Klimawandel erfordert neue Bündnisse

3. Juni 2010 von Björn Lohmann in Umweltschutz

Greening the Economy Logo (Foto: Böll-Stiftung)

Eine flammende Rede mit US-amerikanischem Hintergrund und ein Interessenkonflikt der Arbeitnehmerverbände beschäftigte das erste Panel am Samstag morgen auf der Great-Transformation-Konferenz. Doch trotz einzelner Differenzen hinsichtlich mancher Schritte auf dem Weg, herrschte Einigkeit: Aus der White- und Blue-Collar-Arbeitswelt muss eine Green-Collar-Arbeitswelt werden.

Es war eine Rede, von der sich deutsche Politiker und Interessenvertreter etwas abgucken könnten: Jerôme Ringo von der Apollo Alliance verströmte Optimismus, gewürzt mit einer kräftigen Prise Pathos. Allein 2005 sei seine Heimatstadt fünf Mal vor Hurrikanen evakuiert worden. Die USA hätten eine Lektion aus Catrina lernen müssen. Entsprechend sei die heutige Ölpest eindeutig die Verantwortung von Bush, doch die Gelegenheit für Obama. 1969 haben die Amerikaner Menschen auf den Mond gebracht, dann müsse es 2010 wohl möglich sein, die Herausforderungen einer CO2-freien Wirtschaft zu meistern – in weltweiten Kooperationen.

Und dann sagte er noch etwas Wichtiges: „You are cool, because you care, because you believe.“ Darin stecken zwei Kernpunkte unseres heutigen Dilemmas: An den Klimawandel glaubt nur, wer die Wissenschaft dahinter versteht (was relativ Wenige sind), oder wer ihn bereits spürt und als solchen erkennt. Abgesehen von einigen Toten durch Wetterextreme merkt man eben noch nicht viel in den Industriestaaten, auch wenn die Entwicklungsländer längst reale Problem haben. Und da liegt der zweite Kernpunkt: Wir handeln also nur, wenn uns diese anderen Menschen mit ihren Problem wichtig sind, oder zumindest unsere Kinder und Enkel. Tatsächlich fällt mir kein Klimaskeptiker ein, der sozial engagiert ist. Ringos Schlusssatz ist mehr als ein flotter Spruch.

Konkrete Konflikte zwischen den, die glauben, aber nicht nur Klimainteressen vertreten, diskutierten der Grüne Cem Özdemir und DGB-Präsident Michael Sommer. Denn Arbeit und die große Transformation sind zwangsläufig eng verbunden. Sommer wies darauf hin, dass die aktuelle Krise nach OECD-Schätzungen bereits 35 Millionen Arbeitsplätze gekostet habe sowie Milliarden Euro, die bei Investitionen in Bereiche wie Bildung fehlen. Ohne gut ausgebildete Leute gingen jedoch Jobs verloren, wenn alte Industrien abgebaut und neue nur wachsen können, wenn sie qualifiziertes Personal vorfinden. Der DGB fordere deshalb schon lange qualitatives Wachstum. Ein Beispiel dafür sei die energetische Gebäudesanierung, die sowohl Forschung und Entwicklung beschäftigt als auch kleine, mittlere und große Unternehmen. Und dann sagte das, was manchen Teilnehmern in der ein oder anderen Diskussion gefehlt hat: Wir müssen viel konkreter über die anstehenden Fragen reden.

Eine solche sprach Özdemir direkt an: Wie reagieren die Gewerkschaften, wenn neue Industrien zwar Arbeitsplätze schaffen, in den alten Industrien aber zwangsläufig auch Jobs kosten? Für Sommer ein Problem, denn auch wenn die Gewerkschaften hinter dem Wandel stehen, so seien beispielsweise fast 100 Prozent aller Kohlearbeiter gewerkschaftlich organisiert, jedoch nur rund zehn Prozent in den erneuerbaren Energien – und zuerst sei eine Gewerkschaft nun mal ihren Mitgliedern verpflichten und dann erst anderen Arbeitnehmern. Trotzdem könnten Gewerkschaften aufgrund ihres Organisationsgrades ein guter Verbündeter sein, um Widerstände gegen politischen Rückschritt zu organisieren. Der DGB habe gerade Beschlüsse zu Umwelt und Energie gefasst, die vor zehn Jahren noch unmöglich gewesen wären. Wie „grün-blaue“ Bündnisse möglich würden, erklärte Ringo: Man müsse nicht immer auf die Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten schauen. Wir alle brauchen Wasser, Luft und Arbeit.

Jetzt stehen noch zwei Sitzungen auf meiner Liste, deren Kernthesen ich hier vorstellen werde. Danach geht es daran, diese Flut an Statements und Thesen zu diskutieren und das ein oder andere Highlight noch einmal separat zu betrachten.


2 Kommentare zu “Klimawandel erfordert neue Bündnisse”

  1. Horst Trummler Antworten | Permalink

    Eine etwas andere Uebersetzung

    You are cool, because you care, because you believe.“ wuerde ich eher dahingehend uebersetzen "Sie sind gut, weil Sie sich engagieren, weil Sie Glauben".

    Der Glaube ist definitiv entscheidend.
    Es bedarf sicherlich eines festen Glaubens um dem "Klimawandel" etwas abzugewinnen. Die Begruendung desselben ist ziemlich duenn, duenner als beispielsweise die Oeko Weltuntergangskatastrophen, Waldsterben, Ozonloch, oder Rohstoffmangel.

    Die "Beweise" beruhen auf optimierten Zahlen, oder ungeeigneten Methoden wie der beruehmte Hockeyschlaeger.

    Insgesamt ist der Klimawandel offensichtlich eine Angelegenheit des festen Glaubens. Die Oekologie ist, obwohl man die Naturwissenschaften bemueht, eher eine Art Theologie.

    Vandale

  2. Björn Lohmann Antworten | Permalink

    @Trummler: Klimawandel ist Fakt

    Der Klimawandel ist eine wissenschaftlich dokumentierte Tatsache, einschließlich des vom Menschen verursachten Anteils und dessen Folgen. Unsicher ist, wie stark der Wandel schon in den nächsten 90 Jahren ausfällt - gerade noch beherrschbar oder katastrophal (letzteres wird durch unser zögerliches Handeln immer wahrscheinlicher). Daran gibt es in der Gemeinschaft aller fachlich relevanten Wissenschaftler keinen Zweifel. Es steht Ihnen natürlich frei, auf ein paar bezahlte Lobbyisten hereinzufallen oder sich für klüger als Tausende Wissenschaftler zu halten. Und falls es Sie beruhigt: Unbequemes zu leugnen, liegt in der menschlichen Natur. Manche ignorieren die Wissenschaft und leugnen den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS oder die Schädlichkeit des Rauchens, andere die Existenz des Holocausts, wieder andere Evolution und Klimawandel. Sie müssen sich also nicht dafür schämen.

Einen Kommentar schreiben


zwei + = 5