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Lexikografischer Herdentrieb

9. Mai 2011 von Anatol Stefanowitsch

Wie das Sprachlog -- damals noch aus Bremen und mit b -- seinerzeit mangels interessanterer Themen berichtete, rief der Radiosender 1LIVE im Juni 2008 anlässlich der Fußballeuropameisterschaft dazu auf, eine Alternative für den englischen Ausdruck Public Viewing zu finden, weil der ja das Aufbahren eines Toten, bla, bla, bla. Aus der Aktion ging das Wort Rudelgucken als Sieger hervor (dicht gefolgt von Gruppenglotzen und -- mit deutlicherem Abstand -- Tummel-TV, Pillenkino und Meutekino). Schon mit der Verkündung des Ergebnisses gab... weiter

 

Die andere Sprachvielfalt der Schweiz

6. Mai 2011 von Anatol Stefanowitsch

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Gebärdensprachen eine Art improvisiertes Scharadespiel sind, oder dass es sich irgendwie um eine mit Gesten buchstabierte Version von gesprochenen Sprachen handelt (selbst unter den Familienangehörigen vieler Gehörloser, und sogar unter meinen sprachwissenschaftlichen Kolleg/innen begegnet mir diese Idee immer wieder einmal). Jahrhundertelang wurden diese Sprachen deshalb ignoriert oder sogar gezielt unterdrückt, und mancherorts werden sie es noch immer. Tatsächlich aber handelt es sich um natürliche menschliche Sprachen, die -- vom Kommunikationskanal mit den ihm eigenen... weiter

 

Heilige Gespenster

30. April 2011 von Anatol Stefanowitsch

Auf der Facebook-Seite des Sprachlogs (auf der man die neuesten Beiträge aus dem Sprachlog, der Sprachlog-Außenstelle sowie gelegentliche Lektüretipps bekommt, also unbedingt Fan werden!), fragt Felix Rauch folgendes: Bei der royalen Hochzeit fiel mir auf, dass es in der Referenz auf die Trinität „the father, the son and the holy ghost“ heißt, sonst aber auf „the holy spirit“ Bezug genommen wird. Was hat es denn damit aus linguistisch-etymologischer Sicht auf sich? Diese Frage beantworte ich gern, denn so bekommt die... weiter

 

Mein App Store, dein App Store

29. April 2011 von Anatol Stefanowitsch

Ich hatte vor ein paar Wochen einen Beitrag zum laufenden Rechtsstreit zwischen Apple und Microsoft um das Wort App Store geschrieben, ihn aber dann nicht veröffentlicht, weil er mir zu lang und langweilig, und dann auch nicht mehr aktuell genug erschien. Jetzt liegt in dem gleich gelagerten Rechtsstreit zwischen Apple und Amazon eine erste Reaktion von Amazon vor, die ich mir in den nächsten Tagen genauer ansehen will, und deshalb habe ich mich entschlossen, den alten Beitrag zu Apple gegen... weiter

 

Das egoistische Phonem

21. April 2011 von Anatol Stefanowitsch

In der aktuellen Ausgabe von Science stellt der neuseeländische Psychologe Quentin Atkinson eine Studie vor, in der er auf eine höchst interessante und originelle Weise der Frage nach dem Ursprungsort menschlicher Sprachen nachgeht. Er stützt seine Studie auf den sogenannten Gründereffekt. Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Populationsgenetik die Tatsache, dass eine kleine Population, die sich von einer größeren abspaltet, eine geringere genetische Vielfalt aufweist. Diese geringere genetische Vielfalt ist der Tatsache geschuldet, dass die Individuen der kleinen Gruppe... weiter

 

Die unverträgliche Verträglichkeit des E10

8. April 2011 von Anatol Stefanowitsch

Wollten die Deutschen das E10-Benzin einfach aus einem allgemeinen Wutbürgertum heraus nicht -- weil es neu ist (wie die Präimplantationsdiagnostik), oder weil es sich um einen Energieträger handelt (wie Uran), oder weil es eine Zahl im Namen trägt (wie Stuttgart 21)? Oder war es am Ende sogar ein sprachliches Problem? Mit dieser Vermutung wurde letzte Woche der Direktor des Institus für Deutsche Sprache, Ludwig Eichinger, in einer dpa-Meldung zitiert: Vor allem der offizielle Begriff „E10-Verträglichkeit“ sei ein gutes Beispiel für... weiter

 

Im Rausch der Schärfentiefe

4. April 2011 von Anatol Stefanowitsch

Durch einen Beitrag im mitmachenswerten Linguistikforum linguisten.de bin ich dieser Tage wieder einmal auf die endlose Diskussion um die Richtigkeit und/oder Logik der Wörter Tiefenschärfe und Schärfentiefe gestoßen, die mich als begeisterten, wenn auch leider nur sehr gelegentlichen Hobbyfotografen seit vielen Jahren verfolgt. Bei dieser Diskussion geht es im Prinzip darum, dass alle Tiefenschärfe sagen, aber in jeder Diskussion früher oder später jemand kommt und darauf hinweist, dass es „eigentlich“ Schärfentiefe heißen muss. Das älteste dokumentierte Beispiel, das ich für... weiter

 

Der Name der Eiche

23. März 2011 von Anatol Stefanowitsch

Neben interessanten Anregungen in vielen Gesprächen habe ich auf unserem Bloggertreffen den SciLogs-Preis 2011 erhalten, mit dem die SciLogs-Blogger/innen alljährlich einen aus ihrer Mitte auszeichnen und mit dem vor mir schon Helmut Wicht, Michael Blume und Lars Fischer ausgezeichnet wurden. Bei der (relativen) Mehrheit meiner Mitblogger/innen, die für mich gestimmt haben, möchte ich mich hier noch einmal bedanken. Den anderen sage ich: Ihr könnt versuchen, nachts ruhig zu schlafen, aber denkt daran: Ich weiß, wo eure Blogs wohnen. Nominiert für... weiter

 

Ehrlichkeit in der Wissenschaft: Mein Epilog

2. März 2011 von Anatol Stefanowitsch

Bei unserem Bloggewitter stand die Kritik der Wissenschaft an Guttenbergs Plagiat und am Umgang der Politik damit im Mittelpunkt -- verständlich, da hier Wissenschaftler/innen schreiben. Am Rande ist aber auch Kritik an der Wissenschaft selbst geäußert worden: Carsten Könneker findet, dass die Plagiatsaffäre ein „schlechtes Licht auf die Wissenschaft“ wirft und einen „Selbstreinigungsprozess“ nötig hat, und Michael Blume wirft „Akademikern und Wissenschaftlern“ eine „selbstgerechte Gruppendynamik“ vor und behauptet, dass „wir“ (Wissenschaftler) „erst den Fall eines Minister zu Guttenberg gebraucht [hätten],... weiter

 

Wahrheit und Ehrlichkeit in der Wissenschaft

27. Februar 2011 von Anatol Stefanowitsch

Elmar Diederichs veröffentlicht in Mind at Work (BrainLogs) tiefsinnige, sorgfältig durchdachte philosophische Vignetten, denen ich zwar inhaltlich selten zustimmen kann, die mir aber in ihrer quer zum Offensichtlichen positionierten Art immer sehr ernstzunehmende Denkanstöße liefern. Das gilt auch für seinen Beitrag zu unserem Bloggewitter „Ehrlichkeit in der Wissenschaft“, in der er die Empörung über die fehlenden Quellennachweise des Herrn zu Guttenberg (und anderer Plagiatoren) lässig an seiner auf einen einzigen Wert reduzierten Konzeption von Wissenschaft abperlen lässt. Nicht um das... weiter