SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Fischblog spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Das Ende der Banane wie wir sie kennen?

21. Januar 2012, 12:12

Wenn ihr das nächste mal Obst kauft, guckt euch die Bananen einmal genauer an - ihr seht eine bedrohte Art. Unsere gängige Supermarkt-Banane, eine Varietät namens Cavendish, steht am Rande einer globalen Katastrophe. Ausgehend von Südostasien frisst sich ein Schimmelpilz durch Bananenplantagen und vernichtet die Pflanzen, eine nach der anderen. Nichts und niemand konnte diesen Pilz bisher aufhalten, und alles sieht danach aus, dass er seinen Siegeszug fortsetzt, bis auch die letzte Cavendish-Banane vom Antlitz der Erde getilgt ist.

Das Ganze ist schon einmal passiert, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Bananenproduzenten pflanzten damals eine Bananenvarietät namens Gros Michel an, die ursprünglich aus Südostasien stammte und größer, robuster und schmackhafter war als heutige Bananen. Mit ihrem Export aus der Karibik nach Nordamerika begann 1880 die Karriere der Banane als Südfrucht für die Massen. Doch zur gleichen Zeit begann auch ihr Untergang.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 22 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Das Zeitalter der Antibiotika endet jetzt

17. August 2011, 21:24

Bei allen schlechten Nachrichten über die neuesten multiresistenten Krankheitserreger der letzten Jahre gab es immer auch einen Lichtblick: Egal ob NDM-1, Carbapenem-Resistenz oder ESBL - alle potentiellen Killer waren bisher verwundbar durch zwei Reserve-Antibiotika. Einerseits das schon lange bekannte Colistin[1], andererseits das neue Tigecyclin.

Jetzt schreibt Maryn McKenna bei Wired, dass sich auch gegen diese letzte Reserve Resistenzen gebildet haben. Einerseits berichtet die Uni Pittsburgh von fünf Patienten mit Colistin-resistenten Klebsiella pneumoniae innerhalb von vier Monaten, vier davon auf der Transplantationsabteilung.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 11 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Die andere Malaria

25. Juli 2011, 21:23

Der Großteil aller Ressourcen zur Bekämpfung der Malaria richtet sich exklusiv gegen Plasmodium falciparum, den Erreger der oft tödlichen Malaria tropica. Daneben gibt es noch vier andere für Menschen gefährliche Plasmodium-Arten, die allerdings töten im Vergleich mit Plasmodium falciparum deutlich seltener Menschen. Gerade in den Regionen mit hoher Malaria-Inzidenz und entsprechender Sterblichkeit gelten sie als geringeres Problem.

Das ist allerdings voreilig, denn im Gegensatz zur verbreiteten Fixierung auf Todesgrippe, Killerbakterien und anders mörderisches Viehzeug lässt die reine Mortalität keinen Rückschluss auf die Bedeutung einer Krankheit zu. Im Fall der Malaria zeichnet sich seit einiger Zeit ab, dass der Erreger Plasmodium vivax eine wesentlich größere Bedrohung darstellt als man bisher vermutet hatte. In einiger Hinsicht übertrifft sein Schadenspotential das von P. falciparum sogar noch.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Fördern minimale Antibiotika-Rückstände in der Umwelt Resistenzen?

23. Juli 2011, 12:50

Es ist unvermeidlich, dass man bei einer Antibiotika-Therapie einen Teil der eingenommenen Substanz unverändert wieder ausscheidet. Man geht eigentlich davon aus, dass diese Stoffe im Abwasser zu stark verdünnt werden, um in der Umwelt resistente Bakterienpopulationen heranzuzüchten. So ganz sicher können wir uns dessen aber nicht sein, im Gegenteil. In den letzten Jahren verdichteten sich die Hinweise, dass schon sehr geringe Mengen dieser Stoffe einen Effekt auf die Mikrobenflora verschiedener Ökosysteme haben.

ResearchBlogging.org In Deutschland ist das Problem seit Anfang der 90er Jahre bekannt, als man erstmals Antibiotikarückstände in Oberflächengewässern fand. Die wichtigste Quelle für diese Verunreinigungen sind kommunale Abwässer, die zwischen einigen Dutzend Nanogramm und einigen Mikrogramm Antibiotika pro Liter enthalten können. Die Werte schwanken sehr stark, einerseits wegen der eingesetzten Mengen, andererseits aber auch wegen der chemischen Eigenschaften der verschiedenen Verbindungen: Während die klassischen Beta-Lactame chemisch zu instabil sind, um lange im Wasserkreislauf zu überleben, fanden Hirsch et al. 1999 sechs Mikrogramm Erythromycin in deutschem Abwasser.  » weiter

Geschrieben in Biologie , Biochemie und Molekularbiologie | 5 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Der extremophile Pilz aus der Geschirrspülmaschine

22. Juni 2011, 14:52

Heute bin ich auf eine Veröffentlichung gestoßen, die eine Lücke in meinem jüngsten Ausflug in die Mikrobiologie des Haushalts schließt. Sie befasst sich nämlich mit Geschirrspülmaschinen, und die sind etwas anspruchsvollere Lebensräume als die Orte, an denen ich meine Proben genommen habe. Deswegen findet man dort auch spannendere Organismen, in diesem Fall Pilze.

ResearchBlogging.org Was die Forscherinnen aus Slowenien dort gefunden haben ist denn auch etwas spannender als der Gießkannenschimmel, den ich aus meinem Kühlschrank gekratzt habe. Zalar und Kollegen entdeckten eine Reihe interessanter Hefen, von denen sogar einige eine Gefahr für die menschliche Gesundheit sind, und mit Exophiala dermatitidis einen waschechten Extremophilen.

Letzteres ist natürlich besonders spannend, denn normalerweise findet man solche spezialisierten Organismen in Tiefseequellen, Salzseen oder unter Kilometern von Gestein. Dass eine Mikrobe mit solchen Eigenschaften, zumal noch ein Pilz, in menschlichen Behausungen auftaucht, damit hat man nicht unbedingt rechnen können.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Kulturwochenende: Bakterien und Pilze im Haushalt

15. Juni 2011, 20:25

Letztes Wochenende hat Ute ihr neues Mikroskop mitgebracht. Das ist zwar eigentlich für ihren Nachwuchs, aber wir haben uns nicht nehmen lassen, es vorher auszuprobieren. Das Problem ist natürlich, dass die mitgelieferten Präparate wenig spannend sind, wenn man schon mal selbst so ein Mikroskop hatte und weiß, wie, sagen wir, ein Zwiebelhäutchen in groß aussieht. Und mit gängigen Freiland-Fundsachen ist man höchstens ein paar Minuten beschäftigt.

Deswegen habe ich letzte Woche den Biologen und Blogger Alexander Knoll in Karlsruhe besucht, der hat nämlich Zugang zu frischen Agarplatten, auf denen man Mikroorganismen züchten kann. Von denen hat er mir netterweise ein paar zur Verfügung gestellt. Aber dazu später mehr.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 13 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


HUSEC 41 - ein schlechtes Zeichen für die Zukunft

07. Juni 2011, 23:30

Ein ziemlich gruseliger Aspekt der ganzen Geschichte um O104:H4 alias HUSEC 41 alias EHEC hat bisher noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erregt, nämlich sein bemerkenswertes Resistenzprofil. Glücklicherweise ist das für die Therapie der von diesem Keim ausgelösten Krankheiten eh nicht von Belang, denn Antibiotika verschlimmern die Symptome möglicherweise noch.

Aber HUS ist ja nicht die einzige von E. coli ausgelöste Krankheit, im Gegenteil. Ein beträchtlicher Anteil aller bakterieller Infektionen geht auf verschiedene Varianten dieses Bakteriums zurück. Aus dem letzten Annual report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net) von 2009:

It is the most frequent cause of bacteremia, community and hospital-acquired urinary tract infections, is associated with spontaneous and surgical peritonitis and with skin and soft tissue infections due to multiple microorganisms, causes neonatal meningitis and is one of the most important foodborne pathogens worldwide.

All das sind so "kleine" Infektionen, die heutzutage kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken, denn wir haben ja Antibiotika, mit denen wir derlei Kleinkram ohne größere Probleme loswerden. Aber wie lange noch?  » weiter

Geschrieben in Biologie | 59 Kommentare | 2 Trackbacks | Permalink


EHEC als Biowaffe

02. Juni 2011, 10:37

Wurde EHEC gezielt in die Nahrungskette eingebracht? Undenkbar ist das nicht, denn das Bakterium ist unter bestimmten Umständen tatsächlich als Biowaffe geeignet. Ein Überblick.

 

Die Gurken waren es also doch nicht, und Deutschland sucht weiter die EHEC-Quelle. Ich persönlich tippe auf einen symptomlosen Träger irgendwo in der Lieferkette. Die Anschlag-Theorie die teilweise kursiert, halte ich für unwahrscheinlich, grundsätzlich sind derartige Überlegungen nicht von der Hand zu weisen: EHEC ist eine potentielle Biowaffe. Es fällt jetzt natürlich nicht das erste Mal jemandem auf, dass EHEC als infektiöses Agens für einen biologischen Angriff eine Reihe von Vorteilen hat. Das CDC in den USA klassifiziert EHEC O157:H7 als Bioterrorismus-Agens der Kategorie B, einfach zu verbreiten und selten tödlich, das die Lebensmittelversorgung bedroht.

Gemessen an klassischen Biowaffen ist EHEC vergleichsweise harmlos und kommt für klassischen Terrorismus, der ja in großem Stil Furcht und Schrecken verbreiten soll, kaum in Betracht. Allerdings gibt es eine Reihe Szenarien[1], in der Unternehmen oder Privatpersonen einen solchen Keim einsetzen können, um bestimmte Ziele zu erreichen. Dabei käme ihnen sogar entgegen, dass EHEC kaum Menschen tötet - Leichen machen Ärger. Mankann am aktuellen Ausbruch schön beobachten, wie viel Aufregung man auch mit einem vergleichsweise wenig spektakulären Krankheitskeim erzeugen kann.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 33 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Die Glas-Eier der Urzeitkrebse

30. April 2011, 19:47

Einige Wassertiere legen Eier, die dank eines chemischen Tricks im ausgetrockneten Zustand lange Zeit überleben können. Wie das im Detail funktioniert ist allerdings erst zum Teil bekannt.

ResearchBlogging.orgDie in Deutschland unter der Bezeichnung Urzeitkrebse bekannten Kiemenfüßer der Gattung Triops tragen diesen Namen zu Recht. Sie sind bereits aus der Obertrias vor 220 Millionen Jahren bekannt und gelten als die älteste bekannte Tierart überhaupt. Zu dieser Zeit begann der Superkontinent Pangäa zu zerfallen, und es ist nicht ganz abwegig zu vermuten, dass die Vorfahren dieser Wesen schon in den ersten Pfützen des entstehenden Proto-Atlantiks planschten.

Ihre evolutionäre Langlebigkeit dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass sie in der Lage sind, Dauerformen auszubilden und so harte Zeiten zu überstehen. Ihre Eier können vollständig austrocknen und noch nach Jahren im Kontakt mit Wasser wieder zum Leben zurückkehren. Diese Stabilität verdanken sie einem chemischen Trick: Unter der festen Hülle lagern die Embryonen in kleinen harten Glaskugeln.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 9 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Krebs und die frühen Vielzeller

27. Februar 2011, 22:15

Nachdem die ersten Ozeane entstanden, dauerte es nur wenige hundert Millionen Jahre, bis lebende Zellen auf der Erde auftauchen. Für die Entstehung der ersten Vielzeller allerdings brauchte die Evolution weitere drei Milliarden Jahre - ein Vielfaches dieser Zeitspanne. Entsprechend haben wir inzwischen einige sehr plausible Vorstellungen von der Entstehung des Lebens selbst, dagegen liegt der Ursprung vielzelliger Lebewesen, der Metazoen, nach wie vor im Dunkeln.

ResearchBlogging.org Hinweise darauf müssen im Genom aller Vielzeller begraben liegen. Aber wo? Die neueste Idee kommt aus einem Artikel von Paul Davies und Charles Lineweaver - Astrophysiker, nicht Biologen, aber diesen Umstand lasse ich mal unkommentiert - in Physical Biology, demnach sind es die Onkogene. Die ersten vielzelligen Lebewesen, schlagen sie vor, waren tumorartige Kolonien, und Krebs ist nichts anderes als ein Rückfall in eine evolutionäre Frühphase der Vielzelligkeit.  » weiter

Geschrieben in Biologie | 24 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink