SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Bierologie spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Jahresabschluss

Bastian Greshake | 24. Dezember 2011, 13:25

Die letzten Geschenke sind gekauft und noch nicht verpackt, Philipp ist mittlerweile heile in Deutschland gelandet und damit könnten wir uns eigentlich auch in die Ferien verabschieden. Aber ein paar Sachen wollen wir euch noch mitteilen: Zum einen haben wir mit unserem Open Science-Projekt, bei dem wir ein paar mehr Probanden, die Lust haben ihre genetischen Daten der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, bei dem WissensWert-Wettbewerb von Wikimedia Deutschland erfolgreich teilgenommen. Den Publikumspreis haben wir leider knapp verpasst. Das heisst aber trotzdem das wir jetzt bis zu 5000 Euro in das Projekt stecken können. Dazu wird es im neuen Jahr noch mehr Details von uns geben. Und natürlich auch an dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle, die uns so tatkräftig unterstützt haben. Und unsere Glückwünsche an alle anderen Gewinner.

Wer Philipp und mich mal live erleben möchte, der hat zwischen dem 27. und 31. Dezember in Berlin die Möglichkeit dazu. Für die Dauer des 28. Chaos Communication Congress werden wir dort sein und auch gleich an zwei Stellen über openSNP, Genotypisierungen, die Post-Genomics-ära und die Folgen für die Privatsphäre reden. Zum einen werden wir am 28.12. um 23:00 auf dem 28c3 über openSNP und die Möglichkeit von crowdsourced Genome-Wide Association Studies reden. Die normalen Konferenz-Tickets sind bereits ausverkauft, es wird aber wieder Tagestickets geben soweit ich weiss. Einen Tag später, am 29.12. um 14:15 Uhr sind wir dann bei der 0. Spackeriade, die von der datenschutzkritischen Spackeria durchgeführt wird. Dort werden wir darüber reden was die Post-Genomics-ära (das $ 1000 Genom kommt ja mit großen Schritten) für die Privatsphäre bedeutet. Der Eintritt ist dort frei, da man wohl nicht wirklich weiss wie viele Leute zu erwarten sind gilt aber im Zweifel: First come, first serve.

Und damit wünschen wir euch jetzt ein paar schöne freie Tage, vielleicht sieht man sich ja in Berlin.



Geschrieben in Allgemein , Biologie | 0 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Die Scilogs bei Facebook

Bastian Greshake | 22. März 2011, 00:58

Nachdem in Deidesheim nicht nur von Eisbären, Sex und Klimawandel sondern auch von den Vorzügen von Facebook-Fan-Seiten gesprochen wurde, haben sich viele, besonders fleissige Blogger auch direkt am Montag danach hingesetzt und entsprechende Seiten aufgesetzt. Ich selbst bin mit Facebook immer noch nicht so richtig warm geworden. Die Seite erschlägt mich bei jedem Besuch aufs neue. Und bis ich dann mal herausgefunden habe, wo ich klicken muss, vergeht so einige Zeit. Dementsprechend hab ich heute auch irgendwie den halben Tag damit verbracht, bis die Seite so konfiguriert war, dass sie benutzbar war. Aber nun ist es so weit: Wer die Bierologie leiden kann, der kann sie jetzt bei Facebook “liken”, wie man so schön sagt.

Freundlicherweise war Sebastian, vom Blog Enkapsis, so freundlich und hat auf unserer Facebook-Seite sämtliche anderen Scilogger, die er gefunden hat, verlinkt. Um es für euch etwas bequemer zu machen hier eine Auflistung:


Die Liste ist bestimmt nicht vollständig, falls euer Blog also noch nicht erwähnt ist (oder ihr allgemein über den Nutzen von Facebook diskutieren wollt): Tobt euch aus, vielleicht kann mir ja auch noch jemand den Reiz der Plattform für den privaten Nutzen erklären.


Geschrieben in Allgemein | 14 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Mehr Buchempfehlungen

Philipp Bayer | 11. März 2011, 14:33

Wieder ein paar Bücher durch - Zeit also, die Dinger zu besprechen!

Charles Darwin - Autobiographie

Ein wenig verspätet zum Darwin-Jahr, aber trotzdem: wer sich in das Werk Darwins einlesen möchte, ist mit der Autobiographie zum Start gut beraten. Kurz und prägnant kann man sich an den doch etwas ältlicheren Stil gewöhnen. Mir persönlich stellenweise zu kurz und knapp, trotzdem interessant. Und kostenlos sowieso. Zumindest auf Englisch.

Tim Wu - The Master Switch

Die Geschichte jeder Informationstechnologie - Radio, TV, Telefon etc. Zu trocken geschrieben für mich, jedoch durchgequält. Sein Hauptpunkt: Wie alle alten Technologien wird auch das Internet enden, nämlich als hochreguliertes, von wenigen Unternehmen gesteuertes praktisch totes System. Auch Radio fing mal so an: Niemand schrieb fest, auf welchen Sequenzen gesendet wurde, niemand überwachte, was über den Äther kam. Heutzutage muss man sich beim Staat einen nicht ganz billigen Platz kaufen.
Ich glaube, seine Zukunftsaussicht ist zu pessimistisch - ist das Internet doch heute ein wesentlich größerer Bestandteil eines jeden Alltags. Trotzdem klingt da die Netzneutralitätsdebatte an - zeigt sie doch den Anfang der gleichen Entwicklung des Radios/TVs.

Mario Puzo - Der Pate

Wesentlich besser als der Film (was ich nicht erwartet hätte), wird in "Der Pate" die Geschichte eines US-Mafiaclans erzählt. Im Gegensatz zum Film (und der ganzen darausresultierenden Schrott-"Gangster"-Kultur) sind im Buch alle Protagonisten menschlich, sie sind aufgrund der Umstände zu ihren Aktionen gezwungen. Don Corleone ist keine Gesichtsbulldogge sondern eher ein halbierter Charakter: eine Seite erteilt Tötungsbefehle "strictly business", die andere Seite ist zutiefst am Wohl der Mitmenschen interessiert. Für Manager wesentlich eher zu empfehlen als der üblich hoch-gehypte Kram (Machiavellis Der Prinz, oder Sun Tzus Die Kunst Des Krieges z.B.).

Surely you're joking, Mr. Feynman

Eine autobiografische Sammlung von Anekdoten und Essays des Physik-Nobelpreisträgers Richard Feynman. Ich finde, ein großartiges Plädoyer über die Notwendigkeit der Neugier, kommt doch an jeder Ecke die Liebe am Neuen (und damit an der Wissenschaft) zum Vorschein. Ich finde seine Teilnahme am Manhattan-Projekt immer noch, grob gesagt, unter aller Sau, aber ich war damals nicht am Leben und kann deshalb nicht beurteilen, unter welchen Umständen sich die Mitarbeiter des Projektes dafür entschieden hatten. Trotzdem schön zu lesen, wie Feynman und seine Ehefrau ständig die Zensurstelle der Armee zur Weißglut brachten, oder wie "respektlos" Feynman mit Autoritäten umging. Trotzdem mochten ihn die "Autoritäten", wie z.B. Niels Bohr, da er stets seine Meinung vortrug, ohne Angst oder Realisierung der möglichen Konsequenzen. In diesem Punkt: vorbildlich!

Hunter S. Thompson - Hell's Angels

Der Durchbruch für Thompson: Die Zusammenfassung seiner Zeit als offener Reporter bei den Hell's Angels, der berühmten Motorradgang/-gruppe/-familie/-kriminellen Vereinigung. Für mich besser als Fear and Loathing in Las Vegas, schwingt hier doch mehr Wahrheit mit - und Verständnis für die Verlierer der Gesellschaft. Auch schön die Anekdote, in der Thompson nachts rackenbreit neben einem vollbärtigen Ginsberg steht und zuhört, wie interessiert ein Polizist Ginsberg über die erforderliche Zeit für einen Vollbart ausfragt. Oder: Thompson's Nachbarn beschweren sich über den nächtlichen Lärm scheinbar aufgrund der ständigen Angels, dabei war es immer Thompson selbst, der u.a. mit Schrotflinte seine Hintertür aus den Angeln schoss.

Uwe Tellkamp - Der Turm

Mein liebstes deutschsprachiges Buch der letzten, keine Ahnung, 10, 15 Jahre? Ein großartiges, vielschichtiges, verliebenswertes Buch, zufälligerweise gleichzeitig mit Die Vermessung der Welt gelesen und Der Turm für signifikant besser empfunden. Grob gesagt, die Geschichte der Jugend des Autors (die Passagen geschrieben von Meno konnte ich getrost überspringen) in der DDR, die wenigen Jahre vorm Mauerfall. Falls mich jemand fragt wie's in der DDR aussah, kann ich dem/derjenigen Der Turm in die Hand packen.



Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Die Fauna in meinem Wohnzimmer

Philipp Bayer | 26. Januar 2011, 01:26

Wer in Australien lebt hat dank des Klimas auch gern ungebetene Besucher in der Küche - meistens Kakerlaken, so wie bei mir im Moment. Erstaunlich resistent gegenüber allem (auf Teppichboden praktisch unzerstörbar!), tauchen die Viecher gern überall unverhofft auf; netterweise auch in meinem Bett. Ich muss sie nur noch dazu bringen, Kaffee mitzubringen. Anscheinend haben sich auch einige Exemplare darauf spezialisiert, sich für maximale Effizienz auf TV-hypnotisierte Homo sapiens fallen zu lassen.

Die niedrigste Stufe einer Nahrungskette in der Küche bedeutet, dass schnell die nächsthöheren Stufen auftauchen. In unserem Fall: Geckos und Spinnen. Seit ca. zwei Wochen lebt Donatello, der Hausgecko, mit in der Küche, verbreitet ab 22:00 Uhr sein art-typisches (Zungen?)schnalzen und begibt sich auf die Jagd, mit teils beeindruckenden Resultaten.

hausgecko! Quelle: Von mir, aufgenommen in der Küche - man ignoriere bitte die Spinnenweben. Da über dem Schrank macht doch eh nie einer sauber.

Die Spinnen sind aber auch nicht zu verachten - vor allem Huntsmen, ungefähr faustgroße, haarige Exemplare "verirren" sich gerne ins Haus. Huntsmen haben kein Netz sondern laufen, ganz getreu ihrem Namen, auf der Suche nach Beute fröhlich in der Gegend rum. Hier ein Foto von Wikipedia:

OH HAI I BROUGHT YOU A COOKIE Quelle: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/commons/wiki/File:Huntsman_spider_with_meal.jpg

Unser erstes Treffen sah ungefähr so aus:
Der Ort: mein Wohnzimmer, die Zeit: 8:00 Uhr morgens.

Wie jeder gute Informatiker, erstmal Kaffee machen. Keine Brille auf, keine Kontaktlinsen drin (soll bei -2 auf beiden Glotzern wohl was heißen!), wird durchs Wohnzimmer zur Küche geschlendert. An der Wand: Ein undefinierbarer schwarzer Fleck. Egal.

Kaffee ist fertig, zurückschlendern ins Wohnzimmer, man will ja wissen, wer einem so aus verschiedenen Zeitzonen E-Mails hat zukommen lassen - ist das ne Gummispinne an der Wand? (Tatsächlich erster Gedanke - sowas wie ein Einstiegsscherz für den neuen Mitbewohner)

Nein, keine Gummispinne, das Ding bewegt sich ja! OhFliegendesSpaghettimonster, sofort in die Küche evakuieren. Entscheidung: Das Ding muss raus, wird wohl nicht giftig sein (Vorteile eines Biologengehirns: Giftigkeit UND diese, nüchtern betrachtet als "asozial" zu bezeichnende Größe scheint mir evolutionär betrachtet zu "teuer" zu sein). Aber wie Mut antrinken? Bier ist alle, also muss mehr Kaffee rein!

Nach weiteren 4 - 5 Tassen also zurück ins Wohnzimmer, Spinne sitzt inzwischen an der nächsten Wand, auch gut. Aber wie entfernen? Das Teil passt in kein Glas! Also her mit dem Kochtopf. Nach 30 Minuten bescheuertem Rumgefrickel saß das Ding dann auch endlich im Topf, musste zwischenzeitlich ja unbedingt damit angeben, wie schnell es an der Wand langrennen kann. Also hurtig vom Balkon werfen und mit stolzgeschwellter Brust zurück ins Wohnzimmer wandeln - Mein Revier! Das Brusthaar spross auch schon wie bescheuert.

Später am Tag von meinen Mitbewohnern dann die typisch australische Gelassenheit gegenüber dem, was da so kreucht und fleucht:

  • "Duuuude I kicked the biggest spider ever out of the house!"
  • "Was it brown, hairy and kinda big?"
  • "Yeah!"
  • "Mate that was probably a huntsman, they come into the house all of the time, just ignore them, eventually they'll leave again."

Kein Stolz! Keine Auszeichnung! Kein Orden! Mit meinen Spinnen-Erfahrungen aus Deutschland ("Da is ne Spinne im Bad! Aaaaah") hatte ich mindestens eine Militärparade in meinen Ehren erwartet.

Wenigstens einer hält zu mir - der Hausgecko, der saß gestern gemütlich im Bad und hat mir wohlwollend beim Zähneputzen zugeguckt.



Geschrieben in Allgemein | 12 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Culturomics – Genug zu lesen

Bastian Greshake | 07. Januar 2011, 16:32

Wir sind hier zwar keine Sprachexperten und unsere Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung beweisen das ja immer wieder. Und man mag es kaum glauben: Trotzdem haben sowohl Philipp als auch ich ein gewisses Grundinteresse an Sprache und Kultur. Ende des letzten Jahres erregte ein ein Science-Paper relativ viel Aufmerksamkeit (also zumindest meine) was sich mit dem Wandel von Sprache beschäftigt. Die Autoren haben, mit Hilfe der Inhalte von Google und den von ihnen digitalisierten Büchern, einen Grundstock von 4 % aller jemals veröffentlichten Bücher erstellt und mal ein paar Analysen damit gemacht. Das sind gut 5 Millionen Bücher mit über 500 Milliarden Wörtern Inhalt. Dagegen sieht der Twitter-Datensatz, den ich für den Phylomemetic Tree nutze, mit seinen 10 Millionen Einträgen, recht blass aus. Der Datensatz ist, laut Aussage der Autoren, tausend Mal länger als ein menschliches Genom und man bräuchte alleine 80 Jahre (ohne Pause für Kleinigkeiten wie Essen und Schlafen) um alle Einträge aus dem Jahr 2000 zu lesen. Kein Wunder also, dass sie ihre wissenschaftliche Disziplin auch direkt mal Culturomics getauft haben.

Die Wörter in diesem Datensatz haben die Autoren dann nicht nur nach den Jahreszahlen sortiert sondern auch in n-grams (Wörterketten, unterbrochen durch ein Leerzeichen) der Größe 1 bis 5 eingeteilt. „Test” ist also ein 1-gram, „Vereinigte Staaten von Amerika” ein 4-gram. Und diese Daten haben sie dann mal ein bisschen genauer unter die Lupe genommen. Zum Beispiel: Wie viele Wörter gibt es in der englischen Sprache? Und wie hat sich die Anzahl innerhalb der letzten 100 Jahre verändert? Dazu haben sie sich alle 1-grams der aus den Jahren 1900, 1950 und 2000 angeschaut und durch einen kleinen Test-Datensatz abgeschätzt wie viel Prozent der 1-grams keine echten Wörter sind. Übrig blieben am Ende 544000 Wörter für das Jahr 1900 und ganze 1022000 Wörter für das Jahr 2000. In den letzten 100 Jahren hat sich der Wortschatz also fast verdoppelt.

Eine andere, spannende Anwendung, ist die Evolution der Grammatik. Ein Teil der Autoren war auch an einer früheren Sprach-Untersuchung beteiligt die sich die Methoden der Evolutionsbiologie zu Nutze gemacht haben. Dabei haben sie geschaut wie sich die irregulären Verben im Englischen über die Zeit verändern. Ein ähnliches Bild fand sich nun auch in dem aktuellen Text-Korpus den sie untersucht haben, wie man in der Grafik sehen kann.

Noch spannender: Anhand der Daten kann man erkennen welche Personen (oder auch Ereignisse) zu welcher Zeit, in welcher Sprache, zensiert wurden. Dazu vergleicht man das Vorkommen von Wörtern zu einer Zeit in der einen Sprache, mit dem Vorkommen des Worts zu anderen Zeiten. Kommt es plötzlich unterdurchschnittlich wenig in der betrachteten Sprache vor, dann kann man davon ausgehen, dass hier zensiert wurde. Genauso kann man bei rapiden Anstiegen ganz gut davon ausgehen, dass hier die Machthaber erwähnt wurden. So haben sie zum Beispiel die Verwendungshäufigkeit von Persönlichkeiten während der NS-Zeit mit Zeiträumen davor und danach verglichen. Gefunden wurden dabei tatsächlich Opfer der NS-Zensur, genauso wie auf anderen Seite Nazis und ihre Unterstützer. Die Autoren schlagen dabei vor, dass Historiker mit dieser Methode es einfacher haben Zensur-Opfer-Kandidaten zu finden.

Erfreulicherweise haben die Autoren die Rohdaten des Korpus nicht nur offengelegt und bieten sie bequem als csv-Dateien zum Download an, sondern sie haben auch einen kleinen Online-Auswerter gebastelt mit dem man sehr einfach selbst kleine Analysen durchführen kann. Wer also kluge Ideen hat, was man mit so einem Schatz an Daten anstellen kann darf sich austoben.

Graphen: Aus der Publikation

Michel, J., Shen, Y., Aiden, A., Veres, A., Gray, M., , ., Pickett, J., Hoiberg, D., Clancy, D., Norvig, P., Orwant, J., Pinker, S., Nowak, M., & Aiden, E. (2010). Quantitative Analysis of Culture Using Millions of Digitized Books Science DOI: 10.1126/science.1199644

Flattr this

Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Schon wieder ein Jahr rum?

Philipp Bayer | 18. Dezember 2010, 01:57

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, ich hüpf Sonntag in den Flieger und bin dann so schnell nicht mehr online.. Deswegen an dieser Stelle frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Wer noch auf die schnelle eine Geschenkidee braucht, hier ein paar Buchempfehlungen:

The Demon-Haunted World von Carl Sagan (anscheinend gibts keine aktuelle deutsche Ausgabe?) - Eine Sammlung von Essays über den Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudo-Wissenschaft. Auch geeignet als Einführung in angewandten Skeptizismus. Sehr hilfreich & aufschlussreich, vor allem für Nicht-Wissenschaftler!

Trick Or Treatment? oder Gesund Ohne Pillen ( Die Hintergründe hinter DER Übersetzung möcht ich gar nicht wissen... ) von Simon Singh und Edzard Ernst. Ein unvoreingenommenes Buch über alternative Heilmethoden, dass sich sehr rigoros die vorhandene Literatur zu einigen weit verbreiteten Methoden anschaut - von Homöopathie über Chiropraktik bis zu Naturheilmethoden. Eine ausführliche Besprechung gibts bei Diax's Rake. Als Geschenk für den Homöopathie-Fan im Bekanntenkreis sehr geeignet.

Shake Hands With The Devil - The Failure Of Humanity in Rwanda von Lt. Gen. Romeo Dallaire - anscheinend gibts keine deutsche Übersetzung? Eines der deprimierendsten Bücher, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe. Dallaire war "Force Commander" der UN-Truppe in Ruanda zwischen 1993 und 1994 und hat so direkt den Genozid 1994 miterlebt. Wer also wissen möchte, wie der Alltag in der Hölle aussieht, kann hier gerne zugreifen. Spontan fallen mir als Beschenkte nur Bekannte mit Hintergrund Politikwissenschaft/Entwicklungshilfe ein.
(Ein anderes gutes Buch zum Thema: Ein Sonntag am Pool in Kigali.)

The Man Who Was Thursday bzw. Der Mann, Der Donnerstag War von G. K. Chesterton. Eine metaphysische Satire (?) über einen Polizisten, der in einen anarchistischen Zirkel eingeschleust wird, in dem jedes Mitglied nach einem Wochentag benannt ist. Sind die Mitglieder Anarchisten oder selbst Polizisten? Wer ist der Chef der Anti-Anarchistengruppe? Später taucht Gott auf. Oder so.

Der Schachtelmann von Kobo Abe. Eine surreale/kafkaeske Erzählung über einen Mann, der seine Existenz aufgibt um in einer Schachtel zu wohnen. Für Fans von Kafka oder Murakami (jedoch wesentlich dunkler als Murakami). Die Frau in den Dünen und Die Känguruhhefte sind auch empfehlenswert.

Kurzgeschichten I und II von J. G. Ballard (gibts recht billig vom Heyne-Verlag). Für den Nerd-Bekannten - Science-Fiction-Erzählungen, gesammelt in zwei dicken Bänden. Sehr abwechslungsreich!

Wer Bekannte hat, die ständig mit irgendwelchen Weltrettungsplänen aufkreuzen und sich damit gern bestätigen lassen: Ishmael von Daniel Quinn, über einen telepathischen Gorilla, der einem namenslosen, stets zustimmenden Mann seine Philosophie auftischt: Menschen kann man in "Lasser" und "Nehmer" unterteilen, die "Nehmer" (westliche Zivilisationsmenschen) machen alles kaputt und sind sowieso schuld an allem und die "Lasser" (Ureinwohner etc.) waren und sind die tollsten Menschen die es je gab und je geben wird.
Wie man vielleicht merkt; Ich hab mich beim Lesen nur aufgeregt. Trotzdem geeignet als Geschenk für besagte Bekannte.

Für den Bekannten, dessen Zimmer immer so fremd süßlich riecht: die Illuminatus!-Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson, die alle möglichen Verschwörungstheorien in einen großen, abgefahrenen Topf geschmissen haben und so eine dreibändige Chaosgeschichte über riesige goldene Unterseeboote, Telepathie, Illuminaten, Fnords, Flachs-finanzierte Untergrundkämpfer und Sex fabriziert haben. Macht nicht immer Sinn, ist aber großer Spaß. Und man weiß auf einmal, wovon die Informatiker nebenan ständig faseln.

Zu guter Letzt mehr Wissenschaft: Bad Science oder Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen von Ben Goldacre. Vom Thema ähnlich wie The Demon Haunted World weiter oben, jedoch wesentlich aktueller und "frischer" geschrieben. Der Fokus von Goldacre liegt zwar auf Großbritannien (und seinen Medien), seine Methoden und Denkweisen kann man jedoch getrost auf Deutschland anwenden. Empfehlung als Geschenk für zukünftige Skeptiker!

Und noch 2 Buch-Tipps von Bastian:

Machine of Death: Eine Sammlung von Kurzgeschichten die alle vom gleichen Thema handeln, nämlich der Maschine des Todes. Diese Maschine nimmt eine Blutprobe und spuckt danach einen Zettel aus auf dem die Todesursache steht. Und sonst nichts, keine Erklärung, kein Zeitpunkt. Und dabei hat die Maschine ein verzückendes Händchen für Ironie. Wenn die Maschine sagt, dass man durch hohes Alter stirbt, dann kann zwar friedlich als Greis im Bett sterben. Aber genauso gut von einem Auto überfahren werden, welches von einem alten Fahrer gesteuert wird. Oder gleich einfach von einem Auto aus einem alten Baujahr. Zurück geht die Idee übrigens auf diesen Dinosaur-Comic. Und das Beste: Das Buch ist unter einer freien Creative Commons-Lizenz erschienen und kann als eBook kostenlos runtergeladen werden. Wer lieber gedruckt liest wird bei Amazon fündig.

Out of Control von Kevin Kelly: Was unterscheidet eigentlich Lebewesen und Maschinen voneinander? Was macht die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz? Und in wie weit ist es notwendig die ständige Kontrolle von Maschinen aufzugeben? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Buch. Von Kellys Schreibstil bin ich nicht wirklich überzeugt, aber die Themen sind spannend und bringen zumindest mich doch dazu weiterzulesen. Wer sich also fü The New Biology of Machines, Social Systems, & the Economic World interessiert, der sollte sich das Buch mal ansehen.

Geschrieben in Allgemein | 2 Kommentare | 2 Trackbacks | Permalink


Das Leben als Reviewer: Verzweiflung und Freude

Bastian Greshake | 15. Dezember 2010, 10:54

Irgendwann im letzten Jahr haben Philipp und ich ja mal eine Serie über Open Access gemacht und dabei auch darüber berichtet wie das Veröffentlichen in Journals normalerweise so funktioniert, inklusive einer Beschreibung des Peer-Review-Prozesses. Wer das noch einmal nachlesen will kann das gerne tun. Und der Job des Reviewers ist dabei nicht unbedingt beliebt. Denn man kriegt ja nicht nur ausgezeichnete Veröffentlichungen vor die Nase gesetzt, sondern eben auch viel Zeugs, dass eigentlich niemand lesen möchte. Während der Review werden dann natürlich die Meinungen über das Paper, und Verbesserungsvorschläge ausgetauscht. Und passend zum Jahresabschluss und zur Weihnachtszeit veröffentlicht das Journal Environmental Microbiology ein paar der schönsten Zitate der Reviewer. Man könnte z.B. fast glauben, dass sich dieses Zitat aus dem Jahr 2009 auf die letzte Pressekonferenz der NASA bezieht:
I am afraid this current version looks too much like another manuscript saying ‘gee whiz we looked in a strange place and found some new microbes’.

Journal Entry

Aber das Leben als Reviewer kann auch noch viel härter sein:
This manuscript gets the title ‘worst written manuscript of the year reviewed by DJ’

This paper is desperate. Please reject it completely and then block the author’s email ID so they can’t use the online system in future.

It is sad to see so much enthusiasm and effort go into analyzing a dataset that is just not big enough.

The biggest problem with this manuscript, which has nearly sucked the will to live out of me, is the terrible writing style.

I suppose that I should be happy that I don’t have to spend a lot of time reviewing this dreadful paper; however I am depressed that people are performing such bad science.

Das klingt also alles nicht so, als wäre es ein großer Spass. Aber zum Glück gibt es noch ein paar Ausnahmen:
I found the manuscript to be well performed in all aspects, from the experimental design to the writing of the manuscript. I wish all manuscripts I review were of this quality.

To my knowledge the most comprehensive IVET analysis ever done; huge workload, meticulously executed research, concisely presented.

It is always a joy to review manuscripts such as this. Well-conceived, well executed, well edited. Clean. Pristine. From start to finish.

Und natürlich sind auch Reviewer nur Menschen die schon mal etwas vergessen, oder einfach nicht die Zeit finden für:
I have accepted to see this one, but I still have 2 EM manuscripts whose reviews I have to complete (they will be done by tomorrow). Please be a bit benevolent with the deadline!

Always dear EMI takes care of its referees, providing them with entertainment for the holiday time in between Xmas and New Year. Plus the server shows, as usual, inhuman nature and continues to send reminding messages. Well, between playing tennis on the Wii, eating and drinking, I found time and some strength of mind to do this work.

Season’s Greetings! I apologise for my slow response but a roast goose prevented me from answering emails for a few days.

Leider sind die Veröffentlichungen aus den Jahren 2009 und 2010 nicht frei verfügbar. Aber bei boingboing und Twisted Bacteria gibt es auch noch ein paar Zitate.

Foto: Joel Montes, CC-BY-SA

Editors (2010). Referees' quotes - 2010 Environmental Microbiology, 12 (12), 3303-3304 DOI: 10.1111/j.1462-2920.2010.02394.x

Editors (2009). Referees' quotes - 2009 Environmental Microbiology, 11 (12), 3309-3310 DOI: 10.1111/j.1462-2920.2009.02120.x
Flattr this

Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Ein runder Geburtstag

Bastian Greshake | 07. Dezember 2010, 10:00

Wenn Philipp und ich uns nicht verzählt haben, dann ist dies der 100. Beitrag der Bierologie. Naja, nicht ganz, denn bevor wir zu den WissensLogs gekommen sind, hatten wir auch schon mal das Hundertste Posting gefeiert. Aber da wir im Rahmen des Umzugs nicht alle Postings migriert haben, können wir einfach noch einmal feiern. Aber es sind nicht nur 100 Postings, sondern mittlerweile sind wir auch über ein Jahr ein kleiner Baustein in der SciLogs-Community. Passend zur Jahreszeit also ein kleiner Jahresrückblick. Oder so etwas ähnliches. Und in der ganzen Zeit hat sich gar nicht so wenig getan:

Philipp hat nach seinem Bachelor-Abschluss in Münster das Master-Studium in der Informatik angefangen. Und ist dafür gleich mal nach Australien ausgewandert und lässt sich dort nun die Sonne auf den Pelz brennen. Und wenn er sich nicht gerade vom Sonnenstich erholt bloggt er auch immer noch fleissig. Zum Beispiel über das Bienensterben, Statistik oder einfach das Leben in Down Under. Und auch bei mir gibt es ein paar Veränderungen, über die ich - zu meiner Schande - noch gar nicht gebloggt habe. Nachdem ich in dem letzten Jahr auch endlich mal meinen Bachelor-Abschluss gemacht habe, wurde ja auch Zeit, bin ich zur Zeit in Frankfurt. Am Biodiversität und Klima-Forschungszentrum bin ich noch bis Ende Januar für ein Stipendium und schlage mich dort mal wieder mit Daten rum. Zur Abwechslung habe ich aber die Transkriptomik gegen die Genomik eingetauscht und versuche mit meinen spärlich ausgeprägten Kenntnissen in der Bioinformatik in den langen Buchstabenketten irgendeine Bedeutung zu finden. Sobald es da irgendetwas spannendes zu berichten gibt wird das auch sicherlich einen längeren Blogbeitrag wert sein. Zum Beispiel zu den Unterschieden zwischen Genomik & Transkriptomik. Aber auch das Bloggen ist nicht ganz eingeschlafen: Aus Lindau von dem Treffen der Nobelpreisträger, über die Datenmenge die in Sperma steckt oder Philantrophen.

Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr mit euch. Und, damit ihr so lange überlebt und wir euch weiterhin als Leser begrüßen können: Hier der Safety Song. Nicht, dass euch im Labor noch ein Unfall passiert.

 


 



Geschrieben in Allgemein | 3 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Studieren in Australien - ein Zwischenfazit

Philipp Bayer | 11. Oktober 2010, 07:49

Wie im letzten Artikel versprochen heute die Gründe warum ich in letzter Zeit so wenig zur Bierologie beitrage - ich bin vor ca. 2 Monaten (wow, schon so lange her?) nach Australien gezogen, um hier meinen Master in Informatik zu machen.

Zuerst einmal - eigentlich hab ich son neumodisches Ding namens Bachelor of Science in Biowissenschaften - und zumindest hier in Australien kann jeder mit irgendeinem Bachelor ein Graduate Certificate absolvieren, was ihn oder sie dann ermächtigt, den kompletten passenden Master of Science anzugehen. Also bin ich momentan noch am Graduate Certificate zugange, aber aufgrund der extrem kurzen Semester hier hab ich das Certificate zu Weihnachten in der Tasche. Nächstes Jahr fang ich dann mit dem eigentlichen Master an. Da ich meine Bachelor-Arbeit in einer Bioinformatik-Arbeitsgruppe geschrieben hatte will ich "später" zurück in die Bioinformatik gehen - und die angebotenen Master spezialisiert auf Bioinformatik boten mir zuwenig. Grob gesagt will ich lieber Algorithmen designen als zum hundertsten Mal lernen, wie man mit BLAST umgeht.

Studieren

Eingeschrieben bin ich an der Bond University an der (in der?) Gold Coast, südlich von Brisbane, also an der Ostküste Australiens. Die Bond Uni ist die einzige private Uni in Australien, was mehrere Folgen hat: Erstens wird kaum Forschung betrieben, die Uni ist stark auf Lehre ausgerichtet. Zweitens sind die Studiengebühren sehr hoch. Drittens konnten die Gründer die Semester frei einteilen, das Jahr hat hier drei Semester, die alle im Vergleich zu Deutschland sehr kurz sind. Auf jeden Fall kommt es mir so vor - ich bin in der 5. Woche, und in der 7. sind schon die midterm exam. Die Trimester-Struktur spiegelt von den Zeiten anscheinend das System der US-Universitäten, was zur Folge hat, dass unter den Auslandsstudenten (die ungefähr 60% der Gesamtstudierenden ausmachen) wiederum ungefähr die Hälfte aus den USA kommt. Deutsche liegen meiner Erfahrung nach bei 10 % der Auslandsstudenten, leider kann ich keine genaue Statistik auf den Seiten der Uni finden. Interessant finde ich das erklärte Ziel der Universität, niemals über 5000 eingeschriebene Studenten zu kommen. Aus mir unbekannten Gründen ist der momentane Träger der Uni die katholische Kirche, gegründet wurde sie 1987 von dem Geschäftsmann Alan Bond (der wegen Betrugs 1997 bis 2000 im Gefängnis saß, da er mehr als eine Milliarde Dollar (!!) veruntreut hatte - "das muss man erstmal schaffen" scheinen sich die Richter da gedacht haben, und ihm zur Belohnung das Strafmaß von 7 auf 3 Jahre veringert; inzwischen ist er wieder auf Platz 157 der 200 reichsten Menschen der Welt).

  • Aufwand:

    Hält sich noch in Grenzen, als einziger Biologe ohne wirklich nachweisbares Vorwissen in Form von absolvierten Kursen muss ich Einführungskurse im Sinne von "Introduction to Programming" nehmen, eigentlich kann ich ja programmieren. Aber auch nicht schlimm - lern ich halt Java. Auch wenns hässlich ist. Und überladen. Durch die geringe Größe der Uni sind alle Kurse sehr klein gehalten - in meinem größten Kurs sind 30 Studenten, mein Durchschnitt liegt aber eher bei 10 pro Kurs. Als geplagter Bachelor-Student war die freie Kurswahl angenehm - und in einem Fall reichte eine kurze Nerd-Debatte mit dem Professor, um in den Kurs zu kommen ohne die Voraussetzungen erfüllt zu haben. Insgesamt scheinen die Professoren eher locker zu sein, keiner möchte mit vollem Titel angesprochen werden, die meisten stellen sich mit Vornamen vor. Wie es sich für Informatik anscheinend geziemt ist der maximale Frauenanteil an Kursen auf 1 eingependelt. Von der Bewertung hab ich bis dato nicht viel gesehen - es gibt zwei Assignments, also Hausarbeiten die je nach Kurs unterschiedlich umfangreich ausfallen (für Networks & Applications hab ich drei Seiten gebraucht, bei einem anderen Kurs bin ich bei 10 Seiten angelangt). Dazu kommt noch ein midterm exam und ein final exam, über die ich noch nichts aussagen kann.

  • Campusleben:

    In der Einführungswoche für internationale Studenten gabs viel zu tun, viele der Programmpunkte waren mir dann aber doch zu blöd, wer zahlt denn 40 AUS$ um nen Hypnotiseur bei der Arbeit zuzusehen? Die Uni scheint sich aber zu bemühen. Clubs gibts auch mannigfaltig, von der African Students Association über den Beer Appreciation Club über die International Christian Group, bis zum Young Womens Network (ratet, in welchem Club ich bin!). Durch die geringe Größe der (Campus-)Uni scheint sich eine billig operierende Mensa nicht zu lohnen, stattdessen gibt es zwei Cafes (eine Mahlzeit ca. 10 AUS$) und eine Kneipe, in der regelmäßig Veranstaltungen anliegen. Das Hauptaugenmerk der Uni scheint auf Wirtschafts- und Jurastudenten zu liegen, in den 5 Einführungstagen hab ich gradmal 3 IT-Studenten getroffen. "Harte" Wissenschaften wie Physik oder Mathematik werden gar nicht erst angeboten, wie bei den meisten privaten Unis.

Leben

Wer will schon studieren wenn er leben kann?
  • Natur:

    In meinem Leben habe ich noch nicht sowas erlebt wie die australische Tier- und Pflanzenwelt. Anfangs war jeder Vogel und jeder Baum komplett neu für mich - Gruppen von Flughunden hab ich in der Dämmerung für große Vögel gehalten, bis mal einer direkt vor meinem Gesicht vorbeiflog. Durch den Umzug auf die Südhalbkugel werd ich dieses Jahr zwei Sommer haben, auch nicht schlecht. Spinnen gibt es viel, und kleine Exemplare hab ich noch nicht gesehen. Schlangen gibt es hier in meinem Bezirk kaum, die gefährlichen brown snakes z.B. gibt es entweder eine Stunde nördlich oder südlich. Schön auch die typisch australische Gelassenheit was die Gefahren der Tierwelt angeht. Zwei kurze Unterhaltungen dazu: Beim Schwimmen im Meer, ich: "Gibts hier eigentlich Haie?" - Antwort: "Überall, schwimm einfach nicht zu weit raus." 

    Andere Situation, auf dem Jetski von Bekannten in einem künstlichen Lagunensystem auf dem Weg zum Meer: "Fall hier ja nicht runter, hier leben viele Fische und deshalb gibts hier überall Haie." - "Wieso sagt ihr mir das nich vorher?" - "Du wärst ja nicht mitgekommen."

  • Politisches:

    Dadurch das die einzelnen Bundesstaaten wesentlich mehr Macht als die deutschen Bundesländer haben kommts zu verwirrenden Komplikationen - wenn ich zwanzig Minuten nach Süden fahre bin ich in New South Wales, wo es die Unterteilung in Sommer- und Winterzeit gibt. Hier in Queensland aber nicht, ich muss also meine Uhr um eine Stunde umstellen. Als letzte Woche die Uhren umgestellt wurden kamen prompt einige meiner Kommilitonen zu früh in der Uni an. Weitere unsortierte Beispiele: Nicht alle Bundesstaaten haben Antidiskriminierungsgesetze (es sei dahingestellt, wie nützlich solche Gesetze sind). South Australia hat als einziger Bundesstaat Dosen- und Pflaschenpfand. Die großen Staaten auf dem Kontinent unterstehen direkt der Queen, die territories wie z.B. Christmas Island nur indirekt. Die politischen Entwicklungen vor allem im Hinblick auf Aborigines und Ausländer zu beschreiben sprengt jedoch den Rahmen. Soll ja nur ein Zwischenbericht sein!

  • Kosten:

    Lebenserhaltungskosten sind in Australien im Vergleich zu Deutschland hoch. Der Australische Dollar ist momentan auf Rekordhöhe, aber auch so sind Lebensmittel teuer. Die Miethöhe ist meines Erachtens nach vergleichbar mit Deutschland. Alkohol generell ist teuer! Kiste Bier kostet umgerechnet ca. 30 bis 40 Euro. Dafür hat man dann auch das Privileg die leeren Flaschen direkt in den Mülleimer zu werfen. Bücher (Belletristik) sind auch teuer, die Reclam-ähnliche Penguin Popular-Reihe beginnt bei 10 AUS$, also ca. 7 bis 8 Euro pro Buch. Taschenbücher fangen bei 25 AUS$ an. Von Hardcovern kann ich mir anderswo eine Niere kaufen.

  • Medien:

    Man merkt schon wo Rupert Murdoch, Gründer und Besitzer von News Corporation (Fox News!), seine Wurzeln hat. Es gibt zwar zwei öffentlich-rechtliche Sender, der Großteil des Fernsehprogramms besteht jedoch aus privaten Sendern und kann getrost in der Tonne verschwinden. Wer Fox News kennt, weiß wie sich die privaten Medien hier aufführen. Ein paar Beispiele aus den Nachrichtensendungen: Als auf Channel 9 von einem Räuber berichtet wurde, der in Polizeigewahrsam 13-mal (!!!) von den Wachen mit Tasern beschossen wurde meinte die Moderatorin ganz lapidar: "Naja, aber der ist ja auch Krimineller und als solcher muss man schon mit sowas rechnen". Da ist mir das Gesicht vom Kopf gefallen.

    Im Vorfeld der gerade angelaufenen Commonwealth-Games (eine Art Olympische Spiele für alle Commonwealth-Mitgliedsstaaten) war auf allen privaten Sendern die übliche hanebüchene Terroristen-Angsthascherei in Dauerschleife zu sehen. Bis auf einen vereinzelten Vorfall ist aber noch nichts passiert, man hört so gut wie nichts mehr. Als absehbar war, das da nichts passieren wird, verlagerten sich die Sender auf das Schlechtmachen der Vorbereitungen in Indien - in den für die Athleten errichteten Dörfern leben doch tatsächlich wilde Katzen! Und Spinnen! Und die Sicherheit ist schlecht (ist sie aber nicht)! Aufgrund der Berichterstattung sind einige australische Athleten tatsächlich nicht zu den Spielen erschienen.

    Gut auch wenn die privaten Sender reißerische Stories um Gewalt bringen - da werden die Tonspuren von Handyaufnahmen einfach durch Hollywood-Soundeffekte ersetzt, und keiner scheints absurd zu finden. Wenn Menschen irgendwelcher Straftaten verdächtigt werden, sei es Vergewaltigung oder mit einem Spielzeuggewehr auf seinem Rasen rumzurennen um den Nachbarn Angst einzujagen, gibts die volle Namensnennung inklusive nicht verpixeltem Gesicht, vorzugsweise gefilmt vor dem Haus der Verdächtigen.

    Normale Auslandspolitik wird bei den privaten Nachrichten kaum angerissen. Die von den öffentlich-rechtlichen Sendern produzierten Dokumentationen und Nachrichten sind jedoch immer hochqualitativ, nur guckt da keiner hin. Von den Printmedien hab ich (noch!) keine Ahnung.

  • Internet:

    Überraschend für mich ist die grottenschlechte Internetverfügbarkeit in Australien, was wahrscheinlich am Flaschenhals der Überseeverbindung Australiens zum Rest der Welt liegt. Die meisten Provider bieten keine richtigen Flatrates an, sondern nur 10-100GB pro Monat, aufgetrennt in Peak (also zur normalen Tageszeit) und Off-Peak Limits. Wer da drüber rutscht zahlt extra oder dessen Internetverbindung wird herabgedrosselt. Auch die Internetverbindung in der Uni ist wesentlich schlechter als gedacht - im WLAN hab ich ein Maximum von 150 kb/s, was beim Ubuntu-Upgrade nicht sehr hilfreich ist. Mal schauen wie das Internet sich entwickelt, denn im Moment läft die Umsetzung des National Broadband Plans, in dessen Folge alle Haushalte Australiens an Hochgeschwindigkeitsinternet angeschlossen werden, die teuerste Aktion die die australische Regierung jemals gestartet hat. Gespannt bin ich auch wie sich die dümmliche Internetfilterung auswirken wird, wenn der Plan denn überhaupt noch durchgesetzt wird.

  • Nachtleben:

    Das Wichtigste zuletzt! Anscheinend können sich Australier unter Alkoholeinfluss absolut nicht benehmen, die Sicherheitsvorkehrungen in Clubs und Bars sind extrem hoch. Wer in die meisten Bars hineinwill muss seinen Pass einscannen lassen, dazu wird ein Profilfoto von den Türstehern aufgenommen! Ich wart ja noch drauf, das ich Blutprobe und Fingerabdrücke abgeben muss. Schlägereien scheinen der Statistik nach häfig zu sein, meiner persönlichen Erfahrung nach nehmen sich da Deutschland und Australien nix, zwei angedrohte Schlägereien in ca. 6 Abenden "draußen" deckt sich mit meiner Erfahrung aus Deutschland. Die Türsteher sind meines Erachtens auch wesentlich unentspannter als in Deutschland, vielleicht war das aber nur die Situation in Münster. Alkohol kostet schon so ne Menge, aber in den Kneipen wirds nochmal richtig teuer bei ca. 4-5 Euro pro Bier. Rauchverbot gibts überall, es gibt auch kaum Raucher hier. Auf den Trick mit Raucherclubs scheint noch keiner gekommen zu sein.

Zusammenfassend gesagt: Ich würds wieder machen! Mehr als interessante Erfahrungen, ich komm dazu den ganzen Tag Englisch zu reden (und zu denken), bis ich kapiert hab das die Autos von rechts kommen lebe ich in ständiger Gefahr und das Wetter ist auch nicht schlecht. Ich treffe Menschen aus aller Herren Länder (seien es Backpacker oder Studenten) und lerne über ihren Alltag, ihre Träume und Ziele (warum will jeder Computerspiele programmieren?).  Und wenn ich den Lebenslauf-hörigen Menschen Glauben schenke ist es sogar gut für die Karriere.

Geschrieben in Allgemein | 0 Kommentare | 3 Trackbacks | Permalink


Da sind wir wieder!

Bastian Greshake | 26. Oktober 2009, 15:58

Passend zum Semesterbeginn (zumindest zu meinem, ich durfte heute 2 1/2 Stunden lang schlafende Labormäuse beobachten und ein Ethogramm darüber erstellen) sind wir umgezogen. Denn Lars war so freundlich uns das Angebot zu machen doch zu den Wissenslogs umzuziehen.

Und das Angebot haben wir auch dankbar angenommen. In Zukunft soll es also an dieser Stelle Geschreibe über spannende, lustige und/oder abstruse Paper und natürlich aus unserem Uni-Alltag geben. Und auch die Reihen zu Bologna, Open Access und Wissenschaft in den Medien wollen wir gern fortführen.

Zur Zeit arbeiten wir noch daran die alten Einträge auf die Plattform hier zu portieren. Das sollte aber in den nächsten Tagen geschehen sein. Sonst natürlich an dieser Stelle nochmal danke an all unsere Stammleser die schon wieder mit umziehen müssen (und dementsprechend daran denken sollten ihre RSS-Feeds umzustellen).



Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


szmtag