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Sprachbrocken 11/2012

16. März 2012 von Anatol Stefanowitsch

Über die Jugendsprache wird viel geschrieben -- meistens in Form von frei erfundenen Wörtern wie Knutschbunker und Gammelfleischparty. Aber Der Westen hat jetzt herausgefunden, warum die „Jugendszene“ (ernsthaft, so heißen junge Menschen in Bergkamen wohl) so komisch spricht: Um sich der Strafverfolgung zu entziehen. Denn wenn die Richter nicht verstehen, was Kläger und Beklagte ihnen da erzählen, steht am Ende nicht einmal Aussage gegen Aussage. Im vorliegenden Fall ist der Richter angeblich an den für mich völlig kryptischen Sätzen „Ouh,... weiter

 

Wortgewaltphantasien

14. März 2012 von Anatol Stefanowitsch

Das mit den Eskimos und ihren Wörter für Schnee ist ja inzwischen abgefrühstückt – kein Mensch glaubt mehr an ein ausgedehntes, lexikalisch manifestes Interesse der Völker des nördlichen Polarkreises am kristallförmigen Nierderschlag. Höchste Zeit also für neue Varianten des zugrundeliegenden Mythos, dass Sprachgemeinschaften besonders viele Wörter für das haben, was ihnen besonders wichtig ist. Auf eine interessante Variante wies mich SciLogger Dierk Haasis (Con Text) neulich hin. Es geht dabei um die Kunstsprache Dothraki, die im Game-of-Thrones-Romanzyklus (dt. „Das Lied... weiter

 

Sprachbrocken 10/2012

10. März 2012 von Anatol Stefanowitsch

Auf vielfachen (genau genommen: vierfachen) Wunsch kehrt heute die Presseschau ins Sprachlog zurück, in der wir auf mehr oder weniger wichtige sprachbezogene Meldungen der vergangenen Woche zurückblicken. Die verwirrende Nummer 10 im Titel bezieht sich dabei auf die Kalenderwoche. Felix Magath hat den Grund für die schlechte Leistung seines VfL Wolfsburg identifiziert: Die Sprachbarrieren zwischen den Spielern aus immerhin 15 verschiedenen Ländern sind Schuld. Wie Eurosport meldet, wird Magath in Zukunft seine Mannschaft nach der Muttersprache der Spieler sortiert aufstellen.... weiter

 

No Shit!

2. März 2012 von Anatol Stefanowitsch

When we selected Shitstorm as “Anglicism of the Year 2011” a few weeks ago, several US blogs quicky agreed that our choice was inevitable given our nationality: as Germans, we are “obsessed with poop” (Huffington Post), or even “infatuated with crap” (Death and Taxes). Only Slate’s Katy Waldman wondered why Germans, if they are obsessed with feces, would have to borrow scatological terminology from English. This bit of amateur cultural psychology reminded me that I still owe a blog post... weiter

 

Der „böse Gauck“ und das Netz

21. Februar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Seit ein paar Tagen schon werden die Vor- und Nachteile eines Bundespräsidenten Gauck in den sozialen Netzwerken intensiv diskutiert. Den Anfang machten diverse Tweets mit Gauck-Zitaten, die am bisher weitgehend positiven Bild des Kandidaten kratzten (auch ich habe solche Tweets geschrieben, ein freundlicher Mensch hat sie hier zusammengetragen. Gestern gab es nun zwei Kontrapunkt in dieser (zugegebenerweise etwas ziellosen) Diskussion: Erstens entschuldigte sich Julia Seeliger, die auch ein paar Gauck-Zitate getwittert hatte, in ihrem Blog bei Gauck dafür, diese Zitate... weiter

 

Circeln

19. Februar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Der Anglizismus-des-Jahres-Wettbewerb 2011 ist zu Ende, auf der Seite des Siegerwortes findet sich nun auch eine Auswahl aus den sehr zahlreichen Pressestimmen. Aber bevor die Schlussglocke läutet und wir uns dem Lehngut des laufenden Jahres zuwenden können, muss ich noch etwas über das drittplatzierte circeln schreiben. Denn während das erstplatzierte Shitstorm trotz seines skatologischen Naturells (auf das ich nächste Woche noch einmal in einem ganz anderen Zusammenhang zurückkommen werde) mit Ausnahme einiger besonders empfindlicher Seelen auf Zustimmung gestoßen ist, und... weiter

 

And the winner is: Shitstorm!

13. Februar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Im letzten Jahr haben wir den Shitstorm anfangs noch als Außenseiter abgetan -- das Wort selbst (und auch das Phänomen, das es bezeichnet) schienen uns zu neu und in der Sprachgemeinschaft insgesamt zu wenig verbreitet. Tatsächlich landete es in der internen Abstimmung der Jury dann aber immerhin doch auf einem respektablen fünften und in der Publikumsabstimmung auf dem sechsten Platz. Und in diesem Jahr haben es nun sowohl die Jury als auch das Publikum zum strahlenden Sieger gekürt. Was ist... weiter

 

Scripted Reality [Kandidaten für den Anglizismus des Jahres]

3. Februar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Scripted Reality ist schon zum zweiten Mal für den Anglizismus des Jahres nominiert, und -- jetzt kann ich es ja verraten -- eine Art Favorit der Herzen für mich. Dass es damals nicht auf der Shortlist gelandet ist, lag daran, dass es, wie auch ich mir eingestehen musste, nicht ausreichend weit in den Sprachgebrauch vorgedrungen war. Nur sechs Treffer lieferte das Deutsche Referenzkorpus seinerzeit, von denen zu allem Überfluss 4 von 2009. Auch das Google-News-Archiv lieferte nach meiner Erinnerung weniger... weiter

 

Stresstest [Kandidaten für den Anglizismus des Jahres]

30. Januar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Über das Wort Stresstest habe ich ja vor ein paar Wochen schon geschrieben, als die Gesellschaft für deutsche Sprache es zum Wort des Jahres 2011 wählte. Als ich dann bekanntgegeben habe, dass Stresstest auch für den Anglizismus des Jahres nominiert ist, wurde gleich vermutet, dass wir keine Lust haben würden, das Wort sozusagen als Zweitverwerter noch einmal zu ehren. Aber diese Art von strategischem Denken ist der Jury der besten Wörterwahl der Welt völlig fremd -- möge das beste Wort... weiter

 

Hacktivism [Kandidaten für den Anglizismus des Jahres]

29. Januar 2012 von Anatol Stefanowitsch

Mit den Nominierungen für den Anglizismus des Jahres haben wir es diesmal nicht ganz leicht: Viele Vorschläge sind zwar sowohl sprachlich interessant als auch gesellschaftlich höchst relevant, ohne dass die Sprachgemeinschaft das aber bisher auf breiter Ebene wahrnimmt. Liquid Democracy und Post-Privacy fallen in diese Kategorie, und Hacktivism leider auch. Hacktivism ist eine Verschmelzung der Wörter hack und activism und bezeichnet im Englischen den politisch motivierten und nicht autorisierten Zugriff auf informationstechnische Systeme, z.B. Computernetzwerke. Der Eintrag zu Hacktivism in... weiter