Homöopathische Sprachfallen und wie GEO sie nicht vermeidet

27. August 2011 von Anatol Stefanowitsch in Kultur

Die aktuelle GEO-Titelgeschichte „Die neue Heilkunst“ sorgt in der Skeptik- und Wissenschaftsblogcommunity schon seit ein paar Wochen für Unmut, denn in dieser Geschichte geht es nicht um eine neue Heilkunst, sondern um die Scharlatanerie, die unter dem Namen „Alternativmedizin“ firmiert. Dieser Unmut hat sich in den letzten Tagen verdichtet, nachdem die GEO-Redaktion in einer Diskussion auf der GEO-Facebookseite zunächst gar nicht, dann abwedelnd und dann pseudoeinsichtig auf Kritik an der Geschichte eingegangen ist.

Ich will mich mit dem GEO-Artikel selbst nicht weiter aufhalten (das ist z.B. hier in hervorragender Weise geschehen, der Artikel ist hier online verfügbar, sodass sich alle selbst ihr Bild davon machen können). Ich will auch nicht die Frage stellen, warum ein (wenigstens früher einmal) hoch angesehenes Wissensmagazin wie GEO eine Titelgeschichte über ein medizinisches Thema nicht von jemandem schreiben lässt, der sich mit Medizin auskennt, sondern von einer Politikwissenschaftlerin -- oder warum diese Politikwissenschaftlerin sich auch auf Focus Online als medizinische Expertin gerieren darf (das ist z.B. hier behandelt worden). Ich will mich auch nicht im Detail mit dem Verhalten der GEO-Redaktion im betreffenden Diskussionsstrang auf GEOs Facebookseite beschäftigen (am besten, man liest sich den Strang selbst durch).

Stattdessen will ich mich -- wir sind ja im Sprachlog -- mit einigen sprachlichen Aspekten der Antwort der GEO-Redaktion befassen, die für solche Debatten auch allgemein typisch sind und die zeigen, dass der Verfasser, der stellvertretende Chefredakteur Jens Schröder, tief in der sprachlichen Welt der pseudomedizinischen Esoterik verhaftet ist (womit ich übrigens, darauf weise ich ausdrücklich hin, keinerlei Aussage darüber machen will, ob er auch gedanklich in dieser Welt verhaftet ist). Mein Beitrag ist im Prinzip eine etwas länger ausformulierte Fassung eines Kommentars, den ich in der Diskussion auf der Facebookseite von GEO abgegeben habe, er erhebt keinen Anspruch auf Systematik oder Vollständigkeit.

Anfangen möchte ich mit dem abscheulichen Begriffspaar Schulmedizin/Alternativmedizin. Das Wort Medizin bezeichnet allgemein die „Wissenschaft vom gesunden und kranken Organismus des Menschen, von seinen Krankheiten, ihrer Verhütung und Heilung“ (duden.de). Mit dem Wortpaar Schulmedizin/Alternativmedizin wird dieser Bedeutungsbereich scheinbar ausdifferenziert, es wird so getan, als gebe es zwei Sorten von Medizin, die einander gleichwertig gegenüberstehen. Das ist aber nicht der Fall: Entweder, eine Behandlungsmethode kann erwiesenermaßen Krankheiten und/oder deren Symptome verhüten oder heilen, dann fällt sie in den Bedeutungsbereich des Wortes Medizin; oder sie kann das nicht, dann fällt sie nicht in diesen Bedeutungsbereich und kann nicht mit dem Wort Medizin bezeichnet werden. Die Unterscheidung in der realen Welt ist also die zwischen Medizin und Nicht-Medizin; das wird durch die sprachliche Unterscheidung in Schulmedizin/Alternativmedizin verdeckt.

Auch die Wörter selbst konstruieren eine verzerrte Perspektive auf die Medizin. Das Wort Schulmedizin soll in Anlehnung an das Wort Schulweisheit signalisieren, dass es sich hier um eine begrenzte, verkopft-verstaubte und längst überholte Tradition handelt. Das Kompositum Alternativmedizin legt dagegen durch das Erstglied Alternativ- einen frisch-unverstellten und unkonventionellen Blick auf das Heilen von Krankheiten nahe. Das Wort Schulmedizin ist von den Alternativmedizinern (die eben keine Mediziner sind) genau zu diesem Zweck erfunden worden. Es gibt aber keine Schulmedizin, es gibt nur Medizin, und die ist keineswegs verstaubt und überholt, sondern wird in einem atemberaubenden Tempo weiterentwickelt. Wenn etwas verstaubt ist, dann das Herauskramen und Festhalten an den abergläubischen Traditionen der „Alternativmedizin“, die eben nicht forscht und weiterentwickelt, sondern im Gegeteil stolz darauf ist, sich auf Autoritäten zu berufen, die vor hunderten oder tausenden von Jahren gelebt haben.

In der irrigen Meinung, die Autorin Petra Thorbrietz zu schützen, versteigt die GEO-Redaktion sich übrigens zu der Behauptung, diese „Begrifflichkeiten“ seien „im Rahmen der redaktionellen Bearbeitung so gewählt worden“ und seien „daher ausdrücklich kein Verschulden der Autorin“. Irrig deshalb, weil Frau Thorbrietz dieses Begriffspaar in ihrer Kolumne „Thorbrietz’ Diagnosen“ auf Focus.de ausgiebig benutzt, wie man leicht feststellen kann. Es ist deshalb zu vermuten, dass es auch im GEO-Artikel sehr wohl von ihr selbst stammt und ihr nicht gegen ihren Willen von der Redaktion aufgezwungen werden musste.

Weiter geht es mit dem Wort Evidenz-Kriterium. Die GEO-Redaktion will dieses kritisch hinterfragen:

Ebenso finden wir es weiterhin richtig, über die ja nicht von der Hand zu weisenden Schwierigkeiten des (ja: natürlich wichtigen, aber auch nicht allheiligen) Evidenz-Kriteriums nachzudenken.

Mit „Evidenz-Kriterium“ ist nichts anderes gemeint, als dass eine Behandlungsmethode nachweislich wirken muss, um als Behandlungsmethode zu gelten. Das sollte so offensichtlich sein, dass man darüber nicht weiter reden muss, und Mediziner tun es auch nicht (da wissenschaftliche Forschung immer auf Evidenz beruht und Medizin eben die „Wissenschaft vom gesunden und kranken Organismus des Menschen, von seinen Krankheiten, ihrer Verhütung und Heilung“ ist, ist Evidenz ein nicht wegzudenkender Aspekt von Medizin). Indem man aus diesem konstitutiven Aspekt ein Kriterium macht, kann man es neben viele andere „Kriterien“ stellen und so tun, als seien diese „Kriterien“ gegeneinander abwägbar.

Wo wir bei der Evidenz sind: Ironischerweise verwendet die GEO-Redaktion in ihrer Antwort auch das Wort Erfahrungsmedizin als Synonym zur Alternativmedizin. Erfahrungsmedizin wäre aber in der eigentlichen Wortbedeutung nichts anderes als die (wissenschaftliche) Medizin, die als empirische Wissenschaft zu hundert Prozent auf Erfahrung beruht -- auf der systematischen, objektiven und nachvollziehbaren und Erfahrung von Labortests und klinischen Versuchsreihen. Indem das Erstglied Erfahrungs- aber stattdessen auf die anekdotenhafte praktische Erfahrung von medizinischen und pseudomedizinischen Praktikern bezogen wird, betont man damit nocheinmal den angeblich verkopften, verstaubten und realitätsfernen Charakter der „Schulmedizin“.

Aber nichts disqualifiziert die Antwort der GEO-Redaktion so gründlich, wie diese Passage:

Wir sehen es aber als diskussionsfördernd, notwendig und journalistisch richtig an, die Grabenkämpfe innerhalb der medizinischen Weltanschauungen zu thematisieren. Und auch einige Brückenbauer vorzustellen, die allesamt angesehene medizinische Praktiker sind.

Das Wort Grabenkämpfe malt ein Bild von gleichwertigen Gegnern, die sich in ihre Positionen eingegraben haben und sich von dort aus bekriegen. Neben der Gleichwertigkeit wird damit außerdem suggeriert, dass beide Seiten davon profitieren würden, mit dem Kämpfen aufzuhören und sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Die Brückenbauer sind diejenigen, die das eingesehen haben und die verbissen kämpfenden Gegener zueinander führen wollen.

Aber natürlich gibt es keine Grabenkämpfe: Es gibt die (wissenschaftliche) Medizin, deren Ziel es ist, wirksame Therapien zu entwickeln und anzuwenden, und es gibt nicht-medizinische Scharlatane, deren Ziel es ist, mit unwirksamem Hokus-Pokus zu Geld und Ansehen zu gelangen. Dass diese Scharlatane ständig die wissenschaftliche Medizin angreifen, ist aus ihrer Sicht verständlich, denn nichts bedroht einen Scharlatan mehr, als eine Wissenschaft, die das liefern kann, was er vergeblich verspricht. Dass es Mediziner gibt, die sich gegen diese Angriffe wehren, sollte uns alle dankbar stimmen, denn wenn die Scharlatanerie sich weiter durchsetzt, fallen wir schnell ins medizinische Mittelalter zurück. Das ist aber kein Grabenkampf, genausowenig, wie es ein Grabenkampf wäre, wenn ich mich gegen eine lästige Mücke wehren würde.

Und natürlich gibt es in der Medizin auch keine „Brückenbauer“. Entweder, man steht als Mediziner auf dem Boden der Wissenschaft, oder man baut eine Brücke ins Nirgendwo.

 

Eine Lektüreliste:

© 2011, Anatol Stefanowitsch


106 Kommentare zu “Homöopathische Sprachfallen und wie GEO sie nicht vermeidet”

  1. Sarah | Permalink

    Ein exzellenter Kommentar, wie ich ihn mir viel häufiger in der öffentlichen Debatte wünschen würde! Als Medizinerin muss ich zwar anmerken, dass zwar bei Weitem nicht alles, was wir im medizinischen Alltag tun, evidenzbasiert ist, es sich aber, wie hier dargelegt, meiner Vorstellung völlig entzieht, eine andere Maxime als Evidenz anzuwenden.
    Dazu zähle ich selbstverständlich korrekt designte Studien zu Kräutermedizin und allem, dass sich der wissenschaftlichen Voraussetzung einer Wirkungshypothese unterordnen lässt.

  2. Not quite like Beethoven | Permalink

    Ich stimme der Stoßrichtung des Artikels zu. Aber während methodisch nichts gegen den Ausgang von einer Duden-Definition spricht, wäre ich vielleicht mit der semantischen Gleichsetzung von Wissenschaft und Medizin vorsichtig. Die Heilkunst (im Sinne der klinischen Praxis der Medizin) zu einer Wissenschaft zu machen oder auf größtmöglich-wissenschaftliches Fundament zu stellen ist doch eher ein jüngeres, fortdauerndes Projekt.

  3. Hermann | Permalink

    Sprachfalle

    Die Überschrift ist irreführend. Ich dachte erst, es geht um Orthographisches: homöOpathische Sprachfallen.

    Freundliche Grüße, Hermann

  4. Rumo | Permalink

    Eine Alternative für Alternativ-?

    Wenn man nun aber das Begriffspaar Schulmedizin/Alternativmedizin nicht verwenden soll, was soll man dann verwenden?
    Soweit ich den Artikel verstehe, ist ja der Begriff "Schulmedizin" eigentlich überflüssig, da der von ihm beschriebene Fachbereich sowieso schon die gesamte echte/wirksame/wissenschaftliche Medizin umfasst, und man sollte statt "Schulmedizin" einfach nur Medizin sagen, richtig? Sehe ich im Grunde genauso und nach meiner Erfahrung wird das ja auch allgemein so gehandhabt.
    Sobald man aber (auch) über "Alternativmedizin" spricht/schreibt muss man hier aber eine Unterscheidung treffen.
    Verwendet man weiter "Medizin" für "Schulmedizin", was soll man dann für die "Alternativmedizin" verwenden? "Nicht-Medizin"? "unwissenschatliche Medizin" (wobei das ja dann ein Widerspruch in sich wäre)? ...? Ist für mich alles nicht so recht überzeugend - warum also nicht die von den diese Form der - nunja - "Medizin" ausübenden selbst gewählte (das ist sie doch, oder?) Bezeichnung verwenden? Ich persönlich finde nämlich auch nicht, dass das unbedingt übermäßig positiv klingt - für mich heißt das einfach nur, dass es sich hierbei um eine Alternative zur (üblichen) Medizin handelt. Ob das dann eine gute oder schlechte Alternative ist, steht damit ja noch lange nicht fest.

    Man könnte es jetzt vielleicht bei dem Begriffspaar "Medizin"-"Alternativmedizin" (d.h. Alternative zur Medizin) belassen - für sich genommen, dürfte das auch völlig ausreichen, wenn aber beide Begriffe einander gegenübergestellt werden und mehrfach in einem Text auftauchen, dürfte das schnell missverständlich werden. In diesem Fall statt "Medizin" "Schulmedizin" zu verwenden erscheint mir daher durchaus sinnvoll.
    Eine negative Assoziation sehe ich bei diesem Begriff eigentlich auch. Die "Schulmedizin" ist halt die Form der Medizin, die in der Schule (bzw. eigentlich natürlich der Universität) gelehrt wird, damit also die wissenschaftlich anerkannte, "echte" Medizin.
    Wenn man tatsächlich den Zusatz "Schul-" als Herabstufung ansieht, sollte man sich vielleicht eher fragen, wie es sein kann, dass der Begriff Schule ein derart schlechtes Bild hat. Zumindest in meinen Augen ist das sogar eher eine Aufwertung.

    Um diese Vermutungen zu prüfen, habe ich mal versucht ein paar analoge Begriffspaare zu bilden:
    Wie wäre es zum Beispiel wenn ich in einem Buchladen vor der Wahl zwischen zwei Büchern stünde, wovon das eine mit "Schulmathematik" und das andere mit "Alternativmathematik" betitelt wäre? Bei ersterem würde ich wohl ohne Zögern zugreifen (natürlich vorausgesetzt ich kann davon ausgehen, dass der Titel auch der Wahrheit entspricht), bei letzterem wäre ich dagegen eher skeptisch (ich würde es evtl. trotzdem kaufen - allerdings aus reiner Neugier und ich würde es von vornherein mit großer Skepsis lesen).
    Was wäre, wenn ich vor die Wahl gestellt würde mit einem Flugzeug zu fliegen, das nach den Prinzipien der "Schulphysik" gebaut wurde, und einem, das nach Prinzipien einer "Alternativphysik" gebaut wurde? Ich denke die Entscheidung wäre klar...
    Das einzige Problem bei diesen Paaren könnte sein, dass "Schulphysik/mathematik" ein wenig "zu einfach" klingt, weil es auch den Gegensatz zur "hohen/iniversitäts-mathematik/physik" bilden könnte - das Problem aber gibt es bei der Medizin ja nicht, da diese nur an Universitäten unterrichtet wird und somit klar ist, dass "Schul-" hier für "Universitäts-" steht.

    Ein Begriff ist mir dann aber doch noch eingefallen, wo das etwas anders ist: Alternative Energien/Energiequellen/Energieerzeugung (allerdings ist dieser nicht ganz analog, da es hier nicht um eine Wissenschaft, sondern um eine Technologie geht und zudem das Präfix "Schul-" nicht funktioniert).
    Hier hat das Wort "alternativ" tatsächlich eine deutlich positive Konnotation (zumindest für mich), was aber natürlich daran liegt, dass ich der Überzeugung bin, dass die anderen (sozusagen nicht-alternative) Energiequellen keine Zukunft haben.
    Meine "Theorie" wäre daher, dass die Frage wie positiv/negativ man gegenüber etwas eingestellt ist, das sich selbst als "Alternativ" bezeichnet, stark davon abhängt, was man von dem hält, wozu dieses eine Alternative sein soll. Wenn ich also mit der "Schulmedizin" zufrieden bin und diese im Großen und Ganzen für etwas Gutes halte, werden ich eine "Alternativmedizin" erst mal skeptisch sehen, wenn ich aber die "Schulmedizin" (warum auch immer) für etwas schlechtes oder zumindest nicht für gut genug halte, dann bin ich vermutlich deutlich aufgeschlossener für einen "Alternativmedizin".

    Alles in allem sehe ich also kein echtes Problem bei der Verwendung dieses Begriffspaares. Zudem hat es sich halt inzwischen in dieser Bedeutung eingebürgert (jedenfalls nach meinem subjektiven Sprachempfinden) - warum sollte man es also nicht so verwenden?

    Anmerkung: Ich habe den GEO-Artikel nicht gelesen (ich bin mit der Schulmedizin ganz zufrieden, habe daher keinerlei Bedarf nach einer Alternativmedizin und interessiere mich folglich nicht besonders dafür) und beziehe mich daher ausschließlich auf den Artikel hier im Sprachlog.

  5. Mueller | Permalink

    So berechtigt die Kritik an dem abwertenden Begriff "Schulmedizin" ist, so aussichtslos ist es m. E., ihn generell durch "Medizin" ersetzen zu wollen. Was macht man mit der vor-neuzeitlichen und feröstlichen Medizin, die in großen Teilen auch nicht empiriebasiert ist, zumindest nicht im modernen Sinne? Sicher, die alte "Medizin" hat zumeist mehr geschadet als genützt, doch sie heißt trotzdem so. Fachleute haben als neutrale Alternative zu "Schulmedizin" Ausdrücke wie "empiriebasierte Medizin" vorgeschlagen (weitere Möglichkeiten siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Schulmedizin).

  6. Elias | Permalink

    @Rumo (Benennung der Nichtmedizin)

    Mir fällt spontan das Wort "Quacksalberei" ein, das ich auch gern in meinem direkten Umfeld benutze, um die Machenschaften allerlei kostenpflichter Helfer und Heiler mit ihren "ganzheitlichen", "spirituellen" und "alternativen" Methoden zusammenfassen.

    Obwohl dieses Wort aus der Mode gekommen ist (es entspricht nicht der modernen Forderung, sich möglichst undeutlich auszudrücken, damit auch ja keiner verletzt werde), wird es doch von jedem noch verstanden.

  7. Rumo | Permalink

    @Patrick Schulz und @Elias

    Im Prinzip sind diese Begriffe zwar in der Tat recht treffend, aber sie sind natürlich zugleich auch mit einer eindeutigen Wertung verbunden.
    Ich denke halt, wenn man schon Begriffe wie "Schul-" und "Alternativmedizin" ablehnt, weil sie zu wertend sind (was ich, wie gesagt, nicht so empfinde), dann sollte man sie doch nur durch Begriffe ersetzen, die dann tatsächlich nicht wertend sind.

    Begriffe wie Quacksalberei und Pseudomedizin kann man dann zwar in der Alltagssprache sicher verwenden, aber in einem Artikel, der sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzt, erschiene mir das dann doch ziemlich unpassend (auch wenn ein solcher Artikel am Schluss natürlich mit Sicherheit zu dem Ergebnis käme, dass diese Begriffe inhaltlich durchaus zutreffend wären).

  8. Sheldon | Permalink

    Statt Alternativmedizin...

    .. sollte man einfach Hokum sagen. Was anderes ist das nämlich nicht. Alternativen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hokum)
    - Humbug
    - Schwindelei
    - Aufschneiderei ("alternative" Chirugie ;-))
    - Unsinn

    Oder man sagt einfach Verarsche.

  9. Norbert | Permalink

    "Skeptik"?

    Heißt das nicht "Skepsis"?

  10. A.S. | Permalink

    Begriffsalternativen

    Ich denke (wie Patrick Schulz), dass Pseudomedizin ein passendes Wort für alle aktuell praktizierten Traditionen der unwissenschaftlichen „Heilkunst“ ist (Homöopathie, Bach-Blüten, Schamanismus, fernöstliche Traditionen wie Ayurveda, Chinesische Medizin usw.). Das alles ist keine Medizin, tut aber so, und genau das drückt das Wort Pseudomedizin aus. Dass es wertend ist, ist klar, aber das ist ja wünschenswert. In dem Moment, wo eine Tradition den Anspruch aufgibt, Medizin zu sein oder mit ihr zu konkurrieren (z.B. wenn Ayurveda als reine Wellnes-Dienstleistung angeboten wird), braucht sie sich dann auch nicht mehr Pseudomedizin nennen zu lassen, so wie wir ja eine Gurkenmaske (gibt es sowas noch?) auch nicht als Pseudomedizin bezeichnen.

    Wenn man im historischen Zusammenhang über Traditionen spricht, die vor der Entstehung der modernen (wissenschaftlichen) Medizin praktiziert wurden, bietet sich etwas wie vorwissenschaftliche Medizin an, wenn es um Traditionen geht, die auf die moderne Medizin hingeführt haben, ginge auch Vorläufer der Medizin.

    Wenn man über Dinge reden will, die nicht Medizin sind, aber trotzdem einen Platz in der medizinischen Alltagspraxis haben sollen (falls es so etwas gibt), könnte man vielleicht von Medizinalternative sprechen. Ich bin mir sehr unsicher, ob unwirksame Behandlungsmethoden überhaupt einen solchen Platz haben sollten, weiß aber, dass viele praktizierende Ärzte das aus verschiedensten Gründen für wünschenswert halten.

  11. Christian | Permalink

    Ein wesentlicher Grund für die Wahl...

    ...der Worte beim "Branding" von Schul- und Alternativmedizin scheint mir der im allgemeinen Sprachgebrauch fest verwurzelte Satz aus dem 1. Akt von "Hamlet" zu sein: "Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio." Oder nicht? So gesehen ist "Schulmedizin" eine ziemlich clevere Wortschöpfung, impliziert sie doch (über die Brücke zu Hamlet) einen eng begrenzten Horizont (den die moderne Medizin ja nun wirklich nicht hat), während sie zugleich nichts direkt Negatives enthält, da die moderne Medizin die "schulische" Autorität - natürlich - für sich beansprucht...

  12. Elias | Permalink

    Noch ein Vorschlag...

    Wenn der Begriff nicht wertend sein soll, wie wäre es mit "Paramedizin".

    Dieses Wörtchen drückte trefflich den eigenen Anspruch der ganzen Quacksalber aus, neben der "Schulmedizin" zu stehen oder gar "darüber hinaus" zu gehen. Es läge auch nahe bei den "Parawissenschaften", die sich ja auch eher am Rande oder außerhalb der Wissenschaften befinden -- und machte dennoch beim Hörer des Wortes klar, wo die Unterschiede sind. Schließlich wird ja auch niemand die Parapsychologie mit der Psychologie verwechseln können.

    Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir dieses Wort.

  13. Wentus | Permalink

    Politische Wortwahl

    Wenn Deutsche und Franzosen sich an einen Tisch setzen, um beispielsweise über die Schuldenkrise zu sprechen, ist es unklug, sich gegenseitig als "les boches" und "Froschfresser" zu bezeichnen.

    Man ist also gezwungen, Wörter zu benutzen, die in beiden Lagern akzeptiert werden.

    Wir werden ständig mit beiden Lagern der Medizin konfrontiert. Ein gutes Beispiel wäre vielleicht die "IGEL-Leistung" des Zahnmediziners, die Zähne zu bleichen. Er wird zugeben, dass es nicht der Zahn-Gesundheit nützt, aber er wird wohl trotzdem kaum das Wort "Quacksalberei" in den Mund nehmen. Er verdient nämlich an den "Errungenschaften" beider Lager.

  14. Dierk | Permalink

    Missverständnis

    Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Die Begriffe Schulmedizin und Alternativmedizin bzw. Naturmedizin sind von Humbuganhängern gewählt worden, weil sie die eigentlich korrekte Wertigkeit umdrehen. Schulmedizin wird künstlich negativ belegt, Alternativmedizin positiv, genau wie Anatol schreibt.

    Richtig ist, dass Medizin gut ist, Alternativmedizin aber eben Humbug. Ich sehe keinerlei vernünftigen Grund, einen Begriff zu suchen, der snake oil besser dastehen lässt, als es ist. Alternativmedizin ist Humbug, Quatsch, Betrug, Schweinerei und muss höchstens der Präzision halber von anderem Dreck unterschieden werden. Dafür eignet sich Pseudomedizin sehr gut, kennen wir doch bereits den weiter gefassten Begriff der Pseudowissenschaft, zu der Homöopathie & Co. ohne Zweifel gehören.

  15. Stephan Schleim | Permalink

    An der Oberfläche geblieben

    Es wäre schön einfach, könnten wir in schwierigen Fragen einfach so der Duden-Redaktion vertrauen. Diese Definition ist aber nicht nur einfach, sondern auch falsch – davon abgesehen, dass sie natürlich nur neue schwierige Fragen aufwirft, wie z.B. "Was ist Wissenschaft?", "Was zählt als Evidenz?"

    Anders als die Duden-Redaktion, wissen beispielsweise die Redaktionen des New Oxford American Dictionary oder der Encyclopedia Britannica, dass unsere Medizin nicht nur wissenschaftliche Aspekte hat, sondern auch eine Praxis ist – eine Praxis des Helfens bei, Heilens und Vorbeugens von Krankheit. Siehe entsprechen die Selbstdarstellung der University of Oxford.

    Umgekehrt, wenn wir schon beim Duden sind, hat man in der dortigen Redaktion übrigens keine Probleme, dem Begriffspaar "Schulmedizin" (= "Medizin, die an den Hochschulen gelehrt wird und allgemein anerkannt ist") und "Alternativmedizin" (= "Medizin, die als Alternative oder Ergänzung zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden zu verstehen ist") eine Bedeutung zu geben.

    Dass diese Scharlatane ständig die wissenschaftliche Medizin angreifen, ist aus ihrer Sicht verständlich, denn nichts bedroht einen Scharlatan mehr, als eine Wissenschaft, die das liefern kann, was er vergeblich verspricht.

    Das sehen viele Mediziner aber anders, weil sie beispielsweise selbst alternative Methoden lernen und anbieten oder an medizinischen Fakultäten sogar externes Know-How zum Unterrichten von Alternativmedizin einkaufen.

    Das hatte ich übrigens zum Anlass für einen Blogbeitrag genommen (Gedanken zur Homöopathie) und in der Diskussion stellte es sich als konsensfähig heraus, dass die Alternativmedizin mit Blick auf das subjektive Leiden eines Patienten manchmal sogar mehr bieten kann als die Schulmedizin.

  16. Joachim | Permalink

    Begriffspaare

    Ich denke, dass die Wahl der Begriffspaare stark davon abhängt, wen man erreichen möchte. Wenn ich in einem Text vorrangig die Befürworter der nicht medizinischen Methoden erreichen möchte, dann halte ich mich an ihren Wortschatz:
    Schulmedizin Alternativmedizin

    Das Wort "Schulmedizin" wurde zwar von Hahnemann als Kampfbegriff in eindeutig abwertender Bedeutung eingeführt, es wird aber von vielen Laien recht neutral verstanden. Es gibt als durchaus überzeugte Schulmediziner, für die das Wort positiv klingt.

    Wenn ich die Medizingegner ein bisschen piesacken möchte, nutze ich das Begriffspaar:
    Alternativmedizin richtige Medizin

    Und wenn ich die Alternativen ärgern möchte, verwende ich eindeutige Begriffe, wie Pseudomedizin.

    Dinge werden nicht durch einen Wechsel der Wörter besser oder schlechter. Ich kann einen Artikel gegen Scharlatanerie schreiben, ohne dieses Wort zu benutzen. Der Vorteil dabei ist, dass das die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Scharlatane die Kritik auch lesen.

  17. Joachim | Permalink

    @Stephan Schleim

    "dass die Alternativmedizin mit Blick auf das subjektive Leiden eines Patienten manchmal sogar mehr bieten kann als die Schulmedizin."

    Aber nur, weil die durch gute Lobbyarbeit besser bezahlt werden.

  18. Stephan Schleim | Permalink

    @ Joachim: Was meinst du?

    Das Durchschnittsgehalt eines Radiologen in Deutschland beträgt ca. EUR 400.000 im Jahr. Zugegeben, das ist die Spitze unter den Medizinern, den Durchschnitt von allen habe ich nicht mehr im Kopf; der dürfte aber deutlich höher liegen als derjenige der Alternativmediziner.

    Gesetzliche und private Krankenversicherungen kämpfen gerade deshalb dafür, die Alternativmedizin im Leistungskatalog zu behalten, weil sie damit ordentlich Geld sparen können.

    Was meinst du also?

  19. Rumo | Permalink

    Alternativensuche

    @A.S.: Inhaltlich mag der Begriff "Pseudomedizin" ja völlig korrekt sein, ich finde aber trotzdem, dass er nicht unbedingt geeignet ist für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn wenn man so einen Artikel über "Pseudomedizin" schreibt, dann legt man damit im Grunde schon von Anfang an fest, was von dieser Form der "Medizin" zu halten ist, obwohl das ja eigentlich das ist, was erst am Ende des Artikels als Ergebnis herauskommt. Im "Nachhinein" hat man dann mit seiner Begriffswahl zwar recht (und im Grunde hat man das natürlich schon von vornherein, weil man als - "vernünftiger" - Autor, das ja auch tatsächlich schon von Anfang an weiß), aber für den Leser klingt das dann doch so, als wäre man voreingenommen und wäre bereits von Anfang an davon ausgegangen, dass diese Medizin gar nicht nützlich sein kann (also zu Beginn der Recherche über dieses Thema bereits).
    Für denjenigen Leser, der selbst schon zuvor ebenfalls dieser Meinung war, ist das natürlich kein Problem, für einen Leser, der der Alternativmedizin gegenüber aufgeschlossen ist, wirkt das aber evtl. eher so, als wäre der Autor einfach nur Ignorant/Arrogant gegenüber "neuem" und er wird die eigentliche Botschaft/Erkenntnis des Artikels vermutlich gar nicht mehr ernst nehmen. Dabei dürften ja gerade solche Leute das Ziel eines (vernünftigen) Artikels über Alternativmedizin sein (also Leute, die demgegenüber aufgeschlossen aber nicht fanatisch verfallen sind und die man durch einen sachlichen Artikel dazu über die Wahrheit über die Alternativmedizin "aufklären" kann).
    Und das klappt mMn wesentlich besser, wenn man versucht eine möglichst wertneutrale Wortwahl zu verwenden und dem Leser das Gefühl zu geben, dass man dem Thema zumindest die "Chance" gegeben hat ernst genommen zu werden (an den Fakten ändert sich dadurch ja nichts und ein guter Artikel sollte daher auch mit dieser Wortwahl noch überzeugend sein).

    @Elias: "Paramedizin" finde ich gut - ist vielleicht sogar noch etwas präziser als "Alternativmedizin". Müsste man dann halt vermutlich nur am Anfang eines Artikel erklären/definieren, da dieser Begriff - zumindest nach meinem Sprachempfinden - bei weitem nicht so verbreitet ist, wie "Alternativmedizin".

    @Dierk: Ist aber irgendwie ein bedenkliches Zeichen, wenn das so einfach geht: Denn eigentlich sollte das Präfix "Schul-" in diesem Zusammenhang doch eindeutig positiv wirken (und für mich ist das ja auch so). Wenn dem nicht so ist, müsste man sich mal fragen, warum (Schul-)bildung bei uns eine derart negative Konnotation hat...

    Edit: Im Grunde kann ich mich auch einfach Joachims Beitrag anschließen - dieser drückt (ein wenig verständlicher) eigentlich genau das aus, was ich sagen wollte...

  20. Redax | Permalink

    Sehr gut geschrieben. Vielen Dank dafür.

  21. Statistiker | Permalink

    Zur Doofheit eines Stefan S. sag ich mal nicHts..... das ist selbstentlarvent....

    Was ich eklig finde, ist folgende Aussage: "aber auch nicht allheiligen) Evidenz-Kriteriums"

    Doch. Nur die Evidenz ist "allheilig". damit hat sich GEO als dummdreist und blöd erwiesen.....

  22. Irene | Permalink

    Entweder, eine Behandlungsmethode kann erwiesenermaßen Krankheiten und/oder deren Symptome verhüten oder heilen, dann fällt sie in den Bedeutungsbereich des Wortes Medizin; oder sie kann das nicht, dann fällt sie nicht in diesen Bedeutungsbereich und kann nicht mit dem Wort Medizin bezeichnet werden.

    Medizin ist heute vor allem das, was die Pharmaindustrie bestellt und bezahlt und mit PR begleitet hat. Der Rest ist Erfahrungswissen oder Esoterik (die Zuordnung hängt hier nicht zuletzt von persönlichen Vorlieben ab) und ein klein wenig unabhängige Wissenschaft.

    Etliche zugelassene Antidepressiva wirken auch nicht besser als Placebos (ich meine, es betrifft die Gruppe der SSRI). Nur gibt es dazu keine empörten Kampagnen so genannter Skeptiker (von denen übrigens die wenigsten ein naturwissenschaftliches oder medizinisches Fach studiert haben). Warum eigentlich nicht, wenn es doch angeblich um die Wissenschaftlichkeit in der Medizin geht (und nicht etwa um Selbstgerechtigkeit oder Populismus)?

    Zum inszenierten Gegensatz Schulmedizin - Alternativmedizin: Ich arbeite gerade an einem Patientenratgeber, der möglicherweise auch einen kleinen Abschnitt über Homöopathie enthalten wird. Dort kommt unter anderem folgende Formulierung vor: "...homöopatisches X [Mittelname] ist kein Ersatz für Y [Medikament], weder aus medizinischer noch aus homöopathischer Sicht". Ich denke, ich werde das so belassen.

    (Belehrende Mails von wem auch immer, was ich in meinen Ratgeber reinschreiben soll, sind übrigens zwecklos.)

  23. Stephan Schleim | Permalink

    @ "Statistiker"

    Danke, das "Kompliment" gebe ich gerne zurück. Man braucht neben den fachlichen Quellen und Wörterbüchern, die ich angegeben habe, nur mal eine Recherche in einer wissenschaftlichen Datenbank zu machen um zu sehen, dass es beispielsweise im ISI Web of Science >2.600 Artikel gibt, die allein im Titel den Ausdruck "alternative medicine" führen.

    Wie viel "Evidenz" muss man eigentlich noch liefern, um zu belegen, dass nicht nur der durchschnittlich kompetente Sprecher der deutschen Sprache den Unterschied zwischen "Schul-" und "alternativer Medizin" versteht, sondern auch tausende von Fachleuten tagtäglich damit arbeiten?

    Als "Statistiker" können Sie mir diese Frage ja ganz sicher sachlich beantworten.

  24. Irene | Permalink

    Alternativ zum Medikamentenbudget

    Ich reiche noch eine nahe liegende Behauptung nach: Ärzte zücken aus wirtschaftlichen Gründen lieber den grünen als den roten Rezeptblock. Viele Ärzte empfehlen ihren Kassenpatienten erst mal was was mehr oder weniger Alternatives, weil das ihr Budget schont.

  25. topi | Permalink

    Jetzt landete mein seitenlanger Kommentar im off.

    Also nur sehr kurz: Evidenzbasierung ist keineswegs entscheidend für die Hochschulmedizin, sondern die Wissenschaftlichkeit der aufgestellten Theorien über Methodenwirkungen.

    Die Evidenz ist oft erschreckend, Placebo-Knie-OP, Spinalkanalspritzen, um nur mal ganz moderne Beispiele zu nennen.

  26. Mortimer | Permalink

    @ Stephan: dünner gehts nümmer

    "Man braucht neben den fachlichen Quellen und Wörterbüchern, die ich angegeben habe, nur mal eine Recherche in einer wissenschaftlichen Datenbank zu machen um zu sehen, dass es beispielsweise im ISI Web of Science >2.600 Artikel gibt, die allein im Titel den Ausdruck "alternative medicine" führen."

    Schau dir diese Artikel einfach mal an. (darunter sind übrigens viele, die "Alternativ-Medizin" wissentschaftlich prüfen - und entlarven. Was soll deine "Zahl" (ohne Relation zur "S-Medizin" wohlgemerkt) aussagen oder gar belegen?)

    "Wie viel "Evidenz" muss man eigentlich noch liefern, um zu belegen, dass nicht nur der durchschnittlich kompetente Sprecher der deutschen Sprache den Unterschied zwischen "Schul-" und "alternativer Medizin" versteht, sondern auch tausende von Fachleuten tagtäglich damit arbeiten?"

    Den Begriff verstehen ist das eine. Damit arbeiten etwas anderes.

    Wer damit "arbeitet", ohne Evidenz für Wirksamkeit vorlegen zu können, ist ein Scharlatan. Wenn Evidenz vorliegt, ist es keine "A-Medizin" mehr, sondern "Schul-Medizin" (wenn man diese Begriffe überhaupt bemühen möchte, s. Artikel und Kommentare).

  27. Markus A. Dahlem | Permalink

    Dass ISI Web of Science über 2.600 Artikel anführt mit den Ausdruck "alternative medicine" im Titel oder auch die 5218 Artikel in PubMed (Suche im Titel und Abstrakt), deutet für mich zwar auf eine in der Fachliteratur schon erstaunlich geringe Nutzung des Terms hin. (Zum Vergleich: "acupuncture" (im gewissen Sinne eine Untermenge) wird 16883 und "migraine" wird 24751 in PubMed gefunden.) Allerdings doch hoch genug, um ihn nicht einfach unbeachtet lassen zu können.

    Ich habe also mal die Kombination beider gesucht ("alternative medicine" migraine) und mir die 31 gefundenen Artikel angesehen.

    Fast immer fand ich die Kombination "complementary and alternative medicine" oder "complementary/alternative medicine" was auch als "CAM" abgekürzt wird. Manchmal, eher selten, fand ich zur Gegenüberstellung "conventional medicine".

    Aus diesen wenigen Artikeln kann ich nicht viel ableiten, aber CAM scheint vor allem von dem Patienten gewünscht zu sein. Ein Zitat

    "Our findings suggest that headache clinic migraine patients, in their need of and quest for care, seek and explore both conventional and CAM approaches. Physicians should be made aware of this patient-driven change in the medical climate in order to prevent misuse of healthcare resources"

    Das trifft es wohl ganz gut. Stephan verweist ja auch auf die Selbstdarstellung der Medizinischen Fakultät an der University of Oxford.

    Medicine is an applied science, but it is equally about dealing sympathetically and effectively with individuals, whether they be patients or colleagues.

    Es geht in der Praxis um den Menschen. Genau deswegen ist die Medizin dort und nur dort also in der Praxis keine exakte Wissenschaft mehr und Alternativen kommen ins Spiel -- nicht zuletzt um den Placebo mit auszunutzen und den Selbstheilungskräften zunächst auch mal Zeit zu geben, wo angebracht. Vor allem aber, weil wir nicht am Menschen vorbei (be)handeln können. (Gerade das macht ja Aufklärung so wichtig und den GEO-Artikel zum Skandal).

    Das heißt aber sicher nicht, dass die Medizin der Forschung, in klinischen Studien, in den Hörsälen der Universitäten nicht doch eine angewandte Wissenschaft ist, eine exakte. Und an diesen Orten gibt es auch nur eine Medizin, eine die sich sehr wohl bewusst ist was Alternativen wann leisten.

    Deswegen halte ich den Begriff des Grabenkampfes auch in der Tat für völlig absurd, die Anwendung (und damit die Bezeichnung) "alternativer" oder "komplementärer" Methoden allerdings haben ihre Berechtigung im Repertoire des Mediziners.

    Wer damit arbeitet muss keine Scharlatan sein.

  28. Dierk | Permalink

    @Rumo

    Da hast du recht, Schulbildung sollte eigentlich positiv belegt sein, und die Gründe, warum das nicht so ist, wären sicher interessant [Tipp für stud. cand. diverser Fächer]. Es wäre jetzt ein Leichtes, wieder einmal "die" Deutschen rauszupicken, die von Schule und Experten nichts halten, allerdings sehe ich auch in anderen Ländern - z.B. den USA - einen starken Hang, Bauchhirn über Kopfhirn zu stellen.

    Das bereits angebrachte Hamletzitat ist allerdings tatsächlich ein Beispiel für Deutsche Romantik und Deutschen Idealismus. Shakespeare schrieb von 'your philosophy', was sich auf Horatios [eingeschränkte] Weltsicht bezieht. Von Schule ist da nirgends die Rede, die kam erst in der Schlegel-Tieck'schen hinein - einer Übersetzung, die den idealistischen Vorstellungen Deutscher Romantik entstammte.

    Leider ist es auch nicht so, dass die positiven wie negativen Konnotationen von Wörtern auf ewig festgelegt wären, viel hängt auch davon ab, wer es benutzt, bei wem es ankommt und wie der spezifische Kontext ist.* Ein streng konservativ eingestellter Mensch wird 'alternativ' eher negativ sehen, bis hin zur irrigen Idee, dass eine Angelegenheit gut sein muss, wenn sie 'alternativlos' ist.

    Wobei wir es in unserem Beispiel sogar mit Modifikatoren zu tun haben, die in ein Wechselspiel mit dem zu modifizierenden Wort treten.

    *Ein bald schon klassisches Beispiel ist der 'Gutmensch'.

  29. Stephan Schleim | Permalink

    @ Mortimer: Bitte lesen

    Erstens lesen Sie bitte den Blogpost und wenn Sie ihn verstehen, dann ist Ihnen klar, dass es darin nicht nur um die Wirksamkeit von alternativer Medizin geht, sondern auch um die Bedeutung des Begriffs.

    Zweitens lesen Sie bitte meine Kommentare und wenn Sie diese verstehen, dann ist Ihnen klar, dass es darin entsprechend um die Bedeutungsfrage geht. Also ist es nicht dünn, auf den verbreiteten Sprachgebrauch hinzuweisen – in der allgemeinen sowie in der Fachsprache –, sondern der einzige Weg, der mir gangbare Weg, die Frage zu beantworten.

    Wenn Sie anderer Meinung sind, dann stellen Sie bitte Ihren eigenen Lösungsweg vor, anstatt hier blind in die Runde zu behaupten; insbesondere dann, wenn Sie für sich beanspruchen, wissenschaftlich zu sein.

  30. Stephan Schleim | Permalink

    @ Markus: Rechnen, rechnen

    Natürlich vermischst du die Suchkriterien, wenn du einmal eine title und dann eine topic search machst und die Ergebnisse miteinander vergleichst – alle Titel sind im Thema enthalten aber nicht umgekehrt. Für topic="alternative medicine" kommt ISI auf +6.500 Hits.

    Es geht hier doch allein um die Frage, welchen Sinn der Ausdruck hat.

    In etwa die gleiche Anzahl findet sich übrigens für title=acupuncture. Für psychopathy sind es etwas mehr als tausend. In welcher Hinsicht sollen es also wenige Beiträge sein? Das leuchtet mir nicht ein.

  31. DrNI | Permalink

    Bad Science und Schimpfwörter

    Zu diesem Thema empfehle ich das Buch "Bad Science". Nun gut, es hat eher polemisch wirkende Längen, aber alles in allem erklärt es recht gut, was Sache ist im Grabenkampf zwischen Medizin und, erm nunja, eben doch Nicht-Medizin.

    Doch zurück zu Worten und Sprache: Von einigen Anhängern des Homöopathie-Glaubens wird "Schulmedizin" wie ein Schimpfwort gebraucht. Ein Wort, das man nur mit spitzen Fingern bzw. spitzer Zunge anfasst. Etwas ähnliches habe ich auch schon bei einem Superspießer erlebt, der "Musiker" als Schimpfwort führte. Es ist interessant, wie man rein über den Kontext diese Verknüpfung von einem handelsüblichen Wort mit etwas negativem herstellen kann.

    (Mh, vielleicht hätte ich nicht so viele von diesen Kügelchen nehmen sollen, ich denke ja schon ganz wirr!)

  32. Statistiker | Permalink

    Danke

    @ Mortimer. Das erspart mir eine weitergehende Antwort. Dieser Stefan S. benutzt das Wort "Alternativmedizin", ohne es zu verstehen, wie auch viele Fußballfans "Abseits" brüllen, ohne zu wissen, was in den Regeln steht. Naja, so sind sie halt, die Esoidiotiker....

  33. Stephan Schleim | Permalink

    *Gähn*

    Ist das eigentlich mein Fehler, dass ich davon ausgegangen bin, zu einer akademischen Frage auf einer Platform über Wissenschaft eine Diskussion führen zu können, in der Menschen wenigstens versuchen, ihre Meinung mit Argumenten und Belegen zu begründen?

    Naja, es gibt zum Glück noch andere Foren. Vielleicht sieht man sich dort demnächst.

  34. Klausi | Permalink

    Verbrämen

    Ich neige auch nicht zum Quacksalbertum, aber ich bin auch kein kritikloser Anhänger der medizinischen Wissenschaft oder gar der Ärzteschaft. In beiden Fakultäten menschelt es mir zu sehr.
    Was ist nicht schon alles für ein Blödsinn im Namen der Wissenschaft verzapft worden! Jüngstes Beispiel ist die Sache mit dem Kaffeetrinken. Da wurde doch tatsächlich Jahre lang verkündet, dass man beim Kaffeekonsum dem Körper mehr Wasser entziehe, als man ihm beim Kaffeetrinken zuführen könne. Erst jüngst wurde diese "wissenschaftliche Erkenntnis" kleinlaut wieder zurückgenommen. Es soll nun doch mehr Wasser verbleiben als gleichzeitig dem Körper entzogen würde.

    Der Beispiele sind so viele, dass man annehmen möchte, die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie sind nicht besonders groß. Zumindest sitzt man in Wissenschaft und Medizin immer noch eitel auf dem hohen Ross. Selbstkritik ist so gut wie unbekannt. Und wer verkündet schon laut, dass die gewonnenen Erkenntnisse immer als vorläufige zu betrachten sind und man schon morgen klüger sein kann?

    Zum Thema Sprache zurückzufinden, ist leicht. Sprache soll oft genug etwas bagatellisieren, beschönigen, idealisieren, schönen,
    verharmlosen oder verschleiern. In der Medizin dient dazu nach wie vor das Ärztelatein, in der Wiissenschaft die sogenannte Fachsprache und in den Medien und in der Werbung sind es heutzutage die Anglizismen, hinter denen sich diese Absichten verstecken.

  35. A.S. | Permalink

    @ Stephan Schleim

    Nein, dein Fehler ist es, dass du davon ausgegangen bist, dass man deine Äußerungen hier für Argumente oder gar Belege halten würde.

  36. Stephan Schleim | Permalink

    @ A.S. Begründungen

    Gehst du mit deinen Studenten eigentlich auch so um, wenn sie eine andere Meinung vertreten und nach Belegen für deine fragen, sich über sie lächerlich zu machen und sie zu beleidigen? Fände ich ziemlich schade für den Gedanken der Universität.

    Um in den Äußerungen "Mortimers" oder "Statistikers" ein Argument zu finden, müsste ich schon LSD nehmen und mit dem Mikroskop suchen. Ist bitte jemand so freundlich, mir eine E-Mail zu schicken, falls sich hier doch noch jemand die Mühe machen sollte? Eigentlich will ich das nämlich nicht mehr lesen, sondern lieber den Blick auf die See genießen.

    Grüße von der MS Friesland.

  37. Irene | Permalink

    Noch was dazu:

    Das Wort "Schulmedizin" wurde zwar von Hahnemann als Kampfbegriff in eindeutig abwertender Bedeutung eingeführt ...

    Ich habe es auch so in Erinnerung, dass der Begriff von Hahnemann stammt, hatte aber gestern keinen Beleg parat und war mir nicht ganz sicher. Dass er einen Kampfbegriff verwandte, kann man ihm jedenfalls nicht verdenken - damals haben Ärzte noch unverdünntes Arsen und Quecksilber als Medikamente eingesetzt. Manche Homöopathen haben für ihre Zeit schon recht wissenschaftlich gearbeitet, zum Beispiel der Arzt Constantin Hering.

    Mich erinnert der Begriff Schulmedizin ein wenig an die Formulierung "eminenzbasierte Medizin", die von Markus Grill stammt oder von ihm verwendet wird.

    Und das heutige Medizinstudium ist ja tatsächlich recht verschult, es geht vor allem darum, den Stoff für den nächsten Multiple-Choice-Test auswendig zu lernen. Wissenschaftlich denken lernt man dabei nicht unbedingt, auch nicht unbedingt logisch denken. Manchen Ärzten fehlt das Bewusstsein dafür, dass die Aussagen des geschätzten Professors von damals der Irrtum von heute sein könnte.

  38. Stefan Wagner | Permalink

    Schulmedizin

    Die Schulmedizin wird sich als Kampfbegriff leider schnell selbst erledigen, wenn der Einzug der Paramedizin auf den Universitäten weitergeht - angefangen hat es ja schon (Frankfurt/Oder, oder?).

    Dass die Unis ein blühender Korruptionssumpf sind hat sich ja leider in den letzten Monaten erwiesen.

    Der Privatisierungsdruck hat die Unis weiter gegenüber Einflüssen geöffnet, die höhere Interessen als Evidenz, Wahrheit und Gutes verfolgen, ohne gleichzeitig ein Gegengewicht, Kontrollinstanzen oder Einflußfaktoren zu schaffen.

    Mit frommen Wünschen wird es nicht getan sein.

    Wenn nicht gehandelt wird, werden die Skeptiker als Pausenclowns ins Nachtprogramm des ÖR-Fernsehens abgeschoben, und Ruhe ist. Es ist ja gerade die geistige Elite, die die Pseudomedizin am stärksten nachfragt.

  39. Stephan Schleim | Permalink

    P.S. eCAM

    Es gibt übrigens seit 2004 sogar ein Journal Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine.

    Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine (eCAM) is an international, peer-reviewed journal that seeks to understand the sources and to encourage rigorous research in this new, yet ancient world of complementary and alternative medicine.

    ISI Impact Factor = 2,96. Das dürfte höher sein als die meisten sprachwissenschaftlichen Journals, oder? ;-)

  40. Anna | Permalink

    Falls der Begriff 'Schulmedizin' wirklich von Hahnemann stammt, könnte er ihn in Analogie zum Begriff 'Schulphilosophie' gebildet haben, mit dem man die frühaufklärerische Philosophie vor allem Christian Wolffs bezeichnet hat, die dann vom späteren Kant und auch französischen Strömungen abgelöst wurde.

  41. Irene | Permalink

    @ Anna: Ja, das wäre mal interessant, dem auf den Grund zu gehen. Wie war das vor 200 Jahren tatsächlich gemeint?

  42. Joachim | Permalink

    @Stephan Schleim

    "Was meinst du also?"

    Ganz konkret:
    Das der Gebührenordnung für Ärzte beträgt der einfache Gebührensatz für eine Homöopathische Erstanamnese 52,46€ der Gebührensatz für eine Medizinische Untersuchung zur Erhebung des Ganzkörperstatus beträgt nur 15,15€. Für die gut 37€ Differenz könnte sich auch der nicht-homöopathisch arbeitende Arzt mehr Zeit für eine eingehende Beratung nehmen. Zumal tatsächliche auch das 3,5-fache abgerechnet werden kann.

  43. Markus A. Dahlem | Permalink

    Wer Komplianz schafft, hat recht

    @Stephan: Ich hatte ja im direkten Vergleich "acupuncture" mir angeguckt, was im gewissen Sinne eine Untermenge der alternativen Methoden ist und insgesamt 16883 vorkommt. Relativ dazu also sind es wenige Beiträge.

    Ich will mal allgemein folgendes zu bedenken geben, nämlich dass selbst die besten (natürlich wissenschaftlich begründeten) Behandlungsmethoden oft nur Teilerfolge vorweisen können, und leicht wegen dieses nur teilweisen erfolgten Erfolges gar nicht mehr richtig befolgt werden.

    Das A und O jeder Therapie ist deswegen die Komplianz des Patienten. Um diese zu erreichen und zu halten, kommen oft Alternativen, die komplementär zur begrenzten Therapien angeboten werden, ins Spiel.

    Einfaches Beispiel: Es gibt eine medikamentöse Akuttherapie, bei der maximal 2-3 Tabletten pro Monat gegen eine Anfallskrankheit genommen werden dürfen, Anfälle aber 4-5 mal pro Monat auftreten.

    Der Patient kann nun einfach 4-5 mal das (rezeptfreie) Medikament nehmen und bleibt völlig frei von Symptomen, riskiert aber später bleibende Schäden. Das A und O dieser Therapie sind also die Komplianz des Patienten und -- genau -- die Alternativen die komplementär zur dieser medikamentösen Therapie angeboten werden können, für die Anfälle, denen der Patient sonst mit leeren Händen da steht.

    Das kann, je nach Patient, verschiedenes sein, Yoga, Progressive Muskelentspannung, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, die Gurkenmakse, die Wahrheit.

    Das sind Alternativen nicht im Sinne eines Ersatzes, sondern eines Zusatzes.

    So pragmatisch scheint mir die Bedeutung des Begriffs "alternative Medizin" oder "komplementäre Medizin", heute von vielen Medizinern in der Praxis verstanden zu werden.

  44. Joachim | Permalink

    "Wie war das vor 200 Jahren tatsächlich gemeint?"

    Natürlich bezog sich der Begriff vor 200 Jahren auf die damalige Quacksalberei und nicht auf moderne Medizin. Das ist historisch sicher interessant, spricht aber für die heutige Verwendung des Begriffs keine Rolle mehr.

  45. Petra | Permalink

    Mir fehlt hier der Begriff "Apparatemedizin" als Gegenstück zur "Alternativmedizin".

    Die alternative Medizin hat ja auch bei den "Schul"medizinern einen gewissen Stellenwert, sie ist nicht nur Humbug und Esotherik und soll eben im Gegensatz zu der Schulmedizin mit den hochgerüsteten Apparaten sanfter wirken.

  46. Irene | Permalink

    @ Petra: Apparatemedizin und Alternativmedizin ist auch ein Scheingegensatz.

    Die oben erwähnten Radiologen verdienen mit ihren Apparaten deshalb so gut, weil sie wie am Fließband arbeiten und z.B. viele unnötige Szintigrafien machen, ohne den Patienten vorher gesprochen zu haben. Die Indikation beschränkt sich nicht selten darauf, dass der Hausarzt eine Überweisung ausstellt und die Arzthelferin des Radiologen bei der Terminvergabe gleich eine Szintigrafie einplant (oft mit der Anweisung, die Medikamente abzusetzen), weil nun mal das das Kerngeschäft der Praxis ist. Der Gegensatz wäre aber nicht Alternativmedizin, sondern z.B. ärztliche Verantwortung. Die Veränderung wird aber eher von den Patienten ausgehen, die sich mittlerweile via Internet selbst über Untersuchungen kundig machen können, anstatt sich untertänig in irgendeinen üblichen Ablauf einzufügen.

    Hier übrigens ein Artikel, in dem "Apparatemedizin" vorkommt:
    http://www.brandeins.de/...el/sanfte-rebellen.html

  47. Stephan Schleim | Permalink

    Geschichte

    @ Joachim, das sind interessante Zahlen. Meiner Erinnerung nach wurden alternative Methoden aber doch erst in jüngerer Zeit in die Leistungskataloge von Krankenversicherungen aufgenommen. Mir scheint daher, dass die Schulmedizin lange genug Zeit gehabt hätte, diesen Service ohne die Konkurrenz zu bieten. Dass sich umgekehrt diese Leistungen in jüngerer Zeit institutionell etabliert haben, scheint mir dafür zu sprechen, dass sie eben auch eine bestimmte Nachfrage der Patienten ansprechen und für kosteneffizient gehalten werden.

    Im Übrigen stimme ich dir aber zu und warne ich insbesondere vor einem genealogischen Fehlschluss: Woher ein Wort kommt, das kann manchmal informativ sein, liefert aber keine endgültige Antwort auf die Frage seiner Bedeutung.

    @ Markus: Interessantes Gedankenfutter. Meiner Einschätzung nach – und tatsächlich habe ich in mehreren Papers unterstützende Aussagen gefunden – sind es (in unseren Kulturkreisen) vor allem chronisch Kranke, denen von Schulmedizinern nicht oder nur teilweise geholfen werden kann, die dann alternative Heilmethoden ausprobieren.

  48. Irene | Permalink

    Im Übrigen stimme ich dir aber zu und warne ich insbesondere vor einem genealogischen Fehlschluss: Woher ein Wort kommt, das kann manchmal informativ sein, liefert aber keine endgültige Antwort auf die Frage seiner Bedeutung.

    Das hat ja auch niemand erwartet.

    (Dass Anna und ich Frauen sind, heißt nicht, dass jetzt ein Mann nach dem anderen den belehrenden Zeigefinger recken muss.)

  49. Stephan Schleim | Permalink

    @ Irene

    Sorry, natürlich ist die Frage historisch interessant, auch wenn sie dann nur noch wenig mit der These Stefanowitschs zu tun hat, und den genealogischen Fehlschluss habe ich keinem von Ihnen unterstellt.

    Wenn Sie die anderen Kommentare gesehen haben, dann ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass hier durchaus auch unter Männern belehrende Zeigefinger vorkommen. :-)

  50. A.S. | Permalink

    Apparatemedizin

    Apparatemedizin -- noch so ein Wort, das niemand braucht, außer Scharlatanen, die damit ein Bild von der Kälte und Seelenlosigkeit der (wissenschaftlichen) Medizin malen wollen, neben dem sie selbst dann warm und menschlich wirken.

  51. Irene | Permalink

    @ A.S.: Ein Problem ist es schon, dass für das Gespräch mit den Patienten relativ wenig Geld da ist. Manche Ärzte gehen nur noch nach objektiven Befunden und fragen erst gar nicht nach dem Befinden. Vielleicht fehlt das auch in der Ausbildung, sodass Ärzte mit subjektiven Aussagen nicht mehr umgehen können?

    Nur auf die Alternativmedizin zu schimpfen, sodass der etablierte Bereich vergleichsweise gut dasteht, ist jedenfalls nicht die Lösung für die vielen Schwächen der eminenzbasieren Medizin. Es ist eher eine gute PR-Strategie für deren Interessen - aber warum macht das jemand für lau?

  52. Wolfgang | Permalink

    Die böse Pharmaindustrie

    Irene schrieb: "Medizin ist heute vor allem das, was die Pharmaindustrie bestellt und bezahlt und mit PR begleitet hat. Der Rest ist Erfahrungswissen oder Esoterik (die Zuordnung hängt hier nicht zuletzt von persönlichen Vorlieben ab) und ein klein wenig unabhängige Wissenschaft."

    Vielleicht solltest du dich (bevor du deinen Ratgeber heraus gibst) auch noch ein wenig allgemein mit medizinischer und biologischer Wissenschaft und auch Dingen wie dem Arzneimittelrecht beschäftigen. Denn aus diesen Gründen wäre der negative Schatten, den du hier auf die Pharmaindustrie werfen willst, nur mit Verschwörungstheorien erklärbar.

    Laut Arzneimittelrecht müssen Arzneimittel strengste Richtlinien, zu denen klinische Studien gehören, durchlaufen. Wenn du nun weiter unterstellen willst, dass diese publizierten und überprüfbaren Studien gefälscht werden, befinden wir uns im Reich der Verschwörungstheorien, da dies einfache Strukturen annehmen würde, wie sie nicht vorhanden sind. Es wird immer wieder mal vorkommen, dass eine Studie (egal woher) gefälschte Daten enthält... sonst wären sie nicht von Menschen verfasst. Dies kommt aber aufgrund der wissenschaftlichen Vorgehensweise äußerst selten vor (auch wenn sie von der bösen Pharmaindustrie verfasst sind) und wenn es vor kommt, hat die wissenschaftlichen Vorgehensweise so an sich, dass es noch öfter auffliegt.

    Bitte nicht als Beleidigung auffassen, aber ich fände es sehr wichtig, dass sich eine Journalistin sehr genau Gedanken macht, was berechtigte Vorwürfe sind und was bereits Verschwörungstheorien sind. Als gerechtfertigten Kritikpunkt würde ich etwa noch gelten lassen, dass es mehr unabhängige medizinische Wissenschaft geben sollte. Wobei man auch hier vorsichtig sein muss, denn die medizinische Grundlagenforschung (aus der ich komme) ist fast ausschließlich völlig unabhängig von der Pharmaindustrie.

    In der Hoffnung, dass dies als Anregung und nicht als Angriff aufgefasst wird...
    Wolfgang

  53. Irene | Permalink

    Wolfgang, Du unterstellst mir wegen einer pointierten Bemerkung, dass ich pauschal einen negativen Schatten auf die Pharmaindustrie werfen will. Das ist gar nicht der Fall, und das wichtigste Medikament bei meinem Thema nehme ich ohnehin selbst.

    Ich brauche wirklich keine Belehrungen von oben herab und will mich auch nicht dauernd rechtfertigen, nur weil notorische Skeptiker alle Frauen für Esos halten.

  54. Irene | Permalink

    Ich wüsste eh nicht, wie man einen "negativen Schatten" wirft, hihi.

    (Der musste sein, wir befinden uns immerhin in einem Sprachblog.)

  55. David | Permalink

    @Wolfgang

    Die Behauptung, daß systematisch Daten gefälscht würden, kann ich in dem, was Irene schrieb, nicht erkennen. Ich verstehe die Behauptung so, daß die medizinische Wissenschaft zum großen Teil ihr Forschungsinteresse nach den Interessen der Pharmaindustrie richte, weil diese in großem Umfang Mittel bereitstellt. Damit wäre es dann u.a. denkbar, daß zu Therapien, die möglicherweise wirksam wären, die aber keinen großen Gewinn versprechen (etwa wegen mangelnder Patentierbarkeit), vergleichsweise wenig geforscht wird.

    Das mag nun zutreffen oder nicht, ist aber noch keine Verschwörungtheorie.

  56. Stephan Schleim | Permalink

    @ Wolfgang: lesen bildet

    Erstens möchte ich hier kurz etwas zum verbreiteten Verschwörungstheorie-Argument sagen: Damit dieses Argument allgemein gelten kann, müssten wir davon ausgehen, dass es keine Verschwörungen gibt. Da aber bereits eine oberflächliche Kenntnis der Geschichte ausreicht, um zu wissen, dass es sehr wohl Verschwörungen gibt, wissen wir, dass das Argument nicht allgemein gelten kann.

    Es ist Ausdruck einer bequemen geistigen Haltung, sich eine unbequeme geistige Haltung vom Leib zu halten. Davon abgesehen zeugt es von einer Unkenntnis der Zeitgeschichte, wenn die zahlreichen jüngst aufgedeckten Korruptions-, Abhör-, Fälschungsskandale usw. spurlos an einem vorbei gegangen sind; aber das waren wohl auch nur Verschwörungstheorien.

    Zweitens kann ich Ihnen nur erwidern: Lesen bildet. In den letzten Jahren haben mehr als genug Redakteure angesehener medizinischer Fachzeitschriften deutlich gemacht, dass sie selbst der Forschung, die sie in letzter Instanz publizieren, nicht mehr trauen können. Hier nur zwei Beispiele:

    Erstens Fiona Godlee, seit 2005 Chefredakteurin des British Medical Journal (ISI Impact Factor = 13,47), über "Doctors and the drug industry" (BMJ, 2008):

    On the face of it, this is a pragmatic response to the world we live in. But looked at another way it’s an indictment of medicine’s culture. The evidence that industry funding biases the design and reporting of clinical research is overwhelming. So too is the evidence that paid opinion leaders increase prescription of the sponsor’s drug. Why else would industry pay them?

    Führende Ärzte und klinische Forscher, die Geld von Pharmakonzernen annehmen und danach deren Botschaften verbreiten? Ach was, alles Unsinn, Verschwörungstheorie!

    Zweitens, ihr Vorgänger, Richard Smith, 25 Jahre lang Redakteur beim BMJ und 13 Jahre lang Chef der Publishing Group, in "Medical Journals Are an Extension of the Marketing Arm of Pharmaceutical Companies" in PLoS Medicine (Impact Factor = 15,62).

    Warum haben Redakteure medizinischer Fachzeitschriften den Eindruck, die Marketing-Arbeit von Pharmafirmen zu machen? Warum kriegen die Firmen die Ergebnisse, die sie wollen? Alles Verschwörungstheorie? In dem Artikel sowie weiteren darin zitierten Quellen (The Lancet, New England Journal of Medicine) finden Sie ein paar antworten.

    BMJ, PLoS Medicine, Lancet, NEJM, das sind keine Außenseiter, sie sind das Herz medizinischen Publizierens; und wir könnten hier noch stundenlang weitermachen mit berichten aus anderen Quellen, beispielsweise Journal of the American Medical Association.

    Lesen ist tatsächlich manchmal unbequem; aber es bildet.

  57. Irene | Permalink

    Danke für die Beispiele.

    Hinzu kommt noch, dass auch Ärzte-Fortbildungen überwiegend von Pharmaunternehmen angeboten werden. Zu manchen Themen gibt es anscheinend kaum unabhängige Informationsquellen. Und manche der unabhängigen Angebote werden nicht mal gut genutzt - bei einer Fortbildung der Uni gibt es ja kein Sechs-Gänge-Menü auf Kosten des Hauses, sondern man muss auf eigene Rechnung ins Lokal gehen oder am Käsebrot nagen.

    Ich frage mich ernsthaft, wieso die Risiken wirtschaftlicher Abhängigkeiten und Einflussnahmen in der Medizin besonders hartnäckig geleugnet werden. Weil Ärzte in der Gesellschaft so hohes Ansehen haben? Wenn der Computertest in einer Zeitschrift vom Hersteller bezahlt wird, hat das einen etwas unseriösen Beigeschmack und ist bei den teureren Magazinen ein No-Go. In der Medizin ist das anscheinend nicht so.

  58. Daniel | Permalink

    Schade

    Die eigentlich nicht uninteressante sprachliche Betrachtung des Artikels wird durch die Verbrämung mit der Privatmeinung des Autors zum Thema "Pseudomedizin" leider weitgehend entwertet.
    Das Wort "Evidenzkriterium" ist in der Tat ein schönes Beispiel für manipulativen Sprachgebrauch.
    Scahde aber dass von diesem Vorwurf nachher nur übrig bliebt, dass GEO nicht in die "richtige" Richtung manipulieren würde (wie es das Wort "Pseudomedizin" täte.
    Ich glaube auch nicht dass eine so komplexe Thematik wie Medizin und ihre (Pseudo)Alternativen hier richtig aufgehoben sind, erst recht nicht wenn man inhaltilich nur mit eher stammtischartig gehaltenen Parolen in fremden Wissensgebieten wildert.

    Alleine über das Thema "Evidenz" in der Medizin könnte man sich lange auslassen, ein paar Anstösse stehen ja schon in den Kommentaren.
    Daneben sollte man berücksichtigen, dass "Medizin" nicht ausschliesslich eine wissenschaftliche Disziplin beschreibt, sondern umgangssprachlich auch das, "was der Arzt macht", also z.b. auch jede Art von Diagnostik und Therapie.
    Jemand der diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hat, hat ggf. auch ohne Sympathie Quacksalber und Esoteriker einen Bedarf für Wörter wie Apparatemedizin.

  59. Stephan Schleim | Permalink

    Geld und/oder Qualität

    @ Irene: Sehen Sie, so gerecht ist die Welt. Die kriegen auf ihren Ärztekonferenzen so viel Freicocktails wie sie wollen und mir bezahlt nicht mal jemand meinen Muffin für einsfünfzig (Und wer bezahlt für Internet-Inhalte?).

    Ich kann aber verstehen (@ Video), dass es für einen Arzt eine Beleidigung ist, für eine Gefälligkeit nur eine Kaffeemaschine zu bekommen; das ist ja so wie das Kaffeeservice von WMF für die Frauenfußballnationalmannschaft anno dazumal.

    @ Daniel: Ich sehe das so wie Sie aber kann Ihnen den differenzierteren Post ("Schulmedizin" und Naturheilkunde in der GEO) meines Bloggerkollegen empfehlen. Die Diskussion da scheint mir auch glücklicher gelaufen.

  60. gnaddrig | Permalink

    @ Wentus („Politische Wortwahl“)

    Der Zahnarzt verkauft das Zahnbleichen aber auch nicht als medizinische Maßnahme, sondern, wenn er ehrlich ist, als rein kosmetische Angelegenheit. Er verdient also nicht an irgendeiner Form von Quacksalberei oder Pseudomedizin, sondern wildert gewissermaßen im Revier von Kosmetikern oder meinetwegen noch Schönheitschirurgen, von denen viele aber eben nicht Kranke oder Verletzte behandeln, sondern sich auf rein lifestylebezogene Behandlungen spezialisieren und so gesehen allenfalls einen Randbereich der Medizin beackern, der zwar von der dafür erforderlichen Qualifikation her als „Medizin“ zu bezeichnen ist, in seiner Zielsetzung aber mit Medizin nicht mehr so viel zu tun hat.

    Damit braucht man sich an dieser Stelle auch keine Gedanken zu machen, ob Quacksalberei hier zu abwertend klingt. Zahnbleichen ist keine Quacksalberei, sondern Kosmetik, auch wenn ein Arzt es macht.

    Davon abgesehen sehe ich nicht, wieso man Quacksalberei nicht auch so nennen sollte. Immerhin machen alle möglichen Leute alle möglichen Versprechen und halten ihre Patienten so oft davon ab, sich echte, eben medizinische, Hilfe zu holen. Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Patienten haben und ist absolut verwerflich.

    Dass etwa Homöopathen in anderer Hinsicht einiges zu bieten haben, ist eine andere Sache. Die ausführliche Beschäftigung mit dem Patienten und seiner Situation, die sorgfältige Erstellung der Anamnese und ein behutsames Herantasten an die Ursachen von Symptomen sind Dinge, die Homöopathen (hört man jedenfalls) sehr gut machen, und davon sollte sich der gemeine Hausarzt ein paar Scheiben abschneiden (und die Kasse sollte ihm den Aufwand auch angemessen bezahlen, damit man von Hauruck-Diagnosen und unnütz verschriebenen Medikamenten wegkommt). Das rechtfertigt aber nicht die Homöopathie an sich und ändert nichts daran, dass es Quacksalberei ist.

  61. Sebastian R. | Permalink

    @Irene

    Ich frage mich ernsthaft, wieso die Risiken wirtschaftlicher Abhängigkeiten und Einflussnahmen in der Medizin besonders hartnäckig geleugnet werden.

    Könnte ich da bitte konkrete Beispiele haben?! Ich denke eher, dass diese wirtschaftlichen Anhängigkeiten geradezu offensichtlich sind!

    Ich möchte mich deswegen kurz auf die biomedizinische Forschung beziehen: Bei bestimmten Projekten kommt man ganz klar nicht um eine Finanzierung/Unterstützung durch eine Pharma-/Biotechfirma herum, da bestimmte Entwicklungsvorgänge einfach einen Haufen Geld kosten, welches durch den Staat nicht aufgebracht werden kann bzw. welches er in seinem Budget für Forschung&Entwicklung nicht vorsieht. Solche Forschungskooperationen sind meiner Erfahrung nach allerdings immer für Jedermann ersichtlich. Sei es auf der Homepage der jeweiligen Arbeitsgruppen (wie z.B. hier im zweiten Punkt, XVir Therapeutics GmbH), die mit der Firma kooperieren, auf den Publikationen, die veröffentlicht werden (wie z.B. hier, Pharma Research and Early Development, Roche Diagnostics GmbH) oder eben bei Kongressen und Tagungen, die von Pharma-/Biotechunternehmen bezahlt werden (wie z.B. hier, sponsored by life technologies). Man kann den Geldgeber in den meisten Fällen nachvollziehen und weiß sofort wer sich wofür hergibt. Natürlich darf dies aber kein Kriterium sein, Projekte, Forschungstätigkeiten und Tagungen von vornherein zu verurteilen und davon auszugehen, dass dort auf irgendeine Art und Weise manipuliert wird. Manche mögen es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich auch Wissenschaftler, die mit ihrer Forschung einen medizinischen Fortschritt möglich machen möchten. Manchmal glaube ich aber, dass diese Leute sofort in irgendwelche Schubladen sortiert werden, nur weil sie mit einem wirtschaftlich orientierten Unternehmen zu tun haben. Das darf man schlichtweg nicht machen, da es nämlich möglich ist, dass sowohl Patienten als auch Wissenschaftler als auch Firmen von einem Vorhaben profitieren.

  62. Stephan Schleim | Permalink

    @ Sebastian: Outsourcing in der Medizin

    Warte nur mal ab, wenn du gut und erfolgreich bist und in entsprechende Funktionen aufsteigst, dann wirst du schon die richtigen Angebote kriegen. ;-)

    Wenn dir die Beispiele der Redakteure, auf die ich oben verwiesen habe, noch nicht genügen, dann sind externe Firmen, welche Auftragsforschung anbieten, die dann unter dem Namen von Wissenschaftlern veröffentlicht werden sowie Ghostwriting/Plagiate in der klinischen Publikationslandschaft noch ein Beispiel (hier in PLoS Medicine aufgegriffen und von mir auch in einem TELEPOLIS-Beitrag [Prof. Dr. Plagiat] beschrieben).

  63. Irene | Permalink

    Davon abgesehen sehe ich nicht, wieso man Quacksalberei nicht auch so nennen sollte. Immerhin machen alle möglichen Leute alle möglichen Versprechen und halten ihre Patienten so oft davon ab, sich echte, eben medizinische, Hilfe zu holen.

    Das kann natürlich vorkommen.

    Es kommt aber auch vor, dass die Leute schon beim Arzt oder bei mehreren Ärzten waren, und nichts gefunden wurde (vielleicht auch nur, weil an den Laborkosten gespart wurde). Mancher Arzt, der nichts findet, behauptet dann ins Blaue, alles müsse psychosomatisch sein - und dann gehen die einen resigniert nach Hause, andere zur Psychotherapie und wieder andere zum Heilpraktiker.

    Wäre mal interessant, welche Patientenkarriere wie häufig ist: Wie viele Klienten in alternativer Behandlung haben vorher versucht, ärztliche Hilfe zu kriegen? Und wie viele lehnen die etablierte Medizin tatsächlich von vornherein ab und gehen direkt zum Heilpraktiker?

  64. Irene | Permalink

    Natürlich darf dies aber kein Kriterium sein, Projekte, Forschungstätigkeiten und Tagungen von vornherein zu verurteilen und davon auszugehen, dass dort auf irgendeine Art und Weise manipuliert wird.

    @ Sebastian R.: Dass ständig manipuliert wird, hatte ja nicht ich behauptet, sondern Wolfgang hatte mir unterstellt, dass ich das denke und weiterverbreiten werde.

    Mein Punkt ist einfach, dass es nicht generell egal ist, wer was entscheidet und zahlt (etwa weil ja eh alles evidenzbasiert ist und damit über Kritik erhaben).

    Anders gesagt: Die Einstellung, dass sich die Wissenschaft für Abhängigkeiten generell nicht zu rechtfertigen braucht, weil sie da drübersteht, ist mir zu expertokratisch.

  65. Sebastian R. | Permalink

    @Stephan Schleim

    Habe deine Links durchaus zur Kenntnis genommen und danke dir für die nächsten zwei! Ich möchte wirklich niemanden verteidigen und auf heile Welt tun, Wettbewerbsverzerrung findet natürlich auch in der Wissenschaft statt. Ich war bisher allerdings der Meinung, dass dies eher die Ausnahme ist, so langsam muss ich aber der Realität ins Auge sehen und mir eingestehen, es kommt häufiger vor als vermutet - Leider!

    Ich denke daher, dass gerade aus diesem Grund Plattformen wie WikiLeaks oder auch OpenLeaks wichtig sind. Diese tun sich zur Zeit aber wirklich keinen Gefallen durch die permanenten Negativschlagzeilen.

  66. Stephan Schleim | Permalink

    @ Sebastian

    Das kann einen auch echt deprimieren, vor allem dann, wenn es um Medikamente geht, die hauptsächlich Kindern und Jugendlichen verschrieben werden und die um jeden Preis durchgeboxt werden; leider ist das nur die Spitze des Eisbergs. Wir können es aber auch hierbei belassen. Meine Chefin empfiehlt es psychisch labilen Studierenden tatsächlich, einen Teil des Materials zu überspringen.

    Wir machen aber oft auch gute Erfahrungen und Studierende kommen zu uns und sagen, dass sie es gut finden das zu wissen und sie glauben, dadurch besser in der klinischen Praxis zu werden. Gerade letzte Woche hörte ich es wieder von zwei Medizinstudentinnen, die es wichtig fanden, diese Themen ihren Mitstudierenden näher zu bringen. Mir ist es sogar lieber, wenn sie das selbst machen an Stelle von uns.

    Es gibt sie aber wirklich, die Professoren mit dem hochroten Kopf, wie in GEO beschrieben, auch wenn ich natürlich nichts darüber sagen kann, ob Baum so einer ist oder nicht. Ich freue mich aber, das offen mit dir besprechen zu können. Mich hat dieser Blogpost zu einem Artikel inspiriert, den ich nach dem Erscheinen gerne mit dir diskutieren würde.

  67. Stephan Schleim | Permalink

    @ Sebastian: P.S. PLoS & Co.

    Im Übrigens hast du völlig Recht und ist gerade aus dieser Frustration heraus beispielsweise die PLoS-Idee entstanden, die ja enormen erfolg hat. Ich habe auf einer Konferenz in Hamburg mal eine der Redakteurinnen kennen gelernt und das war eine sehr inspirierende Persönlichkeit, sehr idealistisch. Die neuen FRONTIERS-Journals sind ein anderes Beispiel, da habe ich auch schon publiziert. Ich denke, es tut sich echt 'was.

  68. Sebastian R. | Permalink

    @Stephan Schleim

    Ich finde es nicht richtig, psychisch labilen Studierenden solche Thematiken vorzuenthalten, da sie so oder so früher oder später damit konfrontiert werden und dann ist es besser, wenn sie schon einmal Umgang mit solch einem "heiklem Thema" hatten. Denn drumrum kommt man als angehender Mediziner/biomedizinischer Wissenschaftler einfach nicht. Ich lehne mich mal ein bischen weiter aus dem Fenster und sage, dass dies vielleicht einer der Gründe sein könnte, die dazu beitragen, dass man hinsichtlich solch einer Thematik evtl. nicht sensibel genug ist und den Ernst solch eines Problems nicht richtig einzuschätzen weiß. Vielleicht sollte man gerade hier den Studenten etwas mehr zutrauen und hinsichtlich dessen früh aufklären, denn immer wieder beobachte ich Menschen mit unterschiedlichsten Haltungen:

    - halten Forschung und Wissenschaft für die ultimative Wahrheit und lehnen jede Kritik ab
    - erkennen Kritik an Wirksamkeitsnachweisen und Studien an, können sie aber nicht wirklich nachvollziehen
    - erkennen Kritik an Wirksamkeitsnachweisen und Studien an und können sie auch nachvollziehen
    - wissen, dass auch in der Forschung und Wissenschaft manipuliert wird und würden auch so etwas tun
    - wissen, dass auch in der Forschung und Wissenschaft manipuliert wird und würden so etwas niemals tun
    - lehnen ab, dass in der Forschung und Wissenschaft manipuliert wird

    etc.

    Irgendwie müssen diese Haltungen ja zustande kommen und sicherlich haben persönliche Erfahrungen, Idealogien, aber auch der Umgang damit an der Uni ihren Anteil daran und wie man jemandem so etwas in frühen Ausbildungsjahren näher bringt. Es kann z.B. den Prof. geben der seinen Studenten sagt "ach ja Studien kann man nicht fälschen und unwirksame Medikamente entwickeln? So etwas gibt es nicht!" oder den, der seinen Studenten sagt "man muss immer aufpassen und sich bewusst sein, dass Studien und Wirksamkeitsnachweise auch gefälscht werden können, daher immer hinterfragen! Die Welt ist nicht nur schwarz und weiss". So etwas bleibt in den Köpfen der Studenten hängen und kann sie in ihrem zukünftigem Handeln und Denken beeinflussen.

    Es gibt sie aber wirklich, die Professoren mit dem hochroten Kopf, wie in GEO beschrieben [...]

    Klar gibt es sie und oftmals hängt es m.E. damit zusammen, dass durch jedwegliche Kritik an ihrer Arbeit oder ihrem Forschungsfeld sie sich nicht wertgeschätzt genug fühlen. Gerade Professoren/Wissenschaftler/Mediziner haben einen ungeheuren Stolz wenn es um ihre Arbeit geht und dieser wird oftmals verletzt, wenn z.B. Dinge passieren, wie es auf der Konferenz mit Michael Baum war. Aus dem Interview mit Richard Dawkins kennt man ihn wirklich ganz anders. Wer weiß, vielleicht hatte er einfach einen schlechten Tag oder es satt, mal wieder so etwas "vorgesetzt" zu bekommen.

    Mich hat dieser Blogpost zu einem Artikel inspiriert, den ich nach dem Erscheinen gerne mit dir diskutieren würde.

    Super und gerne!

    Die neuen FRONTIERS-Journals kenne ich garnicht. Mag daran liegen, dass ich nicht vom Fach bin. Inwiefern unterscheiden sie sich denn zu anderen Journals?

  69. flux | Permalink

    die Sprachgemeinschaft hat recht

    ...sagen die empirischen Linguisten und meinen damit, dass, wenn ein Großteil der Sprecher bspw. „gewunken“ sagen statt „gewinkt“, wie es im Duden steht, „gewunken“ eben auch richtig ist.

    Wenn nun einer bestimmten Anzahl von Menschen bspw. durch Homöopathie geholfen wird, auch ohne, dass das mit heutzutage zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden erklärt werden kann, dann gilt in diesen Fällen eben der Satz: „Wer heilt, hat recht“
    ... sprich – ein wenig hinkt zwar der Vergleich- die sogenannte „alternative“ Medizin hat neben der sogenannten „Schulmedizin“ genauso , wie das „gewunken“ neben dem „gewinkt“ ihre Daseinsberechtigung.

    Wer kurzerhand, wie Daniel es sehr treffend ausdrückte “in Stammtischmanier“ alle sogenannten „alternativen“ Heilmethoden über einen Kamm scherend, als Pseudomedizin, Scharlatanerie und Quacksalberei verteufelt, verhält sich, mit Verlaub, nicht viel anders als der Sprachnörgler, der nur akzeptiert,was im Duden steht.

  70. David | Permalink


    Wer heilt, hat recht

    Das ist schon ein wichtiger Punkt, und er wurde auch schon angebracht. Nur: Wenn die alternativen Mittel sich in einer Studie genauso wirksam zeigen wie etwa Bäckerhefe, dann ist nicht davon auszugehen, daß die Heilung ihre Ursache im eingenommenen Präparat hat, sondern es müssen Aspekte der Konstitution des Patienten - vielleicht etwa ein fester Glaube an die Wirksamkeit der Therapie - oder auch das Patient-Arzt-Verhältnis eine Rolle spielen. Für die Medizin als Heilpraxis ist es natürlich trotzdem nicht verkehrt, im richtigen Moment auf den (ja nachweislich existierenden) Palcebo-Effekt zu setzen, für die Medizin als Wissenschaft kann ein Mittel aber eben nur dann als Medikament durchgehen, wenn es sich in seiner Wirksamkeit von der Bäckerhefe unterscheidet - und nicht schon deshalb, weil es als Placebo ebenso gut wie diese funktioniert.

  71. Stephan Schleim | Permalink

    @ Sebastian: new publishing

    @ Sebastian: www.frontiersin.org; die sind neu, in den meisten Fällen m.E. gerade mal zwei Jahre alt oder noch jünger, und haben eine völlig andere publishing policy.

    Beispielsweise werden bei der Veröffentlichung auch die Namen der peer reviewers genannt, die Autoren halten 100% Copyright an ihrem Text und können bei Nennung der Quelle alles damit machen, was sie wollen (zum Vergleich müssen bsp. Kollegen bei der Verwendung einer Grafik aus einem AMA-Journal schnell $1000 an Lizenzgebühren bezahlen -- und zwar nicht an den Autoren der Grafik, sondern an den Verlag), 100% open access und wenn man sich ansieht, wie viele namhafte Forscher da schon dabei sind und wie viele journals es da schon gibt, das ist beeindruckend.

    Nachteil ist natürlich, wie bei vielen open access journals, dass der Autor hier eine Publikationsgebühr bezahlen muss. Das finden viele ungerecht, denn schließlich hat man als Autor ja schon die ganze Arbeit; global gesehen ist es aber viel gerechter, wenn die Institution des Autors EINMAL eine Gebühr bezahlt (bei FRONTIERS m.E. ca. EUR 1000 mit Rabatt für ärmere Länder und völlig kostenlos für arme Länder) und dann die ganze Welt Zugriff hat als wenn die Bibliotheken auf der ganzen Welt mit teuren Abo-Verträgen geknebelt werden und man im Zweifelsfall dann doch keinen Zugriff kriegt und an den Autoren eine Bettel-E-Mail schicken muss.

    Die FRONTIERS-Redakteure haben noch eine Reihe weiterer neuer Ideen, sind z.B. auf der Suche nach Alternativen zum ISI Impact Factor usw. aber wie ich gerade sehe, ist der von FINS gerade auf 1,94 gestiegen – also wieder zwei Impact Punkte gesammelt. Mein Paper von Ende 2009 wurde auch schon dreimal zitiert. ;-)

    P.S. Du bist doch Mediziner -- also so über den Daumen gepeilt gibt es dort an die 40?! Journals in der Spalte für Medizin.

  72. Stephan Schleim | Permalink

    @ David: Placebo-Medizin

    Genau und das macht m.E. auch den Fehler in der Argumentation deutlich, Medizin sei reine Wissenschaft und damit basta. Denn wenn Patienten von Kontexteffekten profitieren, wie hirnrissig wäre es dann von einem Arzt, diesen Patienten nicht zu helfen, weil dieser Effekt nicht der wissenschaftlichen Methode entspricht?!

    Darf ich Ihnen dann auch meinen Artikel schicken? ;-)

  73. David | Permalink

    @Stefan Schleim

    Klar, gerne.

    Das Problem der Anerkennung der 'alternativen Medizin' als Medizin sehe ich jedoch schon. Darunter werden ja ziemlich spezifische, sich dezidiert als (alternativ) medizinisch verstehende Dinge zusammengefaßt, mit Homöopathie als Paradebeispiel. Das sind aber nicht die einzigen Dinge, die einen Placebo-Effekt hervorrufen können; da es ja auf das Mittel gar nicht ankommt, sollte unter den entsprechenden Rahmenbedingungen praktisch alles mit Placebo-Erfolgsrate heilen können. Dann wären plötzlich auch der Genuß von Fliege-Essenz (sowas wie protestantisch-esoterisches Weihwasser, das Jürgen Fliege vertreibt; echt), Exorzismen oder Moorbäder bei Vollmond alternativmedizinische Mittel, die nur darum seltener zur Anwendung kämen, weil weniger Menschen an sie glauben und damit eine der (vermutlichen) Voraussetzungen des Placebo-Effektes erfüllen. Der Begriff der alternativen Medizin wäre dann praktisch leer. Wenn er alles umfassen kann, umfaßt er gleichzeitig nichts mehr.

    Sinnvoll diskutieren könnte man sicherlich ganz allgemein über Versuche, den Placebo-Effektes in geeigneten Situationen auszunutzen. Die Wahl des nicht nachweislich wirksamen Mittels dürfte dabei aber keine Rolle spielen. Entscheidend wäre einzig, woran der Patient zu glauben bereit ist.

  74. Joachim | Permalink

    Placebo Forte

    Es scheint hier noch immer die Ansicht verbreitet zu sein, der Placeboeffekt sei typisch für Aternativmedizin und würde in der Schulmedizin nicht vorkommen oder nicht verwendet werden. Das ist (es wurde auch schon gesagt) ein Irrtum. Der Placeboeffekt ist Teil der Schulmedizin und wird auch von Ärzten genutzt.

    Manche Ärzte verschreiben bewusst Homöopathika Placebos, wenn sie wissen, dass keine Medikation angebracht ist. Ich halte das für einen falschen Weg. Vermutlich würde Ehrlichkeit und gutes Zureden, "Diese Erkrankung heilt von selbst, machen sie sich einen warmen Tee und versuchen Sie, sich zu entspannen", ähnlich gut helfen.

  75. Stephan Schleim | Permalink

    @ Joachim: Placebo

    Das ist, was ich übrigens hier in den Niederlanden jedes Mal gesagt bekomme, wenn ich einen Termin vereinbaren will: Bleiben Sie zuhause im Bett und werden Sie gesund! Geld haben die damit bei mir noch nicht verdient. Zum Vergleich: In Deutschland bekam ich sicher zwei bis dreimal pro Jahr ein Antibiotikum, in beinahe zwei Jahren Niederlande war ich noch nicht ein einziges Mal in einer Apotheke! Davon gibt es hier übrigens auch weniger als in Deutschland (gefühlte Differenz).

    Aber zur Placebo-Frage: In der wissenschaftlichen Medizin wird im RCT (Randomized Controlled Trial Paradigm) zwar Placebo-Kontrolliert, das läuft im Allgemeinen aber darauf hinaus, die Verbesserung durch Placebo unter den Teppich zu kehren, eben weil man sie nicht erklären kann ("unspezifischer Effekt").

    Tatsächlich wird in den meisten Studien auch nicht mit "keine Behandlung" verglichen – das müsste man aber tun, um zu wissen, wie groß die Placebo-Verbesserung ist.

    Dir muss ich den Artikel dann also auch schicken... ;-)

  76. Joachim | Permalink

    @Stephan

    Wir sollten hier nicht medizinische Praxis und klinische Studien durcheinanderwerfen.

    In klinischen Studien muss man die Kur mit einem Placebo vergleichen, weil man ja wissen möchte, ob sie über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Etwas anderes ist es, wenn man den Placeboeffekt selbst untersuchen möchte. Auch das wird ja gemacht.

    In den medizinischen Praxis möchte man nichts vergleichen, sondern erstens die Krankheit heilen und zweitens die Symptome lindern. Ersteres geht nur mit wirksamen Kuren (wenn diese fuer die Erkrankung existieren), letzteres geht manchmal nur mit Placebos manchmal mit einer Mischung aus Placebo und wirksamer Kur.

    "Dir muss ich den Artikel dann also auch schicken... ;-)"

    Musst du nicht, aber vielleicht verbessert es unser blognachbarschaftliches Verhältnis, wenn ich endlich verstehe, worauf du hinaus willst.

  77. gnaddrig | Permalink

    @ Irene (29.08.2011, 17:54)

    Die Frage nach den Patientenkarrieren ist in der Tat interessant. Wenn Leute von Pontius zu Pilatus gerannt sind und kein (Schul-)Mediziner ihnen hat helfen können, landen sie vielleicht wirklich bei Heilpraktikern der einen oder anderen Couleur. Und wenn man nichts mehr zu verlieren hat, weil der (Schul-)Mediziner auch nicht mehr weiter weiß und einen im Prinzip zum Sterben nach Hause schickt, greift man natürlich nach jedem echten oder vermeintlichen Strohhalm. Das leuchtet mir unmittelbar ein. Und natürlich wird auch in der (Schul-)Medizin geblufft, gepokert und aufs Geratewohl herumprobiert. Es gibt nicht auf alles eine Antwort, so bitter das für die Betroffenen ist.

  78. Mona | Permalink

    @gnaddrig

    Sehe ich auch so! Man braucht aber nicht mal schwerkrank zu sein um zur Alternativmedizin zu finden, denn seit der Gesundheitsreform wird dem gewöhnlichen Kassenpatienten bei leichteren Beschwerden nichts mehr verschrieben, also kaufen sich viele Leute freiverkäufliche "Alternativmedizin". M.E. wurde auf diese Weise der nun beklagte Markt erst geschaffen.

  79. Stephan Schleim | Permalink

    @ Joachim

    Musst du nicht, aber vielleicht verbessert es unser blognachbarschaftliches Verhältnis, wenn ich endlich verstehe, worauf du hinaus willst.

    Toleranz für andere Meinungen? Ideologisch unvoreingenommene Diskussionen? Historisch akkurate Darstellungen?

    Wir werden ja sehen. :-)

  80. Irene | Permalink

    Studien ein bisschen fälschen

    Noch ein Einwurf den gefälschten Studien: Da gibt es ja verschiedene Abstufungen. Ich arbeite nicht in der Forschung und schreibe auch nicht direkt über Medizinforschung. Ich erinnere mich aber an ein Statistikseminar, in dem betont wurde, dass es wichtig sehr ist, wie eine Studie diejenigen Teilnehmer verbucht, die aus der Studie aussteigen (weil sie krank werden, nicht mehr wollen...). Und das wäre eine dezente Manipulationsmöglichkeit, die wohl leichter fallen dürfte als auf die ganz plumpe Tour Versuchspersonen und Laborwerte nach Bedarf zu erfinden.

    Außerdem weiß kein Mensch, was bei diversen Studien herausgekommen ist, die nicht so verliefen wie es der Auftraggeber gern gehabt hätte. Die werden ja nur manchmal publiziert. Dabei wäre "es existiert kein nachweisbarer Zusammenhang / keine nachweisbare Wirkung" auch eine Erkenntnis.

  81. Balanus | Permalink

    Ein bisschen gefälschte Studien? /@Irene

    » Und das [wie eine Studie diejenigen Teilnehmer verbucht, die aus der Studie aussteigen] wäre eine dezente Manipulationsmöglichkeit, die wohl leichter fallen dürfte als auf die ganz plumpe Tour Versuchspersonen und Laborwerte nach Bedarf zu erfinden. «

    Nein, wäre es nicht. Entweder, es wird wahrheitsgemäß berichtet, wie die Teilnehmer statistisch "verbucht" wurden, dann ist es keine Manipulation, auch keine dezente, oder eben nicht, dann ist es eine Fälschung.

    Dass alle Teilnehmer, die behandelt wurden, auch in die statistische Auswertung einbezogen werden, ist schlicht und ergreifend ein Qualitätsmerkmal einer guten klinischen Studie.

  82. Balanus | Permalink

    Wo ich schon mal hier bin: Wie von vielen bereits angemerkt, erschöpft sich die medizinische Praxis, also das ärztliche Tun, nicht in der Anwendung medizinisch-wissenschaftlicher Befunde.

    Doch da es zu der wissenschaftlichen Grundlage der ärztlichen Praxis keine Alternative gibt, ist auch der Begriff "Alternativmedizin" ganz und gar überflüssig und irreführend. Es wird ihn aber so oder in ähnlicher Form wohl immer geben, ganz einfach deshalb, weil ein Gutteil der Menschheit an das Wirken übernatürlicher Kräfte und Mächte glaubt.

    Menschen, die regelmäßig versuchen, mit "überempirischen Agenten" Kontakt aufzunehmen, werden für sogenannte "alternative" Heilmethoden vermutlich immer offen bleiben.

    Was wir bräuchten, wäre gewissermaßen eine Säkularisierung der Medizin. Aber da stehen die Chancen wohl ebenso schlecht wie bei der durchgängigen Säkularisierung der Gesellschaft.

  83. Sebastian R. | Permalink

    @Stephan Schleim

    Danke für die Aufklärung! Solch eine Journal-Philosophie kann ich nur begrüßen...und habe mir auch schon ein paar ganz bestimmte Journals rausgepickt (ua.a. Cancer Genetics, Drug Metabolism and Transport)

    P.S. Du bist doch Mediziner -- also so über den Daumen gepeilt gibt es dort an die 40?! Journals in der Spalte für Medizin.

    Um Himmels Willen, jetzt gehe ich schon als Mediziner durch ;-)
    Nee nee, ich bin und bleibe Biologe, der aber aufgrund seiner Schwerpunkte durchaus mit Medizin zu tun hat! Ich sehe schon...ich muss mal öfter über etwas mehr Biologisches bloggen ^^

  84. Irene | Permalink

    Die Frage nach den Patientenkarrieren ist in der Tat interessant. Wenn Leute von Pontius zu Pilatus gerannt sind und kein (Schul-)Mediziner ihnen hat helfen können, landen sie vielleicht wirklich bei Heilpraktikern der einen oder anderen Couleur. Und wenn man nichts mehr zu verlieren hat, weil der (Schul-)Mediziner auch nicht mehr weiter weiß und einen im Prinzip zum Sterben nach Hause schickt, greift man natürlich nach jedem echten oder vermeintlichen Strohhalm.

    Mir ist es wichtig, dass das nicht nur unheilbar Kranke betrifft (die werden ja oft angeführt, um ihnen leicht von oben herab mit christlich-skeptischen Milde den Besuch beim Heilpraktiker zuzugestehen). Das Problem betrifft auch etliche medizinisch gut behandelbare Krankheiten, die aber nicht immer auf Anhieb erkannt werden.

    Von der evidenzbasierten Medizin kann man erst profitieren, wenn die Diagnose einigermaßen stimmt. Und manche Leute werden voreilig in die Psychosomatik abgeschoben, obwohl sie eigentlich eine somatopsychische Erkrankung haben, das häuft sich bei manchen Krankheiten. Heilpraktiker punkten bei solchen Patienten damit, dass sie den Leuten wenigstens glauben, dass ihnen irgendwas Körperliches fehlt. Mir persönlich würde dieses Verständnis allein nicht reichen, um dafür Geld auszugeben, aber das ist halt Geschmackssache.

  85. gnaddrig | Permalink

    @ Irene

    Da haben Sie recht, deshalb sollte sich eben auch so mancher Mediziner von den Homöopathen die Sorgfalt bei der Anamnese abschauen und das behutsame Herantasten an die Diagnose, damit er die Erkrankung dann mit wirksamen Methoden zielgerichtet behandeln kann.

  86. Jay | Permalink

    Schule und Placebo

    Man muss wohl in Deutschland leben, dass man den Begriff "Schul"medizin als negativ empfindet. Wie soll man die Schulmedizin denn sonst nennen?

    Und zum Thema Placebo muss ich Stefan zustimmen. Wie hat man denn Placebostudien doppelverblindet?

    Dasselbe Problem das bei Homöopathiedoppelblindstudien besteht, hat man auch bei Placebostudien.

    Wie kann man die doppelblind kontrollieren? Eine Gruppe wird nicht behandelt, eine mit Placebo und die Kontrollgruppe? Man hat ja auch Psychotherapien versucht doppelblind zu testen. Hat man ähnliche Verfahren bei Placebostudien angewandt?

    Wenn z.B. Dopaminauschüttung bei Parkinson zu einer Verbesserung führt und diese durch Placebo hervorgerufen wird; gibt es nicht auch viele andere Aktivitäten, die das gleiche Resultat haben. Z.B. Sport oder Ärger, Sex??? Ebenso bei Schmerzen, Depressionen usw...

    Wie kann Placebo (anscheinend) so ausserordentlich gut wirken, wenn z.B. Aspirin oder Paracetamol nur sehr selten wirkt (z.B. bei Erkältungen oder grossen Schmerzen).

    Und wieso wirkt Homöopathie für viele anscheinend besser als Aspirin?

    Mir erscheint diese Wissenschaft des Placebos manchmal recht unwissenschaftlich. Und nein ich glaube nicht an Homöopathie. Ich bin aber überzeugt, dass so manche Therapie erst alternativ war bevor sie zur Schulmedizizin wurde. Also ist der Begriff m.E. gerechtfertigt.

    M.f.G.
    Jay

  87. Statistiker | Permalink

    Ist der Schleim endlich weg? Selten so einen Schleim erlebt...

    @ Jay
    "Man muss wohl in Deutschland leben, dass man den Begriff "Schul"medizin als negativ empfindet."

    Nein, nur in Deutschland wird der begriff von Idioten negativ verleumdet.

    "Wie soll man die Schulmedizin denn sonst nennen?"

    Medizin

    "Und zum Thema Placebo muss ich Stefan zustimmen. Wie hat man denn Placebostudien doppelverblindet?"

    eben doppelblind, weder Arzt noch Patient weiß, was er bekommt, ewas ist so schwierig dabei, wenn man es wissen WILL!

    Ich kotz gleich ab.

  88. Statistiker | Permalink

    @ gnaddrig: Sie sagen "deshalb sollte sich eben auch so mancher Mediziner von den Homöopathen die Sorgfalt bei der Anamnese abschauen und das behutsame Herantasten an die Diagnose, damit er die Erkrankung dann mit wirksamen Methoden zielgerichtet behandeln kann"

    Ich hoffe, Sie erkrtanken mal an Krebs und probieren dies dann aus. dann haben wir einen Sozialschmarotzer weniger.

    Gehen Sie dann lieber zu einem Arzt statt zu einem Quacksalber! Nein, ich hab mich versprochen. Sterben Sie lieber an ihren Homöo-schei**dreck.

  89. Statistiker | Permalink

    @ gnaddrig: Sie sagen "deshalb sollte sich eben auch so mancher Mediziner von den Homöopathen die Sorgfalt bei der Anamnese abschauen und das behutsame Herantasten an die Diagnose, damit er die Erkrankung dann mit wirksamen Methoden zielgerichtet behandeln kann"

    Ich hoffe, Sie erkrtanken mal an Krebs und probieren dies dann aus. dann haben wir einen Sozialschmarotzer weniger.

    Gehen Sie dann lieber zu einem Arzt statt zu einem Quacksalber! Nein, ich hab mich versprochen. Sterben Sie lieber an ihren Homöo-schei**dreck.

  90. David | Permalink

    Haben wir ein kleines Temperamentproblemchen?

  91. Stephan Schleim | Permalink

    @ Statistiker

    Sie plappern mal wieder nur Unsinn. Würden Sie sich auch nur die kleinste Mühe machen, wissenschaftlich zu argumentieren, dann würden Sie schnell feststellen, dass publizierten Studien zufolge 1) insbesondere Krebspatienten sehr häufig zu alternativen Verfahren greifen und 2) darum aber nicht auf schulmedizinische Verfahren verzichten.

    Überhaupt ist es nur ein sehr geringer Teil (ca. drei bis vier Prozent) von Patienten, welcher alternativen Verfahren die oberste Priorität einräumt.

    Nächste Woche erscheint ein Artikel von mir zum Thema.

    Ich kotz gleich ab.

    Aber nicht doch; Sie haben das Forum hier schon genug mit Ihrem Unsinn besudelt.

  92. Stephan Schleim | Permalink

    Historische Randnote

    Den "Aufgeklärten" hier mit auf den Weg gegeben: Es waren übrigens Katholiken, die die erste Placebo-Kontrolle einführten. Mithilfe unechter ritueller Gegenstände (heilige Kreuze usw.) sollte während eines exorzistischen Rituals kontrolliert werden, ob ein (angeblich) Besessener wirklich besessen war.

    Gedanke: Wird der Mensch auch dann "geheilt", wenn mit Pseudoreliquien gearbeitet wird, dann war er offensichtlich ein Simulant.

  93. Mona | Permalink

    Placebo @Stephan Schleim

    "Den "Aufgeklärten" hier mit auf den Weg gegeben: Es waren übrigens Katholiken, die die erste Placebo-Kontrolle einführten. Mithilfe unechter ritueller Gegenstände (heilige Kreuze usw.) sollte während eines exorzistischen Rituals kontrolliert werden, ob ein (angeblich) Besessener wirklich besessen war."

    Wenn schon eine historische Randnote, dann eine richtige. Im 12. Jahrhundert wurde mit "Placebo Domino in regione vivorum" ("Ich werde dem Herrn gefallen im Lande der Lebenden.") die katholische Totenmesse eingeleitet. Da man aber bei einer Beerdigung über einen Verstorbenen nur Gutes sagen darf (also nicht die Wahrheit) wird die Gedenkrede am Grab als substanzlose Schmeichelei betrachtet. Noch heute kennt man in Bayern den Ausspruch "jemanden ein Placebo singen", wenn man sich einschmeicheln will.

    Auch in England kennt man die Redewendung "to sing a placebo", wenn jemand einer höhergestellten Person schmeicheln will. Der englische Autor Geoffrey Chaucer (ca. 1343–1400) z.B. benutzt in seinen Canterbury Tales den Ausdruck "placebo-singer" um damit einen Schmarotzer und Schmeichler zu beschreiben.

  94. Stephan Schleim | Permalink

    @ Mona, Einspruch

    Würden Sie mir bitte jetzt noch erklären, inwiefern das, was ich schreibe, im Widerspruch zu dem steht, was Sie schreiben? Bei mir geht es um die ersten Beispiele für Placebo-Versuche, bei Ihnen eher um die Herkunft des Begriffs "Placebo".

    Wenn schon eine historische Randnote, dann eine richtige. (Mona)

    Sehr gerne. Die Zeile, die Sie zitieren, stammt aus dem 116. Psalm (neunte Zeile) und wurde vom Kirchenvater Hieronymus (347-420) falsch aus dem Hebräischen übersetzt ("et’halekh liphnay adonai b’artzot hakhayim" --> "Placebo Domino in regione vivorum").

    Meinen Quellen zofolge kommt der Begriff Placebo daher, dass Trauersänger im 13. Jahrhundert auf Beerdigungen diesen Psalm sangen, um von den Hinterbliebenen des Verstorbenen Almosen zu erhalten. Man nannte sie, in Anlehnung an den gesungenen Psalm, "Placebos", und verwies damit auf ihre nur gespielte, falsche Trauer.

    Zur Etymologie von "Placebo": Aronson, J. (1999). Please, please me. British Medical Journal 318: 716.

  95. gnaddrig | Permalink

    @ Statistiker, zu „kein Betreff“ vom 03.

    Warum werden Sie persönlich? Lesen Sie meine Beiträge wenigstens vollständig, bevor Sie anfangen zu geifern. Ich empfehle niemandem, zum Homöopathen zu gehen. Im Gegenteil, ich habe deutlich gemacht, dass ich von Homöopathie als Behandlungsmethode nichts halte (s. mein Kommentar „@ Wentus („Politische Wortwahl“) vom 29.08.2011, 13:58:„Das rechtfertigt aber nicht die Homöopathie an sich und ändert nichts daran, dass es Quacksalberei ist.“).

    Was ich vorschlage ist, bei den Homöopathen das abzuschauen, was viele von ihnen – soweit man hört – richtig machen (ausführliche Anamnese; keine Fließbandabfertigung von Patienten). Die beste (schul-)medizinische Behandlung ist nutzlos, wenn sie nur ein paar Symptome angeht, die eigentliche Erkrankung aber verfehlt und die Ursache der Erkrankung nicht behebt.

    Die wegen verschiedener Macken unseres Gesundheitssystems recht verbreiteten Schnellschuss-Diagnosen dürften öfter als nötig danebenliegen (ist in meinem Umfeld in letzter Zeit zweimal vorgekommen). Damit schadet man den Patienten, weil ihre Krankheit nicht angemessen behandelt oder u. U. sogar verschlimmert wird, man verunsichert sie und treibt sie so noch am ehesten den Quacksalbern in die Arme. Diesen Effekt können Schulmediziner vermeiden oder wenigstens vermindern, indem sie sich bemühen, sorgfältiger und treffsicherer zu diagnostizieren, anstatt sich mit Schnellschüssen aus der Affäre zu ziehen.

    Zum Homöopathen zu gehen, nachdem die Schulmedizin alle ihre Karten ausgespielt hat und nicht mehr weiterweiß (was gerade bei Krebs nicht selten ist), ist etwas anderes, als auf echte medizinische Hilfe von vornherein zu verzichten und gleich zum Quacksalber zu gehen. Wer das Erstere tut (s. mein Kommentar @ Irene (29.08.2011, 17:54) vom 30.08.2011), stirbt nicht an irgendwelchem „Homöo-schei**dreck“, sondern am Versagen der Schulmedizin. Der Quacksalber kann ihm danach zwar auch nicht mehr helfen, richtet aber auch keinen Schaden an.

  96. Mona | Permalink

    Ergänzung @Stephan Schleim

    Über den Begriff herrscht anscheinend fast Einigkeit, da die von Ihnen beschriebenen Trauersänger ja auch "Placebo- Sänger" waren und sie sich durch ihren Lobgesang einen Vorteil (hier Verdienst) verschaffen wollten.

    Ihren Einspruch kann ich allerdings nicht ganz stattgeben, da ich in dem was Sie oben schrieben keinen rechten Sinn sehe. Hier nochmal: "Den "Aufgeklärten" hier mit auf den Weg gegeben: Es waren übrigens Katholiken, die die erste Placebo-Kontrolle einführten. Mithilfe unechter ritueller Gegenstände (heilige Kreuze usw.) sollte während eines exorzistischen Rituals kontrolliert werden, ob ein (angeblich) Besessener wirklich besessen war.
    Gedanke: Wird der Mensch auch dann "geheilt", wenn mit Pseudoreliquien gearbeitet wird, dann war er offensichtlich ein Simulant."

    Die Geschichte klingt zwar recht schön, mir ist aber keine solche "Placebo-Kontrolle" bekannt. Unechte heilige Kreuze etc. gibt es m.E. auch nicht. Zwar werden "Kultgegenstände" oft geweiht, aber ein Kreuz hat auch so eine starke Symbolkraft für gläubige Katholiken und ist daher immer "echt". Lediglich mit Reliquien (Überbleibsel von Heiligen) könnte man tricksen, da hier nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist ob der Gegenstand echt ist.

  97. Stephan Schleim | Permalink

    @ Mona

    Ihnen sind keine Fälle bekannt und deshalb gibt es sie nicht? Wenn Sie dafür keine Quellen finden, warum fragen Sie mich nicht einfach danach?

    Ich bin ferner kein Experte in spiritueller Mythologie aber ich denke, dass man sich leicht ein Bild davon machen kann, was mit unechten/gefälschten heiligen Objekten gemeint ist.

    Kaptchuk, T. J., Kerr, C. E. & Zanger, A. (2009). The art of medicine: Placebo controls, exorcisms, and the devil. The Lancet 374: 1234-1235.

  98. alter Jakob | Permalink

    Doppelblindversuch bei Teufelsaustreibug

    Na, da müssten ja beim Placebotest der Exorzisten für die kath. Kirche recht unbefriedigende Ergebnisse rausgekommen sein. Genau genommen müssten die Placebokreuze exakt die gleiche Wirkung haben, wie die gesegneten Kreuze. Es macht ja auch wenig Sinn, ein Placebo mit einem anderen zu Vergleichen. Die Ausrede beim Versagen im "Echtkreuz"versuch wird allerdings wohl wohl gewesen sein, dass der Dämon so stark sei...

  99. Stephan Schleim | Permalink

    @ alter Jakob: Nein

    Wie ich in meinem ersten Kommentar mit Verweis auf diese "Placebo-Kontrolle" bereits schrieb, zweifelte man nicht an der Kraft der heiligen Gegenstände, sondern warf man jemandem eine Simulation vor, wenn er trotz Placebo "geheilt" wurde.

    Wenn jemand trotz "echtem" Gegenstand nicht "geheilt" wurde, dann dürfte man das wahrscheinlich in der Tat ad hoc (weg-)erklärt haben; aber sein wir doch mal ehrlich: Wie häufig kommen denn ad hoc-Erklärungen in der Wissenschaft vor?

  100. ama | Permalink

    Ich glaub, mein Geo hat versagt

    Oh, nach über zehn Jahren verirrt sich die Sprachwissenschaft in meine Jagdgründe. :-)

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