SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Detritus spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Grüne lehnen grüne Gentechnik ab, ob cis oder nicht

20. Mai 2012, 12:20

Harald Ebner, Experte der Bündnisgrünen für „Agrogentechnik“ hat vor ein paar Tagen den offiziellen Standpunkt der Grünen gegenüber der Cis-Gentechnik dargelegt, nachdem ich danach fragte. Man kann den Beitrag hier nachlesen. Ebners Fazit, so wie ich es verstanden habe: Gentechnik, ob cis oder nicht, ist generell überflüssig und unsicher. Es existierten Alternativen, die über Jahrhunderte erprobt und sicher seien.

Apple in the grass

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Der offizielle Standpunkt der Grünen war vorhersehbar. (Bild von erix!, CC-BY)

Konventionelle Verfahren führen nicht immer zum Erfolg

Ich finde, wir sollten uns die Sache nicht so leicht machen, denn die Wirklichkeit da draußen ist oft zu komplex, als dass sie sich in solche vermessenen Pauschalurteile pressen lassen würde. Grüne Gentechnik als überflüssig zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt. Mit molekularbiologischen Verfahren haben wir viel mehr Möglichkeiten, Pflanzen nach unseren Vorstellungen zu verändern, denn nicht immer führt Züchtung zum Erfolg. Bei der BASF-Kartoffel mit Knollenfäule-Resistenz hatte man über Jahre hinweg versucht, die Resistenz aus Wild- in Kulturkartoffeln hineinzukreuzen, ohne Erfolg. Bananen, Grundnahrungsmittel für Millionen von Menschen und bedroht durch verschiedene Pilzkrankheiten, können praktisch gar nicht mehr gezüchtet werden. Hier gibt es wenig Alternativen zur Gentechnik. Wenn die Verfahren erst etabliert werden müssen, wie im Fall des schorfresistenten Apfels von Professor Cesare Gessler von der ETH Zürich, dauert es natürlich etwas länger. Aber verlieren sie deshalb gleich ihre Daseinsberechtigung?

Angesichts der Herausforderungen der Zukunft (Energiewende, Ertragssteigerungen, Umweltschutz) können wir es uns aber nicht leisten, eine bestimmte Technologie als unnütz abzustempeln, wenn sie ihren Nutzen bereits unter Beweis gestellt hat. Es führen schließlich viele Wege nach Rom. Die Grünen geben vor, zu wissen, welcher Weg der falsche ist. Die Begründung dafür sind aber fadenscheinig und bei näherer Betrachtung nicht haltbar. 

Lebensmittelgefahren durch Gentechnik? Eher nicht.

Ebner sagt richtig, dass sich cis- und transgene Verfahren nur in der Herkunft der Gene unterscheiden. Das Verfahren an sich berge aber Gefahren, so würde das fragliche Gen während der Transformation an einer beliebigen und unkontrollierbaren Stelle eingefügt. Das ist vielleicht nicht ganz falsch, aber diese Aussage ignoriert, dass der Ort der Insertion (des „Events“) sehr genau charakterisiert werden kann. Die Genetikerin Dr. Anastasia Bodnar liefert hierzu Informationen aus erster Hand:

So machen wir es in unserem Labor [an der Universität Iowa], andere Labore machen es vielleicht anders. [...] Jedes Event wird geprüft und die mit offensichtlichen Problemen (Insertion in einem wichtigen Gen) werden verworfen. Die Events ohne diese Probleme werden über viele Generationen rückgekreuzt. Jedes Genfragment, das an anderen Stellen als der primären Insertionsstelle gelandet sein könnte, wird so herausgekreuzt. Das ist schon deshalb notwendig, weil die transformierte Sorte schlechte agronomische Eigenschaften hat [...] und die Zellkultur Mutationen und epigenetische Effekte erzeugen kann. (Quelle, frei übersetzt)

Nach drei Generationen verbleiben nur etwa sechs Prozent der transformierten Pflanze, nach sechs Generationen sind es etwa ein Prozent. Die Agroindustrie hat durch ihre finanzielle Situation noch bessere Werkzeuge: Hier bleibt von der transformierten Pflanze nichts mehr außer des Transgens übrig, da man marker-assisted selection verwendet.

Und so bleibt auch von Harald Ebners Argument nicht viel übrig.

Konventionelle Verfahren sind auch nicht ohne Risiko

Es mag sein, dass die Forscher etwas übersehen. Doch so schwer es auch zu akzeptieren sein mag, nichts im Leben ist ohne Risiko. Es macht keinen Sinn, die Gentechnik stets nur isoliert zu betrachten, also ganz ohne Vergleich zu konventionellen Verfahren. Auch hier gibt es unerwünschte Effekte, besonders wenn mit Mutagenese gearbeitet wird. Auch hier muss rückgekreuzt werden, weil durchaus durch veränderte Stoffwechseleigenschaften Allergene oder Gifte entstehen können.

Für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) existieren – ganz im Gegensatz zu konventionellen Pflanzen – eine Reihe von Pflichtuntersuchungen, in denen die Veränderungen genau unter die Lupe genommen werden. Hier werden intensiv die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit geprüft, wobei die konventionellen Sorte stets die Referenz darstellt. Das Verfahren kostet Millionen. Keine gezüchtete Pflanzensorte musste je so ein Verfahren durchlaufen, obwohl die Eigenschaften teilweise durchaus vergleichbar sind.

Vielleicht holt die Grünen die Realität schneller ein, als ihnen lieb ist. Auf der ganzen Welt werden GVOs angebaut, auf Millionen von Hektarn Ackerfläche und das seit Jahrzehnten. In dieser ganzen Zeit hat es nicht einen einzigen Hinweis darauf gegeben, dass zugelassene Gentech-Pflanzen ein Risiko für die Lebensmittelsicherheit darstellen. Wohlgemerkt sind es transgene Pflanzen, die weltweit und trotz der vielen Versäumnisse der großen Biotechkonzerne mit großem Erfolg angebaut werden. Wo das Gen nun herkommt, ist in der Tat völlig nebensächlich. Relevanz hat es nur in den Köpfen der Verbraucher, wo eine Kombination von Genen weit entfernter Arten Unbehagen hervorruft.

Deswegen sind Einzelfallentscheidungen und individuelle Prüfungen nötig und nicht pauschales Abstempeln, wie es die Grünen tun. Sie täten gut daran, ihren Standpunkt ab und zu an der Realität messen. Es kann auch nicht schaden, mit Fachleuten zu reden, die ihnen die Grundlagen molekularbiologischen, biotechnologischen und genetischen Fachwissens vermitteln könnten.

Harald Ebner hat mit einem Recht: Im Thema Gentchnik ist in der Tat der Wurm drin. Es liegt offensichtlich an der Diskussionskultur der Diskussionsgegner – etwa „Big Agro“ wie Monsanto und die „Grünen“ im weiteren Sinne – die kaum an einer neutralen Darstellung und unvoreingenommenen Wahrheitssuche interessiert sind. 



Geschrieben in grüne Gentechnik | 21 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Äpfel & Kartoffeln: Die Grünen und die cis-Gentechnik

12. Mai 2012, 13:03

Das Wort „cis-Gentechnik” macht in letzter Zeit wiederholt die Runde. Cis-Gentechnik ist etwas anders, als das, was man sonst so als „grüne Gentechnik“ kennt. Was unterscheidet cis- von der transgenen Technik? Welche Rolle spielt dabei die konventionelle Züchtung? Vergleichen wir hier Äpfel mit Äpfeln oder Äpfel mit Kartoffeln?

448820990 099a4aa69f b

Wie unterscheidet sich die cis- von der transgenen Technik? Welche Rolle spielt die konventionelle Züchtung? Der Unterschied ist nicht groß: Beide Äpfel sind gleichermaßen genießbar. (Bild: cc von msr)

Wurden etwa bei transgenem Bt-Pflanzen noch Gene des Bakteriums Bacillus thuringiensis in eine Pflanze eingeschleust, findet man in cisgenen Kartoffeln und Äpfeln lediglich Gene aus Kartoffeln und Äpfeln. Im Prinzip hätte man sie also mit den Mitteln normaler Züchtung herstellen können, nur handelt man sich damit stets unerwünschte Nebeneffekte ein, die man durch langwierige Rückkreuzung beseitigen muss.

Naiv betrachtet nimmt die cis-Gentechnik eine Mittelstellung zwischen konventioneller Züchtung und transgenen Ansätzen ein. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es zwar keinen Grund, weshalb sich die Biosicherheit von trans- und cisgenen unterscheiden sollte, aber sie hat das Potential, die Vorbehalte gegenüber der grünen Gentechnik als unnatürlichen Eingriff in die Schöpfung abzubauen. Die Hauptbedenken zielen ja gerade darauf ab, dass das Kombinieren genetischer Information weit entfernter Organismen irgendwie „falsch“ sein müsste.

Der Nutzen für den Verbraucher

Die neue Generation gentechnisch veränderter Pflanzen hat mitunter echte Vorteile für den Konsumenten.

Die Firma Simplon hat etwa Kartoffeln entwickelt, in denen sie gezielt Gene „ausschaltete“, die die Synthese der Aminosäure Asparagin regulieren. Aus den Kartoffeln hergestellte Pommes frites oder Chips sind arm an Acrylamid, einem krebserregenden Stoff in einigen Lebensmitteln. Hier findet man eine frei zugängliche Publikation von Simplon dazu.

Die Äpfel, die Andrew Allan an dem neuseeländischen Forschungsinstut Plant & Food Research entwickelt hat, haben leuchtend rotes Fleisch, wie einige Wildapfelsorten. Sie enthalten sehr viel Anthocyane, denen gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben werden. Man hat diesen Effekt erreicht, indem man die Genregion, die die Herstellung des „Anthocyan-Enzym“ reguliert, vervielfacht hat. Das ist dem natürlichen Mechanismus in den roten Wildäpfeln nachempfunden. Näheres dazu hier im Prof. Pamela Ronalds Blog.

Der Nutzen für Umwelt und Landwirte

Die bestehenden, klassischen gentechnisch veränderten Pflanzen bedienen vor allem die Bedürfnisse des Landwirts: Herbizidtoleranz (Roundup-Ready) und Insektenresistenz (in Bt-Mais, Bt-Baumwolle, Bt-Soja) sind Erzeugermerkmale. Dass diese Merkmale beim Konsumenten nicht sonderlich beliebt sind, ist verständlich. In der Regel sind diese Merkmale aber gut für die Umwelt: Insektizide werden eingespart und ein höherer Ertrag auf dem Feld spart am Flächenbedarf.

So hat BASF eine Kartoffel entwickelt, die resistent gegen Knollenfäule ist, eine Pilzerkrankung, die die Hungersnot in Irland auslöste. Auch heute gibt es signifikante Ernteeinbußen durch Knollenfäule. In die BASF-Kartoffel wurde ein Merkmal einer Wildkartoffel eingeschleust, das sich über Jahre hinweg partout nicht einkreuzen lassen wollte. Ein Einsatz auf dem Feld spart Pestizide, was der Umwelt zugute kommt, dazu kommen noch die vermiedenen Ernteausfälle. Hier habe ich mich schon einmal mit der Kartoffel befasst.

An der ETH Zürich haben Wissenschaftler unter Professor Cesare Gessler eine schorfresistente Apfelsorte entwickelt, die vor allem Biobauern helfen könnte. Der konventionelle Landbau setzt erfolgreich Fungizide gegen die Pilzkrankheit ein, dem Biolandbau bleibt da nur Kupfersulfat. Das Kupfer belastet aber das Bodenleben und ist auch nicht besonders gesund. Der neue Apfel macht Fungizide überflüssig. Der schweizerische Tagesanzeiger berichtete.

Die so erzeugten Sorten kann man kaum noch als GVO im herkömmlichen Sinne bezeichnen. Die Bedenken hinsichtlich unvorhersehbarer Effekte durch Fremdgene entfallen, ebenso die Angst vor Allergenen. Immerhin sind es nur Apfelgene, die da im Apfel sind. Verglichen mit den Methoden der Mutationszüchtung sind die Methoden der Molekularbiologie eher sanft und vor allem präzise. Trotzdem sind es nach dem Gentechnikgesetz gentechnisch veränderte Organismen, und bedürfen ebenso einer Prüfung und Zulassung. Ob sie nicht aber besser als Züchtungsprodukte behandelt werden sollten, wird offenbar international diskutiert. Dass hier Bedarf für Präzisierung auf Gesetzesebene besteht, findet zum Beispiel auch mein ehemaliger Molekularbiologie-Professor Bernd Müller-Röber. Er stellt sinnvollerweise nicht die Methode der Erzeugung, sondern die Merkmale in den Vordergrund:

Wie beeinflussen wir mit klassischer Züchtung die Pflanzeneigenschaften, und welchen Einfluss hat im Vergleich dazu der transgene oder cisgene Ansatz? Und wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass ich eine physiologische Veränderung genauso oder ähnlich mit klassischer Züchtung erreichen kann, dann sollte das auf jeden Fall in die Bewertung mit einfließen. (Quelle: biosicherheit.de)

Wie sehen das die Grünen und die Umweltverbände wie Greenpeace oder BUND? Eine klare Antwort zu bekommen, ist schwierig. Auf den Websites der Umweltschutzorganisationen konnte ich keinen cis-spezifischen Standpunkt finden. Mehrere Male habe ich versucht, den Sprecher der Bundestagsfraktion für Agrogentechnik Harald Ebner eine Antwort abzuringen ([1], [2], [3]), leider ohne Erfolg.

Mag sein, dass er mich ignoriert, weil ich mit ihm allgemein wegen Gentech aneinadergeraten bin, nachdem er die üblichen Plattitüden und widerlegten Scheinargumente der Gentech-Gegner wiederholte. Es kann natürlich auch sein, dass die Grünen noch keinen Standpunkt zum Thema ausformuliert haben.

Heute hat Sabine Niels, eine grüne Twitterin aus Brandenburg und keine ausgesprochene Expertin in Sachen Gentechnik, mir den offiziellen (?) Standpunkt der Grünen zum Thema mitgeteilt, den sie freundlicherweise im Verlauf der Woche für mich in Erfahrung gebracht hat:

Wir Grüne lehnen die CIS-Gentechnik grundsätzlich ab. Unserer Ansicht nach kommen bei der CIS-Gentechnik die gleichen Techniken zum Einsatz wie bei der Trans-Gentechnik. CIS-Gentechnik ist sehr komplex, wie auch unsere Kritik. Nächste Woche mehr. Folge doch dem @ebner_sha - unser MdB fs Fach (leicht verändert, aus [1], [2], [3])

Das ist eigentlich kaum nachvollziehbar. Entscheidend ist, wie Prof. Müller-Röber sagt, das Merkmal, und nicht die Technik.

Ich hoffe, dass in laufe der nächsten Woche noch eine substanziellere Begründung hindurchsickert. Vermutlich wird sie nur lauten „wir wissen ja nicht, was wir da mit der Pflanze anstellen, das ist alles nicht kontrolliert genug“, obwohl das natürlich nicht stimmt.

Noch mehr hoffe ich, dass die Grünen einen differenzierten Standpunkt zur grünen Gentechnik entwickeln, denn sie bietet Potential für eine bessere Zukunft für Mensch und Umwelt. Bei der gentechnischen Produktion von Humaninsulin hat es eine Weile gedauert, bis die Grünen ihren Widerstand aufgegeben haben. Die Realität hat sie inzwischen längst eingeholt, denn durch den unbestrittenen Nutzen für Diabetiker hat sich auch der Widerstand in der Bevölkerung in Luft aufgelöst.

Links



Geschrieben in grüne Gentechnik | 17 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Re: Was an der Gentechnik schlecht ist

26. Februar 2012, 14:49

Es ist das Image, sagt Jürgen Schönstein von Geograffitico.

Und wisst ihr was? Im Großen und Ganzen hat er da Recht. Ich ergreife hier oft Partei* „für“ die grüne Gentechnik und vergesse dabei: Dem Verbraucher entstehen praktisch keine direkten Vorteile durch die Technologie, die kommerziell erhältlichen Merkmale sind vor allem Erzeuger-Merkmale. Die Herbizidtoleranz erleichtert die Kultur, Pilz- und Insektenresistenz spart Pestizide, wovon vor allem der Geldbeutel und die Gesundheit der Erzeuger profitieren.

Dass insektenresistenter Mais (wie Monsanto MON810) deutlich weniger krebserregende Schimmelpilztoxine enthält, oder dass man aus Fortuna-Kartoffel längere Pommes machen kann sind bestenfalls Sekundäreffekte. Für die virusresistente Papaya, die einen ganzen Industriezweig in Hawaii rettete, und gleichzeitig auch positive Auswirkungen auf die Kultivierung von Bio-Papaya hatte, gilt das gleiche.

Medizinische Produkte wie das gentechnisch hergestellte Humaninsulin oder Lebensmittelzusatzstoffe wie von GMO-Bakterien hergestelltes Lab (für Vegetarier interessant) sind rote und weiße Gentechnik, finden praktisch ausschließlich in abgeschlossenen Laboren statt und erreichen den Konsumenten stets als hochaufgereinigter „Extrakt“. Das wahrgenommene Risiko spielt hier in einer ganz anderen Liga.

Der auch von Jürgen vernachlässigte Aspekt, der immer wieder ins Gegenteil verkehrt wird, sind die positiven Umweltwirkungen gentechnisch veränderte Pflanzen. Sie sind in der Tat besser als ihr Ruf. Die Zahlen sprechen eigentlich für sich: In China ist der Pestizidbedarf kleiner Baumwollfarmen um 80% gesunken, seitdem GMO-Baumwolle eingesetzt wird. In den USA sieht es ähnlich aus, dort ist der Pestizidbedarf in der Soja- Baumwoll- und Maiskultivierung seit der GMO-Einführung ebenfalls stetig gesunken. Der Einsatz von Breitbandherbiziden wie Glyphosat, die im Boden und im Grundwasser nicht überdauern, hat gefährlichere und persistente Pestizide wie Atrazin oder Diuron abgelöst. Diese Errungenschaften werden regelmäßig geleugnet, wie etwa in diesem Report von Navdanya International, der von vielen Umweltverbänden brav wiedergekäut wurde.

Natürlich gibt es Beispiele für verbraucher-orientierte Merkmale, die sind aber entweder vor Jahrzehnten wie die FlavrSavr-Tomate gegen den Baum gefahren worden oder für uns reiche und überversorgte Westler schlicht uninteressant. Reis angereichert mit Vitamin A? Maniok mit erhöhtem Mineralstoffgehalt? Schön und gut, das sind aber Lösungsansätze für Probleme, die wir in Deutschland nicht haben.

Womit kann man den deutschen Verbraucher noch hinter dem Ofen hervorlocken? Vielleicht mit einem blutroten Royal-Gala-Apfel, der 5000 mal mehr Antioxidantien besitzt, als ein normaler Royal Gala? Höchstens, wenn man den Gentechnik-Aspekt nicht in den Vordergrund stellt.

Wie Anastasia Bodnar schilderte, gibt es eine Unmenge von fertig entwickelten Merkmalen, die wie in einer vergessenen Schatzkiste nur darauf warten, ausgehoben und kommerzialisiert zu werden. Das Problem: Sie müssen durch den „regulatorischen Falschenhals“ und sind somit für die großen Konzerne uninteressant. Die Zulassungskosten und das Risiko eines Mißerfolgs am Markt sind zu hoch.

Die Gentechnik-Branche hat hier einige Parallelen zur Pharma-Industrie: Hohe Entwicklungs- und Zulassungskosten verführen zu Monopolen und unmoralischem Verhalten, um das Produkt zu schützen; nützliche Produkte werden gar nicht weiterentwickelt, weil der Markt nicht lukrativ genug ist; viel Geld wird verschwendet, weil viele Firmen parallel dasselbe entwickeln. Wäre die kommerzielle Entwicklung vor allem durch Non-Profit-Organisationen gestemmt worden, hätte man heute eine stärker an den Bedürfnissen des Verbrauchers, und weniger an denen der Hersteller orientierte Produktlandschaft. Außerdem hätten sich die Kritiker nicht auf das Bild des gierigen Kapitalisten mit Doctor-Evil-Blick und Zylinderhut zurückziehen können.

Abgesehen, dass ein ausschließlich durch Non-Profit-Organisationen oder sogar staatlich finanzierte Entwicklung ganz andere Probleme mit sich bringt: Es hätte besser laufen können.

Ja, „die Gentechnik“ hat ein großes Imageproblem, und zwar nicht erst seit gestern. Aber wer hat die Schuld daran? Wirklich die „Gentechnik“ selbst, weil sie am Markt vorbei produziert?

Kann man ihr nicht zumindest eine partielle Opferrolle zugestehen, in der die Angst vor ihr – die natürliche Skepsis vor allem Unbekannten – durch politische Parteien und Umweltverbänden gezielt ausgenutzt wurde, um das eigene Image aufzubessern? Fakt ist: Es werden gezielt Lügen und Halbwahrheiten verbreitet, um die Gentechnik als Ganzes zu miskreditieren.

Und nicht zuletzt: Verhindern nicht die gerade äußeren Umstände, allen voran die exorbitant hohen Zulassungskosten, eine Einführung von Merkmalen, die für den Verbraucher interessant sind? Ist es nicht an der Zeit, die Zulassungsbedingungen den Befunden der Realität anzupassen, fast vierzig Jahre nach der Konferenz von Asimolar?

Jürgen trifft den Kern der Sache ganz gut, wie ich finde, sein Artikel wird der Komplexität des Themas aber nicht ganz gerecht.

Anmerkungen

* Ich „ergreife Partei“ für die grüne Gentechnik nicht etwa, weil ich sie für die beste Lösung für alle Probleme halte, sondern weil ich sie im öffentlichen Diskurs oft als falsch dargestellt empfinde.



Geschrieben in grüne Gentechnik | 19 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Gentechnik: Die taz erklärt Wissenschaftlern die Welt

09. Februar 2012, 23:24

Die taz titelte heute „Gentechnik kein Allheilmittel – Innovationen auf dem Acker“, was bei mir alle Alarmglocken schrillen ließ, denn niemand behauptet ernsthaft, dass Gentechnik ein Allheilmittel sei, weswegen es wenig Sinn macht, diese Aussage zu widerlegen. Das ist ein argumentativer Pappkamerad, ein Strohmann, den man leicht abbrennen kann, um das Gegenüber zu diskreditieren: Man schiebt dem „Gegner“ eine unmögliche Position unter, die er nicht vertritt, um sie dann zu demontieren und sich im Recht zu fühlen.

In der Anfangszeit der Gentechnik mag dieser Enthusiasmus in Fachkreisen durchaus vorgekommen sein – man denke nur daran, welche Hoffnungen an der Sequenzierung des Humangenoms hingen – aber Wissenschaftler sind nicht die ideologisch verblendeten technikgläubigen Spinner, die erst von der Realität eingeholt werden müssen, als die sie die taz darstellt.

Forscher begreifen, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen nicht ausschlaggebend sind für die Welternährung. […]

unter Wissenschaftlern hat sich klammheimlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen kaum eine Rolle spielen werden, wenn es darum geht, in 40 Jahren 9 Milliarden Menschen zu ernähren, was eine Mehrproduktion von 50 Prozent bedeutet. […]

Tatsächlich diskutieren viele Wissenschaftler kaum noch mit ideologischen Scheuklappen. […]

Ein Paradigmenwechsel hat sich in den Laboren vollzogen.

Diese Aussagen sind eine unglaubliche Frechheit. Kathrin Burger sollte sich schämen, den Wissenschaftlern und technischen Kräften eine solche Position unterzujubeln, und ihnen zu sagen, dass sie endlich begreifen sollen, dass Gentechnik so furchtbar überflüssig ist. Und dass es ja viel bessere Werkzeuge gibt, mit denen man die großen Probleme der Landwirtschaft lösen könne.

Frau Burger hat ganz richtig erkannt, es geht nicht um „Bio vs. konventionelle Landwirtschaft“ oder „Gentechnik ja oder nein“ – diese dämlichen Konflikte haben in die Fachdiskussionen der Forschergemeinde nie Einzug gehalten. Das wäre auch völliger Blödsinn: Allein die so genannte „konventionelle Landwirtschaft“ umfasst ein derartig breites Spektrum an Methoden und Ansätzen, dass es eigentlich wenig Sinn macht, die alle in einen Topf zu werfen. Vielmehr muss man das beste aus allen Welten kombinieren, situationsabhängig und unter Berücksichtigung der Bedingungen im Einzelfall, um eine optimale Lösung zu finden. 

Es geht in der Forschung allgemein um die Lösung von Problemen, wie etwa wie man die Nährstoffzusammensetzung der Pflanzen verbessert; oder sie resistent gegen Pilze, Bakterien, Viren oder Insekten zu machen, um den Pestizideinsatz zu verringern; sie gegen Überflutung oder Dürre tolerant zu machen, um Ernteausfälle zu vermeiden; oder einfach einen Apfel gesünder zu machen, indem man ihn bestimmte Substanzen vermehrt herstellen lässt. Selbst die Etablierung von den vielgescholtenen Herbizidresistenzen macht Wirtschaftsformen möglich, die besonders schonend für den Ackerboden sind. 

Dass sich bestimmte Probleme mit Züchtungsmethoden schneller oder einfacher lösen lassen, als mit der Gentechnik, ist alles andere als eine neue Erkenntnis. Jeder, der nur zwei Artikel zum Thema gelesen hat, wird das kapiert haben. Hier wird durch die taz etwas als Neuigkeit verkauft, nein, als Argument gegen die ach so unnütze grüne Gentechnik, was in Fachkreisen vermutlich seit Jahrzehnten common sense ist. Dass die Verbesserung der Anbaumethoden zur Verbesserung der Nachhaltigkeit vor allem in weniger entwickelten Ländern riesiges Potential ist so offensichtlich, dass man es kaum fassen kann, dass einem die taz als etwas verkaufen will, was der gemeine Wissenschaftler erst jetzt realisiert haben soll.

Es liegt auf der Hand: Die Gentechnik macht vieles möglich, was man mit den altgedienten traditionellen Methoden zur Genom-Modifikation (also „Züchtung“), nicht erreichen konnte. Man kann mit ihr Gene zwischen sexuell inkompatiblen Spezies austauschen, sogar Gene weit erntfernter Arten kombinieren. Wer aber einmal eine Idee davon bekommen hat, wie komplex die Regulationsmechanismen in einer Pflanze sind, wird einsehen, dass die Möglichkeiten der Technologie trotzdem recht begrenzt sind. Wer ein Grundverständnis davon hat, wie verschieden sich Genprodukte in unterschiedlichen Umgebungen verhalten können, wird ein Allheilmittel-Versprechen nicht ernst nehmen können. 

Denn es ist vielmehr so, dass durch sich durch die Züchtung entscheidet, ob man einen pflanzlichen Oldtimer oder einen Formel-Eins-Wagen auf dem Acker fährt. Durch die Gentechnik kann man Heckspoiler oder andere Gimmicks anbringen, aber das Modell substanziell zu ändern, ist ziemlich schwierig. Die traditionelle Kreuzung, bei der einfach mal alle Gene gut durchgeschüttelt und ungerichtet kombiniert werden, kann bei komplexen Eigenschaften viel schneller zum Ziel führen.

Die Art des Problems bestimmt die Wahl der Werkzeuge: Es gibt einige Beispiele, wo Züchtung schlicht und einfach nicht weiterhilft. So werden Bananenpflanzen derzeit von einigen desaströsen Krankheiten heimgesucht, und weil Bananenpflanzen steril sind, kann man keine Resistenzgene einkreuzen. Deswegen liegt viel Hoffnung in transgenen Ansätzen. Über Jahre hinweg hat man versucht, eine Knollenfäule-Resistenz aus Wildkartoffeln in normale Kulturkartoffeln einzukreuzen – ohne Erfolg. Vor kurzem hat BASF nun eine Kartoffelsorte mit eben dieser Resistenz zur Zulassung eingereicht – das Wildkartoffelgen wurde aber mit gentechnischen Scheren und Pinzetten verpflanzt. Umgekehrt hat ebern auch die moderne „Präzisionszucht“ Erfolge gefeiert  – im Artikel wird der überflutungstolerante sub1-Reis genannt. Wäre dieser Reis gentechnisch erzeugt worden – hätte ihn die taz wie den Golden Rice als „Imagekampagne“ verunglimpft?

Beweist der eine oder andere Fall eine generelle Überlegenheit einer bestimmten Methode? Natürlich nicht – wie gesagt, entscheidet das konkrete Problem über die Wahl der Werkzeuge.

Die unzureichende Trennung von Agrarindustrie und staatlich finanzierter Forschung ist ein weiterer Punkt, der mich am Artikel stört. Nicht nur die Industrie forscht an Ackerpflanzen, es gibt eine Menge unabhängiger Forschung zu dem Thema! So wird richtig gesagt, dass die Entwicklung bestimmter gentechnisch modifizierter Ackerfrüchte wie Banane, Yams oder Teff für die Industrie nicht lohnenswert sind – verschweigt aber, dass daran wahrscheinlich vor allem die immensen Kosten der Zulassungsbedingungen Schuld sind. Es gibt eine Vielzahl von Merkmalen, die fertig entwickelt auf die Kommerzialisierung warten. Und dass an gentechnisch modiiziertem Maniok und Bananen schon seit vielen Jahren geforscht wird, und zwar staatlich oder von nicht-staatlichen non-profit-Organisationen finanziert – wird ebenfalls unterschlagen.

Liebe taz, es ist schön, dass ihr begriffen habt, dass die Gentechnik nicht alle Agrar-Probleme der Welt lösen kann. Die Agrarwissenschaftler, Genetiker und Pflanzenwissenschaftler dieser Welt wussten das schon etwas länger. Vielleicht hättet ihr mal früher jemanden fragen sollen, der mit dem Thema professionell befasst ist? Wissenschaftler diskutieren nämlich ungern mit euren „ideologischen Scheuklappen“, das liegt in der Natur der Sache, Probleme lösen zu wollen und Lösungsansätze möglichst unvoreingenommen zu diskutieren.

Links und Literatur



Geschrieben in grüne Gentechnik | 26 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Gentechnik in Europa: BASF kapituliert

18. Januar 2012, 22:45

Nachdem sich in den letzten Jahren die Ablehnungshaltung der Europäer gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft verhärtete, schließt BASF nun alle entsprechenden Forschungseinrichtungen und richtet seinen Fokus auf andere Regionen. Deutschlands Äcker sind damit ab 2012 nun endgültig Gentechnik-frei. Greenpeace frohlockt und wiederholt mantraartig „Agro-Gentechnik ist keine Zukunftstechnologie“ und „Koexistenz ist nicht möglich“ – als wenn es dadurch wahr werden würde. NGOs wie Greenpeace oder Foodwatch haben maßgeblich dazu beigetragen, in der Bevölkerung und Politik eine nicht rational zu rechtfertigende Abwehrhaltung gegen alles was „Gen“ im Namen hat, aufzubauen. Der Abzug von BASF nach Nordamerika ist letztlich eine geschäftstaktische Reaktion, die ich nachvollziehen, aber nicht gutheißen kann, denn es ist eine Kapitulation vor der Unvernunft.

Demo

Nicht nur mit dieser Art von Protest musste sich BASF auseinandersetzen, Argumente spielen beim Fähnlein schwenken eine eher untergeordnete Rolle (Bildquelle: CC-BY-SA by Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg)

Ablehnung hat in den letzten Jahren zugenommen

Freilandversuche durchzuführen ist für Universitäten und Forschungsinstitute zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden. Aktivisten zerstörten wiederholt Versuchsfelder und sabotierten damit öffentliche Forschung. Zuletzt richtete sich die Gewalt nicht nur gegen Versuchspflanzen, sondern auch gegen Menschen: Im Sommer 2011 brachen Aktivisten in den „Schaugarten Üplingen“ in Sachsen-Anhalt ein, bedrohten den Wachschutz mit Pfefferspray und zerstörten anschließend Gen-Weizen und Killer-Kartoffeln. Ein Jahr zuvor gab es Übergriffe auf das private Umfeld des ETH-Professors Wilhelm Gruissem, der Risikoforschung an gentechnisch veränderten Pflanzen betreibt. Die Militanz der Gentechnik-Gegner hatte damit definitiv ein neues Level erreicht. Damit sind die Felder inzwischen nicht nur ein finanzielles, sondern ein persönlich bedrohendes Risiko. 

Von der Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Ackerpflanzen kann man hierzulande nur träumen: Kleinunternehmen haben es längst aufgegeben, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Nur die Großkonzerne mit ihren prall gefüllten Kassen können darüber nachdenken, eine neue Pflanzensorte durch den Zulassungswahnsinn zu prügeln. Selbst nach erfolgreicher Zulassung sind die Firmen nich nicht sicher: Gegen Monsantos insektenresistenten Mais MON810 gibt es in vielen europäischen Ländern politisch begründete Anbauverbote.

BASF kapituliert – das falsche Signal

Nun hat BASF als das letzte Großunternehmen, das in europäische Agrar-Gentechnik zuletzt mehr als eine Milliarde Euro investiert haben will, endgültig das Handtuch vor der Ignoranz der Europäer geworfen. Der Konzern stampft damit auch alle auf den europäischen Markt ausgerichteten Projekte ein, wie die Papierstärke-Kartoffel Amflora, die nach 13 Jahren endlich eine EU-Zulassung bekam, oder auch die mit Wildkartoffelgenen versehene Fortuna, die resistent gegen Knollenfäule ist. Amflora wollte keiner haben und wurde nach nur zwei Jahren nicht mehr vermarktet. Die Pommes-Kartoffel Fortuna, deren Zulassung erst im November 2011 beantragt wurde, wird gar nicht erst am Markt eingeführt werden.

Damit ist auch nicht zu erwarten, dass die Bürger durch den Kontakt mit dem Produkt die Scheu vor ihm verlieren.

Auch aus anderen Gründen ist der BASF-Rückzug bedauerlich: Arbeitsplätze und damit auch Perspektiven für Jungforscher in Deutschland gehen verloren, und in der Konsequenz wandert das Know-How in das Ausland ab. Ein Kommentar, den ich vor kurzem von einer „nachwachsenden“ Pflanzengenetikerin gehört habe, lautete: „Naja, dann gehe ich halt auch in die USA, um da zu arbeiten“. Nicht zuletzt waren die schlechten Perspektiven auf dem Gebiet auch für mich der Hauptgrund, weshalb ich mich nach meiner Diplomarbeit am MPI für molekulare Pflanzenphysiologie von diesem Themenfeld abwandte, um am Forschungsinstitut für molekulare Pharmakologie an einem Projekt mit medizinischer Relevanz zu arbeiten.

Natürlich ist es auch ärgerlich, dass sich der Konzern nun unter dem öffentlichen Druck gebeugt hat und die Gentechnikgegner sich gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Die Panikmache in der Öffentlichkeit war erfolgreich. 

Wer hat Schuld an der Misere?

Ich glaube nicht, dass die Ablehnung bei entsprechender Aufklärung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten wäre – die existierenden Vorurteile richten sich meistens gar nicht gegen die Technologie an sich, und kann man sie dementsprechend auch abbauen. Leider wird der Themenkomplex von NGOs, vorgeblich „naturnah“ operierenden Unternehmen und nicht zuletzt die Politik für ihre Zwecke instrumentalisiert und missbraucht. Damit sind die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern verhärtet und die extremen Meinungen der Aktivisten beider Seiten sind in die öffentliche Meinung gesickert. Sicher kommt auch den Großkonzernen, die durch massive Lobbyarbeit und aggressive Patentpolitik auffallen, ein Teil der Schuld am Imageverlust der grünen Gentechnik zu.

Dabei liegt es auf der Hand, warum wir Gentechnik brauchen, auch in Europa. Eine Landwirtschaft, die in summa nachhaltiger ist, als die „konventionelle“ oder die „biologisch-organische“, wäre damit möglich. Ein Beispiel ist die bereits erwähnte BASF-Kartoffel Fortuna, die die Verwendung von giftigen Pilz-Pestiziden verringern könnte, deren erfolgreiche Marktzulassung nun aber wieder fraglich ist.

Stattdessen ziehen die Wohlstandsmaden am 21.01. wieder ums Rote Rathaus, demonstrieren gegen Gentechnik und für „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“. Macht dieser Slogan denn überhaupt Sinn?

Lesenswert



Geschrieben in grüne Gentechnik | 28 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Neue Gentech-Kartoffeln sperren sich gegen Gegnerargumente

03. November 2011, 22:16

Die Gentechnik wird häufig aufgrund irrationaler Ängste abgelehnt, wie in den achtziger Jahren, als es um die Herstellung von Insulin ging, und heute, wenn es um die Bekämpfung des mitunter tödlichen Dengue-Fieber geht.

Bei einer direkten medizinischen Anwendung wird die Notwendigkeit, im Genom von Lebewesen herumzuschneiden, von vielen Menschen noch toleriert, der Spaß hört aber spätestens auf, wenn es um die (verbesserte) Erzeugung von (verbesserten) Nahrungsmitteln geht. Dabei hängen davon natürlich auch eine Menge Schicksale ab – das Problem der Überbevölkerung unseres Planeten und des massiv steigenden Bedarfs an Nahrung ist bekannt. Wir satten westlichen Wohlstandsmaden halten es nicht für nötig, neue Wege gegen welkende Bananen, verrottende Papayas, giftigen und ungesunden Maniok oder die siechenden Ug99-infizierten Weizenfelder zu beschreiten. Uns geht es ja auch gut hier in Mitteleuropa, wir haben die Wahl zwischen gezuckerten, aromatisierten, vollkornhaltigen oder politisch korrekten Cornflakes.

Platte Parolen gegen Gentechnik

Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind für viele Menschen keine Option, zu groß ist die Angst. (Bild von Global2000, CC-BY-NC-SA)

Viel lieber schindet man immer wieder dieselben Argumente gegen die „Agro-Gentechnik“: Es fände eine unnatürliche Übertragung von Genen einer Art in die andere statt, die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringe, man wisse nicht, was „neue Gene“ in der Nahrung im Menschen anrichten, außerdem würde der Einsatz von Pestiziden gesteigert, und sowieso will Gentechnik im Essen niemand, der noch alle Tassen im Schrank habe. 

Wie ich gerade bei transgen.de gelesen habe, gibt es eine neue gentechnisch verbesserte Kartoffelsorte von BASF, die einige dieser Argumente hinfällig macht. Es geht um eine robuste Resistenz gegen die Kartoffelfäule, hervorgerufen durch Phytophtora und Ursache von Hungersnöten im vorletzten Jahrhundert und signifikanten Ernteausfällen in heutiger Zeit:

Schon vor vielen Jahren hatten niederländische Pflanzenforscher in zwei unscheinbaren südamerikanischen Wildkartoffeln Gene entdeckt, die eine robuste Resistenz gegen den Phytophthora-Erreger bewirken. Vergeblich haben die Züchter bisher versucht, diese Resistenzgene zu nutzen: In fünfzig Jahren ist es nicht gelungen, sie in Kultursorten mit guten Anbau- und Produkteigenschaften einzukreuzen. Vor acht Jahren begann BASF Plant Science mit der Entwicklung von  Phytophthora-resistenten Kartoffeln. Dazu wurden allein die beiden Resistenzgene mit gentechnischen Verfahren auf Kulturkartoffeln übertragen - ohne den "genetischen Ballast" der für eine Kultivierung unerwünschten Eigenschaften der Wildkartoffeln.

Die Kartoffeln haben also „neue Gene“ aus Wildkartoffeln bekommen. Weder mussten dafür „Artengrenzen“ überschritten werden, noch droht die Gefahr, dass sich diese Gene unkontrolliert in der Natur oder konventionellen Kartoffelkulturen ausbreiten würden. Kartoffeln werden über die Knollen vermehrt und überleben keinen frostigen Winter. Da die natürlichen Resistenzen den Einsatz von Pestiziden direkt vermindert, fällt auch das RoundUp-Argument „Gentechnik bedeutet mehr Pestizide in der Umwelt“ weg. Greenpeace verzichtet in seinem Statement zur neuen Kartoffelsorte bezeichnenderweise gleich ganz auf Argumente.

Bleibt noch die Angst vor der Technik, mit der man die neue Sorte erzeugt hat. 

Und so muss noch einige Jahre warten, bis man in den Genuss dieses Produktes kommt. Umweltministerin Aigner hat bereits „mehrere Jahre“ langwieriger Zulassungsverfahren angekündigt.

Links zum Thema



Geschrieben in grüne Gentechnik | 29 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Gerichtsurteile zur Gentechnik: Pollen im Honig und Anbauverbote

08. September 2011, 22:05

Diese Woche hat der europäische Gerichtshof (EuGH) zwei wichtige Urteile zur grünen Gentechnik gefällt. Das erste, das  Pollen gentechnischer Pflanzen verunreinigtenHonig betrifft, mutet bizarr an. Das zweite, das den EU-Mitgliedstaaten ein pauschales Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen untersagt, wirkt vernünftig, scheint aber mit dem ersten kaum vereinbar. Aber der Reihe nach.

EuGH

Der Europäische Gerichtshof (EuGH), amtlich nur Gerichtshof genannt, mit Sitz in Luxemburg ist das oberste rechtsprechende Organ der Europäischen Union (EU). Quelle: Deutsche Wikipedia.

Transgene Pollen im Honig machen ihn zulassungspflichtig

Transgen.info meldete am 6. September in einem Artikel, in dem man noch einige Details findet:

Honig, der den Pollen eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) enthält, bedarf der Zulassung, da es sich hierbei um ein Lebensmittel handelt, dass "aus einem GVO hergestellt" wurde. Das ist die Kernaussage eines heute vom Europäischen Gerichtshof gefällten Urteils. Es stellt damit die bisherige Rechtspraxis in Frage und dürfte weitreichende Konsequenzen haben. So könnte es zu einem faktischen Importverbot von Honig aus Staaten kommen, in denen der Anbau von gv-Pflanzen weiter verbreitet ist als in der EU.

Anders als etwa bei gentechnisch verändertem Futter, von dem durch die „Veredelung“ durch die Tiere nichts mehr nachzuweisen ist, sei der Pollen eine Zutat des Honigs, und damit das gesamte Produkt genehmigungs- und auch kennzeichnungspflichtig. Wohlgemerkt betrifft eine Kennzeichnung und das bloße Inverkehrbringen nur Pollen von Pflanzen, die als Nahrungsmittel zugelassen sind. Für die Pflanzen, die lediglich als Futtermittel zugelassen sind, greift die hirnverbrannte Nulltoleranzregel.

Diese Nulltoleranz macht eine Koexistenz von gentechnisch veränderten Pflanzen und „konventionellen“ Pflanzen praktisch unmöglich: Muss der Produzent für die Pollen seiner Pflanzen haften, macht das den Anbau von GVOs zumindest sehr schwierig.

Ein unschuldiges Pollenkorn reicht also, um den Honig zu verderben. Dabei steht der Nachweis, das der Verzehr von GVOs per se gesundheitliche Folgen hätte, nach wie vor aus. Dazu kommt, dass mit zunehmender Verbreitung der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft und immer besseren Analysemethoden, um jede „Verunreinigung“ aufzuspüren wohl immer schwieriger werden wird, diese Vorgabe einzuhalten.

Eine andere Meldung dieser Woche zeigt, dass ganz andere Dinge im Honig eine Gefahr darstellen. Es sind ganz natürliche Substanzen, die Honige aus Südamerika vergiften. Durch die krebserregenden Pyrrolizidinalkaloide, die rein pflanzlichen Ursprungs sind, kam es sogar schon zu Todesfällen:

Mehrere Menschen sind gestorben, weil sie PA-haltige Pflanzenteile etwa zusammen mit Getreide oder Kräutertees zu sich genommen hatten. Andere überlebten, trugen aber zum Beispiel Leberschäden davon. In Tierversuchen erhöhten PA zudem das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Es gibt nicht einmal richtige Grenzwerte, sondern nur eine vorläufige Bewertung durch das BfR.

Anbauverbot von GVOs nur bei offensichtlicher Gefahr für Mensch und Umwelt

Dazu passt überhaupt nicht die zweite Entscheidung des EuGH, die sich mit nationalen Anbauverboten von GVOs befasst.

Zitat von transgen.info (Meldung vom 08. September 2011):

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in einem heute verkündeten Urteil enge Grenzen für nationale Alleingänge gesteckt. […] Mitgliedsstaaten sind nur dann zum Erlass von "Sofortmaßnahmen" berechtigt, wenn eine Situation vorliegt, "in der ein erhebliches Risiko bestehen kann, das offensichtlich die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt gefährdet." Solche Maßnahmen können, so der EuGH, "nur getroffen werden, wenn sie auf eine möglichst umfassende Risikobewertung unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des konkreten Falles gestützt sind, die erkennen lassen, dass  diese Maßnahmen geboten sind."

Die Anbauverbote von MON810-Mais in Deutschland und Frankreich, die auch von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus unhaltbar sind, dürften damit auf Dauer kaum aufrecht zu erhalten sein.

Fazit

Ein pauschales Anbauverbot ist zwar für die EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr durchsetzbar, aber de facto wird der Anbau durch die Nulltoleranzregelung und die Pollenproblematik trotzdem nicht einfacher. Moderne landwirtschaftliche Methoden, die auf Gentechnik basieren, und „gentechnikfreie Lebensmittel“ sind somit nicht vereinbar. Es müssen doch aber beide Seiten zu Kompromissen bereit sein, wenn wir die Vorteile der Gentechnik nicht ignorieren wollen – bisher scheint aber eine Koexistenz praktisch unmöglich. Wissenschaftliche Freilandversuche mit GVOs sind ebenso bedroht.

Man kann dem EuGH kaum einen Vorwurf machen, denn die bestehenden Regeln wurden wohl nur streng ausgelegt. Wir müssen vor allem die Nulltoleranzpraxis irgendwie loswerden – sie ist meines Erachtens absolut unvernünftig.

Nachtrag: Bitte auch den unten stehenden Kommentar von Torben Hoffmeister beachten, der vor einer Überinterpretation der Urteile warnt.

Links und Quellen



Geschrieben in grüne Gentechnik | 35 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Experten ohne Expertenwissen?

28. Juni 2011, 23:00

„Anders als im natürlichen Geschehen, kombiniert der Mensch im Reagenzglas Erbmaterial über Artgrenzen und Naturreiche hinweg.“

-- Dr. Manon Haccius, studierte Agrarwissenschaftlerin

Nee, die von Alnatura haben wirklich keine Ahnung, wovon sie da so reden. Ein Doktortitel und ein Studium der Agrarwissenschaften machen zwar Eindruck, garantieren aber nicht für Sachverstand. Ich bin bei weitem kein Experte für all die Sachen, über die ich hier Dampf ablasse, aber so ein paar Grundkenntnisse habe ich dann doch. Das scheint bei Alnatura nicht der Fall zu sein. 

Ich war zuerst erstaunt, eine „studierte Agrarwissenschaftlerin“ so einen Unsinn verzapfen zu sehen. Aber: was erwarte ich eigentlich? Frau Dr. Haccius arbeitet bei Alnatura schließlich nur im Qualitätsmanagement und Verbraucherservice. Ich bin jetzt auch zu faul, zu recherchieren, ob sie sonst als „Expertin“ für Gentechnik aufritt. Überraschen würde es mich nicht.

Was stört mich so an dem letzten Artikel im Alnatura-Blog zur Initiative „Vielfalterleben gegen grüne Gentechnik? Man darf dort so etwas lesen:

Während der Zellteilung wird die DNS ausgebreitet und dann rekombiniert. Was an Gestaltungsprozessen hier natürlicherweise abläuft, versucht der Mensch mit chemisch-technischen Mitteln zu beeinflussen. Genabschnitte werden »ausgeschaltet«, entfernt oder neu eingefügt. Anders als im natürlichen Geschehen, kombiniert der Mensch im Reagenzglas Erbmaterial über Artgrenzen und Naturreiche hinweg.

Dass der Zellzyklus hier falsch dargestellt wird und an anderer Stelle alle Prokaryoten und Einzeller unter den Tisch gefallen lassen werden[1] – geschenkt. Aber das da oben ist so falsch, so verdammt falsch auf so vielen Ebenen, dass es mir die Haare zu Berge stehen lässt, und ich gar nicht weiß, wo anfangen. Ich will's mal versuchen:

  1. „Gestaltungsprozesse“ implizieren einen Gestalter, oder zumindest eine gerichtete Entwicklung (Lamarck lässt grüßen!). Dabei weiß die WissensElite® doch längst, dass das Universum durch den großen grünen Arkelanfall entstanden ist. Und dass Darwin recht hatte.
  2. Rekombination ist kein sanftes oder behutsames „Gestalten“. Es werden riesige Genabschnitte rekombiniert, da kann auch leicht mal was schief gehen. Deletionen oder Duplikationen von Genen können die Folge von sich während der Meiose kreuzenden Chromosomenarmen sein, nicht ohne Grund geht man davon aus, dass beim Menschen die Hälfte der befruchteten Eizellen zugrunde gehen, größtenteils unbemerkt.
  3. Nicht nur in der Gentechnik werden „chemisch-technische“ Mittel angewendet. Konventionelle Zuchtmethoden bedienen sich etwa Mutagenen, mit denen ungerichtete Schäden und Umordnungen im Genom veranlasst werden. Hier gibt es keinen Aufschrei – warum auch? Chemie und Technik sind per se nichts schlechtes. Wie immer kommt es darauf an, wie man die Technik einsetzt.
  4. Das Genom ist nicht etwa statisch, wie im Artikel suggeriert wird: Mutationen sind etwas natürliches. Der Mensch beschleunigt bei der Mutationszüchtung nur die natürliche Mutationsrate und selektiert anschließend nach seinen eigenen Gesichtspunkten. Das ist natürlich alles andere als „natürlich“. Und auch in der Natur können Genabschnitte ungerichtet „ausgeschaltet“ werden, etwa durch springende Gen-Elemente, die Transposons.
  5. Eine innerartliche Rekombination durch Gentechnik ist möglich und erscheint oft auch sinnvoll. Gentechnik bedeutet nicht zwingend, dass Gene eines Organismus einer Art in einen Organismus einer anderen Art transferiert werden. Der rotfleischige Royal-Gala-Apfel ist nur ein Beispiel für sogenannte „cisgenics“, denkbar ist auch das Transferieren von Resistenzgenen gegen den aggressiven Ug99-Getreideschwarzrost von einer Weizensorte auf eine andere.
  6. Erbmaterial kombiniert sich in der Natur sehr wohl über „Artgrenzen“ hinweg: Weizen ist aus drei verschiedenen Wildgrasarten hervorgegangen, das Futtergetreide Triticale sogar aus der Kreuzung von Roggen und Weizen. Es fand und findet ein stetiger Fluss genetischen Materials vom Chloroplastengenom in das Kerngenom statt, gleiches gilt für das Mitochondrium. Ein Gentransfer von einem quasi-bakteriellem Organismus auf ein Eukaryoten! Ähnliches gilt für andere Endosymbionten, wie etwa Wolbachia in Drosophila, oder die Photosynthesegene aus Vaucheria-litorea-Chloroplasten in die Zellkerne der Meeresschnecke Elysia chlorotica.
  7. Gottgegebene, statische „Naturreiche“ halte ich sowieso für eine Illusion.

Auch schön:

    [Gentechnik:] Es handelt sich um einen schnellen, drastischen Weg der Veränderung, nicht vergleichbar mit dem bedächtigen Voranschreiten der natürlichen Evolution, die ausschließlich innerhalb der Artgrenzen abläuft.

    Wie man angesichts der ansehnlichen Ausstattung von Antibiotikaresistenzen im aktuellen epidemischen EHEC-Stamm so etwas behaupten kann, ist mir schleierhaft. Evolution vollzieht sich nicht ausschließlich in kleinen Schritten, und sie kümmert sich, wie gesagt, auch oft nicht um „Artgrenzen“.

    Zweifelhaft erscheint der Sinn von »Pharmcrops«, also Pflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie in ihrem Stoffwechsel Pharmaka produzieren.

    Wenn sich der werten Autorin der Sinn von Medikamenten, wie etwa therapeutischen Antikörpern, nicht erschließt, kann man nur hoffen, dass sie nie darauf angewiesen sein muss.

    Mich stört bei der Diskussion vor allem der Dogmatismus, mit der eine Koexistenz oder en bloßer Nutzen der Gentechnik kategorisch ausgeschlossen wird. Anderswo ist man da sehr viel weiter: Wie Biolandbau und Gentechnik die Welt verbessern kann, erzählt etwa. Prof. Pamela Ronald von der University of California in ihrem Blog „Tomorrows Table“.

    Bis die Diskussion in deutschen Landen angekommen ist, resigniere ich über den allgegenwärtigen Unsinn, der mir entgegenschlägt, sobald ich auf das Thema „Gentechnik“ treffe. 

    Nachtrag: Frau Dr. Haccius hat bereits geantwortet – leider ohne viel Substanz. Wie Joachim in den Kommentaren richtig anmerkt, ist das Blog lediglich eine Werbemaßnahme für Alnatura, um deren Image zu zementieren. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema kann man also nicht erwarten. Gerade deswegen kann es nicht schlecht sein, dass es Alnatura ein wenig Gegenwind bekommt. 

    Anmerkungen

    [1] Auch sehr witzig: Als Organismus gilt nur mehrzelliges Leben, Prokaryoten sind keine Erwähnung wert, und es gibt keine strukturrelevanten Kohlenhydrate.

    Ein Organismus ist aus Organen aufgebaut, diese aus Geweben, welche aus Zellen bestehen, in denen sich Organellen, u. a. der Zellkern, befinden. Eiweiße sind die »Bausteine des Lebens«. Aus ihnen sind alle Körpergewebe zusammen gesetzt.

    Im Artikel gibt es noch mehr solche Blüten – zu viele, um die hier einzeln auseinanderzunehmen. Und auch zu langweilig.



    Geschrieben in grüne Gentechnik | 18 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


    Bedenken gegen die grüne Gentechnik - ein Überblick

    05. Mai 2011, 23:36

    Es fällt schwer, den Überblick zu behalten über die kontrovers geführte Debatte um den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft. Worum geht es in diesem Konflikt, der sich auf so vielen Argumentationsebenen abspielt? Christian Dürnberger hat als ersten Schritt zum Verständnis eine Inhaltsanalyse von gentechnikkritischen Informationsbroschüren durchgeführt, Argumente und Einwände gesammelt, strukturiert und gewichtet, aber ausdrücklich nicht nach ihrer Gültigkeit gewertet.

    Die Resultate und Schlussfolgerungen dieser Analyse hat er in der unten eingebundenen Präsentation zusammengefasst.

    Ich halte diese Arbeit für äußerst wertvoll, denn sie gibt einen Überblick über die Argumente der öffentlichen Diskussion, und man erhält erst dadurch eine Idee, an welchen Stellen man etwa Wissenschaftskommunikation effektiv verbessern kann. 

    Hinweise zur Prezi-Präsentation:

    Zum Start der Präsentation klicken Sie auf die "Play"-Taste. Danach ist die Steuerung auch durch die Pfeiltasten der Tastatur möglich: Vorwärts in der Präsentation mit "Rechts". Zurück mit "Links". Zoomen auf Details können Sie jederzeit durch Scrollen der Maus. Empfohlen wird eine Vollbildansicht: Hierfür klicken Sie - nach dem Start via "Play"-Taste - rechts auf "More" und dann auf "Full-Screen". 

    Ich werde die Argumente sicher selbst später noch aufgreifen und diskutieren, gerne kann auch in den Kommentaren schon ordentlich gesenft werden. 

    Zum Autor:

    Christian Dürnberger ist Ethiker an der Hochschule für Philosophie München und am Institut TTN an der LMU. Die obige Arbeit entstand Im Rahmen seiner Arbeit zur ethischen Begleitforschung des Bayerischen Forschungsverbundes ForPlanta.

    Große Teile dieses Textes sind von dem ursprünglichen Beitrag hier von Christian Dürnberger geklaut, der per Mail an mich herangetreten ist. Danke nochmal für die großartige Präsentation!



    Geschrieben in grüne Gentechnik | 4 Kommentare | 2 Trackbacks | Permalink


    Alnaturas Initiative "Vielfalt erleben" gegen Gentechnik - ein Kommentar

    20. Februar 2011, 20:19

    Schon wieder so eine Aktion! Die umfangreiche Initiative Vielfalterleben setzt sich „gegen Gentechnik auf dem Acker“ ein, und weil das zu sehr nach „gegen alles“ klingt, ist man auch für etwas, nämlich „für mehr Vielfalt“. Es werden 50.000 Unterstützer für eine E-Petition des deutschen Bundestages gesucht. » weiter

    Geschrieben in grüne Gentechnik | 26 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


    szmtag