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Digitale Wissenschaftskommunikation - Potenziale und Barrieren

von Gerd Fritz, 27. Juli 2011, 14:34

Zu den Aufgaben eines Forschungsblogs gehört es, über neuere Forschungen zu berichten, auch wenn es die eigenen sind. Deshalb hier ein Hinweis auf einen neuen Sammelband zum Thema „Digitale Wissenschaftskommunikation – Formate und ihre Nutzung“, der vor einigen Tagen erschienen ist, online und für jeden zugänglich: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8227/

Die Grundfrage, mit der sich die Beiträge dieses Bandes in der einen oder andern Form befassen, könnte man so formulieren: Sind wir schon im Zeitalter der digitalen Wissenschaftskommunikation angekommen? Die Beiträge behandeln neuere Entwicklungen der internen Wissenschaftskommunikation, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von interaktiven digitalen Formaten wie Mailinglists, wissenschaftlichen Blogs, Wikis und Open-Peer-Review-Zeitschriften. Überblicksdarstellungen, detaillierte Fallstudien und Interviews mit Protagonisten der digitalen Kommunikationspraxis loten die Potenziale dieser Formate aus, sie skizzieren Nutzungsprobleme und Entwicklungstendenzen und beschreiben Formen der tatsächlichen Nutzung dieser Formate. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, wie Veränderungen der Wissenschaftskommunikation sich auf die wissenschaftliche Praxis generell auswirken.

In den ersten drei Beiträgen wird das derzeitige System von digitalen Formaten in der Wissenschaftskommunikation im Überblick beschrieben, u.a. mit Bezug auf die Entwicklungen des Web 2.0, die Entstehung von Formatvarianten und Formatkonstellationen, Fragen der Qualitätssicherung, die Möglichkeiten der kollaborativen Nutzung von digitalen Formaten sowie die Entstehung und Entwicklung von sozialen Netzwerken im Bereich der digitalen Wissenschaftskommunikation.

Es folgt eine Gruppe von Fallstudien, die sich mit der Nutzung von Mailinglists (quantitativ und im historischen Längsschnitt), dem Open-Peer-Review-Verfahren, Texttypen in Wissenschaftsblogs sowie Kontroversen in digitalen Formaten der Wissenschaftskommunikation beschäftigen. Aus der Insider-Perspektive behandelt Ulrich Pöschl, der Hauptherausgeber von „Atmospheric Chemistry and Physics“, Fragen des Open-Peer-Review-Verfahrens. Die Fallstudien zielen auf bisher kaum dokumentierte empirische Details und verstehen sich gleichzeitig als Erprobungen von methodischen Prinzipien der Kommunikationsanalyse für den Bereich digitaler Formate. Sie bieten z.T. überraschende Ergebnisse wie z.B. die Beobachtung, dass Mailinglists in bestimmten Funktionen weiterhin eine beträchtliche Vitalität zeigen.

Den Abschluss bilden Interviews mit John Baez und Urs Schreiber, den Gründern des mathematischen Gruppenblogs „The n-Category Café“, sowie mit Anatol Stefanowitsch, dem Gründer des „Bremer Sprachblogs“ und heutigen Betreiber des „Sprachlog“. Diese Interviews geben vielfältige Hinweise auf die Praxis des wissenschaftlichen Blogs und die Reflexion dieser Praxis durch die Protagonisten selbst.

Insgesamt zeigen die Untersuchungen eindrucksvoll das Potenzial dieser Formate für die Wissenschaftskommunikation, für kontroverse und kollaborative Wissensgenerierung. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin bei vielen Wissenschaftlern Barrieren und Bedenken gegen die Nutzung digitaler Formate, insbesondere der kollaborativen Nutzung interaktiver Formate. Eine Online-Umfrage an deutschen Universitäten, deren Ergebnisse wir im Herbst publizieren, zeigt:  Die besonderen Potenziale der digitalen Formate werden in vielen Bereichen bisher nur in Ansätzen strategisch genutzt und auch nicht systematisch ausgeschöpft. Das Zeitalter der digitalen Wissenschaftskommunikation, so scheint es, hat in der Breite erst begonnen.

Übrigens: Eine einschlägige Darstellung in einem anderen Format findet sich unter: http://connect1.hrz.uni-giessen.de/p53682457/.





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Kommentare

  1. Martin Huhn kein Betreff
    27.07.2011, 15:54

    Zu den Aufgaben eines Forschungsblogs gehört es, über neuere Forschungen zu berichten, auch wenn es die eigenen sind

    Wsa heißt denn hier "auch wenn es die eigenen sind"? Gerade die eigenen sollen doch im Blog bekannt gemacht werden. *schmunzel*

  2. Lars Fischer Schöne Textsammlung
    27.07.2011, 20:16

    Ich habe das Werk neulich schon überflogen und kann es nur weiterempfehlen. Da sind sehr lesenswerte Sachen bei.

    @Martin:
    Das ist gar nicht so klar. Gerade für Naturwissenschaftler ist es teilweise sehr problematisch, über die eigene Arbeit zu schreiben. Deswegen machen das die wenigsten.

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