Der gentechnische Sündenbock
(Grüne) Gentechnik ist nicht diskutierbar.
Ich hab es oft versucht und noch öfter habe ich Diskusionen über Gentechnik verfolgt. Es ist nicht möglich. Dieser Artikel fasst dieses Problem sehr gut zusammen. Drüben bei Martin hat Christian Dürnberger schon mal ähnliches präsentiert.
Die meisten Argumente in solchen Diskusionen haben mit der Gentechnik an sich wenig bis gar nichts zu tun. Profitorientierung ohne Rücksicht auf Gesellschaft oder Individuen ist keine Ursache der Gentechnik. Genpatente sind keine Ursache der Gentechnik. Verschuldete Bauern sind keine Ursache der Gentechnik. Industrielle Landwirtschaft hat ihre Ursache nicht in der Gentechnik.
Trotzdem geht man lieber genfrei, wirbt für gentechnikfreie Gebiete, anstatt sich ernstlich um solche Probleme zu kümmern. Grüne Gentechnik ist anscheinend der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte.
BASF dürfte das ebenfalls so sehen, hat sie doch ihre Pflanzengentechnikforschung aus Europa abgezogen. Für Amflora wurde die Zulassung 1996 beantragt, für den Verkauf angebaut wurde sie bis heute nicht, obwohl sie nur zur Papierherstellung verwendet werden sollte.
Ein Unterschied zwischen profitorientierter Forschung der Industrie und grundlagenorientierter Forschung des Staates wird nicht gemacht. Differenzierte Auseinandersetzung mit den Chancen, Möglichkeiten und auch Risiken der Gentechnik findet in der Öffentlichkeit nicht statt.
Die grundsätzliche Diskussion sucht man vergebens.
Wie die Nahrungsmittelproduktion auf der Welt geregelt werden soll, ob Nahrungsmittel ernsthaft Spekulationsobjekt sein dürfen, ob Nahrungsmittelproduktion ein Spielball des Marktes sein darf, wird wenig diskutiert. Patente auf Gene und industrielle Saatgutproduktion verschleiern nur, das auch der patentverwandte Sortenschutz bereits Chancen bietet rein profitorientiert Verbraucherwillen zu negieren.
Wie Pflanzen gezüchtet sein sollen, welche Methoden und Techniken dabei angewendet werden dürfen, verengt sich ebenfalls auf Gentechnik. Mutationszüchtung, molekularbiologische Techniken, sofern sie keine artfremden Gene einbringen, fallen gänzlich durch das Raster der Gentechnikkritik. Das auch eine veritable Cobaltkanone das ein oder andere Genom durchmischen und untersuchungswürdige Risiken produzieren kann wird ebenfalls kaum diskutiert, man freut sich über die hübschen neuen Blumen.
Und auch das Misstrauen wird nicht thematisiert. Das Zulassungsverfahren und Sicherheitsstudien nicht getraut wird, liegt auch an der grundsätzlich unterstellten Korruption. Allein über das Beschweren hinaus kommen die Wenigsten.
Gerne wird über "die da oben" geschimpft. Trotz eines Anteils von mind. 30% Nichtwählern scheint man sich trotzdem nicht vorstellen zu können aktiv Verbesserungen zu erreichen.
Letztlich ist das auch das Problem der Diskussion über wissenschaftliche Argumente pro/contra Gentechnik. Wissen über Molekularbiologie; was ist ein Gen, was ist eine Proteinbiosynthese, was ist ein Promotor, ist nicht selbstverständlich. Oft wird dieses mangelnde Wissen aber auch während oder vor einer Diskussion über die Thematik nicht eingeholt.
Lieber folgt man dem Geld. Ein leidliches Argument in einer Welt, in der man Geld verdienen muss um sein Essen, seine Unterkunft und seine Kleidung zu bezahlen.
Nun ist die grüne Gentechnikforschung von BASF weg. Die grüne Gentechnik an sich wird aber nicht verschwinden. Weltweit steigt der Anbau solcher Pflanzen und als Lebensmittelimporteur hat Deutschland irgendwann die Wahl Selbstversorger zu werden oder sich weiter auf Konflikte einzustellen.
Ich gebe zu, in dieser Hinsicht bin ich eher pessimistisch.
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