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Der gentechnische Sündenbock

18. Januar 2012, 18:46

(Grüne) Gentechnik ist nicht diskutierbar.
Ich hab es oft versucht und noch öfter habe ich Diskusionen über Gentechnik verfolgt. Es ist nicht möglich. Dieser Artikel fasst dieses Problem sehr gut zusammen. Drüben bei Martin hat Christian Dürnberger schon mal ähnliches präsentiert.

Die meisten Argumente in solchen Diskusionen haben mit der Gentechnik an sich wenig bis gar nichts zu tun. Profitorientierung ohne Rücksicht auf Gesellschaft oder Individuen ist keine Ursache der Gentechnik. Genpatente sind keine Ursache der Gentechnik. Verschuldete Bauern sind keine Ursache der Gentechnik. Industrielle Landwirtschaft hat ihre Ursache nicht in der Gentechnik.

Trotzdem geht man lieber genfrei, wirbt für gentechnikfreie Gebiete, anstatt sich ernstlich um solche Probleme zu kümmern. Grüne Gentechnik ist anscheinend der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte.

BASF dürfte das ebenfalls so sehen, hat sie doch ihre Pflanzengentechnikforschung aus Europa abgezogen. Für Amflora wurde die Zulassung 1996 beantragt, für den Verkauf angebaut wurde sie bis heute nicht, obwohl sie nur zur Papierherstellung verwendet werden sollte.

Ein Unterschied zwischen profitorientierter Forschung der Industrie und grundlagenorientierter Forschung des Staates wird nicht gemacht. Differenzierte Auseinandersetzung mit den Chancen, Möglichkeiten und auch Risiken der Gentechnik findet in der Öffentlichkeit nicht statt.

Die grundsätzliche Diskussion sucht man vergebens.

Wie die Nahrungsmittelproduktion auf der Welt geregelt werden soll, ob Nahrungsmittel ernsthaft Spekulationsobjekt sein dürfen, ob Nahrungsmittelproduktion ein Spielball des Marktes sein darf, wird wenig diskutiert. Patente auf Gene und industrielle Saatgutproduktion verschleiern nur, das auch der patentverwandte Sortenschutz bereits Chancen bietet rein profitorientiert Verbraucherwillen zu negieren.

Wie Pflanzen gezüchtet sein sollen, welche Methoden und Techniken dabei angewendet werden dürfen, verengt sich ebenfalls auf Gentechnik. Mutationszüchtung, molekularbiologische Techniken, sofern sie keine artfremden Gene einbringen, fallen gänzlich durch das Raster der Gentechnikkritik. Das auch eine veritable Cobaltkanone das ein oder andere Genom durchmischen und untersuchungswürdige Risiken produzieren kann wird ebenfalls kaum diskutiert, man freut sich über die hübschen neuen Blumen.

Und auch das Misstrauen wird nicht thematisiert. Das Zulassungsverfahren und Sicherheitsstudien nicht getraut wird, liegt auch an der grundsätzlich unterstellten Korruption. Allein über das Beschweren hinaus kommen die Wenigsten.
Gerne wird über "die da oben" geschimpft. Trotz eines Anteils von mind. 30% Nichtwählern scheint man sich trotzdem nicht vorstellen zu können aktiv Verbesserungen zu erreichen.

Letztlich ist das auch das Problem der Diskussion über wissenschaftliche Argumente pro/contra Gentechnik. Wissen über Molekularbiologie; was ist ein Gen, was ist eine Proteinbiosynthese, was ist ein Promotor, ist nicht selbstverständlich. Oft wird dieses mangelnde Wissen aber auch während oder vor einer Diskussion über die Thematik nicht eingeholt.
Lieber folgt man dem Geld. Ein leidliches Argument in einer Welt, in der man Geld verdienen muss um sein Essen, seine Unterkunft und seine Kleidung zu bezahlen.

Nun ist die grüne Gentechnikforschung von BASF weg. Die grüne Gentechnik an sich wird aber nicht verschwinden. Weltweit steigt der Anbau solcher Pflanzen und als Lebensmittelimporteur hat Deutschland irgendwann die Wahl Selbstversorger zu werden oder sich weiter auf Konflikte einzustellen.

Ich gebe zu, in dieser Hinsicht bin ich eher pessimistisch.



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Wärme, Wellen und Atome

29. November 2011, 17:07

Aus Zeitmangel ist es hier gerade relativ ruhig, aber trotzdem möchte ich kurz einen kleinen Blogpost einwerfen, damit die Wartezeit bis zum nächsten (epischen) Beitrag nicht allzulang wird (dann vllt. auch mal wieder mit klassischer Chemie). Heute rein assoziativ.

Die Castorprozession ist gerade wieder in Gorleben angekommen. Man kennt das. Zuerst sah es aber noch so aus, als hätte das Ereignis abgesagt werden müssen, hatten die Lokführer doch Angst wegen der Strahlung.

Auch wenn die Assoziationen heute dahin gehen, nicht hinter jeder Strahlung steckt ein spaltungsfreudiges Radionuklid. Strahlung ist erst einmal die Umschreibung für die Ausbreitung von Teilchen und/oder Wellen.

Man neigt dabei zu wenig Differenzierung. So muss besagte radioaktive Strahlung seinen Namen gleichsam für Alpha-,  Beta-, Gamma- und Neutronenstahlung hergeben. Obwohl doch nur letztere Anstifter ist, bisher unbescholtene atomare Verwandtschaft in Teilungswütige zu wandeln. Und während man bei Heliumkernen, Neutronen und Elektronen/Postronen eher von Teilchen reden, so ist die Gammastrahlung schon im  klassischen elektromagnetischen Spektrum zuhause. Das liest sich ziemlich elektromagnetisch, ist aber doch nur Licht mit kürzeren Wellenlängen.

Deshalb unterscheidet man lieber der Bedrohung entsprechend nach ionisierender und nicht ionisierender Strahlung. Eine Unterscheidung, die so manchen Elektrosmoggeschädigten gesunden und so manche Mobilfunkantenne weniger umstritten sein lassen könnte.

Aber während der Hochspannungsmast den Spaten zum kribbeln bringt, soll die Spannung, wenn sie denn so manchen Draht zur Rotglut gebracht, die gesündere Art des Heizens sein. Ohne Luftumwälzung oder schädlichen Chemikalien, ganz natürlich! Weil auch bei der wohligen IR-Strahlung die Strahlung den Namen bedeutungschwanger überstrahlt, redet man doch lieber von der Wärmewellenheizung, statt vom Heizstrahler.

Haben wir die Wärmewellen in der Wohnung ganz gern, um uns die Füße zu wärmen, so sind währenddessen die Hitzewellen auf dem Vormarsch dank Globaler Erwärmung. Das wiederum finden wir auch nicht so klasse, weshalb sogar der Bund appelliert, von der Wärmewelle auf die klassische Konvektionsheizung umzusteigen, damit die bösen Stromkonzerne nicht noch mehr an ineffektiven Heizmethoden verdienen. Wir hatten das gerade erst mit der Glühlampe.

Und damit schließt sich der Kreis. Denn man ist sich zwar uneinig wohin die strahlenden Atome (in 30-40 Jahren) endgelagert werden sollen, das man sie aber unter keinen Umständen mehr zur Stromerzeugung verwenden will, darüber ist man sich einig. Also bauen wir noch ein paar Kohlekraftwerke für die Übergangszeit und lassen uns vom Kohlenstoffdioxid die globale Wärmewellenheizung noch ein bischen hochdrehen. Dessen Endlagerung wurde gerade erst hochoffiziell abgelehnt.

Wohin uns diese mäandernden Befindlichkeiten bringen sollen ist klar. Sauber, sicher, regenerativ soll der Strom sein und möglichst so komfortabel wie eh und je.

Ob das funktioniert, werden wir am Ende sehen. Solange können wir sicher sein, wer losgeht, wird auch irgendwo ankommen.



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Glühbirnen und Leuchtmittel

25. September 2011, 20:15

Die 60 Watt Glühbirne ist tot. Zumindest ihr Verkauf als Leuchtmittel ist beendet und auch die anderen Glühbirnen mit weniger Leistungsaufnahme werden bald verschwunden sein. Allerdings scheint das relativ wenig Jubel auszulösen. Die meisten Reaktionen, die mir dazu begegnen, schimpfen über die EU die hier mal wieder liebgewordene Dinge wegreglementiert. Dabei ist es energetisch gesehen höchste Zeit auch hier endlich mal Konsequenzen zu ziehen. Denn die Birne ist beleuchtungstechnisch zu tiefst unökonomisch. » weiter

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Die Diktatur der Naturwissenschaften?

12. September 2011, 18:38

Ursprünglich war dieser Beitrag als Kommentar auf diesen Beitrag drüben bei Stephan Schleim gedacht. Allerdings hat er dann so sehr an Volumen gewonnen, dass ich ihn doch eher als eigenen Blogbeitrag veröffentlichen möchte, da er eher meine Sicht auf Naturwissenschaften wiederspiegelt als den dortigen Beitrag zu kommentieren.  » weiter

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Wissenschaft Multimedial

10. September 2011, 00:14

Ich bin ja eher der Text- und Bildorientierte Blogger, während Andere lieber podcasten und wieder Andere videologgen. So hat jeder seine Art Dinge, die sie/ihn bewegen mitzuteilen. Und da sind mir gestern gleich zwei empfehlenswerte Projekte untergekommen. Zum einen hab ich eine Anfrage bekommen vom Erklärbären, der gerne Blogs liest und Podcasts hört und weil das bisher niemand kombiniert hat, nun eine Seite betreibt, wo er Blogbeiträge vorliest.
Das Projekt steckt noch in den Anfängen, aber immerhin gibt es schon eine vorgelesene Version von Lars (Wo sind die radioaktiven Stoffe aus Fukushima gelandet?) und mir (Der Bullshitspalt).

Und dann hätten wir da noch die Symphony of Science, Wissenschaftstalks autogetuned zu melodischer Kurzweiligkeit. Diaxs Rake berichtete schonmal.

(Allerdings muss ich dem Video in einem Punkt widersprechen, Quantenmechanik ist garnicht "bizarre")
Das Album lässt sich hier auch zu einem selbstbestimmten Preis herunterladen.

Wo wir gerade dabei sind, sollte ich auch nochmal auf die Tedtalks verweisen, die sind ebenso sehr empfehlenswert. Hier z.B. Hans Rosling über die Entwicklung der Weltbevölkerung.

Allseits ein schönes Wochenende!



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Was mich zum Bloggen treibt

26. August 2011, 13:53

Eigentlich möchte ich schon länger einen neuen Beitrag bringen, aber wie das so ist, bits und bytes sind geduldig.

Was mich allerdings recht schnell und zuverlässig motiviert und auch jede Bloghemmschwelle fallen lässt, ist wenn ich mich über unfähigen bis vorsätzlich inhaltlich falschen Wissenschaftsjournalismus aufrege, bzw. was mittlerweile alles darunter durchgeht.

Solche Beiträge und das naive, unhinterfragte Weitertragen ihres Inhalts bringt mich regelmäßig auf die Gesichtspalme.  » weiter

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Den Bock zum Gärtner machen

23. Juni 2011, 16:27

Sollten ertappte Schwarzseher über die Zukunft der GEZ entscheiden?
Sollten Ärzte, denen die Aprobation entzogen wurde, über die Zukunft der Ärztekammer verhandeln dürfen?
Sollten Politiker, denen die Fälschung ihrer Doktorarbeit nachgewiesen wurde, über die Forschungspolitik der Europäischen Union mitentscheiden? » weiter

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Natur vs Pille

22. Juni 2011, 10:44

Drüben bei den Scienceblogs hat Ulrich Berger mal wieder einen Fall von Komplementärdurchfall zu verarzten, was er durchaus fachkundig tut, weshalb ich mich zum Zuckerkügelchenglauben auch garnicht groß äußern werde. Vielmehr ist mir in seinem Bildzitat ein Satz aufgefallen, den ich doch kurz etwas genauer beleuchten möchte.
Die Zeitschrift forschen & entdecken fragt im Lead folgendes:

Können Wirkstoffe aus der Natur ebenso wirksam sein wie Pillen?

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Der Bullshitspalt

09. Mai 2011, 14:07

Nun haben wir die Einleitung hinter uns. Jetz können wir uns dem bloggerischen Alltag widmen.

Heute will ich ein wenig über Biomembranen reden.

 Abb. 1: Schema einer Biomembran [1]

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Chemisches Allerlei

05. Mai 2011, 13:00

Da bin ich also.

Als Wissenschaftsblogger in einem Portal wie den Scilogs anzufangen, ist schon etwas spezieller, als irgendwo bei Wordpress und Konsorten mal schnell eine Seite hochzuziehen und das neueste Kochrezept zu posten.

Und so versuch ich es mal mit einer kleinen Einleitung, die wenn man es sich recht überlegt, garnicht so einfach fällt, wenn man mit der Idee beginnt, einen Überblick über die Bereiche der Chemie zu geben und nicht in einer bloßen langweiligen Aufzählung enden möchte.  » weiter

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