Planetenlehrpfad auf Föhr

28. Mai 2013 von Susanne M. Hoffmann in unterwegs

wenn Sie bei Ihrem friesischen Sommerurlaub plötzlich über Planeten stolpern: "Föhr - die friesische Karibik" hat eine neue astronomische Attraktion, einen Planetenlehrpfad, der Mitte April von Schülern eines deutsch-russischen Austauschs aufgebaut und eingeweiht wurde. Als Rückbegegnung unseres Venustransit-Projektes letztes Jahr in Novosibirsk haben zwei Schulen in Hamburg und Hildesheim dieses Jahr die Sibiriaken nach Deutschland eingeladen. Im Gegensatz dazu mussten die jungen Astrofreaks dann gleich hart arbeiten. :-)

Die Löcher hatte Lehrer Pfeiffer bereits an den richtigen Stellen ausgegraben, aber die Schülerinnen und Schüler mussten nun noch die Pflöcke für die Planetentafeln einbuddeln und natürlich die vorbereiteten Tafeln anbringen:

So waren sie einen ganzen Tag beschäftigt und konnten rekapitulieren, was meine Studentin letztes Jahr ebenso spielerisch bei einem Kennenlernspiel in Novosibirk unterrichtet hatte: die Abstände der Planeten im Sonnensystem und ihre physikalische und chemische Beschaffenheit.

(Video unserer russ. Partner)

Und hier unsere eigene Video-Rezension (von einer Schülerpraktikantin von mir, 2010):

Zwischendurch wurde natürlich auch die Natur pur erlebt, Ebbe und Flut an der Nordseeküste beobachtet und sich der Wind um die Ohren bödeln gelassen. :-)

... und die Insel erkundet. Dabei findet man Giganten aus der Urzeit, ein Planetarium in Süderende und viel über die wilde Natur im Nationalpark-Zentrum Wyk auf Föhr.

Schließlich ist nur die Sonne am Schullandheim untergebracht. Will man mit einer 15 cm-Sonne die Planeten und ihre Abstände richtig skalieren, dann hat man schon einen halben Kilometer (genauer: 450 m) über die friesische Insel mit ihrem nordsee-charakteristischen, sehr idyllischen Charme zurück zu legen.

Besuchen Sie den Planetenweg auf Föhr!

Die Sonne des Planetenpfades steht im Schullandheim "Ernst Schlee" in Nieblum. Die Bilder für den öffentlich zugänglichen Planetenweg wurden freundlicherweise von der Regional Planetary Image Facility (RPIF) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Verfügung gestellt und die Texte von dem Lehrer selbst verfasst, der mit seinen Schülern dieses Projekt durchführte. 

Es war schon eine mühsame Aufgabe, die Entfernungen richtig skaliert auszurechnen und die Vorbereitungen zu treffen: Fragen der Bildrechte, Recherche der Informationen, Ausmessen und Markieren der Planetenpoistionen auf der Insel ... für den Hamburger Familienvater bedeutete ja sowas auch mindestens einen Extra-Ausflug auf die Insel - aber was tut man nicht alles für seine Schüler und ein ehrgeiziges Prestige-Projekt. Super, dass das alles so gut geklappt hat. :-)

Nebenher musste er noch die Kontakte nach Russland pflegen und organisieren, dass die Gruppe vom Novosibirsk und Iskitim gut nach Deutschland kommt. Sie wurde hier zunächst von einer Hildesheimer Schule empfangen und schnupperte norddeutsches Kleinstadt-Leben, bevor sie in die Großstadt Hamburg mit dem Bus weiterreiste. Die zweistündige Fahrt Hannover-Hamburg ist natürlich kein Vergleich mit den Entfernungen zwischen Nachbarstädten in Sibirien, die mindestens einen halben Tag mit der Transsib trennt.

Wer hat's gemacht?

Der Hamburger Gymnasiallehrer Thilo Pfeiffer vom Gymnasium Othmarschen hat das ehrgeizige Projekt konzipiert und durchgeführt: Vor zwei Jahren war ich mit ihm und seinen Schülern zu einem Astro-Wochenende auf Föhr und seitdem folgen die Astro-Projekte dieser Schule am laufenden Band. Es ist eine Freude, das zu sehen!

Nordsee-Insel FÖHR

Föhr-Touristen haben also nun ab diesem Sommer eine neue Attraktion auf der Insel. Das Partner-Schullandheim des Hamburger Gymnasiums auf Föhr ist sehr schön geeignet für naturwissenschaftlichen Unterricht. Astronomie hat man sogar in manchen Dekorationen, denn typisch für die Seefahrt ist ja auch die Navigation mit den Sternen. Gleich neben der Windrose ist also Polaris und der Große Wagen (wenngleich etwas verzerrt) als Navigationshilfe abgebildet.

Öko, öko - BNE ist typisch deutsch

Außerdem ist das Nebenhaus dieser Herberge um Bäume herum gebaut: Typisch deutsch! Kein Franzose oder Russe würde verstehen, warum man in Stuttgart im Zuge des Bahnhofsstreits für Bäume demonstriert ... und dass man in Friesland sogar ein Haus um den Baum herum baut, um ihn nicht fällen zu müssen, das ist schon sehr charakteristisch. In Russland ist der Schnee ja auch schwarz im Frühling (ich habe 2011 darüber berichtet), weil der Rauch aus den Schornsteinen eben dunkelgrau und nicht weiß ist wie bei uns. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eines der wichtigsten Bildungsziele in deutschen Klassenzimmern - und mithin auch eine der wichtigsten Botschaften, die unsere russischen Gast-Schüler in die sibirische Heimat mitnehmen sollten.

In Deutschland baut man also Häuser um Bäume herum, anstatt die Bäume zu fällen.

In Norddeutschland sind ja auch noch dazu die Dächer nicht selten mit Reet gedeckt - auch das findet sich natürlich auf Föhr und man kann es neben den eiszeitlichen Riesenzähnen und -knochen auch als weit verbreitetes typisches Merkmal der Kultur bewundern - ist mal ein Kontrast zum Großstadtprogramm, das unsere Gruppen sonst in Hamburg und Berlin hatten. 

Küstenspaziergang:

Auf der Rückfahrt bei Flut mit der Fähre aufs schleswig-holsteinische Festland und durch das nördlichste Bundesland zurück in die Elbmetropole, die als Tor zur Welt gilt:

Der Hamburger Michel, gesehen von den Landungsbrücken. :-)

Hier der Flyer vom Lehrpfad für Nieblum

Klick aufs Bildchen sollte einen PDF-link zeigen.   

 


Gimmick

Silberstreif am Horizont im Elbhafen der Freien und Hansestadt:

Der Lehrer, Herr Pfeiffer, hat letztes Jahr an meinen Fachkräfte-Austauschen nach Novosibirsk und Baikonur teilgenommen. Es scheint, als hätte den engagierten Physiklehrer seit einigen Jahren unsere Muse, die Urania, getroffen, denn ich habe selten so viele und konsequente Anfragen in dieser Hinsicht immer von derselben Schule (ihm, seinen Kollegen und Schülern) bekommen. Ganz ehrlich: Mir macht das Spaß und ich bin sehr froh, wenn meine geliebte Wissenschaft solch engagierte Umsetzung findet (Ein Musterbeispiel für Wissenstransfer!) und ich selbst nur durch meine Expertisen in Museumspädagogik, Medienwissenschaften und Astronomiedidaktik als Beraterin für die Projekte mitwirke. Die Macher sind jetzt andere: das ist toll! Es ist eine große Freude für mich, wenn es mir geglückt sein sollte, andere Leute inspiriert zu haben. :-)

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