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Homöopathische Sprachfallen und wie GEO sie nicht vermeidet

27. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Die aktuelle GEO-Titelgeschichte „Die neue Heilkunst“ sorgt in der Skeptik- und Wissenschaftsblogcommunity schon seit ein paar Wochen für Unmut, denn in dieser Geschichte geht es nicht um eine neue Heilkunst, sondern um die Scharlatanerie, die unter dem Namen „Alternativmedizin“ firmiert. Dieser Unmut hat sich in den letzten Tagen verdichtet, nachdem die GEO-Redaktion in einer Diskussion auf der GEO-Facebookseite zunächst gar nicht, dann abwedelnd und dann pseudoeinsichtig auf Kritik an der Geschichte eingegangen ist. Ich will mich mit dem GEO-Artikel selbst... weiter

 

Das Blog ist tot, es lebe der Blog

25. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Mein Sprachgefühl sagt mir ohne jeden Zweifel: Es muss das Blog heißen. Natürlich höre und lese ich immer wieder auch die Maskulinform der Blog, sie klingt also vertraut, fühlt sich aber trotzdem falsch an. Auch für den Duden ist das Neutrum die dominante Form: das, auch: der Blog, erfährt man dort. Nur liegen mein Sprachgefühl und der Duden da falsch: der Blog ist die dominante Form, nur eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft bevorzugt das Blog. Das zeigt zunächst eine (sicher... weiter

 

Viren und ihr grammatisches Geschlecht

23. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Viren haben kein natürliches Geschlecht, aber ihr Genus, also ihr grammatisches Geschlecht, sorgt immer wieder für Unsicherheit. Immer wieder mal werde ich gefragt, ob es denn nun korrekterweise das Virus oder der Virus heißen müsste. Nun gibt es auf diese Frage natürlich keine „korrekte“ Antwort, sondern nur die Antworten, die sich alle deutsche Muttersprachler/innen auf der Grundlage des eigenen Sprachgefühls selbst geben können. Aber da diese Antworten eben wahrnehmbar voneinander abweichen, will ich hilfsbereit sein und gebe deshalb schon mal... weiter

 

Sherlock Holmes und die Mormonen von Virginia

17. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Seit einigen Tagen braut in den englischsprachigen Medien ein Sturm der Entrüstung über den jüngsten Fall von amerikanischer Zensurwut. Erwischt hat es diesmal Arthur Conan Doyles A Study in Scarlet („Eine Studie in Scharlachrot“), das in einem kleinen Schuldistrikt in Virginia für Unruhe sorgt. Grund dafür ist die unvorteilhafte Darstellung der mormonischen Kultur und Religion darin. Deshalb, so entnimmt man den Meldungen, sei das Buch jetzt „verboten“ worden -- ein paar Überschriften zur Illustration: Sherlock Holmes book banned in Albemarle... weiter

 

Blogspektrogramm #4

17. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Im Texttheater steht nun das Blogspektrogramm #4 bereit. Darin geht es um Titel und Titelhuberei, um ʃ und sch, um Euro und Euros, um Frauenfußball und Fußballweltmeisterschaften, um grammatisches und biologisches Geschlecht und um er und sie. Ferienbedingt ist die Runde der vertretenen Blogs leider wieder nur die altbekannte, aber das Interesse anderer Sprachblogger/innen nimmt langsam aber stetig zu, sodass wir hoffen, schon im Blogspektrogramm #5 im größeren Kreise aufzutreten. Wer im nächsten Monat dabei sein will, kann sich ab... weiter

 

Pippi, geh von Bord

11. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

In meinem Beitrag vom Montag habe ich das Problem des Wortes Neger und seiner Ableitungen in Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf geht an Bord und Pippi in Taka-Tuka-Land diskutiert und argumentiert, dass es aus übersetzungstheoretischer Sicht falsch wäre, Lindgrens schwedisches neger aus den 1940er Jahren im 21. Jahrhundert mit dem deutschen Neger zu übersetzen, da ersteres zur Zeit Lindgrens angeblich neutral, letzteres spätestens heute aber negativ belegt ist. Ich habe weiter argumentiert, dass auch semantisch angemessene Übersetzungen wie dunkelhäutiger Mensch das... weiter

 

Pippi Langstrumpf, Negerprinzessin und Übersetzungsproblem

8. August 2011 von Anatol Stefanowitsch

Wenn ich meiner Tochter früher die Bücher Pippi Langstrumpf geht an Bord und Pippi auf Taka-Tuka-Land vorgelesen habe, sah ich mich zu redaktionellen Änderungen gezwungen: Wörter wie Neger, Negerprinzessin, Negerkönig und ähnliche kamen mir im Jahr 2004 im Kontext eines Kinderbuchs nicht mehr angemessen vor, und so habe ich das Wort Neger durchgängig durch Südsee- bzw. Südseeinsulaner ersetzt. Im vorletzten Jahr habe ich darüber in einem Beitrag im Bremer Sprachblog geschrieben, und damit einen für mich überraschenden Sturm der Empörung... weiter

 

Der Hoteldirektor und das Zimmermädchen

28. Juli 2011 von Anatol Stefanowitsch

Vor ein paar Wochen habe ich in der Berliner S-Bahn folgende Stellenanzeige gesehen: Da ich mit meinem Beruf im Großen und Ganzen zufrieden bin, hat mich daran natürlich nicht die Stelle selbst interessiert, sondern die Tatsache, dass die hier gesuchten Zimmermädchen männlich oder weiblich sein durften. Wenn die Anzeige typisch ist, wäre Zimmermädchen damit eine der wenigen Berufsbezeichnungen, bei der die weibliche Form generisch -- also für Männer und Frauen -- verwendet wird (Hebamme und Mädchen für Alles wären weitere... weiter

 

Hymnische Liebschaften

21. Juli 2011 von Anatol Stefanowitsch

Wie die österreichische Zeitung Der Standard vor einigen Tagen berichtet hat, haben sich SPÖ, ÖVP und Grüne darauf geeinigt, den Sexismus (wenigstens teilweise) aus dem Text der österreichischen „Bundeshymne“ zu entfernen. Die Hymne beginnt wie folgt: Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich! Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich ... Die dritte Zeile soll nun so umgedichtet werden, dass neben den Söhnen auch die Töchter... weiter

 

Titelhuberei

18. Juli 2011 von Anatol Stefanowitsch

Wiederholt bin ich in den letzten Tagen auf das Wort Titelhuberei angesprochen und angeschrieben worden, das Krista Sager in ihrer Pressemeldung zur Streichung von Doktortiteln aus dem Personalausweis verwendet hat. Ob das ein neues Wort sei, wurde ich gefragt, was es genau bedeute und woher es komme. In die aktuelle Debatte eingeführt hat dieses Wort, soweit ich herausfinden konnte, Bundesbildungsministerin (Hon.-Prof. Dr.) Annette Schavan, die es am Wochenende des 18./19. Juni gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verwendet hat: Ihrer Meinung... weiter