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Oeschger, Mann!

Stefan Rahmstorf | 26. April 2012, 18:40

Die meisten Forscher würden wohl stolz als Highlights ihrer Karriere auf das eine oder andere Paper zurückblicken, das mehr als einhundert mal zitiert wurde (nach ISI Web of Science). Nicht so der Physiker Michael Mann von der Penn State University – im jugendlichen Alter von 46 Jahren kann er bereits zwanzig Fachpublikationen mit je über 100 ISI-Citations vorweisen. Zu den (bisherigen) Highlights des brillanten US-Klimaforschers zählen sogar zwei Papers mit über 700 Citations! » weiter

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Rätsel endlich gelöst?

Stefan Rahmstorf | 01. April 2012, 10:40

Eine Gruppe von Kollegen hat eines der größten verbleibenden Rätsel der Klimaforschung offenbar so gut wie gelöst. Doch es handelt sich nicht um die Geschichte eines wissenschaftlichen Triumphes. Ganz im Gegenteil – wir haben im Kollegenkreis sogar kontrovers diskutiert, ob man damit überhaupt an eine breite Öffentlichkeit gehen sollte.

Das Rätsel ist unter Klimatologen als “wrong sign paradox” bekannt  – also das Paradoxon des falschen Vorzeichens.  Dem einen oder anderen unserer Leser ist es vermutlich schon begegnet. Kurz gesagt geht es um die Tatsache, dass eine Reihe von Dingen in der Klimaforschung sehr gut zusammen passen würde, wenn nur das Vorzeichen nicht wäre. Wenn nur ein Plus ein Minus wäre.

Das vielleicht bekannteste Beispiel ist, dass wir die globale Erwärmung schön mit Schwankungen der Sonnenaktivität erklären könnten: das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (2010) trifft gerade mit dem tiefsten Sonnenminimum seit Beginn der Satellitenmessungen der Leuchtkraft der Sonne in den 1970ern zusammen (Abb. 1). Das kann nicht einfach Zufall sein. Aber das Vorzeichen ist falsch: die Physik besteht darauf, dass die Temperaturen am wärmsten sein sollten, wenn die Sonne am hellsten strahlt, und nicht umgekehrt. Das Paradoxon des falschen Vorzeichens wird hier noch dadurch unterstrichen, dass die Sonnenleuchtkraft einen leichten Abwärtstrend über die letzten 30 Jahre zeigt – also just über den Zeitraum, in dem wir die bekannte starke globale Erwärmung erlebt haben.

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Abb. 1: Globale Temperatur (blau, NASA-Daten) und von Satelliten gemessene Leuchtkraft der Sonne (orange), beides als gleitende Mittel über 12 Monate.

Ein zweites prominentes Beispiel ist die Pazifische dekadische Oszillation (PDO), eine Schwankung der Meerestemperaturen im Nordpazifik.  Elementare physikalische Gesichtspunkte lassen uns erwarten, dass die globale Mitteltemperatur besonders warm ist, wenn der PDO-Index hoch ist, d.h. wenn die Oberflächentemperaturen im Nordpazifik warm sind. Diese Theorie würde auch wunderbar zu den Messdaten passen – wenn nur das Vorzeichen umgekehrt wäre (Abb. 2)!

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Abb. 2: Gobale Temperatur (wie oben) und PDO-Index, mit linearen Trends ab 1900 und über die letzten 30 Jahre.

Zur Abrundung noch ein drittes Beispiel (es gibt mehr – unsere Leser können sicher weitere beitragen): kosmische Strahlung. Eine sehr schöne Theorie geht davon aus, dass kosmische Strahlung bei der Wolkenbildung hilft: je mehr kosmische Strahlung, desto mehr Wolken und desto kühlere Temperaturen. Die kosmische Strahlung wird schon seit den 1950ern kontinuierlich gemessen. Und jetzt kommt’s: die höchsten gemessenen Werte fallen ausgerechnet auf das Jahr 2010, das wärmste Jahr (Abb. 3)! Aber auch hier stimmt das Vorzeichen wieder nicht, weil ja starke kosmische Strahlung besonders kalte Temperaturen bringen sollte, nicht besonders warme.

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Abb. 3: Kosmische Strahlung, wie sie an zwei Orten der Erde gemessen wird.

Auch der Laie ahnt, welche Überzeugungskraft diese (auch so schon beliebten) Theorien erst entfalten würden, wenn die Messdaten nur das genaue Gegenteil dessen zeigen würden, was sie tatsächlich zeigen! Wenn also das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichungen auf das größte Sonnenmaximum seit Messbeginn gefallen wäre statt auf das tiefste Sonnenminimum,  oder wenn die PDO über die letzten 30 Jahre einen Aufwärtstrend zeigen würde statt einen Abwärtstrend. Aber nun ist offenbar eine Lösung in Sicht.

Des Rätsels Lösung?

Eine Gruppe holländischer und US-amerikansicher Forscher,  unter der Leitung von Harry Van den Budenmeyer (Universität Utrecht), hat jedenfalls gerade eine überraschende Erklärung vorgeschlagen. „Erst wollte ich es selbst nicht glauben,“ sagte Van den Budenmeyer der KlimaLounge. „Aber als wir der Sache weiter nachgingen, passten immer mehr Puzzleteile zusammen.“

Die Geschichte nahm in den späten 1980ern oder frühen 1990ern ihren Anfang (das exakte Datum hat sich noch nicht feststellen lassen). Ein deutscher Klimaforscher hatte anhaltende Probleme mit Zahlenwerten in seinem Klimamodell, die offensichtlich das falsche Vorzeichen hatten. Er konnte den Fehler nicht finden, daher führte er eine FORTRAN Integer-Variable mit Namen ISCHUMMEL in das Modell ein. (Sorry wenn das technisch klingt, aber es ist wichtig, dies zu verstehen.) Er gab ihr den Wert -1 und multiplizierte die widerspenstigen Ergebnisse mit ISCHUMMEL, wo immer sie in seinem Computercode auftauchten. Sobald er das echte Problem gefunden haben würde, bräuchte er nur ISCHUMMEL auf +1 zu setzen und alles wäre wieder in Ordnung. Aber dazu kam es nie – das Modell funktionierte bestens mit der Behelfsmaßnahme, und er vergaß die Sache.

Was er nicht in Betracht zog (und damals vielleicht auch nicht ahnen konnte):  nützlicher Computercode verbreitet sic hunter Forschern wie ein Virus. Der Code war frei herunterladbar, und Hunderte anderer Wissenschaftler bedienten sich und nutzten ihn – oder auch nur Bruchstücke davon. Niemand schreibt noch von der Pike auf neuen wissenschaftlichen Code, wenn Kollegen schon Komponenten der gerade aktuellen Aufgabe gelöst haben und der Code frei verfügbar ist.

“Erst standen wir vor einem Rätsel, als wir ein Stück Code mit ISCHUMMEL fanden, das in unserem Labor für Klimaanalysen benutzt wurde,” sagt Van den Budenmeyer. „Aber dann haben wir systematisch nachgeforscht und Kollegen gefragt, und inzwischen haben wir den ISCHUMMEL-Fehler nicht nur in mehreren europäischen Ländern, sondern auch in Kalifornien, New York, Sydney und sogar einem chinesischen Klimazentrum gefunden. Wir stehen noch ganz am Anfang davon, die Konsequenzen zu analysieren, aber wir sind jetzt schon sicher: vieles von dem, was als ‚wrong sign paradox‘ bekannt war, wird sich einfach in Luft auflösen.“  

Wir werden Sie natürlich hier bei der KlimaLounge auf dem Laufenden halten.

p.s. Und ja: dies ist ein Aprilscherz.

p.p.s. In eigener Sache: unser Buch "Der Klimawandel" (Rahmstorf und Schellnhuber, Reihe Beck Wissen) ist jetzt in völlig überarbeiteter 7. Auflage erhältlich.

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Konferenztod in Venedig

Stefan Rahmstorf | 15. November 2011, 12:00

Ich komme gerade von einigen Tagen in Venedig auf Einladung der UNESCO zurück. Venedig ist immer wieder bezaubernd - die Hintergründe dieser Reise sind dagegen wenig erfreulich.

Doch fangen wir am Anfang der Geschichte an. Seit mehr als einem Jahr hat das ortsansässige UNESCO-Büro zusammen mit der Stadt Venedig auf eine große Konferenz zur Zukunft Venedigs hingearbeitet. Zur Vorbereitung gehörte zum Beispiel eine Reihe thematischer Workshops (bei einem davon, zum Meeresspiegel, sprach ich vor einem Jahr).  » weiter

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Preis für Klimablogger

Stefan Rahmstorf | 19. Oktober 2011, 23:00

Die American Geophysical Union (AGU) ist die weltweit größte Organisation von Geowissenschaftlern, mit über 60 000 Mitgliedern in 148 Ländern. Dieses Jahr vergibt sie erstmals einen neuen Preis, den mit 25.000 US$ dotierten Climate Communication Prize. And the winner is ... unser NASA-Kollege Gavin Schmidt.

Gavin ist der führende Kopf des Realclimate Blogs, den er 2004 mit einer Gruppe von Kollegen (einschließlich des Autors dieser Zeilen) aus der Taufe gehoben hat. Realclimate hat bereits mehrere Preise gewonnen und kann wohl ohne Übertreibung als der weltweit führende Klimaforscher-Blog bezeichnet werden; die Zahl der Seitenaufrufe hat 14 Millionen überschritten.

Gavin Schmidt ist über den Blog hinaus bekannt durch Auftritte in Funk und Fernsehen in den USA und auch durch ein Klimabuch, das er zusammen mit dem Fotografen Josh Wolfe herausgegeben hat. Wer einen Beitrag von Gavin auf deutsch lesen will: die KlimaLounge veröffentlichte 2008 seinen Artikel Was war los im Jahr 536 n.Chr.?

Die AGU will mit dem neuen Preis Forschern den Rücken stärken, die sich im öffentlichen Diskurs engagieren.  » weiter

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Lob dem Stromrad

Stefan Rahmstorf | 18. Oktober 2011, 10:00

Elektromobilität ist ein Zauberwort des Klimaschutzes - nicht ohne Grund, ist der Wirkungsgrad eines Autos mit Elektromotor doch etwa viermal so hoch wie bei einem Benziner, und Strom kann man fast emissionsfrei aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Doch wäre es ein Fehler, bei Elektromobilität immer gleich an Elektroautos zu denken. Die Bahn gehört auch dazu - und zunehmend Elektrofahrräder.

Anfang 2010 wurde die Zahl der E-bikes in China auf 120 Millionen Stück geschätzt -  in Deutschland sollen es derzeit schon mehr als eine halbe Million sein. Seit einigen Monaten fahre ich auch eines.

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Kipp-Punkte in der Arktis?

Stefan Rahmstorf | 11. Februar 2011, 10:46

In den letzten Wochen gab es einiges Medieninteresse am Thema klimatische Kipp-Punkte in der Arktis. Dies lag vor allem daran, dass der große Arktiskongress Arctic Frontiers in Tromsø seinen Wissenschaftsteil dieses Jahr dem Oberthema "Arctic Tipping Points" gewidmet hat.  Aber auch an einer Pressemitteilung des MPI in Hamburg, wonach das arktische Meereis keinen Kipp-Punkt habe. Letztere wurde teils mit Häme kommentiert, nach dem Motto: jahrelang haben die Klimaforscher uns erzählt, da gebe es einen Kipp-Punkt, und nun ist doch nichts damit. Teils wurde sie regelrecht in Entwarnung umgedeutet, etwa in der Tagesspiegel-Schlagzeile "Furcht um große Schmelze ist unbegründet".

Die Realität der Forschung ist wie meist deutlich differenzierter und interessanter. Ich war bei Arctic Frontiers eingeladen, den Einführungsvortrag zum Thema "What is a Tipping Point?" zu halten (siehe Folien hier, und auch mein Foto des Monats auf meiner Facebook-Seite). Zunächst muss man zwei Dinge auseinanderhalten: die Diskussion um den Begriff und die Diskussion um die Physik.

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KlimaLounge Highlights 2010

Stefan Rahmstorf | 09. Januar 2011, 21:25

Auch dieses Jahr blicken wir kurz auf einige Highlights des vergangenen KlimaLounge-Jahres zurück. Von den 33 im Jahr 2010 publizierten Artikeln haben immerhin fünf die magische Grenze von 10.000 Lesern übersprungen. Am meisten gelesen wurde unsere Replik auf den unsäglichen "Wolkenschieber"-Artikel im SPIEGEL. Auch der thematisch verwandte SPIEGEL vs. ZEIT Beitrag war unter unseren Top 5. Ein anderes Topthema waren die (angeblichen) Fehler im IPCC-Bericht. Wir waren wohl weltweit die ersten, die den Vorwürfen gegen den Weltklimarat auf den Grund gegangen sind und feststellen mussten, dass sie zumeist frei erfunden waren. Die meisten klassischen Medien sind erst etliche Monate und fünf Untersuchungsberichte später auch zu dieser Einsicht gelangt (siehe Climategate: ein Jahr danach). Das hohe Interesse an diesen Themen zeigt die wichtige Funktion von Wissenschaftsblogs als Korrektiv für den Unfug, der (neben vielen seriösen Berichten) zuweilen in den Medien zirkuliert. » weiter

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Das Jahrzehnt der Wetterextreme

Stefan Rahmstorf | 01. September 2010, 13:34

Die Wetterextreme des Jahrzehnts lesen sich wie eine Liste des Grauens. Von der Elbeflut 2002 bis zu den Bränden in Russland und Überschwemmungen in Pakistan. Millionen Menschen waren betroffen, Milliarden Werte wurden vernichtet. Zufall? Oder Klimawandel?

Am 12. August 2002 fielen an der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld in Sachsen 312 Millimeter Wasser vom Himmel. Eine Rekordmenge, die alles übertraf, was jemals zuvor in Deutschland an einem Tag an Regenmenge gemessen worden war. In der Folge kam es zur "Jahrhundertflut" der Elbe - der Pegel erreichte bei Dresden den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1275.

Im Sommer 2003 kam es in Westeuropa zur schlimmsten Hitzewelle seit Menschengedenken, die rund 70,000 Menschen das Leben kostete. Fernsehbilder von überlasteten Leichenhäusern in Frankreich flimmerten durch unsere Wohnzimmer. Es war der bei weitem wärmste Sommer seit mindestens 500 Jahren. Die Hitzerekorde lagen so weit außerhalb der bisherigen Messwerte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies durch zufällige Wetterschwankungen bei unverändertem Klima passieren könnte, von Schweizer Forschern auf Eins zu mehreren Millionen berechnet wurde.

Überflutung bei Sukkur, Pakistan, 18. August 2010 (NASA)

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Hitze, Brände, Fluten...

Stefan Rahmstorf | 10. August 2010, 13:46

Ein kurzer Signalton in meinem implantierten Mikrohörgerät kündigt einen Anruf an - es ist mein Neffe aus Berlin, schon wird sein Bild in meine Brillengläser eingeblendet. Er hat erst mal einen Hustenanfall, entschuldigt sich dann - ich wisse ja sicher, dass Berlin schon seit Tagen wieder unter der Smogwolke der im Umland wütenden Waldbrände liege. Ich hatte in der Tat eine kleine Zeitungsnotiz darüber gelesen - Schlagzeilen macht so etwas allerdings nur noch, wenn mal wieder die Villen in Grunewald vom Feuer bedroht sind.

Das Zitat ist aus einem fiktiven Blick ins Jahr 2050 - geschrieben habe ich das 2002, in dem Essay Bahnfahrt nach Dresden. Hätte ich damals ein fiktives Szenario für den Sommer 2010 aufgemacht, in dem um Moskau bei Rekordhitze die Brände außer Kontrolle wüten und Atomanlagen gefährden, die russische Regierung Weizenexporte verbietet und damit weltweit die Getreidepreise nach oben treibt... da hätte man mich mit Sicherheit eines unverantwortlichen Alarmismus geziehen.

Der damalige Artikel hat übrigens eine etwas kuriose Geschichte. Ein Feuilleton-Redakteur der Süddeutschen Zeitung hatte bei mir nach der Elbeflut angerufen und mich gebeten, mal einen etwas anderen, nicht wissenschaftlichen sondern "feuilletonistischen", visionären, persönlichen Beitrag zu schreiben. Als der Text eine Woche später fertig war, war dieser Redakteur in den Urlaub entschwunden, und seinem Vertreter gefiel mein Artikel nicht. Ich solle lieber bei meinen Leisten bleiben und wissenschaftlich schreiben, sagte er mir. Als sein Kollege wieder aus dem Urlaub zurück war, gefiel dem zwar mein Artikel, aber da war er nicht mehr aktuell. So kam es, dass die SZ diesen Artikel zwar bestellt (und bezahlt), aber nie gedruckt hat. Erst drei Jahre später erschien er in dem Buch Im Klimawandel angekommen. Was nun?, für das ich um einen Beitrag gebeten worden war. Hoffentlich werden die anderen dort von mir geschilderten fiktiven Szenarien (die alle eine wissenschaftliche Basis haben) nicht so bald von der Realität eingeholt.

Noch ein Link zum aktuellen Hochwasser in Sachsen: zum Zusammenhang solcher Hochwasser mit der globalen Erwärmung ist mein Beitrag im Brockhaus Jahrbuch 2002 nach wie vor aktuell (bis auf die abschließende Diskussion zu den nötigen Emissionsreduktionen, die sich heute leider aus mehreren Gründen deutlich pessimistischer darstellt).

Quellen

Rahmstorf, S., 2003: Flutkatastrophe - befinden wir uns im Klimawandel? In: Brockhaus Jahrbuch 2002, Brockhaus Verlag, pp. 140-143.

Rahmstorf, S. Bahnfahrt nach Dresden, in: Im Klimawandel angekommen. Was nun? (ed. D. Lehmann), pp. 15-18 (Projekte-Verlag, Halle, 2005).

p.s. Die urlaubsbedingt etwas eingeschränkte Moderation der Leserkommentare bitten wir zu entschuldigen.



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Global warming hat Geburtstag!

Stefan Rahmstorf | 28. Juli 2010, 14:45

Die globale Erwärmung wird 35! Nicht nur hält der aktuelle Erwärmungstrend nun bereits rund 35 Jahre an. Auch der Begriff "global warming" feiert nächste Woche seinen 35. Geburtstag. Am 8. August 1975 veröffentlichte Wally Broecker in der Fachzeitschrift Science seinen Artikel "Are we on the brink of a pronounced global warming?". Dies scheint die erste Verwendung des Begriffes "global warming" in der Fachliteratur zu sein (zumindest ist es in der wissenschaftlichen Datenbank ISI der früheste von über 10.000 Artikeln für diesen Suchbegriff).

In diesem Artikel prognostizierte Broecker korrekt "dass der gegenwärtige Abkühlungstrend innerhalb etwa eines Jahrzehnts einer deutlichen globalen Erwärmung weichen wird, verursacht durch Kohlendioxid" und dass Kohlendioxid "zu Beginn des nächsten Jahrhunderts die planetare Durchschnittstemperatur über die Erfahrungsgrenzen der letzten 1000 Jahre hinausgetrieben haben wird." Er schätzte die CO2-bedingte Erwärmung für das 20. Jahrhundert auf 0,8°C und sorgte sich über die Konsequenzen für die Landwirtschaft und den Meeresspiegel.  » weiter

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Steve Schneider gestorben

Stefan Rahmstorf | 20. Juli 2010, 13:45

Heute morgen hat mich die erschütternde Nachricht erreicht, dass Steve Schneider gestorben ist. Steve war ein großer Klimatologe und ein guter Freund. Er hat nicht nur als Pionier bei der Entwicklung von Klimamodellen Bahnbrechendes zur Forschung beigetragen. Er gehörte auch zu den ersten, die sich für die interdisziplinäre Klimaforschung eingesetzt haben: zum Beispiel gründete er 1975 die interdisziplinär ausgerichtete Fachzeitschrift Climatic Change, deren chief editor er bis zuletzt war. Er forschte selbst nicht nur zu Themen wie der Rolle von Aerosolen und Wolken im Klimageschehen, sondern auch zu den Auswirkungen auf die Biosphäre und zu ökonomischen Aspekten des Klimawandels.

Steve Schneider war dazu auch ein großer Kommunikator mit viel Humor, der es verstand, komplexe wissenschaftliche Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit klar und engagiert nahe zu bringen. Zuletzt erschien von ihm das Buch Science as a Contact Sport: Inside the Battle to Save the Earth's Climate, das nun traurigerweise eine Art Nachlass geworden ist. Dort schildert er seine persönlichen Erfahrungen in dem Kampf, den Klimawandel entgegen vieler Widerstände auf die politische Agenda zu bringen. Dazu hat er durch seinen unermüdlichen Einsatz wohl mehr als jeder andere Klimaforscher beigetragen.  » weiter

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Solar

Stefan Rahmstorf | 10. Mai 2010, 16:15

Der neue Roman Solar von Ian McEwan, dem "national author" der Briten (wie viele ihn dort nennen), behandelt das Thema Klimawandel. Ich sollte dieser Rezension vielleicht ein Geständnis voranstellen: Ich bin seit langem ein Fan von McEwan und habe alle seine Romane gelesen. Außerdem werde ich in der Danksagung von Solar erwähnt; ich habe McEwan in Potsdam kennengelernt und mit ihm während seiner Arbeit an dem Roman korrespondiert. In unserem neuesten Buch The Climate Crisis zitieren wir eine Seite von McEwan als Epilog. Und natürlich bin ich kein Literaturkritiker sondern Naturwissenschaftler. Erwarten Sie hier also keine objektive, professionelle Buchbesprechung.

In Interviews beschreibt McEwan seine Schwierigkeiten, sich dem Thema Klimawandel zu nähern: "I couldn't quite see how a novel would work without falling flat with moral intent."  » weiter

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Climate Action Tracker

Stefan Rahmstorf | 07. Dezember 2009, 21:01

Heute hat der Klimagipfel in Kopenhagen begonnen, auf den die Verhandler von über 190 Staaten seit Jahren hingearbeitet haben. Es geht um ein globales Abkommen zum Klimaschutz, das das Kyoto-Protokoll von 1997 fortführen oder ersetzen soll. 1200 Delegierte sind dazu nach Kopenhagen gereist; 110 Staats- und Regierungschefs haben ihr Kommen angekündigt.

Der Erwartungsdruck ist hoch. Experten sprachen im Vorfeld von der wichtigsten Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg. Und nach einer neuen BBC-Umfrage in 23 Ländern schätzen fast zwei Drittel (63%) der Menschen weltweit den Klimawandel als ein sehr ernstes Problem ein - womit sie aus wissenschaftlicher Sicht auch vollkommen Recht haben.  » weiter

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Die Kopenhagen-Diagnose

Stefan Rahmstorf | 24. November 2009, 19:52

Report
Heute wurde die Copenhagen Diagnosis publiziert - ein Update zur Klimaentwicklung und Klimaforschung für die Verhandler in Kopenhagen, das von 26 Kollegen im Laufe der vergangenen zwölf Monate erarbeitet wurde (full disclosure: ich war auch dabei, ebenso wie KlimaLounge Kollege Martin Visbeck). Federführend waren Forscher der University of New South Wales in Sydney. Zusammengefasst werden auf sechzig Seiten die relevantesten neuen Daten und Studien aus der Fachliteratur, von den aktuellen Emissionen über Atmosphäre, Ozeane und Eismassen bis hin zu Zukunftsprojektionen.

Nebenbei nimmt der Bericht sich auch einigen der am häufigsten gestellten Fragen an (die ja auch hier in den Leserkommentaren immer wieder auftauchen): Gibt es eine "Pause" bei der globalen Erwärmung? Ist der Treibhauseffekt schon gesättigt? Kühlt die Antarktis sich ab? Wie ist der Zeitablauf zwischen CO2 und Temperatur in den antarktischen Eiskerndaten zu erklären? Sind wir vielleicht nur in einem natürlichen Aufschwung nach Ende der "Kleinen Eiszeit"? Hat sich das Klima nicht schon immer geändert?  » weiter

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Swept away

Anders Levermann | 25. Juli 2009, 21:49

Vor drei Monaten haben wir über das Wilkins-Eisschelf in der Antarktis berichtet. Eine Eisbrücke verband dort das verbleibende Eisschelf mit der vorgelegenen Charcot-Insel. Einige Forscher sind der Auffassung, dass diese Eisbrücke den vollständigen Kollaps des Eisschelfs verhindert. Wenige Tage nach unserem Beitrag ist diese Brücke zerbrochen. Drei Monate später bietet sich nun folgendes Bild...

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Klimaforscher-Konsens 97%

Stefan Rahmstorf | 06. März 2009, 13:00

Schwammige oder suggestive Fragen, geringer Rücklauf, fragwürdige Kompetenz der Befragten, politischer "spin" bei der Interpretation der Ergebnisse - letzten Herbst hatten wir in mehreren Beiträgen über die Probleme mit einigen Klimaforscher-Befragungen berichtet. Aus den USA erreicht uns jetzt eine neue Studie, die diese Probleme weitgehend zu vermeiden sucht.
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Keine Eisendüngung für den Klimaschutz ... soll man deshalb auch die Forschung verbieten?

Martin Visbeck | 27. Januar 2009, 12:59

In den letzten Wochen gab es einen Sturm im Wasserglas der biogeochemischen Meereswissenschaftler. Was war passiert?

Seit über 10 Jahren werden im Ozean kleinskalige Experimente durchgeführt, bei denen gelöstes Eisen in besondere Zonen im Ozean eingebracht werden, um ein interessantes Phänomen zu studieren: Wie kann es sein, daß es in diesen Meeresgebieten (z.B. dem Zirkumpolarstrom) an der Meeresoberfläche reichlich Nährstoffe und Sonnenlicht gibt, aber dennoch die Meeresorganismen nicht in der Lage sind diese zu nutzten (sprich die Algenblüte bleibt aus)? Die Antwort ist plakativ gesprochen recht simpel: Nicht alle Nährstoffe sind gleich, und wenn bestimmte Spurenmetalle fehlen gibt es nur schwaches Wachstum der Pflanzen im Wasser. Es wurde die These entwickelt, daß schon bei einer Zugaben von kleinen Mengen der Spurenstoffe ein sichtbares Algenwachstum stimuliert werden kann. ( ... Kunstdünger auf den Acker ...) » weiter

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KlimaLounge zum Jahreswechsel

KlimaLounge | 03. Januar 2009, 17:00

31 Artikel, weit über 100.000 Hits und 1.675 Leserkommentare: das ist die Bilanz des KlimaLounge-Startjahres. Im Durchschnitt über 3000 Pageloads und über 50 Kommentare pro Artikel - das hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Fast alle unsere Artikel sind in der Liste der Meistgelesenen gelandet - oft standen dort fünf oder mehr KlimaLounge-Beiträge gleichzeitig (wie auch derzeit). Dabei hilft natürlich das Thema Klima, das viele Menschen bewegt. Aber deshalb wird noch nicht jeder Klima-Artikel zum Selbstläufer - das Leserinteresse war durchaus sehr unterschiedlich und rangierte je nach Thema zwischen 643 und 17.485 Pageloads (für Ist die Erderwärmung vorbei?). » weiter

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Forscher beraten Politiker

Stefan Rahmstorf | 05. Dezember 2008, 15:30

Diese Woche hat die Bundesregierung ihre wissenschaftlichen Berater in Sachen globale Umweltveränderungen für die nächsten vier Jahre benannt. Per Kabinettsbeschluss wurde der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) neu berufen - die Liste der neun Forscher ist unten angehängt. Da ich selbst die letzten vier Jahre in diesem Gremium gedient habe (und auch erneut berufen wurde), will ich aus diesem Anlass einmal erzählen, wie das so vor sich geht: wissenschaftliche Politikberatung.

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Obama zum Klima

Stefan Rahmstorf | 20. November 2008, 10:00

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat vorgestern eine wegweisende Rede zur Klimapolitik gehalten. Wir bringen die entscheidenden Passagen aus Obamas Rede in Form eines fiktiven Interviews.



KlimaLounge: Herr Obama, wie wichtig ist das Klimaproblem für Ihre kommende Präsidentschaft? » weiter

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