Milch – Der Crash kommt erst noch

3. März 2016 von Sören Schewe in Sichtweisen

Unsere Nutztierhaltung befinde sich in einer veritablen Krise, schreibt Prof. Dr. Albert Sundrum (Fachgebiet Tierernährung und Tiergesundheit, Universität Kassel) in der schriftlichen Fassung zu seinem Vortrag auf dem DLG-Kolloquium letzten Dezember. Er spricht dabei einige Aspekte an. Da ich den globalen Milch-Markt seit einer Weile verfolge, nutze ich diesen zur Illustration.

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" fand ich jetzt einen Artikel über die dramatische Verdienst-Situation der deutschen Landwirte.

Einkommen in der Landwirtschaft

Auch die Milchvieh-Halter sind zu sehen. Dass es so nicht weitergehen könne, ist schon zu einer Phrase geworden. Natürlich nicht. Aber leider hält die Suche nach Lösungen noch an. In diesem Kontext wirkt die Rede von der Wichtigkeit des Weltmarktes immer sehr abstrakt. Er ist aber wichtig - gerade auch vor dem Hintergrund, dass aktuell ein leichter Anstieg der Nachfrage in China wie eine Erlösung durch englische Agrarmedien gereicht wird.
Das Dilemma: praktisch der gesamte Weltmarkt glotzt sehnsüchtig nach China, während man dort zunehmend die eigene Industrie mit Fokus auf Lebensmittelsicherheit und moderne Stallanlagen konsolidiert - ermöglicht durch staatliche Förderungen. Ich hatte mich der chinesischen Milchvieh-Industrie schon mal ausführlich gewidmet:

Der rapide Wandel der Betriebsstukturen in China sollte zu denken geben - zumindest jenen, die auf China als Export-Land der Zukunft setzen. Zwei Punkte halte ich in diesem Zusammenhang für interessant und wichtig: während die kommunistische Regierung den Wandel hin zu größeren standardisierten Betrieben durch Gesetze und Auflagen verordnen sowie finanziell fördern konnte, sparte man sich die "Trial and Error"-Phasen der Forschung und Umsetzung, indem Wissen und Erfahrung im Management großer Betriebe schlicht aus aller Welt zugekauft wurde. Die dort benötigte Zeit der Forschung fiel also weg. Das gilt übrigens auch ganz grundlegend für die Ställe selbst - die kommen unter anderem aus den USA.

Diese Maßnahmen haben in China einen rasanten Strukturwandel innerhalb weniger Jahre ins Rollen gebracht. Auf der Seite "Dairy Global" fand ich einen Artikel aus Februar 2016 über den Besuch australischer Milchvieh-Landwirte in China. Sie wollten mal schauen, wie sich der dortige Sektor entwickelt und ob sich die Chinesen langsam zur Konkurrenz mausern. Die Prognose: tun sie.

While average milk production in China is slightly lower than current Australian estimates, a focus on innovation and increased investment in new technologies is predicted to help China overtake Australian producers in the next 18 months.

Läuft. Also für die Chinesen. Alle anderen gucken kollektiv in die Röhre, da sind die australischen Landwirte keineswegs alleine.

Womit wir dann endlich bei Sundrum wären, der das Problem etwas abstrakt, aber dennoch treffend beschreibt:

Das Auseinanderdriften hat nicht nur zu einem Preissturz geführt, sondern gleichzeitig in vielen Ländern den ruinösen Verdrängungswettbewerb rasant beschleunigt. Alle Primärerzeuger, die in ihrem Betriebssystem mehr als in der Vergangenheit erzeugt haben, haben selbst zum Preisverfall beigetragen. **Das eigentliche Bedrohungsszenario resultiert aus der Befürchtung, dass auch künftig jedweder Preisanstieg schnell wieder abgewürgt wird, weil die Geschwindigkeit eines dann zu erwartenden Mengenzuwachses auf globaler Ebene höher ausfallen wird als eine mögliche Zunahme der Nachfrage. Sollten sich diese Einschätzungen bewahrheiten, ist eine Situation, in welcher die Nachfrage die Erzeugungsmengen zu in Deutschland kostendeckenden Preisen übersteigen, in weite Ferne gerückt.**

(Hervorhebungen von mir)

Fassen wir nochmal zusammen: Landwirte in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland etc. warten finanziell erstarrt auf eine wachsende Nachfrage in China, während man sich dort lediglich das Know-How einkauft und die eigene Industrie erfolgreich nach vorne bringt. Gleichzeitig erzählen Marktanalysten ständig was von einem Preis-Ansteig, der ganz sicher im nächsten Quartal komme, was sich seit 1,5 Jahren als Bullshit erweist. Betriebliche Investitionen - oder Innovationen - sind aber auch kaum möglich, wenn kein Geld reinkommt.

Jetzt bin ich kein Agrar-Ökonom, aber das sieht für mich nicht nach einem tragfähigen Modell für die Zukunft aus. Vielleicht sollten landwirtschaftliche Verbände et al. wahlweise weniger auf dicke Eier machen oder jammern und stattdessen mal scharf überlegen was passiert, wenn sich das aktuelle Preistief als Normalfall herausstellt - wonach es momentan aussieht - und wie sich das ändern ließe. Viel Zeit ist nicht mehr. Dann kommt unsere Milch ganz fix aus China.

Am Ende möchte ich Euch noch dieses interessante Interview mit Sundrum empfehlen - natürlich auch wegen seiner klugen Gedanken zum Thema Tierwohl gleich zu Beginn. Das Interview führt Thomas Wengenroth:


Referenzen


36 Kommentare zu “Milch – Der Crash kommt erst noch”

  1. Ingo Antworten | Permalink

    Ich verstehe die Kritik nicht.
    Zu viel Milch = Preisverfall.
    So ist das nunmal. Nicht nur bei Milch, sondern bei allen Podukten.
    Zu viel Autos gebaut = Preisverfall - und manchmal muss eben eine Fabrik schliessen, damit nicht mehr zu viele Autos gebaut werden.

    Ich glaube wir haengen einfach nur zu sehr an Bilderbuchbauernhoefen mit gluecklichen Kuehen und einem Bauern im blauen Kittel der Trekker reperiert und persoenlich die Mistgabel schwingt.
    Das war mal so in bis in die 80er. Danach nicht mehr. Die Branche hat sich weiterentwickelt wie jede andere Branche auch. Und modernisieren bedeutet automatisieren und effezientere Produktion.
    Wenn wir aber kuenstlich an dem Bilderbuchkleinbauerntum festhalten,- dann wird unsere Milch tatsaechlich irgendwann aus China kommen.
    Oder wir pumpen Subventionen in den Markt, solange bis wir ein Kleinbauer mehr Geld kostet als ein Arbeitsloser, oder wir uns wundern, dass die Subventionen doch wieder von Grossbetrieben mitgenommen wird.
    Subventionen verschlimmern strukturelle Probleme und verschieben sie auf spaeter.

    Das Problem hatten wir doch schoneinmal mit dem Butterberg.
    Nichts gelernt?

    Sorry fuer die lieben Menschen die als Milchbauern arbeiten,- aber manchmal muss man sich eben einen neuen Job suchen. Ich bin dann auch gerne dabei den Staat zu bitten dies mit meinen Steuergeldern zu unterstuetzen,- aber ich bin nicht bereit den Staat zu bitten alte Berufe kuenstlich am Leben zu halten. So ist es vielen Jobs in der Vergangenheit gegangen, und so wird es auch in der Zukunft sein. Dafuer gibt es neue Berufe die es vor 20 Jahren noch nicht gab.

    Bitte keine falsche Romantik. Die hilft niemanden.

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Ich bin der letzte, der einer Bauernhof-Romantik nachhängt. Das ist auch überhaupt nicht der Punkt. Zugegeben, ein Stück weit - zumindest aus Sicht der deutschen Landwirtschaft - hat die Politik das Dilemma zu verantworten. Die Sanktionen gegen Russland waren Mist. Russlands Entscheidung die Handelsbeziehungen auch über die Sanktionen hinaus zu beenden und stattdessen mit China zu kooperieren, hat die Sache nicht besser gemacht. Praktisch gleichzeitig verlangsamte sich auch Chinas Nachfrage - wir haben also seit einer ganzen Weile zuviel Milch auf dem Markt, was den Preis drückt.

      Mein Punkt ist jetzt - und war es auch schon in meinen Artikeln dazu aus dem letzten Jahr - dass diese Weltmarkt-Nummer keine Zukunft hat, wenn große Abnehmer plötzlich rasant an der eigenen Versorgung arbeiten. Da braucht es ein Umdenken. Darauf zu warten, dass in China wieder ein Skandal passiert, kann nicht die Lösung sein.

      • Ingo Antworten | Permalink

        > Mein Punkt ist [,,] dass diese Weltmarkt-Nummer keine Zukunft hat, wenn
        > große Abnehmer (aka China) plötzlich rasant an der eigenen Versorgung arbeiten

        Also ist Ihre Forderung den Markt zu isulieren? Grenzen dicht fuer Milch ! Kein Milch-import, kein Milch-Export? Mit der Begruendung, dass andere beim Markt mitspielen wollen?

        Ich zweifele sehr daran, dass das uns weiterbringt. Natuerlich spielen in einem kleinen (nationalen) Markt kleinere Player mit als in einem grossen internationalen Markt,- womit wir doch wieder bei dem romantischen Wunsch nach Bilderbuch-Bauern sind.
        Der Weltmarkt ist nichts bedrohliches aus der Zukunft,- sondern er ist Fakt seit einigen Jahrzehnten.
        Milch wird hin- und her-exportiert,- genau wie Autos. Internationale Konkurenz belebt das Geschaeft.

        Ich sehe die Probleme in internationalen Maerkten ehrlich gesagt woanders.
        Beispielsweise in Laendern in denen die Rechtssicherheit fuer kleinere Betriebe (oder Einzelpersonen) gegenueber grossen Konzernen nicht gegeben ist.
        Beispiele gibt es in Afrika, wo Konzerne alteingesessene Bauern quasie enteignen,- da diese sich vor Gericht nicht wehren koennen. (Uebrigens kommt unser Bio-Soja teilweise von genau solchen Gross-Plantagen,- womit wir wieder bei der Konkurenz zur Milch sind).
        Dies finde ich allerdings nicht schrecklich weil ich Kleinbauern romantisch finde, sondern weil hier schlichtweg Recht gebrochen wird und (Land)Eigentum gestohlen wird.
        Kleinbauen in Afrika (unromantisch betrachtet) sind arme Schlucker die das Essen was sie selber in ihrem Schrebergarten-aerigen Land anbauen, und maximal im naechsten Dorf ein paar Sachen verkaufen. Solche Leute sterben dann auch mal an einer einfachen Blinddarm-entzuendung, weil sie kein Geld fuer einen Arzt haben.
        Keine erstrebenswerte Zukunft.

        • Sören Schewe Antworten | Permalink

          Nein, eine Isolation halte ich heutzutage ebenfalls nicht für zielführend. Fakt ist aber, dass es schon seit letztem Jahr zu viel Milch auf dem Weltmarkt gibt durch die erwähnten Szenarien - und dieser Zustand dauert an, weil Landwirte aufgrund niedriger Erlöse mehr produzieren müssen, was die Probleme nicht geringer macht. Das ist schon fast ein Teufelskreis.

          Wir brauchen also entweder neue Absatzmärkte oder Wege einer anderen Vermarktung. Das heißt: wenn Rohmilch an sich keinen Wert mehr hat, müssen wir schauen, was wir daraus machen können, um dann diese Produkte wie Käse-Spezialitäten zu verkaufen.

          • Ingo | Permalink

            Wahrscheinlich wird es so kommen wie Sie sagen,-
            - aber man kann nichts daran aendern.
            Die Betriebe werden immer mehr Milch produzieren muessen um ueberleben zu koennen,- gleichzeitig werden immer mehr Milchbauern sich einen anderne Job suchen muessen.
            So lange bis nur wenige grosse und effiziente Betriebe ueber beleiben.
            Diese uebriggebliebenen Betriebe werden dann auch in der Lage sein es mit den neuen modernen Chinesischen Betrieben aufzunehmen.

            Ehrlich gesagt wundert es mich, dass der Prozess nicht schon laengst abgeschlossen ist. Es gibt immer noch erstaunlich viele Betriebe mit weniger als 40 Kuehen (vorallen in Bayern)
            Mich wundert, dass es sich fuer so wenig Milch ueberhaupt lohnt den Milchwagen vorfahren zu lassen um die Milch abzuholen.

          • Mona | Permalink

            @Sören Schewe:
            "Das heißt: wenn Rohmilch an sich keinen Wert mehr hat, müssen wir schauen, was wir daraus machen können, um dann diese Produkte wie Käse-Spezialitäten zu verkaufen."
            Es wurde doch nicht nur Rohmilch, sondern auch viele "Käse-Spezialitäten" nach Russland verkauft. Seit diese nicht mehr eingeführt werden dürfen versuchen die Russen ihren eigenen Käse herzustellen. Insofern wäre es an der Zeit gegenzusteuern, denn wenn der Markt einmal weggebrochen ist werden wir ihn nicht mehr zurückbekommen und der "Crash" einiger unserer Bauern ist vorprogrammiert.
            http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sanktionen-russland-in-der-kaese-krise-1.2715736

          • Sören Schewe | Permalink

            Hallo Mona!

            Ja, absolut richtig, Russland war großer Käseabnehmer. Meinte mit Rohmilch auch weniger das Produkt, sondern generell flüssige Milch. Das war etwas ungenau formuliert.

            Russland kooperiert übrigens auch mit China beim Milchvieh, die planen da gemeinsam ein Projekt mit mehreren 100.000 Kühen.

          • Mona | Permalink

            @Ingo

            Die bayerischen Bauern sind auch am stärksten betroffen, da viele noch kleine Familienbetriebe bewirtschaften. Letzten Herbst gab es eine Groß-Kundgebung in der Münchner Innenstadt, die der Abschluss einer bundesweiten Sternfahrt war. Besonders die Russlandsanktionen haben die Bauern schwer getroffen, weil sie nun nicht nur auf den Milchprodukten, sondern auch auf dem Überangebot an Schweinefleisch sitzen bleiben.
            Der bayerische Ministerpräsident, Horst Seehofer, reiste mit seinem Vorgänger Edmund Steuber letzten Monat nach Russland um für eine Lockerung der Sanktionen zu werben, bzw. die Geschäfte für die Zeit nach den Sanktionen wieder anzukurbeln, da laut Seehofer die Sanktionen ja nicht ewig dauern könnten. Als Antwort gab es heftige Kritik, sowohl aus Brüssel als auch von Teilen der deutschen Bundesregierung, die ihm vorwarfen "Nebenaußenpolitik" zu betreiben, dabei war die Reise mit der Kanzlerin abgesprochen.

            Man muss kein Parteigänger Seehofers sein um zu erkennen, dass die Politik auch mal an die Nöte der Betroffenen denken sollte. Letztendlich schaden die Sanktionen doch auch der europäischen Wirtschaft. Besonders wenn es zu einem Dominoeffekt kommt, weil beispielweise Obstproduzenten in Polen ihre Waren nicht mehr nach Russland verkaufen dürfen und den Markt mit billigen Äpfeln überschwemmen. Was kürzlich dazu führte, dass Steirerfrucht, einer der größten Obsthändler Österreichs, Insolvenz anmelden musste.
            http://derstandard.at/2000032226715/Im-Apfelgeschaeft-steckt-der-Wurm-drin

  2. Tim Antworten | Permalink

    Die Agrarsubventionen müssen so schnell wie möglich abgeschafft werden, dann werden sich in kurzer Zeit auch widerstandsfähigere Großstrukturen bilden. Diese direkte und indirekte Subventionspolitik auf EU-, Bundes- und Landesebene ist einfach nur asozial ...

    • sepp Antworten | Permalink

      Agrarsubventionen würden nicht benötigt, wenn die Verbraucher bereit wären, für Lebensmittel auch das zu zahlen was sie in ihrer Herstellung kosten. Dass nämlich nämlich das Schnitzel für den Menschen weniger kostet als Hundefutter, oder ein kg Sägemehl als Einstreu teuer ist als ein kg Weizenmehl ist einfach nur pervers.

      • Mona Antworten | Permalink

        Ich finde auch, dass Lebensmittel ihren Preis haben sollten. Der deutsche Verbraucher kann jedoch nicht sämtliche überschüssige Milch aufkaufen, wie stellen Sie sich das vor? Oder warum meinen Sie wohl, dass ausländische Märkte erschlossen werden müssen?

      • Ingo Antworten | Permalink

        @Sepp @Mona
        > wenn die Verbraucher bereit wären, für Lebensmittel auch das zu
        > zahlen was sie in ihrer Herstellung kosten.

        Und wie soll das gemacht werden? Per Gedankenkontrolle die Leute dazu bringen freiwillig mehr zu zahlen?
        So funktioniert die Sache nunmal nicht. Man kann nicht einfach fordern, dass Lebensmittel teurer werden. Das ist genauso realistisch wie zu fordern dass der Himmel gruen sein soll.
        Wenn nunmal zu viel Milch da ist, dann verfaellt der Preis. Ob man da schoen findet oder nicht spielt keine Rolle.
        Kuenstlich hochgeholtene Preise (wie von Ihnen gefordert) wuerden bedeuten, dass
        1) weniger Milch gekauft wird,- und die ueberschuessige Milch vernichtet wird (s. Butterberge)
        2) voellig unklar ist wer denn die Preisdifferenz zwischen echten Preis und kuenstlichen Preis einstecken soll, und warum. Der Bauer? Die Molkerrei? Aldi?
        3) Letztendlich handelt es sich dabei auch um eine Subvention

        Jeder staatliche Eingriff in den Markt hat Folgen. Der Abbruch der Handelsbeziehungen zu Russland (staatlicher Eingriff) hat das Problem erzeugt, dass die Produkte dort einfach nicht mehr hin verkauft werden koennen. Kein Verkauf moeglich -> Zu viel Zeug auf Langer -> Preissverfall -> Betriebe muessen schliessen.
        Umgekehrt in Russland: Weniger Importmoeglichkeiten -> Weniger Waren -> Preissteigerung -> Neue Betriebe entstehen.

        So einfach ist das,- und so schwierig ist das das Problem zu loesen. (Jedenfalls nicht durch Forderungen doch bitte die Preise zu veraendern)

        • Mona Antworten | Permalink

          Ich meinte nicht, dass der Verbraucher einen künstlich hochgehaltenen Preis zahlen sollte, sondern einen angemessenen.

          • Ingo | Permalink

            @Mona
            Angemessen ist das was auf dem Preisschild steht.
            Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Milchkuh-Grossbetrieb etwas davon hat wenn man die Milch in einem teureren Supermarkt kauft.
            Oder glauben Sie, dass der teurere Supermarkt aus lauter Menschenfreundlichkeit etwas mehr Geld an die Molkerrei weitergibt, und die Molkerrei aus lauter Menschenfreundlichkeit etwas mehr Geld an den Erzeuger?
            Insofern ist das Preisschild bei Aldi schon ehrlich und angemessen.

          • Mona | Permalink

            @Ingo:
            "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Milchkuh-Grossbetrieb etwas davon hat wenn man die Milch in einem teureren Supermarkt kauft."

            Natürlich nicht, aber so meinte ich das auch nicht.

            "Insofern ist das Preisschild bei Aldi schon ehrlich und angemessen."

            Das ist es eben nicht, weil sich die großen Discounterketten auf Kosten der Bauern einen Preiskrieg liefern. Obwohl sie selbst kaum mehr an der Milch verdienen wird sie immer billiger angeboten. Leider geben die Bauern dann den Verbrauchern die Schuld, die angeblich nicht mehr dafür zahlen möchten. Das ist jedoch Käse, denn diese haben kaum Einfluss auf die Preisgestaltung.

          • Sören Schewe | Permalink

            Partiell richtig. Allerdings spricht hier der Marktanteil von Bio-Produkten oder jener des Tierschutzlabels auch Bände. Deren Preise sind ja gerade so gestaltet, dass für jeden was abfällt. Gekauft werden sie dennoch kaum.

          • Gerald Fix | Permalink

            @ Mona

            Die Verbraucher zahlen einen angemessenen Preis. Das ist gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass das Geld nicht beim Bauern ankommt. Von den 2,99 €, das mich beim Edeka das Kilo Äpfel kostet, erhält der Bauer keine 50 ct.

          • Mona | Permalink

            @Sören Schewe:
            "Allerdings spricht hier der Marktanteil von Bio-Produkten oder jener des Tierschutzlabels auch Bände. Deren Preise sind ja gerade so gestaltet, dass für jeden was abfällt. Gekauft werden sie dennoch kaum."

            Das könnte auch von der Qualität und der Vermarktung abhängen. Ich kaufe meist "Berchtesgadener haltbare Bergbauern-Milch" und zahle für den Liter 89 Cent. Das ist etwas mehr als der übliche Preis, bei Aldi-Süd kostet Milch z.Z. nur 55 Cent. Der etwas höhere Preis reißt kein großes Loch in die Haushaltskasse und ich unterstütze damit eine kleine Erzeugergemeinschaft im Chiemgau.

            http://media.repro-mayr.de/16/515916.pdf

          • Sören Schewe | Permalink

            Von der Qualität? Eher nicht, die ist grundsätzlich in jeder Hinsicht völlig unproblematisch, Geschmack ist ist ja immer recht subjektiv. Die Vermarktung spielt ganz sicher eine Rolle - ebenso wie die Verfügbarkeit.

            Freut mich, dass Du das so siehst und auch so handelst, das könnten ruhig noch ein paar andere nachmachen ;)

          • Ingo | Permalink

            @Mona & "Berchtesgadener haltbare Bergbauern-Milch"

            Irgendwie klingt das so als ob die einfach nur mehr Marketing machen.
            Marketing ist nicht grade billig, und letztendlich auch (mit) ein Grund warum Aldi billiger ist.

          • Mona | Permalink

            @Ingo:
            Ich finde zwar, dass die Qualität besser ist. Im Grundsatz will ich Ihnen jedoch gar nicht wiedersprechen. Laut Stiftung Warentest ist die in Deutschland verkaufte Milch "grundsätzlich in jeder Hinsicht völlig unproblematisch", wie Sören Schewe bereits schrieb. Mir ist also durchaus klar, dass ich da eine Idee mit unterstütze. Im Gegenzug boykottiere ich auch bestimmte Lebensmittel, so z.B. die des Nestle-Konzerns, weil ich es unethisch finde aus Profitgier das Grundrecht der Menschen auf Zugang zu sauberem Wasser nicht anerkennen zu wollen.
            http://www.facing-finance.org/de/database/cases/nestle-privatization-of-water/

          • Küstennebel | Permalink

            ern-Milch" und zahle für den Liter 89 Cent. Das ist etwas mehr als der übliche Preis, bei Aldi-Süd kostet Milch z.Z. nur 55 Cent. Der etwas höhere Preis reißt kein großes Loch in die Haushaltskasse und ich unterstütze damit eine kleine Erzeugergemeinschaft im Chiemgau.

            Da muss man die Produkte auch auseinanderhalten. H Milch und mikrofiltrierte Milch ist länger haltbar und lagerfähig, sie ist billiger. Dann gibts traditionell hergestellte Trinkmilch, dann irgendwelchen Markenklimbim und am Ende mag man Bio-Label aufzählen, die sich durch SELBST AUFERLEGTE INEFFIZIENTE PRODUKTIONSWEISE teurer machen und ein ideologisches Konzept bedienen.

            Das ist meines erachtens einfach nur dümmlich zu behaupten, das man durch teurere Produkte automatisch dem Bauern hilft. Völliger Humbug. Wer zuviel Geld hat, mag es ja einem armen notleidenden Bauern, Landarzt, Unternehmer, Arbeitslosen oder hungernden Parteifunktionär spenden.

            Last euch nicht immer Propagandaschwachsinn erzählen. Die Nahrungsmittel in Deutschland kosten hier genauso viel und teils mehr als anderswo in Europa. Unterschiede haben oft etwas mit unterschiedlichen Steuersätzen bei Verbrauchssteuern und teilweise Alkohol zu tun. Deutschland liegt preislich im Mittelfeld.

            Einfach mal die Tabelle studieren und staunen, wie wenig die Wirklichkeit mit der Propaganda aus den Medien zu tun hat. Deutschland ist nicht billig. Im übrigen stelle auch ich einmal die Frage, wie sich ein paar Millionen Rentner, Arbeitslose mit Hartz4, Sozialleistungsbezieher, denen allesamt in der Regel nicht mehr eher erheblich weniger als 148,50 des Sozialleistungssatzes zum Essen pro Monat für Nahrungsmittel übrig bleibt. Preissteigerungen kann man sich nicht leisten es sei denn man gehört zu denen, die mehr Geld haben. Alle anderen hungern dann?

            http://ec.europa.eu/eurostat/de/web/products-press-releases/-/2-21062013-AP

            http://www.deutschlandradiokultur.de/ernaehrung-unsere-lebensmittel-sind-nicht-zu-billig.993.de.html?dram:article_id=282617

          • Küstennebel | Permalink

            Unterschiede haben oft etwas mit unterschiedlichen Steuersätzen bei Verbrauchssteuern und teilweise Alkohol zu tun.

            Haha, ne ich hab nicht getrunken, die Preise sind auch nicht besoffen, obwohl bei einigen Bio-Labeln könnten Preise nur unter zu Hilfe nahme von Alkohol ... aber egal.

            Es sollte ein Hinweis darauf sein, das besonders beim Trink-Alkohol besonders hohe Steuern den Preisvergleich zwischen Ländern erschweren.

      • Tim Antworten | Permalink

        Es ist sogar noch krasser: Agrarsubventionen sind der Grund dafür, daß Bauern zu niedrige Preise für ihre Produkte bekommen.

        Sobald Agrarsubventionen konsequent abgeschafft würden, würden natürlich viele Bauern ihre Existenz verlieren, aber die überlebenden würden höhere Preise erzielen. Das ist ja sogar auch ganz offiziell Grund für Agrarsubventionen: Erhaltung der kleinbäuerlichen und damit unwirtschaftlichen Produktionsstruktur.

        Die Politik züchtet sich eine eigentlich nicht lebensfähige Bauernschaft, die dann z.B. auf dem Markt gegen Großmolkereien keine Chance hat.

        Absurder Quatsch, das alles.

          • Martin Holzherr | Permalink

            Direktzahlungen sind unabhängig von der Produdktion und wollen somit die bäuerliche Existenz erhalten ohne einen landw.Gegenwert. Allerdings profitieren sogar hier die Grossbauern mehr als die Kleinbauern, weil die Direktzahlungen oft an die Fläche gebunden sind.
            Die meisten gouvernementalen Eingriffe in die europäische Landwirtschaft wollen die Bauernschaft erhalten oder mindestens ihre Schrumpfung verlangsamen. Ein wichtiger Grund dafür scheint mir, dass früher die meisten Menschen hier Bauern waren und die Landwirtschaft als Basis der menschlichen Existenz gesehen wird. Von Grünen verfolgte Ziele wie die Ernährungssouveränität zeugen davon, dass es weiterhin Leute gibt, die die Landwirtschaft erhalten und die sie nicht der Industrie gleichstellen wollen. Doch die Realität sieht anders aus. Der Trend geht sogar im heutigen Deutschland weiter zu noch weniger Betrieben. 1975 gab es 900'000 landwirtschaftliche Betriebe, 2005 400'000 und 2014 286'000. EIne dramatische Schrumpfung sogar noch in der jüngsten Vergangenheit.

        • Sören Schewe Antworten | Permalink

          Hallo Tim,

          gerade bei Tierhaltern sehe ich die Sache etwas differenzierter. Wir können die Anzahl der Landwirte nicht beliebig schrumpfen lassen bzw. im Umkehrschluss die übrigen Betriebe unendlich wachsen lassen. Außerdem sind die "Kleinbauern" in Deutschland dank Strukturwandel eh schon Großbauern.

          Außerdem bekommen Tierhalter keine Subventionen pro Tier, sonder lediglich Hilfen beim Stallbau, die aber auch nur einen kleinen Teil ausmachen, sprich: ein Kredit läuft trotzdem über 20 Jahre.

  3. Jan Antworten | Permalink

    Das war ein interessanter Beitrag.Letztens kam ein Beitrag zur ersten Milchviehanlage Chinas mit 40.000 Kühen im Bestand, Wahnsinn. Was hier außer acht gelassen wird ist der enorme Ressourcenverbrauch der industriellen milchviehhaltung in Form von Landfläche für die Futterkonzentrate sowie die benötigte Menge an Wasser. Ebenso haben wir auch enorme Probleme bei den Senken in Form von Gülle, Eutrophierung etc. vom Methanausstoss der nach aktueller datenlage recht ordentlich an der Erderwärmung mit dreht sei nur am Rande erwähnt.
    Die Frage ist Qui Bono?

    Am Ende niemanden sowohl Umwelt und Verbraucher als auch Tierpfleger, Landwirte, Tierärzte als Mitwirkende in der Produktionskette schauen am Ende in die Röhre. Gerade die letzte Gruppe betrügt sich um die verdiente Lebensleistung, weil ein System am Laufen gehalten wird das sich selbst abschafft. Nach vorsichtigen Schätzungen werden in der westlichen Welt >40% der Lebensmittel weggeschmissen bzw. MHD bedingt frühzeitig entsorgt. Wenn Lebensmittel wie Milch und Käse am Ende günstiger sind als eine Kiste Mineralwasser läuft es gewaltig schief. Dabei muss man im Blick haben dass wir dafür Mais und Soja aus ehemaligen regenwaldgebieten importieren. Müssen um am Ende eine priduktvielfalt zu schaffen die keiner wirklich braucht und aus Wertschätzung für die Produkte viel auf dem Müll landet.
    Fazit bleibt das System im System zu ändern scheitert von vornerein (frei nach H. Pestalozzi).
    Dabei liegt das einfache so nah: Bescheidenheit und Vernunft.
    Zu guter letzt haben wir mit den Wiederkäuern den großen Vorteil das sie die mir einzig bekannten Säugetiere sind, die aus etwas nährstoffarmen wie Gras und Heu, dank ihrer Vormägen, hochwertiges Protein für die menschliche Lebensmittelversorgung bereitstellen zu können. Leider können wir diesen Vorteil mit der heutigen Tierzucht nicht mehr nutzen.

    Bleibt zu hoffen das bei Verbraucher und Produzenten ein radikales Umdenken zeitnah einsetzt...

    • Sören Schewe Antworten | Permalink

      Hallo Jan,

      unsere Milchkühe in Deutschland bekommen kein Soja zu fressen, der Aspekt fällt also schon mal weg. Auch die Konzentrate - vermutlich meinst Du das Kraftfutter - besteht zu großen Teilen aus der Lebensmittelverarbeitung, die für uns nicht mehr nutzbar sind, während das Grundfutter Silage (Gras, Mais) eh nur für Rinder taugt. Da geht also gar nicht so viel verloren - im Gegenteil, für Menschen und Insekten gibt das hübsche Wiesen und Weiden ;)

      Du hast das in deinem Kommentar unfreiwillig gut zusammengefasst - einerseits stoßen Kühe Methan aus, was ja schlecht fürs Kliam ist, zum anderen stellen sie Lebensmittel her ohne dabei mit uns zu konkurrieren. Ich finde, wir sollten daher mal Methan Methan sein lassen. Es gibt nun mal keine Form der Landwirtschaft ohne "trade off".

  4. klaus Antworten | Permalink

    @jan: wo ist Dein Problem? Spinne ich Deinen Gedankengang weiter, dürfte nur noch dort Rinderhaltung stattfinden, wo genügend Wasser vorhanden ist? Im Optimalfall "grünes Wasser" in Form von Regen, wie es 99 % der Dt. Milchproduktion kennzeichnet - und dann aus dieser Gunstlage tierische Produkte exportieren, was das Zeug hält - zur Entlastung der Länder, bei denen es kaum regnet. Das nennt man Arbeitsteilung! Wer aber glaubt, dass dt. Landwirte nach dt. Nachhaltigkeitskriterien mit Kollegen weltweit konkurrieren können, der irrt. http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Nachhaltige-Landwirtschaft-geht-nicht-mit-dem-freien-Markt-2830616.html

    • Mona Antworten | Permalink

      Ich bin Ihrem Link gefolgt und wie es ausschaut wird der Steuerzahler, in Form von Zuschüssen und weiteren Hilfspaketen, für den Schaden aufkommen müssen, der durch die Sanktionen gegen Russland angerichtet wurde. Außerdem wird man Abstriche bei der Qualität machen müssen, weil sich nachhaltige Landwirtschaft nicht mit dem freien Markt verträgt, denn schließlich müssen die Bauern ihre Produkte auch wieder mal verkaufen können. Für den Verbraucher bedeutet das im Endeffekt höhere Preise und mindere Qualität. Ach ja, laut einer wissenschaftlichen Studie könnten bei anhaltenden Sanktionen EU-weit bis zu 265 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gehen.
      Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article142742046/Russland-Krise-kostet-Europa-bis-zu-100-Milliarden-Euro.html

  5. klaus Antworten | Permalink

    @mona: Werte das mal als Zustimmung. Wenn Nachhaltigkeit und Markt nicht funktionieren, Schotte ich mich entweder ab und unterstütze mit Steuergeldern gesellschaftliche Ziele oder gebe die eigene Landwirtschaft auf, andere können's ja billiger, siehe Bio- und Gemüse Importe. Das funktioniert bei unserem Handwerk ganz hervorragend. Die erhalten mit Abstand die meisten Zuschüsse http://de.statista.com/statistik/daten/studie/77463/umfrage/subventionen-durch-den-bund-in-deutschland/

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