Siemens cop15 Gedanken zum Klimawandel

Klimawandel als Symptom einer wachstumsgläubigen Wirtschaft

Beitrag vom 30. November 2009, 07:15

Von Björn Lohmann  

Stromerzeugung, Mobilität, Nahrungsproduktion: Die drei Hauptschuldigen am Klimawandel sind schnell ausgemacht und unstrittig. Dabei gibt es für alle drei Felder Lösungen, die klimafreundlich wären. Doch wer glaubt, die Menschheit setzte jetzt konsequent auf eben diese Lösungen, der irrt. Der Umgang mit dem Klimawandel ist symptomatisch für eine Weltanschauung, die als Lösung aller Probleme auf grenzenloses Wachstum setzt.

So lange die Wirtschaft jedes Jahr wächst, ist die Welt in Ordnung. Zumindest ist das der Eindruck, den man gewinnt, hört man einigen Ökonomen zu oder liest die Wirtschaftsseiten so mancher Zeitung. Eigentlich genügt der gesunde Menschenverstand, um den Irrsinn dieser Idee zu erkennen. Wachstum lebt von Konsum, und ich habe nun einmal endliche Bedürfnisse. Drei Toaster machen mich auch nicht glücklicher als einer. Wissenschaftlicher haben das Forscher im Auftrag des Club of Rome schon mehrmals analysiert. Das kurz gefasste Ergebnis: Es gibt Grenzen des Wachstums, die sich nicht überschreiten lassen, ohne dass es noch in diesem Jahrhundert zu einem Kollaps des Systems kommt. Irgendwann kommt der Wendepunkt, an dem mehr Wachstum nicht ausreicht, um die von ihm verursachten Nebenwirkungen zu kompensieren.

Dabei müsste ein quantitatives Nullwachstum ja gar keinen Stillstand bedeuten. Eine nachhaltige Wirtschaft, die vor allem auf Lebensqualität achtet, lässt sich bestens mit einem qualitativen Wachstum vereinen. Die wichtigsten zwei Grundlagen eines solchen Systems wären, nicht mehr natürliche Ressourcen zu verbrauchen als sich im gleichen Zeitraum erneuern, und nicht mehr Abfälle zu produzieren, als das System in der gleichen Zeit entsorgen kann. Um diesem Ziel näher zu kommen, könnte schon ein einfaches Mittel genügen: Den Rohstoffverbrauch ganz am Anfang der Produktionskette besteuern und damit verteuern, und ebenso mit Emissionen verfahren. Nachhaltiger, effizienter Umgang mit Ressourcen wäre ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Reparieren statt wegwerfen und neu kaufen würde wieder attraktiv – und damit auch die Herstellung langlebiger Produkte. Das schafft gleichzeitig Arbeitsplätze vor Ort.

Der Handel mit Kohlendioxidzertifikaten geht in genau diese Richtung. Oder ginge es, wenn die Verschmutzungszertifikate nicht verschenkt würden. Und so sinnvoll der Emissionshandel auch sein könnte, gegen den Klimawandel greift er zu kurz. Er berücksichtigt weder, dass die Emissionen von Flugzeugen aufgrund ihrer Flughöhe wesentlich schädlicher sind als solche am Erdboden. Noch berücksichtigt er, dass mit Methan und Lachgas neben Kohlendioxid noch zwei andere Gase erheblich das Klima aufheizen.

Viele kleine Veränderungen unserer Gewohnheiten wären die automatische Folge einer Wirtschaft im Gleichgewicht. Aufwändige Geräte, die die meiste Zeit herumstehen, würden besser genutzt, weil man sie sich in Nachbarschaft oder Freundeskreis teilt. Ob das nun der Rasenmäher ist oder das Auto. Und fast jede dieser Veränderungen würde das Klima schonen, denn Strom, Mobilität und Ernährung sind die zentralen Felder unseres modernen Lebens.

Ein Nebeneffekt wäre das stabilere Finanzsystem, da Spekulationen auf Wachstum entfielen. Krisen wie die aktuelle wären kaum denkbar. Außerdem nähme die Lebensqualität unmittelbar zu, und auch unsere Kinder und Enkelkinder hätten die Perspektive, in einer Welt ohne Ressourcenkriege und Klimaflüchtlinge zu leben. Wir müssten nur konsequent auf jene Lösungen setzen, die für uns als Gesellschaft das Beste sind, anstatt uns von einer Handvoll Unternehmen und Lobby-abhängigen Politikern Klima und Zukunft versauen zu lassen.


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Kommentare

  1. kai prohaska Obama
    30.11.2009 | 09:32

    Kommt er oder kommt er nicht? :-)

  2. 30.11.2009 | 09:58

    Ich denke schon, dass Obama kommen wird. Aber drauf wetten...?

  3. Björn Lohmann @kai prohaska: Obama hat zugesagt
    30.11.2009 | 10:18

    Auf dem Weg zum Friedensnobelpreis will Obama beim Klimagipfel reinschauen. Ob das aber mehr Öffentlichkeitsarbeit oder aktives Einmischen sein wird, darauf würde ich auch nicht wetten. ;-) Unabhängig davon darf man aufgrund der jetzt doch recht erheblichen Vorabbekundungen verschiedener Gruppen immerhin wieder hoffen, dass der Gipfel nicht nur leeres Gerede wird, sondern zumindest eine solide Grundlage für einen Kyoto-Nachfolger legt.

  4. Michael Khan Wachstum ist notwendig
    30.11.2009 | 13:18

    "Solange die Wirtschaft wächst, ist die Welt in Ordnung".

    Klingt plakativ und war wohl ablehnend gemeint, aber es stimmt nun einmal.

    Weil nun einmal die Weltbevoelkerung wächst und außerdem auch noch der Anspruch verfolgt werden sollte, den Menschen, die auf der Erde leben, einen gewissen Wohlstand zu gewährleisten.

    "Drei Toaster machen nicht glücklicher als einer" - das entspringt der naiv-westlichen Vorstellung eines Menschen, der das Glück hat, im Wohlstand geboren und aufgewachsen zu sein.

    Dieses Glück hat aber ein erheblicher Anteil der Menschheit nicht, obwohl es ihnen genau so zusteht wie uns.

    Eine gewisse Angleichung der Lebensverhältnisse wird es geben müssen und sie wird - das mag besteiten, wer in einem Wolkenkuckucksheim lebt - nur moeglich sein, wenn die Weltwirtschaft wächst.

    Ein Verzicht auf exzessiven Wohlstand in einigen priviligierten Ländern kann nicht ausreichen, um einer Anzahl von Menschen, die nichts oder nicht genug für ein menschenwürdiges Leben hat, die die Bevölkerungszahl der Industrieländer übersteigt, eine wirklich Zukunftsperspektive zu bieten. Und dazu bedarf es des Wachstums.

    Was in der gegenwärtigen Situation nun wirklich nicht hilft, ist ein Mangel an Realismus oder eher, ein realitätsferner, naiver Unrealismus.

    Die Weltwirtschaft wird kräftig wachsen. Wer das verkennt, verschließt sich den Tatsachen. Wichtig ist, jetzt schon Schritte zu ergreifen, die wir ohnehin ergreifen müssen.

    Kein Wachstum ist keine Option, solange die Weltbevoelkerung nicht stabil bleibt oder sogar abnimmt. Das wäre ideal, ist jedoch nicht zu erwarten.

    Wir haben eigentlich nur zwei Optionen:

    1.) Wachstum unter Nutzung weniger umweltschädlicher Technik. Jede Anstrengung sollte dahingehen, diese zu entwickeln und einzuführen.
    2.) Wachstum unter Vernachlässigung des Umweltaspekts.

    Dummerweise ist es so, dass das Nachjagen einer Chimäre wie Nullwachstum eher 2.) als 1.) Vorschub leistet, denn Zeit und Arbeit, die in die technische Entwicklung gehen müssten, werden mit dem Versuch vertan, etwas Unerreichbares zu erreichen.

    Komisch, dass Slogans wie der Ruf nach dem Nullwachstum immer unwidersprochen hingenommen werden.

  5. Björn Lohmann @Michael Khan: Weltwirtschaftswachstum
    01.12.2009 | 19:44

    Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass eine weltweite Angleichung der Lebensverhältnisse erstrebenswert ist. Es kann nicht sein, dass wir das Vielfache der uns zustehenden Ressourcen verbrauchen, während Menschen in Entwicklungsländern mit einem Bruchteil auskommen müssen. Man kann ja den Wert errechnen, der jedem Erdenbürger bei der heutigen Weltbevölkerungsgröße an Rohstoffen und Emissionen zusteht, und der muss dann halt eingehalten werden. Bloß: Die nachhaltig nutzbaren Ressourcenmengen der Erde sind schon jetzt jedes Jahr im Herbst verbraucht. Quantitatives Wachstum ist - in Industrieländern - das Gegenteil dessen, was dieser Globus braucht. Und es ist Industrienationen ja auch möglich, Entwicklungsländern zu helfen, direkt auf nachhaltige Lösungen zu setzen, statt unsere Fehler zu wiederholen. In den Großstädten Chinas haben zwar längst Roller die Fahrräder abgelöst, aber dort sind es Elektroroller.

  6. Ahmet Uenver Stromerz. sauber, nachhaltig u. billig
    02.12.2009 | 10:56

    Ein Aufruf an die Atomlobby und auch an die Erneuerbaren, da diese Quelle 24H vorhanden ist :

    Innovative Bohrtechnik von Sirex Pulse Hydraulic Systems, sodass Tiefen von über 10 KM und 500 C° an fast jedem Ort der Welt erreicht werden können.

    Adiabatischer Kreislaufprozess mit Stickstoff für die Nachhaltigkeit und 0-emmissionen.Zukunftsfähige "Blaue Energie"
    für alle-Dezentral zum Heizen, kühlen , Mobilität etc.Strom für alle !!!
    sauber und bezahlbar / unter 2cent/KwH !!

    Siehe -Video on blogspot-.

    Mein persönlicher /bescheidener Beitrag !!!

  7. Ralf Bisch-Chandaroff
    06.12.2009 | 09:40

    Das ist im Kern alles richtig, dafür lassen sich aber leider keine Mehrheiten finben. Die Menschen sind doch durch Wohlstand zunehmend verblödet. Ein bis zwei Generationen von Politikern und Wählern kennen doch nur, das alles immer ein bißchen besser wird und halten verbissen an Ihrer Lebenslüge fest. Längst notwendige Korrekturen werden ausgeblendet und immer wieder verschoben, auf 2020 oder irgendwann. Eigentlich müssten alle Deutschen mehr arbeiten, dafür weniger verdienen und bescheidener leben. Statt dessen wird dem Wähler sozusagen ewiger Wohlstand versprochen, mit stabilen Renten und Lebensverhältnissen, alles auf Kosten und mit Ressourcen der nächsten Generationen. Eine Lösung wäre vielleicht ein neues Wahlrecht, in welchem die Stimmen der älteren Generation weniger Gewicht haben, als die von jungen Wählern, welche die Auswirkungen mit voller Wucht zu spüren bekommen .

  8. Simon H. Wieso Verzicht ?
    15.12.2009 | 12:11

    Mal Nachdenken, seit 10-15 Jahren nutze ich ESL. Man hab ich da auf viele KWh verzichtet. Mein Auto fährt anstatt mit 10-13 Litern wie der alte Käfer nur noch mit 6 Litern Benzin. Oh man hab ich da oft aufs Tanken verzichtet.
    Und dann auch noch das Haus besser isoliert. Da hab ich doch glatt auf ein Drittel meiner Öllieferung verzichtet. Warmes wassen mit dem Luftwärmetauscher erzeugt. Mist schon wieder auf Öl verzichtet.
    Vom PC (250Watt) umgestiegen auf den Laptop (30 Watt). Soviel zu meinem bisherigen Verzicht.

    Mensch hab ich auf Sachen verzichtet, da hat sich meine Lebensqualität durch Geld Sparen doch glatt verbessert. ja so was dummes aber auch.

szmtag