Die Notizbücher: Destillate eines Forscherlebens

15. Mai 2013 von Kerstin Hoppenhaus in SigDet

Ein paar alte Notizbücher aus den letzten zwanzig Jahren – das klingt ein bisschen mager für ein „siginifikantes Detail“. Aber wenn man der Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston für ein paar Minuten zuhört wie sie über ihre Notizbücher spricht, dann kann man nicht anders als ihr aufs Wort zu glauben wenn sie sagt: „Diese Notizbücher sind das Wertvollste, das ich besitze.“ Und wenn sie dann den Bogen schlägt von ihren eigenen Notizbüchern zu den Beobachtungen der Naturforscher im 19. und frühen 20. Jahrhundert, zu Horace Bénédict de Saussure zum Beispiel, einem der ersten, die den Mont Blanc bestiegen haben, wie er bei Wind und Wetter auf seinem störrischen Maultier saß und kaum lesbare Notizen in sein Buch kritzelte, spätestens dann hat man an der Bedeutung des Notizbuchs keinen Zweifel mehr.

Vor und zurück in der Zeit, so geht es das ganze Gespräch über weiter, von der eigenen Geschichte in die große Geschichte, von der genauen Beobachtung im Detail zu weitreichenden Analysen. Und von der Rolle, die Frauen historisch in der Wissenschaft spielten, zu ihren eigenen Erfahrungen, als sie in den 90er Jahren aus den USA nach Deutschland kam und Direktorin am Max-Planck-Institut wurde. Für Daston ein Kulturschock: “Yes, I did find it difficult", sagt sie. "I encountered a degree of prejudice here, which I never encountered quite so brutally and frontally in the United States." Sie hat Wege gefunden, sich zu behaupten. Auch davon erzählt sie im Interview.

Ursprünglich wollte Lorraine Daston gar nicht Historikerin werden, sondern Astronomin. Aber dann hatte sie ein Seminar bei Owen Gingerich in Harvard über die Geschichte der Astronomie. "After that I was hooked" - süchtig nach Wissenschaftsgeschichte. Und dabei ist es bis heute geblieben.

Einen Kommentar schreiben


zwei + 2 =