Unterschätzte Gesundheitsgefahr durch Holzrauch
Winterzeit ist ja bekanntlich Kaminzeit, besonders wenn es draußen so kalt ist wie im Moment. Und da der Trend nicht nur hierzulande zu Feuerstelle und Holzpellet-Ofen geht, ist es an der Zeit, mal auf die unterschätzen Gefahren von Holzöfen hinzuweisen. Der Rauch von brennendem Holz ist nämlich weitaus gesundheitsschädlicher als die Abgase der meisten anderen Brennstoffe.
Der Mensch wärmt sich seit hunderttausenden von Jahren an offenen Feuern, aber daraus kann man natürlich nicht folgern, dass man den Siff gefahrlos einatmen könnte. Holz neigt dank seiner kompakten Struktur dazu, unvollständig zu verbrennen, besonders in offenen Feuerstellen, und dabei entstehen haufenweise unerfreuliche Substanzen.
Kaminfeuer - unterschätztes Risiko. Bild: Heike Laqua, pixelio.de
Neben den klassischen Verbrennungsprodukte Kohlendioxid und Wasser, die uns nicht weiter stören, entstehen große Mengen Kohlenmonoxid (einige ppm im Rauchgas), Stickoxide (einige ppb im Rauchgas) und organische Verbindungen. Alkane und Alkene tauchen überwiegend in der Gasphase auf, während die gefährlicheren Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (von denen bis zu mehrere Mikrogramm pro Kilo Holz entstehen können) größtenteils an den festen Rauchpartikeln kleben. Dazu kommen Aldehyde, Alkohole, Carbonsäuren und verschiedene Typen von Aromaten, die sich auf Gase und feste Teilchen verteilen. Die aromatischen Kohlenwasserstoffe stammen überwiegend aus dem Lignin, das etwa ein Drittel der Masse des Holzes ausmacht, deswegen sind auch so viele da drin - Aromaten entstehen laut Literatur in ähnlichen Mengen wie Kohlenmonoxid.
Zwei Millionen Tote pro Jahr
Ein großes Problem ist Holzrauch in weniger entwickelten Ländern, speziell in ländlichen Gegenden. In vielen Regionen ist Holz nach wie vor der wichtigste Energieträger. Insbesondere die technischen und sozialen Gegebenheiten führen außerdem dazu, dass sich die gesundheitlichen Effekte durch Holzrauch dort vervielfältigen. Offene Holzöfen sind weniger effizient als moderne Holzpellet-Heizungen oder auch die geschlossenen Feuerstellen, die hierzulande üblich sind, so dass für den gleichen Effekt mehr Holz verbrannt werden muss. Teilweise ist auch das Brennmaterial selbst von niedriger Qualität. Ein echtes Problem sind auch Feuerstellen ohne Abzug, die den Holzrauch direkt in die Wohnräume entlassen - etwas die Hälfte aller Haushalte weltweit, vermuten Wissenschaftler, kochen noch auf diese Weise mit festen Brennstoffen. Forscher schätzen, dass auch heute noch der größte Teil der weltweiten Partikelbelastung auf Holz in Low-Tech-Feuerstellen zurückgeht, und den Löwenanteil der entstehenden Giftstoffe atmen Frauen ein, denen in großen Teilen der Welt nach wie vor das Kochen obliegt, und ihre kleinen Kinder, die sie beim Kochen normalerweise in der Nähe haben.
Entsprechend stellen immer mehr Studien einen Zusammenhang zwischen festen Brennstoffen und schlechterer Gesundheit her. Nach Schätzungen der WHO sterben Jährlich etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen von Holzrauch, die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren. Belegt ist der Zusammenhang zwischen Holzrauch und Atemwegsinfektionen bei Kindern sowie chronischer Bronchitis und Lungenkrebs bei Erwachsenen, besonders bei Frauen. Bei denen verdreifacht Holzrauch das Risiko einer chronischen Bronchitis. Holzrauch begünstigt nach einigen Studien wohl auch Tuberkulose - im Tierversuch behindern schon geringe Konzentrationen den Transport pathogener Bakterien aus den Atemwegen. Insgesamt verursacht Holzrauch in Innenräumen über drei Prozent aller verlorenen gesunden Lebensjahre (DALY) weltweit, etwa vergleichbar mit fehlender Malariaprävention und Übergewicht.
Erstaunlicherweise scheint es nur eine einzige kontrollierte Expositionsstudie am Menschen zu den Effekten von Holzrauch zu geben, und dazu eine sehr kleine. Demnach scheinen Rauchgase schon nach kurzer Exposition Entzündungsprozesse anzukurbeln. Im Tierversuch finden Forscher konsistent Schäden an den Epithelzellen der Atemwege und der Lunge. Vermutlich entstehen die Schäden durch giftige organische Verbindungen, die mit Rauchteilchen in die Lunge gelangen. Bemerkenswerterweise scheinen niedrige Rauchkonzentrationen, bei denen keine akuten Schäden auftreten, bereits die Immunantwort der Epithelzellen dauerhaft zu verändern, so dass schon geringe Konzentrationen von Rauchteilchen einen negativen Effekt haben könnten. Die ganze Mischpoke ist außerdem potentiell krebserregend - im Tierversuch erzeugt ein Extrakt aus Holzrauch 30 mal so effektiv Tumoren wie Zigarettenrauch.
Da freuen sich die Nachbarn: Die winzigen Rauchpartikel dringen auch in geschlossene Räume ein und schweben lange in der Luft. Bild: Wolfgang Dirscherl, pixelio.de
Gefährliche Teilchen
Auch wir Westler können uns nicht sicher fühlen. Wir haben zwar bessere Öfen und weniger Rauch in den Wohnungen, aber auch hierzulande sind Holzheizungen wieder im Kommen - sind ja nachhaltig. Das Problem sind allerdings die Rauchpartikel. Die bedeutendste Fraktion dieser Partikel ist kleiner als ein Mikrometer und gelangt tief in die Atemwege. Dass diese Partikel so fein sind hat zwei zusätzliche Effekte, die uns Sorgen machen sollten. Zum einen setzen sich die Teilchen nicht ab, sondern schweben sehr lange in der Luft - entsprechend bleibt der Holzrauch gerade in Innenräumen über längere Zeit stehen, und wabert natürlich, nachdem er das Haus durch den Kamin verlassen hat, durch die Nachbarschaft. Studien zeigen, dass die feinen Rauchteilchen ohne Probleme von außen in Innenräume eindringen, so dass man sehr wohl den Rauch aus Nachbars Kamin in die eigene Bude bekommt, egal ob die Fenster geschlossen sind oder nicht.
Die Rauchpartikel haben es in sich. Sie tragen die gefährlichen Substanzen tief in die Lunge und laden sie dort konzentriert ab. Die Teilchen bestehen zu etwa einem Fünftel aus elementarem Kohlenstoff, der Rest sind anorganische Asche und die verschiedenen Verbrennungsprodukte, die an den Teilchen kondensiert sind. Untersuchungen aus den 90er Jahren in Kanada und den USA deuten auf einen Zusammenhang zwischen Partikeln aus Holzrauch und verschlechterter Lungenfunktion vor allem bei Kindern hin - solche Studien zeigen auch einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang, das heißt je mehr Rauch, desto größer die Schäden. Deutlicher als bei Öfen sind die Effekte bei offenen Feuerstellen, die Rauchpartikel direkt in Wohnräume entlassen. Dort erhöhen vier Stunden Exposition pro Tag die Wahrscheinlichkeit von Atemwegsproblemen wie Husten oder Brustenge um etwa 15 bis 20 Prozent.
All diese Studien haben notwendigerweise methodische Probleme - in den meisten Fällen sind die Daten über tatsächliche Exposition recht lückenhaft und schon gar nicht standardisiert, und man wirft natürlich auch sehr viele unterschiedliche Faktoren zusammen, zum Beispiel verschiedene Arten von Feuerstellen. Allerdings zeigen sich eine ganze Reihe von dosisabhängigen Effekten, die von leichten Reizungen bis hin zu ernsthaften Atemwegsschäden mit Krankenhausaufenthalt reichen. Wie groß das Problem ist, wissen wir nicht, aber wir können davon ausgehen, dass die Gefahren durch Holzrauch sehr real sind.
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"..und wabert natürlich, nachdem er das Haus durch den Kamin verlassen hat, durch die Nachbarschaft. Studien zeigen, dass die feinen Rauchteilchen ohne Probleme von außen in Innenräume eindringen, so dass man sehr wohl den Rauch aus Nachbars Kamin in die eigene Bude bekommt, egal ob die Fenster geschlossen sind oder nicht."
Das kann ich absolut bestätigen!
aber gut, dass darüber mehr zu erfahren ist. Auch sägen von Holz ist gefährlich, gesundheitsschädlich je nach Staubmenge und Feinheit ... und trotzdem vermisse ich meinen Schamotteholzofen.
Bereits die Lunge der Gletschermumie Ötzi war voller Russ.
Nur wurde der Ötzi nicht so alt, dass sich das Feinstaub-Problem auf seine Lebensdauer ausgewirkt hätte.
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Auch ich habe einen Nachbarn, der grosse Mengen von Holz verheizt.
Dabei hilft es mir gar nicht, dass ich mit Erdgas heize, und dass ich Nichtraucher bin.
Der Unterschied zu Sägespänen ist allerdings, dass die Rauchteilchen ein paar Größenordnungen kleiner sind.
Interessant!
Kannst du die noch verlinken?
sind vom Werkzeug abhängig. Feinstaub, d.h. ich trug eine Atemmaske, weil sinnvoll. So groß müssen Sägespäne nicht sein.
Ist nicht der hohe Heizwert von Holz ein Vorteil? Weniger oft heizen müssen ...
War nicht die Rede davon, daß in Zukunft in Deutschland eine Filterpflicht für Holzöfen kommen soll?
Ich kann mich vage an einen Bericht darüber erinnern. Der ist aber auch schon wieder länger her und ich habe seither nichts mehr davon gehört.
Angesichts dieser Risiken wäre das sehr sinnvoll.
Weiss zufällig jemand, ob man solche Filter nachrüsten kann - die kommen glaube ich in das Ofenrohr - was sie kosten und wie wirksam sie sind?
Ich heize selber auch mit Holz, will aber weder mich noch andere vergiften.
Ich bin (auch) durch Sam Harris' Blog auf dieses Thema aufmerksam geworden. Beim Verbrennen entstehen wohl immer ungesunde Stoffe. Was mich interessieren würde, wäre eine Studie, die Holz(pellet)heizungen mit Ölheizungen vergleicht. Und zwar sowohl unter gesundheitlichen Gesichtspunkten als auch im Hinblick auf die Umwelt (Klima) als Ganzes. Hat da jemand Daten?
u.a.
Fairley: Environ. Health Perspect. 159–168, 1990
Ansonsten hat
Naeher et al.: Woodsmoke Health Effects: A Review, Inhalation Toxicology 67–106, 2007
eine hilfreiche Literaturliste.
Das hab ich mich auch gefragt, ich habe dem aber nicht wirklich hinterherrecherchiert. Es dürfte viel von der Filtertechnologie abhängen.
belegt, zeigt, nette überschätzte Wörter, letztendlich ist es nicht vielmehr als eine Hypothese. Letztes Jahr hiess es noch "viele Vitamine = super" und nun "viele Vitamine = böse" achja Pommes sind absolut tödlich ^^ erinnert sich noch jemand an Acrylamid und trotzdem wird weiter scharf angebraten.Wenn mein Körper Feuergeruch oder Pommes möchte, geb ichs ihm ^^
Grade das Acrylamidbeispiel zeigt, dass eben nicht so ist. Es wurde ein Zusammenhang und ein Risiko erkannt und man überlegt sich daraufhin eine Lösung. Sprich: Welches Mittel ist mir Wert auf dieses Risiko zu verzichten. Rausgekommen ist, dass Produktionstechniken ändert. Bspw. Kaltzonenfriteusen oder Änderung der Rezeptur in Lebkuchen.
Es ist zwar so, dass Medien vordergründig Panik machen, aber im Hintergrund in der Regel nicht die Radikallösung gewählt wird.