Klimaschutzziele erreichbar – falls die Politik stimmt

18. Oktober 2008 von Björn Lohmann in Energie

Hände halten Weltkugel (Foto: S. Hofschlaeger/Pixelio)

Deutschland kann sein Ziel erreichen, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern und den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis dahin auf 30 Prozent auszubauen. Das belegt die Leitstudie des Bundesumweltministeriums. Voraussetzung ist, dass die Laufzeit der Atomkraftwerke nicht verlängert wird, und dass maximal ein Drittel der geplanten fossilen Großkraftwerke mit Kohle befeuert werden.

Dass die Leitstudie eine weitere Bestätigung dafür ist, dass wir unseren Teil zum Klimaschutz erfolgreich leisten können, ist zwar beruhigend, aber wesentlicher sind die enthaltenen Informationen, wie das gelingen oder eben auch scheitern kann. Denn nur, wenn in manchen Bereichen sowohl die Anstrengungen verstärkt als auch die Anreize erhöht werden, bleibt das Ziel erreichbar.

  • Vor allem die Wärmeeffizienz von Wohngebäuden muss weiter steigen, und hierbei sollte der Staat für Mietwohnungen und Nicht-Wohngebäude mehr Anreize schaffen – die beispielsweise bei Altbauten durchaus auch in Form gesetzlicher Verpflichtungen daher kommen können.
  • Die Kraft-Wärme-Koppelung muss massiv ausgebaut werden, um Einzelheizungen durch eine netzgebundene Wärmeversorgung zu ersetzen.
  • Beim Verkehr muss zusätzliches Aufkommen vermieden und bestehendes auf ökologischere Wege verlagert werden, da sonst Gewinne durch höhere Effizienz in der Gesamtbilanz verpuffen.

Für Umweltschützer nicht überraschend, aber immer wieder gerne angezweifelt sind auch zwei weitere Ergebnisse:

  • Eine Fortführung der Atomenergie muss die Klimaziele scheitern lassen, dadurch entweder zu wenig erneuerbare Energien ausgebaut werden, oder zu viele fossile Großkraftwerke mit zu hohem CO2-Ausstoß betrieben werden.
  • CO2-Abscheidung hin oder her: Wenn jetzt zu viele Kohlekraftwerke neu gebaut werden, pusten die so viel zusätzliches CO2 in die Luft, dass im besten Fall statt 40 nur 25 Prozent bis 2020 verringert werden können. Und die nächsten zehn Jahre sind die, die maßgeblich darüber entscheiden, ob wir den Klimawandel noch beherrschen können. Die Hamburger CDU und Vattenfall hat das in Moorburg schon mal nicht interessiert.

 

Foto: S. Hofschlaeger/Pixelio


7 Kommentare zu “Klimaschutzziele erreichbar – falls die Politik stimmt”

  1. Horst Trummler Antworten | Permalink

    Seltsame Argumentation

    Die Energieeffizienz der Gebaeude muss weiter steigen.... Die Gebaeude sind in D ohnehin ueberisoliert. Sinnvollerweise sollte es eine Balance zwischen dem Aufwand zur Erzielung der Einsparung und der Einsparung selber geben. Der Preis ist ein guter Indikator hierfuer. Wenn man nicht die oekologischen Energiepreise Deutschlands beruecksichtigt sondern die Internationalen kann man zum Schluss kommen das die Gebaeude in D ueberisoliert sind.

    Weitere Punkte wie Begrenzung des Verkehrs - Auto nur mehr fuer Oekobonzen - und dergleichen zeigen die Absicht des Autors eine Verarmung der Bevoelkerung anzustreben.

    Kernkraftwerke, die umweltfreundlichste Energiequelle die D zur Verfuegung steht, abzuschalten um damit weniger CO2 Emissionen zu erreichen ist eine sehr seltsame Argumentation die nur ein Oekologe* nachvollziehen kann.

    Vandale
    *Oekologie ist eine destruktive Endzeitkatastrophenreligion (Atomkatastrophe, Waldsterben, Klimakatastrophe)

  2. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Horst Tummler

    Die Vorschriften für Neubauten sind gut, aber es gibt eine riesige Masse Altbauten, deren Isolierung dringend verbessert werden muss. Für den Otto-Normal-Bürger mag da sogar das größte Energiesparpotential überhaupt liegen.

    Autos müssen kein Luxusgut sein - gerade wenn die Treibstoffkosten aufgrund neuer Antriebe sinken, ist Carsharing sehr attraktiv. Zudem müssen die öffentlichen Verkehrsmittel natürlich ausgebaut werden und für jeden bezahlbar sein.

    Das Atomkraftthema ist komplexer als Sie es darstellen. Es muss in den nächsten Jahren ein großer Teil der Kraftwerkskapazitäten erneuert werden. Laufen AKWs länger, beginnt die Investition in erneuerbare Energien später - zu spät.

    Mit Polemik und Scheuklappen löst man keine ernsten Problem, auch wenn das leider immer wieder Menschen glauben möchten.

  3. Horst Trummler Antworten | Permalink

    Hi Herr Lohmann

    Die grossen Kernkraftwerke haben eine technisch/wirtschaftliche Lebensdauer von 60 - 70 Jahren. Es gibt es in den kommenden Jahrzehnten keinen realen Grund diese zu erneuern. Wenn man es von der wirtschaftlichen Sicht betrachtet koennen diese, da lediglich die Betriebskosten anfallen, gem. diverser Quellen Strom zu 0,9c - 2c liefern. Wenn man dies von der Umweltseite betrachtet,wenn man z.B. CO2 fuer relevant betrachtet, ist der Bauaufwand bereits erbracht, der Abbruch faellt ohnehin irgendwann an und so ein Kraftwerk kann mit einem Minimum an Emissionen betrieben werden und ist damit allen Alternativen ueberlegen.
    Es ist sehr schwer zu den Alternativenergien reale Zahlen zu finden. Meist faellt beim sorgfaeltigen lesen diverser Quellen auf das bewusst Bruttostromerzeugung und Nettostromerzeugung vermischt wurden, oder Peak und Durchschnittleistung vermengt werden. Solarkraftwerken in der Wueste Lebensdauern beigemessen werden die mir als Ingenieur unrealistisch erscheinen muessen. Bei Wind die Nennleistung als Masstab genommen wird. Vollkommen unterschlagen wird das Windstrom so wie er derzeit in die Netze eingespeist wird kaum nutzbar ist. Bekannte die in Alternativen Energien gearbeitet haben lassen hinter vorgehaltener Hand wissen das der real erzielbare Wirkungsgrad ihrer Solarzellen weit hinter den Laborergebnissen (Veroeffentlichungen) liegt oder ein Geologe das ein geothermisches Kraftwerk in Bayern soviel Strom aus dem Netz fuer seine Pumpen benoetigt als es an Oekostrom zu hohen Preisen ins Netz speist.
    Ein sorgfaeltiges Betrachten der Realitaeten fuehrt zu dem Schluss das es Erstens in diesem Bereich ein wenig Ehrlichkeit bedarf und Zweitens derzeit fuer eine grosstechnische Nutzung nicht geeignet sind. Ob sich dies in 50 oder 100 Jahren aendert ist eine Spekulation ueber die man allenfalls philosophieren kann.

  4. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Horst Trummler: Kraftwerkebedarf

    Die Angaben über den Erneuerungsbedarf stammen von den Kraftwerksbetreibern bzw. aus deren Investitionsplanung. Ob die Erneuerung notwendig ist, müssen Sie daher mit den Stromkonzernen diskutieren - die scheinen jedenfalls dieser Meinung zu sein. Dass diese Erneuerung über einen Mix aus Gaskraftwerken mit KWK und erneuerbaren Energien erfolgen kann, zeigen seriöse Studien und Szenarioentwicklungen diverser Wirtschaftsinstitute. Insofern kann ich Ihre Meinung nicht teilen.

  5. Horst Trummler Antworten | Permalink

    Zurueck ins Mittelalter

    Dann sollten Sie das Konzept eherlicherweise ..Zurueck ins Mittelalter.. taufen. Zwischen energieintensiven Branchen und Stromerzeugern wird ueber 1/100 c gesprochen. Auf der anderen Seite sind all die u.g. genannten Energieerzeugungsverfahren um ein Vielfaches teurer als Kohle und Kernenergie. Ein erheblicher Teil der Industrie hat unter diesen Bedingungen keine Chance in D.
    Die Verbraucher bezahlen Energie nicht nur direkt ueber den Strompreis sondern auch ueber U-Bahnkarten, Solarium uvm. Das ist bedeuted dann eine Verarmung der Bevoelkerung.

    Vandale

  6. Alexander Biersack Antworten | Permalink

    Der Preis der Energie - mehr Hungernde

    Ich stimme Herrn Horst Trummler zu. Wir zahlen aber nicht nur im Solarium die höheren Energiepreise, auch beim Essen. Schon heute werden 20 mio Hektar von 120 mio in Deutschland für "Öko"-Energie verwendet. Das sind fast 20% unserer Fläche für weniger als 5% unserer Primärenergie. Das sind Agrarflächen auf denen keine Nahrung mehr hergestellt wird.

    Während Nestle und Mars aus Imagegründen von Palmöl weg wollen und Ersatzstoffe suchen, um die Regenwälder zu schonen, importiert die EU jetzt stattdessen Biodiesel aus Palmöl.

    Die AKW-Gegner haben schon heute viele Tote über die Luftverschmutzung zu verantworten, jetzt wollen sie die Biodiversität opfern.

  7. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Biersack: Vermischung

    Sie bringen da zwei Dinge durcheinander: Biomassekraftwerke sind ein kleiner Teil des regenerativen Strommix. Es gibt genügend Pflanzen, die auf Flächen wachsen, die für die Nahrungsgewinnung ungeeignet sind. Jatropha ist das beste Beispiel, es gewinnt sogar verödete Böden für die Landwirtschaft zurück. Richtig ist natürlich, dass in den USA und auch in Europa Lebensmittelpflanzen als Bioenergie genutzt werden. Bloß: Das muss nicht so sein und wird von Umweltschützern, die Erneuerbare Energien fordern, auch abgelehnt. Sie können wunderbar aus biologischen Abfällen Energie gewinnen (denken Sie nur daran, wie viel von einer Körnermaispflanze bislang nicht genutzt wird, oder wie viele Bioabfälle täglich in Haushalten entstehen). Die Zukunft gehört zudem eh dem Konzept der Bioraffinerie, in der Pflanzen und biologische Reststoffe komplett genutzt werden, von Nahrung und Futtermittel über Kunststoffe bis Bioenergie.

    Und was die Kosten betrifft: Energie hat nun einmal ihren Preis, und der ist bislang oft subventioniert. Wer viel Energie verbraucht, muss die Kosten akzeptieren und an seine Kunden weitergeben. Und wenn denen das zu teuer ist, müssen sie es eben nicht kaufen oder den Produzenten dazu drängen, effizientere und somit sparsamere Lösungen zu finden. Wenn ein Porsche mehr Sprit schluckt als ein Golf, ist die Situation doch die gleiche: Entweder Sie weichen auf das energiesparendere Produkt aus, Sie akzeptieren die Mehrkosten, oder Sie drängen den Hersteller, effizientere Fahrzeuge zu bauen.

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