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Angst vor der Beschleunigung?

von Gerd Fritz, 07. Januar 2011, 12:05

Wenn wir über die Vorzüge von Blogs, Mailinglists, Open Peer Review oder Twitter nachdenken, fällt uns schnell (!) die Beschleunigung der Abläufe ein. Wer einen Aufsatz zur Publikation bei einer Printzeitschrift einreicht, muss mindestens 15 Monate warten, bis er publiziert ist. Auf einem Blog dauert es 15 Sekunden: „On ‚Language Log', you can see your stuff published where everyone in the world can see it for free just 15 seconds after you write it, and you often have some feedback in 15 minutes. That’s improvement of four or five orders of magnitude. It’s scholarship on methamphetamins. Publication for speed freaks”. So schreiben die Betreiber des „Language Log“ Und da gibt es auch diese herrlichen Fälle, wenn ein Doktorand aus, sagen wir: Irkutsk, zu einem Problem keine Idee und auch keine Literatur hat und das auf seiner Mailinglist seinen Kollegen mitteilt. Innerhalb von 24 Stunden bekommt er 20 hochkarätige Hinweise, die ihm die Augen öffnen. Oder diese wunderbaren Momente, wenn auf einem Blog oder einer Mailinglist durch die schnelle Abfolge von Posts ein „Flow“ entsteht, wie bei einem guten Gespräch unter Kollegen in der Cafeteria. Da muss man nicht fragen, ob die Beschleunigung für die Beteiligten gut ist.

Aber dann gibt es auch die anderen Fälle, in denen die Beschleunigung stresst. Man antwortet zwei Wochen nicht auf eine Mail und muss sich dafür entschuldigen. Man hat eine gute Idee für einen Kommentar, aber eben zwei Wochen zu spät. Man reagiert ganz schnell auf einen Post, aber unüberlegt, und ärgert sich hinterher. Man beantwortet eine Mail sofort und bekommt zur Strafe gleich wieder eine, die man auch wieder beantworten muss. Hartmut Rosa hat in seinem Buch über Beschleunigung solche Sachen sehr schön beschrieben: Es entsteht ein „Akzelerationszirkel“. Oder man wird mit Informationen, Mails und Posts zugemüllt – Schnelligkeit erzeugt Masse – und man kann keinen vernünftigen eigenen Gedanken mehr fassen.

Die Frage der Beschleunigung in der wissenschaftlichen Kommunikation hängt natürlich zusammen mit der generellen Frage der Beschleunigung in der Wissenschaft. Dass es gut ist, wenn schnell neue, wirksame Medikamente gefunden werden, leuchtet jedem ein. Dass Doktoranden ihre Dissertation vielleicht in zwei Jahren abschließen können und nicht in fünf, ist für ihre Biographie wohl auch meistens gut. Wenn man schneller Wissenschaft produzieren kann, kann man auch mehr Wissenschaft produzieren. Da muss man aber schon fragen: Erstens, brauchen wir mehr Aufsätze zur anglistischen Literaturwissenschaft, nur so zum Beispiel? Die allgemeine Frage erinnert an Bertrand Russells Essay „In Praise of Idleness“, wo er darüber nachdenkt, welch schlimme Folgen es haben kann, wenn in der Welt mehr Stecknadeln hergestellt werden als nötig. Und zweitens, hält der Kopf mit der Beschleunigung Schritt? Vermutlich stimmt es, dass wir schneller und strategischer lesen können als Laien und als unsere Vorfahren. Aber können wir auch schneller denken? Und drittens, wie wird man mit dem überreichen Angebot an Informationen und Handlungsmöglichkeiten fertig, das einen zu schwierigen Auswahlentscheidungen zwingt? Auch hierzu hat Rosa sehr schöne Beobachtungen gemacht. 

Für Wissenschaftler scheinen die digitalen Medien einen Konflikt zu verschärfen, den es schon lange gibt. Das Denken braucht seine Zeit, auch wenn man kollaborativ denkt. Man muss sich die Umwege und die Ruhe gönnen. Wittgenstein schrieb 1949 eine Bemerkung, die in der Sammlung „Vermischte Bemerkungen“ veröffentlicht wurde: „Der Gruß der Philosophen untereinander sollte sein: ‚Laß Dir Zeit!‘“ „Und nicht nur der Philosophen“ habe ich vor vielen Jahren in mein Exemplar gekritzelt. 

Offensichtlich ist ihr Zeitbudget etwas, worüber gerade heute viele Wissenschaftler nachdenken. Aus einer Umfrage erfuhren wir, dass viele Wissenschaftler, gerade im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften, beispielsweise für die Nutzung von Blogs „keine Zeit“ haben. Auch Diskussionen bei Open Peer Review „brauchen zu viel Zeit“. Ist das eine gesunde Schutzhaltung oder ein ängstliches Zurückweichen vor einer produktiven Herausforderung, die u.a. in einer Beschleunigung der Vorgänge besteht? Hier gibt es offensichtlich einen unaufgelösten Konflikt zwischen dem Potenzial der digitalen Formate und ihrer faktischen Nutzung. Vielleicht zeigen diese Reaktionen aber nur, dass der einzelne Wissenschaftler eben instinktiv seine Strategien entwickelt, wie er oder sie das Potenzial der digitalen Angebote nutzt, ganz opportunistisch. Was in seine oder ihre Forschungspraxis passt, E-Mail oder digitale Korpora, benutzt er oder sie, was (momentan) nicht passt, schiebt er weg, inklusive Beschleunigungspotenzial. Ein interessanter Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung digitaler Formate in der Wissenschaft. Übrigens: Ich verstehe gut, wenn ihr keine Kommentare zu diesem Post schreibt. Ihr habt keine Zeit, und es geht sowieso alles zu schnell. Mit Wittgensteinschem Gruß für 2011: Lass Dir Zeit!





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Kommentare

  1. Martin Holzherr Opportunistisch kommunizieren
    07.01.2011, 14:17

    Kommunikation über einen Blog oder über EMails kann für Forschende im günstigsten Fall etwas ähniches bewirken wie die räumliche Nähe zu anderen Forschern mit denen man seine Arbeit diskutieren kann. Sie kann natürlich auch unproduktiv und reine Zeitverschwendung sein.
    Es gibt heute mehr Möglichkeiten sich auszutauschen, was in einigen Fällen hilft in anderen Fällen aber nur ablenkt. Man muss selber dafür sorgen, sich die optimalen Bedingungen zu schaffen oder um aus dem obigen Artikel zu zitieren: Vielleicht zeigen diese Reaktionen aber nur, dass der einzelne Wissenschaftler eben instinktiv seine Strategien entwickelt, wie er oder sie das Potenzial der digitalen Angebote nutzt, ganz opportunistisch.

  2. Bruno strecker Lass Dir Zeit
    07.01.2011, 17:19

    Lieber Gerd,

    erst mal die besten Wünsche zum neuen Jahr - meinem letzten als IDSler!

    Nun zu Deinem Text: Er hätte sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als er vermutlich erregen wird. Ständig werden neue Säue durch neue Dörfer getrieben, und ich habe weiß Gott nicht den Eindruck, dass dabei viel erreicht wird, das wert ist, den Tag zu überdauern.

  3. Kai Bremer Flüchtigkeit
    07.01.2011, 19:40

    "„Der Gruß der Philosophen untereinander sollte sein: ‚Laß Dir Zeit!‘“ „Und nicht nur der Philosophen“ habe ich vor vielen Jahren in mein Exemplar gekritzelt."

    Als ich das eben gelesen habe, ist mir noch ein anderes Problem aufgefallen, dass die Internetkommunikation mit sich bringt: Das sich Zeitlassen sollte mit dem Notieren einhergehen. Neben der Beschleunigung ist ein Hauptproblem, wie rasch sich die Gedanken verflüchtigen. Wenn ich bei der Lektüre im Netz einen Gedanken festhalten will, dann habe ich zunächst keinen Ort, wo ich was 'hinkritzeln' kann. Das führt zumindest bei normal Begabten wie mir dazu, dass sich Gedanken viel zu schnell verflüchtigen.
    D.h. ich muss kommunizieren (also etwa einen Kommentar schreiben wie jetzt) oder der Gedanke ist futsch. Aber wenn ich nicht kommunizieren will (Gründe gibt es viele, wie wir hier sehen), dann muss ich entweder auf mein Gedächtnis hoffen (aussichtslos auf die Dauer) oder das Medium wechseln. Das ist wenig effizient - da schnappt die Zeitfalle zu. Ich habe mir deswegen vor einiger Zeit ein Tagebuchprogramm besorgt, in das ich diese 'Kritzeleien' eintrage und verlinke. Ist noch keine Ideallösung, aber immerhin besser als die guten alten Notizbücher, die man nie zur Hand hat, weil sie sonstwo liegen, aber nicht dort, wo ich gerade bin, während ich einen online-Artikel lese.
    Am Ende des Artikels deutet sich an, dass die ersten Daten Ihrer Umfrage vom Projekt zu akademischen blogs u.ä. vorliegen. Kann man die schon irgendwo nachlesen?

  4. Gerd Fritz Beschleunigung
    07.01.2011, 20:35

    @Kai Bremer
    Die Idee mit dem Kritzel-Tagebuch finde ich sehr gut. Ich vergesse auch dauernd interessante Dinge. Was die Umfrage angeht, so arbeiten wir gerade an der Auswertung. In ca. 2-3 Monaten werden wir die Ergebnisse formulieren können.

  5. Heringer kein Betreff
    07.01.2011, 21:38

    Keine Zeit haben die Langsamen. Trotz aller Aufrufe zur Langsamkeit finde ich es viel schöner, wenn man schnell ist.
    Und dann bin ich auch der Meinung, dass wir leider gar nicht Herr über die Zeit sind. Wir kriegen sie irgendwo her und wir wissen nicht, wie viel Zeit wir (noch?) haben.
    Außerdem ist es ja kommunikativ interessant, wenn Leute sagen, sie hätten keine Zeit.
    Da kann man immer hier schauen:
    http://corpora.ids-mannheim.de/ccdb/
    Zum Beispiel Zeitmangel:

    konnte ... aus Zeitmangel nicht mehr

    aus Zeitmangel [...] nicht [mehr] möglich

    konnte ich aus Zeitmangel nicht

    aus Zeitmangel [...] nicht

    Bequemlichkeit [und|oder] Zeitmangel

    Als Grund wurde Zeitmangel [...] genannt
    nannten Zeitmangel ... als Hauptgrund

    Und wohin das führt:

    chronischer Zeitmangel

    Was sagen sie da, die keine Zeit haben? Sie könnten sich entschuldigen, könnten die klar machen, dass sie Wichtigeres zu tun haben, könnten zeigen, dass sooo wichtig sind und so weiter. Also – und das hat Gerd Fritz wohl auch gemeint – geht es um uns persönlich. Und da komm ich dann zu meinem Anfang zurück.

    Ich hoffe, man darf hier solche Splitter verstreuen und auch nicht Geschliffenes einbringen.
    Ich hab nämlich keine Zeit.

    konnte ... aus Zeitmangel nicht mehr

    aus Zeitmangel [...] nicht [mehr] möglich

    konnte ich aus Zeitmangel nicht

    aus Zeitmangel [...] nicht

    chronischer Zeitmangel

    Bequemlichkeit [und|oder] Zeitmangel
    aus Zeitmangel [nicht] mehr

    Als Grund wurde Zeitmangel [...] genannt
    nannten Zeitmangel ... als Hauptgrund

    konnte ... aus Zeitmangel nicht mehr

    aus Zeitmangel [...] nicht [mehr] möglich

    konnte ich aus Zeitmangel nicht

    aus Zeitmangel [...] nicht

    chronischer Zeitmangel

    Bequemlichkeit [und|oder] Zeitmangel
    aus Zeitmangel [nicht] mehr

    Als Grund wurde Zeitmangel [...] genannt
    nannten Zeitmangel ... als Hauptgrund

  6. Jürgen Plieninger Notizen ablegen
    08.01.2011, 21:39

    @Kai Bremer: Wie wäre es mit Web 2.0-Notizbüchern, wie z.B. Evernote? Die sind dann quasi immer "zur Hand". Vgl. in meinen Kursunterlagen zum Wissenschaftlichen Arbeiten http://wissenschaftlichesarbeiten.pbworks.com den Punkt 1, Organisieren.
    Mir selbst genögt das übrigens nicht ganz, ich trage zusätzlich immer eine Kladde zum Notieren mit mir herum.

  7. Thomas "... jeden Tag widme ich einen Teil ..."
    09.01.2011, 03:46

    Antonio Tabucchi, Lissaboner Requiem (dt. 2002):

    "... Und jetzt entschuldigen Sie mich, sagte er, ich möchte ein wenig lesen, jeden Tag widme ich einen Teil meiner Zeit der Lektüre. Er holte ein Buch aus der Tasche und begann zu lesen. Es war die Zeitschrift _Esprit_, und er sagte: Ich lese den Aufsatz eines französischen Philosophen über die Seele, ist es nicht merkwürdig, daß man wieder einmal etwas über die Seele liest ...". (18f).

    Danach wird der Betreffende allerdings in ein Gespräch verwickelt, das ihn vorerst von der Lektüre abhält...

    Welchen Wert haben Dinge, die uns "ablenken"?

    Th.

  8. Alf Zeit Notizen
    09.01.2011, 20:38

    Lieber Gerd, ich kann Ihnen nur zustimmen. Antwortet man bspw. immer sofort auf jede email, dann erwartet auch alle Welt, dass man zukünftig immer sofort auf jede email antwortet. Lässt man emails zulange unbeantwortet liegen, muss man sich erstmal entschuldigen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden.

    Zu den Notizbüchern: auch ich habe mir angewöhnt immer eine solches mit mir herumzutragen, nutze aber auch zusätzlich Web2.0- Geschichten, wobei ich da noch nicht die optimale Lösung gefunden habe. Ein aufgeschriebener Gedanke ist schließlich irgendwie auch ein abgelegter Gedanke und macht somit Platz für den nächsten Gedanken. Nur sollte man dann nicht vergessen auch gelegentlich mal in seine Notizen zu schauen ;)

  9. Anita Ablenkungen und Zettelkasten
    09.01.2011, 22:45

    @Thomas: Ich glaube es hängt davon ab, welcher Art diese Dinge sind, die uns von etwas "ablenken", - und natürlich in welcher Situation sie uns ablenken. Wenn ich im Internet beispielsweise nach interessanten Materialien für unsere Fallstudien suche, bringen "Ablenkungen" möglicherweise (oder sollte ich besser sagen: "häufig"?) sehr wertvolle Funde zu Tage. Ich baue in diesen Fällen geradezu darauf "abgelenkt" zu werden - es ist sozusagen "part of the game". (Kann man dann überhaupt noch von "Ablenkungen" sprechen?)

    @Kai Bremer: Dieses Problem kenne ich nur zu gut. Nach langer Suche und diversen erfolglosen Software-Tests habe ich mir vor einiger Zeit einen Luhmannschen Zettelkasten zugelegt - allerdings in digitaler Form. Darin archiviere ich alles, was mir in irgendeiner Weise interessant erscheint (egal ob Internetfunde, interessante Textschnipsel oder Gedankenblitze). Hier der Link zu dem kostenlosen Zettelkasten-Programm, der sicherlich eine kurze "Ablenkung" wert ist: http://zettelkasten.danielluedecke.de/

  10. Thomas Literaturnotiz
    10.01.2011, 03:10

    Rolf Engelsing: Der literarische Arbeiter. Band 1: Zeit und Werk im literarischen Beruf. Göttingen 1976.

    (Und vielleicht auch: Wackernagel, Wilhelm: Die Lebensalter. Basel 1862.)

    Thomas

  11. Matthias Fromm Blogs sind auch nur eine Art Info-Quelle
    10.01.2011, 21:07

    Lieber Herr Fritz,

    danke für diesen Beitrag. Auch wenn ich bei weitem nicht all Ihren Argumenten folgen bzw. zustimmen kann, bin ich beim Lesen besonders über eine Wendung gestolpert.

    "Aus einer Umfrage erfuhren wir, dass viele Wissenschaftler, gerade im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften, beispielsweise für die Nutzung von Blogs „keine Zeit“ haben."

    Das halte ich schlichtweg für eine pauschalisierende Behauptung von Leuten, die sich erst wenig mit dem Medium Blog beschäftigt haben. Meines Erachtens sind Blogs auch nur eine andere Art von Informationsquelle, die (abhängig vom Autor) einem Buch oder Periodika in nichts nachstehen müssen. Sicher gibt es viele Blogs, die Wissenschaftlern nicht als Quelle oder gar Referenz dienen können, aber es gibt ebenso viel andere Literatur die dies nicht kann.

    Der Vorteil von Blogs ist aus meiner Sicht, dass man sie auch nur Lesen kann und nicht an der Diskussion der Beiträge teilnehmen muss. Allein durch das Lesen lässt sich aber in vielen Fällen ein gewisser Zeitgeist einer wissenschaftsinteressierten Öffentlichkeit oder gar einer professionellen Teilöffentlichkeit (anderer Wissenschaftler) erkennen.

    Ich habe übrigens mit den digitalen Notizbüchern (Evernote, Licorize, Diigo, etc.) sehr positive Erfahrungen gemacht. Sicher brauch man eine bestimmte Eingewöhnungszeit. Die Vorteile liegen für mich dabei allerdings klar auf der Hand:
    - Digitale Notizbücher habe ich überall dort verfügbar, wo ich Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss habe bzw. kann ich Notizen auch im Offline-Modus anlegen und sie später im Online-Modus übertragen. Ein Notizbuch in seiner haptischen (Papier-) Form kann ich auch einmal vergessen.
    - Zudem kann ich digitale Notizprogramme mit verschiedenen Programmen und auch Funktionen (wie z.B. einer Aufgabenerinnerung) verknüpfen.
    - Ich kann neben Text z.B. auch Audio-, Video- und Bilddokumente "notieren" und verlinken.

    Die Kombination aus beidem (klassisch und digital) hat sich allerdings bei mir am besten bewährt. Wobei ich klassisch dann digital nachtrage. ;-)

    Mit bestem Gruß,
    Matthias Fromm

  12. Gerd Fritz Potenzial von wissenschaftlichen Blogs
    10.01.2011, 21:29

    @Matthias Fromm
    Lieber Herr Fromm,
    ihrer Einschätzung des Potenzials von Blogs für die Wissenschaftskommunikation stimme ich zu. In unseren Fallstudien haben wir sehr schöne Beispiele für die erfolgreiche Nutzung von wissenschaftlichen Blogs gefunden. Aber wir befinden uns offensichtlich in einer Phase, in der in manchen Disziplinen die WissenschaftlerInnen das Verhältnis von Nutzen und Zeitaufwand bei der Nutzung von Blogs noch nicht ausreichend positiv sehen, sei es aus Unkenntnis, sei es, dass es in bestimmten Bereichen noch keine ausreichend hochkarätigen Blogs gibt.
    Cheers,
    GF

  13. Matthias Fromm Beschäftigung mit Blogs
    11.01.2011, 11:33

    Lieber Herr Fritz,

    da haben Sie sicher recht, dass Blogs noch nicht im "wissenschaftlichen Mainstream" angekommen sind. Ich hoffe das ändert sich noch mit der Zeit, denn meines Erachtens ist das Potential von Web2.0-Technologien (Blogs, Wikis, Mikis, Microblogging, Crowd Sourcing, etc.) für den Wissenschaftsprozess immens unterschätz. Dies ist übrigens ein Thema, was auf meiner eigenen "Forschungsagenda" in diesem Jahr steht. Ich betrachte hier die Wissenschaftskommunikation in der Web 2.0 Welt mit besonderem Augenmerk auf die Wissenschafts-PR. Im besonderen geht es mir um die Folgen, die die Kommunikation von Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen im Netz auf der einen Seite und die Interaktivität und Dialogizität im Web 2.0 auf der anderen Seite auf den Wissenschaftsprozess und die Präsentation von Forschungsergebnissen haben. Stichworte sind hier Transparenz des Forschungsprozesses, Crowd Reviewing, Wissenschaftliches Publizieren und vor allem auch die Öffnung des Wissenschaftsprozesses (Open Science im Sinne von Open Innovation in der Wissenschaft), aber auch vieles mehr.

    Ich denke in diesen Bereichen gibt es viele Bereicherungen, es wird jedoch auch einiges sehr kritisch zu betrachten sein. Aber was wäre die Welt auch langweilig, wenn aller Fortschritt nicht auch immer die kritische Betrachtung mit sich zöge.

    Für mich ein hochspannendes Thema.

  14. JCG ... zwanzig Jahre ...
    04.02.2011, 00:25

    "... Poley ist weiterhin mit der ersten deutschen Übersetzung von Lockes _Essay concerning human understanding_ beschäftigt. Er wird dafür noch zwanzig Jahre benötigen, aber das Ergebnis bildet eine der wichtigsten und nachhaltigsten Übersetzungsleistungen ..."

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