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Das Leben entstand nicht aus Aminosäuren

23. April 2012, 15:33

Beobachtungen an interstellaren Staubwolken zeigen, dass der Staub, aus dem die Erde einst entstand, neben Mineralen gigantische Mengen organischer Moleküle enthielt. Doch nach seiner Entstehung war unser Planet aufgeschmolzen und von einem Magmaozean bedeckt, der alle im primordialen Baumaterial enthaltenen komplexen Kohlenstoffverbindungen vernichtete. Als die Erde endgültig abkühlte, war sie nicht nur steril, sondern auch völlig anorganisch.

Dass es dabei nicht blieb, erkennen wir unter anderem daran, dass wir heute hier sind. NASA-Forscher haben jetzt mal wieder demonstriert, wo der Nachschub herkam: Organische Moleküle in Meteoriten überstehen tatsächlich die Bedingungen eines Meteoriteneinschlags. Da davon reichlich auf die junge Erde fielen, brachten sie auch genug Material mit, dass das Leben starten konnte.  » weiter

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Hyperintelligente Weltraum-Dinosaurier!

13. April 2012, 12:09

Ich hatte ja schon öfter den Verdacht geäußert, dass die Kollegen bei der American Chemical Society gelegentlich mehr Lösungsmittel einatmen als gut für sie ist, aber jetzt haben sie sich noch mal selbst übertroffen. Mit Dinosauriern im Weltall. Der erste Satz der Pressemitteilung sagt eigentlich schon alles:

New scientific research raises the possibility that advanced versions of T. rex and other dinosaurs — monstrous creatures with the intelligence and cunning of humans — may be the life forms that evolved on other planets in the universe.

Grundlage dieser Behauptung ist eine neue Publikation des Chemikers Ronald Breslow, in der es um rechts- und linkshändige - nein, nicht Dinosaurier - Aminosäuren geht. Der Hintergrund ist durchaus spannend, denn es geht um den Ursprung des Lebens auf der Erde: Meine Leser werden wissen, dass Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, in zwei spiegelbildlichen Formen vorkommen und dass irdische Organismen nur eine dieser Varianten verwenden, nämlich die L-Aminosäuren. L steht für laevus, das heißt links. Das Gegenteil ist D für dexter. [1] Dass alle Organismen dieses Planeten nur diese eine Variante verwenden, fasziniert Chemiker und Biologen schon seit geraumer Zeit, denn es gibt keinen ersichtlichen Grund warum das so sein sollte. D- und L-Aminosäuren sind chemisch absolut identisch.  » weiter

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Die Flaschenpost im Diamanten

14. November 2011, 10:55

Wann begann die Plattentektonik, die Oberfläche der Erde kontinuierlich zu erneuern? Diamanten bergen winzige Einschlüsse von Milliarden Jahre altem Erdmantel, in denen sich ein verräterisches chemisches Signal aus dem Erdaltertum bis heute erhalten hat.

Geologisch gesehen hat die Erde fast nichts mit Merkur, Venus und Mars gemein - wenn wir uns die Gesteinsplaneten gemeinsam den Entwicklungsweg vom glühenden planetenweiten Magmaozean zur erkalteten dicken Gesteinskruste gehend vorstellen, dann hat die Erde irgendwann eine Abzweigung genommen und eine fundamental andere Richtung eingeschlagen. Statt einer statischen, durch langsame Auskühlung immer dicker werdenden Kruste entwickelte sie ein Mosaik aus dynamischen Platten, das auch heute noch ihr Aussehen bestimmt.

Das bezeichnet man als Plattentektonik. Sie wirft Bergketten auf, formt Superkontinente, öffnet und schließt Ozeane und hält jene geochemischen Kreisläufe in Gang, ohne die das Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Doch warum ist die Erde anders, und seit wann? Das ist nach wie vor eines der größten Rätsel der Geowissenschaften.

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Der entscheidende Unterschied - aber seit wann? Bild: U.S. Geological Survey

Dass dieser entscheidende Entwicklungsschritt so schwer festzunageln ist, daran ist zu einem großen Teil die Plattentektonik selbst schuld, denn sie hat quasi per Definition die gesamte Oberfläche des Planeten viele Male umgeformt und dabei fast alle Spuren verwischt. Aber natürlich nicht alle - verteilt über das Antlitz der Erde liegen bis heute Fetzen von Material aus dem Erdaltertum die möglicherweise Aufschluss darüber geben können, was zu jener Zeit geschah und wann.  » weiter

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In einer fremden Welt

25. Oktober 2011, 22:03

Kennt ihr das Gefühl, wenn man plötzlich merkt, dass man etwas Wichtiges übersehen hat? Wenn die Flugtickets nicht mit ihrem Besitzer in der Schlange am Check-in stehen, sondern hoch und trocken auf dem Schreibtisch liegen und die Aussicht genießen, so in der Art. Das ist mir neulich passiert, als Daniel Shechtman den Nobelpreis für Chemie bekommen hat.


Daniel Shechtman. Bild: Nobel Foundation
Der Punkt ist, dass ich qua Ausbildung ein Molekül-Typ bin, also das was man sich unter einem Chemiker so vorstellt, mit Additionen, Substitutionen und Lösungsmittel abrotieren und am Ende hab ich dann ein Molekül. Dass ich ganz konkret in der Größenordnung von 1021 Exemplaren davon in Form eines glitzernden Pulvers habe, ist schön für die Ausbeute, aber im Grunde geht es um das Abstraktum, die definierte Struktur aus einer Handvoll Atomen, die ich mir vorher schön zurechtgemalt habe.

Andere interessieren sich für das Pulver. Also nicht so sehr dafür, ein Molekül mit einem anderen reagieren zu lassen, sondern was passiert, wenn sich 1021 gleichartige Bausteine unter dem Einfluss ihrer gegenseitigen Anziehungskräfte zu einem Objekt zusammenfinden, zum Beispiel einem staubkorngroßen Kriställchen. Verglichen mit meinen Molekülen ist das unvorstellbar groß. Es ist eine andere Welt, die nach anderen Regeln funktioniert. Mir war bis vor ein paar Wochen nicht klar, dass Shechtman diese Welt 1984 sauber in Trümmern gelegt hat.  » weiter

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Der Chemie-Nobelpreis 2011 geht an...

27. September 2011, 20:04

Update: Der Nobelpreis in Chemie geht an Daniel Shechtman für die Entdeckung der Quasikristalle. Das sind nahgeordnete Festkörper mit Fernordnung, aber ohne Translationssymmetrie und mit Rotationssymmetrien, die in regelmäßigen Kristallen verboten sind, also 5, 8 oder 10. Hätte ich nicht gedacht, ich bin aber halt auch kein Festkörperchemiker.

 

Es ist wieder an der Zeit, den diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger zu tippen. Den Erfolg vom letzten Jahr zu wiederholen dürfte eher schwierig werden, denn aus meiner Sicht gibt es diesmal keine wirklich naheliegenden Kandidaten. Dafür bietet sich eine ganze Reihe von verdienten Leuten aus sehr unterschiedlichen Gründen an, aber bei den meisten ist nicht ersichtlich, warum gerade sie diesmal dran sein sollten und nicht, sagen wir, 2015.

Die nach Renommee gelisteten Kandidaten von Thomson-Reuters habe ich neulich ja schon kommentiert, und der einzige, der es aus dem Kreis in meine engere Auswahl schafft ist Martin Karplus. Die wirklich heißen Kandidaten sind für mich allerdings andere.  » weiter

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Chemie-Nobelpreis 2011 - die Kandidaten von Thomson Reuters

21. September 2011, 15:09

Die Nobelpreis-Saison nähert sich mit Riesenschritten, und jetzt hat Thomson Reuters seine Shortlist der möglichen Chemie-Nobelpreisträger 2011 vorgelegt. Das Unternehmen hat eine beachtliche Sammlung von Vorhersage-Erfolgen vorzuweisen. Allerdings lassen die Leute da auch alle Erwähnungen gelten und nicht nur die Prognosen für die jeweiligen Jahre, insofern ist die Liste meiner Meinung nach ein Bisschen geschönt. Wenn jemand 2008 nen Nobelpreis bekommt, kann man eine Vorhersage von 1989 nur mit sehr viel gutem Willen als Treffer bezeichnen. Finde ich jedenfalls.

Nützlich ist die Aufstellung vor allem deswegen, weil die Kandidaten plausibel sind, und das liegt am Auswahlverfahren. Thomson Reuters berücksichtigt die Zitierungen der letzten 30 Jahre und eine Reihe renommierter Forscherpreise wie den Wolf-Preis. Das sind schon ganz gute Indikatoren, ob ein Forscher für höchste Weihen in Frage kommt, wenn es dann noch um ein Thema geht, das echte Relevanz hat. Insofern lohnt es sich, da mal einen Blick drauf zu werfen.  » weiter

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12 things I love about chemistry

25. Februar 2011, 15:58

Chemjobber has started a meme about the top 12 things you like about chemistry. Here are a few of mine (i usually don't do memes, but this one is cool and it's the International Year of Chemistry, so I'm allowed to).

 

1) There's Chemistry in everything - from my kitchen to the dark gas clouds in outer space

2) Chemistry is just like invisible Lego

3) The way solvent condenses on the walls of a reflux condenser

4) Synthesis is almost magic

5) Chemistry may be mostly hard science, but it's art as well, especially advanced synthesis

6) The origin of life is a profoundly chemical mystery

7) Which chemists will solve within our lifetimes

8) There is already an almost infinite number of compounds, and every day chemists create more

9) Understanding what those Nobel Laureates in chemistry and physics have actually done

10) Stuff with boron in it

11) That moment when a clean spectrum or crystal structure suddenly makes it all seem so simple

12) Oh yeah, and of course the sheer satisfaction of knowing all this amazing stuff about, well, everything

 

(via Curious Wavefunction)



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Wir nennen es Chemie

12. Februar 2011, 11:54

Als Chemiker ist man ein bisschen dran gewöhnt, dass die meisten Leute mit Chemie wenig bis gar nichts anfangen können. Euer Verlust, nicht meiner[1]. Aber da 2011 ja nun extra ein Jahr der Chemie ist, hat sich Ashutosh Jogalekar drüben in seinem Blog Gedanken darüber gemacht, wie man daran etwas ändern kann, und da würde ich heute gerne anknüpfen. Grundsätzlich interessieren sich ja sehr viele Menschen für Naturwissenschaft. Aber warum gibt es zum Beispiel tonnenweise populärwissenschaftliche Bücher über Physik oder Biologie, über Chemie aber nicht? Zu kompliziert ist Chemie jedenfalls nicht. Lego kapieren selbst Kinder, und viel anders ist Chemie auch nicht.

Es gibt allerdings, wie Ashutosh anmerkt, einen wichtigen Unterschied zwischen den Fächern. Der Chemie mangelt es an einer plakativen "großen Idee", die Chemie als Fach in der öffentlichen Wahrnehmung repräsentiert. Sowas wie Urknall und Schwarze Löcher für die Physik oder Evolution in der Biologie, handliche Konzepte, die in der Popkultur ein Fach und seine Bedeutung verkörpern. Spezialisten dürften zwar mit den Zähnen knirschen angesichts dessen, was die Popkultur aus diesen Konzepten gemacht hat, man kann aber kaum bestreiten, dass diese Ideen unzähligen Menschen den Weg zur Wissenschaft geebnet hat. Es gibt bisher keine Idee in der Chemie, die auch nur ansatzweise die gleiche Strahlkraft entfaltet hätte.  » weiter

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Kurzer Nachtrag zum Chemie-Nobelpreis

07. Oktober 2010, 23:32

Nun also endlich wieder ein Chemie-Nobelpreis für reine Chemie, und vor allem für die Sorte von Chemie, die Alfred Nobel bei der Stiftung der Nobelpreise im Sinn hatte: Reaktionen, die die Welt von Grund auf verändert haben.

Ich habe bei Spektrumdirekt schon einen ausführlichen Beitrag über diesen Nobelpreis und seine Bedeutung verfasst, deswegen hier nur ein kurzes Eigenzitat:  » weiter

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Chemie-Nobelpreis 2010: Die Kandidaten

28. September 2010, 20:55

Update: Nobelpreis für die Palladium-Katalyse! Endlich! Heck, Negishi und Suzuki bekommen ihn. 

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Ist etwas schon wieder ein Jahr rum? Nächsten Mittwoch um viertel vor elf wird das Nobel-Komitee den diesjährigen Preisträger in Chemie benennen. Höchste Zeit, sich ein paar Gedanken zu machen und beim alljährlichen Preisträger-Raten mitzumachen.

Ich hatte ja schon letztes Jahr anklingen lassen, dass ich gerne jemanden aus dem Dunstkreis der Palladium-Katalyse geehrt sehen würde, also Suzuki, Sonogashira oder Heck. Angesichts der Bedeutung dieser Reaktionsklasse wäre es ziemlich absurd, wenn es dafür nicht irgendwann den einen oder anderen Nobelpreis gäbe. Allerdings habe ich inzwischen meine Zweifel, dass sie es werden, und damit bin ich nicht allein. Zu viele Leute, die man da übergehen würde.  » weiter

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