Happy Birthday, Teleskop!


Heute vor genau 400 Jahren, am 2. Oktober 1608, stellte der deutsch-holländische Brillenmacher Hans Lipperhey das erste Mal ein Fernrohr vor. Einer Geschichte nach spielten Kinder in seinem Laden mit den herumliegenden Linsen und brachten zufälligerweise eine konkave vor eine konvexe Linse. Lipperhey erkannte das Potential und baute ein auf diesem Prinzip beruhendes Fernrohr, das so genannte Holländische oder Galileische Fernrohr.

 

Hans Lipperhey
Hans Lipperhey, * um 1570 in Wesel (heutiges NRW), † 1619 in Middelburg (Niederlande). Das Porträt ist aus dem Buch De vero telescopii inventore (1655), in dem die wahre Urherberschaft des Teleskops diskutiert wird. Bild: Wikipedia

Sein erstes Fernrohr vergrößerte nur dreifach, aber muss für die Leute damals trotzdem faszinierend gewesen sein, denn plötzlich konnte man ferne Dinge ganz nah sehen! Entsprechend versuchte Lipperhey ein Patent für das Teleskop einzureichen. Er beschrieb es darin als ein Instrument "um ferne Dinge so zu sehen, als wären sie nahe". Das Patent wurde jedoch abgelehnt, denn es war nicht klar, ob er wirklich der Erfinder war. Fast zeitgleich mit ihm hatten (auch in Holland) Jacob Melius und Sacharias Jansen ebenfalls von ersten Teleskopen berichtet. Man möchte meinen, es ist wie so oft in der Geschichte der Wissenschaft: Wenn die Zeit reif ist für eine Erfindung wird sie mitunter gleich mehrfach und unabhängig voneinander gemacht. Lipperhey wurde aber dennoch von der holländischen Regierung großzügig für seine Erfindung belohnt.

Linsenfernrohre
Galileisches und Keplersches Fernrohr im Vergleich. Das nur wenig später entstandene Kepler-Fernrohr hat zwar ein umgekehrtes Bild, dafür aber ein deutlich größeres Gesichtsfeld. Bild: Wikipedia

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Galileo Galilei hörte im Mai 1609 in Venedig vom Holländischen Fernrohr, baute es (in verbesserter Form) nach und verbreitete die Anleitung öffentlich. Die Regierung von Venedig verdoppelte daraufhin sein Gehalt und verlängerte seine Professur auf Lebenszeit, denn der militärische Nutzen des Fernrohrs war sofort klar...

Wenn also auch nicht ganz klar zu sein scheint, wer nun wirklich das erste Mal ein Teleskop gebaut hat, so scheint Galileis Rolle unbestritten zu sein: Er war der erste der ein Teleskop in den Himmel richtete und damit einige grundlegende Dinge sah, die das damalige Weltbild revolutionierten:

  • Die Mondoberfläche ist uneben und die Sonne hat Flecken (sie sind keine perfekten Kugeln)
  • Planeten sind Scheiben, Sterne sind Punkte (Sterne sind also viel weiter weg)
  • Und natürlich: Jupiter hat vier große Monde, die Galileischen Monde, die um ihn herumkreisen und Venus hat Phasen wie der Mond (das geozentrische Weltbild geriet damit in arge Schwierigkeiten)

Aus heutiger Perspektive erscheint Galileis Fernrohr wie der Startschuss zu einer sich immer weiter beschleunigenden Entwicklung der Astronomie, denn seit 1609 steigerten sich Auflösung und Sensitivität der Teleskope mehr als tausendfach. Die Steigerung in der Sensitivität, also das Detektieren immer schwächerer Objekte, geht dabei sowohl auf die Vergrößerung der Spiegelfläche als auch auf den Einsatz immer besserer Detektoren mit immer höherer Lichtsammeleffizienz zurück. Die Sensitivitätssteigerung vom 5-Meter-Hale-Teleskop auf Mount Palomar zu den Teleskopen der 8-Meter-Klasse (Keck, VLT, Gemini, Subaru, HET, SALT, GTC, LBT) liegt sogar zum größten Teil nicht an der mehr als verdoppelten Spiegelfläche, sondern hauptsächlich daran, dass in allen modernen Teleskopen nicht mehr Fotoplatten verwendet werden, die nur einen Bruchteil des auf sie fallenden Lichts registrieren. Heute werden hingegen für die optische Astronomie nur noch CCDs eingesetzt, die fast jedes auf sie fallende Photon registrieren. Bei der Instrumentierungs-Sommerschule Anfang September begründete Roberto Gilmozzi, der die Entwicklung des E-ELT leitet, damit sogar den Sprung um das mehr als fünffache von 8 auf 42 Meter Spiegeldurchmesser für die nächste Generation von Teleskopen: Da man keine besseren Detektoren mehr bauen kann (mehr als 100% Effizienz geht nun mal nicht), müsse man jetzt eben deutlich größere Teleskope bauen, um den Schwung in der Astronomie nicht zu verlieren!

Die Auflösungssteigerung der Teleskope seit Galilei ist in jüngster Zeit ebenfalls nicht mehr durch den Durchmesser der Teleskope bestimmt, sondern, seit dem Beginn der Interferometrie in der Astronomie (etwa mit Michelson Anfang des 20. Jahrhunderts), durch den Abstand von Teleskopen in einem astronomischen Interferometer.

Das 400-jährige Jubiläum, dass Galilei das Teleskop in den Himmel richtete, ist der Anlass für eine Geburtstagsfeier mit astronomischen Dimensionen: das nächste Jahr ist von der UNESCO zum Internationalen Jahr der Astronomie erklärt worden.


10 Kommentare zu “Happy Birthday, Teleskop!”

  1. Andreas Antworten | Permalink

    Super!

    Ein sehr schöner, knackiger Artikel, Leo, bei dem man gut noch etwas dazu lernen kann!

    Gruß,
    Andreas

  2. Martin Huhn Antworten | Permalink

    Und Andreas? Bastelst Du Dir jetzt Dein eigenes Teleskop? Das AndersTeleskop. ;-)

  3. Andreas Antworten | Permalink

    Wo ist der Witzerklärer?

    Hey Martin,

    die Pointe musst Du mir bitte erklären.

    Erschwerend kommt hinzu, dass ich von Haus aus Theoretiker bin. Ich habe nicht unbedingt zwei linke Hände, aber an den Teleskopbau werde ich mich nicht wagen - Beobachten gerne.

    Help me...

    Ciao,
    Andreas

  4. WolfgangGR Antworten | Permalink

    Error

    das heliozentrische Weltbild geriet damit in arge Schwierigkeiten)

    Es sollte wohl heißen 'das geozentrische Weltbild ...'

  5. Martin Huhn Antworten | Permalink

    @ Andreas

    Das war nur so ein spontanes Wortspiel. Anstatt ein toller Gag, war es nur ein Rohrkrepierer. :-/ Hat jedenfalls keinen tieferen Sinn.

  6. Andreas Antworten | Permalink

    @Martin: Verstehe.

    Danke Martin, ich ahne nun die Richtung, in die der Witz gehen sollte ;-)

  7. Susanne M Hoffmann Antworten | Permalink

    "Das Patent wurde jedoch abgelehnt...."

    nach meinem Kenntnisstand wurde es abgelehnt, weil man Lipperhey bat, ein binokulares Teleskop zu bauen. Als er dieses dann im Dezember gleichen Jahres vorstellte, waren mittlerweile auch die oben genannten anderen Erfindungen aufgetaucht.
    [siehe hierzu: Rolf Riekher: Fernrohre und ihre Meister]

    Übrigens sind bereits im alten Rom die Vergrößerungs- und Sehkorrekturwirkung bestimmter Steine bekannt gewesen (Kaiser Nero war kurzsichtig und benutzte einen Smaragden, um die Kämpfe und Spiele von der Tribüne aus verfolgen zu können). Wahrscheinlich gab es nur noch keine Teleskope, weil man das optische Prinzip nicht erkannte, sondern glaubte, dass dies eine besondere Eigenschaft des bestimmten Steins sei (und nicht seiner Geometrie).

  8. Marco Antworten | Permalink

    Galileis Teleskop

    Wieviel cm Öffnung hatte denn Galileis Teleskop ?
    Eigentlich sollte man nächstes Jahr in allen Amateursternwarten einen Nachbau dieses Teleskop vorführen, um mal die rasante Entwicklung der astronmischen Beobachtungstechnik vorzuführen.

  9. Leonard Burtscher Antworten | Permalink

    Galileo's Teleskop

    @ Marco
    Ich bitte um Entschuldigung für die späte Antwort. Zu Galileos ursprünglichem Teleskop habe ich eine Website gefunden, die die Teleskopdaten mit 37mm Durchmesser und 980mm Brennweite angibt. Er habe dazu ein Okular mit 50mm Brennweite benutzt, zusammengenommen ergibt das also eine Vergrößerung von 20-fach und eine Auflösung von etwa 7-fach im Vergleich zum menschlichen Auge. Nach dem exzellenten Wikipedia-Artikel über Galilei baute er zunächst ein Fernrohr mit vierfacher Vergrößerung und steigerte das bis auf 33-fach, er baute also eine Reihe von Teleskopen mit verschiedenen optischen Daten.

    Interessant in diesem Zusammenhang: Im Rahmen des International Jahrs der Astronomie soll es ein "Galileoscope" geben, das wohl vergleichbar zu Galileos Fernrohren sein soll und vielen Leuten erstmals den Blick in den Kosmos mit dem Fernrohr nahebringen soll. Wie man allerdings hört, ist der Bau dieses Teleskops leider etwas verzögert.

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