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Nachruf auf eine Sprache: Aka-Bo

7. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Man schätzt, dass alle ein bis zwei Wochen eine der derzeit noch sechs- bis siebentausend menschlichen Sprachen für immer verschwindet, weil ihr letzter Sprecher oder ihre letzte Sprecherin stirbt. Meistens geschieht das, ohne dass es jemandem auffällt. Aber da inzwischen in vielen Gegenden der Welt Sprachwissenschaftler versuchen, aussterbende Sprachen in einem Wettlauf gegen die Zeit zu dokumentieren, erfahren wir ab und zu davon. Diese Woche ging der Tod der 85-jährigen Boa Sr., der letzten Sprecherin des Aka-Bo, durch die Medien.... weiter

 

Respektlose Lehnwörter

4. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist schon öfter durch eine Abneigung gegen englisches Wortgut aufgefallen. Im letzten Jahr strich er zum Beispiel aus dem Wahlprogramm der CSU die „Anglizismen“ heraus und begründete dies mit den Worten: „Wie will man in Deutschland etwas politisch umsetzen, wenn man es nicht mal auf Deutsch sagen kann?“ [PNP.de/Kain 2009]. Andererseits scheint er kein Eiferer zu sein: Ende 2008 sprach er sich dagegen aus, Deutsch als „Staatssprache“ im Grundgesetz zu verankern [DONAUKURIER.de/Rücker 2008]. In den letzten Tagen... weiter

 

Englisch vor Gericht

1. Februar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Obwohl es sich die Leser/innen meines alten und auch neuen Blogs manchmal anders wünschen, beschäftigt sich ein ansehnlicher Teil meiner Beiträge mit den Sprachkritikern, die häufig den öffentlichen Diskurs über Sprache dominieren. Zum einen wäre es aus meiner Sicht ein großer Fehler, ihnen unwidersprochen das Feld zu überlassen, zum anderen fasziniert mich die überhitzte irrationale Rhetorik, mit der sie bei den nichtigsten Anlässen um sich werfen. Ein Lehrstück sprachkritischer Redekunst und Logik bietet eine Presseerklärung des Vereins Deutsche Sprache (VDS)... weiter

 

Schweizer und Deutsche machen Sinn

30. Januar 2010 von Anatol Stefanowitsch

In den Kommentaren zu meinem letzten Beitrag haben gleich zwei Leser die Vermutung geäußert, dass die Redewendung Sinn machen in den Schweizer Dialekten des Deutschen anders verwendet wird als in den bundesdeutschen. Nach Hektor Ks Eindruck wird die oft als „richtige“ Alternative empfohlene Redewendung Sinn haben in den ihm vertrauten Schweizer Dialekten gar nicht verwendet, während Sinn machen weit verbreitet ist. Matthias hat eine genauere Vermutung: seiner sprachlichen Erfahrung nach wird Sinn haben in der Deutschschweiz nur in verneinenden Zusammenhängen... weiter

 

Max Frisch macht Sinn

28. Januar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Die meistgelesenen Beiträge meines alten Blogs waren die, in denen ich mich mit der Herkunft, Bedeutung und internen Logik der Redewendung Sinn machen beschäftigt habe. Es vergeht keine Woche, in der nicht aus irgendeinem Forum neue Leser den Weg zu mir finden, weil jemand dort die Redewendung verwendet und damit einen Sturm sprachlichen Spottes auslöst, in dessen Verlauf jemand dem Übeltäter zur Seite springt und auf meine Beiträge verweist. In denen zeige ich ja unter anderem, dass die Redewendung zwar... weiter

 

Unverständnis auf Deutsch

26. Januar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Latein die Sprache der Wissenschaft. Galileo Galilei, Johannes Kepler und Tycho Brahe verfassten ihre Hauptwerke nicht in italienischer, deutscher oder dänischer Sprache, sondern in lateinischer. Das ermöglichte ihnen, ihre Ideen schnell und direkt nachvollziehbar auszutauschen, sie zu kritisieren oder darauf aufzubauen. Das Tempo der wissenschaftlichen Forschung und der Grad ihrer internationalen Vernetzung haben sich seitdem drastisch erhöht, und der freie Austausch von Ideen ist unverzichtbarer denn je. Wissenschaftlicher Fortschritt wäre schlicht nicht... weiter

 

Das Sprachlog: (Fast) eine Geburtsanzeige

24. Januar 2010 von Anatol Stefanowitsch

Gestern habe ich mich im Bremer Sprachblog verabschiedet, heute, genau drei Jahre nach meinem ersten Beitrag dort begrüße ich Sie in meinem neuen Zuhause, das jetzt schlicht „Sprachlog“ heißt. Das „Bremer“ fällt weg, weil dies ganz offiziell mein eigenes Blog sein wird, das „b“ fällt weg, weil das „Sprachlog“ zwar ein „Sprachblog“, aber natürlich nicht das einzige Sprachblog ist. Ich freue mich darauf, meine Gedanken zu Sprache und Sprachen, und manchmal auch zu dem, was mich sonst noch so bewegt,... weiter