Quantensprung http://www.scilogs.de/quantensprung Versuch einer Aufklärung Sat, 14 Mar 2015 11:05:16 +0000 de-DE hourly 1 Du badest darin – Dein Plastik-Meerhttp://www.scilogs.de/quantensprung/du-badest-darin-dein-plastik-meer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=du-badest-darin-dein-plastik-meer http://www.scilogs.de/quantensprung/du-badest-darin-dein-plastik-meer/#comments Fri, 13 Feb 2015 14:09:23 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=362 ... weiter]]> Bloggewitter_KinderSammelt Ihr Plastik? Das ist gut so. Aber vielleicht nicht gut genug. Forscher sind weltweit der Spur des Plastikmülls gefolgt. Ergebnis: Zwischen fünf bis 13 Millionen Tonnen davon landen pro Jahr in den Weltmeeren. Tendenz steigend!

192 Länder der Erde haben Strände und Küsten, die zum Fischen, Baden, Wandern oder Surfen einladen. Dass dort immer wieder auch viel Plastik angeschwemmt wird, habt Ihr vielleicht beim Badeurlaub schon selbst hautnah erlebt. Es sieht nicht gerade einladend aus, wenn am Strand mehr Plastikreste als Muscheln zu finden sind.

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Plastikmüll entlang der Küste der karibischen Insel Haiti Bild: Timothy Townsend

 

Früher haben große Frachtschiffe Kunststoffmüll auf hoher See einfach ins Meer gekippt und "entsorgt". Doch das ist schon lange verboten. Woher also kommen die Joghurtbecher und Plastikflaschen am Strand?

Amerikanische und australische Forscher haben die Spur des Kunststoffmülls verfolgt. Sie haben Daten aller Länder, die auch eine Küste haben, gesammelt und ausgewertet. In ihrem wissenschaftlichen Bericht im Fachmagazin Science schätzen sie, dass in diesen 192 Ländern ungefähr 275 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr anfallen – Einkaufstüten, Verpackungen oder auch Plastikspielzeug. Immerhin der Großteil davon landet auf ordentlichen Mülldeponien oder wird recycelt. Aber eben nicht alles. Fünf bis 13 Millionen Tonnen werden nicht richtig entsorgt und gelangen in die Weltmeere. (Auf Spiegel Online könnt Ihr mit der Maus über eine Weltkarte fahren und sehen, wie viel des Mülls der einzelnen Länder im Meer landet. Deutschland ist mit immerhin 2 Prozent dabei – das bedeutet, dass je Kilogramm Plastikmüll 20 Gramm im Meer enden).

Und weil Plastik so wunderbar lange hält, und selbst die pralle Sonne, das salzige Wasser und Wärme oder Kälte den Kunststoffen kaum etwas ausmachen, wird der Müll in den Meeren immer mehr. Heute finden Forscher Plastik am Nord- oder Südpol genauso wie in den ganz tiefen Schichten der Meere.

Es gibt ein paar Möglichkeiten, was wir dagegen tun können:

1. Bessere Müllentsorgung

Selbstverständlich sollte sein, dass alle darauf achten, dass kein Müll falsch entsorgt wird. Aber natürlich ist es viel besser, wenn Müll gar nicht erst anfällt.

2. Müll im Meer sammeln

Den Müll im Meer wieder einfangen? Das ist eine ziemlich verrückte Idee. Boyan Slat, ein junger Niederländer will genau das machen. Vor ungefähr drei Jahren hat Slat seine Idee auf einer englischsprachigen Konferenz vorgestellt. Es gibt in den Meeren bestimmte Wirbel, in denen sich der Plastikmüll besonders sammelt. Dort, will er ihn in riesigen Fangarmen und Netzen einfangen.

Inzwischen hat Boyan Slat über Crowdfunding Geld gesammelt. Er hat ein Büro und ein Team, mit dem er Pläne erstellt und Messungen vornimmt. Er hat auch schon erste Versuche auf hoher See mit großen Netzen gestartet. Sein Ansatz ist allerdings unter Experten umstritten: Plankton und Algen könnten in den Netzen hängen bleiben. Die Netze sind schwer aufzuspannen und könnten reißen...

 

3. Plastik vermeiden

...was wirklich hilft, ist das Vermeiden von Plastik. Manche haben das schon ganz besonders umfassend versucht. Schaut Euch doch die Videos von Jahn Korte oder von Familie Krautwaschl an. Jahn Korte etwa hat versucht, ein Jahr ohne Plastik zu leben. Und die Krautwaschls wollten gleich Haus und Hof insgesamt zur Plastik freien Zone erklären.

Also keine Playmobil- und Lego- und Sandspielzeuge? Auch kein PS4, kein Wii, keine Xbox? Ganz so extrem muss es wohl nicht sein. Ihr könnt aber zum Beispiel zum Einkaufen immer leere Tüten und Stoffbeutel mitnehmen und sicher an vielen Stellen mehr Müll vermeiden.

 

Lasst uns doch überlegen, wo wir sonst noch Plastik einsparen können und welche weiteren Möglichkeiten sich im Kampf gegen den Plastikmüll in den Meeren unseres Planeten anbieten. (Ideen können wir hier gerne sammeln. Schreibt sie mir in den Kommentaren!)

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Mit Ultraschall gegen Schlaganfall und mehr – Falling Walls Labhttp://www.scilogs.de/quantensprung/mit-ultraschall-schlaganfall-falling-walls/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mit-ultraschall-schlaganfall-falling-walls http://www.scilogs.de/quantensprung/mit-ultraschall-schlaganfall-falling-walls/#comments Sat, 08 Nov 2014 16:09:19 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=347 ... weiter]]> Mein Vater hatte Schlaganfälle. Zeitlich versetzt. Immer wieder. Bis zum ulitmativen. Vielleicht hätte ihm der Therapieansatz geholfen, den Aliona Nacu heute beim Falling Walls Lab vorstellte. Die Forscherin von der Universität Bergen in Norwegen präsentierte den Einsatz von Ultraschall um die Gerinnsel aufzulösen, welche die Arterien im Falle eines ischämischen Infarkts verstopfen. Sie berichtete, dass diese Therapie in Kombination mit herkömmlicher zu deutlich höheren Erfolgsquoten führt. Das zeigten inzwischen etliche Anwendungen im Stroke Unit des Haukeland Universitäts Krankenhauses.

Aliona Nacu

Aliona Nacu at Falling Walls

Alione Nacu ist eine von 100 Nachwuchsforschern, die heute beim Falling Walls Lab ihre Kurzvorträge halten. Für sie, wie weiteren 99 ist dies naturgemäß eine sehr große Herausforderung. Die Nachwuchsforscher bekommen nur 2,5 Minuten Zeit für die Präsentation ihrer Idee, welche Impulse auslösende, verändernde Effekte auf die Zukunft haben soll (ground breaking). Dann folgen 30 Sekunden Fragezeit. Und auf den ersten Blick wirkt dies vielleicht unfair gegenüber den Koryphäen, die Morgen auf der großen Bühne sprechen werden. Diese dürfen ihre Erkenntnisse und kreativen Ideen immerhin über je 15 Minuten dem Publikum darlegen.

Aber gerade in der Kürze erkennt man die Würze. Das haben sich die Organisatoren gedacht. Das betonten etwa Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, und Martin Sonnenschein, Direktor für Zentraleuropa von A.T. Kearney, im kurzen Pressegespräch mittags. Außerdem ist es für die Nachwuchsforscher eine wunderbare Gelegenheit sich in diesem Kurzformat über alle Disziplinen hinweg auszutauschen. Sie und auch die geladenen Gäste erfahren, wo in den jeweiligen Gebieten aus Sicht der jungen Forscher Herausforderungen für die Zukunft ausgemacht werden. Und sie erfahren, welche Lösungen sie avisieren. Manche dieser Lösungen haben bereits Marktreife erlangt, andere sind reine Visionen - wie die Vision des seit acht Jahren kurzsichtigen Denys Holovatyi, der von einem Trainingsprogramm für die Muskulatur im Inneren des Auges träumt, das seine Sehkraft wieder zurück auf den Stand vor acht Jahren trimmt.

Die Träume, Visionen und ersten Anwendungen sind vielfältig - einige seien hier gelistet:

  • neue flexible kleine Wasserkraftwerke,
  • intuitives Erspüren chemischer Moleküle,
  • per Hirnstrommessung erkennen, wer mit wem gute Teams bilden kann,
  • Katalysatoren für Brennstoffzellen,
  • Engagement für Nachhaltigkeit durch App-Games,
  • Smart Phones im Einsatz für mehr Bürgerdemokratie als Abstimmungswerkzeuge....
  • ...die Liste wäre 100 lang.

Was ich besonders interessant an dieser Veranstaltung finde: Die Nachwuchsforscher sind aufgefordert ihre Forschung und Ideen hier in einer verständlichen Sprache zu vermitteln, denn das Publikum ist sehr gemischt. Und sie haben nur wenig Zeit um Problemstellung, potenzielle Lösungen und ihren Ansatz darzustellen. Viele Kernbotschaften und eine echtes Training in Sachen Kommunikation.

Dies sei durchaus auch ein absolut erwünschter Effekt dieser Veranstaltung, betonte Mlynek. Wobei die zwei Hauptkriterien der Inhalt (wirklich etwas Neues, ein potenzieller Durchbruch) und der gezeigte Enthusiasmus seien. Den Teilnehmern wurden außerdem offenbar einige Ratschläge für ihre Präsentation mit auf den Weg gegeben.

Alle Teilnehmer haben mit ihrem gesprochenen Vortrag wirklich hervorragend reüssiert. Trotzdem ist die Bandbreite der Präsentationsstile und ihres jeweiligen Gelingens sehr groß. Manche sind fortgeschritten und wissen etwa mit gegenseitigem Händeschütteln, oder Fragen ins Publikum dasselbe einzubeziehen, bzw. auf sich aufmerksam zu machen. Manche haben nette Visualisierungen wie etwa Eierschachteln als Bild für das Innere eines hochtechnischen Messgeräts dabei. Manche wissen, dass man Powerpoints nicht überfrachten soll – lieber Schlagwörter als ganze Sätze; weniger bis keine Formeln. Sie wissen, dass das gesprochene Wort zum jeweiligen Bild passen sollte... und vieles mehr.

Diese jungen Wissenschaftler werden immer bessere Präsentatoren. Manche bräuchten zwar noch den einen oder anderen Tipp und würden nach einem Training sicher ihr Thema noch viel besser vermitteln. Aber in der Summe sehe ich einen riesigen Unterschied zu den Präsentationen, die ich an (fast) gleicher Stelle vor vier Jahren verfolgt habe. Damals war es das erste Falling Walls Lab. Die junge Tradition sollte beibehalten werden, alleine schon, weil ich mich freue, dass sich wegen solcher Events Forscher wirklich sehr anstrengen, um noch besser in Richtung Öffentlichkeit und erweiterter Community zu kommunizieren.

Aktuell läuft die dritte Runde. Die letzten 30 sind dran. Das ist meine Challenge: 100 mal drei Minuten-Vorträgen an nur einem Tag konzentriert zuhören, das ist auch sportlich.


Nachtrag:

Gratulation an die Falling Walls Lab 2014 Preisträger

Gratulation an die Falling Walls Lab 2014 Preisträger ©Kay Herschelmann

1. Platz Tom Bieling

„Breaking the Wall of Deaf-Blind Isolation“ - Ein mit diversen Berührungssensoren ausgerüsteter Handschuh soll Taubstummen verbesserte Kommunikation und Interaktion ermöglichen. Design Research Lab, Berlin

Der Kommunikations-Handschuh Typ 1

Kommunikations-Handschuh Prototyp

2. Nermeen Youssef

„Breaking the Wall of Type 1 Diabetes“ – Mit Ultraschall und Smartphone für eine verbesserte Diabetes Typ 1 Diagnose und Therapie. University of Alberta

3. Dyllon Garth Randall

„Breaking the Wall of Wastewater using Eutectic Freeze Crystallisation“ - Verbesserte Abwasseraufberreitung der Zukunft oder schon bald Gegenwart? Aurecon, South Africa

Im Bild außerdem die Preisverleiher Martin Sonnenschein (l), Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney, und Carl-Henrik Heldin (m), u.a. Vorsitzender des Nobelkomitees.

 

Die Drei durften Ihre Beiträge übrigens auch am Sonntag auf der großen Bühne präsentieren und erhielten dafür nicht nur viel Applaus. Viele im Publikum zeigten sich an einer Umsetzung sehr interessiert.

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Mit den Augen besser lernen – Eyetrackinghttp://www.scilogs.de/quantensprung/mit-den-augen-besser-lernen-%e2%80%93-eyetracking/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mit-den-augen-besser-lernen-%25e2%2580%2593-eyetracking http://www.scilogs.de/quantensprung/mit-den-augen-besser-lernen-%e2%80%93-eyetracking/#comments Fri, 26 Sep 2014 21:59:49 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=380 ... weiter]]> Journalisten haben schon oft vom "Eye-Tracking" gehört. Mittels dieser Technik wird verfolgt, wo die Augen von Lesern hinwandern; was sie zuerst lesen; wo der jeweilige Leser aussteigt und den Blick schweifen lässt, umblättert, weiterliest. Dafür bekommen Probanden eine spezielle Maske durch die sie Buchstaben und Bilder betrachten.

Michael Dorr beim HLF14 - Bild: Lugger

Michael Dorr beim HLF14 - Bild: Lugger

Michael Dorr macht das heute eleganter. Seine Probanden müssen durch keine Maske mehr blicken, wie der Nachwuchswissenschaftler am Rande des HLF14 erzählt. Er und das Team vom Institut für Neuro- und Bioinformatik an der Universität Lübeck nutzen heute Bildschirme, die dem Betrachter Filme oder Spiele zeigen und gleichzeitig über Sensoren festhalten, wohin der Blick der Betrachter gerade fokussiert.

Das funktioniert, weil Menschen immer eine selektive Wahrnehmung haben und auch nur in einem kleinen Teil des Gesichtsfeldes wirklich scharf sehen können. "So machen wir zwei bis drei Augenbewegungen pro Sekunde, mit denen wir das Zentrum des scharfen Sehens, die Fovea, immer dorthin richten, wo wir etwas verarbeiten wollen", erläutert Dorr. Insofern verrate der Blickort, welche Information das Gehirn gerade verarbeitet und welche Bilder besondere Aufmerksamkeit erzeugen.

Entenflug über einem Kanal nahe Lübeck - auf die Punkte

Entenflug über einem Kanal nahe Lübeck - Die Punkte zeigen, wohin die Betrachter besonders geblickt haben.

Dorr möchte diese Technik nicht nur für Auswertungen nutzen, sondern mittels der Auswertungen Filme optimieren und Lerneffekte beschleunigen. Dazu baut er auf Forschungskooperationen:

"Es ist wichtig, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die sich in Gebieten auskennen, von denen man selbst nicht so viel versteht."

Beispiel 1: Fische

So haben er und sein Team mit Biologiestudenten zusammengearbeitet, die im Rahmen ihrer Forschung erkennen und festhalten mussten, wie Fische schwimmen; welche Flosse, wie schwingt. "Zuerst haben wir einen Professor gebeten, sich unsere Videos von Fischen anzusehen und dabei seine Augenbewegungen aufgezeichnet. Denn er, der Experte, hat dies oft gemacht und weiß, worauf er achten muss", erzählt Dorr.

Anschließend haben sie die Filme bearbeitet und die offensichtlich unwichtigen Bereiche verschwommen dargestellt. Begeistert berichtet Dorr vom Lernfortschritt: "Wenn wir diese Filme Studenten zeigen, so können sie später aus neuen Filmen wesentlich schneller die zentralen Merkmale erkennen."

Von den Fischen

Vom Hawaiischen Staatsfisch Humuhumunukunuku'apua'a ist der Großteil verschwommen. Die Studenten blicken auf das Wesentliche.

 

Beispiel 2: Fahranfänger

Es gibt viele Bereiche in denen bekannt ist, dass Experten andere Blickstrategien verfolgen, als Anfänger. Warum sollte diese Methode also nicht auch Fahranfängern helfen? Wer Erfahrung hat, kann einschätzen, wie weit die nächste Ampel weg ist, wann sie von gelb auf rot schaltet und wie weit entfernt nachfolgende Fahrzeuge im Rückspiegel sind. Eine Idee wäre also, Fahrschülern ein Augentraining für den Alltag im Verkehr anzubieten. Denn Anfänger streuen ihre Blicke und versuchen damit, sich in alle Richtungen abzusichern, das stört die Konzentration.

Beispiel 3: Schlaganfallpatienten

Aktuell läuft an der Uni Lübeck in enger Zusammenarbeit mit Neurologen eine Studie zu Aufmerksamkeitsstörungen nach einem Schlaganfall, dem sogenannten Neglect. Durch diese Störung, nehmen Schlaganfallpatienten nicht selten für einige Zeit eine Hälfte des Gesichtsfelds teils oder gar nicht mehr wahr. Eine Störung, die in der Regel im Laufe eines halben Jahres wieder zurückgeht. Die Patienten können im Prinzip die andere Seite sehen, nur richten sie ihre Aufmerksamkeit nicht dahin. Bislang haben Dorr und Co in Studien erfasst, was in den raren Momenten geschieht, in denen die Patienten in die Mitte oder ein wenig auf die andere Seite blicken. "Meist war dann auf der anderen Seite deutlich mehr Aktivität und das hat den Blick dorthin gelenkt. Wenn wir nun Filme schaffen, in denen wir die Blicke der Patienten gezielt häufiger auf die andere Seite lenken, könnte das den Heilungsprozess eventuell beschleunigen", beschreibt der Grenzgänger zwischen Informatik und Neurologie die Hoffnung der Forscher.


Alle Bilder, bis auf das Portrait entstammen der Website des Forschungskonsortiums GazeCom - Michael Dorr hat mir erlaubt, sie zu verwenden. Künftig wird er seine Forschung am Institut für Mensch-Maschine-Kommunikation an der TU München fortsetzen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im offiziellen Blog des Heidelberg Laureate Forums 2014, bei dem 24 Abel-, Fields-, Turing- und Nevanlinna Laureaten mit 200 Nachwuchswissenschaftlern aus der Mathematik und Informatik eine Woche gemeinsam diskutiert haben. Der Titel und Text wurden etwas geändert.

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Mathe als Alltagsrätsel – Das Tierheimspielhttp://www.scilogs.de/quantensprung/mathe-alltagsraetsel-tierheimspiel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mathe-alltagsraetsel-tierheimspiel http://www.scilogs.de/quantensprung/mathe-alltagsraetsel-tierheimspiel/#comments Thu, 25 Sep 2014 21:51:19 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=339 ... weiter]]> Stellen Sie sich vor, Sie sind LeiterIn eines Tierheims. Sie kennen Ihre Gäste sehr gut; deren Vorlieben und Abneigung. Die einen mögen sich, anderen stellt es die Haare und Federn nur so auf, wenn sie sich begegnen. Fakt ist: alle Käfige liegen aneinandergereiht. Ob Hund, Katz, Schildkröte, Schaf, Kuh, Pferd, Hase oder Maus – Sie sollen für jeden die richtigen Nachbarn finden. Es liegt an Ihnen, ob im Heim Käfig an Käfig gekläfft und gefaucht wird; oder Ruhe herrscht.

Mag der Hasen den Hund daneben oder eher nicht? Begeisterte Kinder bei der "night of research" an der Uni Klagenfurt

Mag der Hasen den Hund daneben oder eher nicht? Begeisterte Kinder bei der "night of research" an der Uni Klagenfurt

Mit dieser Aufgabe hat der österreichische Mathematiker Philipp Hungerländer, einer der Nachwuchswissenschaftler des diesjährigen HLF14, Kinder wie Erwachsene im vergangenen Frühjahr gefesselt. An seinem Institut an der Universität Klagenfurt blieben bei der "Night of Research" manche vor lauter Knobelbegeisterung und Ehrgeiz bis lange über Mitternacht. Das liegt zum einen sicher an der netten Art und Weise, wie Hungerländer das mathematische "Single and multi-row facility layout" Problem im Gedankenspiel des Tierheims umgesetzt hat. Zum anderen an der ideenreichen Gestaltung vor Ort.

Sogar Hungerländers Vater, ein Tischler, war bei der Sache mit vollem Engagement dabei und zimmerte im Vorfeld echte Holzkäfige. Stofftiere dazu und das Tierheim nahm Gestalt an.

Für die Zuordnungen gab es Laufzettel mit vier Schwierigkeitsgraden.

Stufe 1: Nur wenige Tiere mögen sich.
...
Stufe 4: Viele Tiere mögen sich in unterschiedlichen Stufen von 1-3 oder mögen sich nicht in den Stufen -1 bis -3 - Das ist sehr schwierig.

Das "Tierheim"

Das "Tierheim"

Philipp Hungerländer beim #hlf14

Philipp Hungerländer beim #hlf14

"Den ersten Schwierigkeitsgrad haben sogar Kinder im Alter von vier oder fünf Jahren ohne Probleme gemeistert", erzählt Hungerländer. Menschen hätten eben mathematische Intuition. Nur je höher die Schwierigkeitsstufen werden, desto vertrakter wird die Aufgabenstellung und mit der Intuition ist es vorbei. Die Mathematiker nutzen hierzu eigene Algorithmen. "Unser Algorithmus gilt bei dieser Problemstellung derzeit als führend", sagt Hungerländer nicht ohne Stolz. Immerhin gibt es (bei 8!) über 40.000 Antwortmöglichkeiten!

Sie können es online selbst versuchen. Ich wäre gerne vor Ort in Klagenfurt gewesen, bin aber froh diesen Mathe-Kommunikator jetzt in Heidelberg kennengelernt zu haben. Online habe ich Stufe 1 auch sofort gemeistert;-).


Anmerkung: In Österreich konnten die Teilnehmer der "Night of Research" per SMS für ihre Lieblingsaktion werten. Die haben Hungerländer, sein Vater und das Team Klagenfurt (wohl zu Recht) im Jahr 2014 gewonnen. Gratulation!


Dieser Beitrag erschien zuerst im offiziellen Blog des Heidelberg Laureate Forums 2014, bei dem 24 Abel-, Fields-, Turing- und Nevanlinna Laureaten mit 200 Nachwuchswissenschaftlern aus der Mathematik und Informatik eine Woche gemeinsam diskutiert haben. Der Titel wurde geändert.

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Mathe und Informatik in Entwicklungsländernhttp://www.scilogs.de/quantensprung/mathe-und-informatik-in-entwicklungslaendern/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=mathe-und-informatik-in-entwicklungslaendern http://www.scilogs.de/quantensprung/mathe-und-informatik-in-entwicklungslaendern/#comments Tue, 23 Sep 2014 21:59:56 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=378 ... weiter]]> Das "hot topic" des HLF14 "Wie Mathematik und Informatik die weitere wirtschaftliche Entwicklung von Schwellenländern fördern könnten" machte heute deutlich, wie vergleichsweise jung die Informatik und Mathematik als Forschungsgegenstand in einzelnen Entwicklungsländern sind. So ist beispielsweise Mathematik in manchen Ländern anscheinend noch eine junge Wissenschaft. Diesen Eindruck vermittelte Peter Benner vom Max-Planck Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, Magdeburg, der die erste Abteilung für Mathematik an der Escuela Politécnica Nacional in Ecuador vorstellte. Sie war erst im Jahr 1975 gegründet worden.

Noch bis 2003 gab es schließlich keine mathematische Forschung in Ecuador, aber immerhin 150 Mathematiker mit Masterabschluss. Schließlich entstand in Kooperation mit der TU Berlin, an der Benner zu jener Zeit noch war, über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) die Idee, ein Doktorandenprogramm in angewandter Mathematik aufzustellen.

Hermann Mena war der erste Ecuadorianische Mathematiker, der im Rahmen dieses Programms promovierte. Mena erinnert sich an die Anfänge seiner Doktorarbeit: "Wir suchten nach einem Thema, das die Allgemeinheit wirklich interessiert." Was die Gemüter in Ecuador zu Beginn des neuen Jahrtausends wirklich bewegte, war ein Rechtsstreit zwischen den Staaten Ecuador und Kolumbien wegen eines bestimmten Unkrautvernichtungsmittels (Glyphosat), das auf kolumbianischer Seite nahe der Grenze recht großzügig per Flugzeug versprüht wurde. Das hat zwar die Koka-Pflanzen in Kolumbien effektiv vernichtet, war auf ecuadorianischer Seite aber wegen seiner potenziellen weiteren (Neben)-Wirkungen auf Flora, Fauna und Mensch unerwünscht.

Hermann Mena    Credit: hlff / Flemming

Hermann Mena Credit: hlff / Flemming

Weil das Thema politisch hoch brisant war, haben Mena und Benner nicht einen konkreten Nachweis gesucht, sondern für definierte Grenzabschnitte verschiedene Szenarien untersucht und per Computerprogramm die Ausbreitung des Unkrautvernichtungsmittels simuliert. Ergebnis: Ja, unter bestimmten Bedingungen war eine Verbreitung des Mittels auch in Ecuador möglich. Ein Puzzlestein für die weiteren Verhandlungen mit Kolumbien (mehr zum Projekt). In Folge dieser mathematischen internationalen Kooperation sind inzwischen viele mehr entstanden und inzwischen gibt es in Ecuador an drei Hochschulen Fakultäten für Mathematik und das Land zählt seit 2014 auch zur International Mathematical Union (full membership application).

Die Länderberichte weiterer begeisterter Wissenschaftler – Adamou Ibrahim aus Niger; Pheakdey Nguonphan aus Kambodscha – klangen da viel ernüchternder. Mathematik werde etwa primär nur als Fach verstanden, das man in der Schule lehre, aber nicht an Universitäten als eigenständige Forschungsgebiete. Es herrsche großer Mangel an Lehrmaterial wie Lehrpersonal. Um überhaupt Interesse zu schaffen und Aufmerksamkeit für ihre Fachgebiete zu erreichen, behelfen sie sich einfacher Mittel, wie Mathe-Quiz-Aufgabe in Zeitschriften, Mathe-Olympiaden oder Informatikfestivals.

Wie sehr Mathematik und Informatik wirtschaftlichen Aufschwung unterstützen können, belegte umgekehrt P J Narayanan vom International Institute of Information Technology im indischen Hyderabad. Er berichtete von mehreren Millionen professionellen Informatikern in Indien, von sehr gut bezahlten Arbeitsplätzen, die Menschen ihre Würde geben. Dank der Informatik sei es seinem Land gelungen, Respekt zu gewinnen. "Wir sind von Schlangenbeschwörern zu Python Programmieren mutiert." Narayanan möchte aber noch mehr erreichen. Er beklagt, dass Informatiker in seinem Land sozusagen dem Mammon in die großen Unternehmen folgen (Google, Facebook, Twitter, Yahoo, Microsoft...) und sich in die Heerschar der weltweit verteilternProgrammierer einreihen. Deshalb fehle es an wissenschaftlichem Nachwuchs - allerdings bei weitem nicht so dramatisch wie in anderen Ländern.

Die Forschung stärken und die Lehre verbessern, könnten nun explizit das Internet mit seiner offenen Lehrstruktur. Dies war Konsens in der abschließenden Diskussionsrunde. Massive Open Online Courses (MOOCs), die kostenfrei heute von renommierten Universitäten wie kleinen Unternehmen angeboten werden und weitere Online-Lehrmodelle könnten zumindest für erste Schritte wirklich helfen.

Hot Topic Panel from left credit: hlff / Kreutzer

Hot Topic Panel from left Pheakdey Nguophan; Amadou Ibrahim; Peter Benner; Hermann Mena; Ingrid Daubechies; Mohammad Kaykobad; P J Narayanan; Vint Cerf
credit: hlff / Kreutzer


Dieser Beitrag erschien zuerst im offiziellen Blog des Heidelberg Laureate Forums 2014, bei dem 24 Abel-, Fields-, Turing- und Nevanlinna Laureaten mit 200 Nachwuchswissenschaftlern aus der Mathematik und Informatik eine Woche gemeinsam diskutiert haben. Der Titel und Text wurden etwas geändert.

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Randy Schekman: Ehrlicher Austausch von Wissen – Lindau 2014http://www.scilogs.de/quantensprung/randy-schekman-ehrlicher-austausch-wissen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=randy-schekman-ehrlicher-austausch-wissen http://www.scilogs.de/quantensprung/randy-schekman-ehrlicher-austausch-wissen/#comments Tue, 01 Jul 2014 16:38:22 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=323 ... weiter]]> Randy Schekman ist davon überzeugt, dass Wissenschaftler ihre Forschung auf verständliche und gut austarierte Weise kommunizieren können. Ein Gespräch.

Gestern Morgen hatten einige Journalisten das Vergnügen noch vor seinem Eröffnungsvortrag der Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014 ein Interview mit Randy Schekman führen zu dürfen. Schekman hatte kurz nach der Verleihung des Nobelpreises für Medizin 2013 mit seinen klaren Äußerungen pro Open Access für Furore gesorgt - dem öffentlich online zugänglichen Publizieren.

Dank der Open Access-Bewegung haben heute nicht nur Forscher in den Bibliotheken der Wissenschaft Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln. Jeder, der sich für Wissenschaft interessiert, kann die Open Access Fachpublikationen lesen.

Während des Gesprächs betonte Schekman mehrmals, dass es deshalb wichtig sei, dass Wissenschaftler sich in einer besser verständlichen Sprache äußern. Selbst bei Bewerbungs- und Auswahlverfahren in Forschungsinstitutionen träumt Schekman von kurzen Essays, die ohne technische Details auf den Punkt kommen.

Jene aus der breiten Öffentlichkeit, die sich für wissenschaftliche Details interessieren und nicht nur das lesen wollen, was es auf die Nachrichtenseiten schafft, freuen sich über das Open Access System. Es ermöglicht ihnen das Lesen von Forschungsergebnissen.

64th Lindau Nobel Laureate Meeting, Medicine/Physiology.64.NobelpreistrŠgertreffen in Lindau - Medizin

Randy Schekman während seines Vortrags in Lindau 2014 ©Lindau Nobel Laureate Meeting / Ch. Flemming

Frage: Wenn nun aber Menschen, die keine Forscher sind, Originalveröffentlichungen lesen, ist es dann nicht wichtig, dass zumindest eine Zusammenfassung in einer Laien verständlichen Sprache verfasst ist?

Schekman: Klar, natürlich hilft das. Ich denke, Wissenschaftler sollten dahingehend unterstützt werden, sich verständlich gegenüber anderen auszudrücken. So halten wir es etwa bei eLife. Jedem Artikel, den wir veröffentlichen, ist eine kurze Erklärung beigefügt, wir nennen es eLife digest. Diese Zusammenfassung ist für eine breitere Öffentlichkeit geeignet. Breiter im Sinne von verständlich für jemanden, der ein gewisses Basiswissen in den Lebenswissenschaften hat. Technische Fachbeschreibungen müssen aber auf jeden Fall raus.

Und wer verfasst diese speziellen Kurzfassungen?

Schekman: Das ist meist eine Aufgabe von Redakteuren. Obwohl ich denke, das könnten Wissenschaftler durchaus machen. Nur es gibt eben diese Forscher, die sich auf so etwas nicht einlassen. Es ist sehr schwer sie dazu zu bewegen, allgemein verständlicher zu schreiben. Also zahlen wir andere, um sich darum zu kümmern. Bei eLife verfasst derzeit ein Physiker diese Zusammenfassungen.

Ein Kommunikationsexperte nimmt sich der Sache an und die Forscher bleiben bei ihrer Fachsprache?

Schekman: So soll es eigentlich nicht sein. Für mich liegt es in der Verantwortung von Forschern zu lernen, wie sie mit einer breiteren Öffentlichkeit kommunizieren. Dies hat nicht zuletzt auch positive Effekte für die Forschung. Wenn ich etwa einen Vortrag halte und ich weiß das Gros der Leute im Saal sind keine Spezialisten aus meinem Fachgebiet, muss ich mich und meine Forschung klar und verständlich vermitteln. Außer ich will nur meine zwei Konkurrenten, die in der ersten Reihe sitzen, beeindrucken. Mir hat dabei die Lehrtätigkeit mit Studienanfängern geholfen diese Sprachebene zu finden.

Könnten Kommunikationsfähigkeiten eventuell gar eine Rolle in Bewerbungsverfahren spielen?

Schekman: Das könnte natürlich ein Kriterium sein. Ist es aber bedauerlicherweise nicht. Fakt ist aber: Wenn Hunderte sich für einen Job bewerben, kann die Auswahlkommission doch nicht hunderte wissenschaftlicher Publikationen lesen.

Mein Verbesserungsvorschlag: Jeder Bewerber könnte einen Bericht verfassen, eine Art Selbstauskunft der Schwerpunkte der eigenen Forschung. Das sind Forscher im Grunde gewohnt, wenn sie sich für ein Stipendium, einen Job oder andere Ausschreibungen bewerben.

Ich würde es aber gerne formalisieren und die Wissenschaftler bitten ein "Impact Statement" mit rund 250 Wörtern zu verfassen. Diese kurzen Stücke kann der Ausschuss lesen und eine Vorauswahl treffen, ehe sie dann die Veröffentlichungen und Empfehlungsschreiben heranziehen, um schließlich zu urteilen. Dieses "impact statement" sollte so geschrieben sein, dass andere es einfach lesen können. Am Ende sollten sie Dinge sagen können wie: "Oh, wow, das hat er entdeckt" oder "Das wusste ich noch gar nicht, klingt aber wirklich interessant."

Liegt darin nicht eine Gefahr der Selbstinszenierung?

Schekman: Natürlich sind wir auf die Ehrlichkeit der Einzelnen angewiesen, dass sie sich angemessen darzustellen. Nicht nur deshalb ist es wichtig, dass Studenten auch etwas über die Ethik der Wissenschaften lernen. Wir brauchen einen ehrlichen Austausch von Wissen. Und Studenten müssen das wissenschaftliche Wertesystem kennen. Die Strafen für ein Unterwandern der Wissenschaften sind im Übrigen wirklich massiv.

Danke für das Gespräch Randy Schekman.

(Übersetzung aus dem Englischen B. Lugger)


Dieser Beitrag ist ein leicht modifiziertes Cross-Posting aus dem offiziellen Blog zur Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014.

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Zwitscherndes Lindau 2014, zwitschernde Laureatenhttp://www.scilogs.de/quantensprung/zwitscherndes-lindau-2014-zwitschernde-laureaten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=zwitscherndes-lindau-2014-zwitschernde-laureaten http://www.scilogs.de/quantensprung/zwitscherndes-lindau-2014-zwitschernde-laureaten/#comments Fri, 20 Jun 2014 16:35:55 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=320 ... weiter]]> An jenem Higgs-Mittwoch, am 4. Juli des Jahres 2012 hatte Brian Schmidt, Nobelpreisträger für Physik, in Lindau während der Präsentation der Ergebnisse am Forschungszentrum CERN seinen noblen Kollegen David Gross und Lars Bergström vom Nobelpreiskommitee für Physik abgelichtet und dies getwittert:

@cosmicpinot

@cosmicpinot

Soziale Netzwerke sind eben nicht nur etwas für Digital Natives. Auch Nobelpreisträger haben das Medium für sich entdeckt, manche bloggen darüber hinaus und nutzen weitere soziale Netzwerke.

Bislang habe ich mit meinen Recherchen auf Twitter acht Nobelpreisträger aufgepürt.1

Peter Doherty – @ProfPCDoherty - Nobelpreis für Medizin 1996

Dario Fo – @Dario_Fo – Nobelpreis für Literatur 1997

Leymah Gbowee – @LeymahRGbowee – Friedensnobelpreis 2011

Seamus Heaney – @HeaneyDaily – Nobelpreis für Literatur 1995

Louis Ignarro - @DrIgnarro – Medizin-Nobelpreis 1998

Tawakkol Karman – @TawakkolKarman   – Friedensnobelpreis 2011

Sir Harold Kroto – @HarryKroto – Nobelpreis für Chemie 1996

Paul Krugman – @NYTimeskrugman – Nobelpreis für Wirtschaft 2008

Barry Marshall – @barjammar – Nobelpreis für Medizin 2005

Brian Schmidt – @cosmicpinot – Nobelpreis für Physik 2011

Joseph E. Stiglitz – @JosephEStiglitz – Nobelpreis für Wirtschaft 2001

Ahmed Zewail – @_zewail_ – Nobelpreis für Chemie 1999
Zusätzlich genannt sei die
Nobel Womens Initiative@NobelWomen – ein Verbund von Friedens-Nobelpreisträgerinnen, die Frauengruppen unterstützen, die für Frieden, Gerechtigkeit und Gleichstellung eintreten. Unter ihnen sind auch die vorhin genannten Karman und Gbowee.

Zwei der Twitter-aktiven Laureaten werden zur 64. Nobelpreisträgertagung in Lindau sein: Der uns bereits bekannte Brian Schmidt und Barry Marshall. Fast wären sie zu Dritt gewesen, doch Peter Doherty kann nun leider doch nicht. Interessanter Weise sind alle drei Australier. Drei von acht, ein Zufall? Ich habe sie gefragt:

  • Barry Marshall meint, Australier würden neue Technologien generell sehr schnell anwenden, Twitter und Smartphones würden stark genutzt.
  • Für Peter Doherty ist Twitter ein gutes Werkzeug um die eigene Meinung zu vertreten. Zudem hätten Australische Mediziner vor einigen Jahren soziale Netzwerke sehr effektiv genutzt, um Straßenproteste gegen Kürzungen an Forschungsgeldern zu organisieren.
  • Brian Schmidt vermutet Australier wären Neuem gegenüber besonders aufgeschlossen. Für ihn persönlich ist Twitter ein prima Informationskanal - als Leser wie auch als Versender. "Ich nutze es, um herauszufinden, was andere für wichtig und ineressant halten", meint Schmidt. Und selbstverständlich helfe die Plattform interessante wissenschaftliche Ergebnisse möglichst breit zu streuen. Nicht zuletzt äußert Brian Schmidt:

Es ist ein hervorragendes Mittel für Kommunikation – es überwindet Distanzen und Hierarchien."


1Sollte ich Laureaten übersehen haben, bitte ich dringend um Hinweise. Möge die Liste vollständig werden!

Dieser Beitrag ist ein leicht modifiziertes Cross-Posting aus dem offiziellen Blog zur Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014.

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Tweets und Blogs zur Wissenschaft – Lindau 2014http://www.scilogs.de/quantensprung/tweets-und-blogs-zur-wissenschaft-lindau-2014/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=tweets-und-blogs-zur-wissenschaft-lindau-2014 http://www.scilogs.de/quantensprung/tweets-und-blogs-zur-wissenschaft-lindau-2014/#comments Thu, 19 Jun 2014 16:29:48 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=318 ... weiter]]> @Astro_Alex ist der Shooting-Star der deutschsprachigen Wissenschaftsszene auf Twitter. Er ist Alexander Gerst, ein Geophysiker, Vulkanologe und Abenteurer. @Astro_Alex lebt und arbeitet seit 28. Mai diesen Jahres auf der Internationalen Raumstation ISS. Wer seine Tweets und seinen Blog verfolgt, kann an seiner einzigartigen Reise teilnehmen.

Die NASA und ihr europäisches Pendant die ESA sind sehr versiert darin, ihre jeweiligen Missionen ins Bild zu rücken. Neben der Faszination des Weltraums stehen wissenschaftliche Experimente im Vordergrund, die Astronauten wie @Astro_Alex während ihres Aufenthalts an Bord der ISS durchführen.

In einem Podcast von BR2 äußert der Journalist Stefan Geier, Alexander Gerst sei einfach ein "guter Typ", jung, gut aussehend – und: er könne sprechen. Das könne neben seinem wissenschaftlichen Hintergrund und seiner körperlicher Fitness ein entscheidender Faktor für die Wahl von Gerst aus mehr als 8000 Bewerbern gewesen sein. "Denn Raumfahrt...lebt von dem Image, der Faszination. Und diese Faszination kann Alexander Gerst sehr gut verkörpern", konstatiert Geier.

©Lindau Nobel Laureate Meetings, Christian Flemming

Alexander Gerst bei der 63. Nobelpreisträgertagung in Lindau 2013
©Lindau Nobel Laureate Meetings, Christian Flemming

Inwieweit das stimmt, sei dahin gestellt. @Astro_Alex gelingt jedenfalls durch seine Aktivitäten in den Social Media eine noch nie da gewesene Transparenz und Nähe zu den fernen Menschen da oben über unserer Erde. Fast 46.000 Menschen folgen seinen Tweets.

@Astro_Alex ist bei weitem nicht der einzige Wissenschaftler, der soziale Medien für Kommunikation nutzt. Einer von 40 Wissenschaftlern (Festangestellte, Post-Doktoranden, Doktoranden) an ausgewählten US-amerikanischen und britischen Universitäten ist auf Twitter aktiv. Das ergab die Ende 2012 veröffentlichte Erhebung ''Prevalence and use of Twitter among scholars" von Jason Priem und Team.

Auch in den Blogs tut sich einiges. Eine Sammelstelle für wissenschaftliche Blogs mit einem besonderen Prädikat ist Researchblogging.org. Dort werden nur Blogs aufgenommen, die begutachtete Fachpublikationen besprechen und eine entsprechende Referenzenliste aufweisen. Mehr als 2900 solcher Blogs sind dort eingetragen. Und genau diese Plattform hat eine jüngste Studie unter die Lupe genommen. In 'How is research blogged? A content analysis' haben Hadas Shema und Team nach den Motiven hinter derartigen Blogposts im Bereich Gesundheit gefahndet. Ein Zitat aus ihrem Abstrakt ist sehr interessant:

"...die Mehrzahl ihrer Blogbeiträge (90 Prozent) schließen eine allgemeine Diskussion zum Publikationsthema ein. Dabei bieten mehr als ein Viertel gesundheitsrelevante Ratschläge zum Thema mit an.

Dies lässt darauf schließen, dass sie durchaus ein größeres, nicht wissenschaftliches Publikum einbeziehen wollen." 1

Genau von solchen Motiven berichten mir die meisten bloggenden und twitternden Wissenschaftler. Sie nutzen diese Werkzeuge um einerseits mit anderen Forschern zu diskutieren, aber oftmals eben auch, um mit der breiten Öffentlichkeit in Dialog zu treten.

Wissen Sie übrigens, dass auch Nobelpreisträger twittern und bloggen? Ich werde in den nächsten Tagen davon berichten.


1 Übersetzung: Beatrice Lugger

Dieser Beitrag ist ein leicht modifiziertes Cross-Posting aus dem offiziellen Blog zur Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014.

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Rolle vorwärts oder rückwärts – WÖMhttp://www.scilogs.de/quantensprung/rolle-vorwaerts-oder-rueckwaerts-%e2%80%93-woem/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=rolle-vorwaerts-oder-rueckwaerts-%25e2%2580%2593-woem http://www.scilogs.de/quantensprung/rolle-vorwaerts-oder-rueckwaerts-%e2%80%93-woem/#comments Thu, 19 Jun 2014 09:12:07 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=305 ... weiter]]> Bei der Diskussion um die Stellungnahme "Zur Gestaltung der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien" geht mir einiges durcheinander. Ein Gutachten, wie auf Spiegel Online zu lesen ist, eine objektive Bewertung der Lage, ist diese Stellungnahme nicht und kann sie gar nicht sein, denn dazu wurden zu viele wichtige Faktoren außer Acht gelassen. Zwar wurden Gutachter zu Rate gezogen. Doch ist und bleibt das durchaus gewichtige Papier eine Stellungnahme, also letztlich eine Position mit Empfehlungen der drei hier vertretenen ehrenwerten Akademien, die für sich durchaus zu Recht in Anspruch nehmen, die Wissenschaft zu vertreten: Die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina; die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, acatech, und die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften.

Unter den größten Umwälzungen unserer jüngeren Geschichte, die das Wissenschaftssystem und Massenmedien bewegen, nennt die Stellungnahme zwei Punkte: Ökonomisierung und Medialisierung. Die Digitalisierung, die einen fundamentalen Wandel für alle Formen der Kommunikation bedeutet, wurde im Wissenschaftsjahr 2014 "Die digitale Gesellschaft" vergessen. Obschon Experten – wie auch ich – gehört wurden, die dieses Thema sicher benannt haben, tauchen etwa Soziale Medien in der Stellungnahme nur zweimal wörtlich auf. Im Vorwort mit dem Eingeständnis: "So bedürften die „neuen Medien“ (Web 2.0, soziale Medien) einer eingehenderen Betrachtung". Da ist, könnte man unterstellen, allen ganz am Ende aufgefallen, dass sie etwas ganz Wesentliches übersehen haben. In der eigentlichen Stellungnahme sind die social media eher kryptisch beschrieben und am Ende als "Herausforderung für die Wissenschaft" eingestuft.

Mich wundert, wie der von mir geschätzte Jens Rehländer auf Grundlage der Stellungnahme zu dem Schluss kommt: "Das Web 2.0 ist kein Ort für die seriöse Auseinandersetzung mit Wissenschaft." (Anmerkung 19. Juni 12:55 Uhr: Jens Rehländer klärt das Missverständnis in dieser Richtigstellung). Dies wäre fatal, da gerade das Web 2.0 und seine Nachfolger 3.0 usw. zunehmend zum zentralen Austauschplatz über Wissenschaft und Wissenschaftsberichterstattung werden. Es ist also eher an der Zeit, genau für diese interaktive Kommunikation, in der es nicht mehr nur Konsumenten von Information gibt, sondern auch viele Produzenten, die Prosumer, neue Wege der Qualitätssicherung zu finden. In diesem Sinne betrachte ich die Stellungnahme als eine Bestandsaufnahme des Wandels in der Wissenschaftskommunikation der guten alten Flaggschiffe. Die Erkenntnisse sind durchaus ehrlich und offen herausgestellt und sicher hilfreich. Sehr klar und anhand eines anschaulichen Beispiels haben Holger Wormer von der TU Dortmund und Weingart zentrale Punkte der Stellungnahme hier dargestellt: Die Konkurrenz der Forschungsinstitute, mitunter falsch verstandene Wissenschaftskommunikation derselben, der ökonomische Druck in Redaktionen und mehr.

Die Stellungnahme schafft diese Deutlichkeit nicht. Sie klingt in meinen Ohren wie eine laute Sirene (Besorgnis, Übertreibung, Hype) und hinterdrein kommt sogleich der pastorale Moralkodex (Redlichkeit, Selbstkritik, wahrhaftige Kommunikation). Die Stellungnehmer kreiden an, dass Medien übertreiben, Hypes zu schnell nachrennen. Das ist richtig. Wie war das jüngst mit den Stammzellen, die nur mal in Zitronensäure weilen müssten, um unglaublich, aber wohl nicht wahr zu zurück auf Start programmierten Alleskönner-Stammzellen, zu werden? Nachlese: SZ.

Ja, es gibt sie diese Hype-Geschichten. Die NASA-Arsen-Bakterien, die Genmais-kranken Ratten. Ja, es gibt Forscher, die machen solche Fehler und es gibt sogar hoch angesehene Fachmagazine wie Nature (Zitronensäure-Stammzellen) und Science (NASA-Arsen-Bakterien), denen rutschen diese Dinge durch. Und dann als drittes Glied in der Reihe auch den Journalisten. Und Schwupps schaffen es diese Meldungen in die Online-Newsseiten, die Tagesthemen und den bunten Blätterwald am Kiosk. Ja, mehr Qualitätssicherung täte gut! – mit Recherchestandards, besserer Aus- und Weiterbildung, kritisch einordnendem Journalismus und mehr.

Ob bei knackigen Überschriften, die zu Weiterem verleiten, allerdings ein wissenschaftlicher Presserat hilft? Ich wage das zu bezweifeln. Im Übrigen werden solche Hypes, nachdem sie in den Medien waren, nicht selten von Wissenschaftlern, die sich über soziale Netzwerke verbünden aufgedeckt. Wissenschaftler werden als viertes Glied der Kommunikationskette in diesen Fällen zum Korrektiv. Sie rufen zur Nachrecherche auf, sie vernetzen sich online und rechnen und zählen in ihren Laboren nach.

Wieder sei das Beispiel NASA aufgegriffen. Hier war es Rosie Redfield von der University of British Columbia in Vancouver, die bloggend zur Aufklärung beitrug und andere Forscher animierte, sich des Themas anzunehmen. Ein Jahr später zog das Fachmagazin Science die Publikation zurück. Immerhin wird "retraction watch", ein Portal das eben solche Publikationen verfolgt, die zurückgezogen werden müssen, in der Stellungnahme erwähnt.

Die Wissenschaftler haben sich selbst bereits dieser Themen angenommen, genauso wie Wissenschaftsjournalisten, Wissenschaftskommunikatoren und Institutionen. In der Stellungnahme spielen die Wissenschaftler in dieser Form der direkten Online-Kommunikation, die geprägt ist vom Dialog, jedoch keine, bis kaum eine Rolle.

"Unsere Aufgabe als Wissenschaftler ist es aber nicht, zu verführen und zu überzeugen, sondern zu informieren und aufzuklären", mahnte Peter Weingart laut Spiegel Online. Das klingt zunächst gut. Aber da schwingt durchaus ein Subtext mit. Diese Aussage suggeriert, Wissenschaftler würden heutzutage primär verführen und überzeugen wollen. So als hätten sie vergessen zu informieren und aufzuklären. Aufklären und Informieren ist aber genau das, was sehr viele Wissenschaftsblogger und Microblogger machen (wollen) - siehe auch die Umfrage unter uns Sciloggern von 2012.

Statt also Wissenschaftler zu mahnen und zurückzupfeifen in Reih und Glied mit durchaus eingängigen Schlagworten wie "wissenschaftliche Redlichkeit und Selbstkritik", wäre heute vielmehr angezeigt, ihnen zur Seite zu stehen in diesen "Sozialen Medien". Das hätte eine Rolle vorwärts werden können, statt eines unterschwelligen Maulkorbs. Es wäre hilfreich, ihnen etwa gute Rahmenbedingungen in Form von Social-Media-Guidelines und Handreichungen der Profi-Kommunikatoren zu bieten. Immerhin sind Qualitätskriterien zur Kommunikation von Forschungsergebnissen angestrebt, das kann in der Tat bei der Orientierung helfen.

In 10 Tagen steht ein neues Branchentreffen von Kommunikatoren, Wissenschaftlern und Akademien an. Die VolkswagenStiftung lädt zum Workshop Wissenschaftskommunikation unter dem Motto "Image statt Inhalt". Leider kann ich nicht dabei sein. Aber ich hoffe, dort bekommt dieses Web 2.0, bekommen diese Social Media, die richtige Aufmerksamkeit! Viel Erfolg dem Kollegen Volker Stollorz, der gemeinsam mit Gesche Schifferdecker von der Max Weber Stiftung und Julia Wandt von der Universität Konstanz den Arbeitskreis III: Gute Wissenschaftskommunikation im Web 2.0 moderieren wird!

Mehr zum Thema:

Drüben bei Markus Pössel Akademien geben Empfehlungen für Wissenschaftskommunikation

und die von Marcus Anhäuser laufend aktualisierte Linkliste: Empfehlungen für eine bessere Wissenschafts-PR allerorten (wobei mir hier der Begriff PR nicht gefällt, denn es geht allgemein um Kommunikation)

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Forschung und Medien – ein Teufelspakt?http://www.scilogs.de/quantensprung/forschung-und-medien-%e2%80%93-ein-teufelspakt/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=forschung-und-medien-%25e2%2580%2593-ein-teufelspakt http://www.scilogs.de/quantensprung/forschung-und-medien-%e2%80%93-ein-teufelspakt/#comments Thu, 13 Feb 2014 15:49:46 +0000 http://www.scilogs.de/quantensprung/?p=289 ... weiter]]> Es ist ein Spiel von Geben und Nehmen. Forscher brauchen die Medien durchaus, um auf ihre Themen aufmerksam zu machen. Doch nicht selten knarzt es, kommt es zu Missverständnissen und manchmal haben Forscher selbst zu diesen falschen Verständnissen beigetragen. Davon berichtete heute auf sehr eindrückliche Weise mit zahlreichen Beispielen der DESY- und CERN-Forscher Prof. Dr. Thomas Naumann auf Einladung des Studiengangs WMK am KIT.

Von falschen Bildern

Das Gottesteilchen etwa. Es ist natürlich Unsinn, das Higgs-Boson als Gottesteilchen zu bezeichnen. Aber in die Welt gesetzt hat es – billigend – der amerikanische Experimentalphysiker Leon Lederman. Mit dem Buchtitel „The God Particle: If the Universe is the Answer, What is the Question?“.  Ursprünglich sollte angeblich der Titel „The goddamn particle“ lauten, aber Lederman lies sich wohl vom Verleger überreden. Jetzt ist das Gottesteilchen in der Welt und findet sich beständig in den Medien.

Dies ist nur eines von mehreren Beispielen, die Naumann in seinem mit Wortwitz gespickten Vortrag anführte, um zu warnen: „Man muss mit Metaphern gottverdammt vorsichtig sein“. Das Vereinfachen von komplexen Sachverhalten durch Metaphern habe nun mal seine Grenzen. Tatächlich wird man, ein falsches Bild, das einmal in die Welt geraten ist, nicht wieder einfangen können. Es wird sehr dankbar von Medien aufgenommen, selbst dann, wenn man in der jeweiligen Wissenschaftsredaktion durchaus um die verzerrte Darstellung weiß.

Das Schüren von Neugierde

Die Higgs-Verifizierung ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit theoretische Vorhersagen und deren experimenteller Nachweis auseinander liegen können: 50 Jahre waren es hier. Naumann sieht darin einen „großartigen Beweis für die theorienbildende Kraft in der Physik“. Doch ist es mit der Geduld der Menschen und den Investitionen in Grundlagenforschung so eine Sache. Wir wollen Ergebnisse.

„Noch nie in der Geschichte der Wissenschaft haben sich so viele Theorien über Generationen angestaut“, erläuterte Naumann – z.B. Superstringtheorie, Mehrdimensionalität. Zwar gingen laut Naumann durchaus Forscher mit diesen Themen bewusst in die Medien und zu den finanzierenden Ministerien. Aber seiner Ansicht nach seien solche „Shoppinglisten“ der zu erwartenden Beweise von Theorien der falsche Ansatz. Naumann betonte dagegen: „Eine wirkliche Entdeckung ist eine unerwartete Entdeckung“. Insofern könne das Schüren von Neugierde einen unnötigen Beweisdruck erzeugen und die freie Wissenschaft behindern.

Vulgarisation (franz. Für Popularisierung)

Eine weitere Falle in der Kommunikation über Forschung sieht Naumann in dem Bedürfnis nach Einfachheit. „Unsere Welt ist nicht einfach“, beharrt er.

Nun darüber hätte ich mich gerne noch weiter mit ihm ausgetauscht. Denn natürlich versuchen wir Journalisten Dinge so einfach wie möglich und dabei richtig darzustellen. Dass manchmal Vereinfachungen für Forscher zu weit führen, ist ein häufig vorgebrachter Vorwurf. Aber nicht jedes Detail, das aus Sicht von Wissenschaftlern wichtig ist, verbessert die Verständlichkeit, sondern behindert sie eventuell sogar so sehr, dass genau deshalb ein falsches Bild in den Köpfen der Leser, Zuhörer oder Zuschauer entsteht.

Positive Medienerlebnisse

Am Ende seines Vortrags setzte Naumann anstelle des vermeintlichen Teufelspakts auf ein „freundliches Geben und Nehmen“ zwischen Medien und Wissenschaft. Seiner Meinung nach sind Forschung und Medien gemeinsam gefordert an unserem Weltbild zu arbeiten, aufzuklären und Ängste zu nehmen.

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Sehr gut gefallen hat Thomas Naumann der ironische Umgang der FAZ mit den Klagen gegen das CERN wegen der gemutmaßten potenziellen Erzeugung von schwarzen Löchern.

„Verschwinden wir im schwarzen Loch?“ titelte die Zeitung am 10.09.2008 zum geplanten Start des LHC.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Aktenzeichen 2 BvR 2502/08) am 10.03.2010 krönte dies die FAZ mit dem Titel „Weltuntergang ad acta“.

Solche Ironie gefällt Physikern wie Lesern!

 

Eine weitere Nachlese zum Vortrag gibt es in diesem Storify der Tweets.

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