Herzlichen Glückwunsch RelativKritisch

14. Februar 2012 von Joachim Schulz in Über den Tellerrand

Relativ kritisch muss man sein, wenn man im Internet Wissenschaft diskutieren möchte. Beinahe jede pseudowissenschaftliche These und Verschwörungstheorie kann man im Internet finden. Beinahe jede gut bestätigte und etablierte Theorie findet im Netz überzeugte Kritiker, die mit missionarischem Eifer ihre Einwände unters Volk zu bringen versuchen.

Vor genau sechs Jahren entstand das Forum von RelativKritisch als Reaktion auf eine kleine Gruppe überzeugter Gegner der Relativitätstheorie, die damals die wissenschaftliche Forenwelt mit destruktiven Diskussionen überzogen haben. Als einer der ersten angemeldeten User im Forum, möchte ich heute die Gelegenheit ergreifen, dem Team von RelativKritisch herzlich zum erfolgreichen Aufbau des damals spontan gegründeten Projektes zu gratulieren.

In den Jahren 2006 und 2007 haben wir uns dort größtenteils mit selbst ernannten Kritikern der Relativitätstheorie auseinandergesetzt. Diese glaubten mit Hilfe halb verstandener Erkenntnistheorie eine gut etablierte physikalische Theorie widerlegen zu können. Aus dem Versuch, diesen Kritikern mit Argumenten entgegenzutreten, ist ein Großteil meines Webprojektes Relativitätsprinzip.info und die dazugehörige FAQ entstanden.

Wenn auch die Überzeugungsversuche nicht gefruchtet haben, so ist es mit diesem Webauftritt hoffentlich gelungen, interessierten Laien einen Einblick in die Gedankenwelt der Relativitätstheorie zu geben und die Unsinnigkeit pseudowissenschaftlicher Argumente zu verstehen.

Die Arbeit mit RelativKritisch hat aber auch gezeigt, wie wenig die fachliche Auseinandersetzung mit solchen Strömungen reicht. Es ist der Verdienst von RelativKritisch, historische Zusammenhänge aufzudecken und die Tradition der Einstein-Kritker zu beleuchten. Hier zeigte das RelativKritisch-Team eine sozialwissenschaftliche Kompetenz, die rein sachlich argumentierenden Physikern oft fehlt.

Geradezu erschreckend ist es, wie direkt sich einige der Relativitätskritiker auch heute noch antisemitischer Diskussionsschemata aus der Zeit der Deutschen Physik bedienen und wie wenig Distanz andere zu übelsten Nazis wie Phillipp Lenard zeigen, wenn sie sie als Autoritäten gegen die Relativitätstheorie heranziehen können. Kritik an Einstein war nie eine rein fachliche Angelegenheit. Antisemitische Propaganda gegen die Person Einsteins wurde und wird oft mit Kritik gegen die von ihm geprägte physikalische Theorie vermengt.

Enttarnung der Kritik an die Relativitätstheorie war nicht das einzige, vielleicht nicht einmal das größte Projekt von RelativKritisch. Es war nur das, an dem ich am meisten Anteil nahm. Später, als der Teilchenbeschleuniger LHC in der Startlöchern stand, widmete sich das Team von RelativKritisch den Argumenten derer, die den LHC juristisch stoppen wollten. Das Gespenst unbeherrschbarer schwarzer Löcher, die die Erde bis vielleicht 2012 verschlucken könnten, wurde an die Wand gemalt. Man könne sich vorstellen, so die Kritiker, dass solche Monster im LHC erzeugt werden. Wissenschaftliche Argumente gegen die Maschinenstürmer des LHC wurden unter bei RelativKritisch zusammengetragen und lebhaft unter interessierten diskutiert.

In der letzten Zeit ist es im Forum von RelativKritisch relativ ruhig. Dafür ist mir mehr und mehr der Blog dieses Portals wichtig geworden. Hier finden sich regelmäßig gut recherchierte Artikel, die pseudowissenschaftliche Strömungen und die Menschen dahinter fachkundig hinterfragen. Auch andere wissenschaftliche Themen und aktuelle gesellschaftliche Ereignisse werden hier besprochen. Unter anderem organisierte RelativKritisch für einige Zeit das Blog-Teleskop, an dem auch ich mit einem Beitrag teilnehmen konnte.

Ich kann allen meinen Leserinnen und Lesern nur empfehlen, den Blog von RelativKritisch in ihren Newsreader oder ihre Linkliste aufzunehmen oder ihn zumindest hin und wieder in Augenschein zu nehmen. Meinen Freunden und Blog-Kollegen von RelativKritisch gratuliere ich zum gelungenen Projekt und ich wünsche ihnen alles Gute für die nächsten sechs Jahre.


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