrage hin zugeben, dass Österreichrund doppelt so viel "Atomstrom" importiert, wie sein Kernkraftwerk Zwentendorf, wäre es in Betrieb gegangen, bis produziert hätte. Sieht so ein "Atomausstieg" aus? Dann wäre er technisch in der Tat zu schaffen, vorausgesetzt, dass es im Ausland genügend Kapazität gibt, um Deutschland mitzuversorgen.

    Zur Photovoltaik: Wenn man einfach mal nachrechnet - das kann übrigens jeder nicht nur ich - dann sieht man schnell, dass die Photovoltaik, die Sie übrigens ind die Diskussion eingebracht haben, einfach nicht das Potenzial hat, um einen nennenswerten Beitrag zur Grundlastversorgung in der deutschen Energieversorgung zu schaffen. Warum nun gerade hier Subvenbtionen fließen, ist mir unvesrständlich. Jeder dort investierte Euro wäre besser und effizienter in die Solarthermie zur Brauchwassererwärmung investiert. Das hat wohl ehger etwas mit der Bedienung einer Lobby als mit wirtschaftlicher Vernunft zu tun. Sollte man vorgehabt haben, eine konkurrenzfähige deutsche Photovoltaikindustrie aufzubauen, dann ging das in die Hose. Mittlerweile übersteigen die Importe nach Deutschland die Exporte um mehr als das Doppelte.

    Wenn man einen Umstieg zu EE schaffen will, muss man sich aber der Frage der Grundlastsicherung stellen. Was bleibt dann noch außer Windkraft und Biomasse (plus dem offenbar nicht mehr ausbaufähigen Sockel an wasserkraft)?

    Zum Thema "Druck von der Straße": Ich sehe die Aufgabe von Politik schon etwas anders, als nur auf kurzfristige Wahlerfolge zu schielen. Erfolgreiche, nachhaltige Strategien entwickelt man so nicht. Auch die Energiepolitik eines Landes kann nicht in Bürgerinitiativen entwickelt werden. Das sehe ich als Aufgabe von Expertenkommissionen.

    Zum Drei-Schluchten-Projekt, das Sie offensichtlich auch kritisch sehen: Leider weigert man sich unter den EE-Befürwortern, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass, wenn man auf EE umsteigen will. Diese groß sein müssen. Denn schließlich sollen sie ja Industrienationen zum erheblichen Anteil versorgen. Die großtechnische Umsetzung von EE ist aber nun einmal im Endeffekt die Schaffung riesiger Staudammprojekte (Drei-Schluchten, Atatürk, Itaipú, Assuan etc.) und gewaltiger Monokulturen von Energiepflanzen. Sonst kriegt man die erforderlichen Mengen nicht hin. Von der Illusion des "klein und niedlich" sollte man sich da verabschieden.

    Ich weiß, es ist ein wunder Punkt und es ist nicht schön, zuzugeben, dass Großtechnik nun einmal Großtechnik ist, und dass immer große Risiken und Nachteile damit verbunden sind. Aber das ist nun einmal so, und das muss man den Leuten auch so vermitteln. Es bringt nie etwas, vor den Problemen die Augen zu verschließen.

  13. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Kahn

    "Wer den von mir verlinkten Artikel gelesen hat, in dem das Marktumfeld von Herstellern von Windgeneratoren gelesen hat, der weiß, dass es dort nicht um den aktueellen Börsenkurs eines Unternehmens gilt. Ich nehme an, Sie wissen das auch."

    Ja, ich will da ehrlich gesagt keine weiteren Spekulationen anstellen. Herr Grüter z.B. schreibt auf seinem Blog: "In Deutschland lässt sich mit vielen Arten der Energieerzeugung gutes Geld verdienen. Auf dem Markt für Windkraftanlagen hat die Firma Enercon (3,4 Milliarden Euro Umsatz) ...".
    "Was soll das, einfach Nachrichten zu erfinden?"

    Ich habe nichts erfunden, sondern mich falsch ausgedrückt, das gebe ich zu. Japan legt seine Pläne für den weiteren Ausbau der KKWs auf Eis, was bedeutet, sie werden die Stromlücke mit dem Ausbau der Erneuerbaren füllen.

    "Wenn man viele Milliarden in eine Branche buttert und dan auch noch jeden dazurechnet, dessen Arbeit irgendwie miit der Branche zu tun hat, dann kommt man natürlich vordergründig auf einen hohen Beschäftigungseffekt. Na und?"

    Na gut, die Regierung meinte, da müsse eine Anschubfinanzierung her.

    Zu Österreich: "Sie meinen, die seien aus der Kernenergie ausgestiegen? Na, da sollten Sie aber etwas gründlicher recherchieren: Laut der sicher nicht nuklearfreiundlichen oekonews.at musste der österreichische Wirtschaftsminister auf eine Anfrage hin zugeben, dass Österreichrund doppelt so viel "Atomstrom" importiert...".

    Das ist mir schon bekannt! Ich wohne ja nur ein paar Kilometer zur Grenze von Österreich entfernt und wir ziehen unsere Bekannten von dort oft damit auf, dass es kein echter Ausstieg sei. Aber Österreich hofft, dieses Problem bis zum Jahr 2015 zu lösen.

    http://diepresse.com/...ink=/home/politik/index.do

    "Zum Thema "Druck von der Straße": Ich sehe die Aufgabe von Politik schon etwas anders, als nur auf kurzfristige Wahlerfolge zu schielen. Erfolgreiche, nachhaltige Strategien entwickelt man so nicht. Auch die Energiepolitik eines Landes kann nicht in Bürgerinitiativen entwickelt werden. Das sehe ich als Aufgabe von Expertenkommissionen."

    Da haben Sie meine volle Zustimmung! Allerdings braucht die Regierung im Zweifelsfall mal schon einen Anschub von der Straße, denn sonst würde die Politik nur mehr von Lobbyisten gemacht.

  14. Michael Khan Antworten | Permalink

    Gute Vorbilder nehmen Menschen mit

    Ich meine, um wirklich eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewährleisten, auch angesichts des unvermeidlichen massiven Ausbaus der Windkraftanlagen und der Stromnetze, muss mit offene Karten gespielt werden.

    Es sollte klar gesagt werden: "Wenn ein gewisser Prozentsatz an erneuerbaren Energien an der Stromversorgung erzielt werden soll, brauchen wir diese Anzahl von Windkraftanlagen, und die sollen dort und dort gebaut werden. Wir brauchen ferner jene Menge an Wald- und Ackerflächen für den Energiepflanzenanbau, in den Gebieten X und Y."

    Diese Information muss schon von staatlicher Seite kommen und nicht aus Studien stammen, die von Interessengruppen in Auftrag gegeben wurden. Schließlich ist es am Ende eine staatliche Aufgabe.

    Ferner sollte klar benannt werden, welche Investitionstätigkeit wo geplant ist. Ohne einen solchen Plan kann man wohl kaum beschließen, eine Volkswirtschaft binnen weniger Jahre umzukrempeln.

    Mit konkreten Informationen dieser Art könnte man etwas anfangen. Es gibt sicher noch nicht wenige Bürger, die meinen, es reiche, außerhalb jeder Stadt eine Handvoll Windräder aufzustellen. Wenn sie schwarz auf weiß haben, was erforderlich ist und am Ende auch das realisiert wird, würde das durchaus akzeptanzfördernd wirken.

    Ob die aktuelle, reichlich planlos wirkende Subvenbtionspolitik, hier am Beispiel der Photovoltaik, dagegen konsens- und akzeptanzfördernd ist, wage ich zu bezweifeln. Die Leute merken letzten Endes eben doch, was Sinn macht und was nicht.

  15. Armin Quentmeier Antworten | Permalink

    Maßlos überschätzte Windkraft

    Zitat aus dem Beitrag von Herrn Lohmann: „Seit dem Frühjahr erzeugen dort zwei Windparks so viel Strom, wie die gesamte Gemeinde verbraucht“
    Ein paar Zahlen – wie viele Windkraftwerke gehören zu den zwei Windparks (gut, das gab es wenigstens im Video), wie hoch sind die Windräder, wie hoch ist die installierte Leistung, wie viel kWh werden pro Jahr erzeugt, wie sieht die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes aus – und was macht die Gemeinde bei Windstille?! – hätten nicht geschadet!
    Leider wird die Bedeutung der Windkraft in unserem Land maßlos überschätzt. Wo wird denn berichtet, wie viele Windräder notwendig sind, um ein einziges Kohle- oder Kernkraftwerk zu ersetzen? Auch der gewaltige Aufwand, die geringe und völlig unsichere Stromerzeugung durch die Windkraft wird in den (nicht nur energiepolitisch) nahezu gleichgeschalteten Massenmedien fast nicht erwähnt – und natürlich erst recht nicht die immensen Kosten der Windkraft-Subventionierung.
    Die deutschlandweite Bilanz für die Windenergie ist doch trostlos: mehr Windräder bedeuten nicht automatisch mehr Strom! Im Jahre 2009 wurden in unserem Land 952 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1.917 MW neu aufgestellt und trotzdem ging der Anteil der Windkraft an der gesamten Stromerzeugung von 6,6 auf 6,3 % zurück. 2010 kamen noch einmal viele hundert Windmühlen mit einer Leistung von 1500 MW dazu, aber der Anteil des Windstroms sank noch einmal, auf jetzt 6,0%. Trotz einer installierten Gesamtleistung von 27000 MW Windstrom (aus über 22.000 Windmühlen!) leisten alle Windkraftwerke zusammen an machen Tagen nicht einmal 1000 MW!
    Die Leistung aller Pumpspeicherkraftwerke beträgt nur 7000 MW, aber nur in solchen Anlagen kann Strom in größeren Mengen als kurzfristig verfügbare Wasserkraft gespeichert werden. Diese Speicher sind aber nach wenigen Stunden erschöpft. Strom muß genau dann erzeugt werden, wenn er benötigt wird. Eine Grundlast von 40000 MW muß 24 Stunden am Tag bereitstehen. 45 % der Grundlast wurden über viele Jahre sehr zuverlässig durch Kernkraft erzeugt und fast 50 % durch Braunkohle – dazu trägt die Windkraft fast nichts bei. Nur dank Kohle- und Kernkraftwerken gibt eine sichere Stromversorgung! Alles andere ist Wunschdenken der Windkraft-Lobby.
    PS. Leider ist es nicht möglich, hier Bilder einzufügen, um einen Eindruck von der flächendeckenden Verschandelung der deutschen Nordseeküste durch tausende Windkraftwerke zu geben! Unser Landschaftsbild wird flächendeckend ruiniert für einen lächerlich geringen Beitrag zur Stromversorgung!

  16. Nadine Antworten | Permalink

    Richtiger Weg

    Ich rege mich schon länger darüber auf, dass die Menschen grünen Strom haben wollen, aber nicht bereit sind etwas dafür zu tun, bzw. sich im Fall von neuen Windparks etwas einzuschränken. Eigentlich möchte man alles, aber bitteschön günstig und ohne, dass ich mich irgendwie bewegen muss. Ich finde das Beispiel Schöneck wirklich gut. Die Menschen müssen das live erlebt haben, sonst kann man sich den Mudn fusselig reden und keinen interessierts.

  17. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    Verschandelung der Landschaft

    Ein bisschen spät, aber trotzdem noch eine Frage in den Raum, speziell an Armin Quentmeier: Finden Sie Windräder wirklich so unästhetisch? Ich kann das persönlich wirklich nicht nachvollziehen. Wollen Sie dann auch alle Mobilfunkmasten, Fernsehsender und Wintersportlifte abreißen? Ebenso wie sämtliche Überlandleitungen und überhaupt die Stromtrassen? Am besten noch Straßen und Schienen komplett unter die Erde verlegen? Tut mir Leid, aber Ästhetik erscheint mir in diesem Zusammenhang wahlweise als Pseudo- oder irrationales Argument.

  18. Vatima Kapinzki Antworten | Permalink

    Weitere Herausforderungen

    Schöner Artikel, schön über das erfolgreiche Beispiel zu lesen. Ich denke, in Schöneck ist man genau den richtigen Weg gegangen, indem die Menschen vor Ort von Anfang an mit einbezogen und gut informiert wurden.

    Das ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass wir zu einem Gesamtkonzept für nachhaltige Stadtentwicklung kommen müssen, was große Änderungen mit sich bringen wird. Welche Aspekte das umfasst, hat Siemens hier schön zusammengefasst: http://www.siemens.de/...ge-stadtentwicklung.html. Die Menschen müssen an die Hand genommen werden und Schritt für Schritt an neue Verkehrskonzepte, neue Energieversorgungslösungen u.a. herangeführt werden. Ich denke, so ist es langfristig möglich, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass nachhaltige Stadtentwicklung direkt mit Lebensqualität zusammenhängt.

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