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Verzerrte Realitäten

29. Oktober 2010 von Anatol Stefanowitsch

An vielen Orten der Welt bemühen sich Sprachwissenschaftler/innen darum, sterbende Sprachen zu dokumentieren. Das ist nicht nur für die Sprachwissenschaft wichtig, sondern manchmal auch für die betroffenen Sprachgemeinschaften, wenn die nachfolgenden Generationen die Sprache ihrer Vorfahren wiederbeleben möchten. Wer die Dokumentation sterbender Sprachen unterstützen möchte, kann das z.B. durch eine Spende an die Gesellschaft für Bedrohte Sprachen tun. Ab und zu entdecken die Forscher/innen bei ihrer Dokumentationsarbeit sogar bislang unbekannte Sprachen. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist das besonders besonders spannend, weil... weiter

 

Sprachliche Heimaten: Mein Dialekt ist meine Burg

27. September 2010 von Anatol Stefanowitsch

Nichts ist so wichtig für unser Gefühl von Heimat und Identität, wie die Sprache, mit der wir aufwachsen. Wer schon einmal längere Zeit in einem fremden Land gelebt hat, kennt das Gefühl der Vertrautheit, das man in der Fremde fast automatisch jedem entgegenbringt, der einen in der eigenen Sprache anspricht. Als ich vor vielen Jahren zum Promovieren nach Texas gegangen bin, standen gleich am zweiten Abend nach meiner Ankunft drei österreichische Kommilitoninnen vor der Tür meines Wohnheimzimmers und luden mich... weiter

 

Sprachpanscher und Nichtsversteher

3. September 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich habe lange nichts über den Verein Deutsche Sprache geschrieben, dabei hätte der etwas digitale Aufmerksamkeit dringend nötig: Für den Suchbegriff VDS bietet Google derzeit als ersten Treffer die Seite des Brandschutzexperten „Vertrauen durch Sicherheit“ an, erst an zweiter Stelle folgen die Anglizismenjäger aus Dortmund. Der Suchbegriff Sprachnörgler führt dagegen nach wie vor treffsicher zum gewünschten Ziel. Da ich persönlich die Hauptverantwortung für die Verbreitung dieses Begriffs trage (wobei ich seinerzeit Schützenhilfe von Wortistiker Detlef Gürtler hatte), würde ich zum... weiter

 

Kevin allein in der Unterschicht?

30. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Die Vornamen-Studie, die ich hier am Samstag besprochen habe, hat auch Christian Reinboth (Frischer Wind/ScienceBlogs.de) beschäftigt. Er überlegt (ähnlich wie Sprachlogleser Arndt in einem Kommentar zu meinem Beitrag), ob Kinder mit unterschichttypischen Namen möglicherweise deshalb als weniger leistungsfähig angesehen werden, weil sie es im Durchschnitt eben aufgrund ihrer Schichtenzugehörigkeit tatsächlich sind. In diesem Zusammenhang fragt er, ob es überhaupt schichtentypische Namen gibt, denn das wäre natürlich eine Voraussetzung für diese Überlegung. Zu der grundsätzlichen Überlegung selbst kann ich nicht viel... weiter

 

Die mit den Prolls tanzt

27. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Werden Schüler mit Namen wie Kevin oder Mandy für dieselbe Leistung schlechter benotet als Schüler mit Namen wie Maximilian und Charlotte? Müssen sich Justin und Jacqueline schon wegen ihrer Namen auf eine Hauptschulkarriere einstellen, wärend Alexanders und Katharinas Eltern schon mal einen Platz im Studentenwohnheim reservieren lassen können? Die kurze Antwort lautet „Nein“, auch wenn die Medien uns seit einigen Tagen das Gegenteil erzählen. Die lange Antwort lautet ebenfalls „Nein“, nur ist der Weg dahin etwas komplizierter. Er beginnt im... weiter

 

SMS-Kürzel im 19. Jahrhundert

22. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Viola hat mich auf einen Artikel im Guardian hingewiesen, in dem es um eine neue Ausstellung der British Library geht: Evolving English: One Language, Many Voices. Die Ausstellung, die am 12. November 2010 eröffnet wird und bis zum 3. April 2011 laufen wird, bietet einen umfassenden Einblick in die (dokumentierte) Geschichte der Englischen Sprache. Wertvolle Manuskripte aus den letzten tausend Jahren werden dort ebenso zu bestaunen sein wie Tonaufnahmen verschiedener englischer Dialekte aus der ganzen Welt. Der Guardian freut sich... weiter

 

Die Kleingartenkolonie und der Stadtpark

19. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Mein Beitrag zu Google Street View hat etwas mehr Aufmerksamkeit gefunden als ich geplant hatte -- auch ich kann also manchmal noch von der öffentlichen Wirkung des WWW überrascht werden. In den über zweihundert Kommentaren und weit über tausend Tweets zum Beitrag habe ich viel Zustimmung erhalten, was angesichts der demografischen Eigenschaften von Blog- und Twitter-Nutzer/innen sicher nicht als gesamtgesellschaftlich repräsentatives Stimmungsbild gelten kann, was aber auf jeden Fall zeigt, dass es große Teile der Bevölkerung geben dürfte, die Google... weiter

 

Historiendramen der Zukunft

16. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Endlich mal wieder ein XKCD-Cartoon zum Thema „Sprache“ (Dank an Peter Darcy für den Hinweis):   Bei meiner Übersetzung habe ich versucht, die Sprachvarietäten des Originals nachzuempfinden. Dabei handelt es sich aber natürlich nicht -- wie xkcd behauptet -- um Sprache aus vierhundert Jahren: Mit Ausnahme von fürwahr (im Original forsooth) stammen alle Inhaltswörter aus dem zwanzigsten Jahrhundert.   Wenn historische Theaterstücke und Filme der Zukunft wirklich sprachliche Versatzstücke aus mehreren Jahrhunderten durcheinanderwürfeln werden, dann dürfte das eher so klingen -- aber... weiter

 

Pro Google Street View

14. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

Um es gleich zu sagen: Ich mag Google nicht.  Nein, ich liebe Google. Viele der Politiker, die immer, wenn ihnen sonst gerade nichts einfällt, gegen Google hetzen, kennen das Prä-Google-Internet vermutlich gar nicht. Ich kenne es, und es hat mir keine Freude bereitet. Google hat immer wieder entscheidende Entwicklungen angestoßen, die das Internet überhaupt erst benutzbar gemacht haben. Ich freue mich über das breite Angebot an Suchmaschinen für Texte, Videos, Bilder, usw., an Webmailern, an Blog- und Foren-Plattformen, an Online-Office-Paketen,... weiter

 

Außerirdische in den USA?

4. August 2010 von Anatol Stefanowitsch

In den Kommentaren zu meinem letzten Beitrag zitiert Leser/in Balanus folgende interessante Passage von einer Nachrichtenseite und fragt, ob es stimmt, was dort über das Wort alien gesagt wird: Der Streit um das Gesetz in Arizona, das jetzt eine Richterin erst einmal zu Fall brachte, hat die Stimmung lediglich zusätzlich angeheizt. „Illegal aliens“ -- so nennen vor allem Konservative immer häufiger die Einwanderer ohne Papiere. Schön klingt das nicht, eher bedrohlich: Aliens - das sind auch die Monster aus dem... weiter