Was wohl aus dem größten Diamanten der Galaxie geworden ist?
Es ist beinahe vier Jahre her: Am 18.02.04 las ich in meinem lokalen Blättchen, dass der größte Diamant der Galaxie mit einem Durchmesser von 4000 Kilometern entdeckt worden sei und dass – da blieb mir das Frühstücksbrötchen im Hals stecken – dieser Diamant 10 Milliarden Billionen Billionen (10 Quintilliarden) Karat habe und lediglich 50 Lichtjahre von uns entfernt sei. Hätte nicht dpa als Quelle für die Meldung gedient, wäre ich kommentarlos zum Sportteil übergegangen. So aber ...
Also bin ich der Sache damals nachgegangen, Meldung für Meldung und Quelle für Quelle. Sie können meinen Weg heute noch nachvollziehen, wenn Sie wollen, denn das Internet vergisst nicht, hier z. B. die Version der Süddeutschen Zeitung : „’Um die Qualität dieses Diamanten zu prüfen, bräuchte man eine Juweliers-Lupe von der Größe der Sonne!, erklärt Astronom Travis Metcalfe vom Harvard-Smithsonian Zentrums für Astrophysik in Cambridge, Massachusetts, der mit seinem Team den Edelstein-Riesen entdeckt hat.“
Hahaha! Der so zitierte Travis Metcalfe ist also Astronom in einem renommierten Institut. Mal sehen, was deren Pressestelle dazu sagt! Die Press Release 407 vom 13.02.04, für die David Aguilar verantwortlich zeichnet, allerdings bestätigt nicht nur die Meldung, sondern packt noch drauf: "It's the mother of all diamonds!" says Metcalfe.
Dass in den Massenmedien naturwissenschaftlich ungebildete Redaktionen so etwas entweder nicht bemerken oder wider besseres Wissen aus Sensationsgier schlicht erfinden mögen, war mir immer klar. Dennoch hatte ich eine Art Urvertrauen in die Sprachrohre und die Selbstkontrolle der Wissenschaft.
Also schaute ich noch genauer hin. Im Weekly Newsletter der Smithonian Institution vom 19.03.04 fand ich zwar dieselbe unsinnige Überschrift: „Giant Diamonds in the Sky“, doch dann endlich im laufenden Text: “The core is not exactly the same as a diamond. The pressures in the star are millions of times higher than anything that can be reproduced on Earth, and so the crystal structure is probably quite different from diamond. Also, the crystal in the white dwarf is held together by nuclear forces rather than chemical bonds.”
Gott sei Dank! Smithonian glaubt also doch nicht, dass in Weissen Zwergen (und um einen solchen handelt es sich bei fraglichem Himmelsobjekt) Kohlenstoff zu Diamanten gepresst wird. Aber was sagt nun der Wissenschaftler Metcalf wirklich? In seiner Originalveröffentlichung kommt das Wort „diamond“ kein einziges Mal vor, dafür Varianten von „crystall“ zuhauf, und, damit die Meldung ja den richtigen medialen Weg nimmt, lässt er sich zitieren mit: "Our Sun will become a diamond that truly is forever." Na, hoffentlich liest das niemand in der Wirtschaftsredaktion.
Wie gesagt, das alles ist vier Jahre her. Und heute? Metcalf hat vermutlich Karriere gemacht. Sein Diamant geistert immer noch tausendfach durchs All des Internet (da kann man auch schöne Bilder sehen). Allerdings scheint es frei zu sein von jeglicher Richtigstellung in dieser Sache.
Verwiesen früher Sterne noch auf Göttliches, so scheint heute nur noch der Mammon am Himmel hell und klar.
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Der kosmische Superdiamant ist ein kristallisierter so genannter Weißer Zwerg, wie das Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik in Cambridge (US-Staat Massachusetts) berichtet...
Es verkauft sich halt einfach besser, wenn man behauptet, es wurde ein Riesendiamant gefunden, als wenn man sagt, es wäre irgendein "Kristall". Weil Kristallglas hat ja jeder zu Hause. Einen Diamanten aber nicht.
Und mal im Ernst, wie viele Leute machen sich tatsächlich die Mühe, das nachzuprüfen?
Lieber Raffael,
es kommt noch schlimmer: Weiße Zwerge sind nicht einmal „irgendwelche Kristalle“. Den Zustand ihrer Materie nennt man entartet, weil aufgrund des hohen Drucks keiner der auf der Erde vorhandenen Zustände mehr eingenommen wird. Sämtliche aus unserer Lebenswirklichkeit gewonnenen physikalischen und chemischen Vorstellungen versagen. Es ist also in jeder Hinsicht unsinnig, einen weißen Zwerg mit irgend etwas hier zu vergleichen.
ich wusste garnicht dass sowas gibt. krass-.
Na, wenn es eher in Richtung Kristall geht, hat vielleicht die Glasschleiferei aus Tirol (reimt sich auf "Potowski") für das Ding Verwendung.
Währe doch mal interessant theoretisch zu wissen, od sich das gute Stück mit dem Schlag (Atombombe) an der richtigen Stelle, in zwei hälften teilen lassen würde. Ein Rohdiamant bei uns ist ja auch spaltbar!
Bei den weißen zwergen handelt es sich um sogenannte entartete Materie. Diamanten ... pfft.
Edit: Ziemlich Quatsch eine weißen Zwerg mit irgendetwas uns bekannten zu vergleichen.
Ich glaube auch das es sich hier nur um einen Kristall und nicht um einen Diamanten handelt.
Vieleicht ist es auch ein neuer Edelstein wie es ihn auf auf Erden nicht zu kaufen gibt
um was es sich hier wirklich handelt kann bis heute noch niemand wirklich nachweisen mit den Mitteln der Technik, die uns heute zu verfügung stehen.
Bleibt aber interessant.
Liebe Sysse, lieber Dirk, Andre und Mark,
leider gibt es hier keinen Raum für Spekulationen, um was es sich bei diesem Weltraumobjekt handeln könnte. Wir wissen es ziemlich genau: Der Stern BPM 37093 ist in der Sprache der Astrophysiker ein Weißer Zwerg und seine Materie ist im Zustand eines Plasmas. Plasmatisch ist neben fest, flüssig, und gasförmig der vierte mögliche Aggregatzustand von Materie. Kristalle und Diamanten sind fest und folglich nicht in diesem Zustand. Leider gibt es hier keine Aussicht auf Träume, wie sie uns die virtuellen Welten der Fiktion vorgaukeln. Mein Artikel wollte zeigen, dass heute selbst bedeutende Medien die Unterschiede zwischen real und fiktiv nicht mehr erkennen und dass potente Wissenschaftler die Verwirrung in der öffentlichen Meinung zumindest fahrlässig, wenn nicht bewusst, fördern. Wenn Sie den Originalartikel der zitierten Wissenschaftler lesen wollen: http://www.iop.org/...7/605/2/L133/18169.text.html