SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Fischblog spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Verändert die Grippeimpfung menschliches Verhalten?

15. Februar 2012, 00:20

In einer Studie haben Probanden nach der Grippeimpfung mehr Sozialkontakte als sonst. Macht der Erreger Menschen unbewusst extrovertierter, um sich besser zu verbreiten?

 

Die Geschichte mit der Zombie-Ameise, die sich von einem Parasiten gelenkt in einen Grashalm verbeißt, hat wohl jeder schon mal gehört, und im Tierreich sind reichlich andere Beispiele solcher unheimlicher Fremdsteuerungen bekannt. Das ist gruselig, aber taxonomisch beruhigend weit entfernt. Man hat es bis vor kurzer Zeit schlicht für unmöglich gehalten, dass Mikroorganismen dazu in der Lage sein könnten, menschliches Verhalten zu manipulieren. Aufs Krankenlager werfen ja, fernsteuern - nein.

Daran sind inzwischen Zweifel aufgekommen, dank dem häufig vorkommenden Einzeller Toxoplasma gondii, der unter anderem auch Menschen befällt. Derzeit gewinnt die These Anhänger, dass Toxoplasma auch bei uns subtile Veränderungen der Persönlichkeit hervorruft. Was aber, wenn das nur die Spitze des Eisberges ist? Ich bin auf eine Forschungsarbeit gestoßen, die womöglich genau das nahelegt.  » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 20 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Prähistorische Penis-Tätowierungen

07. Januar 2012, 15:50

ResearchBlogging.org

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass der Phallus über nahezu die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg Gegenstand künstlerischer und ritueller Darstellungen war und ist. Erigierte Penisse finden sich von den frühesten Höhlenbildern an in den verschiedensten Artefakten. Allerdings scheint das ganze auch andersherum funktioniert zu haben: Die Herren haben schon im Paläolithikum ihre besten Stücke künstlerisch modifiziert, ziemlich sicher durch Beschneidung, wahrscheinlich auch durch Tätowierungen und Ziernarben. Im Journal of Urology konnte man kürzlich eine Zusammenstellung entsprechender Indizien lesen, zusammengestellt von drei spanischen Forschern» weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 6 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Blick in die Zukunft: Ein Laborexperiment zur übersinnlichen Wahrnehmung

08. Januar 2011, 21:12

Für den größten Teil der Geschichte waren sich die Menschen ziemlich sicher, dass man zukünftige Ereignisse zumindest im Prinzip vorhersehen kann. Die klassischen Dramen sind voll mit Orakeln, die schlimmes Verhängnis ankündigen, das sich dann auch - meistens durch den Versuch es zu vermeiden - zuverlässig einstellt. In systematische Untersuchungen seit Beginn der Neuzeit haben sich die vermeintlichen übersinnlichen Wahrnehmungen nach und nach als Hirngespinste erwiesen[1], so ganz tot ist das Thema allerdings bis heute nicht.

Der neueste Versuch, sich der Präkognition wissenschaftlich zu nähern stammt von Daryl J. Bem von der Cornell University, einem angesehenen Sozialpsychologen, der sich unter anderem mit Arbeiten zur sexuellen Orientierung einen Namen gemacht hat. Bem hat im Journal of Personality and Social Psychology eine Reihe von Experimenten publiziert (pdf), die nach seiner Interpretation darauf hindeuten, dass seine Probanden - insgesamt über 1000 - in der Lage waren, zukünftige Ereignisse vorauszuahnen.  » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 12 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Loveparade-Unglück in Duisburg: War der Eingang groß genug?

25. Juli 2010, 13:51

Bei der Loveparade in Duisburg war der Straßentunnel der Karl-Lehr-Straße der einzige Ein- und Ausgang für insgesamt eine Million erwartete Besucher. In diesem Tunnel kam es auch zu dem Unglück, das gestern 19 Menschen das Leben kostete. Die geringe Kapazität dieses Zuganges drängt sich als mögliche Ursache des Unglücks auf. Eine kurze Überschlagsrechnung erhärtet diesen Verdacht und deutet darauf hin, dass das ursprüngliche Zugangskonzept der Loveparade in Duisburg selbst bei den günstigsten Annahmen wohl unzureichend war.

Addendum: Es handelt sich um ein Modell auf der Basis von Informationen aus zweiter Hand. Bitte nicht vergessen.

Die nachfolgenden Überlegungen basieren auf der von den Veranstaltern im Vorfeld erwarteten Besucherzahl von einer Million Menschen und der angegebenen Kapazität des Geländes. Die Fachliteratur liefert realistische Größen für Fußgängerströme durch Ein- und Ausgänge bei Großereignissen und das Verhalten von Menschenmengen bei Gedränge. Als Breite für den Tunnel gibt ein Kommentator in obigem Link 15 Meter an, ich komme auf der Basis von Fotos auf maximal 16 Meter.

Alle Angaben gelten für einen idealisierten Fußgängerstrom unter optimalen Bedingungen bei koordiniertem Verhalten und freiem Fluss auf das Gelände am Eingang hinter dem Tunnel, ohne aggressives Verhalten der Teilnehmer oder sonstige Zwischenfälle. Die Resultate dieser Rechnungen beschreiben das günstigste Szenario, keinesfalls die Realität vor Ort.  » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 81 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Der Sonderweg der Katze

12. April 2010, 17:14

Mehrere Seiten Katzencontent enthält die aktuelle Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft - Forscher haben die Abstammung aller modernen Hauskatzen auf eine einzige Population im Nahen Osten zurückgeführt. Doch über das Verhältnis von Mensch und Katze werfen die Ergebnisse mehr Fragen auf als sie beantworten - wie kam der Maunzterrorist zum Menschen?

Eine Tierart, die zum Haustier des Menschen wird, ist meistens domestiziert – durch menschlichen Einfluss verändert, quasi nach seinem Bildnis und seinen Bedürfnissen geformt. Doch es ist fraglich, ob das für die Katze auch gilt. Nicht wenige Katzenbesitzer vermuten vielmehr insgeheim, dass es sich genau umgekehrt verhält und der Mensch in der Beziehung die domestizierte Art sei. Katzen, heißt es, haben keine Besitzer, sondern Personal. Aber auch abseits der hochgradig pathologischen modernen Mensch-Tier-Beziehung gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Katzen und anderen Haustierrassen. Das Verhältnis von Katze und Mensch ist nach wie vor rätselhaft. » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 91 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Kröten für die Erdbebenvorhersage: Gute Story, schlechte Wissenschaft

01. April 2010, 09:59

Die Erdbeben erahnenden Kröten aus Italien hat in den letzten Tagen schon das eine oder andere Medium aufgegriffen. Bei uns auf spektrumdirekt taucht diese Meldung allerdings mit einiger Verspätung erst am heutigen bedeutungsvollen Datum auf, was hinreichend darüber Aufschluss geben dürfte, was wir von der Geschichte halten.

Die Pressemitteilung zum Paper jedenfalls ist nicht dazu angetan, die Meldung seriös erscheinen zu lassen: Gravitationswellen, heißt es da, sollen vor Erdbeben angeblich die Ionosphäre stören – das wären gute Nachrichten für die Astrophysiker, die gerade versuchen, Gravitationswellen-bedingte Längenänderungen von wenigen Bruchteilen eines Atomkern-Durchmessers zuverlässig zu messen. Aber auch nachdem ich mich vergewissert habe, dass es sich wohl nicht um einen Aprilscherz handelt[1], bin ich von dieser Arbeit absolut nicht überzeugt, und da bin ich nicht der einzige.  » weiter

Geschrieben in Biologie , Verhaltensforschung | 6 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Lebensmittelallergien - eine Massenpsychose?

11. Februar 2010, 11:22

Es scheint ein gewisser Konsens zu herrschen, dass die Zahl der Allergien in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Dieser leider unbelegten Quelle zufolge „verdoppelt sich die Anzahl der Allergiker im zehn-Jahres-Rhythmus“ – oder verdoppelt sich nur die Zahl der Leute, die fest daran glauben, allergisch zu sein? Dieser Eintrag im Blog Savage Minds greift jedenfalls Zahlen[1] aus einem Report auf, nach dem zwar etwa 20 Prozent aller erwachsenen Briten nach eigenen Angaben an einer Lebensmittelallergie leiden, aber nur bei knapp zwei Prozent ein Provokationstest positiv ausfällt.

Die Zahlen stammen von zwei Wissenschaftlerinnen der Uni Portsmouth, die für das Flour Advisory Bureau einen Bericht über die Prävalenz von Weizenmehlallergien, Unverträglichkeiten und Zöliakie erstellt haben. Das FAB ist eine Lobbyorganisation, die die Verwendung von Weizenmehl promotet, und der Bericht ist auch nicht peer reviewed, insofern ist Misstrauen durchaus angebracht. Die Zahlen scheinen allerdings größenordnungsmäßig zu stimmen, es gibt eine ganze Reihe Studien mit vergleichbaren Ergebnissen. Es scheint so zu sein, dass nur etwa ein Zehntel der selbstdiagnostizierten Lebensmittelallergien einer Überprüfung standhält.  » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 10 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Abnehmen mit Wasser

30. August 2009, 15:28

Dass Sport laut aktueller Forschungsergebnisse nicht dazu beiträgt, überflüssige Pfunde loszuwerden, hatte ich kürzlich andernorts ausgeführt. Dabei blieb allerdings die Frage offen, wie man denn nun wirklich abnimmt.  Die einschlägige Literatur ist voll mit Geheimtipps und Wundermitteln, aber im Grunde gibt es nur ein sicheres Rezept: Weniger essen.

Damit fangen die Probleme allerdings erst an, und egal welche Methode man wählt, sie erfordern alle ein erhebliches Maß an Willenskraft, und wer hat die schon? Dementsprechend vielfältig sind die Tricks und Kniffe, mit denen der eigene Appetit zumindest ein wenig überlistet werden soll. Forscher der Virginia Tech haben in der Zeitschrift Obesity eine entsprechende Untersuchung veröffentlicht, die sich einer sehr weit verbreiteten Strategie annimmt. Mit der Methode konnten die Forscher (genauer gesagt ihre Probanden) den Gewichtsverlust während einer Diät um fast die Hälfte steigern. Man braucht sich zur Abwechslung auch keine Sorgen zu machen, dass es sich um bloße Verkaufsförderung handelt, denn in diesem Fall ist das Wundermittel ganz einfach Wasser. » weiter

Geschrieben in Allgemein , Biologie , Biochemie und Molekularbiologie , Verhaltensforschung | 10 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Gangs, Gene und Gewalt

07. Juni 2009, 22:15

Es ist eine zentrale Prämisse des Rechtsstaates und seiner Justiz, dass kein Mensch kriminell geboren ist, sondern frei ist, sich für oder gegen bestimmte Handlungen zu entscheiden. Darauf fußen zentrale Begriffe wie Schuld, Verantwortung und natürlich auch Rehabilitation.

Die Anzeichen mehren sich jedoch, dass gewalttätiges Verhalten eine erbliche Komponente hat. Es scheint inzwischen belegt zu sein, dass Defekte des Gens für Monoaminoxidase A (MAOA) mit einer höheren Gewaltneigung verbunden sind. Eine Mutation im Gen verursacht zum Beispiel das sehr seltene Brunner-Syndrom, das mit höherer Aggressivität und leichten geistigen Behinderungen einhergeht.

Gendefekte sind eine Sache, allerdings hat sich gezeigt, dass auch einige weit verbreitete Varianten des Gens mit gewalttätigem oder antisozialem Verhalten bei Jugendlichen zusammenhängen. Träger solcher Allele sind, zeigt eine aktuelle Studie, signifikant häufiger in Gangs aktiv. Und sie greifen wesentlich häufiger zur Waffe. » weiter

Geschrieben in Allgemein , Biologie , Biochemie und Molekularbiologie , Verhaltensforschung | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Reinlichkeit, Moral und sexueller Missbrauch von Katzen

01. Dezember 2008, 13:55

 

What, will these hands ne'er be clean? [...]
Here's the smell of the blood still: all the perfumes of Arabia
will not sweeten this little hand. Oh, oh, oh!

 

- Shakespeare, Macbeth, Act V, Scene I

Moral und saubere Finger gehen Hand in Hand, das wissen wir nicht erst seit Lady Macbeth und ihrer unguten Obsession: Das als Macbeth-Effekt bekannte Motiv des Waschens taucht schon im Matthäus-Evangelium auf:
„Da aber Pilatus sah, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!“
Wissenschaftler demonstrierten 2006, dass die Verbindung zwischen moralischer und körperlicher Reinheit mehr ist als nur eine hübsche Metapher: Ist unsere moralische Reinheit in Frage gestellt, reagieren wir mit Waschzwang.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Wenn man Simone Schnall, Jennifer Benton und Sophie Harvey von der Universität Plymouth glaubt, funktioniert die Sache nämlich auch in die andere Richtung: Sauberkeit beeinflusst moralische Werturteile. » weiter

Geschrieben in Verhaltensforschung | 3 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink