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Ansteckender Krebs: Hoffnung für den Beutelteufel?

23. November 2011, 22:35

Auslese 2011Die tasmanischen Teufel, also diejenigen Beuteltiere, deren Aggressivität schon sprichwörtlich geworden ist, sind vom Aussterben bedroht. Grund dafür sind nicht etwa Nahrungskonkurrenten oder eingeschleppte Krankheiten, die andere Arten der australischen Inseln bedrohen, sondern ein seltener ansteckender Krebs, der durch die ständigen Beißereien von Teufel zu Teufel weitergegeben wird und so in den letzten 15 Jahren die Bestände um mehr als die Hälfte reduziert hat. Die infizierten Tiere einfach einzusammeln, funktioniert leider nicht.

Tasmanischer Teufel

Possierlicher Beißer: Ein Exemplar Sarcophilus harrisii
(Bild von emmettandersonCC-BY-NC)

Es wird geschätzt, dass die Art innerhalb der nächsten 25 bis 35 Jahre ausgestorben sein könnte. Jetzt gibt es vielleicht doch ein wenig Hoffnung, denn eine bestimmte Population der Tiere ist möglicherweise resistent gegenüber der Tumorerkrankung.

Eine ansteckende Krebserkrankung

Die „Beutelteufel-Gesichtstumorkrankheit“ (engl.: devil facial tumor disease, DFTD) wurde 1996 zuerst entdeckt. Typischerweise bekommen die Tiere Knoten im Gesichtsbereich, die sich bald über den gesamten Körper ausbreiten. Nach drei bis sechs Monaten ist das Tier tot, weil es nicht mehr fressen kann, die Organe aufgrund der metastasierenden Tumore versagen oder weil eine Sekundärinfektion ihr übriges tut.

800px Tasmanian Devil Facial Tumour Disease

Ein von der tödlichen Gesichtstumorkrankheit befallenes Tier.
(
Bildquelle)

Zu Beginn ging man aufgrund der Infektiösität fest davon aus, dass ein Virus die Ursache für das Auftreten der Tumore ist. Beim Menschen ist ganz analog Papillomvirus für fast alle Arten von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich, Hepatitis B und C verursachen Leberkrebs, und das Epstein-Barr-Virus ist mit Lymphomen assoziiert. So naheliegend diese Erklärung erschien, so falsch war sie auch. Es stellte sich heraus, dass alle Tumore eine entartete Vorläuferzelle in einem einzigen, schon längst verstorbenen Beutelteufel haben, und die damit keine „normale“ Krebserkrankung sind. Die Wucherungen sind vielmehr mit einem aggressiven Gewebe-Transplantat oder einem obligaten Parasiten vergleichbar. In diesem Fall sind es entartete Schwann-Zellen, die normalerweise Nervenzellen umhüllen.

Ansteckender Krebs ist äußerst selten, die einzige andere Art dieser Erkrankung ist das Sticker-Sarkom, das Hunde betrifft.

Beutelteufel sind etwas Besonderes

Zwei Eigenheiten der Beutelteufel verhalfen der Krankheit zu ihrem heutigen Status. Die Tiere beißen sich wohl bei jeder sich bietenden Gelegenheit – bei der Paarung oder beim Verteidigen des Reviers, Beißereien gehören zum Beutelteufel-typischen Sozialverhalten einfach dazu. So können die infektiösen Zellen leicht von Tier zu Tier gelangen.

Twobigpaws devildinner

Teufelfrühstück (Bild von twobigpaws, CC-BY-NC-SA)

Außerdem weisen sie eine Besonderheit in ihrem Immunsystem auf. Dieses ist unfähig, den Tumor, der ja fremdes Gewebe ist, auch als fremd zu erkennen.

Man kennt das anders: Bevor man beim Menschen eine Organtransplantation vornimmt, muss man das Gewebe auf Kompatibilität testen und nach erfolgter Transplantation mit starken Medikamente eine Abstoßungsreaktion unterbinden.

Die Moleküle, die für die Abstoßung fremder Organe verantwortlich sind, bestehen aus einer Gruppe von Genen, die der Haupthistokompatibilitätskomplex („MHC“) genannt wird. Die MHC-Proteine sitzen auf der Oberfläche der Körperzellen, und weiße Blutzellen können mit ihnen interagieren:

mhc erkannt durch tcr

Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen des Immunsystems interagieren mit den MHC-Molekülkomplexen auf der Oberfläche von Körperzellen. Kleine Bruchstücke von Krankheitserregern, hier rosa, können so erkannt werden.

MHC-Molekülkomplexe sind ein elementar wichtiger Bestandteil der adaptiven Immunabwehr, denn sie binden Proteinstücke von Krankheitserregern und machen sie an der Zelloberfläche für andere Zellen sichtbar. Immunzellen können diese Information auslesen und entscheiden, ob es sich um etwas „fremdes“ handelt. Ob es nur das kleine Proteinstück oder andere Teile des MHC-Komplexes sind, ist dabei unerheblich – alles, was als fremd erkannt wird, wird eliminiert.

Jeder trägt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Genen für MHC-Moleküle, und jedes Gen besitzt eine unglaubliche Variabilität innerhalb der Bevölkerung. Damit wird verhindert, dass ein bestimmter Krankheitserreger sich an die Bindeeigenschaften des MHC-Moleküls anpasst, und eben auch, dass sich Krebszellen von Individuum zu Individuum ausbreiten können. In der Tat ist eine gute Durchmischung von MHC-Genen wohl so wichtig, dass wir uns von Menschen mit stark unterschiedlicher MHC-Ausstattung angezogen fühlen und damit unsere Partnerwahl beeinflussen.

Der Beutelteufel hat in dieser Hinsicht ziemliches Pech, denn er hat zwar auch einige verschiedene MHC-Molekülvarianten, aber die Diversität innerhalb der Population ist extrem gering – alle lebenden Beutelteufel haben ein funktionell praktisch identisches Set an MHC-Genen. Damit erkennt das Immunsystem den Tumor schlicht nicht als fremdes Gewebe und seine Zellen können sich ungehindert im gesamten Organismus verteilen und Tochtergeschwüre bilden.

Neue Hoffnung: Eine Population in West-Tasmanien ist womöglich resistent

Über einige Jahre hinweg hat eine Forschergruppe um Menna E. Jones und Hamish McCallum mehrere Bestände der Beutelteufel beobachtet und dabei festgestellt, dass nicht alle Populationen gleichermaßen von der Krankheit betroffen sind.

Tasmania

Ausbreitung der Krankheit und einige Beobachtungsstützpunkte für die Forscher. Nicht eingezeichnet sind die Stützpunkte Forestier und Fentonbury
(©, Abbildung aus Jones et al. 2011)

Im Nordwesten der Insel existieren die letzten noch nicht befallenen Bestände von tasmanischen Teufeln (siehe Karte). Vor kurzem wurde herausgefunden, dass diese Tiere ein Set an MHC-Genen besitzen, das sich von denen der anderen Beutelteufelbestände unterscheidet. Damit stand die Frage im Raum, dass  diese Gruppe von Tieren immun gegen die Gesichtstumorkrankheit ist.

Das Forscherteam hat die Ausbreitung der Krankheit in vier verschiedenen Gebieten verglichen – eine davon in West Pencil Pine, und drei in Osttasmanien, wo viele Tiere betroffen sind. In West Pencil Pine gab es über vier Jahre hinweg keine schnelle Ausbreitung der Krankheit und auch keine signifikante Abnahme der Tierzahl. Infizierte Tiere überlebten die Krankheit sehr viel länger als ihre Geschwister aus dem Osten. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl aller Teufel innerhalb weniger als zwanzig Jahre verendet ist.

Eine alternative Erklärung ist, dass ein anderer, unter Umständen weniger aggressiver Tumorstamm existiert, der sich in Westtasmanien langsamer ausbreitet. In der Tat wurden bereits mehrere Stämme analysiert, was abermals zeigt, dass auch der Tumor evolutionärem Druck ausgesetzt ist und sich an Resistenzen gegebenenfalls anpassen könnte. In jedem Fall ist der Krebs auf den Teufel angewiesen und eine Koevolution könnte auch zum Ergebnis haben, dass der Krebs als weniger aggressive Krankheit erhalten bleibt.

Die Möglichkeit, dass der tasmanische Teufel ausstirbt, besteht aber nach wie vor.

Ich hoffe, dass es sich bestätigt, dass es Resistenzgene sind, die die „Wessies“ immun gegen DFTD macht. Denn dann könnte man versuchen, Teufel gezielt in stark betroffenen Gebieten auszusetzen, und damit deren Gene in den Genpool der entsprechenden Populationen zu mischen.  Vielleicht könnte man so diese kuriosen und interessanten Tiere erhalten.

Devil arm

Ein <3 für Beutelteufel.
(Bild von Mozzer, CC_BY_NC_SA)

Interessante Literatur

Jones, M. E., & McCallum, H. (2011). The Devil's Cancer. Scientific American, 304(6), 72–77. (Downloadversion)

Hamede, R., Lachish, S., Belov, K., Woods, G., Kreiss, A., Pearse, A.-M., Lazenby, B., et al. (2011). Reduced Effect of Tasmanian Devil Facial Tumor Disease at the Disease Front Conservation biology : the journal of the Society for Conservation Biology.

Siddle, H. V., Marzec, J., Cheng, Y., Jones, M., & Belov, K. (2010). MHC gene copy number variation in Tasmanian devils: implications for the spread of a contagious cancer Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, 277(1690), 2001–2006.



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Rettung der Banane durch Gentechnik?

11. Februar 2011, 22:03

Erinnert sich noch jemand an meinen Artikel über die Banane, die quasi vom Aussterben bedroht ist? Wenn nicht, hier kann man ihn nochmal nachlesen. Die bei uns verkaufte Bananensorte Cavendish wird global von dem pestizidresistenten Bodenpilz Fusarium bedroht, nach dessen Befall die Pflanzen verwelken und absterben. Die Böden sind dann für immer verseucht. Naheliegenderweise haben die Bauern ein ernsthaftes wirtschaftliches Problem mit dieser Situation.

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Ist die Banane noch zu retten?

01. Oktober 2010, 00:12

Beitrag zum Blogkarneval mit dem Thema „Bedrohte Arten“ von Sören Schewe.

Die Verfügbarkeit des zweitliebsten Obstes der Deutschen, der Banane, könnte in ein paar Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr sein, denn die Pflanze wird in den Erzeugerländern von desaströsen Krankheiten heimgesucht. Die Kultivierung von Bananen in der derzeitigen Form steht vor dem Aus. In vielleicht 10 oder 20 Jahren wird man viele der heute verwendeten Bananensorten nicht mehr anbauen können. Die Suche nach einem Ersatz verlief bislang erfolglos.

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Getreidschwarzrost in Südafrika gefunden

27. Mai 2010, 22:51

NatureNews berichtet, dass der Getreideschwarzrost Ug99, der die weltweiten Weizenbestände bedroht, in Südafrika gefunden wurde. Hier habe ich über das Thema geschrieben und einen ausführlichen WIRED-Artikel verlinkt. Der Pilz könnte nun mit dem Wind von Südafrika in den nahen Osten und Südasien reisen. Ug99 ist zudem noch weiter mutiert und virulenter als der ursprüngliche Stamm. Von den 50 Resistenzen, die in den modernen Weizensorten vorliegen, kann der neue Pilz mit all seinen neuen genetischen Varianten 32 überwinden.

Nature News (26.Mai 2010): Virulent wheat fungus invades South Africa.

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Ein Pilz bedroht die Weizenbestände der Welt

12. März 2010, 16:12

Eine extrem aggressive Sorte des Getreideschwarzrostes (Puccinia graminis) löscht bis zu 100% einer Weizenernte aus, wenn die Sorte keine Resistenz gegen den Pilz besitzt. Die Ug99 genannte Varietät umgeht seit den 1970er Jahren eingezüchtete Resistenzgene (Sr31, Sr24 und Sr36), wurde 1999 in Uganda entdeckt und breitet sich seitdem ost- und nordwärts in Richtung Asien aus.

Es wird befürchtet, dass der Pilz weltweit verheerende Schäden anrichten wird, wenn nicht bald eine Weizensorte verfügbar wird, die neue Resistenzgene besitzt. Der Punjab gilt als einer der Kornkammern Asiens, wenn Ug99 dort ankommt, könnte es arge Versorgungsprobleme geben. Wo sind jetzt die ganzen Öko-Spinner mit ihren Streuobstwiesen und biodynamischen Dinkelfeldern? Sonst gibt es doch immer ein „alternatives“ Patentrezept für die Seuchen dieser Welt?

Brendan I. Koerner, WIRED Magazine (22.02.2010): „Red Menace: Stop the Ug99 Fungus Before Its Spores Bring Starvation“

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