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Steirischen Krähen geht's an den Kragen

18. April 2012, 16:40

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Im Juni 2011 wurde im steirischen Landtag eine Novelle des Naturschutzgesetzes beschlossen. Seitdem bedarf es zum Abschuss von Krähen, Raben, Graureihern und Kormoranen nicht mehr einer Einzelgenehmigung der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft, sondern die Landesregierung kann im „Bedarfsfall“ den Abschuss der Vögel verordnen. 2011 wurden insgesamt 35.000 Krähen zum Abschuss freigegeben und seit letzten Samstag stehen wieder 17.000 auf der Abschussliste. Die Grünen, die KPÖ sowie Tier- und Umweltschützer kritisieren das Vorgehen der steirischen Landesregierung und sprachen sich gegen die verordnete Bejagung der landwirtschaftlichen Schädlinge aus.

Dem Agrarlandesrat Johann Seitinger von der ÖVP, der selbst auch Besitzer eines Jagdscheins ist, ist das noch immer zu wenig. Er will nicht nur die oben genannten Vögel bejagen, sondern auch Eichelhäher und Elstern zum Abschuss freigegeben sehen.

Aber was ist überhaupt davon zu halten, dass Krähen (hauptsächlich Nebel- u. Rabenkrähen) und andere Vögel in so großer Zahl zwecks Schadensbegrenzung in der Landwirtschaft getötet werden? Es existieren weder zuverlässige Bestandszahlen, noch lässt sich genau sagen, wie groß die durch die Vögel entstandenen Schäden tatsächlich sind. Die meisten der zum Abschuss freigegeben Vögel sind nicht einfach nur lästige Schädlinge, sondern spielen auch selbst in ihrer Eigenschaft als Insektenfresser eine Rolle in der Schädlingsbekämpfung. Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, warum man die Vögel nicht mit alternativen Methoden bekämpft und vom Acker fernhält.

Neben der Bestandsreduzierung durch Bejagung gibt es ja eine Reihe anderer wirkungsvoller Vertreibungsmaßnahmen und auch anbautechnische Lösungen, um die landwirtschaftlichen Schäden gering zu halten. Intelligente Vögel wie Krähen lassen sich von einer einfachen Vogelscheuche nicht so leicht abschrecken. Sie erkennen schon nach kurzer Zeit, dass es sich dabei um keine ernstzunehmende Gefahr für sie handelt. Akustische Warnsignale ihrer Artgenossen abzuspielen ist da schon eine wirkungsvollere Methode. Zur erfolgreichen Vergrämung empfiehlt sich die Kombination verschiedener Abwehrmaßnahmen. Optische und akustische Warnsignale, anbautechnische Maßnahmen und Einzelabschüsse sollten eigentlich vollkommen ausreichen.

Die alternativen bzw. weniger brutalen Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung sind aber in den meisten Fällen mit geringen Kosten verbunden. Die Vögel in großer Zahl zum Abschuss freizugeben ist eindeutig die billigste Methode. Ob sie auch wirkungsvoll ist, das wage ich zu bezweifeln. Während Einzelabschüsse im Rahmen eines Schädlingbekämpfungskonzepts Wirkung zeigen, gelten Versuche den Bestand durch Bejagung über einen längeren Zeitraum gering zu halten als nicht besonders erfolgversprechend. Vielleicht sollte sich die steirische Landesregierung mal beim österreichischen Bundesheer in Sachen „nicht-letale Vergrämung“ informieren. Die haben ja bekanntlich einige Erfahrung damit.

Interessieren würde mich auch, wer die Anzahl der zum Abschuss freigegebenen Vögel bestimmt und ab welchem finanziellen Schaden Bedarf nach einer solchen Freigabe besteht? Da habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, aber ich gehe davon aus, dass diese Entscheidungen eher nach wirtschaftlichen, und nicht nach ökologischen Kriterien getroffen werden. Ich bezweifle außerdem, dass alle den Vögeln zugeschriebenen Schäden auch wirklich auf sie zurückzuführen sind - das lässt sich ja schließlich nicht genau beurteilen und liegt wohl im Ermessen der geschädigten Bauern. Bei so vielen zum Abschuss freigegeben Vögeln ist außerdem zu befürchten, dass ein Jäger auch mal versehentlich eine Art schießt, die eigentlich gar nicht auf einer Abschussliste steht.

Wie intelligent die Vögel sind, die den Landwirten das Leben schwer machen, das dürfte sie selbst und die Jäger vermutlich nur in geringem Ausmaß interessieren. Mich hingegen freut es nicht sonderlich, dass man so intelligente Tiere wie Raben und Krähen zwecks Wirtschaftlichkeit in so großer Zahl zum Abschuss freigibt. Besonders kreativ ist diese Form der Problembewältigung jedenfalls nicht, das ist zumindest mein Eindruck. Eure Meinung zu den verordneten Abschüssen und der Vertreibung landwirtschaftlicher Schadvögel würde mich natürlich auch interessieren.

Bild: Richard Bartz (CC BY-SA 2.5)

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Paläornithologie: "Kairuku grebneffi" könnte der größte jemals entdeckte Pinguin sein

01. März 2012, 20:40

WaimanuDie Art Waimanu manneringi gilt als der älteste bekannte Pinguin und lebte vor ca. 60 Millionen Jahren, also füneinhalb Millionen Jahre nach der Kreide-Tertiär-Grenze, mit der wir für gewöhnlich das Aussterben der Dinosaurier verbinden. Der Name der Gattung, zu der neben W. manneringi auch die kleinere Art W. tuatahi zählt, bedeutet in der maorischen Sprache so viel wie Wasservogel. Diese an Seetaucher erinnernden basalen Pinguine waren bereits vollständig flugunfähig und schon relativ gut an ein Leben im Wasser angepasst. Die Entdeckung ihrer Fossilien in der Antarktis unterstützte die Vermutung, dass die Neoaves (umfassen alle rezenten Neukiefervögel mit Ausnahme von Gänse- und Hühnervögeln) entweder schon vor dem Massenaussterben weit verbreitet waren, oder sich danach explosionsartig ausbreiteten. (Bild: Waimanu manneringi; Autor: Nobu Tamura; CC BY 3.0)

Die Überreste der Waimanu-Pinguine waren vollständig als Fossilien erhalten, ganz im Gegensatz zu den kürzlich aus zwei verschiedenen Fossilien rekonstruierten Pinguinarten der Gattung Kairuku (K. grebneffi, K. waitaki). Die in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Palaeontology beschriebenen Pinguine lebten vor etwa 25 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Inselstaats Neuseeland (damals größtenteils von Wasser bedeckt) und wogen ca. 60 Kilogramm.

Artwork by Chris Gaskin, owner and copyright owner: Geology Museum, University of OtagoZwei Kairuku-Pinguine, dazwischen ein gestrandeter Waipatia-Delphin. (Bild von Chris Gaskin; Copyright by Geology Museum, University of Otago)

Kairuku, ebenfalls ein Wort aus der Sprache der Maori bedeutet frei übersetzt „Taucher, der mit Nahrung zurückkehrt“ und obwohl die ersten Knochen dieser Spezies bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt wurden, gelang es erst jetzt diese Funde einer Gattung zuzuordnen. Der Paläornithologe Dr. Daniel Ksepka von der North Carolina State University (NCSU) war an der Rekonstruktion mitbeteiligt und vergleicht die von ihm beschriebene Pinguinart K. grebneffi mit einem Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri):

It’s almost like someone took an emperor penguin and stretched it out.

Die „langgestreckten“ Pinguine hatten einen schlanken Körper, überproportional lange Flossen, einen zugespitzten Schnabel und verhältnismäßig kurze und dicke Beine. Würde man aufgrund der Flossenlänge die Größe der Vögel errechnen, so müsste man von einer Körpergröße von etwa 1,8 Metern ausgehen, so Ksepka. Tatsächlich waren die Vertreter der Gattung Kairuku nicht viel größer als 1,30 Meter, was verglichen mit den größten heute lebenden Pinguinen (Kaiserpinguine werden bis zu 1,20 m groß und wiegen für gewöhnlich nicht mehr als 45 Kilogramm) aber noch immer eine beachtliche Größe darstellt.

Die Kairuku-Pinguine waren also im Verhältnis zu ihren rezenten Verwandten groß gewachsen, aber waren sie die größten Pinguine die jemals entdeckt wurden? Leicht ist diese Frage mit Sicherheit nicht zu beantworten, kommt es dabei doch vor allem darauf an, wie man „groß“ definiert. Je nach Definition bezieht man sich dabei auf die Flügelspannweite, die Länge einzelner Knochen (z.B. des Humerus oder des Coracoids), das Körpergewicht oder die Gesamtkörpergröße. In den unten verlinkten Artikeln herrscht Konsens darüber, dass die von Ksepka rekonstruierte Art (K. grebneffi) den größten bisher entdeckten Pinguin darstellt. Da heißt es unter anderem „Tallest, fattest penguin found“ oder „Fossils of world's largest penguin discovered“.

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Aber was ist zum Beispiel mit Pachydyptes ponderosus, besser bekannt als Neuseeländischer Riesenpinguin? Mit einer errechneten Körperhöhe von 1,60 m und einem Gewicht von bis zu 100 kg war er nicht nur größer (Körperhöhe) als Kairuku grebneffi, sondern auch um einiges schwerer. Gleiches gilt für den „Menschenvogel“ Anthropornis, der Berechnungen zufolge 90 kg wog und noch größer als Pachydyptes war. Das Problem: Bei diesen Größenangaben handelt es sich lediglich um Extrapolationen, also Hochrechnungen aufgrund der Maße einzelner Knochen, die bekanntlich mit einer relativ großen Unsicherheit verbunden sind. Um diese Daten zu bestätigen bedarf es also noch weiterer Fossilfunde und Rekonstruktionen.

(Bild: Anthropornis nordenskjoeldi; Autor: Philip72; CC BY 3.0)

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Vor zwei Jahren versuchte Ksepka die Frage nach dem größten Pinguin zu klären und schon damals gab es keine eindeutige Antwort. Diese Woche wird er sich in seinem Blog wieder dieser populären Frage widmen und freundlicherweise hat er mir schon mal einen kleinen Textausschnitt zugeschickt. Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage ist, abgesehen von den unterschiedlichen Kriterien nach denen wir die Größe eines Vogels definieren, dass bisher nur drei Knochen von P. ponderosus entdeckt wurden. Einer davon, genauer gesagt der Oberarmknochen hielt bisher den Rekord mit einer Länge von 175,8 mm. Der Humerus der rekonstruierten Art K. grebneffi ist nun um genau 0.8 mm länger. Möglicherweise ist K. grebneffi also wirklich der größte jemals entdeckte Pinguin und P. ponderosus der schwerste, so Ksepka, aber mit Sicherheit kann man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

(Bild: Pachydyptes ponderosus; 1893; public domain)

Mehr Informationen über die Kairuku-Pinguine findet ihr auf Dan Ksepkas sehr interessanten Blog 'March of the Fossil Penguins', den ich an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen kann.

Link zur Studie (free access): 'New fossil penguins (Aves, Sphenisciformes) from the Oligocene of New Zealand reveal the skeletal plan of stem penguins'

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Treue ist wetterabhängig, zumindest bei Vögeln

20. Februar 2012, 14:25

(Bild: CC by 2.5; Autor: Al Wilson)Die Gründe die dazu führen, dass ein Mensch seinen Partner betrügt sind in den meisten Fällen nicht dafür geeignet um den Seitensprung gegenüber seinem Lebensgefährten zu rechtfertigen. Bei monogam* lebenden Vögeln ist das ein wenig anders: Sie müssen bzw. können sich gegenüber ihrem Partner gar nicht rechtfertigen, hätten allerdings für ihre Untreue durchaus nachvollziehbare Argumente. (Bild: CC by 2.5; Autor: Al Wilson)


Ob „treu“ oder „nicht treu“ ist bei ihnen weniger eine Frage des Charakters oder der Persönlichkeit, sondern oft nicht mehr als eine Reaktion auf sich verändernde Umweltbedingungen. In einer kürzlich im Fachmagazin PLoS ONE erschienen Studie konnte Carlos Botero vom National Evolutionary Synthesis Center in Durham einen Zusammenhang zwischen der Vorhersagbarkeit des Klimas und der Partnertreue bei monogam lebenden Vogelarten verschiedenster Taxa ausmachen.


So zeigte Botero, dass Arten die das Jahr über großen Temperaturschwankungen ausgesetzt waren häufiger den Partner wechselten und besonders große Unregelmäßigkeiten im klimatischen Jahreszyklus dazu führten, dass bestehende Partnerschaften aufgegeben wurden.

Vogelweibchen treffen ihre Partnerwahl unter anderem nach der Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale ihrer männlichen Artgenossen. Die Ausprägung dieser Merkmale gibt dem Weibchen darüber Aufschluss, wie gut der potentielle Partner an die zum Zeitpunkt der Balz herrschenden Umweltbedingungen angepasst ist. Herrschen nun zum Zeitpunkt der Paarung bzw. für den Nachwuchs andere klimatische Bedingungen, so wird die Partnerschaft nicht lange halten.

Arten, die häufig wechselnden Umweltbedingungen ausgesetzt sind treffen ihre Partnerwahl nach unterschiedlichsten Kriterien. Ob Schnabelgröße, Flügelspannweite oder Federkleid – die Merkmale die einen männlichen Vogel zum optimalen Partner machen und damit maximalen Bruterfolg garantieren sind vom Kontext, also von den zum Zeitpunkt der Paarung herrschenden Bedingungen abhängig. So kann zum Beispiel bei Galapagosfinken eine geringe Niederschlagshäufigkeit dazu führen, dass große Schnäbel, mit denen hartschalige Samen leicht geknackt werden können, auf die Weibchen attraktiver wirken. Regnet es häufiger, so bevorzugen die Weibchen dagegen eher Männchen  mit kleineren Schnäbeln.

Die sexuelle Präferenz kann also je nach Umweltbedingung und dem daraus resultierendem veränderten Nahrungsangebot stark variieren. Umso geringer die Vorhersagbarkeit des Wetters, desto wahrscheinlicher machen die Vogelweibchen bei ihrer Partnerwahl Fehler, so Botero.

Auch der Klimawandel dürfte in diesem Zusammenhang ein Rolle spielen. Wetterextremen nehmen tendenziell zu und die Vorhersagbarkeit des Wetters nimmt ab, wodurch monogame lebende Vögel vermehrt zur Polygamie tendieren. Dieser ökologische „cross-over“ erhöht die Chance, dass der Nachwuchs mit den veränderten Umweltbedingungen besser zurechtkommt. Häufige Partnerwechsel können also als Anpassung an veränderte Umweltbedingungen verstanden werden.

Wie oft wir Menschen unseren Partner wechseln, dürfte aber vermutlich nichts mit veränderten klimatischen Verhältnissen zu tun haben. In diesem Fall bedarf es wohl eher einer psychologischen Erklärung. Aber seinen wir uns ehrlich: Es wäre ja auch viel zu einfach, Untreue in menschlichen Beziehungen im Sinne einer Anpassung an das Klima zu rechtfertigen.


* Prinzipiell ist es auch bei monogamen Vögeln üblich, dass der Partner unabhängig von Klimaveränderungen irgendwann gewechselt wird.

Link zur Studie:

'Fluctuating Environments, Sexual Selection and the Evolution of Flexible Mate Choice in Birds'



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Biologische Schädlingsbekämpfung mit Schleiereulen und Turmfalken im Jordantal - Ein Vorzeigeprojekt

10. Februar 2012, 14:15

Das von der Hanns Seidel Stiftung geleitete und durch die EU subventionierte Projekt zur biologischen Schädlingsbekämpfung im Jordantal läuft bereits seit über 25 Jahren, und das ziemlich erfolgreich. Der Einsatz von Schleiereulen (Tyto alba) und Turmfalken (Falco tinnunculus) zur Bekämpfung schädlicher Nagetiere in der Landwirtschaft stellt eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zur Verwendung von Pestiziden bzw. Rodentiziden dar. Doch bei dem Projekt geht es nicht nur um Nachhaltigkeit und umweltverträgliche Landwirtschaft. Im Hintergrund steht dabei natürlich auch das Ziel, die Zusammenarbeit der Farmer zu verbessern und den Friedensprozess in dieser durch Konflikte geprägten Region voranzutreiben.

Gestern bin ich im Guardian-Blog 'Punctuated Equilibrium' auf einen Beitrag über dieses ambitionierte Projekt gestoßen, den ich an dieser Stelle nur weiterempfehlen kann. Dort habe ich auch das folgende Video entdeckt, das den Ablauf und die Entwicklung des erfolgreichen Projekts dokumentiert:

Der von Yuval Dax produzierte Kurzfilm wurde 2011 beim Agrofilm Festival in der Solwakei ausgezeichnet.

Besonders gut gefällt mir die Idee, Munitionsbehälter zu Nistkästen umzubauen. Eine wirklich sinnvolle Zweckentfremdung mit hohem Symbolwert. Mehr Informationen über die Entstehung und den Stand des Programms findet ihr unter anderem auf der Website der Hanns Seidel Stiftung (hier).

Siehe auch:



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Das BirdsongProject: Was bewirkt der Gesang der Vögel im Gehirn der Menschen?

21. Dezember 2011, 20:27

Über die Bedeutung des Vogelgesangs für die Vögel wissen wir schon recht viel, aber wie wirkt sich der Gesang der Vögel eigentlich auf uns Menschen bzw. unsere Psyche aus? Dieser interessanten Frage geht nun ein dreijähriges Forschungsprojekt an der University of Surrey nach, das von National Trust und dem Surrey Wildlife Trust unterstützt wird.

Dabei soll untersucht werden, welchen Einfluss die Wahrnehmung von Vogelgesang und anderen Naturgeräuschen auf unser Wohlbefinden und unsere Kreativität hat. Obwohl es naheliegend ist, dass sich der Vogelgesang positiv auf unser Gemüt und unsere Stimmung auswirkt, gibt es noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür. Die Geräuschkulisse einer Großstadt kann ja nicht nur für Vögel eine Stressbelastung darstellen. Auch viele durch den Lärm gestresste Stadtmenschen empfinden es als erholend, den urbanen Raum zu verlassen und den anthropogenen Lärm gegen melodische Naturklänge einzutauschen. Dass die Wahrnehmung von Naturgeräuschen die Erholung von psychischem Stress erleichtern bzw. beschleunigen kann, hat bereits eine Studie aus dem Jahr 2010 gezeigt.

Aber welche Rolle spielt dabei der Vogelgesang? Reagieren wir unterschiedlich auf den Gesang, oder empfinden alle Menschen die „Sprache der Vögel“ als melodisch und entspannend? Macht es einen Unterschied, ob man den Gesang vorgespielt bekommt, oder ihn in der Natur hört? Welche Vogelgesänge empfinden wir als angenehm, und welche weniger? Das alles und noch viel mehr wollen die Forscher in den nächsten drei Jahren herausfinden.

 

 

Die Projektleiterin und Umweltpsychologin Eleanor Ratcliffe will dazu auch Probanden aus sozialen Netzwerken rekrutieren und die psychologische Wirkung des Vogelgesangs auf sie untersuchen. Wer über den Stand des Projekts am laufenden bleiben will, folgt am besten einfach @birdsongproject auf Twitter bzw. besucht die Facebook-Seite dieses nicht nur aus ornitholgischer, sondern vor allem aus psychologischer Sicht sehr interessanten Projekts.

Mit einem Verweis auf die Dohle (Corvus monedula) - den Vogel des Jahres 2012 verabschiede ich mich mal für 2011 und wünsche frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!



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Der raffinierte Flügelschlag des Kolibris

14. Dezember 2011, 12:26

Unter den Archilochus colubrisVögeln gelten die Kolibris (Trochilidae) zu Recht als Flugakrobaten und zeichnen sich vor allem durch eine sehr hohe Flügelschlagfrequenz (bis zu 50 Schläge/Sekunde) aus. Sie können nicht nur rückwärts und seitwärts fliegen, sondern sind aufgrund der hohen Schlagfrequenz auch dazu in der Lage „in der Luft zu stehen“, was ihnen besonders bei der Nahrungsaufnahme zu Gute kommt. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blütennektar, der ihnen die Energie für ihren kräfteraubenden Flugstil zur Verfügung stellt. Obwohl es der Flug der Kolibris nicht vermuten lässt, zählen sie gemeinsam mit den Seglern, Baumseglern und Höhenschwalmen zur Ordnung der Seglervögel (Apodiformes) und bilden innerhalb dieses Taxons mit über 330 Arten die artenreichste Familie. Ihr Flug erinnert ein wenig an den der flugfähigen Insekten, die genau wie die Kolibris nicht nur beim Flügelschlag nach unten, sondern auch bei der Aufwärtsbewegung der Flügel Auftrieb erzeugen, was für Vögel eher untypisch ist. Unter der Leitung von Tyson Hedrick, einem Biologen an der University of North Carolina versuchte ein Forscherteam den Kolibriflug nun etwas genauer zu durchleuchten und bediente sich dazu spezieller Hochgeschwindigkeits-Röntgenkameras. (Photo: Archilochus colubris; by Dick Daniels)

 

Welche Bewegungsmechanismen ermöglichen den Kolibris, die im Gegensatz zu den Fluginsekten an ein mehr oder weniger starres Endoskelett gebunden sind, diesen Flugstil? Zur Beantwortung dieser Frage filmten die Wissenschaftler Rubinkehlkolibris (Archilochus colubris) während des Fluges. Zuvor mussten die Kolibris aber noch mit kleinen Platin-Kügelchen versehen werden, da die zarten Knochen des Rubinkehlkolibris für die Röntgenkameras unsichtbar waren. Dank dieser Markierungen konnten die einzelnen Knochenbewegungen während des Flugs der Kolibris ermittelt, und später in einem Computermodell dargestellt werden. Dabei fand man heraus, dass der Flügelschlag der Kolibris anders als bei anderen Vögeln abläuft. Während die meisten Vögel ihre Flügel bei der Aufwärtsbewegung zusammenklappen und damit näher an den Körper heranziehen um weniger Luftwiderstand zu erzeugen, lässt sich bei den Kolibris eine Drehbewegung der Flügel bzw. des Handgelenks feststellen, wodurch die Aufwärtsbewegung sogar aerodynamisch effizient wird. Auch der Oberarmknochen wird beim Schlagen der Flügel in eine Drehbewegung versetzt und nicht einfach nur nach oben bzw. unten bewegt. Durch diese Drehbewegungen wird der Flügelschlag nicht nur energieeffizienter sondern auch kräftiger.

Dank dieses raffinierten Flügelschlagprinzips reichen bereits kleine Kontraktionen der Brustmuskeln, um die für den Auftrieb benötigte Schlagbewegung durchzuführen. Diese Technik ist ähnlich jener der Fluginsekten, die aufgrund ihrer geringen Größe ebenfalls eine hohe Schlagfrequenz zum Fliegen benötigen und ihre Muskelkraft effizient einsetzen müssen. Dafür sind kleine, aber besonders schnelle Bewegungen der Flügelknochen bzw. des Flügelapparats notwendig. Bei den Rubinkehlkolibris handelt es sich um besonders kleine Vertreter der Kolibris und es ist noch nicht klar, ob der gleiche Bewegungsablauf auch bei größeren Arten zu beobachten ist. Um das herauszufinden will Hedrick auch den Riesengnom bzw. Riesenkolibri (Patagona gigas), den größten aller Kolibris vor seine Röntgenkameras bitten. Dieser schlägt zwar „nur“ 10 bis 15 Mal pro Sekunde mit den Flügeln, könnte aber ein ähnliches Flügelschlagprinzip wie seine kleineren Verwandten nutzen. Um ihn zu filmen müsste sich das Forscherteam samt Spezial-Kameras aber auf eine Reise in die südamerikanischen Anden vorbereiten, was mit entsprechenden Mehrkosten verbunden wäre.

Dass Kolibris durch eine Drehung des Handgelenks und einer damit verbundenen Invertierung der Flügel beim Aufschlag Auftrieb erzeugen können, wurde bereits 1939 von deutschen Ornithologen vermutet1. Ihre Annahmen konnte durch diese Studie bestätigt werden und die Wissenschaftler sind sich einig, dass die neuen Erkenntnisse zur weiteren Erforschung der unterschiedlichen Formen des Flügelschlags motivieren. Ihre Studie wurde im Fachblatt Proceedings of the Royal Society (B) unter dem Titel „Morphological and kinematic basis of the hummingbird flight stroke: scaling of flight muscle transmission ratio“ veröffentlicht.

 

Links:

 

    1 Stolpe, M. & Zimmer, K. J. Ornithol. 87, 136–155 (1939)



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Ein kleines Vogelquiz

05. Dezember 2011, 18:00

Schon bevor ich zu den scilogs kam, war ich ein begeisterter Leser des Guardian-Blogs „Punctuated Equilibrium“ von @GrrlScientist. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Blogs ist eine Art Vogelquiz, bei dem ein Bild eines beliebigen Vogels zusammen mit ein paar Randinformationen gepostet wird, und die Leser dazu aufgefordert werden den „Mystery Bird“ zu identifizieren und anderen Quizteilnehmern in den Kommentaren Hinweise zu hinterlassen.

Ich habe mich ein wenig in der Blogosphäre umgeschaut und bemerkt, dass es dazu kein deutschsprachiges Äquivalent gibt. Aus diesem Grund spiele ich mit dem Gedanken, so etwas Ähnliches auch in dieses Blog zu integrieren. Natürlich ist so ein Quiz nur dann sinnvoll, wenn auch von Seiten der Leser fleißig mitgeraten bzw. kommentiert wird.

Und hier kommt auch schon der erste Vogel, den es zu identifizieren gilt:

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Bild: Alan Vernon (CC)

Der hier abgebildete Greifvogel ist ein Endemit Nordamerikas und sein bevorzugtes Habitat ist das aride bzw. semiaride Grünland sowie Steppen und Prärien. Von seiner Art gibt es keine Subspezies und seine Beute besteht zum Großteil aus kleinen Säugern, vor allem Nagetieren. Er macht aber auch Jagd auf Reptilien, Insekten und andere Vögel. Seine durchschnittliche Flügelspannweite beträgt 140 cm und sein Maximalgewicht ca. 2,3 kg. Sein deutscher Name rührt von der lateinischen Artbezeichnung her.

Um was für eine Greifvogelart handelt es sich?

Quiz-Regeln:

  • Wenn Ihr zu wissen glaubt, um welche Art es sich handelt oder einen Verdacht habt, postet bitte nur Hinweise (Familie, Gattung, Brutverhalten, weitere Merkmale, etc.).
  • Die Artbezeichnung selbst bitte nicht nennen.
  • Nach 2-3 Tagen wird das Rätsel dann von mir inklusive Zusatzinformationen aufgelöst.

 

Ich hoffe, der Vogel ist nicht zu schwer zu erraten/bestimmen und freue mich schon auf Eure (hoffentlich zahlreichen) Kommentare. Falls es Schwierigkeiten bei der Bestimmung geben sollte, werde ich eventuell zusätzliche Hinweise posten. Sollte das „Quiz“ bei Euch gut ankommen, werde ich auch nächste Woche eine Vogelart auf diese Weise vorstellen.

Viel Spaß beim Erraten/Bestimmen!

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Auflösung:

Königsbussard (Buteo regalis) engl.: Ferruginous Hawk

Unter den Greifvögeln ist der Königsbussard vor allem für sein besonders vielseitiges Nistverhalten bekannt. Über Buteo regalis gibt es übrigens einen sehr empfehlenswerten (leider nur englischsprachigen) Wikipedia-Artikel, wo Ihr neben einer ausführlichen Beschreibung auch das von mir verwendete Bild wiederfindet. Danke für Euer Feedback und fürs Mitmachen: Das nächste Bilderrätsel kommt schon bald ;-)



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Die Gesten der Kolkraben

30. November 2011, 19:43

Sie gehören nicht gerade zu den exotischsten Vertretern der Singvögel und als Laie käme man wohl auch kaum auf die Idee, sie zu dieser Ordnung zu zählen. Doch nicht nur ihr untypisches Aussehen macht die Raben und Krähen zu ganz besonderen Vögeln. Sie gelten heute neben den Papageien und den Spechten als die intelligentesten Vögel überhaupt und sind dem Menschen schon seit langer Zeit bestens bekannt. Sie sind klassische Kulturfolger und eine nicht besonders spezialisierte Gruppe von Vögeln, weshalb sie so gut wie überall auf der Welt vorkommen. Nur in Südamerika findet man keine der 42 heute bekannten Arten. Bild: Kolkrabe, Accipiter (CC BY-SA 3.0)

Bekannt sind Raben und Krähen vor allem für ihr besonders schnelles Lernverhalten. Sie erkennen sich selbst im Spiegel, können Menschen anhand ihrer Gesichtsstruktur unterscheiden und sind in der Lage Werkzeuge zu gebrauchen.

Simone Pika vom Max Planck Institut für Ornithologie in Seewiesen und Thomas Bugnyar von der Universität Wien haben nun einen weiteren erstaunlichen Beweis für die hohe Intelligenz der Vögel gefunden: Kolkraben (Corvus Corax) verwenden Gesten um untereinander zu kommunizieren, ein Verhalten, das sonst nur bei Hominiden beobachtbar ist. Die Fähigkeit zu gestikulieren, also einen Artgenossen mittels Gesten auf etwas hinzuweisen bzw. aufmerksam zu machen gilt bei Menschenaffen als eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von vokaler Sprache. „Gestenstudien haben sich viel zu lange nur auf Primaten beschränkt. Das Geheimnis um den Ursprung menschlicher Sprache kann aber nur gelöst werden, wenn wir über den Tellerrand hinausschauen und die Komplexität von Kommunikationssystemen anderer Tiergruppen mit einbeziehen und ergründen“, sagt Simone Pika und man kann ihr bei dieser Feststellung eigentlich nur zustimmen.

Der niederländische Primatologe und Ethologe Frans de Waal vertritt die Meinung, dass Menschen und Affen die einzigen Tiere sind, die Gesten zielgerichtet einsetzen. Doch es scheint so, als wären auch die Kolkraben dazu in der Lage.

Natürlich handelt es sich dabei nur um referentielle Gesten, also Gesten die auf einen real vorhandenen Referenten verweisen. Diese Gesten lassen sich auch bei Kindern im Alter von 9-12 Monaten beobachten. Mit sogenannten Protogesten machen Kinder auf sich aufmerksam und verweisen z.B. durch Blick- und Greifgesten auf von ihnen begehrte Objekte hin. Bevor ein Kind die ersten Worte spricht spielen Zeigegesten eine wichtige Rolle. Der Referent ist in diesem Stadium meistens ein Objekt der Begierde, für welches das Kind noch keine verbale Bezeichnung kennt bzw. gelernt hat. Symbolische Gesten werden für gewöhnlich erst nach Vollendigung des ersten Lebensjahres entwickelt. Sie gelten neben der Produktion der ersten Worte als Meilensteine im Spracherwerb. Diese symbolischen Gesten werden mit der Zeit immer abstrakter, distanzieren sich zunehmend vom Referenten und werden auch für Objekte verwendet, die momentan abwesend sind.

Symbolische Gesten sind also typisch menschlich, während sich referentielle Zeigegesten (Pointing bzw. Deixis) neben Primaten anscheinend auch bei Kolkraben entwickelt haben. Bei den Raben haben sie eine wichtige Funktion in der paar-spezifischen Kommunikation. Sie dienen nicht der Gewinnung parentaler Aufmerksamkeit, sondern richten sich an den Geschlechtspartner. Auf diese hinweisenden Gesten folgt meistens eine gemeinsame Interaktion mit dem Referenzobjekt. Im Vordergrund steht dabei aber nicht das Objekt selbst, sondern die Interaktion zwischen den Vögeln.

Die Gesten der Kolkraben scheinen also eine wichtige soziale Funktion zu haben. Es geht darum mit anderen Artgenossen in Kontakt zu treten bzw. eine bestehende Beziehung zu vertiefen. So ähnlich ist das auch bei Kleinkindern: Bei ihren Zeigegesten geht es im Grunde genommen auch eher um die Interaktion bzw. Aufmerksamkeit der Eltern, als um das Objekt an sich.

Diese Ähnlichkeit im Verhalten von Kleinkindern und Raben belegen die hohe soziale Intelligenz der Vögel und könnten zu einem besseren Verständnis der Entwicklung von Sprache und Kommunikationsformen im Tierreich allgemein führen. Es lohnt sich also, bei der Untersuchung typisch menschlicher Merkmale auch mal das Verhalten von Tieren zu beobachten, die uns auf den ersten Blick gar nicht ähnlich sind.

 

Links:

Artikel: "Schau Dir das an!" – Auch Raben verwenden Gesten (MPI)

Studie (Abstract): The use of referential gestures in ravens (Corvus corax) in the wild (nature communications)

 



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Lässt der Klimawandel Vögel schrumpfen?

17. November 2011, 16:52

Dass es bestimmte Zusammenhänge zwischen der Körpergröße von endothermen gleichwarmen Tieren (Säugetiere, Vögel) und dem Klima ihres Verbreitungsgebietes gibt, ist schon länger bekannt. Im Jahr 1847 veröffentlichte der deutsche Physiologe Carl Bergmann seine Arbeit Über die Verhältnisse der Wärmeökonomie der Tiere zu ihrer Grösse, aus welcher sich die sogenannte Bergmannsche Regel ableitet. Sie besagt, dass Individuen einer Art bzw. einer Familie in kälteren Regionen größer sind als in wärmeren Gebieten. Verändert sich die Größe eines Organismus, so wirkt sich das auch auf das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen des Körpers aus.

Bei einer Vergrößerung nimmt das Körpervolumen stärker zu als die Oberfläche, über die der Körper seine Wärme abgibt. Mit zunehmender Größe verringert sich also der relative Wärmeverlust eines Organismus. Pinguine sind ein gutes Beispiel um diese Regel zu demonstrieren. So ist der Galápagos-Pinguin um einiges kleiner als der in der Antarktis beheimatete Kaiser-Pinguin:

Wenn sich das regionale Klima wie im Fall der globalen Erwärmung verändert, kann man nun davon ausgehen, dass die dort lebenden Tiere auch in irgendeiner Weise darauf reagieren. Der logisch anmutende Schluss: Der Klimawandel lässt diese Arten tendenziell schrumpfen. Josh Van Buskirk von der Universität Zürich studierte Vögel im Westen Pennsylvanias und stellte fest, dass ihre Körpergröße gemäß der Bergmannschen Regel durch die Klimaerwärmung kleiner wurde.

In einer von der Univerity of Camebridge und der University of Tel Aviv durchgeführten Studie konnte dieser Effekt auch bei israelischen Singvögeln beobachtet werden. Doch es scheint, als würden sich nicht alle Vögel an Bergmanns Regel halten: Rae Goodman und Gretchen LeBuhn von der San Francisco State University analysierten die Daten von über 32.000 Vögeln Zentralkaliforniens und fanden heraus, dass diese in den letzten 40 bis 30 Jahren tendenziell größer, und nicht wie erwartet kleiner wurden. Die Flügelspannweite und die Masse der von ihnen studierten Vögel nahm in diesem Zeitraum um durchschnittlich 2% zu.

Sie veröffentlichten ihre Studie im Journal Global Change Biology und präsentierten zwei Erklärungsversuche für diese unerwarteten Ergebnisse:

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Vögel größere Fettspeicher anlegen um mit den, durch den Klimawandel verursachten Wetterextremen besser zurechtzukommen. Für größere Vögel mit entsprechend längeren Flügelspannweiten stellen beispielsweise Stürme eine deutlich geringere Gefahr dar als für kleinere Vögel. Nach dieser Interpretation haben größere Vögel also einen gewissen Selektionsvorteil gegenüber ihren kleineren Artgenossen. Die Forscher liefern auch eine alternative Erklärung, in der die größere Masse bzw. Spannweite der Vögel auf Ernährungsumstellungen zurückzuführen ist. Diese Umstellungen könnten ebenfalls durch klimatische Veränderungen bedingt sein: Ihre Auswirkungen auf die Flora sorgen dafür, dass sich der Bestand an Insekten einer Region und damit auch das Nahrungsangebot der Vögel ändert.

Die Frage ist nun, inwiefern die Bergmannsche Regel im Bezug auf globale Erwärmung und deren Einfluss auf die Größe von Vögeln Gültigkeit besitzt. Eine Veränderung der Körpergröße ausschließlich als eine Anpassung an klimatische Verhältnisse zwecks optimaler Wärmespeicherung zu verstehen ist sicher nicht sinnvoll. Es gibt noch viele andere ökologische Faktoren, die ebenfalls die Größe eines Tieres beeinflussen können. Möglicherweise sind sie dafür verantwortlich, dass sich nicht alle Vögel an die Regel von Bergmann halten.

Ob Vögel durch den Klimawandel nun größer oder kleiner werden ist also gar nicht so einfach zu sagen. Wie genau sich klimatische Veränderungen auf die Körpergröße von Vögeln bzw. Säugetieren auswirken, wird die Biologen also vermutlich noch länger beschäftigen. Dafür sprechen zumindest die teilweise sehr widersprüchlichen Erkenntnisse aus diesen Studien.

 

Tabelle: Wikipedia (Artikel "Ökogeographische Regel")



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Das Duett der Fraserzaunkönige

04. November 2011, 17:47

Wer in den Anden unterwegs ist und dem Gesang des Fraserzaunkönigs (Pheugopedius euophrys) lauscht, hört möglicherweise mehr als nur einen Vogel zwitschern. Grund dafür ist das perfektionierte Duett von Männchen und Weibchen, das sich wie der Gesang eines einzelnen Vogels anhört. Nun haben Forscher herausgefunden, wie die Fraserzaunkönige diese gut abgestimmte Gesangsleistung erbringen. Bei dem Duett der Zaunkönige handelt es sich um eine Form kooperativen Verhaltens, welche auch bei Menschen und anderen Tieren beobachtet werden kann.

Bisher ging man davon aus, dass sich die Vögel am besten an ihren eigenen Gesang erinnern. Doch das Team um Eric Fortune, einem Biologen an der John Hopkins University in Baltimore (Maryland), fand heraus, dass das Gedächtnis der Zaunkönige auf die gemeinsame Darbietung des Gesangs spezialisiert ist. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen bauten die Wissenschaftler ein neurophysiologisches Labor in der Yanayacu Biological Station auf und analysierten die unterschiedlichen Gesänge der Fraserzaunkönige. Aufgezeichnet wurden dabei neben den Duetten mehrerer Vögel auch einzeln vorgetragene Gesänge. Dabei wurde festgestellt, dass der Gesang der männlichen Zaunkönige stärker variiert und Weibchen allem Anschein nach die besseren Duett-Sänger sind. Außerdem vermuten die Forscher, dass die Weibchen im Duett eine führende Rolle haben und quasi tonangebend fungieren. Kommt das Männchen aus dem Rhythmus, singt das Weibchen einfach weiter und wartet darauf, dass ihr Gesangspartner wieder einsteigt. Fortune geht davon aus, dass das Duett für die Weibchen eine Möglichkeit darstellt, die Fitness ihres potentiellen Geschlechtspartners besser einschätzen zu können.

Im Rahmen der Studie wurde nicht nur der Vogelgesang analysiert, sondern auch die Vorgänge in den mit diesem Verhalten assoziierten Arealen des Gehirns der Vögel untersucht. Dazu wurden sechs Zaunkönige (drei Paare) gefangen, im Labor in einen schlafähnlichen Zustand versetzt und zur Messung der elektrischen Impulse der Neuronen fachgerecht verkabelt. Der Durchmesser der dazu verwendeten Kabel entspach in etwa dem eines menschlichen Haares (zwischen 17 und 180 µm). Dann wurden den Fraserzaunkönigen ihr eigener Gesang vorgespielt und beobachtet, wie sich die Aktivität der Neuronen veränderte. Die Neuronen reagierten auf ihren eigenen Gesang genauso wie auf den ihres Partners. Die größte neuronale Reaktion trat allerdings immer dann auf, wenn ihnen der Gesang vorgespielt wurde, an denen beide Zaunkönige beteiligt waren.

Das hatten die Forscher nicht erwartet: „Es bedeutet, dass die beiden Vögel wissen, was sie gemeinsam zustande bringen“, schließt Fortune aus seinen Ergebnissen. „Es handelt sich dabei um die erste Demonstration, dass das Gehirn dieser Vögel auf die Verarbeitung von schnell alternierenden Geräuschen spezialisiert ist.“ sagt Eliot Brenowitz, Neurowissenschaftler an der University of Washington in Seattle. Die Neurowissenschaftlerin Teresa Nick von der University of Minnesota sieht darin sogar den Beweis, dass es sich bei den Duetten der Fraserzaunkönige um präzise zeitlich abgestimmte „Dialoge“ zwischen den Vögeln handelt, und nicht bloß um eine automatisierte Reaktion auf die Wahrnehmung eines anderen singenden Vogels.

Die Fraserzaunkönige hören also genau hin, wenn ihr Partner etwas vorträgt und passen ihren eigenen Gesang entsprechend an. Inwieweit dieses Verhalten auch bei andere Singvögeln vorkommt ist noch nicht bekannt, aber man sollte davon ausgehen, dass auch andere Vogelarten zu dieser Form kooperativen Verhaltens befähigt sind. Den Fraserzaunkönig können wir leider nur in Südamerika (Ecuador, Kolumbien und Peru) antreffen, doch den Duetten des (eurasischen) Zaunkönigs (Troglodytes troglodytes) können wir auch in unseren Breiten lauschen.

In diesem Video erklärt Dr. Eric Fortune Ablauf und Erkenntnisse seiner Studie:

 

 

Noch eine Anmerkung zur Taxonomie: Der Fraserzaunkönig wurde früher (wie alle anderen Vertreter der Gattung Pheugopedius) zur Gattung Thryothorus gezählt. Heute ist die Gattung Pheugopedius jedoch eigenständig. In der deutschsprachigen Wikipedia ist das anscheinend noch nicht ganz angekommen, weshalb er dort noch als Thryothorus euophrys unter den Zaunkönigen gelistet wird. Prinzipiell halte ich die deutsche Wikipedia für qualitativ hochwertiger als die englischsprachige. Gerade im Bereich der Taxonomie der Vögel gibt es aber einen großen Aufholbedarf, in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.

Bild: Wikipedia, Autor: Browerk (CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

 



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