2%, aber trotzdem beeindruckend! Partielle Mondfinsternis 2013

26. April 2013 von Kevin Gräff in Sonnensystem

 

Es ist ein schönes Gefühl, wenn man bemerkt, dass das Wetter kurz vor einem astronomischen Ereignis immer noch nicht schlechter wird und sich die Vorbereitung, mental sowie materiell, zu lohnen scheint.  Bei dieser  partiellen Mondfinsternis vom 25.4.2013 hat einfach so ziemlich alles gut funktioniert, was ich mir vorgenommen hatte.  Es war nicht so wie bei dem Venustransit 2012, für den ich extra früh morgens das Auto beladen habe und trotz dichter Bewölkung und Nieselregen zu einem besonders geeigneten Beobachtungsplatz gefahren bin. Die Hoffnung auf ein plötzliches Aufklaren, oder zumindest eine Wolkenlücke am richtigen Ort stirbt zuletzt. Doch nach langem Warten stellte sich schließlich heraus, dass alles umsonst war.

 

Mondfinsternis 25.4.2013 Mondaufgang Odenwald

Aber als ich vom Dachboden aus diesen Anblick genießen durfte, wusste ich, dass das Wetter diesem astronomischen Ereignis gewogen war. Ein seltener Fall hier in Deutschland, aber wenn das Wetter dann mal passt, dann freut man sich um so mehr.

Die rote Farbe auf dem oben stehenden Bild wird nicht durch die Finsternis hervorgerufen, sondern durch die dichte Atmosphäre. Diese filtert alle kurzen Wellenlängen des Lichtes weitestgehend heraus, sodass nur noch rötliches Licht beim Beobachter ankommt. Je weiter das Licht durch die Atmosphäre wandern muss, desto stärker ist der Effekt. Bei horizontnahen Objekten ist der Weg durch die Atmosphäre besonders lang.  Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Mond allerdings schon seit einigen Minuten im Halbschatten der Erde, sodass die Helligkeit um einige, noch nicht merkbare Prozent herabgesetzt wird.

 

Als der Mond dann langsam an Höhe gewann, verließ ich meinen Beobachtungsplatz auf dem Dach und baute das Teleskop im Garten auf. Währenddessen fotografierte ich mehrere Bilder des Mondes mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Dabei nutzte ich eine Canon Eos 350 D mit einem 55 - 200 mm Objektiv mit 200 mm Brennweite.

Auf dem folgenden Bild kombinierte ich ein lang belichtetes Bild, welches grob die Helligkeitsverteilung des Mondlichts im Dunst zeigt und ein wesentlich kürzer belichtetes der Mondscheibe.

Dadurch wird die zentrale Überbelichtung des ersten Bildes eliminiert.

Mondfinsternis 25.4.2013 Komposit

Man bemerkt bei genauem Betrachten, dass die Helligkeit des „Hofes um den Mond“ links oben minimal dunkler ist. Dort wird der Mond schon weniger stark von der Sonne angestrahlt. Natürlich ist auch auf der Mondscheibe eine deutliche Abdunkelung links oben durch den Halbschatten zu sehen.

 

Als das Teleskop dann fertig aufgebaut war, nahm ich dann folgendes Bild des Finsternismaximums um 22:07 Uhr Ortszeit (MESZ) auf.  Zu diesem Zeitpunkt wurde gerade einmal 2% des für uns sichtbaren Mondbereiches vom Kernschatten bedeckt. Ich benutzte wieder die Spiegelreflexkamera, die nun am Teleskop eine Brennweite von etwa 1000 mm hat.

 

Mondfinsternis 25.4.2013 Maximum 2%

Deutlich ist nun der Kernschatten der Erde am oberen linken Mondrand zu erkennen, der den betroffenen Bereich fast völlig abdunkelt. Von dort aus würde man hauptsächlich rötliches Erdlicht wahrnehmen, welches durch die Atmosphärenschichten der Erde so eingefärbt wurde. Bei größeren Mondfinsternissen ist dies als rötlicher Schein von der Erde aus wahrzunehmen, da der Mond das durch die Atmosphäre der Erde tretende Licht wieder zurückreflektiert.

Im Bereich des Halbschattens der Erde ist also eine partielle und im Kernschatten eine totale Sonnenfinsternis auf dem Mond wahrnehmbar. Dabei ist die Erdkugel dann mit einem roten Atmosphärenring umgeben.

 

In Windeseile wechselte ich nun die Kamera, um einige Detailaufnahmen des verfinsterten Bereiches aufzunehmen. Ich verwendete hierfür meine neue monochrome DMK 21AU618.AS von „The Imaging Source“ mit einem vorgeschalteten Infrarotpassfilter, um die Luftunruhe nahezu auszuschalten.

Ich filmte den Bereich mit 60 Bildern pro Sekunde ca. 17 Sekunden lang, um so zu ca. 1000 Bildern zu kommen. Diese überlagerte ich mit Autostakkert und bearbeitete sie leicht mit Fitswork.

 Mondfinsternis 25.4.2013 Maximum 2% Detail 2

Hier fällt besonders deutlich auf, wie der Mondrand im Dunkeln versinkt. Unter „normalen“ Umständen ist der Mondrand an der Tag-Nacht-Grenze fast messerscharf gezogen und  Krater sowie Berge stechen deutlich hervor. Hier verschwinden sie eher in mattem Dunkel.

Das liegt daran, dass das Sonnenlicht bei Vollmond (und das ist hier eben der Fall) genau senkrecht auf die Mondoberfläche fällt. Dadurch werfen Unebenheiten auf der Mondoberfläche keine Schatten und der Kontrast nimmt drastisch ab. Durch den Halbschatten und den Übergang zum Kernschatten der Erde wird das Licht langsam zum Mondrand hin ausgedünnt. Das ist also ein ganz anderes Phänomen, als bei den Mondphasen, bei denen das Sonnenlicht unter schrägem Winkel auftrifft. Dadurch entstehen dann Schatten und scharfe Kanten.

Mondfinsternis 25.4.2013 Kernschattenaustritt

Auf diesem Bilderkomposit wird dargestellt, wie der Mond den Kernschatten der Erde verlässt. Die Verdunklung auf dem rechten Bild wird also nur noch durch den Halbschatten der Erde hervorgerufen.

 

Mondfinsternis 25.4.2013 Ende Halbschatten

Und hier hat der ganze Spuk schon fast sein Ende gefunden. Der Mond ist  schon so weit aus dem dunklen Teil des Halbschattens heraus gewandert, dass er  fast wieder „normal“ erscheint.

 

Wie immer gilt bei allen Bildern: Volle Auflösung durch draufklicken ;-)

 

Ein weiterer kurzer Artikel zu dem Thema findet sich hier: klick!

 

Zwar musste ich am nächsten Morgen schon wieder um 5:30 Uhr aufstehen, aber das bisschen Müdigkeit war mir dieses wunderbare Ereignis dann doch Wert.

 


Ein Kommentar zu “2%, aber trotzdem beeindruckend! Partielle Mondfinsternis 2013”

  1. Michael Khan Antworten | Permalink

    Großartige Fotos

    Die Zoomaufnahme mit dem Mare Frigoris und Plato gefällt mir besonders gut.

    Dass das Wetter so lange durchgehalten hat, hat mich auch gewundert. Der Wetterumschwung kündigte sich zwar in der Nacht schon an, es war aber aber bis zum Morgen klar. Üblicherweise kippt das Wetter ja spätestens dann, wenn man gerade das Auto mit der Ausrüstung vollgeladen hat.

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