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"WLAN beschädigt Spermien!" - Stimmt das?

Philipp Bayer | 30. November 2011, 03:40

ResearchBlogging.org

Ein Gespenst geht um im Internet - in Form einer Nachricht, die von den schädlichen Auswirkungen drahtloser Netzwerkverbindungen (WLANs) auf menschliche Spermien berichtet. Im Kern geht es darum, dass eine Team argentinischer Wissenschaftler die Auswirkungen von Laptops mit eingeschaltetem WLAN auf menschliche Spermien untersucht haben, und dabei anscheinend herausgefunden haben, dass mit eingeschaltetem WLAN die Spermien weniger beweglich waren, zusammen mit einer erhöhten Bruchzahl der DNA in den Spermien.

Diese Artikel (hier eine Übersicht englisch-sprachiger Artikel, und hier eine Übersicht deutsch-sprachiger Artikel, vor allem "Die Krone" hats nicht so wirklich kapiert - die Spermien wurden nicht abgetötet) beziehen sich allesamt auf eine Studie, die vor kurzem in "Fertility and Sterility" erschien, hier der Link, leider nicht kostenlos verfügbar (ich sehne mich nach dem Tag, in dem Journalisten direkt auf die original-Forschung verlinken, damit wir Wissenschafts-Blogger nicht im Speicher des Internets rumwühlen müssen).

Aber schauen wir uns die Studie an. Die Forscher haben mit Samen-Proben von 29 Spendern gearbeitet, da schrillen bei mir schon die ersten Glocken - 29 ist zu wenig, um wirklich statistisch signifikante Ergebnisse zu bekommen *- dafür braucht man schon das fünf-fache, doch dazu später mehr. Der Versuch verlief wie folgt: Die Spermien wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, eine Gruppe wurde für vier Stunden unter einem per WLAN-verbundenen Laptop ex vivo mit Temperatur-Kontrolle aufbewahrt, die andere Gruppe wurde für vier Stunden ohne Laptop ex vivo mit Temperatur-Kontrolle aufbewahrt. Die Ergebnisse, die Journalisten aufhorchen lassen: in den WLAN-Spermien hatten 25% aufgehört, sich zu bewegen, und in der anschließenden Auswertung war die DNA in 9% der Spermien beschädigt. In der Gruppe ohne Laptop bewegten sich 14% nicht mehr, und nur 3% hatten beschädigte DNA. Schlussfolgerung der Wissenschaftler, begierig übernommen von Journalisten: WLAN macht Spermien kaputt. Aber stimmt das auch?

Zum Versuchsaufbau: ex vivo bedeutet, dass der Versuch im künstlichen Umfeld außerhalb des Organismus durchgeführt wurde, hier in einer Wasserschale. Mein Kritikpunkt: Innerhalb des Hodens bewahren komplizierte Systeme die Spermien vor allem möglichen Schäden, insbesonders Hitze. Um wirklich bedeutungsvolle Ergebnisse zu erhalten, müssten die Forscher also die Laptops samt eingeschaltetem WLAN nahe an ein in vivo-System bringen, also die Hoden, damit wir sehen können, ob das lebende System den Einfluss des Laptops ausgleichen kann - in anderen Worten, ob dann noch Grund zur Besorgnis besteht. Der Hoden sollte das meiste von den Spermien abhalten - und solange wir keine WLAN-Laptops dadrin rumtragen, sollte alles OK sein.

Außerdem stößt mir sauer auf, dass die Forscher keine Unterscheidung zwischen WLAN und Laptop gemacht haben - frühere Studien haben gezeigt, dass die Hitze der Laptops genug ist, um Spermien zu beschädigen. Hier scheint durch die Temperatur-Kontrolle des Systems zwar Hitzeschaden ausschließbar, aber man kann trotzdem nicht 100% unterscheiden, ob jetzt der Laptop oder das WLAN der Täter ist. Hätten die Forscher den Versuch mit einem WLAN-dongle, der per Verlängerungskabel weit weg vom Laptop angeschlossen ist durchgeführt, so könnten wir besser unterscheiden. Leider haben die Forscher kaum mit einem Laptop ohne WLAN-Funktionalität verglichen, sondern da nur die Strahlung verglichen - eine ähnliche Studie mit den Gruppen "Laptop ohne WLAN" und "Laptop mit WLAN" würde hier Wunder vollbringen.

Nochmal zum Probenumfang - wir haben zwar "nur" 29 Spender, von denen aber mehrere Millionen Spermien - das macht die Ergebnisse der Forscher statistisch signifikant, also unter 5% Fehlerwahrscheinlichkeit. Die Spermien der Spender wurden vor der Studie auch auf etwaige Probleme untersucht, hier gibts also nichts zu meckern. Trotzdem sind 29 Spender mir zu wenig - mit mindestens 100 wärs besser bestellt, um Schwankungen und Probleme, die von den Forschern übersehen wurden, auszugleichen.

Interessant wäre auch, wie sich ein größeres WLAN auf Spermien auswirkt - also wie ein WLAN-Router einige Meter entfernt von ex vivo-Spermien sich auf deren Beweglichkeit auswirkt. Ich tippe: Gar nicht, sonst hätten wir Deutschen schon länger ein offensichtlich biologisch-bedingtes Fruchtbarkeitsproblem (anders als der momentane Trend zur Kinderlosigkeit).

Zusammenfassend - ich finde, die vorliegende Studie hat mit der drastischen Sprache der oben verlinkten Artikel nur wenig zu tun. Sie hat zu viele Unzulänglichkeiten (kaum Unterscheidung "Laptop mit WLAN"/"Laptop ohne WLAN", zu wenige Spender, und ist ex vivo) um irgendwelche endgültigen Schlüsse zuzulassen, vielmehr zeigt die Studie den zukünftigen Weg für viele andere ähnliche Studien auf. Dass man Laptops zu Gunsten männlicher Fertilität wegen der Hitze besser von seinem Schoß weghält, war schon länger bekannt.

Ich bin gespannt, wie sich die deutsch-sprachige Presse in den nächsten Tagen auf diese Studie stürzt und pack schonmal das Popcorn in die Mikrowelle.

*Nachtrag: Wie Tilo in den Kommentaren richtig schreibt, ist meine Attacke auf die statistische Signifikanz im zweiten Absatz falsch, die Studie ist schon statistisch signifikant (wie in den Kommentaren beschrieben).

Literaturnachweis:

Avendaño, C., Mata, A., Sanchez Sarmiento, C., & Doncel, G. (2011). Use of laptop computers connected to internet through Wi-Fi decreases human sperm motility and increases sperm DNA fragmentation Fertility and Sterility DOI: 10.1016/j.fertnstert.2011.10.012

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Pseudonyme und Glaubwürdigkeit

Bastian Greshake | 04. März 2011, 14:36

Den Spruch "On the internet nobody knows you're a dog" darf man vermutlich als fast so alt wie das Internet selbst bezeichnen. Das kann zu ganz spannenden Effekten führen, besonders bei der angeblichen Lieblingsbeschäftigung von etwas beleibteren, langhaarigen Nerds: Sich als junge Frauen auszugeben.



Im Journal of Human-Computer-Studies wurde eine Studie veröffentlicht die sich mal angeschaut hat für wie glaubwürdig man Blogs hält. In Abhängigkeit davon ob dort Details über den Autor genannt wurden oder ob das Blog unter einem Pseudonym geführt wurde. Und außerdem in Abhängigkeit von der Präsentation des Blogs. Für die Versuche hat man deshalb reihenweise Studenten von Business Schools in Großbritannien vor die Rechner gezerrt und sie jeweils einen Blogbeitrag über Nagelpilze lesen lassen (Ich habe keine Ahnung wie sie ausgerechnet auf das Thema gekommen sind...). Bei dem Versuch zur Anonymität des Autors gab es 3 verschiedene Blogeinträge, mit identischem Inhalt, aus denen die Studenten zufällig eins zu lesen bekamen:

  1. Ein komplett unter Pseudonym geführtes Blog das weder Aussage zum Name, Alter und Geschlecht machte und außerdem weder Foto noch eine Kontakt-Mailadresse enthielt.
  2. Ein pseudonym geführtes Blog was aber zusätzlich Alter und Geschlecht über den Schreiber offenbart.
  3. Ein unter Klarnamen geführtes Blog das zusätzlich zu Alter und Geschlecht auch eine Mailadresse und ein Foto des Autors zeigt.

Anschliessend wurden die Testpersonen per Fragebogen zu ihrer Meinung über die Glaubwürdigkeit des Bloggers und des Inhalts des Blogs befragt. Und dabei zeigte sich, dass es keinen Unterschied machte wie viele Details die vermeintlichen Autoren über sich preisgaben. Anders ist es (zu meinem Leidwesen) bei der Präsentation des Blogs: Hier wurden Beiträge mit guter Grammatik, Zeichensetzung, Rechtschreibung und Formatierung mit solchen die in den Bereichen Fehler enthielten verglichen. Und da sprachen die Testpersonen jenen Autoren und Blogs mit der guten Formatierung eine höhere Glaubwürdigkeit zu.

Heisst das jetzt, dass der ganze Post-Privacy-Kram sowieso keinen Unterschied macht, also "On the internet nobody cares you're a dog"? Ich bin davon nicht so recht überzeugt. Über die grundlegende Methodik und Statistik der Veröffentlichung kann ich dabei gar nicht meckern, dafür bin ich in der Materie nicht tief genug drin. Allerdings lassen sich die Ergebnisse in 2 Richtungen interpretieren: Zum einen könnte man argumentieren, dass die befragten User so viel Medienkompetenz besitzen und deshalb im Internet ein relativ geringes Grundvertrauen haben, welches auch durch die Nennung von Alter, Geschlecht, Namen und auch durch die Angabe eines Fotos nicht steigt. Denn was ist so eine Namensnennung und die Angabe eines Fotos schon wert, einen vermeintlichen Realnamen kann man sich genauso schnell ausdenken wie man ein beliebiges Portrait-Foto aus einer Fotodatenbank ziehen kann.

Das andere extrem wäre, dass die User – gelinde gesagt – naiv sind und erstmal einfach glauben was sie im Netz lesen, unabhängig aus welcher Quelle sie die Texte beziehen. Oder macht es keinen Unterschied, weil wir uns an digitale Identitäten gewöhnt haben? Mir selbst ist glaube ich relativ egal ob jemand Pseudonym oder mit Klarnamen auftritt. Denn wenn ich außer diesen spärlichen Informationen nichts über die Identität des Autors weiss, dann macht die Namensnennung jemanden erstmal nicht glaubwürdiger.

Wenn man auf der anderen Seite jedoch einen längeren Einblick in die Texte von Anderen bekommt, dann ist es auch erstmal egal ob der Autor hier mit Klarnamen oder Pseudonym auftritt. Denn anhand einer solchen "Langzeitbetrachtung" wird vermutlich jeder Leser seine Schlüsse über den Autor ziehen und sich ein – irgendwie geartetes – Bild über den Autor machen.

Von daher mag es aufschlussreich sein die Studie noch einmal zu wiederholen. Und den Versuchspersonen dann nicht nur einen Text sondern eine ganze Reihe von Texten in einem Blog zu lesen geben.

Chesney, T., & Su, D. (2010). The impact of anonymity on weblog credibility International Journal of Human-Computer Studies, 68 (10), 710-718 DOI: 10.1016/j.ijhcs.2010.06.001

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Ein neues Spektrum?

Bastian Greshake | 20. Dezember 2010, 20:02

Wie einige andere Blogger von den SciLogs hat Carsten, frischgebackener Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft und damit Nachfolger von Reinhard Breuer, angefragt, ob ich nicht Lust hätte das erste Heft, das unter seiner Leitung erscheint, zu rezensieren. Der übliche Disclaimer: Geld gibt es dafür nicht und Kritik hat Carsten ausdrücklich gewünscht. Nun, seit heute ist das Heft im Handel und ich muss als erstes feststellen, dass ich eigentlich ein miserabler Rezensent bin, denn ich hab den Konsum von gedruckten Zeitschriften so ziemlich eingestellt. Das letzte Abonnement, an das ich mich neben dem, mittlerweile auch ausgelaufenen, Nature-Abo erinnern kann, dürfte die Micky Maus gewesen sein und auch sonst kam da seit der Yps nicht mehr so richtig viel. Stattdessen beziehe ich meine Informationen seit Jahren vor allem über RSS-Feeds und das Social Web.

Spektrum

Dementsprechend muss ich auch gestehen, dass ich bis zu dieser Ausgabe noch nie eine Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft in der Hand gehalten habe. Zu etwaigen Änderungen in Inhalt oder Design kann ich also gar nichts sagen. Aber mangelndes Vorwissen ist ja vielleicht gar nicht so schlecht, gibt es immerhin keine Vorprägung. Aber jetzt mal zu der neuen Ausgabe: Was mir schon beim ersten Überfliegen ist mir das extrem aufgeräumte Layout aufgefallen, was sich konsequent – bis auf die obligatorische Werbung – durch das gesamte Heft zieht und den Texten und Bebilderungen genug Platz lässt, um atmen zu können, ohne, dass die Inhalte dabei verloren wirken. Wer schon mal am eigenen Bloglayout gespielt hat, wird das Problem kennen: Entweder endet man in der Textwüste oder man muss den Inhalt zwischen all dem leeren Platz suchen.

Eine Rüge am Rande allerdings: Werbung kann man sich in der Regel nicht aussuchen, wenn man aber dem eigenen Verlag Platz bietet für Werbung für eigene Produkte, dann könnte man schon darauf achten, dass die Werbung die Arbeit der Heft-Layouter nicht komplett konterkariert. Gerade die doppelseitige Anzeige für den Science-Shop mit seinen Farbtönen ist mir dabei – nicht positiv – aufgefallen.

Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist: Die angenehm unhysterische Art, in der die Artikel geschrieben sind. Während sich „Wissenschaftsmagazine” wie die Print-Produkte von Galileo, Welt der Wunder oder auch PM mit Superlativen und den „Geheimnissen von XYZ” hervortun, gerne so manches Mal auch um den Preis der wissenschaftlichen Fakten, um an den Käufer gebracht zu werden, verzichtet Spektrum der Wissenschaft dankenswerterweise auf solche Marketing-Tricks. Wissenschaft ist auch so schon spannend genug, da braucht es keine halbseidenen Geschichten um Reichsflugscheiben.

Ebenfalls ein grosses Danke dafür, dass die Originalquellen, aus denen sich die Autoren informiert haben, mit angegeben werden. Nichts ärgert mich beim Lesen von Wissenschaftsartikeln in Zeitungen und Co. mehr als fehlende Angaben, wo man sich die Originalpublikation besorgen kann. Gerade wenn einen das Thema interessiert und man sich weiter einlesen möchte, ist das nervig. SpOn und Co machen da vor, wie es nicht geht (Die schaffen es ja auch meistens, den Namen des Journals und der Autoren noch so zu verhunzen, dass man nicht mal per Google herausfindet, wo die Publikation erschienen ist).

Noch schöner wäre es allerdings, wenn direkt ein DOI angegeben wäre, aber ich sehe ein, dass es eventuell für die meisten Leser kein sonderlicher Mehrwert wäre. Was man ebenfalls überlegen könnte: Open Access-Publikationen, die jedem Leser online zur freien Verfügung stehen, gesondert kenntlich zu machen. Eventuell über ein kleines Logo oder so, neben der Quellenangabe? Damit könnte man nicht nur die Idee weiter pushen, sondern es wäre für jeden Leser klar ersichtlich, dass er auch problemlos und kostenfrei an die Original-Quellen gelangen kann.

Der Inhalt der Artikel gefällt mir sehr gut und deckt dabei – Vorsicht, das zu erwartende Wortspiel kommt – das Spektrum der Wissenschaft wirklich gut ab. Nicht nur, dass ich mal wieder etwas über Astrophysik gelernt habe, auch die Tiefe und die Aktualität sind sehr unterschiedlich, was mir sehr gefällt. So reiht sich die Astrophysik direkt neben einen Grundlagenbeitrag „Wie funktioniert das eigentlich energetisch mit der Heizung im Winter” neben die Diskussion von einem Biologen mit einem Ethiker zum Thema „personalisierte Medizin”. Was mir ebenfalls super gefällt, sind die beiden Kategorien „Spektrogramm”, die kurz aktuelle Forschung anreisst, und „Im Rückblick”, die sich mit Wissenschaft vor X Jahren auseinandersetzt (Irgendwie kommen mir beide Kategorien aus der Nature bekannt vor, aber egal wer hier eine gute Idee vom anderen kopiert hat: Toll).

Kommen wir doch zum Fazit: Werde ich regelmässiger Kunde oder gar Abonnement von Spektrum der Wissenschaft? Bei allen positiven Eindrücken von der Ausgabe: Nein. Das liegt aber vor allem daran, dass ich mittlerweile deutlich lieber in elektronischer Form Texte konsumiere und gut damit leben kann nur am Bildschirm zu lesen. Vor allem weil es mir das Rumschleppen von Papier erspart, durchsuchbar ist und direkt über digitale Kanäle weiter verbreitet werden kann. Wer allerdings gerne in Zeitschriften blättert und sich für guten und seriösen Wissenschaftsjournalismus interessiert, kann mit Spektrum der Wissenschaft vermutlich (immer noch) nicht viel falsch machen.

Und wer weiss: Vielleicht kommt das Spektrum der Wissenschaft ja auch irgendwann als ePaper oder iPhone-App.



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Wissenschaft & Medien II: Aus ethischen Gründen....

Bastian Greshake | 20. Mai 2009, 19:52

 

medien

 

«Anbau von umstrittenem Genmais gestoppt» - SpOn Über die grüne Gentechnik und deren Vorteile hatten wir hier ja schonmal einen kleinen Beitrag. Jetzt gerade bin ich bei Twitter über eine von Slowfood.de bei forsa in Auftrag gegebene Umfrage gestolpert. Demnach lehnen 78% der Bevölkerung gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Darüber durch welche Art von Medienberichten sich die meisten dabei ihre Meinung gebildet haben durfte man ja schon bei dem Verbot des MON 810 sehen. Doch viel spannender finde ich die Gründe für die Ablehnung: Denn ganze 52% der Befragten sagten sie würden jeden “Eingriff in die natürliche Schöpfung aus ethischen Gründen abgelehn[en]”. Und da muss ich mich fragen ob diese Menschen auch mal nur für 5 Minuten über diese Antwort nachgedacht haben. Sind unsere Zuchttiere die wir als Steak verspeisen natürlich? Sind unsere Kulturpflanzen eine natürliche Schöpfung? Natürlich sind sie es nicht. Alle wurden zum Teil über Jahrtausende nur zu dem Zweck von uns gezüchtet verspeist zu werden und genau dafür produktiv zu sein. Ist das auch verwerflich? Sollten wir uns diesen 52% nach wirklich alle nur noch von nicht-gezüchteten Pflanzen und Tieren ernähren die wir ganz natürlich aus den Wäldern jagen? Doch bei unserer Nahrung hört es nicht auf. Wie natürlich ist es dass wir in stählernen Ungetümen durch die Luft zu unseren Urlaubszielen fliegen? Wie natürlich ist es dass wir mittlerweile zum Großteil steinalt werden weil wir einen großen Teil an Krankheiten dank moderner Medizin (die z.T. auch ohne Gentechnik gar nicht möglich wäre, man denke nur an Insulin) bekämpfen können? Wie natürlich ist künstliches Licht, was dazu auch gesundheitlich bedenklich ist? Doch das sind alles Dinge die nicht in der Kritik stehen. Wer käme auch auf die Idee Autofahren zu verbieten weil es Risiken mit sich bringt die nur dadurch entstehen dass wir uns viel schneller als natürlich bewegen? Gentechnik birgt, wie jede andere Technologie auch, Risiken. Doch bei den meisten anderen Techniken findet eine ordentliche Abwägung zwischen Nutzen und Risiken ab und man erschafft ein Regelwerk um die Risiken zu minimieren. Bei der Gentechnik wird hingegen auf Panik gesetzt...



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Schweinegrippe auf vernünftige Art

Bastian Greshake | 12. Mai 2009, 20:05

medien


ResearchbloggingPhilipp sagt: Nach all der unangebrachten Schreierei in deutschen (und internationalen) Medien ist eine solche Veröffentlichung eine Wohltat: Towards a sane and rational approach to management of Influenza H1N1 2009 von William Gallaher, erschienen im Journal of Virology am 7. Mai. Der Autor fasst die bisherigen Ereignisse zusammen (nicht ohne eine Prise Ironie) und kritisiert dabei das Verhalten der Weltöffentlichkeit bzw. einiger Regierungen. Da sind ja inzwischen die besten Sachen passiert - Afghanistan hat sein einziges Schwein in Quarantäne in Quarantäne gesetzt, Ägypten möchte all seine Schweine töten lassen und Serbien, China, Russland den Import von Schweinefleisch verboten - dabei ist man inzwischen der Meinung, das das Virus höchstwahrscheinlich von Wandervögeln und dann von Mensch zu Mensch verbreitet wird. Beim Kochen wird das Virus sowieso inaktiviert, und bis dato wurde auch kein Fall beschrieben, bei dem sich jemand mit Influenza über die Nahrung angesteckt hat. Auch scheint Mexiko auch nicht die "Schuld" zu tragen; da hat man ja auch schon die besten Theorien gelesen, z.B. das das Virus von den USA hergestellt wurde, um alle Mexikaner auszurotten. Klar. So scheint H1N1 aus diesem Jahr zu 95% identisch mit einem Influenza-Erreger aus dem Jahre 2000 zu sein - gefunden in Indiana, USA. Zitat: "Border interdiction makes no sense when the H gene is All-American, having been in Indiana longer than the Head Coach and most of those playing football for Notre Dame." 94% eines der Neuraminidase-Gene ist identisch mit einem Influenza-Erreger gefunden in den 90ern, und zwar in Großbritannien. Natürlich ist es wahrscheinlich, das die Rekombination, die zum heutigen Erreger führte in Mexiko stattgefunden hat. Bei der Verbreitung der "Einzelteile" wie oben beschrieben hätte das jedoch auch überall sonst passieren können. So hilft die Beschreibung "Mexikanische Grippe" nur, Vorurteile über Mexiko zu verstärken oder Gründe zu finden, die Grenzen zu Mexiko zu schließen. Ich möchte heute nicht entwarnen; noch hat sich das Virus als relativ harmlos herausgestellt, mit 56 bestätigten Toten weltweit seit Ausbruch. Ein wenig Selektion, und das Virus kann sich noch stärker auf die Menschheit auswirken, indem es sich z.B. leichter verbreiten lässt, oder tödlicher für den Erkrankten wird. Noch ist das allerdings nicht passiert, und diese neue Grippe so aus den Proportionen zu blasen lenkt die Öffentlichkeit von viel wichtigeren Dingen ab. 2007 alleine sind 2 Millionen Menschen weltweit an HIV gestorben (Quelle), im gleichen Jahr sind ~1.7 Millionen an Tuberkulose gestorben (Quelle). Noch mehr Leute sterben am Rauchen! 4.9 Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums (Quelle). H1N1 ist jetzt ungefähr seit einem Monat großes Thema in den Medien, seitdem sind daran ca. 60 Menschen gestorben, und es gibt ca. 5000-6000 bestätigte Erkrankte. In einem Monat. Man kann jetzt noch nicht abschätzen, wieviele noch sterben werden, aber bis jetzt sind die "alten" Pandemien wie HIV, TB, etc. wesentlich gefährlicher. Der Artikel ist Open Access, also lest ihn, es lohnt sich! Hier noch ein Zitat, wie man die Schweinegrippe benutzen kann, um seine Vorurteile zu verbreiten: Sheik Alih Osman hat am 10. Mai eine Fatwa ausgesprochen, die es erlaubt, alle Schweine in Ägypten umzubringen, denn: "Due to their Jewish roots, Sheikh Osman says, it is permissible to slaughter all the pigs. The religious scholar was quoted as saying by a Jordanian newspaper that he personally believes the source of the pigs is Jews and thus the consumption of pork meat is banned in Islam." - Quelle. Ich wüsste jetzt nicht, was Schweine mit Juden am Hut haben, vielleicht ihr? Gallaher, W. (2009). Towards a sane and rational approach to management of Influenza H1N1 2009 Virology Journal, 6 (1) DOI: 10.1186/1743-422X-6-51

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Wissenschaft & Medien I: Für mehr genfreies Essen

Bastian Greshake | 14. April 2009, 20:10

medien


«Anbau von umstrittenem Genmais gestoppt» - SpOn
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«Aigner: Genmais ist „eine Gefahr für die Umwelt“» - FAZ

«Stopp in letzter Minute: Unmittelbar vor der geplanten Aussaat hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau von Genmais in Deutschland untersagt.» - Süddeutsche

Bastian sagt:

Dies soll eine kleine Serie werden in der wir von Zeit zu Zeit beleuchten wollen wie Wissenschaft in den Medien, meist falsch, dargestellt wird. Heute wurde die Entscheidung gefällt: Der Anbau der Maissorte MON 810 wurde verboten. Und überall machen sich die Medien zum Affen wenn sie von Genmais reden und mit Angst vor diesen gemeinen Genen schüren. Korrekt wäre natürlich von gentechnisch verändertem Mais zu reden, oder doch gleich ganz korrekt von transgenem Mais. Aber damit lässt sich vermutlich keine Nachricht produzieren. Die jetzt gebrandmarkte Maissorte besitzt ein Gen was ein Toxin produziert dass gegen den Befall durch Larven des Schmetterlings Maiszünslers schützen soll. Im jetzigen Fall geht es angeblich dass die transgene Maissorte nicht sicher sei und Gefahren für Mensch und Umwelt bergen könnte. Tobias von weitergen hat bei sich die Monitoring-Studie des Herstellers veröffentlicht. Und auch andere Studien kommen zu dem Ergebnis dass der transgene Mais nicht gefährlicher ist als “normaler”. Es ist spannend zu sehen wie Medien, Politiker und damit auch die breite Öffentlichkeit das Thema sieht (und das mit dem berühmten gefährlichem Halbwissen). Gentechnik und damit auch transgene Pflanzen sind böse, gefährlich und man kann ihnen nicht trauen. Kommen wir mal kurz zu den Vorteilen die Gentechnik in der Landwirtschaft bieten könnte: Resistenz gegen Schädlinge und somit zurückgehender Gebrauch von Insektiziden die gespritzt werden müssen, höhere Toleranz gegenüber Umwelteinflüssen und damit ebenfalls mehr Ertrag und sinkender Einsatz von Düngern. Solche Vorteile werden allerdings selten bis gar nicht erwähnt. Die Gefahren in Form von schlechtem Einfluss auf das Ökosystem, mögliche Nebenwirkungen für den Menschen beim Verzehr bis zu dem absolut bescheuertem Argument der Biopatente ist alles dabei. Gerade das letzte Argument finde ich immer wieder toll: Als wäre die Technik selbst böse nur weil irgendwelche Konzerne sich das patentieren lassen und dann teuer verkaufen. Anstatt die Wirtschaft und Politik anzugreifen weil diese so etwas zulässt spricht es dann doch lieber gegen die Gentechnik... Und wieder gilt: Ganz egal wie dick das Buch ist, oder die Zeitung die ihr lesen mögt: Dadurch wird es nicht automatisch richtig. Selber nachdenken hat hingegen noch nie geschadet.
Foto: midnight-digital. CC: BY-NC-SA


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