Mond und Jupiter bei ungemütlichem Wetter

1. Dezember 2012 von Kevin Gräff in Sonnensystem

Jetzt gibt's auch endlich mal wieder was von mir zu hören, nachdem es in der letzten Zeit nicht so viele Beobachtungsmöglichkeiten bei mir gab. Aber gestern hat dann doch alles gepasst: Ich hatte Zeit und das Wetter war einigermaßen gut, nur ungemütlich war's... Der Grund dafür war zum einen die Temperatur von ca. -4,5°C und die hohe Luftfeuchtigkeit, die dann langsam ausfiel und sich als gefrorener Tau überall absetzte. Ich musste mehrmals eine dünne Eisschicht von den Okularen entfernen, um diese überhaupt nutzen zu können. Auch der Laptop konnte irgendwie nicht so arbeiten, wie ich es von ihm gewohnt war. Der Akku ist einfach nicht für solche Temperaturen gebaut, sodass ich ihn einfach ans Netz anschließen musste. Der Bildschirm ist mir übrigens auch mehrmals vereist...

Auch auf dem Inneren des Tubuses kristallisierte der Tau aus:

Gefrohrener Tubus

Ehrlich gesagt wundert es mich, dass der Hauptspiegel nicht auch noch von einer dicken Eisschicht überzogen wurde... Da hatte ich wohl auch ein bisschen Glück.

 

Aber genug Drama, hier kommen nun die Ergebnisse der Beobachtungsnacht:

 

Zunächst richtete ich das Teleskop auf Jupiter. Visuell war er ziemlich gut zu beobachten, da es kaum oder nur sehr wenig Luftunruhe gab. Man konnte den "Großen Roten Fleck" am westlichen Rand des Jupiters aufgehen sehen. Er erschien als ein blasser Fleck auf dem südlichen äquatorialen Wolkenband.

Ich entschied mich dann das gute Seeing zu nutzen und mal wieder die Webcam an's Teleskop zu hängen. Dafür verlängerte ich die Brennweite mithilfe einer 5x Barlowlinse auf 5m. Aus ca. 250 Bildern nutzte dich dann mittels Autostakkert die besten 30% und überlagerte sie. Nach etwas Nachbearbeitung mittels Fitswork und Adobe Photoshop Elements kam ich dann zu folgendem Ergebnis:

 

Jupiter 30.11.2012

Er könnte wohl noch ein bisschen mehr Helligkeit und Kontrast vertragen, aber für 5 m Brennweite bin ich doch ganz zufrieden. (Je größer die Brennweite wird, desto dunkler wird das Gesamtbild.)

 

Danach war der Mond dran. Ich ließ die 5x Barlowlinse im Teleskop und verwendete ein 25 mm Okular, um den Mond visuell zu erkunden. Normalerweise ist er in der aktuellen, noch fast voll beleuchteten Mondphase viel zu hell, um ihn ohne Filter mit dem Teleskop bequem beobachten zu können, ohne dass die Augen schmerzen. Durch die Barlowlinse wurde dieses Problem aber schnell und ohne Aufwand behoben.

Mir fiel am Ostrand des Mondes sofort ein großer Krater auf, dessen Zentralberg einen nicht zu übersehenden Schatten auf den Kraterrand warf, sodass dieser wie in zwei Teile zerschnitten erschien. Es handelte sich bei dem Krater um Petavius, der einen Durchmesser von ca. 188 km hat. der Zentralberg hat eine Höhe von rund 1,7 km.

Ich schloss also die Webcam wieder an das Teleskop an und filmte los. Das Ergebnis ist ein Bild, dass sich aus 30 % von ca. 400 Bildern zusammensetzt und auch wieder mit den Programmen wie oben bearbeitet wurde.

 

Mond Krater Petavius 30.11.2012

Auffällig war vor allem der "Strahl" in der Nähe des Zentralberges, der in Südwestrichtung zeigt (auf dem Bild nach rechts oben). Hierbei handelt es sich um den Rand von Rimae Petavius, ein Grabensystem, das entstand, nachdem sich der Krater kurz nach seinem Entstehen mit Lava gefüllt hatte. Als diese erkaltete, zog sich das Material zusammen und es bildeten sich Grabenbrüche.

 

Bei dem kleineren Krater nordwestlich handelt es sich um Wrottesley. Er hat einen Durchmesser von ca. 57 km.

 

CS und bis zum nächsten Mal!

 


31 Kommentare zu “Mond und Jupiter bei ungemütlichem Wetter”

  1. Michael Khan Antworten | Permalink

    Auch ich war draußen ...

    ... fand es aber nicht so kalt. Das lag wahrscheinlih an der niedrigeren Luftfeuchtigkeit als bei euch. Hier ist eine Gesamtaufnahme vom Mond. Man sieht auch hier Petavius, etwa in der Drei-Uhr-Position. Deine Aufnahme von Petavius und Wrottesley, in der hohen Auflösung, ist fantastisch!

    Ich weise übrigens auch hier nochmal auf den Aufruf der ESA hin, sein bestes Bild des Jahres einzusenden.

  2. Michael Khan Antworten | Permalink

    Der Vollständigkeit halber

    Hier auch meine Aufnahme vom Jupitersystem. Es ist eine Kompositaufnahme mit einem einigermaßen richtig belichteten Jupiter eingefügt in ein Bild, auf dem Jupiter komplett überbelichtet ist und dafür die galileischen Monde sichtbar sind. Bei Brennweite 420 mm kann man keine Auflösungswunder erwarten, dafür passte wenigstens das ganze System problemlos ns Bild. :-)

    Von links unten nach rechts oben: Io, Jupiter, Europa, Ganymed und Callisto.

  3. Hans Antworten | Permalink

    Hm... also irgendwie finde ich diese Aufnahme vom Jupiter bei so einem grossen Teleskop ja etwas enttäuschend. Ich führe das jetzt mal auf die Webcam zurück, die in Sachen Auflösung wahrscheinlich nicht mit einer modernen digitalen Spiegelreflexcamera mithalten kann. Und natürlich auch auf meine rudimentäre Ahnung in Sachen Astrofotografie.

  4. Theres Antworten | Permalink

    Beeindruckend!

    Die Bilder, diese Details und besonders das Durchhaltevermögen ... bisher sind mir die Teleskope noch nie vereist. Ich habe seit vier Wochen nur Wolken ... oder zu viele Termine am Tag.

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Hans

    Ich fürchte, Sie hegen da etwas zu hohe Erwartungen an die Abbildungsqualität bei astronomischen Aufnahmen. Außerdem ist das von Kevin verwendete Teleskop nicht so sehr groß. Auf die 5 Meter Brennweite kommt er durch Verwendung einer Barlowlinse, d.h., einer Art Lupe, die den Kernbereich des Sichtfeldes vergröß, hier um einen Faktor 5.

    Das ist ist viel Holz, ich habe auch eine solche Lise, aber nur mit einem Vergrößerungsfaktor von 2.5, aus gutem Grund: Man sieht zwar alles um diesen Faktor vergrößert, aber auch, wie Kevin schreibt, um den selben Faktor verdunkelt. Wenn man dann nicht auch einen großen Teleskopdurchmesser hat, wird das Bild sehr blass und die Belichtungszeiten sehr lang, mit allen Konsequenzen.

    Was Sie hier sehen, ist schon das Resultat von Hunderten von Einzelaufnahmen, aus denen die besten ausgewählt und mit einer Software überlagert wurden, um das rauschen herauszurechnen. Dann hat Kevin das Ergebnis noch nachbearbeitet.

    Ich denke mal, er hat da herausgeholt, was herauszuholen war. Ich finde die Bilder jedenfalls gut. Bei den besseren, schärferen oder brillianteren Bildern, die man im Web findet, war mit Sicherheit eine deutlich größere Apertur im Spiel (bei gleicher Brennweite schickt ein Teleskop mit doppeltem Durchmesser vier Mal so viel Licht durchs Okular) sowie eine spezielle CCD-Kamera für astronomische Aufnahmen.

    Eben NICHT eine Spiegelreflexkamera, bei der sie gerade diese Ansteuerung durch den Computer nicht machen könnten. CCD-Astronomiekameras sind wie teleskope selbst: Hochgradig spezialisiert und beliebig teuer. Ich fürchte, Sie wären noch enttäuschter, wenn Sie die Einzelaufnahmen sähen, auch solche, die man bestenfalls mit einer DSLR erzielen kann.

  6. Kevin Gräff Antworten | Permalink

    Hi,

    also erstmal an Michael: Das sind sehr schöne Aufnahmen, die du da gemacht hast! Ich finde es etwas schade, dass ich den Mond mit meiner derzeitigen Ausrüstung nicht voll auf ein Bild bekommen kann... Es fehlen dann immer ziemlich viele Ecken. Desshalb müsste ich mit der Mosaiktechnik arbeiten, und das ist sehr aufwendig.
    So eine übereinandergelegte Jupiter/Jupitermond-Aufnahme könnte ich auch mal probieren. Das Jupitersystem erscheint ja dann fast so, wie man es im Teleskop visuell wahrnehmen kann. Toll!!

    @Hans: Michael hat das mit der Barlowlinse ja bereits erläutert. Ich habe früher jedes Planetenbild mit einer DSLR-Kamera fotografiert. Das Ergebnis sind zwar größere Bilder (weil der Chip auch wesentlich größer ist), aber die Auflösung verändert sich kaum. Sie ist schließlich von dem Teleskop und dem Linsensystem im Strahlengang abhängig.

    Bei meiner Spigelreflexkamera kommt man nie und nimmer auf ca. 20 Bilder pro Sekunde oder mehr, genau desshalb, weil der Spiegel nach jedem Bild wieder herunterklappt. Man braucht gerade für Jupiter möglichst viele Bilder in möglichst kurzer Zeit, um die Rotation des Planeten nicht mit abzulichten, was sich durch extreme Unschärfe, gerade an den Randbereichen bemerkbar macht.

    Das Hochklappen des Spiegels erzeugt wiederum Vibrationen, die das Bild verwackeln lassen, vor allem bei solchen Vergrößerungen. Das wiederum fordert kurze Belichtungszeiten, was einen hohen Iso-Wert mit sich zieht, und dieser fördert das Bildrauschen. Um dieses wieder herauszurechnen braucht man wieder viele Bilder... Man dreht sich also ab einem bestimmten Punkt im Kreis.

    Desshalb hatte ich mir vor längerem eine relativ günstige Farbwebcam gekauft. Man kann in einem Rutsch ein (fast) fertiges Farbbild erzeugen, das allerdings durch die Farbmaske vor den Pixeln deutlich dunkler ist, als ein Schwarzweißbild.
    Aus diesem Grund werde ich mir demnächst auch eine monochrome Astronomiekamera zulegen, die dann wesentlich lichtempfindlicher ist.

    ==> Mehr Licht ==>kürzere Belichtungszeit mit helleren Bildern ==>besseres lucky imaging.

    Durch das RGB-Verfahren kann man dann aus drei Filmen durch einen roten, grünen und blauen Filter ein farbiges Bild erzielen.

    Mit dieser Technik und mit wesentlich größeren Teleskopen entstehen dann die Bilder, die aussehen, als hätte sie das Hubble Space Teleskop fotografiert.

    Viele Grüße,
    Kevin Gräff

  7. Mona Antworten | Permalink

    @Kevin Gräff

    Ich habe die Aufnahmen hier schon öfters mit Interesse verfolgt. Schön finde ich auch immer die Beschreibungen, die für mich wichtig sind, da ich mich momentan selbst etwas in die Materie einarbeiten möchte. Die Detailaufnahme vom Mond finde ich gut gelungen, für meinen Geschmack ist sie allerdings etwas zu dunkel. Der Jupiter gefällt mir gut, er ist aber auch schwer zu fotografieren, das wurde jedoch schon von M.K. erklärt. Da kann ich nur sagen: Weiter so!
    Etwas erstaunt war ich allerdings, als ich las, dass auch der Laptop vereist war. Ich hätte mich nicht getraut ihn so der Kälte auszusetzen. Und zwar deshalb: http://de.wikibooks.org/...ebook:_Winterk%C3%A4lte

  8. Hans Antworten | Permalink

    Ich sag's ja: Meine mangelhafte Ahnung, deshalb besten Dank für die Erklärungen. Das lässt die Bilder dann doch gleich "in einem anderen Licht" erscheinen.

  9. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Kevin: CCD-Kamera

    Was die CCD-Kamera betrifft, woran hattest du gedacht?

    Ich habe mich neulich mal hier umgesehen. Die haben eigentlich alles, auch CMOS-Kameras (ich weiß aber nicht, ob die wirklich akzeptables Rauschverhalten zeigen?), und bei cd CCD-Kameras USB, FireWire und GigE. Ich weiß auch nicht, ob man die ohne Optik und billiger kriegt. hier sehe ich zumindest einige mit 1.25"-Anschluss.

    Die bieten auf der Webseite des Herstellers die Treiber zum Download an, und auch SDKs für C und C++.

    Ich gehe in letzter Zeit mit einigen Ideen schwanger, wobei ich bei den meisten davon, um im Bild zu bleiben, noch im Zustand der morgendlichen Übelkeit bin, d.h., die Idee ist noch nicht sehr weit gediehen. Eine Idee ist, einen kompletten Kleinstrechner auf Basis eines Raspberry Pi als Steuerung der Nachführung und der Kamera einzusetzen. poblematisch ist da aber die Abwesenheit von Hardwaretreibern für Debian-Linux, was auf dem Raspberry-Pi laufen würde. Vielleicht werde ich mir dafür doch einen Gebraucht-Laptop besorgen und Windows installieren.

    Der Weg des geringsten Widerstands, sozusagen. Der Klügere gibt nach ... bis er am Ende der Dumme ist.

  10. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Die Detailaufnahme vom Mond finde ich gut gelungen, für meinen Geschmack ist sie allerdings etwas zu dunkel.

    Naja, man muss berücksichtigen, dass dieser Krater sehr terminatornah war und deswegen zum Zeitpunkt der Aufnahmen ganz einfach schon in Abenddämmerung gehüllt. Siehe auch meine Aufnahme, die etwa zur selben Zeit entstand .... da lugte Petavius nur gerade noch so eben aus der Finsternis hervor.

  11. Kevin Gräff Antworten | Permalink

    Hi,

    @Michael: Genau an diese CCD-Kameras hatte ich tatsächlich gedacht. Ich muss mich aber noch ein bisschen weiter informieren, um dann "die perfekte Kamera" für meine Ausrüstung zu finden. Vor allem auf optimales Auflösungsvermögen möchte ich dann achten.

    @Mona: Ja, die Aufnahme ist aus den von Michael genannten Gründen so dunkel. Hinzu kommt halt noch der Effekt der Brennweitenverlängerung. Würde ich versuchen (und das hatte ich auch...) das Bild am Computer aufzuhellen, werden vor allem in den Randbereichen der dunklen Zonen Artefakte, die wohl durch das Schärfen entstanden, verstärkt, so dass man sie wahrnimmt. Wie gesagt, bei der astronomischen Bildbearbeitung gibt es unendlich viele Techniken und es dauert, bis man die richtige Technik für das vorliegende Bild findet und dann muss man auch noch viel Zeit investieren, diese vollkommen zu beherrschen.
    Außerdem wird's mit lichtempfindlicherer Kamera noch besser ;-)

    Das mit dem Laptop: Er kam aus dem gut geheizten Wohnzimmer, sodass auch der Akku schön warm war. Wird dieser dann durch die Laptopnutzung strapaziert, dann wärmt er sich selbst (zumindest in dem Maße, dass er nicht auffriert. Ähnliches gilt für Prozessor und andere Teile. Wären diese aus der Kälte her hochgefahren worden, sähe das anders aus (vor allem beim Akku...)
    Der Tau macht mir da schon mehr Sorgen... Vor allem in flüssiger Form... Ich hatte aber bisher immer das Glück, dass nichts passierte (und ich arbeite so schon seit ca. 4 Jahren.) Wahrscheinlich ist er auch gut abgedichtet, sodass kein Tau von außen durch die Tastatur kommt.
    Der Bildschirm selbst arbeitet auch bei -10 Grad Celsius noch so, wie ich es brauche. Aber bei den Temperaturen ist die Luft dann meistens eh schon so trocken, dass man sich um Tau keine Sorgen mehr machen muss.
    Ich arbeite also auf eigenes Risiko und jeder sollte sich genau überlegen, ob ihm das Wert ist.

    Gruß Kevin

  12. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    Ich sehe schon, Ihre Aufnahme ist nicht so dunkel. Für mein Empfinden ist der Mond so genau richtig. Gefällt mir gut! Ihre Kompositaufnahme vom Jupitersystem finde ich auch recht interessant. Wie lange mussten sie den Jupiter da belichten?

  13. Mona Antworten | Permalink

    Laptopschutz @Kevin Gräff

    "Würde ich versuchen (...) das Bild am Computer aufzuhellen, werden vor allem in den Randbereichen der dunklen Zonen Artefakte, die wohl durch das Schärfen entstanden, verstärkt, so dass man sie wahrnimmt."

    Hm, also haben Sie die unschönen Stellen einfach absaufen lassen. Darauf muss man natürlich erst mal kommen. Aber wenn ein Mondkrater nach einem Jesuiten benannt wurde, dann kann man ihn wohl etwas dunkler machen. :-)

    Und was den Laptop betrifft, dafür gibt es ein sog. Notebookzelt für den Außeneinsatz. Ich sah das mal bei einem Sportfotografen.

    http://www.digitalkamera.de/...r-Einsatz/4289.aspx

    Und hier noch ein Modell der Marke Eigenbau: http://www.starhopper.at/laptopschutz.htm

  14. Michael Khan Antworten | Permalink

    Dunkel war's, der Mond schien helle ...

    Hier der Bereich um Petavius aus meiner Aufnahme, herausgeschnitten und um einen Faktor 3 vergrößert. Von Norden nach Süden Petavius mit Wrottesley, Snellius, Stevinus, Furnerius und Fraunhofer. Natürlich ist die Auflösung lausig, was soll's ... sind halt nur 420 mm Brennweite, Kevin ist mit 11 Mal mehr 'rangegangen. Aber darum geht's grad nicht, sondern um Helligkeit und Kontrast. So wie man das auf dem Bildausschnitt sieht, sah das auch durchs Okular aus. Es war halt da oben wirklich das letzte Aufbäumen des Tages.

    Dass Kevin da immer noch so viel Detail herausgeholt hat, finde ich bemerkenswert. Man sieht ja sogar Rimae Petavius als helle Linie am Kraterboden. Also. Viel mehr war da nicht mehr drin, denke ich.

  15. Michael Khan Antworten | Permalink

    "Taukappe" für den Schlepptop

    Viele Teleskope, gerade Refraktoren, haben eine ausziehbare Taukappe. Das ist nur ein Zylinder mit etwas gr&oum;ßerem Durchmesser als der Tubus. Die Idee ist, dass Feuchtigkeit im Inneren der Taukappe kondensiert, bevor sie die Linse erreicht.

    Im Prinzip sollte es reichen, für den Laptop, der ja zudem, anders als ein Teleskop, auch noch selbst etwas Wärme generiert, einen nach vorne offenen Kasten zu bauen, so wie in dem von Mona geposteten Link vorgeschlagen. Dann strahlt der Laptop seine Wärme nicht mehr in die Umgebung ab, sondern nur noch maximal bis zur Wand des Kastens. Und dann sollte der Boden nochmals zusätzlich isoliert werden, um die Wärmeableitung zur Auflagefläche zu minimieren.

    In den allermeisten Fällen sollte das reichen. Wirkliche Probleme mit Kondensation hat man ja nicht dann, wenn es ganz kalt ist - dann ist die Luft ja trocken. Das Problem ist in der Übergangszeit, wenn es nach einem relativ warmen Tag nachts schon (oder noch) empfindlich kalt wird und die tagsüber in der Luft gespeicherte Feuchtigkeit ausfällt. Wenn der Laptop von seinem eigenen kleinen Mikroklima umgeben ist, müsste das reichen. Wer ganz sicher sein will, investiert in einen Zweitrechner, der nicht so gut ausgestattet sein muss und der nur zur Astrofotografie genutzt wird. Den kann man sogar gebraucht kaufen, muss dann aber aufpassen, wie es mit der Batterie steht.

  16. Mona Antworten | Permalink

    Work in progress @Michael Khan

    Na, Sie möchten es aber genau wissen, dabei wollte ich die Aufnahme gar nicht abwerten. Wie Sie in meinem ersten Kommentar lesen konnten fand ich sie gut, wenn auch etwas zu dunkel. Ich wusste ja nicht, dass das Absicht war. Es braucht sich hier also niemand verletzt zu fühlen, ich kritisiere meine eigenen Aufnahmen genauso und überlege ständig was ich besser machen könnte, das ist eine alte Berufskrankheit. Wenn mich bestimmte Aufnahmen interessieren, dann schaue ich sie mir halt genau an und frage evtl. auch nach. Mir ist dabei natürlich schon bewusst, dass man aus den Aufnahmen nicht mehr rausholen kann, als die Technik hergibt.

    Und um nochmal auf den Feuchtigkeitsschutz von Geräten zurückzukommen: Ich persönlich gehe mit diesen sorgsam um, da die Sachen ja auch teuer sind. Bei einer Kamera z.B. leidet auch die Technik, wenn sie hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, also (falls möglich) langsam akklimatisieren lassen. Aber das brauche ich hier wohl niemanden extra zu erklären. Der Styropor-Kasten für das Laptop hat mir auch gut gefallen. Sowas bekommt jeder hin und das Material kostet nicht viel.

  17. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Klar möchte ich es genau wissen, wer es nicht genau wissen willen, stellt sich nicht freiwillig bei Minusgraden nach draußen. :-) Da ich mit Kevins Aufnahme nichts zu tun habe, könnte ich mich selbst bei Kritik nicht verletzt fühlen. Aber als Kritik habe ich auch keine der Anmerkungen hier aufgefasst. Ich hatte nur versucht, etwaige Missverständnisse bezüglich der Lokation des btreffenden Kraters auszuräumen. Entschuldigung, falls meine Antwort falsch herüberkam.

    Eigentlich zeigt die Diskussion ganz gut eines, nämlich dass man auch hier mit der Frage zu tun hat, die sich immer stellt, wenn es um Fotografie bei schwierigen Lichtverhältnissen geht: Will man den visuellen Eindruck der unmittelbaren Beobachtung möglichst getreu wiedergeben oder will man so viel wie möglich aus dem Bild herausholen, auch wenn man sich damit (beliebig weit) von dem entfernt, was das Auge sah? Diese Zielsetzungen stehen schnell im Widerspruch zueinander und ich habe keine Antwort darauf.

    Zum Thema der Computer: Hat jemand hier Erfahrung mit für den industriellen oder militärischen Einsatz "gehärteten" Laptops?

  18. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    Jetzt hätte ich Sie beinahe nicht erkannt, weil Sie Ihre E-Mail-Adresse anstatt des Namens stehen haben. Hängt wohl mit den Outdoor-Laptops zusammen von denen Sie Erfahrungsberichte haben wollten. Die sind allerdings nicht gerade billig. Möchten Sie sich eines zu Weihnachten schenken lassen?

    Zur Thema Fotografie schreiben Sie: "Eigentlich zeigt die Diskussion ganz gut eines, nämlich dass man auch hier mit der Frage zu tun hat, die sich immer stellt, wenn es um Fotografie bei schwierigen Lichtverhältnissen geht: Will man den visuellen Eindruck der unmittelbaren Beobachtung möglichst getreu wiedergeben oder will man so viel wie möglich aus dem Bild herausholen, auch wenn man sich damit (beliebig weit) von dem entfernt, was das Auge sah? Diese Zielsetzungen stehen schnell im Widerspruch zueinander und ich habe keine Antwort darauf."
    Wenn es sich um technische oder wissenschaftliche Aufnahmen handelt, muss man sich immer genau an der Realität orientieren, denn sonst kann mit den Aufnahmen ja gar nicht gearbeitet werden. Darüber hinaus kann man natürlich kreativ sein, wenn ich den Mond bunt haben will, dann ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, er darf dann halt nicht als "naturgetreu" bezeichnet werden. Nach meinem Dafürhalten sollte man "den visuellen Eindruck der unmittelbaren Beobachtung möglichst getreu wiedergeben". Aber "wenn man sich damit (beliebig weit) von dem entfernt, was das Auge sah", dann handelt es sich entweder um Kunst oder um Kitsch. Eine etwas zu dunkle Fotografie fällt natürlich nicht unter diese Kategorie. :-)

  19. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Naja, der Preis eines "Outdoor"-Rechners wäre ja eventuell relativiert, wenn seine Lebensdauer, oder auch die Überlebenwahrscheinlichkeit bei Vibrationen oder Fallenlassen deutlich über der eines deutlich preiswerteren Standardrechners liegt. Dafür wäre ich bereit, bei der Rechen- oder Grafikleistung Abstriche zu machen. Aber die Frage ist gerade, ob die Robustheit wirklich so hoch ist, wie die Hersteller behaupten.

    Zum anderen Punkt ... Sie schreiben:

    Wenn es sich um technische oder wissenschaftliche Aufnahmen handelt, muss man sich immer genau an der Realität orientieren, denn sonst kann mit den Aufnahmen ja gar nicht gearbeitet werden.

    Gut, bei wissenschaftlichen Untersuchungen macht man Aufnahmen im UV, im Infrarot oder bei ganz anderen Wellenlängen oder man bildet gar ganz andere Dinge ab wie beispielsweise das Spektrum des Neutronenflusses. All das ist Realität, aber es hat nicht unbedingt mit dem zu tun, was unser Auge sieht.

    Aber mir ging es gar nicht um wissenschaftliche Aufnahmen, sondern um ästhetische, die einfach nur dokumentieren sollen: "Das hier habe ich gesehen. Genau so.". Das geht in der Astrofotografie kaum. Das menschliche Auge, oder vielmehr die Kombination Auge-Gehirn, ist ein fantastischer optischer Detektor. Ich sehe mit bloßem Auge durch das Okular gleichzeitig die Struktur auf dem hellen Jupiter und seine vergleichsweise kleinen und dunklen Monde. Mit der Kamera ist es unmöglich, diesen Dynamikumfang wiederzugeben. Also wird man da schon tricksen müssen. Aber dann bekommt man immer noch nicht das, was man mit dem Auge sieht.

    Irgendwann ist natürlich endgültig Schluss mit der Trickserei, denn dann ist wirklich die Grenze zum Kitsch überschritten. Das ist zwar immer noch eine ziemlich fließende Grenze. Aber egal, wie man sie legt, das hier wird man niemals als noch diesseits der Kitschgrenze sehen können.

  20. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    Zu den wissenschaftlichen Aufnahmen: Falschfarbenbilder etc. meinte ich damit natürlich nicht, die setzt man ja bewusst ein, um einen ganz bestimmten Effekt zu erzielen oder um etwas sichtbar zu machen was man sonst nicht sehen könnte. Allerdings haben Infrarotaufnahmen eine ganz eigene Ästhetik und werden oft auch im kreativen Bereich eingesetzt. Und auch Astronomieanhänger können sich dafür begeistern:
    http://forum.astronomie.de/...2/Infrarotfotografie

    Astroaufnahmen sind natürlich ein schwieriges Kapitel, da haben Sie schon recht. Ich bin auch der Meinung, dass man da ums "tricksen" nicht herumkommt. Das Ergebnis sollte m.E. aber noch einigermaßen natürlich wirken, außer man möchte bewusst einen besonderen Effekt erzielen.

    Mit der Bezeichnung "Kitsch" habe ich jetzt nicht ihre eingefärbten Mondaufnahmen gemeint, die waren doch zum Ausprobieren gedacht, ob der Mond nicht doch auch farbig sein könnte, bzw. was das Bildbearbeitungsprogramm da so hergibt. Technische oder wissenschaftliche Experimente können niemals Kitsch sein, weil da ein ganz anderer Anspruch dahinter steckt. Ich meinte eher sowas in der Art:

    http://img.wallpaperstock.net:81/..._1920x1200.jpg

  21. Mona Antworten | Permalink

    Nachtrag

    Das mit der E-Mail-Adresse war offensichtlich ein Versehen, weil sie jetzt verschwunden ist, oder?

  22. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona: Anmerkung

    Ja, das mit der E-Mail-Adresse war ein Versehen. Das wäre auch nicht passiert, wenn es hier eine Preview-Funktion für Kommentare gäbe.

    Das Kitsch-Bild, zu dem Sie den Link gepostet haben, ist wirklich ganz furchtbar. Aber das bringt mich wieder zum Thema Deep-Sky-Fotografie, mit der ich mich schwer tue. Was man im Okular sieht, ist, wenn die Apertur nicht ganz groß ist, nie besonders farbintensiv. Aber jeder weiß ja, wie M42 usw. auszusehen "haben", von Profi-Aufnahmen, vom Hubble Space Telescope, von High-End-Amateurbildern etc. Also wird da in der Nachbearbeitung leicht mal der Farbregler hoch gezogen, was das Zeug hät. Die Linie zwischen guter Farbsättigung, bei der die Kontraste so sind, dass man feine Strukturen erkennen kann, und der vollkommenen Übertreibung wird dabei leicht überschritten. Heraus kommt dann schnell mal Kitsch. Allerdings nicht zwangsläufig, wie man hier sieht. Da hat der Fotograf, obwohl er nach eigenem Bekunden bewusst die Farben knalliger gewählt hat, doch noch an der rechten Stelle aufgehört.

    Übrigens: Wer noch nicht weiß, was er mir schenken soll, kann sich an dieser Anregung orientieren. Das hier nenne ich gekonnten Umgang mit Licht und Schatten.

  23. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    Seufz, da haben Sie sich aber ein wirklich schönes Geschenk ausgesucht. Ich mag SW-Aufnahmen und habe früher selbst oft Landschaften in Schwarzweiß fotografiert.

    Aus diesem Grund habe mir die Leica M Monochrom mal genauer angeschaut: http://www.colorfoto.de/...zweiss-pur-1280270.html
    Sie kostet, laut unverbindlicher Preisempfehlung, 6800 Euro. Die Frage wäre, ob die Bilder damit wirklich besser werden, als mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm, wie beispielweise Photoshop.

    Hier wird die fachgerechte Transformation von Color in SW mit diesem Programm beschrieben: http://www.schwarz-bild.de/...tung-aber-richtig-2/

    Soweit ich mich erinnere geht das aber sogar mit Gimp. Ich werde bei Gelegenheit da gleich mal einen Versuch machen. Bisher habe ich mich nur im kreieren von Sepia-Effekten versucht.

    Zur Deep-Sky-Fotografie schreiben Sie: "Aber jeder weiß ja, wie M42 usw. auszusehen "haben", von Profi-Aufnahmen, vom Hubble Space Telescope, von High-End-Amateurbildern etc."

    Wussten Sie, dass das Hubble-Weltraumteleskop genaugenommen nur Schwarz-Weiß-Bilder liefert? Die Farbinformationen dazu stammen von speziellen Farbfiltern. Zoltan Levay, der Leiter der Bildbearbeitung am Space Telescope Science Institute, erklärt hier in einem Video, wie er die atemberaubenden Farbbilder des Hubble-Weltrauteleskops am Computer kreiert:
    http://the-www-auf-deutsch.blog.de/...eo-13552068/

  24. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    6800 Ocken ist nur der Preis für das Gehäuse. Man braucht ja auch ein Objektiv, und da geht es für ein 50 mm/f2.5 Summicron bei 1200 Euros los. Ist halt Leica.

    Ich glaube nicht, dass der Vergleich mit S/W-Bildern, die mit einer Kamera mit Farb-CCD gemacht wurden und hinterher in Graustufen umgewandelt worden sind, Bestand hat. Die Charakteristik der Leica Monochrom ist doch dadurch bestimmt, dass jedes CCD-Pixel wirklich ein echter Bildpunkt ist, weil es eben nicht diese überlagerte Bayer-Matrix und die Farbberechnung aus benachbarten Bildpunkten gibt. Man hat alles weggelassen, was für S/W-Fotografie nicht erforderlich ist. Das Ergebnis ist eine Bildschärfe und Kontrasttiefe, die ihresgleichen sucht.

    Deswegen gibt es ja auch - und damit ist diese Diskussion absolut on-topic - S/W-Kameras für die Astrofotografie (siehe der Produktkatalog, den ich weiter oben verlinkt habe). Da gilt dasselbe - die Schärfe steigt deutlich durch Verwendung eines monochromen CCD.

    Ich will ja nicht sagen, dass ich die Leica Monochrom für unverzichtbar halte. Ich werde wohl ohne so ein Schmuckstück durchs Leben gehen. Aber ich bin mir schon bewusst, was diese Kamera ausmacht und was sie abhebt.

    Es ist eigentlich Standard bei allen Raumsonden mit Kameras, dass sie monochrome CCDs haben und Farbbilder erst in der Nachbearbeitung auf der Erde aus überlagerten Einzelaufnahmen gewonnen werden, bei denen Farbfilter verwendet wurden. Soweit ich weiß, ist Curiosity eine Ausnahme. Bei allen bisherigen, gerade bei Teleskopen oder planetaren Sonden, nimmt man monochrome CCDs.

  25. Mona Antworten | Permalink

    Leica M Monochrom @Michael Khan

    "Das Ergebnis ist eine Bildschärfe und Kontrasttiefe, die ihresgleichen sucht."

    Schon richtig! Und in der Astrofotografie wäre mehr Schärfe und Kontrast ja gefragt, wie bei allen technischen Aufnahmen. Manchmal kann zu viel Schärfe aber auch störend sein, so z.B. bei Porträtaufnahmen, weil man hier dann wirklich jede Hautunebenheit und jedes Fältchen überdeutlich sehen kann, also verwendet man oft einen Weichzeichner um das Bild freundlicher zu gestalten. Bei landschaftsaufnahmen stört mich eine übergroße Schärfe ebenfalls, weil das Bild dann nicht mehr natürlich wirkt. Na gut, manche Leute mögen das auch, ich habe dafür mal ein Beispiel verlinkt und möchte besonders auf das zweite Bild hinweisen: http://kwerfeldein.de/...scharfe-landschaftsfotos/

    Unter Umständen würde die Leica M Monochrom sogar gute Astrofotos liefern, aber dafür ist sie ja nicht gedacht. Außerdem würde man für den Preis auch ein richtig gutes Teleskop bekommen, also sollten wir uns besser so eines wünschen, falls wir jemanden finden der es uns schenkt. :-)

  26. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Also, ich war immer der Meinung, so etwas wie "zu viel Schärfe" gibt es nicht. (Ebenso wie "zu viel Apertur" oder "zu viel Pizza", also ein Widerspruch in sich). Wenn ich mir so richtig gute Portraits ansehe, wobei die ja oft mit Bedacht S/W gemacht werden, dann sieht man da wirklich jede Furche, die das Leben im Gesicht hinterlassen hat. Hier ein paar Beispiele.

    Wann man was kaschieren will, dann muss man halt gekonnt die Lichtquellen platzieren.

    Das ist bei der ästhetischen Mondfotografie ja im Prinzip auch nicht anders. Die interessantesten Aufnahmen sind dort die, wo der Mond nur teilbeleuchtet ist und in diesen wiederum die Terminatorregionen. Einfach wegen des Spiels von Licht und Schatten.

    Ich habe mal eruiert - man wird ja wohl träumen dürfen - wie ich eine Leiche M Monochrom an mein Teleskop kriege. Das ist nicht-trivial, weil die M-Objektive ja diese gefräste Kurvenlinie in der ins Gehäuse ragenden Fassung tragen, auf der das Laufrad von der Entfernungseinstellung abläuft. Wenn ich das Objektiv abmontiere und stattdessen einen Teleskopadapter anbauen will, wird das ohne weiteres erst einmal nicht gehen. Also brauche ich da den Adapter für die R-Objektive, in den der T2-Adapter eingesetzt wird.

  27. Mona Antworten | Permalink

    Licht und Schatten @Michael Khan

    "Also, ich war immer der Meinung, so etwas wie "zu viel Schärfe" gibt es nicht. (...). Wenn ich mir so richtig gute Portraits ansehe, wobei die ja oft mit Bedacht S/W gemacht werden, dann sieht man da wirklich jede Furche, die das Leben im Gesicht hinterlassen hat."

    Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich bevorzuge natürlich auch möglichst gute und gestochen scharfe Bilder. Man darf dabei jedoch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ihre verlinkten Bilder sind ja keine "geschönten" Aufnahmen, sondern werden gemeinhin als Charakterstudie bezeichnet. Dabei sollen natürlich alle Ecken und Kanten eines Menschen zum Ausdruck gebracht werden. Wenn man alte Bilder von berühmten Intelektuellen betrachtet, dann saßen die in der Regel zusätzlich noch mit ernstem Gesicht und in Denkerposse da. Wie sollte man sonst zum Ausdruck bringen, dass man etwas auf dem Kasten hatte?

    Hier ein Bild des Schriftstellers und Philosophen Albert Camus:
    http://soniceditions.com/...ry/camus-9CXX_o_tn.jpg

    Heutzutage sind solche Aufnahmen etwas aus der Mode gekommen, weil sich jeder nur mehr an den aalglatten und ewig lächelnden Stars aus Film und Fernsehen orientiert. Deshalb wollen auch intelligente Leute so schön rüberkommen, wie der Mann oder die Frau aus der Parfumwerbung. Seit man die Möglichkeit hat Bilder am Computer beliebig zu verändern, haben sich auch die Sehgewohnheiten geändert. Aber auch früher wurden Hautunebenheiten und Falten wegretuschiert, besonders bei älteren Damen. Und natürlich wurden ansprechende Posen gesucht und Weichzeichner eingesetzt.

    Wer heute in der Öffentlichkeit steht, der möchte natürlich auch gut aussehen. Ich habe als Beispiel mal so ein, vermutlich mit Photoshop, geschöntes Bild herausgesucht. Und zwar ein Wahlplakat unserer Kanzlerin, weil die jeder aus der Presse und dem Fernsehen kennt und ungefähr weiß wie sie in natura aussieht.
    http://static.twoday.net/...903plakatcdumerkel.jpg
    "Wann man was kaschieren will, dann muss man halt gekonnt die Lichtquellen platzieren."

    Man kann ein sehr dickes Gesicht z.B. dadurch kaschieren, indem man eine Seite in den Halbschatten taucht, dadurch wirkt es insgesamt schmäler. Licht ist aber nicht nur zum kaschieren gedacht, es ist das wichtigste Element in der Fotografie überhaupt und dient in erster Linie zur Beleuchtung. Technische Gegenstände müssen sehr gut ausgeleuchtet werden und dürfen in der Regel keinen Schatten werfen. Während man Aufnahmen von Personen oder Landschaften durch Licht und Schatten entsprechend modellieren und gestalten kann.

    "Das ist bei der ästhetischen Mondfotografie ja im Prinzip auch nicht anders. Die interessantesten Aufnahmen sind dort die, wo der Mond nur teilbeleuchtet ist und in diesen wiederum die Terminatorregionen. Einfach wegen des Spiels von Licht und Schatten."

    Genau, der teilbeleuchtete Mond sieht viel plastischer aus als der Vollmond. Mir gefällt das Spiel von Licht und Schatten, deshalb ziehen mich Fotografie und Malerei auch immer wieder in ihren Bann. Von letzterer kann man im Übrigen sehr viel lernen, da braucht man sich bloß einmal die alten Meister anzusehen.

    "Ich habe mal eruiert - man wird ja wohl träumen dürfen - wie ich eine Leiche M Monochrom an mein Teleskop kriege. Das ist nicht-trivial, weil die M-Objektive ja diese gefräste Kurvenlinie in der ins Gehäuse ragenden Fassung tragen, auf der das Laufrad von der Entfernungseinstellung abläuft. Wenn ich das Objektiv abmontiere und stattdessen einen Teleskopadapter anbauen will, wird das ohne weiteres erst einmal nicht gehen. Also brauche ich da den Adapter für die R-Objektive, in den der T2-Adapter eingesetzt wird."

    Ach ich sehe schon, Sie würden sich zu Weihnachten doch lieber eine Leica M Monochrom schenken lassen, anstatt einem tollen Teleskop. Und dann würden Sie an dem teuren Stück womöglich auch noch rumzubasteln. :-) Meinen Sie, dass das mit dem Adapter funktionieren würde? Der Monochrom-CCD-Sensor soll zwar eine Auflösung von 18 Millionen Pixeln haben, wodurch um 100% schärfere Bilder erreicht werden als mit Farbsensoren. Aber dazu braucht man immer noch ein gutes Teleskop zum drauf schrauben, weil das Ergebnis ja auch von der Optik abhängt.

    Ich las im Zusammenhang mit der Leica M Monochrom:
    "Passionierten Schwarz-Weiß-Fotografen, die auch beim Abzug ihrer Bilder nicht auf die gewohnte Brillanz und Qualität verzichten möchten, bietet Leica einen einzigartigen Service. Der Leica Monochrom Printservice ermöglicht M Monochrom Kunden in Kooperation mit dem Premium Fotofachlabor WhiteWall, sich exklusive Schwarz-Weiß-Abzüge ihrer Aufnahmen erstellen zu lassen. Dazu werden die digitalen Bilder der Leica M Monochrom auf echtem Baryt-Fotopapier belichtet. Durch die Entwicklung im klassischen Silberprozess mit Nasschemie, sind die Abzüge von Handabzügen analoger Bilder nicht zu unterscheiden. Kunden, die diesen exklusiven Service nutzen möchten, können, nach der Registrierung ihrer M Monochrom, Prints über einen persönlichen Zugang direkt bei WhiteWall bestellen. Dieser Service ist zunächst nur für Kunden der Leica M Monochrom zugänglich.

    Quelle: http://www.fotokoch.de/...a-M-Monochrom_49448.html

    Schon toll sowas! Als ich das las dachte ich, dass ich wohl eine von meinen analogen Kameras, vieleicht eh die alte Leica, wieder auspacke und den SW-Film einlege, der bei mir immer noch im Kühlschrank lagert, und mal wieder damit fotografiere. Na gut, vielleicht werden die Aufnahmen nicht ganz so scharf wie mit der M Monochrom, aber was soll`s. Was zählt ist das Feeling. :-)

    Jetzt warte ich schon seit einiger Zeit darauf, den Mond nochmal mit dem 300 mm Zoom zu fotografieren, leider schneit es leicht. Außerdem ist es lausig kalt. Als ich den Post von Kevin Gräff las, da tat er mir richtig leid. Ich bekomme bei längerem Aufenthalt in der Kälte, wenn ich mich nicht bewege, immer sehr kalte Füße, trotz zwei Paar dicker Socken. Auf unserer Sternwarte wurde aus diesem Grund beim Bau sogar ein Holzboden verlegt, weil der nicht ganz so kalt ist wie Beton. Außerdem kursieren im Winter immer diverse Ratschläge, welche Kleidung vorteilhaft wäre. Die idealen Fußwärmer habe ich aber noch nicht gefunden.

  28. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona: Wintergerechte Ausrüstung

    Da kenne ich mich ein bisschen aus, nicht nur vom winterlichen Sterngucken, sondern auch von etlichen winterlichen Dienstreisen nach Moskau und in andere kalte Orte.

    Erstens müssen die Schuhe ordentlich weit sein. Wenn man zwei paar Socken trägt und dadurch die Schuhe end werden, dann friert man vielleicht sogar schneller.

    Zweitens helfen die hier. Sie sind viel wirksamer als die in heißem Wasser "aufladbaren" Handwärmer, die es bei uns zu kaufen gibt. Letztere halten gerade mal eine Stunde durch und passen ohnehin nicht in Schufe. Die japanischen "kairo" dagegen sind sehr flach, heizen über eine chemische Reaktion, müssen dann aber weggeworfen werden. Japaner sind immer sehr einfallsreich, wenn es um alle möglichen Tricks geht, um der Kälte zu begegnen.

    Das gilt nicht nur für draußen, sondern auch im Haus. Man fragt sich, warum sie nicht einfach bessere Häuser bauen. Aber das müssen die selbst entscheiden.

  29. Mona Antworten | Permalink

    Warme Füße @Michael Khan

    Jetzt verstehen ich auch, wieso der ältere jap. Karatemeister, mit dem ich mal trainierte, stundenlang im Schnee rumstehen konnte ohne das ihm die Füße abfroren. Der hatte bestimmt diese "kairo" in seinen Schuhen. Nein, das war nur ein Scherz, der Mann war wirklich außerordentlich gut abgehärtet. Wahrscheinlich erzieht man die Kinder z.T. schon so, denn jap. Schüler tragen oft auch im Winter eine Schuluniform mit kurzen Hosen.

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