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Zwischendurch

24. Juli 2010 von Anatol Stefanowitsch

Um mich zwischen beruflichen Veränderungen und einem dringend benötigten Urlaub wenigstens kurz zu im Sprachlog blicken zu lassen, hier drei Kurzmeldungen (bitte langsam lesen -- da ich nicht weiß, ob ich in der nächsten Woche Internetzugang habe, müssen sie vielleicht bis zum Ende des Monats reichen). Sarah Palin als Sprachschöpferin Die ehemalige amerikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin zeigt sich als Sprachschöpferin. In einem Tweet verwendete sie das Wort refudiate, vermutlich eine Vermischung von refuse („verweigern“) und repudiate („nicht anerkennen“, „zurückweisen“): Auf... weiter

 

Grundformen der Tangst

4. Juli 2010 von Anatol Stefanowitsch

Die journalistische Vermittlung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse ist eine schwierige Sache. Solche Ergebnisse sind komplex und vieldeutig, sie sind auf vielfältig vernetzte Weise in die verschiedensten, teilweise jahrzehnte- oder jahrhundertealten Forschungsstränge eingebunden, und ihre Einordnung und Interpretation erfordert sowohl umfangreiches fachspezifisches als auch allgemein wissenschaftstheoretisches Vorwissen. Zeitungs- und Zeitschriftenartikel müssen dagegen einfach und eindeutig sein, sie müssen für sich stehen und dürfen deshalb beim Leser keinerlei Vorkenntnisse voraussetzen. Das macht es selbst für erfahrene und gut geschulte Wissenschaftsjournalist/innen schwierig, ihre Aufgabe gut... weiter

 

Ein Traum in Weiß

1. Juli 2010 von Anatol Stefanowitsch

Im Zusammenhang meines Beitrags über isländische Wörter für Schnee weist mich ein/e Leser/in per E-Mail darauf hin, dass Schneewörter von Vorgestern sind. Der moderne Sprachkenner weiß längst, dass die Eskimos über Schnee nicht gerne reden, dass aber dafür ihr Farbvokabular in einem entscheidenden Bereich erstaunlich differenziert ist. Er/sie schickt mir folgendes Zitat von der Webseite des Desy, dem Hamburger Teilchenbeschleuniger: Farben sind alles anderes als universell. Welche Farben wie empfunden und unterschieden werden, hängt stark vom jeweiligen Kulturkreis ab. So... weiter

 

Schneeschleudern

28. Juni 2010 von Anatol Stefanowitsch

Im Language Log, der Mutter aller Sprachblogs, kämpft man seit vielen Jahren gegen den Mythos von den vielen (50, 100, 200, 500, ...) Eskimo-Wörtern für Schnee, den ich im Bremer Sprachblog auch schon ein paar Mal behandelt habe. Obwohl die Kollegen in Dutzenden von Beiträgen versucht haben, den Mythos zu entkräften, findet sich fast jede Woche jemand, der ihn an sichtbarer Stelle in den Medien wiederholt. Es ist deshalb sicher verständlich, dass die Autoren des Language Log mittlerweile auf die... weiter

 

Public Viewing zum Dritten

12. Juni 2010 von Anatol Stefanowitsch

Wie gesagt, Sprachnörgler interessieren sich nicht besonders für Tatsachen, und darum war es vorhersehbar, dass sie sich auch durch ein repräsentatives Korpus nicht von ihrer morbiden Interpretation des Begriffs Public Viewing abbringen lassen würden. Tom S. Fox, der schon im Bremer Sprachblog ausgiebig getrollt hat und vor einigen Wochen unter dem Namen A. Nonym auch im Sprachlog angekommen ist, nennt zwei Quellen, die er für gewichtiger hält als ein 100-Millionen-Wörter-Korpus: Den amerikanischen Autor John Madison, der das Blog „Nothing for... weiter

 

Public Viewing oder die Rückkehr der Leichenbeschauer

10. Juni 2010 von Anatol Stefanowitsch

Da selbsternannte Sprachbewahrer im Allgemeinen kein großes Interesse an sprachlichen Tatsachen haben, dafür aber umso lieber auf den immer gleichen, meistens dutzendfach widerlegten Irrmeinungen herumreiten, war es unvermeidlich, dass mit der Fußballweltmeisterschaft auch der Mythos von der öffentlichen Aufbahrung von Leichen durch die Zeitungslandschaft getrieben würde. Das nämlich, so erfahren wir dieser Tage zum Beispiel aus der Kölnischen Rundschau und der Frankfurter Rundschau, sei die eigentliche Bedeutung des Wortes Public Viewing. Ich habe bereits vor zwei Jahren -- zur Europameisterschaft... weiter

 

Klassenlose Sprache

6. Juni 2010 von Anatol Stefanowitsch

Ich lese gerade Craig Russels The Valkyrie Song (dt. „Walküre“), das seit zwei Jahren ungelesen in meinem Bücherregal stand, und obwohl ich das Gefühl habe, dass der Autor ein wenig das Interesse an seinem Hamburger Kommissar Jan Fabel verloren hat und der Roman atmosphärisch nicht ganz an seine vier Vorgänger Blood Eagle („Blutadler“), Brother Grimm („Wolfsfährte“), Eternal („Brandmal“) und The Carnival Master („Carneval“) heranreicht, macht es mir wieder großen Spaß, meine Heimatstadt durch die Augen eines britischen Kriminalschriftstellers und für... weiter

 

Wir sind Englisch

31. Mai 2010 von Anatol Stefanowitsch

Deutschland darf wieder mal harmlos und hysterisch stolz auf sich sein. Wir sind nicht nur Papst, wir sind jetzt auch Lena -- dem Wunder von Oslo sei Dank. Eigentlich könnte mir das egal sein. Als ich das letzte Mal den Eurovision Song Contest gesehen habe, hieß er noch Grand Prix d'Eurovision, und Katrina and the Waves waren vorhersehbare Sieger. Ich will gar nicht wissen, wann das war, ich merke dann nur wieder, dass ich alt werde. Und Lena Meyer-Landrut geht... weiter

 

Sprachstücke

26. Mai 2010 von Anatol Stefanowitsch

Erstens, Gespräch in der S-Bahn: SOHN (ca. 9 Jahre alt). „Papa, ist das hier überall?“ VATER. „Freundchen, ein Satz besteht aus Subjekt, Prädikat und Objekt, und ‚Ist das hier überall‘ ist kein vollständiger Satz.“ (Eigentlich klang es, rustikal norddeutsch, eher so: „Froinchen, oin Sätz bestejht aus Subjekt, Predikoot und Objekt, und ‚Is däs hiä übäooll‘ is koin vollstänniger Sätz“.). Das stimmt aber nicht. Ein deutscher Satz besteht, wenn ich der Duden-Terminologie folge, (meistens) aus einem Subjekt und einem Prädikatsverband, wobei... weiter

 

Le Sprachschützer, c’est moi

24. Mai 2010 von Anatol Stefanowitsch

In einem Artikel des Wissenschaftsjournalisten Arndt Zickgraf auf Telepolis spiele ich -- teils gewollt, teils ungewollt -- ausnahmsweise mal die Rolle des Sprachschützers. Gewollt, weil Zickgraf in seinem Artikel, in dem es ihm um die Zukunft des Deutschen als Wissenschaftssprache geht, über meinen Versuch berichtet, die deutsche Webseite der Vierten Internationalen Konferez der Deutschen Gesellschaft für Kognitive Linguistik weitgehend frei von englischem Lehngut zu halten, und von diesem Versuch habe ich ihm freiwillig erzählt. Ungewollt, weil ein paar der Zitate... weiter