Die unverbesserliche Seichtigkeit der Sprachnörgler (Teil 1)


Die ganze lange und trübsinnige Tradition der Sprachnörgelei entspringt einem bedauerlichen Missverständnis: Die Sprachnörgler unterschätzen sowohl die Komplexität von Sprachen als auch die Intelligenz von Sprecher/innen (ob letzteres darin begründet liegt, dass sie von sich auf andere schließen, sei dahingestellt).

Drei Vorstellungen sind für den Sprachnörgler nicht fassbar. Erstens, Sprache verändert sich. Zweitens, Wörter (und andere sprachliche Zeichen) können mehr als eine Bedeutung haben. Drittens, Verstehen besteht nicht in einem mechanischen Dekodieren von Wortbedeutungen, sondern in einem aktiven Deuten von Äußerungen in konkreten Situationen und im sprachlichen Zusammenhang. 

Die Sprachwissenschaft erschöpft sich nicht in diesen drei einfachen Erkenntnissen, aber wenn es uns irgendwie gelingen würde, sie den Sprachnörglern einzutrichtern, wären das für alle Beteiligten das Beste. Die Nörgler könnten sich ein weniger penetrantes und ebenso erfüllendes Hobby suchen -- zum Beispiel könnten Sie versuchen, Wasser in einem Sieb zu sammeln. Und der Rest von uns könnte sich entspannt zurücklehnen und Sprache einfach nur zum Sprechen benutzen.

Und vor allem blieben uns Listen erspart, wie die, die der Autor und Schreibtrainer Andreas Busch auf zehn.de veröffentlicht und die Bild.de aufgegriffen hat: „Die 10 am häufigsten falsch verwendeten Wörter“.

Wenn Sie die Liste noch nicht aus meinem Gastbeitrag im BILDblog kennen, will ich Sie nicht lange auf die Folter spannen. Die 10 am häufigsten falsch verwendeten Wörter sind die folgenden (und nein, Busch verrät nicht, wie er die Häufigkeit ihrer falschen Verwendung ermittelt hat):

  1. Wollte
  2. Irritiert
  3. Verstorben
  4. Mann statt Frau
  5. Sorgen
  6. Kult
  7. Reifenwechsel
  8. Busen
  9. Sympathie
  10. Public Viewing

Public Viewing ist dabei natürlich ein alter Bekannter, aber eins muss man Busch lassen: die Plätze 2 bis 10 sind  mal nicht die übliche Sprachnörglerkost. Was möglicherweise daran liegt, dass auch der durchschnittliche Sprachnörgler überrascht sein dürfte, dass es sich hier um häufig falsch verwendete Wörter handeln soll.

Zum Glück liefert uns Busch ja Begründungen, und die möchte ich im Laufe der Woche näher betrachten. Heute beginne ich mit den Wörtern sorgen, Kult und Busen, die alle Beispiele für das erste oben genannte Problem der Sprachnörgler sind: Die Unfähigkeit, zu verstehen und zu akzeptieren, dass Sprache sich ändert.

Was Busch im Falle dieser drei Wörter begeht, kann man als „etymologischen Fehlschluss“ bezeichnen. Unter Sprachnörglern ist die folgende Vorstellung weit verbreitet: Weil ein Wort irgendwann einmal Bedeutung A hatte, ist diese Bedeutung die einzig zulässige, die neueren Bedeutungen B und C sind ein Zeichen für Sprachverfall und müssen ausgemerzt werden.

Dass diese Vorstellung ein Fehlschluss ist, hat mindestens zwei Gründe: Erstens geht sie fälschlicherweise davon aus, dass es wünschenswert und machbar sei, Sprachwandel aufzuhalten, und zweitens setzt sie voraus, dass man eine Ursprungsbedeutung finden kann, der keine weiteren Bedeutungen vorausgehen.

Beides ist falsch, und das Beispiel von sorgen zeigt das sehr schön. Nach Busch wird dieses Verb „ständig“ falsch verwendet:

Ein Beispiel gefällig? „Blitzeis sorgt für Verkehrschaos“. Noch eines? „Börsencrash sorgt für Verunsicherung“. Was die Schreiber der beiden Schlagzeilen in Wirklichkeit meinten, war das Verb „verursachen“. Blitzeis und Börsencrash können für nichts und niemanden sorgen. Mütter sorgen für Kinder, Lehrer für ihre Schüler, da stimmt das Verb. [zehn.de]

Wo genau liegt hier für Busch das Problem? Schlägt man im Wörterbuch nach, so findet man drei Hauptbedeutungen des Verbs sorgen: 1) „sich Sorgen machen“ (Ich sorge mich um die Gesundheit meines Hamsters), 2) „sich kümmern“ und 3) „verursachen“ (Die Kunststücke meines Hamsters sorgen für Heiterkeit). Die zweite Hauptbedeutung ist noch einmal ausdifferenziert, man kann sich 2a) „um jemanden kümmern“ (Ich sorge für meinen Hamster), 2b) „darum kümmern, dass etwas vorhanden ist“ (Ich sorge für Futter und frisches Wasser), 2c) „darum kümmern, dass etwas geschieht“ (Ich sorge dafür, dass mein Hamster seine Impfungen bekommt).

Es ist intuitiv klar, dass die Bedeutungen irgendwie miteinander zusammenhängen. Unklar ist dagegen, wie Busch darauf kommt, dass ausgerechnet 2a) die richtige Bedeutung ist.

Gehen wir sprachgeschichtlich vor und beginnen in der Gegenwart: Die Verwendung, die Busch kritisiert, ist tatsächlich sprachgeschichtlich die jüngste. Sie findet sich noch nicht im Grimmschen Wörterbuch, muss also aus dem späten 19. oder aus dem 20. Jahrhundert stammen. Sie lässt sich relativ problemlos auf die ältere Bedeutung 2b) zurückführen: Von Ich sorge für frisches Wasser ist es nur ein kleiner Schritt zu Die Kunststücke meines Hamsters sorgen für Heiterkeit: Es fällt nur die Beschränkung weg, dass das Subjekt ein mit Absicht handelndes belebtes Wesen sein muss. Dieser kleine Bedeutungswandel ist übrigens nichts, was ausgerechnet für sorgen besonders typisch wäre -- er funktioniert bei vielen Verben: Mein Hamster hat sein Laufrad zerschlagen – Der Sieg meines Hamsters bei der Wahl zum Haustier des Jahres hat die Träume der Konkurrenz zerschlagen; Mein Hamster kommt nicht vom Fleck – die Diskussion kommt nicht vom Fleck; usw.

Aber Busch will ja auch die Verwendung 2b nicht zulassen, obwohl die sich schon bei Goethe findet (Ich werde sorgen, dass Sie den Betrag dafür so bald als möglich erhalten, Goethe, Briefe, 1780), für ihn muss es 2a) sein. Diese Verwendung ist sprachgeschichtlich tatsächlich noch etwas älter, sie findet sich beispielsweise in Luthers Bibelübersetzung (Alle ewer sorge werffet auff jn / Denn er sorget fur euch, 1. Petrusbrief 5:7)

Aber wenn sprachgeschichtliches Alter ein Argument sein soll, dürfen wir uns mit dieser Verwendung nicht zufriedengeben. Sie geht ihrerseits auf die noch ältere Verwendung „sich wegen etwas Sorgen machen“. Auch die findet sich in der Lutherbibel (dein Vater hat die Esel aus der acht gelassen / vnd sorget vmb euch, 1. Samuel 10:2).

Und auch das ist nicht die ursprüngliche Bedeutung. Sie geht ihrerseits zurück auf die Bedeutung „traurig sein“. In der gothischen Bibelübersetzung findet sich diese Verwendung noch: jus saurgandans wairþiþ (Johannes 16:20), bei Luther steht dort schon Jr aber werdet trawrig sein.

Das Verb sorgen kommt also von einer proto-germanischen Wurzel, die „traurig sein“ heißt. Ihre Bedeutung hat sich zunächst auf die allgemeinere Bedeutung „bedrückendes, quälendes Gefühl“ ausgeweitet, besonders in Zusammenhängen, in denen man Angst vor der Zukunft oder Angst um das Wohlergehen von jemandem hat. Wenn man ein solches Gefühl hat, tut man häufig bestimmte Dinge, damit die negativen Befürchtungen nicht eintreffen -- man kümmert sich um Menschen und man kümmert sich um Dinge, die benötigt werden. So kam die Übertragung auf die oben genannten Bedeutungen 2a/b) zustande. Von dort aus wurde die Bedeutung noch allgemeiner und konnte sich dann auch auf Ereignisse beziehen, die jemand herbeiführt. Dann kam der letzte, oben schon beschriebene Schritt hin zur allgemeinen Verursachung von Ereignissen durch andere Ereignisse.

Nach Buschs Logik müsste man also mindestens bis zum Proto-Germanischen zurückgehen und nur die Verwendung „traurig sein“ erlauben. Auch das wäre aber beliebig. Auch diese Bedeutung ist nämlich nicht die Ursprungsbedeutung, denn Wörter haben schlicht keine „Ursprungsbedeutung“. Jede Bedeutung geht aus einer anderen Bedeutung hervor, und so können wir vor jeder „Ursprungsbedeutung“ eines deutschen Wortes eine Ursprungsbedeutung dieser Ursprungsbedeutung finden, bis die Herkunft des Wortes sich in den Nebeln der indoeuropäischen Vergangenheit verliert.

Wir müssten jedes Wort bis zu seiner ersten Verwendung zurückverfolgen, wenn wir ernsthaft nach dem Prinzip verfahren wollten, nur Ursprungsbedeutungen zuzulassen. Da selbst die optimistischsten Rekonstruktionen uns maximal 10 000 Jahre in die Vergangenheit blicken lassen, menschliche Sprache aber vermutlich 50 000 bis 80 000 Jahre alt ist, würden wir so auf einen Schlag den größten Teil unseres Wortschatzes nicht mehr verwenden können, da sich die Ursprungsbedeutungen nicht mehr ermitteln lassen.

Einfach irgendeine Bedeutung aus dem uns bekannten Teil der Geschichte eines Wortes herauszugreifen und sie zur „eigentlichen“ Bedeutung zu erklären, wie Busch es tut, hat aber mit Sprachpflege nichts zu tun, es ist reine Willkür nach dem Motto „Früher war alles besser, und mit früher meine ich eine Zeit, die ich nach Gutdünken festlege“.

Beim Wort Kult gilt das natürlich auch, seine Spur ist aber kürzer und verliert sich schneller, weshalb wir es relativ kurz abhandeln können. Busch sagt dazu Folgendes:

„Das ist Kult!“ Klingt oft absolut und duldet keinen Widerspruch, auch wenn es sich dabei nur um einen neuartigen Lippenstift, einen alten Song, ein fast vergessenes Kleidungsstück oder ein verrostetes Auto wie eine „Ente“, einen „Käfer“ oder einen (tierfreien) Renault R 4 handelt. „Kult“ bedeutet ursprünglich die Religionsausübung mit festgelegten Handlungen. Die festgelegten Handlungen mag es auch bei den oben erwähnten Oldtimern geben - aber „Kult“? [zehn.de]

Hat er Recht? Ja und nein. Sicher, das Wort ist im 17. Jahrhundert mit der Bedeutung „religiöses Ritual“ aus dem Lateinischen ins Deutsche entlehnt worden. Die allgemeinere, nicht mehr nur auf Götter bezogene Bedeutung „(übertriebene) Verehrung einer Person oder Sache“ hat sich erst später entwickelt. Aber ist sie deswegen falsch? Genausogut könnte man die ursprüngliche Bedeutung als falsch bezeichnen, denn sie beschränkt zunächst die eigentlich viel allgemeinere Bedeutung des lateinischen Wortstammes cult-, der neben der Verehrung einer Gottheit auch die Bedeutungen „Pflege“, „Bebauung von Land“ und „Bildung“ hatte (man vergleiche Wörter wie Kultur, Kultus(ministerium), kultivieren, usw.).

Anders gelagert ist der Fall bei Busen. Auch dieses Wort hat laut Busch eine Bedeutungsveränderung durchlaufen:

Einen schönen Busen haben viele Frauen. Schöne Brüste haben sie deswegen noch lange nicht. Wo liegt der feine Unterschied? Antwort: In der Mitte liegt er, genau in der Mitte. Denn der Busen ist in seiner Ursprungsbedeutung nichts anderes als das Tal zwischen den Brüsten. Das Dekolleté, mit anderen Worten. [zehn.de]

Nehmen wir mal an, Busch hätte recht. Dann könnte man dasselbe entgegnen, wie bei den anderen beiden Wörtern: Warum sollte uns interessieren, was das Wort in einer aus dem andauernden Bedeutungswandel beliebig herausgegriffenen „Ursprungsbedeutung“ bezeichnet hat? Was macht diese Bedeutung besser oder schlechter als die aktuelle?

Die Frage erübrigt sich hier aber zunächst, denn das Wort Busen hat zwar vor nicht allzu langer Zeit eine Bedeutungsveränderung durchlaufen, aber nicht die, die Busch uns weismachen will. Das Wort bezeichnete nämlich bis in die (sprachgeschichtlich betrachtet) jüngere Zeit jede menschliche Brust, ob männlich oder weiblich. So schrieb Goethe noch Anfang des 19. Jahrhunderts ganz selbstverständlich Können wir wissen, was in dem Busen der Männer schlägt (Stella, 3. Akt) und sogar zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich noch Verwendungen wie Platon, ... dessen Busen von dichterischem Schwunge belebt war (Otto Apelt, Platonische Aufsätze). Auch das Wort Busenfreund (in der Bedeutung „bester Freund“, nicht in der Bedeutung „Leser von Herrenmagazinen“) zeigt, dass das Wort ursprünglich nicht auf die weiblichen Brüste beschränkt war.

Der Jadebusen
Achtung, nicht jugendfrei: Ein Bild von einem Busen
(Abbildung von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0)

Das allein macht es schon äußerst unwahrscheinlich, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt „das Tal zwischen den Brüsten“ bezeichnet hat, und tatsächlich hat es das auch nie. Ich weiß nicht, woher Busch diese Fehlinformation hat, aber wenn man den etymologischen Fehlschluss schon in spracherzieherische Vorschriften ummünzen will, dann sollte man sich die Etymologie der betreffenden Wörter vorher kurz ansehen. Der etymologische Fehlschluss lässt Sprachnörgler schon für sich genommen eher verstaubt als gelehrt wirken, aber wenn man ihn mit falschen Etymologien vermischt, die man auf der Rückseite einer Cornflakespackung oder in einem Glückskeks gefunden hat, ist man, um es mit einem Fachbegriff der Sprachnörglerforschung zu sagen, ein Vollpfosten.

Und nur, damit das klar ist: Es wäre nichts gewonnen, wenn wir nun herumliefen und alle, die die weibliche Brust als Busen bezeichnen darauf hinwiesen, dass das Wort in seiner „Ursprungsbedeutung“ auch die männliche Brust einschließe. Denn, wir wiederholen alle gemeinsam: Eine Ursprungsbedeutung haben Wörter nicht.

Die Wurzel, aus der das Wort Busen entstanden ist, findet sich in allen westgermanischen Sprachen mit der Bedeutung „Brust“. Davor wird es schon etwas nebliger, aber es ist wahrscheinlich, dass sie auf das indoeuropäischen *bheu- zurückgeht, das etwa „aufblasen, schwellen“ bedeutet (das Wort Beule hat denselben Ursprung). Alternativ käme aber auch der Stamm *bhâghu-s infrage, der in dieser Form für das Indoarische rekonstruiert werden kann und „Arm“ bedeutete -- der Busen wäre also so etwas wie „die Stelle zwischen den Armen“.

Wer also der Meinung ist, dass Wörter nur in der ältesten bekannten Bedeutung verwendet werden dürfen, der hat jetzt die Wahl, ob er seinen Mitmenschen mit der Behauptung auf die Nerven gehen will, dass Busen eigentlich „Arm“ bedeutet, oder mit der, dass es jede Art von „Beule“ oder „Schwellung“ bezeichnet.

Noch besser wäre es natürlich, einzusehen, dass Wortbedeutungen sich immer verändert haben und immer verändern werden. Sprache lässt sich nicht fixieren, präparieren und in Museumsvitrinen stellen. Sie ist ein Werkzeug. Ein großartiges, komplexes und wunderschönes Werkzeug, aber trotzdem ein Werkzeug, dessen Nutzen in seinem alltäglichen Gebrauch liegt.

 

[Nachtrag: Die Fortsetzung dieser Serie findet sich hier.]

 

Folgen Sie dem Sprachlog:

BUSCH, Andreas (2011) Die 10 am häufigsten falsch verwendeten Wörter. Zehn.de [Link]

DUDEN (2001) Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Die Geschichte der deutschen Wörter bis zur Gegenwart. Dritte Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim.

GRIMM, Jacob, und Wilhelm GRIMM (1854–1960) Deutsches Wörterbuch. [Link]

HARPER, Douglas (2001-2010) Online Etymology Dictionary. [Link]

SIMPSON, John (Hg., 1989) Oxford English Dictionary. Zweite Auflage. Oxford University Press.

© 2011, Anatol Stefanowitsch


57 Kommentare zu “Die unverbesserliche Seichtigkeit der Sprachnörgler (Teil 1)”

  1. Dierk | Permalink

    Könnte es sein, dass Herr Busch in Hamburg Anglistik studiert hat? Dort geisterte diese Busennummer zwischen 1986 und 1990 prominent umher [und auch ich fiel darauf rein].

    Übrigens auch immer sehr schön sind die recht schnell oszillierenden Bedeutungswandel des deutschen 'geil' und des englischen 'gay', gerade das zweite scheint die Hauptbedeutung im Halbdekadenabstand zu wechseln.

  2. Ludwig Trepl | Permalink

    "Drei Vorstellungen sind für den Sprachnörgler nicht fassbar."
    Ich bin ein leidenschaftlicher, ja, besessener Sprachnörgler, aber die drei Vorstellungen sind für mich durchaus faßbar. Etwas verwunderlich finde ich nur, daß sie als Erkenntnisse der Sprachwissenschaft bezeichnet werden. Ich dachte, das weiß sowieso jeder.

    "Unter Sprachnörglern ist die folgende Vorstellung weit verbreitet: Weil ein Wort irgendwann einmal Bedeutung A hatte, ist diese Bedeutung die einzig zulässige, die neueren Bedeutungen B und C sind ein Zeichen für Sprachverfall und müssen ausgemerzt werden."
    Ja, das stimmt leider, da sind meine Mit-Nörgler zu kritisieren. Aber es stimmt halt auch: Wer meint, daß man deshalb, weil ein Wort, das die Bedeutung A hat, nur deshalb, weil es irgendwann einmal die Bedeutung X haben könnte und vielleicht in einigen Kreisen schon so gebraucht wird, jetzt in der Bedeutung X gebraucht werden darf, begeht einen entsprechenden Sein-Sollens-Fehlschluß. Ob ein Wort irgendwann, sei es früher, jetzt oder in Zukunft, so oder so gebraucht wurde, wird oder werden wird, ist eine ganz andere Frage als die, wie es gebraucht zu werden hat.

    Herr Stefanowitsch meint, die Sprachnörgler gingen davon aus, dass es "wünschenswert und machbar sei, Sprachwandel aufzuhalten". Das ist interessant, denn so hab ich meine Mission bisher nicht gesehen. Ich meine vielmehr, daß ein Sprachwandel wünschenswert ist, sonst würde ich ja nicht an der real existierenden Sprache herumnörgeln. Daß der wünschenswerte Sprachwandel "machbar" ist, glaube ich allerdings nicht.

  3. zsezse | Permalink

    Ich freue mich schon darauf, wenn Sie "Mann statt Frau" auseinander nehmen.

  4. bruno jennrich | Permalink

    2+2=5

    anything goes?

  5. D.A. | Permalink

    "[...] Verstehen besteht nicht in einem mechanischen Dekodieren von Wortbedeutungen [...]"
    -- So absolut formuliert würden da zumindest formale Semantiker widersprechen ;) (Aber keine Frage, das mechanische Dekodieren kann höchstens der Anfang des Verstehensprozesses sein, das sagen natürlich auch formale Semantiker ...).

    "Der etymologische Fehlschluss lässt Sprachnörgler schon für sich genommen eher verstaubt als gelehrt wirken, aber wenn man ihn mit falschen Etymologien vermischt, die man auf der Rückseite einer Cornflakespackung oder in einem Glückskeks gefunden hat, ist man, um es mit einem Fachbegriff der Sprachnörglerforschung zu sagen, ein Vollpfosten."
    -- Der beste Satz, den ich seit langem gelesen habe. Genial!

  6. Jörg Friedrich | Permalink

    Der Begriff "Sprachnörgler" selbst zeigt m.E., wie sehr dieser Artikel eigentlich an der Sache selbst vorbei geht. Dieser Begriff hat überhaupt keine fassbare, aus seinen Bestandteilen herleitbare Bedeutung und das, was der Artikel quasi als "hinweisende Definition" für den Begriff hergibt hat nichts mit der Verwendung des Verbs "nörgeln" im sonstigen Sprachgebrauch zu tun. Möglicherweise wird der Begriff einfach verwendet weil "Nörgelei" nirgends gemocht wird und sich die Zuschreibung so wunderbar eignet um jemanden als Spiel-und Spaßverderber kennzeichnen zu können.Dabei kann gerade das Herausarbeiten älterer Verwendungen von Wörtern ein durchaus spaßiges Spiel sein, das sehr erhellend ist.

    Sprachdynamik entsteht durch das Spannungsfeld von Innovation und Konservation, weder ohne das eine noch ohne das andere ist Verständigung auf Dauer möglich. Auch diejenigen, die die Veränderlichkeit als Wert an sich hinstellen, kann man zurecht als Nörgler bezeichnen -nörgeln sie doch ständig am bestehenden, hergebrachten herum.

  7. amfenster | Permalink

    @Jörg Friedrich
    "Dabei kann gerade das Herausarbeiten älterer Verwendungen von Wörtern ein durchaus spaßiges Spiel sein, das sehr erhellend ist."

    Als leidenschaftlicher Quartals-Sprachhistoriker kann ich das nur unterschreiben.
    Problematisch wird es allerdings dann (und hier setzt Stefanowitschs Kritik an), wenn aus den so gewonnenen Erkenntnissen "eigentliche" Bedeutungen normativ gesetzt werden und die Beschäftigung mit älteren Verwendungen nur dazu dient, den aktuellen Gebrauch zu desavouieren.
    Da geht es eben nicht um die Freude an der Sache oder die Einsicht in sprachhistorische Zusammenhänge, sondern um - naja, Sprachnörgelei.

  8. Philipp | Permalink

    Mein männlicher Busen

    Also ist der Goethe voll in die fiese Sprachfalle getappt, hätte er doch nur Bild gelesen...

    Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe machen, sich mit diesem haarsträubenden Unsinn auseinanderzusetzen.

    Vielleicht irrt mein Sprachgefühl, aber wenn sich bei dickeren Männern etwas bildet, was wie ein Busen aussieht (und es muss nicht immer Übergewicht sein, auch einige Medikamente können Gynäkomastie verursachen—nicht nur Hormone zur Geschlechtsumwandlung, auch mal ein Antidepressivum), kann man das auch Busen nennen. Mache ich zumindest bei mir selbst.

    Wäre es nicht viel schöner, man riefe in den Zeitungen dazu auf, Sprache kreativ zu verwenden und sich nicht jeder ungewöhnlichen Wortwahl gleich zu schämen?

  9. Malus | Permalink

    Schöner Artikel!

    Buschs "Busen"-Fehlinformation könnte ganz profan aus der Wikipedia stammen:

    "Die Lücke, bzw. Rinne zwischen den beiden Brüsten heißt Busen; auf lateinisch: sulcus, bzw. sinus intermammarius"
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Brust)

    Als Quelle ist dort der "Taschenatlas Anatomie Bd.2" von H. Fritsch/W. Kühnel angegeben.

  10. Peter | Permalink

    thx

    Sehr interessant, danke.

  11. Martin Holzherr | Permalink

    Jeder ein verkappter Sprachnörgler?

    Dass Richtig/Falsch für Sprachphänomene meist die falsche Kategorie ist, darauf verweisen mehrere Kommentare zum Busch-Artikel Die 10 am häufigsten falsch verwendeten Wörter und ich nehme einmal an, dass die meisten Leser dies ähnlich sehen. Warum aber werden solche Artikel dann trotzdem gern gelesen und erscheinen sogar in einer Bestenliste. Mir fallen drei Gründe ein: 1) Die meisten von uns sind Sprachkonsumenten und Sprachproduzenten und deshalb gibt es ein natürliches Interesse für Sprachfragen 2) Gerade weil es oft kein Richtig/Falsch gibt, sind viele verunsichert, was den Sprachgebrauch angeht. Sprachnörgler-Artikel bedienen also die Neugier, ob man selber richtig liegt mit dem eigenen Sprachgebrauch
    3) Nicht wenige (Pedanten?, Anankasten?) neigen selbst zur Sprachnörgelei oder haben sich schon am Sprachgebrauch ihrer Kollegen, Kinder oder Ehepartner gestört.

    Natürlich kann man Wörter auch wirklich falsch verwenden. So falsch, dass das Konstrukt niemand mehr versteht, dass es grammatikalisch falsch ist oder einfach störend wirkt: Man kann sich blamieren, sich selber ins Abseits stellen, sich amüsieren über falsch verwendete Wörter anderer und in falsch verwendeten Wörtern einen Hinweis auf die Bildung/Intelligenz des Gegenübers erkennen. Sprachliche Äusserungen also als vielleicht unfreiwllig vorgewiesene Visitenkarte.
    Darum wird den Sprachnörglern und Sprachlehrern wohl nie Arbeit ausgehen, ihnen immer eine gewisse Aufmerksamkeit gewiss sein.

  12. Jet Lag | Permalink

    Zur (falschen) Herkunft von Busen

    „Ich weiß nicht, woher Busch diese Fehlinformation hat ... “
    Das mit der Bedeutung vom Busen als Tal zwischen den Brüsten steht wortgleich so in Gisbert Haefs „Handbuch des nutzlosen Wissens“.
    Nur weist Haefs ja immer wieder auf die Nicht-Gesichertheit bzw. Nicht-Wissenschaftlichkeit seiner Informationen hin.

  13. Jörg Friedrich | Permalink

    Ein bisschen nörgeln

    "dass es grammatikalisch falsch ist" - da könnte man auch dran nörgeln und fragen, warum hier "grammatikalisch" geschrieben wird, wo doch "grammatisch" reichen würde -natürlich kann man sagen, dass Sprache nunmal dynamisch ist, aber die Gründe für diese Intellektualisierung der Sprache kann man (im "ursprünglichen" Sinn des Wortes Kritik) sicher kritisieren.

  14. Tine | Permalink

    Lieber Herr Stefanowitsch,

    Danke!

    Eine verzweifelte Sprachwissenschaftlerin

  15. BissiWissi | Permalink

    Zunächst

    Sehr schön geschrieben.

    Was ist denn mit folgender Vormulierung, die ständig zu lesen ist:

    Ein siebzehnjähriger wurde bewußtlos im Park gefunden. Of ein Gewaltverbrechen geschehen war, war zunächst unklar.

    Der Artikel hört an der Stelle auf. Nach "zunächst" müsste doch noch ein "später jedoch" oder etwas in der Art folgen, oder?

  16. BissiWissi | Permalink

    Vormulierung

    haha, der Rächtschreibkiller.

    Ich meinte natürlich die "Formulierung"...

  17. Martin Holzherr | Permalink

    @Friederich:grammatisch/grammatiikalisch

    Der Spiegelsprachhüter vom Dienst Bastian Sick schreibt zu grammatisch/grammatikalisch :

    In dem Film "Die zwölf Geschworenen" mit Henry Fonda ereiferte sich einer der Geschworenen über die vermeintlich "grammatisch falsche" Ausdrucksweise des Angeklagten und wurde dafür - ausgerechnet von einem Immigranten* - mit den Worten verbessert: "Es heißt grammatikalisch." Das war 1957, und damals galt "grammatikalisch" noch als standardsprachlich. Inzwischen ist es veraltet, das kürzere Adjektiv "grammatisch" hat sich durchgesetzt.

    Doch wie kommt Sick darauf "grammatikalisch sei veraltet? Sind es statistische Auswertungen? Oder ist es sein persönliches Geschmäckle?
    grammatisch liefert bei Google etwa eineinhalb Mal soviele Treffer wie grammatikalisch und auf der Website Wortgebrauch und Verwechslungen liest man Hat im Web grammatisch die Oberhand, so ist es in den News genau umgekehrt. Veraltet ist grammatikalisch also mitnichten; vielmehr erfreuen sich beide Formen offenbar bester Gesundheit.....Beliebig austauschbar sind grammatisch und grammatikalisch jedoch nicht; vielmehr hat sich seit ihrer Bildung eine feine Differenzierung herausgebildet. So verzeichnen der sechsbändige Wahrig, der zehnbändige Duden und der Fremdwörterduden für grammatikalisch ausschließlich die Bedeutung die Grammatik betreffend, zu ihr gehörend, auf ihr beruhend, für grammatisch zusätzlich die Bedeutung der Grammatik gemäß, ihren Regeln entsprechend. Konsequenterweise ist in den ersten beiden Werken auch nur ungrammatisch (in der Bedeutung nicht der Sprachlehre gemäß) verzeichnet, nicht jedoch ungrammatikalisch.

    Am Schluss dieses Absatzes zum Paar grammatisch/grammatikalisch liest man:
    grammatisch in all seinen Bedeutungen bietet sich für den an, der nicht trennen mag oder der den Bannstrahl deutscher Linguisten fürchtet. Wer nicht alle sprachlichen Feinheiten einebnen möchte und es gerne etwas nuancierter hätte, dem sei für die Bedeutung die Grammatik betreffend das Wort grammatikalisch nahegelegt.

    Mir selbst war schon vorher bewusst, dass sowohl grammatisch als auch grammatikalisch in Gebrauch sind und dass es einen feinen Bedeutungsunterschied gibt. Ich hätte ihn jedoch nicht benennen könne - wohl darum weil der grösste Teil meines Sprachwissens passiv ist.
    Doch damit bin ich wohl nicht allein. Unsicherheit gehört wohl zur Sprachpraxis. Und Sprachpäpste geben vor, diese Unsicherheit sei nur ein Problem der Uneingeweihten.

  18. Patrick Schulz | Permalink

    @Martin Holzherr: grammatisch/grammatika

    grammatisch oder ungrammatisch sind für mich sprachliche Äußerungen, grammatikalisch ist für mich ein bestimmtes Phänomen, das seinen Ursprung in der Grammatik einer Sprache hat:

    Ich lese das Buch

    ist grammatisch,

    *Ich lese der Buch

    ist ungrammatisch,
    das Phänomen, dass Artikel und Kopfnomen bzgl. Kasus kongruieren ist ein grammatikalisches (und nicht etwa ein lexikalisches [oder war es kein „lexikales“?])

  19. Seehmann | Permalink

    Ursprungsbedeutung

    sehr gute Info, dennoch bezweifele ich, dass Wörter keine Ursprungsbedeutung haben, das ist wie ein Samenkorn. Dann im Laufe des Lebens wird daraus ein Wortbedeutunsgebilde, wau!

  20. mikerolli | Permalink

    Busen =Beule

    Das mit der Beule scheint plausibel.Woher käme sonst der Meerbusen?

  21. Peer | Permalink

    @seehmann

    Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber ich verstehe das so: Es gibt (meistens) keine Urspungsbedeutung, weil sich Wörter immer wieder ändern, bzw. neu angewand werden.
    Das ist ein evolutionärer Prozess: Was war der erste ursprüngliche Mensch? Ab wann ist eine Ansammlung von Sandkörnern ein Berg? Da kann man keine klare Grenze ziehen und sagen: Hier: davor war das Wort was ganz anderes, ab jetzt ist es das, was wir wollen.

  22. Helmut Wicht | Permalink

    Reifenwechsel

    Ah! Der Reifenwechsel ist auch in der Liste?

    "Vettel kommt in die Box. Jetzt kommt's auf jede Zehntelsekunde an, die Regenreifen müssen drauf ... uaahhh ... was macht denn dieser Mechaniker da? ... Seh'n Sie das? .. wie der mit dem Montiereisen den Reifen von der Felge mostet ... rutscht ab .. Mann, das DAUERT..."

    "Wie erklären Sie sich den Verlust des sicher geglaubten Sieges, Herr Vettel?"

    "Verfehlte Personalpolitik! Nie wieder einen Mechaniker, der im VDS ist!"

  23. Michwitz | Permalink

    Nervtötend

    Mag ja sein, dass die Sprachnörgler nervig sind. Aber Stefanowitsch kommt mir zunehmend wie eine umgedrehte Version von Sebastian Sick vor. Diese "ich sage euch, wie es wirklich ist"-Mentalität kommt in der Schule nicht gut an und im Internet auch nicht.

  24. Jörg Friedrich | Permalink

    @Martin Holzherr grammatisch

    Danke für die umfangreiche Aufklärung, ich bin kein Sprachwissenschaftler und habe hier wieder recherchiert noch Statistiken gezogen. "Grammatikalisch" bezieht sich nach meinem Verständnis auf die Grammatik als System, als Regelwerk, während sich "grammatisch" auf den einzelnen Fall der Verwendung bezieht. Grammatisch/Grammatikalisch ist für mich ein Wortpaar wie technisch/technologisch oder moralisch/ethisch. Ich finde es gut, dass man da sprachlich differenzieren kann, deshalb fallen mir abweichende Verwendungen auf und ich frage mich, warum sie auftreten. Aber wie gesagt, ich bin da Laie (und hab ja auch nur "genörgelt").

  25. Ludwig Trepl | Permalink

    @Martin Holzherr @Friederich:grammatisch

    „Doch wie kommt Sick darauf "grammatikalisch sei veraltet? Sind es statistische Auswertungen? Oder ist es sein persönliches Geschmäckle?
grammatisch liefert bei Google etwa eineinhalb Mal soviele Treffer .... Veraltet ist grammatikalisch also mitnichten“.
    Ich kenne den Unterschied zwischen grammatisch und grammatikalisch nicht und habe darum auch keine Ahnung, ob letzteres veraltet ist. Sicher ist aber: Mit der Methode, mit Hilfe von Google zu ermitteln, wie oft es gebraucht wird, kann man das nicht herausfinden. Nicht nur, weil es ja sein könnte, daß diejenigen, die die veraltete Form benutzen, im Internet überdurchschnittlich häufig sind, sondern weil es ja sein könnte, daß die Mehrheit diese veraltete Form benutzt, so wie die große Mehrheit der Menschen zur Zeit der Aufklärung nicht im Sinne der Aufklärung dachte, sondern in den Bahnen veralteter kirchlicher Orthodoxie (woran man sieht, daß „veraltet“ nicht bedeutet, daß die Mehrheit etwas nicht mehr gebraucht). Man könnte dann zwar versuchen, mit Google oder sonstwie herauszufinden, ob „grammatikalisch“ im Abnehmen begriffen ist. Daraus aber den Schluß zu ziehen, es sei veraltend (auf den Schluß „veraltet“ wird man hier sicher nicht kommen), ist allerdings nicht zulässig. Es wäre ja z. B. möglich, daß „grammatikalisch“ eine etwas andere, aber doch nicht veraltende Bedeutung angenommen hat, daß der Anwendungsbereich geschrumpft ist, vielleicht auf einen Bruchteil seiner früheren Größe, man im neuen Anwendungsbereich aber keineswegs von veralten sprechen kann usw.
    Mit quantifizierenden Methoden kommt man in dieser Frage überhaupt nicht weiter. Man muß Fragen stellen wie: Wer gebraucht das Wort warum und wie in welchem Kontext? Gibt es Kontexte, seien sie auch noch so selten, in denen dieses Wort durch das andere nicht ersetzbar ist? Auch, um es im modischen Jargon zu formulieren: Besitzen die, die es gebrauchen, überhaupt die nötige Sprachkompetenz?
    Das heißt, man braucht nicht empirisch-analytische, quantifizierende Methoden, sondern sogenannte qualitative, vor allem phänomenologische und hermeneutische. Nun sagt man aber seit wer weiß wann und zu Recht, daß die Hermeneutik nicht nur Methode, sondern auch Kunst sei. Das impliziert, daß man auf so etwas wie Gespür (was etwas anderes ist als „Geschmäckle“) nicht verzichten kann. Es bleibt nichts anderes übrig, als die Antwort der Diskussion derer zu überlassen, die dieses Gespür haben; ob sie es haben, muß sich in dieser Diskussion erweisen. Ich habe es, wie gesagt, jedenfalls nicht und ob Herr Sick es hat, darf man wohl auch bezweifeln. Aber einfacher, so daß der im Geiste der empirisch-analytischen Wissenschaft großgezogene Wissenschaftler zufrieden wäre, geht es nicht.

  26. Michael Allers | Permalink

    "Wasser in einem Sieb zu sammeln"?

    Zum Blogpost an sich: Für mich der beste seit langem, besonders die Quintessenz im zweiten Absatz:

    Drei Vorstellungen sind für den Sprachnörgler nicht fassbar. ...

    Nicht-linguistische Ergänzung: Viertens, etwas mit dem Attribut 'deutsch' ist nicht aufgrund dessen per se besser als alles andere.

    Auch humoristisch ist der Beitrag wieder vom Feinsten. Jedoch: So urkomisch die Vorstellung ist, wie die K.u.K.-Monarchen eines einschlägigen Vereins versuchen,

    Wasser in einem Sieb zu sammeln

    ,

    befällt einen doch folgende düstere Vision:

    1. Nach 1024 vergeblichen Versuchen konstatieren die Hobbyisten, die deutsche Physik sei im Niedergang begriffen. Zu Einsteins Zeiten seien Siebe noch wasserdicht gewesen. Diese, dem Land der Dichter [sic!] und Denker eigene Dichtigkeit werde von angloamerikanischen Schwarzen Löchern zersetzt.

    2. Ein Bottroper Professor für Empirische Musiksoziologie gründet den 'Verein Deutsche Physik'.

    3. Erste Pressemitteilung: 'Sieben', eine deutsch-physikalisch fundierte Tätigkeit zur Trennung von Materie, werde durch das US-imperialistische 'seven' verdrängt!

    4. Konsequenz: Ein 'Physizismen-Index' wird erstellt. Grigori Potjomkin rotiert vor Freude im Grabe.

    5. VDP-Koryphäe S. betont in der 'Phoenix-Runde', dass sich die deutsche Physik gegenüber der bulgarischen und dänischen "irgendwie auszeichnen würde".

    6. Der VDP verlautbart: E = mc^2 heißt in Amerika E = mc donald's und wird ausschließlich im Zusammenhang mit Todesfällen verwendet. Diese Erkenntnis wird alsbald in sämtlichen Medien kritiklos ad infinitum wiedergekäut.

    7. Eine überwältigende Mehrheit von ca. 50.000 Deutschen erhebt die Forderung nach einer Grundgesetzergänzung: "Die Physik der Bundesrepublik ist Deutsch."

    Wollen wir das den Physikern wirklich antun?

  27. Lars Träger | Permalink

    Vorsicht bei Scherzen "deutsche Physik"

    Die "deutsche Physik" gab es nämlich schon: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Physik

    So war das Weltbild der Deutschen Physik einerseits nationalsozialistisch geprägt und lehnte andererseits die von Albert Einstein entwickelte Relativitätstheorie und die Quantenmechanik ab. Diese beiden Standpunkte wurden dabei in einen ideologischen Bezug zueinander gesetzt.

    Soviel zum Thema das selbst die absurdesten Witze nicht von jemandem todernst genommen werden - auch wenn das inzwischen wieder vergessen wurde.

  28. Michael Allers | Permalink

    PC?

    @Lars Träger:
    Es ist mir wohl bewusst, dass es eine "Deutsche Physik" und auch "Deutsche Mathematik" gab. Hätte ich mich darauf bezogen, hätte ich den Begriff genauso, in Anführungszeichen geschrieben.

    Andererseits ist - ungeachtet politischer Implikationen - die Argumentation der Sprachnörgler m.E. ähnlich absurd wie die damaliger "Arischen Wissenschaften".

  29. Ludwig Trepl | Permalink

    @Michael Allers PC?

    "die Argumentation der Sprachnörgler m.E. ähnlich absurd wie die damaliger "Arischen Wissenschaften"."

    Was genau ist die Argumentation der Sprachnörgler? Da ich ja einer bin, würde mich das sehr interessieren.

  30. Analphabet | Permalink

    "@"Ludwig Trepl

    "[...] sonst würde ich ja nicht an der real existierenden Sprache herumnörgeln."

    Ich hoffe doch, dass Sie, mein werter Herr, stattdessen Folgendes zu schreiben meinten:
    "[...] sonst nörgelte ich ja nicht an der real existierenden Sprache herum."

  31. pseudonym | Permalink

    Immerhin sind wir jetzt...

    ... endlich beim Nazi-Vergleich gelandet.

  32. Ludwig Trepl | Permalink

    Analphabet "@"Ludwig Trepl

    Doch, "würde". ich bediene mich, wenigsten oft und so auch hier, durchaus der Umgangssprache, auch gerne eines Jargons oder ich spreche Dialekt, und dann nörgle ich an denen herum, die das nicht korrekt tun.

  33. Michael Allers | Permalink

    Hätte ich geschwiegen ...

    @Ludwig Trepl:

    Was genau ist die Argumentation der Sprachnörgler? Da ich ja einer bin, würde mich das sehr interessieren.

    Sie waren nicht gemeint. Sie sind m.E. kein typischer Sprachnörgler, auch wenn Sie als solchen sehen. Zur Argumentation der typischen ~: Lesen Sie doch einfach nochmal den Beitrag von A.S.!

    @pseudonym:

    Immerhin sind wir jetzt ... endlich beim Nazi-Vergleich gelandet.

    Wer ist denn da gelandet? Ich bestimmt nicht; sonst hätten sich meine fiktionalen Physiknörgler wohl kaum auf Einstein berufen.

  34. Anton Maier | Permalink

    @ Anatol Stefanowitsch

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Was mir besonders gefällt ist die stichhaltige Beweisführung statt einer reinen Argumentation. Das festigt den Standpunkt so, dass er reproduzierbar ist. Andernfalls neigt man manchmal dazu wieder zum Sprachnörgler zu werden. Ich hoffe Sie verstehen was ich meine.

  35. Logiker | Permalink

    Wie üblich suppi

    von unserem Nörgler-Nörgler.....

    Ich liebe ihn dafür....

    Meine Mutti war mal Sick-hörig, davon ist sie kuriert, und wenn die alte Dame im August ihren 70. Geburtstag feiert, kriegt sie ein "Best off" von Anatols Beiträgen....

    Schön in bunt.... mit Farbe......

  36. pseudonym | Permalink

    Schlechtes Gedächtnis, Herr Allers?

    "Andererseits ist - ungeachtet politischer Implikationen - die Argumentation der Sprachnörgler m.E. ähnlich absurd wie die damaliger "Arischen Wissenschaften"."

  37. Michael Allers | Permalink

    Gedächtnis?

    Äääh ... worum ging es denn? ;-)
    Ja, es sollte heißen: damaliger "Arischer Wissenschaften".

    Im Ernst: Wer unter beharrlicher Ignorierung aller wissenschaftlichen Erkenntnisse behauptet, die deutsche Sprache sei 'ausdrucksstärker' und 'wertvoller' als andere, argumentiert m.E. genauso absurd wie jemand, der postuliert, in Deutschland gelten andere physikalische Gesetze als im Rest der Welt.

    Im übrigen diskutiere ich ungern mit Leuten, die sich hinter einem "pseudonym" verstecken und lese jetzt lieber Teil 2 der Nörgler-kritik von A.S. :-)

  38. pseudonym | Permalink

    und ich, Herr Allers

    diskutiere ungern mit Leuten, die Nazivergleiche anstellen, die dümmlicher nicht sein könnten.

  39. pseudonym2 | Permalink

    immerhin sind wir jetzt ...

    bei Beleidigungen gelandet.

  40. David | Permalink

    @Michael Allers:

    Der erste, der sich durch die empörende Unsitte hervorgetan hat, manche Dinge ähnlich absurd zu finden wie andere Dinge, die von den Nazis gemacht wurden, war übrigens Hitler!

  41. Michael Allers | Permalink

    @pseudonym und David

    diskutiere ungern mit Leuten, die Nazivergleiche anstellen, die dümmlicher nicht sein könnten.

    Nochmals: Ich habe keinen Nazi-Vergleich angestellt! Ich habe beim Beschreiben meiner 'Vision' die LeserInnen hier für intelligent genug gehalten, bewusst gezogene Parallelen zum Sprachnörglertum zu erkennen und bewusst vermiedene Parallelen zur Nazi-"Wissenschaft" nicht hineinzuinterpretieren.

    Der erste, der sich durch die empörende Unsitte hervorgetan hat, manche Dinge ähnlich absurd zu finden wie andere Dinge, die von den Nazis gemacht wurden, war übrigens Hitler!

    Was soll das jetzt sein? Ein "Hitler-Vergleich"?
    Wenn ich A absurd finde und B absurd finde, finde ich beides gleichermaßen absurd. Wenn Hitler ebenso dachte, ist das nicht mein Problem.

  42. Hegel | Permalink

    Busen

    Unbestritten ist, dass jeder unter 'Busen' heute die Brüste einer Frau bezeichnet. Auch nach meinem Wissen bezeichnet 'Busen' aber genau genommen das Tal zwischen den Brüsten. Schon die Tatsache, dass es den Busen nur im Singular gibt, die Frau der Brüste aber zwei hat, könnte hier stutzig machen.

    Das, was hier mit dem Meerbusen als 'Gegenbeweis' angeführt wird, belegt eher die Richtigkeit des Hinweises auf die frühere Bedeutung, wird doch die Bucht bezeichnet, also die Aussparung zwischen zwei Landstücken - eben wie bei der Frau :-)

  43. pseudonym | Permalink

    @pseudonym2

    Kann man Vergleiche beleidigen?
    Wenn ja, dann bitte ich sie um Entschuldigung.

  44. Kai Weber | Permalink

    Gegen chronologische Schichtenbildung

    "Geist ist nur möglich aufgrund der Unordnung des Gedächtnisses. Dank dieser Unordnung, dank dem Zerreißen des chronologischen Bandes sind beim Menschen neue Umverteilungen möglich. Dieses Vermögen zur Konstruktion, das von Dissoziationen ausgeht, wird durch die Sprachen maximiert. Das Wörterbuch ist ein Agent gegen die chronologische Schichtenbildung.
    Man stelle sich einmal vor, daß bei jedem einzelnen Wort das Datum und die Umstände seiner Aneignung vermerkt wären."
    Paul Valéry, Ich grase meine Gehirnwiese ab, S. 203

  45. Alexandra Preis | Permalink

    @Hegel

    Sehr richtig. Darum hat sich auch nie der Komplettbegriff "die Brust" eingebürgert. Sagt man ja bekannterweise bei Frauen nicht.
    Und genauso ist es unmöglich, dass der Meeresbusen nicht die Einbuchtung des Landes ist, sonder sozusagen die Ausbeulung des Meeres.

  46. Paul R. woods | Permalink

    Bedeutungsverschiebung von Wörtern

    Aus dem "Atlas der deutschen Mundarten" (bei dtv) nur zwei Beispiele:

    Frauenzimmer (ursprünglich der Wohnraum der adeligen Dame)

    Dirne (ursprünglich jungfräuliches junges Mädchen)

    für die Bedeutungsverschiebung von Worten.

    Generell dient Sprache der Kommunikation zwischen Individuen, meist Mitglieder derselben sozialen Gruppe.

    Und solange diese Kommunikation funktioniert, weil die Mitglieder sich auf eine bestimmte Bedeutung eines Wortes geeinigt haben, ist die Verwendung legitim.

    Sei es ein Teenager, der "affengeil" als "Kult"-Wort verwendet oder der Physiker, der "Quark" mit "Geschmäkern" (engl. flavours) kennzeichnet - beides ist legitim, wird aber einem "Sprachnörgler" nicht gefallen.

  47. Ludwig Trepl | Permalink

    @Paul R. woods Bedeutungsverschiebung ..

    "Und solange diese Kommunikation funktioniert, weil die Mitglieder sich auf eine bestimmte Bedeutung eines Wortes geeinigt haben, ist die Verwendung legitim.
    Sei es ein Teenager, der "affengeil" als "Kult"-Wort verwendet oder der Physiker, der "Quark" mit "Geschmäkern" (engl. flavours) kennzeichnet - beides ist legitim, wird aber einem "Sprachnörgler" nicht gefallen."

    Ja, schon, die Sache hat aber ein paar Haken. Die Verwendung kann "legitim" sein, aber trotzdem dämlich. Und wenn der Sprecher z. B., um sich aufzublasen, Wörter, die unter den "Mitgliedern" einer bestimmten von ihm verehrten Gruppe - z. B. der Wissenschaftler, der Bürokraten, der Amerikaner - "funktionieren", in den Sprachgebrauch seiner eigenen Gruppe einführen will, wird's in der Regel sehr dämlich, und das mögen wir Sprachnörgler nicht.

  48. NörglerIn | Permalink

    grammatisch/grammatikalisch

    Schon Grimm und Adelung haben grammatikalisch als veraltet angesehen. Lt. Grimm ist grammatisch die ältere Form. Zeitweise (17. Jhdt. bis Mitte des 18. Jhdt.) sei grammatikalisch vorherrschend, im 19. Jhdt. aber stark rückläufig gewesen.

    Der Duden von 1900 unterscheidet zwischen grammatisch ("der Sprachlehre gemäß") und grammatikalisch ("die Sprachlehre betreffend"). Spätestens seit 1961 erwähnt der Duden keinen Bedeutungsunterschied mehr, bezeichnet nur grammatikalisch als "seltener".

    Ich bezweifle, daß ein solcher Bedeutungsunterschied jemals der Sprachwirklichkeit entsprochen hat. Ich vermute, daß er nach dem Vorbild psychisch/psychologisch oder technisch/technologisch hineingeheimnißt worden ist.

    Grimm führt die zeitweise vorherrschende Form grammatikalisch auf das französische grammatical zurück. Es scheint mir durchaus möglich, daß grammatikalisch heute wegen des englischen grammatical wieder an Bedeutung gewinnt.

    Da es im Englischen nur grammatical gibt, kann es in der Originalversion der "Zwölf Geschworenen" nicht darum gegangen sein. Ich vermute, daß es eher um economic/economical ging. Der Versuch, das mit grammatisch/grammatikalisch analog ins Deutsche zu übertragen, war aber schon damals reichlich mißglückt. Ebenso mißglückt sind die Behauptungen von Bastian Sick.

  49. Studierendenfutter | Permalink

    wandelnde Studierende

    Noch besser wäre es natürlich, einzusehen, dass Wortbedeutungen sich immer verändert haben und immer verändern werden.

    In der Tat. Dann müssten Sie aber auch einsehen, dass sich der Begriff "Studenten" längst in seiner Bedeutung gwandelt hat und nunmehr alle bezeichnet, die ein Studium absolvieren.
    Gar nicht so schwierig, was, wenn man es erst einmal eigesehen hat?

  50. mixedfrog | Permalink

    Busen

    Buschs Kritik an der Verwendung des Wortes Busen geht doch völlig ins Leere. In der Bild werden die Beulen der Frau doch meistens eh "Titten" genannt.

  51. phaeake | Permalink

    Nun sag schon: der Busen!

    "Nun sag schon: der Busen! Eine wunderschöne Stelle ist das!" (Lateinlehrer zu einem Schüler, der "sinus" bei Ovid mit "Gewandbausch" übersetzen wollte)

    Ich finde die Haltung und den Stil dieses Blogs sehr erfrischend, obwohl oder weil ich manche hier kritisierte Sprachnörgelei auch schon selber betrieben habe. Der Kritik von A. Stefanowitsch an A. Busch stimme ich größtenteils zu. Dennoch finde ich, dass sie an einer Stelle deutlich über das Ziel hinausschießt, nämlich mit der Behauptung, dass das Wort "Busen" zu KEINEM Zeitpunkt „das Tal zwischen den Brüsten“ bezeichnet habe.

    Wenn man -wie ich - Wikipedia und Haefs für mittelseriös hält, hilft ein Blick in die Brockhaus Enzyklopädie (1987):

    "Busen: 1) allg. die weibl. Brüste; Brust; Herz (als Sitz der Empfindung und des Gefühls, v.a. in der Dichtersprache).
    2) Anatomie: sinus mammarum, Bez. für die Einbuchtung zwischen der rechten und linken weibl Brust."

    Ich persönlich verwende "Busen" ausschließlich im Sinne von 2. Das liegt einerseits daran, dass ich gerne Fachsprache spreche, auch die Sprachen mir fremder Fächer, vor allem aber an einem ganz praktischen Umstand: Die weiblichen Brüste haben doch schon einen so schönen Namen und dann gibt es noch Dutzende weiterer Bezeichnungen dafür. Dagegen gibt es für den sinus mammarum m.W. nur ein einziges deutsches Wort: Busen. Und das soll ich jetzt ausgerechnet so verwenden, dass es die vielfach benannten Brüste bezeichnet und nicht mehr den damit namensverwaisten sinus mammarum? Das wäre einfach ungerecht. Und eben auch unpraktisch.

    Ich würde aber nie jemandem vorwerfen, dass er das Wort "Busen" falsch verwendet, wenn er die allgemeine Bedeutung meint.

    Hat denn Ihres Erachtens, lieber Herr Stefanowitsch so ein Praktikabilitätsargument in der Semantik oder Linguistik überhaupt etwas verloren?

    M.E. ist das Beispiel Busen eher ein Beleg dafür, dass Busch nicht akzeptiert, dass ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann und würde daher besser in Ihren zweiten Teil passen.

  52. A.S. | Permalink

    Praktikabilität

    @ phaeake

    Zum Busen in der Anatomie und der Alltagssprache kommt bei Gelegenheit noch ein kleiner Nachtrag, das ist nämlich eine spannende Geschichte.

    Praktikabilitätsargumente allgemein können in der Linguistik in gewisser Weise durchaus einen Platz haben, aber nur, wenn sie im tatsächlichen Sprachgebrauch einer Sprachgemeinschaft Effekte haben. So haben Sprachgemeinschaften zum Beispiel eine Tendenz, vollständige Synonymie zu meiden -- wenn zwei Wörter exakt die gleiche Bedeutung haben, verschwindet häufig eins davon oder es bildet eine eigene Bedeutungsschattierung heraus. Allerdings geben Sprachgemeinschaften auch gerne ungerührt Bedeutungsunterscheidungen auf -- klingt unpraktikabel, hat aber selten tatsächlich negative Konsequenzen.

    Die Linguistik ist eine Wissenschaft, die beschreibt und erklärt, wie die Dinge sind -- nicht, wie man sie gerne hätte. Und das jahrhundertelange Scheitern sprachpflegerischer Bemühungen zeigt, dass man die Sprache selbst dann nicht nach seinen Vorstellungen formen kann, wenn man es versucht.

  53. phaeake | Permalink

    Busen und Sprachpflege

    >>Zum Busen in der Anatomie und der Alltagssprache kommt bei Gelegenheit noch ein kleiner Nachtrag, das ist nämlich eine spannende Geschichte.> Allerdings geben Sprachgemeinschaften auch gerne ungerührt Bedeutungsunterscheidungen auf -- klingt unpraktikabel, hat aber selten tatsächlich negative Konsequenzen.>Und das jahrhundertelange Scheitern sprachpflegerischer Bemühungen zeigt, dass man die Sprache selbst dann nicht nach seinen Vorstellungen formen kann, wenn man es versucht.

  54. phaeake | Permalink

    Busen und Zeesen

    (Entschuldigung, das mit dem Zitieren beherrsche ich noch nicht.)

    >Zum Busen in der Anatomie und der Alltagssprache kommt bei Gelegenheit noch ein kleiner Nachtrag, das ist nämlich eine spannende Geschichte.

    Darauf freue ich mich schon jetzt.

    > Allerdings geben Sprachgemeinschaften auch gerne ungerührt Bedeutungsunterscheidungen auf -- klingt unpraktikabel, hat aber selten tatsächlich negative Konsequenzen.

    Als linguistischer Laie hätte ich jetzt gedacht, dass der Verlust, eine Bedeutungsdifferenz einfachstmöglich, i.e. durch Wahl eines anderen Wortes zu bezeichnen, wäre per se eine negative Konsequenz.

    >Und das jahrhundertelange Scheitern sprachpflegerischer Bemühungen zeigt, dass man die Sprache selbst dann nicht nach seinen Vorstellungen formen kann, wenn man es versucht.

    Scheitern die sprachpflegerischen Bemühungen wirklich immer? Philhipp von Zeesen war doch mit vielen seiner Eindeutschungsvorschlägen sehr erfolgreich - was einschließt, dass er mit anderen grandios scheiterte.

  55. Stefan Wagner | Permalink

    "Bild eines Busens" bitte ;)

    Kürzlich stolperte ich über eine ähnliche Sache, ich glaube bei "Neues aus der Anstalt" nörgelte wer, dass die Regierung, wenn sie Ausgaben vermeidet, nicht spare. Sparen sei nur, etwas auf die hohe Kante zu legen.

    Hat mich auch kurz überzeugt, und wollte es schon in meinen Nörgelfundus übernehmen, bis ich ähnliche Überlegungen anstellte, allerdings ohne Etymologische Fachkenntnisse.

    Dennoch halte ich nicht jede sprachliche Nachlässigkeit für begrüßenswert, nur weil sie populär ist. Etwa "zur vollsten Zufriedenheit", oder "nächsten Freitag" am Donnerstag gesagt, und den Freitag nächster Woche meinend.

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