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Wie man ein Killervirus herstellt (oder auch nicht)

10. Mai 2012, 21:35

Nach ausführlichen und kontroversen Debatten hat Nature jetzt das erste der beiden umstrittenen Paper über ein mutiertes Vogelgrippe-Virus veröffentlicht. Es zeigt vor allem, wie gefährlich die in freier Wildbahn kursierenden Grippeviren sind.

Wochenlang hat ein dramatisches Szenario Seuchenexperten und amerikanische Behörden beschäftigt: Forschungsergebnisse über einen gefährlichen Erreger versetzen Bioterroristen in die Lage, mit Hilfe gentechnischer Methoden ein künstliches Pandemievirus zu erschaffen. Genau das, hieß es, hätten Arbeitsgruppen um Yoshihiro Kawaoka und Ron Fouchier mit dem für Menschen oft tödlichen Vogelgrippevirus H5N1 in ihren Laboren geschafft und würden nun in Nature und Science quasi den Bauplan so eines Killervirus veröffentlichen - nachvollziehbar für jeden mit der geeigneten Ausrüstung.

Nachdem US-Behörden die Veröffentlichung der Paper zuerst aus naheliegenden Gründen gestoppt hatten, ist nun die erste der Publikationen in Nature erschienen, ungeschwärzt und frei im Netz zugänglich. Und die erste Erkenntnis ist: Um ambitionierte Terroristen mit eigenem Labor müssen wir uns nicht annähernd so viele Sorgen machen wie zuerst angedeutet - um das was die Vogelgrippe in freier Wildbahn kann dagegen um so mehr.  » weiter

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Das Leben entstand nicht aus Aminosäuren

23. April 2012, 15:33

Beobachtungen an interstellaren Staubwolken zeigen, dass der Staub, aus dem die Erde einst entstand, neben Mineralen gigantische Mengen organischer Moleküle enthielt. Doch nach seiner Entstehung war unser Planet aufgeschmolzen und von einem Magmaozean bedeckt, der alle im primordialen Baumaterial enthaltenen komplexen Kohlenstoffverbindungen vernichtete. Als die Erde endgültig abkühlte, war sie nicht nur steril, sondern auch völlig anorganisch.

Dass es dabei nicht blieb, erkennen wir unter anderem daran, dass wir heute hier sind. NASA-Forscher haben jetzt mal wieder demonstriert, wo der Nachschub herkam: Organische Moleküle in Meteoriten überstehen tatsächlich die Bedingungen eines Meteoriteneinschlags. Da davon reichlich auf die junge Erde fielen, brachten sie auch genug Material mit, dass das Leben starten konnte.  » weiter

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Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis

21. April 2012, 11:50

Seit ein paar Jahren beobachten Wissenschaftler mit einiger Sorge hohe Methankonzentrationen in der Luft und im arktischen Ozean über dem Sibirischen Kontinentalschelf. Das Gas stammt aus fossilen Permafrostböden aus der letzten Eiszeit, die vom Meer überflutet wurden und nun dank des Klimawandels langsam auftauen. Einige Forscher befürchten allerdings, dass neben dem langsamen Entgasen der Tauzone ein gigantischer Methanausbruch mit potentiell katastrophalen Folgen droht.

Demnach lagern unter der obersten Permafrostschicht enorme Mengen Methan und Methanhydrat unter Überdruck, die ausperlen wie Kohlensäure aus einem Softdrink, sobald der schützende Deckel verschwunden ist. Natalia Shakova von der Universität of Alaska in Fairbanks erklärt das in diesem Video zu einem Paper von 2010 (ab Minute 1:40).

2008 hat Shakova auf einer Konferenz der European Geophysical Union eine mögliche Menge von 50 Gigatonnen Methan in den Raum geworfen, die auf einen Schlag freiwerden könnten. Das würde die Methankonzentration in der Atmosphäre mehr als verzehnfachen, und da Methan ein weitaus potenteres Treibhausgas ist als Kohlendioxid, hätten wir dann sehr schnell ein sehr großes Problem.  » weiter

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Hyperintelligente Weltraum-Dinosaurier!

13. April 2012, 12:09

Ich hatte ja schon öfter den Verdacht geäußert, dass die Kollegen bei der American Chemical Society gelegentlich mehr Lösungsmittel einatmen als gut für sie ist, aber jetzt haben sie sich noch mal selbst übertroffen. Mit Dinosauriern im Weltall. Der erste Satz der Pressemitteilung sagt eigentlich schon alles:

New scientific research raises the possibility that advanced versions of T. rex and other dinosaurs — monstrous creatures with the intelligence and cunning of humans — may be the life forms that evolved on other planets in the universe.

Grundlage dieser Behauptung ist eine neue Publikation des Chemikers Ronald Breslow, in der es um rechts- und linkshändige - nein, nicht Dinosaurier - Aminosäuren geht. Der Hintergrund ist durchaus spannend, denn es geht um den Ursprung des Lebens auf der Erde: Meine Leser werden wissen, dass Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, in zwei spiegelbildlichen Formen vorkommen und dass irdische Organismen nur eine dieser Varianten verwenden, nämlich die L-Aminosäuren. L steht für laevus, das heißt links. Das Gegenteil ist D für dexter. [1] Dass alle Organismen dieses Planeten nur diese eine Variante verwenden, fasziniert Chemiker und Biologen schon seit geraumer Zeit, denn es gibt keinen ersichtlichen Grund warum das so sein sollte. D- und L-Aminosäuren sind chemisch absolut identisch.  » weiter

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Um Mithilfe wird gebeten: Das Fischblog-Buch

10. April 2012, 22:48

Ich habe, angeregt durch ein sehr schönes Seminar von Ulrike Langer, das Buch von Florian und diesen kurzen Blogpost, jetzt beschlossen, mit meinem Buchprojekt ernst zu machen. Nicht das große, das kommt irgendwann wenn ich mir mal ein Jahr frei nehme, sondern das kleine: Eine Zusammenstellung thematisch zusammenhängender Beiträge aus diesem Blog. Dazu brauche ich natürlich vor allem die Mithilfe meiner Leser.

Die erste Frage die ich in die Runde stellen möchte ist natürlich: Liest das auch irgendwer? Und: Was müsste das Buch bieten, dass ihr es lesen wollen würdet? Reicht es, die Blogbeiträge zu überarbeiten und zu aktualisieren oder muss da Bonusmaterial rein? » weiter

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Antibiotika-Alternativen Teil II - Zellwandhydrolasen

05. April 2012, 10:15

In diesem Teil meiner Serie über das Ende des Antibiotika-Zeitalters geht es um eine weit verbreitete Klasse von antibakteriellen Enzymen. Die Zellwandhydrolasen sind so spezifisch, vielseitig und wirksam, dass wir die klassischen Antibiotika möglicherweise schon bald nicht mehr vermissen werden - wenn es gelingt, das Potential dieser Stoffe auszuschöpfen.

(Hier geht's zum ersten Teil der Serie: Bakteriophagen-Therapie)

Bei all dem Theater um Infektionen und Killerkeime kann man leicht mal vergessen, dass vielzellige Organismen ein ganzes Arsenal eigener Waffen haben, mit denen sie die allermeisten Bakterienattacken schon im Ansatz abwehren. Dazu gehört neben den klassischen Komponenten der Immunabwehr in Blut und Gewebe eine Reihe Bakterien tötender Biomoleküle, die oft die erste Verteidigungslinie bilden - zum Beispiel das zuerst aus Eiklar isolierte Lysozym. Dieses Protein gehört zu einer weit verbreiteten und vielfältigen Klasse antimikrobieller Wirkstoffe, die inzwischen als möglicher Antibiotika-Ersatz gehandelt wird: Zellwandhydrolasen. » weiter

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Wissenschaftsblog-Auslese 2011 - die besten Blogposts des Jahres

19. März 2012, 13:56

Nun ist es endlich so weit: Die Wissenschaftsblog-Auslese 2011 ist gewählt. Unsere Jury aus Wissenschaftlern Journalisten und Bloggern hat aus den Nominierungen von Lesern und Juroren die 12 besten und informativsten Blogartikel des Jahres 2011 ausgesiebt, zur Erbauung unserer Leser und zum höheren Ruhme der wissenschaftlichen Blogosphäre.

Auslese-Banner 2011

Die Artikel der Auslese stammen aus einem Fundus von 30 Artikeln, die wir wiederum aus den Nominierungen unserer Blogscouts und der Leser ausgewählt haben, von unseren Juroren gelesen und bewertet zu werden. Unsere Juroren lesen die Beiträge anonymisiert als PDF-Dokument und vergeben für jeden Artikel zwischen null und drei Wertungspunkte. Die einzelnen Bewertungen addieren wir dann zur Gesamtpunktzahl. » weiter

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Deidesheim 2012 - same procedure as every year

14. März 2012, 21:00

Die Traditionsverbundenheit von Wissenschaftsbloggern wird ja gerne unterschätzt. Deswegen orientiert sich auch das diesjährige SciLogger-Treffen in Deidesheim an den überkommenen Ritualen - zu allererst natürlich die Verleihung des SciLogs-Preises.

deidesheim 2012Die findet wie gehabt nach Weinprobe und Abendessen statt, so dass sich die Verlierer nicht mehr wehren können. Wir haben drei hochkarätige Laudatoren eingeladen, die zwischen den Gängen ihre Favoriten vorstellen dürfen, bevor alle Anwesenden im Raum abstimmen. Auf Papier natürlich, wir sind ja konservativ (ein Scherbengericht auf den Bruchstücken des Geschirrs hat uns die Bewirtung leider untersagt). » weiter

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Antibiotika-Alternativen, Teil I: Phagentherapie

26. Februar 2012, 19:00

Seit Jahrzehnten nutzen Mediziner Viren, um Bakterien zu bekämpfen. Mit dem Aufkommen der Antibiotikareststenzen nimmt das Interesse an der einst vernachlässigten Phagentherapie seit einigen Jahren rasant zu. Sind Bakteriophagen schon bald das Mittel der Wahl gegen bakterielle Infektionen?


Wir erleben das Ende einer Ära. Sie begann mit Alexander Fleming und seinem Penicillin, und auf ihrem Höhepunkt sah es so aus, als seien Infektionskrankheiten nun auf immer Vergangenheit. Dank einer verhängnisvollen Kombination aus Kurzsichtigkeit und mikrobieller Evolution allerdings sind die Bakterien mit voller Kraft zurückgekommen.

Schlimmer noch, wenn wir heute versuchen, die verpasste Zeit aufzuholen, sind wir in einer wesentlich schlechteren Position als zu Beginn des Antibiotika-Zeitalters. Viele Resistenzmechanismen nämlich wirken gegen unterschiedliche Antibiotika oder sind leicht abzuwandeln falls eine neue Substanzklasse auftauchen sollte. Die Schonfrist, in der Mikroben noch keine Resistenzen gegen ein neues Antibiotikum ausbilden, wird immer kürzer.

Zum Glück gibt es eine Reihe von aussichtsreichen Alternativen. Die älteste von ihnen sind die Bakteriophagen, spezielle Viren, die ausschließlich Bakterien befallen und töten. Dass man diese Organismen erfolgreich gegen bakterielle Infektionen einsetzen kann, wissen Forscher und Mediziner seit Jahrzehnten.  » weiter

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Mal was politisches: Altersgrenze des Bundespräsidenten

19. Februar 2012, 11:57

Ich mische mich mal wieder in die Politik ein, aus gegebenem Anlass. Mit dem Online-Petitionssystem des Bundestags habe ich bisher ja sehr gute Erfahrungen gemacht, darum werde ich diesen Kanal auch diesmal wieder nutzen. Wie beim letzten Mal stelle ich meinen Petitionstext erst einmal hier zur Diskussion und sammle Verbesserungsvorschläge von meinen Lesern ein, bevor ich die Eingabe in das System einspeise.

Es sei vorweg darauf hingewiesen, dass mein Vorschlag für die aktuelle Präsidentenfrage nicht relevant ist. Schon die Zeichnungsfrist wird bis nach dem jetzigen Wahltermin andauern, und das gesamte Petitionsverfahren dauerte bei meiner letzten Petition länger als ein Jahr.

Update: Da die positive Resonanz auf den Entwurf eher lauwarm ist und wir nun wirklich andere Probleme haben, werde ich die Petition bis auf weiteres nicht einreichen. Der unten stehende Text ist damit zur allgemeinen Verwendung ohne Einschränkungen freigegeben, falls jemand anderes das Thema aufnehmen möchte. Bedient euch. Namensnennung, falls möglich, wäre nett.

Hier ist mein Entwurf, ich bitte um Meinungen:

 

Der Bundestag möge beschließen, dass in Artikel 54, Absatz 1, Satz 2 des Grundgesetzes die Formulierung "und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat" ersatzlos gestrichen wird.

Begründung:

Der Bundespräsident ist Staatsoberhaupt die Bundesrepublik Deutschland und repräsentiert seine Bürgerinnen und Bürger nach außen. Prinzipiell sollten deswegen alle Bürgerinnen und Bürger auch in dieses Amt gewählt werden können. Die vom Grundgesetz vorgegebene Altersgrenze schließt dagegen eine große Gruppe von Deutschen vom passiven Wahlrecht für das Bundespräsidentenamt aus, ohne dass dafür eine erkennbare Begründung vorliegt. Das widerspricht dem Gedanken der Gleichbehandlung, der in vielen Bundesgesetzen und Vorschriften verankert ist.

Mit der Bundesversammlung existiert ein eigens eingesetztes Verfassungsorgan, dessen Aufgabe es ist, den geeignetsten Kandidaten zum Bundespräsidenten zu wählen. Ist ein Kandidat oder eine Kandidatin aus einem speziellen Grund für das Amt nicht geeignet, ist die Bundesversammlung ausreichend qualifiziert, darüber zu entscheiden, ohne dass für diesen speziellen Grund eine Vorschrift im Grundgesetz notwendig ist.

 

In den letzten Tagen habe ich den Eindruck gewonnen, dass ziemlich viele Leute das ähnlich sehen und die Altersgrenze gerne gestrichen hätten, völlig unabhängig davon, wen sie gerne als Präsident oder Präsidentin sehen würden. Außerdem scheint es ja nicht gerade einen Überfluss an geeigneten Personen zu geben, da ist es vielleicht an der Zeit, den Kreis der potentiellen Kandidaten etwas zu erweitern.



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