Soziale Medien im Elfenbeinturm

29. Februar 2016 von Joachim Schulz in Allgemein

Am Freitag war ich zu Gast bei einem Panel im Rahmen der Social Media Week in Hamburg. Die Veranstaltung hatte den Titel Adieu Elfenbeinturm! Wissenschaftler In Sozialen Netzwerken. Unter Leitung der NDR Moderatorin Melanie Stein diskutierten die Journalismus-Forscherin Wiebke Loosen, der Medienwissenschaftler Matthias Kohring, der Wissenschaftsjournalist Jakob Vicari und ich über die Wirkungen und Risiken Sozialer Medien für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dabei ist es uns meiner Beobachtung nach recht gut gelungen, das Themenfeld differenziert zu betrachten.

Einen Mitschnitt der Veranstaltung gibt es auch.


Das Thema dieser Veranstaltung passt gut zum heutigen Jubiläums meines Blogs. Am vorletzten 29. Februar habe ich meinen ersten Beitrag auf Scilogs geschrieben. Heute ist also der zweite Geburtstags des Blogs Quantenwelt. Es wird acht Jahre alt. Den ersten Geburtstag vor vier Jahren habe ich bereits benutzt um dieses Blog zu reflektieren. Solch eine Reflexion fand dieses Jahr etwas früher und im Rahmen einer Panel-Diskussion statt.

Die Fragestellung ist alt: Dürfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihre Arbeit bloggen oder sie auf sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram verbreiten? Sollen sie vielleicht sogar? Gibt es gar eine ethische Pflicht dies zu tun? Oder ist es eher schädlich?

Die ethische Pflicht haben wir wohl alle abgelehnt. Kohring bezeichnete sie als einen Unsinn. Die Wissenschaft benötigt als öffentlich finanzierte Veranstaltung selbstverständlich eine Legitimation, aber diese Erfolgt auf anderen Wegen. Ein Forschungsinstitut oder eine Universität muss rechtfertigen, wozu es die Forschungsmittel einsetzt. Aber das geschieht nicht täglich auf sozialen Medien, sondern durch Evaluierung in festgelegten Intervallen durch die Geldgeber. Die Wissenschaft lebt gerade davon, dass sie relativ frei Grundlagen erforschen kann, ohne sich ständig versichern zu müssen, wie groß das aktuelle Interesse der Öffentlichkeit ist.

Ach ja, Öffentlichkeit war auch ein Thema. Im Grunde ging es darum, ob es überhaupt eine Öffentlichkeit für Blogs, Tweets und Facebook-Postings über Wissenschaft gibt. Interessiert es die breite Öffentlichkeit, was ich als Wissenschaftler denke und was ich so mache? Begebe ich mich als bloggender Wissenschaftler in Konkurrenz zum Wissenschaftsjournalismus? Ich fürchte, dass ich dazu keine Antwort habe. Meine Website wird regelmäßig aufgerufen. Ich bekomme hin und wieder Kommentare zu meinen Blogartikeln. Meine Tweets werden gefavt und geteilt. Es gibt also offenbar ein Publikum für das, was ich im Netz schreibe. Aber wie groß dieses Publikum ist und ob ich eine breite Masse anspreche, kann ich nicht wissen. Das zu erforschen überlasse ich einfach der Medienwissenschaft.


2 Kommentare zu “Soziale Medien im Elfenbeinturm”

  1. Ralf Rath Antworten | Permalink

    Selbst als ich noch vor zwanzig Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Forschungsinstitut e. V. (SOFI) an der Georg-August-Universität in Göttingen war, scheuten dort etliche meiner früheren Kollegen nicht davor zurück, kurzerhand die Integrität meiner Person in Abrede zu stellen. So steht bis heute beispielsweise die Behauptung hoch im Kurs, dass die mir deshalb eingetretene und ärztlich mehrfach unumstößlich diagnostizierte Schwere meiner Erkrankung lediglich von mir vorgetäuscht würde und ich daher selbst an meiner äußerst prekären Lage schuld bin. Nicht anders verhält es sich, wenn ich die von mir auf einschlägigem Gebiet unwiderruflich gewonnenen Erkenntnisse öffentlich in den von bestimmten Tageszeitungen im Internet eingerichteten Leserforen öffentlich zugänglich mache. Sämtliche bisher auf meine Beiträge sich beziehenden Kommentare zweifeln aus dadurch nichtigem Anlass heraus meine wissenschaftliche Redlichkeit an. Werturteile wie "dummes Geschwätz", "Lüge" oder "Hochstapler" sind noch die harmloseren Äußerungen vonseiten Dritter; wobei das jeweils von mir vorgebrachte Argument stets vorsätzlich außer Acht gelassen und einzig meine Person auf diese Weise ihres Subjekts beraubt als Objekt für solch sadistische Projektionen missbraucht wird. Will man somit als seriös arbeitender Forscher soziale Medien nutzen, sollte nicht vergessen werden, dass das fragliche Unterfangen angesichts des besagten und gegenwärtig immer aggressiver unter der Bevölkerung um sich greifenden Fehlverhaltens allein um den Preis extremer Einschränkungen der eigenen Gesundheit ermöglicht ist.

  2. Jan-Hinrik Schmidt Antworten | Permalink

    Ích habe die Diskussion im Livestream verfolgt und fand sie sehr interessant (bin aber auch als Kollege von Wiebke Loosen viertel-befangen... :-)). Vielen Dank für das, wie ich fand, reflektierte und unaufgeregte Gespräch!

    PS: Zum Thema "Wissenschaftskommunikation und soziale Medien" gibt es derzeit übrigens hier auf scilogs.de ein Blog, das eine öffentliche Anhörung Mitte März in Berlin vorbereitet; dort werden drei Expertisen zu dem Thema vorgestellt und vorab eben hier im Blog zur Diskussion gestellt: http://www.scilogs.de/Wissenschaftskommunikation-hoch-drei/

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