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Legitimes Befremden

20. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Todd Akin, Kandidat für den US-Senat, hat mit seinen Aussagen zu Abtreibung und Vergewaltigung nicht nur die Welt schockiert, sondern auch für sprachliche Verwirrung gesorgt. Die sprachliche Verwirrung kann ich aufklären, und damit vielleicht sogar zeigen, dass Akins schockierenden Aussagen ein schockierendes Weltbild unterliegt. Akin vertritt eine radikale Anti-Abtreibungspolitik, bei der selbst Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung entstehen, nicht beendet werden dürften. In einem Interview des Fernsehsenders KTVI TV (einem lokalen Ableger von FOX) führte er die Gründe dafür folgendermaßen aus:... weiter

 

Sprachbrocken 33/2012

17. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Die eigene Sprache ist uns vertraut, fremde Sprachen sind uns fremd -- mit dieser Einsicht beginnt ein Artikel auf WELT ONLINE. Trivial, aber doch wenigstens wahr. Aber eine Sprache gebe es, überrascht uns die Autorin dann, die sei ganz anders: Wer das Glück habe, sie zu hören, erlebe gleichzeitig Heimat und Ferne. Es geht um das Friesische. Nach einem (gar nicht mal so schlechen) Kurzausflug in die Geschichte und geographische Verteilung dieser Sprache erfahren wir dann, warum die Sprache so... weiter

 

Ringen um Verständnis

13. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Wer im Internet über alltäglichen Sexismus, Rassismus, Homophobie und andere Arten der Diskriminierung schreibt -- zum Beispiel über die sexistische Werbung eines Musikversandhauses oder einer Fluglinie, über spärlich gekleidete Elfen mit Barbie-Körpern in Überraschungseiern für Mädchen, über rassistische Stereotype im beliebtesten Kinderbuch der Welt, über Frauen stereotypisierende Werbung in einer feministischen Zeitrschift, über Radiosendungen über Sexismus, zu denen nur Männer eingeladen werden, usw. --, braucht auf zwei Dinge nicht lange zu warten: Menschen, die feststellen, dass das Beschriebene völlig irrelevant ist... weiter

 

Sprachbrocken 32/2012

11. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Sprachliche Minderheiten stoßen bei der Mehrheit selten auf offene Ohren, wenn sie einen offiziellen Status für ihre Sprache einfordern. „Wer hier leben will, soll gefälligst unsere Sprache sprechen“ gilt weithin als legitiaume Forderung (außer bei deutschen Auswanderern, die stattdessen nach dem Prinzip „Wo ich leben will, sollen die gefälligst meine Sprache sprechen“ handeln). Für autochthone sprachlichen Minderheiten (also solche, die auf einem Staatsgebiet schon gelebt haben, bevor der Staat eine Sprache vorgegeben hat), gibt es häufig Ausnahmen (in Deutschland z.B.... weiter

 

Karibische Umnachtung

8. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Der Verein Deutsche Sprache produziert ja so schnell und ausdauernd so viel Unsinn, dass Deutschland eine Goldmedallie sicher wäre, wenn Unsinn eine olympische Disziplin wäre. Aber dass Sprachnörgelei (noch) nicht olympisch ist, hindert die Sprachnörgler natürlich nicht daran, die Olympischen Spiele trotzdem zu nutzen, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Zu diesem Zweck hat man in der Dortmunder Schaltzentrale des deutschen Sprachnörglertums eigens einen neuen Negativpreis ausgetüftelt: den Dschammeeka-Preis. Mit diesem Preis sollen, so der Verein, Reporter ausgezeichnet werden, die „bei... weiter

 

Sprachbrocken 31/2012

5. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Bei der Suche nach Sprachbrocken finde ich häufig Artikel, in denen die Kommunikationssysteme von Tieren als „Sprache“ bezeichnet werden. Normalerweise ignoriere ich die, weil es sich bei solchen Systemen nicht um „Sprachen“ handelt. Damit die Tiere sich nicht ungerecht behandelt fühlen, mache ich aber heute eine Ausnahme. Auf RuhrNachrichten.de erfahren wir in der Kategorie „Sprache der Tiere“, was Kaninchen uns mit ihren Ohren, ihrer Nase und ihren Füßen so alles sagen wollen (flach angelegte Ohren stehen für „Unterwürfigkeit“ oder „schlechte... weiter

 

Vundo pasas, vorto restas

3. August 2012 von Anatol Stefanowitsch

Normalerweise bekomme ich in den Kommentaren ja Gegenwind nur von Sprachnörglern mit schwachen Argumenten und durchschaubaren Motiven. Aber ich mir neulich in den Sprachbrocken 24–28 einen Seitenhieb gegen das „leidige, nicht tot zu kriegende Esperanto“ erlaubt habe, haben mich zur Abwechslung zwei langjährige und sprachlich höchst kompetente Leser/innen zurechtgewiesen: jgoschler, promovierte Sprachwissenschaftlerin, und Bertil Wennergren, der als Programmierer für die Esperantic Studies Foundation und das Esperanto-Lernportal lernu.net gearbeitet hat. Wennergren warf mir vor, mich über die Sprache „lustig zu machen“,... weiter

 

Sprachbrocken 29–30/2012

30. Juli 2012 von Anatol Stefanowitsch

Dass die Jugend von Heute nicht viel im Kopf hat, wissen wir ja alle, und so kann uns auch eine neue Studie nicht schockieren, die zeigt, dass deutsche Studierende „Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, der Orthographie, der Beherrschung von Grammatik und Syntax“ haben, dass sie nicht in der Lage sind, „selbstständig zu formulieren, zusammenhängende Texte zu schreiben“, „bei Vorträgen mitzuschreiben“ oder überhaupt „den roten Faden eines Textes zu begreifen“. Das berichtet zumindest der Vorsitzende des Philosophischen Fakultätentages, Gerhard Wolf, im Deutschlandradio... weiter

 

Stille Post verschlechtert die Grammatik

28. Juli 2012 von Anatol Stefanowitsch

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die SMS-Sprache von Jugendlichen deren Grammatik verschlechtert. Zumindest behauptet das eine Presseerklärung des Contentlieferanten „Pressetext“. Aber wie immer, wenn wir etwas über die neuesten Erkenntnisse der amerikanischen Wissenschaft erfahren, haben diese ein langes Stille-Post-Spiel hinter sich. Es fängt an mit einer relativ nichtssagenden Studie zweier Medienwissenschaftler -- S. Shyam Sundar von der Pennsylvania State University und seines ehemaligen Studenten Drew Cingel. Ich sage „nichtssagend“, weil die Studie, nun ja, nichts sagt. Die beiden Autoren korrelieren... weiter

 

Sprachbrocken 24–28/2012

9. Juli 2012 von Anatol Stefanowitsch

„Wäre es nicht praktisch, wenn alle Menschen eine einzige Sprache sprächen?“ fragt das Hamburger Abendblatt in der Rubrik Kindernachrichten. „Das könnte viele Missverständnisse verhindern und überhaupt - stellt euch vor, ihr reist nach Japan und könntet euch dort problemlos verständigen.“ Das wäre wirklich toll. Ein guter Kandidat für eine solche Sprache wäre ja das Englische, das mit weltweit 1,5 Milliarde Sprecher/innen schon fast so weit ist. Aber das wäre wohl zu einfach, und deshalb empfiehlt das Hamburger Abendblatt stattdessen das... weiter