Sprachlog http://www.scilogs.de/sprachlog Alle Sprachgewalt geht vom Volke aus Thu, 21 Nov 2013 08:48:38 +0000 de-DE hourly 1 Anglizismus des Jahres 2012http://www.scilogs.de/sprachlog/anglizismus-des-jahres-2012/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=anglizismus-des-jahres-2012 http://www.scilogs.de/sprachlog/anglizismus-des-jahres-2012/#comments Sat, 08 Dec 2012 11:18:22 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/anglizismus-des-jahres-2012/ ... weiter]]> Der Anglizismus des Jahres wurde 2010 hier im SciLogs-Sprachlog geboren (und im zweiten Jahr seines Bestehens vom Spektrum-Verlag sogar mit einer Pressemitteilung, geschrieben vom legendären Lars Fischer persönlich, unterstützt).

Deshalb auch an dieser Stelle ein Hinweis auf den diesjährigen Wettbewerb. Ab sofort suchen wir den

Anglizismus des Jahres 2012!

Die ersten Nominierungen sind schon da, und es ist, glaube ich, auch schon ein heißer Kandidat darunter, aber ich verrate natürlich nicht, welcher das ist.

Wie immer wird die Aktion in den beteiligten Blogs begleitet, dass sind diesmal das neue Sprachlog, das Texttheater und das (bzw., wie es dort heißt, „der“) SprAACHENblog.

 

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Where has all the Sprachlog gone?http://www.scilogs.de/sprachlog/where-has-all-the-sprachlog-gone/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=where-has-all-the-sprachlog-gone http://www.scilogs.de/sprachlog/where-has-all-the-sprachlog-gone/#comments Sat, 01 Dec 2012 09:35:32 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/where-has-all-the-sprachlog-gone/ ... weiter]]> Diejenigen meiner Leser/innen, die sich in sozialen Netzwerken herumtreiben, haben es ja mitbekommen, den anderen sage ich es hier: Das Sprachlog ist umgezogen und ist jetzt unter

www.sprachlog.de

zu finden.

Heute schreibe ich dort über die Wörter Flüchtling und Geflüchtete/r, aber schon in den letzten Tagen gab es spannende Beiträge meiner neuen Mit-Autorinnen Susanne Flach und Kristin Kopf.

Hier bei den SciLogs geht die Zeit des Sprachlogs damit zu Ende. Ein paar lose Enden werde ich noch zusammenknüpfen und natürlich folgt in den nächsten Tagen noch ein „richtiger“ Abschiedsbeitrag, aber alle neuen Beitäge erscheinen jetzt unter der neuen Adresse.

Passen Sie also ihre Feedreader an oder folgen Sie dem neuen Sprachlog in den sozialen Netzwerken (die Links finden Sie unten).

Ich hoffe nicht, dass das Ende des Sprachlogs bei den SciLogs auch mein Ende bei den SciLogs ist, aber dazu mehr beim nächsten Mal!

Das neue Sprachlog per

 

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Sexuelle Belästigung bei neoParadise: Beschwerde an den Fernsehrathttp://www.scilogs.de/sprachlog/sexuelle-belaestigung-bei-neoparadise/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sexuelle-belaestigung-bei-neoparadise http://www.scilogs.de/sprachlog/sexuelle-belaestigung-bei-neoparadise/#comments Wed, 17 Oct 2012 20:49:18 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sexuelle-belaestigung-bei-neoparadise/ ... weiter]]> Wahrscheinlich haben inzwischen die meisten von Ihnen von der sexuellen Belästigung gehört oder gelesen, die die Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt in der Sendung „neoParadise“ vom 4. Oktober 2012 begangen haben. Das Blog derspringendepunkt hat den Vorfall und einen diesbezüglichen Briefwechsel mit dem ZDF ausführlich dokumentiert und auch andere Blogs haben den Vorfall aufgegriffen und teilweise ebenfalls Beschwerdeschreiben an das ZDF gerichtet -- u.a. i heart digital life, Drop the thought und klirrr.

Das ZDF hat auf alle diese Beschwerden bisher abwiegelnd reagiert. Zunächst verschickte man auf Beschwerdeschreiben eine immer gleich formulierte Antwort, in der die sexuelle Belästigung damit entschuldigt wurde, dass die „Messehostess ... nicht angefasst“ wurde, sondern die Berührungen „lediglich angedeutet“ gewesen seien, und dass die „Messehostess“ im Nachhinein ihr „Einverständnis“ zur Ausstrahlung gegeben habe [siehe: derspringendepunkt]. Nachdem die Kritik auf Twitter, Facebook und in den Blogs intensiver wurde, veröffentlichte man am Dienstag eine „Entschuldigung“ auf der Facebookseite des ZDF, in der man zunächst mitteilte, dass „diese Aktion am guten Geschmack vorbeigegangen“ sei, und man den „Vorfall“ bedauere, „ebenso wie Joko und Klaas.“ Als Reaktion auf die Proteste habe man den Filmclip aus allen Kanälen entfernt [siehe: derspringendepunkt].

Für eine kleine Gruppe von uns, nämlich Anke Domscheit-Berg, Juliana Goschler (a.k.a. Dr. Mutti), Susanne Klingner und Katrin Ronicke von Frau Lila, Antje Schrupp, Joachim Schulz und mich, waren diese Ausflüchte und das Entfernen der Beweise keine angemessene Entschuldigung für den Vorfall. Zwei Tweets von Klaas Heufer-Umlauf waren etwas näher an einer Entschuldigung (auf die im zweiten Tweet angekündigte genauere Äußerung wartet man wohl derzeit noch):

wir haben kein taktgefühl bewiesen, und lustigen quatsch mit fahrlässigem, beleidigendem schwachsinn verwechselt. es tut uns ehrlich leid. [siehe: twitter, 15.10.2012]

wir werden uns dazu noch genauer äußern- aber so viel: ihr habt recht & wir haben einen fehler gemacht der nicht wieder vorkommen wird.[siehe: twitter, 15.10.2012]

Wir waren aber der Auffassung, dass vor allem das ZDF selbst hier eine echte Verantwortung übernehmen müsse, und wir waren außerdem der Meinung, Beschwerden und Entschuldigungen, die ausschließlich über die sozialen Netzwerke laufen, würden der Ernsthaftigkeit des Vorfalls nicht ausreichend gerecht.

Wir haben deshalb am Dienstag per Einschreiben, und parallel per E-Mail, eine förmliche Beschwerde an den Fernsehrat (das Aufsichtsgremium des ZDF) gerichtet. Die Bearbeitung der Beschwerde wird natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen, bis jetzt hat man uns nicht einmal den Empfang unseres Briefes oder unserer E-Mail bestätigt. Wir veröffentlichen an dieser und anderen Stellen unser Beschwerdeschreiben, weil wir glauben, dass etwas Öffentlichkeit den Fernsehrat motivieren könnte, die Beschwerde tatsächlich ernst zu nehmen.

An das
ZDF
Sekretariat Fernsehrat
55100 Mainz

Berlin, Frankfurt a.M., Fürstenberg,
Hamburg und München, den 16. Oktober 2012

Verharmlosung sexueller Belästigung in der Sendung neoParadise vom 4.10.2012
Verstoß gegen Paragraf 3, Abs. 3 der Satzung des Zweiten Deutschen Fernsehens

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Sendung „neoParadise - Wenn ich Sie wäre auf der IFA -Teil 2“ des Kanals zdf_neo vom 4. Oktober 20121 wird im Rahmen eines Wettbewerbs zwischen den Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf eine sexuelle Belästigung an einer vorher allem Anschein nach nicht eingeweihten Mitarbeiterin eines Messeausstellers inszeniert.

Zunächst fordert Herr Heufer-Umlauf Herrn Winterscheidt zu dieser sexuellen Belästigung mit den folgenden Worten auf: „Verwickle sie in ein Gespräch, fass ihr einmal an die Moppelklampen und zweimal an den Arsch.“ Als Herr Winterscheidt sich ziert, sagt er: „Kannst ja auch sagen Nein, dann hast Du halt verloren.“

Herr Winterscheidt spricht dann mit der Mitarbeiterin und berührt sie im Laufe des Gesprächs an der Brust und am Gesäß (zumindest stellt es sich für das Fernsehpublikum so dar, als habe eine Berührung stattgefunden, und die mimische Reaktion der Messemitarbeiterin deutet darauf hin, dass sie sich in ihrer Intimsphäre verletzt fühlt).

Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen den Moderatoren statt, in dem Herr Winterscheidt seine Handlung hinterfragt. Herr Heufer-Umlauf zeigt durch seine Mimik, dass er dieses Hinterfragen nicht ernst nimmt und macht sich dann mit den folgenden Worten über das Opfer der Belästigung lustig: „Gott, aber der war das auch so unangenehm, die stand da wirklich und hat sich so richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause, und dann wird die schön heulen, unter der Dusche. Die steht jetzt sechs Stunden lang unter der Dusche.“

Abgesehen von der Kaltblütigkeit, mit der Herr Heufer-Umlauf die Entwürdigung der Messemitarbeiterin und deren potenzielle Reaktion („heulen“) hier zu einem Anlass für Belustigung macht, ist die Erwähnung einer mehrere Stunden langen Benutzung der Dusche eine klare Anspielung auf ein Verhalten, das Opfer von Vergewaltigungen häufig zeigen. Damit findet die Belustigung der beiden Moderatoren nicht nur auf Kosten der belästigten Messemitarbeiterin, sondern auch auf Kosten von Vergewaltigungsopfern insgesamt statt.

In der gesamten Filmsequenz werden die sexuelle Belästigung und Vergewaltigung von Frauen und die damit verbundene Entwürdigung verharmlost und als belustigend dargestellt. Sie stellt Frauen als Objekte dar, die man beliebig anfassen kann, und lädt zur Nachahmung ein. Damit leistet die Sendung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders einer frauen­feindlichen Kultur der Übergriffigkeit Vorschub, wo der Bildungsauftrag es im Gegenteil gebieten würde, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Mit der sexuellen Belästigung einer unbeteiligten Person wird das Prinzip der Menschen­würde verletzt, das nicht nur im Grundgesetz steht, sondern dem sich auch das ZDF in §3, Abs. 3 seiner Satzung noch einmal explizit verpflichtet, wo es heißt: „Die Anstalt hat in ihren Angeboten die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Sie soll dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer und auch vor Natur und Umwelt zu stärken. Die sittlichen und religiösen Über­zeugungen der Bevölkerung sind zu achten. […]“

Gegen diese Verpflichtung hat das ZDF mit der Produktion und der Ausstrahlung der betreffenden Sequenz eklatant verstoßen. Daran ändert auch die Stellungnahme des Senders auf verschiedene im Internet veröffentlichte Beschwerdeschreiben nichts, die Berührungen seinen „lediglich angedeutet“ gewesen, das „Filmteam inklusive unserer beiden Moderatoren“ habe „nach dem Dreh noch einmal mit der Messehostess gesprochen“ und die Ausstrahlung sei „mit ihrem Einverständnis“ erfolgt.2

Die Produktion und die Ausstrahlung der betreffenden Sequenz sind inakzeptabel. Wir fordern deshalb den Fernsehrat auf, die Verantwortlichen zu ermitteln und eine klare und unmissverständliche öffentliche Rüge gegen diese auszusprechen. Zu den Verantwortlichen gehören neben den Moderatoren alle an der Produktion dieser Sequenz oder an ihrer Ausstrahlung beteiligten Redakteur/innen und sonstigen Mitarbeiter/innen des ZDF und der Produktionsfirmen „Endemol“ und „strandgutmedia“.

Des Weiteren fordern wir die Verantwortlichen beim ZDF und den beteiligten Produktions­firmen auf, sich unmissverständlich öffentlich zu entschuldigen und sich zu verpflichten, die Intimsphäre von unbeteiligten (oder als unbeteiligt inszenierten) Personen zukünftig zu respektieren und sich allgemein an den §3, Abs. 3 der Satzung des ZDF zu halten.

Darüber hinaus fordern wir die Schaffung einer angemessen finanzierten Anti-Diskriminierungs-Stelle im Fernsehrat, deren Aufgabe es u.a. sein soll, bei Redakteur/innen und Moderator/innen des ZDF und beauftragten Produktionsfirmen durch geeignete Informations- und Schulungsmaßnahmen ein Bewusstsein für den Respekt vor der Intim­sphäre anderer Menschen zu schaffen und derartige Sendungen in Zukunft schon vor ihrer Ausstrahlung zu stoppen.

Mit freundlichen Grüßen

Anke Domscheit-Berg, M.A., Unternehmerin, Mitgl. EU High Level Advisory Women and Technology
Dr. Juliana Goschler, Sprachwissenschaftlerin (U. Hamburg) und Autorin (Dr. Mutti)
Susanne Klingner, Journalistin und Publizistin (Frau Lila)
Katrin Rönicke, Erziehungswissenschaftlerin und Publizistin (Frau Lila)
Dr. Antje Schrupp, Journalistin und Politikwissenschaftlerin
Dr. Joachim Schulz, Physiker (European XFEL) und Wissenschaftsautor (Quantenwelt, SciLogs.de)
Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler (FU Berlin) und Autor (Sprachlog, SciLogs.de)

Wir werden hier und anderswo berichten, ob und wie der Fernsehrat auf unsere Beschwerde reagiert.

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Podcast mit Enno Park und Anatol Stefanowitschhttp://www.scilogs.de/sprachlog/podcast-mit-enno-park-und-anatol-stefanowitsch/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=podcast-mit-enno-park-und-anatol-stefanowitsch http://www.scilogs.de/sprachlog/podcast-mit-enno-park-und-anatol-stefanowitsch/#comments Fri, 05 Oct 2012 16:03:14 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/podcast-mit-enno-park-und-anatol-stefanowitsch/ ... weiter]]> Im Sprachlog ist derzeit ja wenig los, was sich im Laufe des Oktober aber wieder ändern wird. Wer unter Entzug leidet, kann sich die Nullnummer eines Podcasts anhören, den ich gemeinsam mit Enno Park (@ennomane) aufgezeichnet habe. Darin soll es neben Politik und Gesellschaft auch um Sprache gehen – in der Nullnummer sprechen wir über neue Entwicklungen bezüglich der Petition „Kein Deutsch ins Grundgesetz“, über die Frage, ob die Piratenpartei das „digitale Proletariat“ vertritt und über ausgewanderte Wörter, die keine sind. Dazwischen entspinnen sich spontane Gespräche um Farbwörter und Farbwahrnehmung, die Frage, ob Zeitungen politische Akteure sein dürfen, und die Frage, wie unser Podcast eigentlich heißen soll. 

Wir hoffen, dass unser Gespräch Ihnen Spaß macht und sind an Ihrer (vor allem natürlich konstruktiven) Kritik interessiert!

››Zum Podcast

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Sprache und Plattformneutralitäthttp://www.scilogs.de/sprachlog/sprache-und-plattformneutralit-t/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprache-und-plattformneutralit-t http://www.scilogs.de/sprachlog/sprache-und-plattformneutralit-t/#comments Fri, 28 Sep 2012 16:09:25 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprache-und-plattformneutralit-t/ ... weiter]]> Mein Vortrag „Sprache und Plattformneutralität“, in dem ich über einige Aspekte von Ungleichheit und Diskriminierung von Sprache spreche, ist auf YouTube verfügbar. Ich verlinke ihn hier nur noch einmal, um einen Ort für die Literaturliste und für kleine inhaltliche Korrekturen zu haben.

Errata (wem Fehler auffallen -- gerne an mich melden!)

1. Es gab eine Zwischenfrage aus dem Publikum, warum man auf Schwedisch det människa („Mensch“) sage, also das Neutrum verwende. Das tut man aber gar nicht, människa fällt genau wie man und kvinna in die Kategorie Utrum, die für Personen beiderlei Geschlechts gilt (en man, en kvinna, en människa). Ich habe bei meiner Antwort nicht an människa, sondern an das dänische Wort mandsling gedacht (vielleicht, weil der Frager eine dänische Fahne am Revers trug), das mir vertraut war, weil es eine der wenigen Diminutiv-Formen ist, die sich im Dänischen finden. Allerdings stimmt meine Antwort trotzdem nicht: Auch Diminutiv-Formen fallen im Schwedischen (und Dänischen) ins Utrum.

Allgemeine Lektüre zum Einstieg in die Thematik

Fachliteratur

Pusch, L F (1984) Das Deutsche als Männersprache: Aufsätze und Glossen zur feministischen Linguistik, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main.

Pusch, L F (1990) Alle Menschen werden Schwestern: feministische Sprachkritik, Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main.

Stefanowitsch A (2012) Sprache und Ungleichheit. Aus Politik und Zeitgeschichte 62(16/17), 27–33 (Open Access)

Ein Roman

Gert Brantenberg, Die Töchter Egalias, 1980 [ISBN 3-88104-163-X] (Vergriffen, antiquarisch relativ gut erhältlich)

Im Vortrag zitierte Literatur

Sprache, Kategorisierung und Ungleichheit

Stefanowitsch A (2012) Sprache und Ungleichheit. Aus Politik und Zeitgeschichte 62(16/17), 27–33 (Open Access)

Konnotative Leiter/Euphemismus-Tretmühle

Pinker, S (1994) The game of the name. New York Times, 5. April 1994. (Auf der Webseite des Autors)

Nübling, D. (2011) Von der ‘Jungfrau’ zur ‘Magd’, vom ‘Mädchen’ zur ‘Prostituierten’: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie? In: Riecke, J (Hg.): Historische Semantik. Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte, Bd. 1. Berlin/New York: de Gruyter, 344-359. (Auf der Webseite der Autorin).

Systematische Aspekte von Genus im Deutschen

Köpcke, K M & D Zubin (1996) Prinzipien für die Genuszuweisung im Deutschen. In: Lang E & Zifonun G (Hg.): Deutsch typologisch. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 1995. Berlin: de Gruyter, 473–491. (Auf der Webseite des Autors)

Kinder geben Gegenständen Namen, die deren grammatischem Genuns entsprechen

Flaherty, M (2001) How a language gender system creeps into perception. Journal of Cross-Cultural Psychology 32(1): 18-31.doi: 10.1177/0022022101032001005 (Bezahlwand)

Grammatisches Genus abstrakter Wörter beeinflusst das Geschlecht von Personifizierungen in der Kunst

Segel E & Boroditsky L (2011) Grammar in art. Frontiers in Cultural Psychology 1: 244. doi: 10.3389/fpsyg.2010.00244 (Open Access).

Kein Einfluss von grammatischem Genus auf Geschlechtszuweisungen unter experimentellen Bedingungen, die strategische Zuweisung verhindern

Bender, A, Beller S & Klauer K C (2011) Grammatical gender in German: A case for linguistic relativity? The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 64(9): 1821-1835.DOI:10.1080/17470218.2011.582128 (Bezahlwand).

Genus bei Personenbezeichnungen, generisches Maskulinum, Möglichkeiten der geschlechtergerechten Sprache

Pusch, L F (1980) Das Deutsche als Männersprache: Diagnose und Therapievorschläge. Linguistische Berichte 69: 59-74. (Nicht online verfügbar)

Pusch, L F (1983) Von Menschen und Frauen. In: Pusch L F, Das Deutsche als Männersprache. Frankfurt/M. 15-19. (Nicht online verfügbar)

Geschichte des „generischen Maskulinums“

Doleschal U (2002) Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne. Linguistik Online 11(2): 39–70. (Open Access)

Verarbeitung des „generischen Maskulinums“

Gygax P, Gabriel U, Sarrassin O, Oakhill J & Garnham A (2008) Generically intended, but specifically interpreted: When beauticians, musicians, and mechanics are all men. Language and Cognitive Processes 23(3), 464-485. (Bezahlwand)

(Siehe auch: Sprachlog, Frauen natürlich ausgenommen)

Gerechte Sprache in Schweden

Milles K (2011) Feminist language planning in Sweden. Current Issues in Language Planning 12(1), 21–33. (Bezahlwand)

Gerechte Sprache und gesellschaftliche Gerechtigkeit

Prewitt-Freilino J L, Caswell T A & Laakso E K (2011) The gendering of language: a comparison of gender equality in countries with gendered, natural gender, and genderless languages. Sex Roles 66: 268–281. (Bezahlwand)

Gerechte Sprache in der Satzung der Piratenpartei

Le Ker, H (2012) Der, die, das Pirat, Spiegel 28/2012. (Link)

Liquid-Feedback-Initiativen zur Satzungsänderung (#1933)

(Siehe auch: Sprachlog, Sind Piratinnen Piraten)

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Sprachbrocken 37/2012http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-37/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprachbrocken-2012-37 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-37/#comments Sun, 16 Sep 2012 09:54:38 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-37/ ... weiter]]> Nichts gegen die Paläoanthropologie, aber es sei mir verziehen, wenn ich manchmal den Eindruck bekomme, sie sei nur erfunden worden, damit die Literaturwissenschaft keine methodologischen Minderwertigkeitskomplexe entwickelt. Da untersucht ein sechsköpfiges internationales Team das Skelett eines Neandertalers und belegt anhand von Abnutzungsspuren an den Zähnen etwas, das ohnehin bekannt war: Dass dieser Neandertaler (wie seine Artgenossen insgesamt) vermutlich Rechtshänder war. Soweit, so gut. Da das aber wohl nicht interessant genug war, schließt man im Schlusskapitel der Studie dann unvermittelt, dass dies auf eine menschenähnliche Ausprägung der linken Gehirnhälfte und damit auf die Fähigkeit zur Sprache hinweist. Und diese nicht weiter belegte Spekulation wird vorhersehbarer Weise der Aufhänger der Geschichte in der Presse. Ich wollte eine linkshändige Kollegin fragen, was sie von dieser Geschichte hält, aber natürlich konnte sie nicht antworten.

Ebenso sprachlos scheinen Unternehmen zu sein, und das will eine Schreibtrainerin ändern, über die die kleinezeitung.at in einem, wie soll ich sagen, Werbetext berichtet. Dort erfahren wir, dass Unternehmen ihre Texte normalerweise mit nur 207 häufigen Wortformen verfassen und dass es nicht genau genug sei, wenn ein Tourismusbetrieb eine „schöne Landschaft“ bewerbe. Und dass man bei Terminabsagen auf Höflichkeit achten und die eigene Stimmung aus dem Text heraushalten sollte. Finde ich übringens auch, und deshalb sage ich hiermit den traditionellen dritten Absatz der Sprachbrocken ab. Schreibt ihn höflichst selbst, ihr Neandertaler.

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Sprachbrocken 36/2012http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-36/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprachbrocken-2012-36 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-36/#comments Sat, 08 Sep 2012 10:11:24 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-36/ ... weiter]]> Literaten kommen im Sprachlog selten zu Wort, aber warum eigentlich? Schließlich stolpere ich bei meiner Suche nach Sprachbrocken ständig über Hinweise auf deren sprachlichen Genius, da müsste doch etwas zu holen sein. Diese Woche zum Beispiel lese ich auf nachrichten.at über den portugiesischen Schriftsteller Antonio Lobo Antunes, dass er mit „seiner unkonventionellen, energievollen und dichten Sprache, seinen an Atmosphäre und Metaphern reichen Texten … Fans weltweit“ begeistere. Und diese Metaphern klingen dann zum Beispiel so: „Ich mag es, die Buchstaben zu malen. Aufs Glas (des PC-Schirms) zu sehen, ist wie Liebemachen mit Kondom. Ich schreibe ohne Kondom.“ Ein harter Kerl ist er also, der nicht lange fackelt und seinen Kugelschreiber hinsteckt, wo er will. Und ich will nicht, das wir uns hier im Sprachlog mit textuell übertragbaren Krankheiten anstecken. Und deshalb kommen Literaten im Sprachlog selten zu Wort.

Ein Ganzkörperkondom für die deutsche Sprache wünscht der Verein Deutsche Sprache – wenn sich Sprachen schon nicht davon abhalten lassen, miteinander herumzumachen, dann doch bitte ohne den Austausch von Wörterflüssigkeiten. Wie die Leser/innen des Sprachlogs wissen, versuche ich seit vielen Jahren, darauf hinzweisen, dass die deutsche Sprache erwachsen ist und selber wissen muss, was sie tut. Und ab und zu finde ich damit sogar Gehör, wie z.B. beim ORF. Allerdings wird dort so getan, als gebe es unter Sprachwissenschaftlern einen Streit über Vorzüge und Gefahren von Lehnwörtern. Den gibt es aber nicht. Es gibt nur phantasierte Gefahren seitens der Sprachnörgler, und seitens der Sprachwissenschaftler/innen die Erkenntnis, dass Entlehnungen keine Krankheit, sondern eher eine dringend benötigte Bedeutungstransfusion darstellen.

Das Schlusswort überlassen wir heute einem weiteren Literaten, dem Schweizer Erzähler Werner Renfer, dessen lyrisches Werk nun, wie ich aus der Neuen Zürcher Zeitung erfahren habe, gerade entdeckt wird. Und in diesem lyrischen Werk geht es manchmal sogar um Sprache, zum Beispiel, wenn er schreibt: „die Grammatik / ist ein verbrauchter, entkörperter Almanach / den ich nach meiner Art neu erschaffe“. Wo er sie neu erschafft, sagt er nicht. Jedenfalls nicht in seinen Gedichten, denn die folgen ausnahmslos brav den grammatischen Regeln, die wir alle tagtäglich anwenden. Aber wenigstens kann eine „entkörperte“ Grammatik keine gefährlichen Reime übertragen.

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Sprachbrocken 35/2012 („Minus-DE“-Ausgabe)http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35-minus-de/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprachbrocken-2012-35-minus-de http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35-minus-de/#comments Fri, 31 Aug 2012 16:12:11 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35-minus-de/ ... weiter]]> Die Sprachbrocken #35, die ich heute morgen veröffentlicht habe, sind in ihrem Vorausblick auf ein Internet ohne Links und ohne Zitate ja etwas trübsinnig geworden. Aber so würde eine bundesdeutsche Ausgabe eben in Zukunft aussehen, beschweren Sie sich nicht bei mir, sondern beim Springer-Verlag (der ja im Übrigen schon immer eine reaktionäre, demokratiefeindliche Propagandamaschine war, also guckt halt nicht so überrascht). Da die Sprachbrocken in dieser Form auf Dauer keinen Spaß machen werden, präsentiere ich hier ein zweites mögliches Zukunftsszenario.

Mit sinnentstellenden Übersetzungsfehlern (bundes-)deutscher Qualitätsmedien befasst sich die Neue Zürcher Zeitung. Aus „Arabern“ werden da einfach „Ausländer“, aus einem „geselligen“ gar ein „genialer“ Mitt Romney. Sicher richtig, aber erstens bleibt unklar, was uns der Autor damit sagen will (außer, dass Fehler eben vorkommen), und zweitens ist die Handvoll Beispiele über einen Zeitraum von mehreren Jahren verteilt, sodass unklar bleibt, wie systematisch die Übersetzungsprobleme tatsächlich sind.

Während man sich in der NZZ über falsche Übersetzungen beschwert, kämpft eine Hundertschaft chinesischer Gelehrter dafür, dass englisches Vokabular überhaupt ins Chinesische übersetzt wird, statt in Form von Lehnwörtern in chinesische Wörterbücher aufgenommen zu werden. Eine solche Aufnahme sei illegal, wollen die Gelehrten laut China Radio International „den Behörden“ mitgeteilt haben: sie „verletze die Gesetze über die Standardisierung der chinesischen Sprache und des Verlagswesens.“ Die chinesischen Behörden bestreiten allerdings, einen solchen Brief erhalten zu haben.

Die österreichischen Behörden sind da weniger ausweichend: Mit den Ergebnissen einer Umfrage von heute.at konfrontiert, bei der sich die österreichische Bevölkerung für mehr Deutschunterricht, mehr Turnunterricht und weniger Latein, Religion und Philosophie ausspricht, ließ das Bildungsministerium mitteilen, dass es in der Mittelschule „zusätzlich zum Turnunterricht … einmal pro Woche das Fach ‘gesunde Ernährung’“ gebe. Das finde ich begrüßenswert, denn nur in einem durchtrainierten und gesund ernährten Körper wohnt ein lebendiger Sprachgeist. Wenigstens glaube ich, dass das die korrekte &Uumk;bersetzung des Sprichworts „Mens sana in corpore sano“ ist. Garantieren kann ich es aber nicht, denn dazu müsste ich Latein können.

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Sprachbrocken 35/2012http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprachbrocken-2012-35 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35/#comments Fri, 31 Aug 2012 08:54:38 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-35/ ... weiter]]> Mehrere deutsche Zeitungen berichteten in den letzten Tagen übereinstimmend, dass der Verein Deutsche Sprache den Vorstandsvorsitzenden der Kaufhauskette Karstadt, Andrew Jennings zum „Sprachpanscher des Jahres“ ernannt hat. Die Zeitungen stützen sich dabei auf den Bericht einer Presseagentur mit Sitz in Berlin. Wenn man den Berichten trauen kann, wirft man dem aus Großbritannien stammenden Manager (verzeihung, dem aus Großbritannien stammenden Schaffer/Macher [ist das richtig so, Herr Krämer?]) vor, in der Außendarstellung seines Unternehmens mit großer Konsequenz englische Wörter und Phrasen zu verwenden, wo nahezu poetisch anmutende deutsche Alternativen zur Verfügung stünden -- so verwende Karstadt etwa den Begriff Midseason-Sale, statt des deutschen Zwischensaison-Ausverkauf (bei dem man sich freilich das Wort Saison wegdenken sollte, wenn man denn wirklich etwas gegen Sprachvermischung hat).

Während der VDS Jennings bezichtigt, die Sprache des Erbfeindes England zu sprechen, wirft die SPD in Person ihres Parlamentsgeschäftsführers der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, dem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt vor, sich bei seinen Äußerungen über Griechenland verbal auf dem Niveau der unteren sozialen Schichten zu bewegen (die tatsächliche Formulierung kann ich hier aufgrund lizenzrechtlicher Probleme nicht wiedergeben). Zumindest berichteten das mehrere deutsche Tageszeitungen, die sich dabei auf die oben schon erwähnte Presseagentur mit Sitz in Berlin beriefen. Was genau Opperman mit seiner Äußerung gemeint haben mag, ergibt sich aus den Medienberichten leider nicht -- in Deutschland gibt es zwar sozial geschichtete Sprachvarietäten, aber diese unterscheiden sich vom sogenannten Hochdeutschen hauptsächlich in ihrer Aussprache, nicht im Vokabular für Konzepte wie „Austritt“ oder „Währungsunion“.

Vielleicht wäre es ohnehin besser, sich weniger mit der Sprache der Briten oder des Pöbels (ups, jetzt ist es mir doch herausgerutscht, das kann teuer werden) zu befassen, und mehr mit der deutschen Sprache in ihrer ureigensten Form: Dem Amtsdeutsch. Das tat letzte Woche eine Zeitung aus dem Rhein-Neckar-Raum, die dazu nicht einmal die Hilfe einer Presseagentur mit Sitz in Berlin benötigte. Sie präsentierte eine schöne Mischung aus vermeintlichen und tatsächlichen sprachlichen Kuriosita, die ich hier leider nicht wiedergeben darf (sie wissen schon, lizenzrechtliche Probleme). Aber glauben Sie mir, es sind wirklich lustige Wörter darunter, der Artikel hätte ihnen sicher Spaß gemacht!

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Sprachbrocken 34/2012http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-34/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sprachbrocken-2012-34 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-34/#comments Fri, 24 Aug 2012 11:41:02 +0000 http://www.scilogs.de/sprachlog/sprachbrocken-2012-34/ ... weiter]]> Wie Eltern ihre Kinder nennen dürfen, ist in Deutschland weitgehend den Standesbeamt/innen überlassen, mit denen sie es bei der Ausstellung der Geburtsurkunde zufällig zu tun bekommen. Aber es hilf sicher, wenn ein Name im Vornamens-Lexikon des Dudenverlags steht. Und da sich seit Jahrzehnten ein Trend zu möglichst individuellen Vornamen beobachten lässt, ist es eine gute Nachricht, dass in die aktuelle Auflage 200 Namen neu aufgenommen wurden -- darunter Barack (aus dem Kisuaheli), Charlène (eine französisierte Version des englischen Charleen), Mert (alttürkisch für „freigebig, tapfer, aufrichtig“ und der schöne altdeutsche Name Eilrich -- für „traditionelle, aber experimentierfreudige Eltern“, wie es in der dpa-Meldung freundlich formuliert heißt.

Während sich werdende Eltern also über einen großen Namensreichtum freuen können, darf sich der Bautzener Ableger des Vereins Deutsche Sprache über einen unerhofften Reichtum im Wortsinne freuen: Eine „geheimnisumwitterte“ Leipzigerin vermachte den Anglizismenjägern unvermittelt die Hälfte ihres Vermögens. Eine „Bereicherung für die deutsche Sprache“ nennt die Sächsische Zeitung das optimistisch, aber die Motive der Dame hatten wohl eher etwas mit der Verarmung des Deutschen durch das Ausmerzen von Fremdwörtern zu tun, die der VDS sich auf die Fahnen schreibt: In ihrem Nachlass fand sich eine CD mit Bachs Matthäus-Passion, auf der „das Wort „Highlights“ durchgestrichen, durch ‘Höhepunkte’ ersetzt“ war. Wenigstens wusst sie also, an wen ihr Erbe gehen würde.

Unser gemeinsames sprachliches Erbe vermutet die Sprachwissenschaft nicht in Bautzen, sondern entweder in den Steppen des kaspischen Meeres oder in Anatolien. Eine Gruppe um den Psychologen Quentin Atkinson, der mich schon mit seiner phonetisch-genetischen Theorie vom Sprachursprung nur bedingt überzeugen konnte, liefert nun ein genetisch-lexikalischen Modell ab, das sich auf Anatolien festlegt. Unplausibel ist das nicht (es ist eben eine der zwei ohnehin bekannten und durch tatsächliche sprachwissenschaftliche und anthropologische Forschung gestützten Theorien), aber als Beleg kann man ein Modell, das auf dem notorisch wanderlustigen und instabilen Wortschatz von Sprachen beruht, leider nicht betrachten. Aber immerhin: traditionelle aber experimentierfreudige türkischstämmige Eltern könnten ihre Kinder nach dieser Theorie ebenfalls Eilrich nennen, denn obwohl das heutige Türkisch mit den indo-europäischen Sprachen nicht direkt verwandt ist, wäre das heutige Deutsch ja nur ein Ableger der Ursprache Anatoliens.

 

© 2012, Anatol Stefanowitsch

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