SciLogs International .eu.be.es.de
scilogs Klima spektrum.de

aktuelle Artikel RSS

Rätsel endlich gelöst?

Stefan Rahmstorf | 01. April 2012, 10:40

Eine Gruppe von Kollegen hat eines der größten verbleibenden Rätsel der Klimaforschung offenbar so gut wie gelöst. Doch es handelt sich nicht um die Geschichte eines wissenschaftlichen Triumphes. Ganz im Gegenteil – wir haben im Kollegenkreis sogar kontrovers diskutiert, ob man damit überhaupt an eine breite Öffentlichkeit gehen sollte.

Das Rätsel ist unter Klimatologen als “wrong sign paradox” bekannt  – also das Paradoxon des falschen Vorzeichens.  Dem einen oder anderen unserer Leser ist es vermutlich schon begegnet. Kurz gesagt geht es um die Tatsache, dass eine Reihe von Dingen in der Klimaforschung sehr gut zusammen passen würde, wenn nur das Vorzeichen nicht wäre. Wenn nur ein Plus ein Minus wäre.

Das vielleicht bekannteste Beispiel ist, dass wir die globale Erwärmung schön mit Schwankungen der Sonnenaktivität erklären könnten: das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen (2010) trifft gerade mit dem tiefsten Sonnenminimum seit Beginn der Satellitenmessungen der Leuchtkraft der Sonne in den 1970ern zusammen (Abb. 1). Das kann nicht einfach Zufall sein. Aber das Vorzeichen ist falsch: die Physik besteht darauf, dass die Temperaturen am wärmsten sein sollten, wenn die Sonne am hellsten strahlt, und nicht umgekehrt. Das Paradoxon des falschen Vorzeichens wird hier noch dadurch unterstrichen, dass die Sonnenleuchtkraft einen leichten Abwärtstrend über die letzten 30 Jahre zeigt – also just über den Zeitraum, in dem wir die bekannte starke globale Erwärmung erlebt haben.

alt

Abb. 1: Globale Temperatur (blau, NASA-Daten) und von Satelliten gemessene Leuchtkraft der Sonne (orange), beides als gleitende Mittel über 12 Monate.

Ein zweites prominentes Beispiel ist die Pazifische dekadische Oszillation (PDO), eine Schwankung der Meerestemperaturen im Nordpazifik.  Elementare physikalische Gesichtspunkte lassen uns erwarten, dass die globale Mitteltemperatur besonders warm ist, wenn der PDO-Index hoch ist, d.h. wenn die Oberflächentemperaturen im Nordpazifik warm sind. Diese Theorie würde auch wunderbar zu den Messdaten passen – wenn nur das Vorzeichen umgekehrt wäre (Abb. 2)!

alt

Abb. 2: Gobale Temperatur (wie oben) und PDO-Index, mit linearen Trends ab 1900 und über die letzten 30 Jahre.

Zur Abrundung noch ein drittes Beispiel (es gibt mehr – unsere Leser können sicher weitere beitragen): kosmische Strahlung. Eine sehr schöne Theorie geht davon aus, dass kosmische Strahlung bei der Wolkenbildung hilft: je mehr kosmische Strahlung, desto mehr Wolken und desto kühlere Temperaturen. Die kosmische Strahlung wird schon seit den 1950ern kontinuierlich gemessen. Und jetzt kommt’s: die höchsten gemessenen Werte fallen ausgerechnet auf das Jahr 2010, das wärmste Jahr (Abb. 3)! Aber auch hier stimmt das Vorzeichen wieder nicht, weil ja starke kosmische Strahlung besonders kalte Temperaturen bringen sollte, nicht besonders warme.

alt

Abb. 3: Kosmische Strahlung, wie sie an zwei Orten der Erde gemessen wird.

Auch der Laie ahnt, welche Überzeugungskraft diese (auch so schon beliebten) Theorien erst entfalten würden, wenn die Messdaten nur das genaue Gegenteil dessen zeigen würden, was sie tatsächlich zeigen! Wenn also das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichungen auf das größte Sonnenmaximum seit Messbeginn gefallen wäre statt auf das tiefste Sonnenminimum,  oder wenn die PDO über die letzten 30 Jahre einen Aufwärtstrend zeigen würde statt einen Abwärtstrend. Aber nun ist offenbar eine Lösung in Sicht.

Des Rätsels Lösung?

Eine Gruppe holländischer und US-amerikansicher Forscher,  unter der Leitung von Harry Van den Budenmeyer (Universität Utrecht), hat jedenfalls gerade eine überraschende Erklärung vorgeschlagen. „Erst wollte ich es selbst nicht glauben,“ sagte Van den Budenmeyer der KlimaLounge. „Aber als wir der Sache weiter nachgingen, passten immer mehr Puzzleteile zusammen.“

Die Geschichte nahm in den späten 1980ern oder frühen 1990ern ihren Anfang (das exakte Datum hat sich noch nicht feststellen lassen). Ein deutscher Klimaforscher hatte anhaltende Probleme mit Zahlenwerten in seinem Klimamodell, die offensichtlich das falsche Vorzeichen hatten. Er konnte den Fehler nicht finden, daher führte er eine FORTRAN Integer-Variable mit Namen ISCHUMMEL in das Modell ein. (Sorry wenn das technisch klingt, aber es ist wichtig, dies zu verstehen.) Er gab ihr den Wert -1 und multiplizierte die widerspenstigen Ergebnisse mit ISCHUMMEL, wo immer sie in seinem Computercode auftauchten. Sobald er das echte Problem gefunden haben würde, bräuchte er nur ISCHUMMEL auf +1 zu setzen und alles wäre wieder in Ordnung. Aber dazu kam es nie – das Modell funktionierte bestens mit der Behelfsmaßnahme, und er vergaß die Sache.

Was er nicht in Betracht zog (und damals vielleicht auch nicht ahnen konnte):  nützlicher Computercode verbreitet sic hunter Forschern wie ein Virus. Der Code war frei herunterladbar, und Hunderte anderer Wissenschaftler bedienten sich und nutzten ihn – oder auch nur Bruchstücke davon. Niemand schreibt noch von der Pike auf neuen wissenschaftlichen Code, wenn Kollegen schon Komponenten der gerade aktuellen Aufgabe gelöst haben und der Code frei verfügbar ist.

“Erst standen wir vor einem Rätsel, als wir ein Stück Code mit ISCHUMMEL fanden, das in unserem Labor für Klimaanalysen benutzt wurde,” sagt Van den Budenmeyer. „Aber dann haben wir systematisch nachgeforscht und Kollegen gefragt, und inzwischen haben wir den ISCHUMMEL-Fehler nicht nur in mehreren europäischen Ländern, sondern auch in Kalifornien, New York, Sydney und sogar einem chinesischen Klimazentrum gefunden. Wir stehen noch ganz am Anfang davon, die Konsequenzen zu analysieren, aber wir sind jetzt schon sicher: vieles von dem, was als ‚wrong sign paradox‘ bekannt war, wird sich einfach in Luft auflösen.“  

Wir werden Sie natürlich hier bei der KlimaLounge auf dem Laufenden halten.

p.s. Und ja: dies ist ein Aprilscherz.

p.p.s. In eigener Sache: unser Buch "Der Klimawandel" (Rahmstorf und Schellnhuber, Reihe Beck Wissen) ist jetzt in völlig überarbeiteter 7. Auflage erhältlich.

alt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Geschrieben in Allgemein , Klimadaten | 20 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Winter ade

Stefan Rahmstorf | 06. März 2012, 17:40

Der Winter liegt nun hinter uns, Anlass zu einem kurzen Blick zurück. War er in Deutschland kalt oder warm? Ich nutze ja immer gerne jede Gelegenheit, Messdaten zu zeigen. Daher hier die Zeitreihe der Wintertemperaturen ab dem Jahr 1761.

alt
 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 20 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Sibirische Kälte, Vahrenholt

Stefan Rahmstorf | 03. Februar 2012, 12:00

Die derzeitige Wetterlage ist sehr interessant – entspricht sie doch dem, was als Folge der schwindenden Eisdecke in der Arktis vorhergesagt wurde. Im Dezember 2010 haben wir den Mechanismus hier in der KlimaLounge erklärt (Werden Winter kälter?). Hier die damals gezeigte Grafik:

alt

 » weiter

Geschrieben in Medien-Check , Klimadaten , Mechanismen | 37 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Globale Temperatur Reloaded

Stefan Rahmstorf | 08. Dezember 2011, 16:22

Es gibt drei interessante Nachrichten über die globale Temperatur: einen gänzlich neuen Datensatz, eine neue Analyse der fünf etablierten Datenreihen und eine erste Abschätzung des Wertes für 2011.

Als vor eineinhalb bis zwei Jahren eine Welle von Angriffen gegen die Klimaforschung durch die Blogs rollte (angebliche Skandale wie ‚Climategate', ‚Amazongate', ‚Africagate' usw.) und von dort auch in die Mainstream-Medien schwappte, da ging es im Kern um die Verlässlichkeit der Aussagen des ‚Klimarats' IPCC und der Daten über die globale Temperaturentwicklung (siehe z.B. die KlimaLounge-Kommentare hier, hier und hier). Die Skandal- und Manipulationsvorwürfe wurden gründlich untersucht und stellten sich bald als falsch heraus. Dennoch hat die Wissenschaft die Vorgänge intensiv selbstkritisch analysiert und Konsequenzen gezogen, z.B. in Form einer Reihe von Reformen des IPCC. Auch eine Reihe von Medien hat später durchaus selbstkritisch einen Blick zurück auf die Vorwürfe geworfen und festgestellt, dass praktisch nichts dran war, z.B. die Frankfurter Rundschau, die Berliner tageszeitung und die ZEIT. (Dass es auch Journalisten gibt, die auf Kritik mit Verklagen oder Diffamieren reagieren, sei hier nur am Rande vermerkt; differenzierte Kommentare dazu sind u.a. hier und hier zu finden.) » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 30 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Das Meereis-Minimum 2011

Stefan Rahmstorf | 08. September 2011, 14:50

Die Eisfläche in der Arktis bewegt sich nahe am Rekordminimum (siehe Grafik), und die Schmelzsaison ist noch nicht vorbei. Ein Gastbeitrag vom Hamburger Meereisexperten Lars Kaleschke.

Die Eisfläche auf dem arktischen Ozean ist in diesen Tagen so weit zusammengeschrumpft wie im bisherigen Rekordminimum im September 2007 (Abb. 1). Das National Snow and Ice Data Center der USA vermeldete vorgestern, dass offenbar die Nordwest- und die Nordostpassage gleichzeitig offen sind - was erstmals im Jahr 2008 der Fall war (KlimaLounge berichtete).
 


 Abb. 1: Eisausdehnung im arktischen Ozean im Verlauf der letzten Jahre (nach Auswertung von Satellitendaten der Universität Bremen)

Was gibt es zum September-Minimum in diesem Jahr zu sagen? Im Jahr 2007 gab es ein überraschendes Rekordminimum, das weit unterhalb des langjährigen Klimamittelwertes  lag. In diesem Jahr erreichen wir einen Wert, der dem von 2007 zumindest nahe kommt. Ob ein neues Rekordminimum erreicht wird oder nicht, schon heute können wir aus den Daten einige interessante Schlussfolgerungen ziehen:

  1. 2007 und 2011 sind keine statistischen Ausreißer, die nur auf ganz besondere Wettterlagen zurückzuführen sind.
  2. Die Rede von einer "Erholung" des arktischen Meereises ist irreführend.
  3. Der negative Trend setzt sich nicht nur fort, sondern vielmehr ist eine Beschleunigung der Abnahme feststellbar.
  4. Die Ergebnisse der letzten IPCC-Modellrechnungen werden durch die Beobachtungen überholt. Der tatsächliche Rückgang findet wesentlich schneller statt, als in den Projektionen  vorhergesagt wurde.


Abb. 2: September Meereis-Bedeckung in der Arktis (September-Mittelwerte) aus Satelliten-Daten. Der rote Punkt markiert eine statistische Schätzung für den September-Mittelwert samt Unsicherheit. (Daten aktualisiert nach Milke, A., G. Heygster 2009: Trend der Meereisausdehnung von 1972-2009. Technical Report, Institute of Environmental Physics, University of Bremen, August 2009, 41 pages.)

Abbildung 2 zeigt die September Meereis-Fläche über einen Zeitraum von 40 Jahren. Es zeigt sich, dass ein linearer Trend (schwarz) angesichts der Messwerte der letzten Jahre die Daten nicht mehr gut beschreibt. Ein sich beschleunigender Eisverlust (rote Linie) zeichnet sich ab. Eine verlässliche Prognose, wann erstmals mit einem weitgehend blauen arktischen Ozean zu rechnen ist, lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten.

Lars Kaleschke ist Physiker und arbeitet als Juniorprofessor für Fernerkundung im Institut für Meereskunde am KlimaCampus der Universität Hamburg. 





Links:

Mehr zur Abnahme der Eisdecke findet man in unseren früheren Beiträgen: Dirk Notz diskutierte den diesjährigen Juli-Rekord hier und die Schmelzsaison 2009 hier, Vergleiche mit Klimamodellen zeigten wir hier und hier, und die Frage "Kipp-Punkt oder nicht" diskutierten wir hier. Und in Zwei Planeten ging es um die bizarren Versuche der "Klimaskeptiker", den Eisschwund zu verleugnen ("das Eis weigert sich, wie befohlen zu schmelzen").

Derzeit ist auch die Polarstern am Nordpol unterwegs (mit KlimaLounge-Gastautorin Olivia Serdeczny an Bord) und macht Eisdickenmessungen. 


Foto (c) S. Rahmstorf

 



Geschrieben in Klimadaten | 17 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Hurrikan Irene an der US-Küste

Stefan Rahmstorf | 27. August 2011, 16:20

US-Präsident Obama hat seinen Urlaub abgebrochen und seine Landsleute eindringlich vor dem Hurrikan Irene gewarnt, der sich derzeit die Ostküste der USA hinaufbewegt: "All indications point to this being a historic hurricane." Battery Park City an der Südspitze von Manhattan wird evakuiert, und erstmals in der Geschichte wird der öffentliche Nahverkehr in New York, inklusive Subway und Bussen, wetterbedingt stillgelegt. Auch die drei New Yorker Flughäfen sind geschlossen.

Ob der Sturm wirklich so schlimm wird wie befürchtet muss abgewartet werden. Der genaue Pfad und die Stärke von Tropenstürmen sind notorisch schwer vorhersagbar. Zuletzt ist der Sturm vom National Hurricane Center auf die schwächste Hurrikankategorie 1 herabgestuft worden - zeitweise hatte er in den letzten Tagen Stärke 3 erreicht. Dafür ist er aber besonders groß. Eine Gefahr dürfte daher weniger von den Windböen (immerhin noch bis über 150 km/h) als von Regenfällen und einer Sturmflut an der Küste ausgehen.

Wir nehmen Irene zum Anlass, um kurz die wesentlichsten Punkte zum Zusammenhang von Tropenstürmen und Klimaerwärmung zu beleuchten. Ende Juni war ich beim International Hurricane Summit, wo führende Experten eine Woche lang die neuesten Daten und Erkenntnisse dazu ausgetauscht haben. Die Messdaten deuten auf eine Zunahme der Sturmstärken in den letzten Jahrzehnten hin. Eine 2008 in Nature erschienene Auswertung von Satellitendaten von Elsner et al. belegt, dass weltweit die Stärke von tropischen Wirbelstürmen zugenommen hat: die Anzahl der stärksten Tropenstürme (Kategorien 4 und 5) steigt für eine Erwärmung um 1ºC um 31 % an. Die meisten Tropensturm-Fachleute befürchten, dass ein wärmeres Klima zwar nicht zu mehr, aber dafür zu stärkeren Tropenstürmen führt.  » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 9 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Ein kaum beachtetes Rekordminimum

Anders Levermann | 21. August 2011, 21:09

Gastbeitrag von Dirk Notz

Während in Mitteleuropa die vergleichsweise niedrigen Sommertemperaturen die allgemeine Diskussion über das Wetter beherrschen (Belfast meldet am 19.08. 3°C Lufttemperatur!), schwindet in der Arktis bei überdurchschnittlich hohen Sommertemperaturen das Meereis weitestgehend unbemerkt dahin. Kaum jemand scheint mitbekommen zu haben, dass die durchschnittliche Ausdehnung der Meereisdecke im Juli ein neues Rekordminimum erreicht hat – niemals zuvor seit Beginn zuverlässiger Messungen wurde für diesen Monat eine geringere Meereisausdehnung gemessen (Abb.1).


Abb.1: Ausdehnung von Arktischem Meereis im Juli. Die Daten decken den gesamten Zeitraum ab, für den wir aus Satellitenmessungen zuverlässige Daten für die Eisausdehnung besitzen (1979-2011).
 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 23 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Deutscher Klimaatlas

Stefan Rahmstorf | 17. August 2011, 11:53

Der Deutsche Wetterdienst präsentiert jetzt eine sehr praktische Website für alle, die sich für die Klimaentwicklung in Deutschland interessieren, ohne dabei selbst aufwändig Daten herunterladen und plotten zu wollen. Beim neuen, interaktiven Deutschen Klimaatlas kann man sich problemlos Karten und Zeitreihen für eine ganze Reihe von Klimaparametern (z.B. Temperatur und Niederschlag) anzeigen lassen.

Kam Ihnen der Juli auch irgendwie kalt vor? Beim Klimaatlas sieht man das sofort (siehe Grafik daraus): außer im Ostseeraum war der Juli tatsächlich zu kalt (der kälteste seit 2000). Das Frühjahr 2011 war dafür das zweitwärmste (nach 2007) seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.  » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 3 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


SPIEGEL zum Meeresspiegel

Stefan Rahmstorf | 15. Juli 2011, 20:40

Fragen und Antworten zum Spiegel-Online Artikel "Klimarat feilscht um Daten zum Meeresspiegel-Anstieg" von Axel Bojanowski.

1.    Hat es in letzter Zeit ein Treffen des "Klimarats" IPCC gegeben, und ging es dort "zu wie auf einem Basar"?

Nein. Es hat kein Treffen gegeben (das steht nächste Woche bevor).

2.    Stimmt es, dass auf der einen Seite Forscher alarmierende Prognosen machen, auf der anderen Seite aber die Messdaten keinen alarmierenden Anstieg zeigen?

Nein. Die Messdaten zeigen in den letzten Jahrzehnten einen Anstieg, der die Modellrechnungen des IPCC weit übertrifft (dies ergibt eine Analyse im IPCC-Bericht selbst ebenso wie Abb. 1). Es sind also gerade die Messdaten, die Anlass zur Sorge geben und die zu einem Umdenken geführt haben. Diese Messdaten sind die Grundlage dafür, dass in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer Projektionen in der Fachliteratur publiziert worden sind, die jene des letzten IPCC-Berichts deutlich übertreffen (siehe Übersicht hier).

 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 39 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


2 Grad relativ zu wann?

Stefan Rahmstorf | 04. Juli 2011, 18:22

Beim Petersberger Klimadialog diskutierten in diesen Tagen 35 Staaten über die Klimaschutzziele. Bekanntlich hatte im vergangen Jahr in Cancun die Weltgemeinschaft beschlossen, die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Aber 2 Grad im Vergleich zu wann? Allgemein wird davon ausgegangen, dass 2 Grad über dem vorindustriellen Temperaturniveau gemeint sind; es geht schließlich darum, die vom Menschen verursachte Klimaänderung in handhabbaren Grenzen zu halten.

Die Kanzlerin wird heute dazu mit den Worten zitiert:

Aber schon das Zwei-Grad-Ziel ist sehr ungenau. [...] Für die einen begann die Industrialisierung im Jahr 1850, andere wiederum sehen den Beginn erst 1950.

 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 16 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


2000 Jahre Meeresspiegel + Updates

Stefan Rahmstorf | 20. Juni 2011, 23:20

US-Kollegen ist es erstmals gelungen, eine durchgehende Rekonstruktion des Meeresspiegels über die letzten 2000 Jahre zu erstellen. Demnach steigt der Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den letzten beiden Jahrtausenden.

Gute Daten über die frühere Meeresspiegelhöhe sind nicht leicht zu bekommen. Dabei lässt sich der riesige Anstieg seit der letzten Eiszeit (120 Meter) noch ganz gut rekonstruieren, weil wenige Meter Ungenauigkeit in der Höhe oder ein paar Jahrhunderte in der Datierung dabei relativ wenig ins Gewicht fallen. Aber für die subtilen Veränderungen der letzten Jahrtausende braucht man genauere Verfahren.  » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 31 Kommentare | 1 Trackbacks | Permalink


Fällt die Sonne in ein neues Maunder-Minimum?

Stefan Rahmstorf | 15. Juni 2011, 17:00

Gastbeitrag von Georg Feulner

Eben haben amerikanische Sonnenphysiker auf einem Kongress der American Astronomical Society aktuelle Forschungsarbeiten präsentiert, wonach die Sonne demnächst eine ausgedehnte Ruhephase einlegen könnte, die dem Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert ähnelt. In diesem Beitrag möchte ich die Hintergründe zu dieser Prognose schildern und mögliche Auswirkungen auf das Klima der Erde diskutieren.

Es ist seit langem bekannt, dass die Aktivität der Sonne in einem regelmäßigen Rhythmus schwankt. Dabei ist die Sonne alle elf Jahre besonders aktiv, dann sind zahlreiche dunkle Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche zu sehen, während in den dazwischen liegenden Minima oft nur wenige oder gar keine Flecken auftauchen.

Die Sonne im sichtbaren Licht mit zahlreichen Sonnenflecken während eines Aktivitätsmaximums (links) sowie während des letzten, besonders ausgeprägten 11-Jahres-Minimums (rechts), in dem die Sonne meist fleckenlos erschien. Quelle: NASA Earth Observatory unter Verwendung von Bildern des SOHO-Satelliten» weiter

Geschrieben in Klimadaten | 10 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Eine neue Klimawette + Update

Stefan Rahmstorf | 07. Juni 2011, 18:15

Gestern habe ich Fritz Vahrenholt, Manager in Diensten von RWE, die folgende Wette für einen guten Zweck angeboten. Ich wollte wissen, wie ernst ihm seine Prognose einer kommenden Abkühlung ist - ob sie ihm einen Einsatz wert ist.  » weiter

Geschrieben in Medien-Check , Klimadaten | 35 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Neues vom Meeresspiegel

Stefan Rahmstorf | 01. Juni 2011, 15:40

In den letzten Monaten hat es einige interessante Neuigkeiten zum Meeresspiegelanstieg gegeben. Eine davon war Anfang Mai der neue Bericht des Arctic Monitoring and Assessment Program (AMAP), der weltweit für Schlagzeilen sorgte. Denn der Bericht erwartet einen Anstieg des globalen Meeresspiegels um 0,90 bis 1,60 Meter bis zum Jahr 2100 - rund dreimal soviel wie noch der IPCC-Bericht aus dem Jahr 2007.

Wer die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Jahre verfolgt hat, wurde von dieser neuen Einschätzung allerdings nicht überrascht. Das südliche Pendant des AMAP-Berichts, der Antarktisbericht des Scientific Committee on Antarctic Research, sprach vorletztes Jahr von einem Anstieg bis 1,40 Meter. Und diese Berichte beruhen natürlich selbst auf Studien in der Fachliteratur, die in den letzten Jahren durchweg zu ähnlich hohen Zahlen gekommen sind - siehe meinen Übersichtsartikel dazu. Auch die Medien haben immer wieder von den neuen Ergebnissen berichtet - ein prominentes Beispiel ist diese Titelgeschichte der New York Times.  » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 13 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Eis in Bewegung

Stefan Rahmstorf | 30. März 2011, 15:50

NASA-Forscher haben jetzt die neuesten Messungen zum Eisverlust in Grönland und der Antarktis veröffentlicht. Die Ergebnisse verheißen nichts Gutes. Ein Gastbeitrag von Ricarda Winkelmann.


Ricarda Winkelmann promoviert bei den KlimaLounge-Autoren Anders Levermann und Stefan Rahmstorf zur Modellierung des Antarktischen Eisschildes. Sie ist kürzlich von einer zweimonatigen Forschungsfahrt in die Antarktis zurückgekehrt (ein Erfahrungsbericht von dieser Reise folgt in Kürze).

Der Beitrag der beiden Eisschilde auf Grönland und der Antarktis ist laut dem letzten IPCC-Bericht (Meehl et al., 2007) eine der größten Unsicherheiten in Bezug auf den zukünftigen Meeresspiegelanstieg. Die Veröffentlichung der neuesten Messdaten durch Rignot et al. (2011) liefert ein weiteres Puzzlestück, um diesen besser zu verstehen. Den aktuellen Beobachtungsdaten zufolge verlieren die beiden Eisschilde immer schneller an Masse - wesentlich mehr als vom IPCC erwartet.  » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 6 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Tropensturm Yasi vor Queensland

Stefan Rahmstorf | 02. Februar 2011, 11:30

Nachdem Queensland im vergangenen Monat erst von verheerenden Überschwemmungen und dann noch von dem kleineren Tropensturm Anthony getroffen wurde, bewegt sich derzeit ein Monstersturm auf die Küste zu: Zyklon Yasi, ein Tropensturm der stärksten Kategorie 5. Das Bild zeigt den vorhergesagten Pfad des Sturms (Updates dieser Grafik gibt es beim Bureau of Meteorology).

 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 35 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Fieberkurven der Erde

Stefan Rahmstorf | 29. Januar 2011, 13:20

Stimmt der Verlauf der globalen Temperatur mit dem überein, was von den Klimaforschern vorhergesagt wurde? Diese Frage wird auch in unseren Leserkommentaren immer wieder gestellt (OK, es wird weniger gefragt als dass es Leser gibt, die das einfach mal bestreiten).

2007 haben wir in Science einen Vergleich publiziert, damals naturgemäß nur mit den Daten bis 2006 und den alten Modellprojektionen aus dem 3. IPCC-Bericht. Auf Realclimate gibt es regelmäßig aktuellere Vergleiche, so auch jetzt wieder mit den neuen Temperaturwerten für das Jahr 2010 (Abb. 1). Das Ergebnis ist das Gleiche wie damals: Ja, die beobachteten Temperaturen stimmen mit den vorhergesagten gut überein. (Und ja, es wäre schön wenn Leute, die im Internet Kommentare mit Behauptungen posten, sich zumindest vorher die Daten ansehen würden - sowohl die Modelldaten als auch die Messdaten sind ja für jedermann frei zugänglich.)


 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 9 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


2010 wärmstes und nassestes Jahr weltweit seit Beginn der Aufzeichnungen

Stefan Rahmstorf | 13. Januar 2011, 12:25

Gestern Abend haben die NASA und die amerikanische Ozean-Atmosphärenbehörde NOAA ihre jeweiligen Auswertungen der globalen Wetterdaten für das Jahr 2010 publiziert. Demnach war 2010 das wärmste und niederschlagsreichste Kalenderjahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Die Temperatur lag statistisch gleichauf mit dem Jahr 2005, dem bisherigen Rekordjahr. Sehr bemerkenswert ist, dass die Rekordwärme trotz der Rekordschwäche der Sonne aufgetreten ist: seit mehreren Jahren ist die Sonnenleuchtkraft im tiefsten Minimum seit Beginn der Satellitenmessungen in den 1970er Jahren.

Die Grafik zeigt die beiden Temperaturdatensätze, die auf den Messungen der oberflächennahen Lufttemperaturen durch Wetterstationen sowie der Meeresoberflächentemperaturen beruhen. Die Daten zeigen den durch die steigende Treibhausgaskonzentration verursachten Erwärmungstrend (linearer Trend 0,17 ºC pro Dekade über die letzten 30 Jahre) sowie die überlagerten kurzfristigen, natürlichen Schwankungen (typischerweise +/- 0,1 ºC). Schon im Dezember hatten Hansen et al. in einer Fachpublikation in Reviews of Geophysics festgestellt:

Im Gegensatz zu einer populären Irrmeinung hat sich die Erwärmung nicht verlangsamt. Im vergangenen Jahrzehnt ist die globale Temperatur genauso rasch gestiegen wie in den beiden Jahrzehnten davor.

 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 18 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Überschwemmungen in Queensland

Stefan Rahmstorf | 05. Januar 2011, 11:15

Australien steckt mitten in einer der schwersten Flutkatastrophen seiner Geschichte. Nach Medienberichten soll eine Fläche von der Größe von Deutschland und Frankreich zusammengenommen von der Flut betroffen sein. Mehrere australische Flüsse - u.a. der Fitzroy - haben historische Rekordstände erreicht. Unmittelbare Ursache sind die ergiebigsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen in Queensland im Jahr 1900. Sowohl für Dezember als auch für die vorangegangenen drei (Frühlings-)Monate wurden neue Regenrekorde in Queensland gesetzt (Abb. 1).


 » weiter

Geschrieben in Klimadaten , Mechanismen | 4 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


Schneerekord!

Stefan Rahmstorf | 30. Dezember 2010, 14:20

Vor lauter Schlittenfahren und Iglubauen kommen wir nicht zum Bloggen, aber das muss ausgekostet werden: so viel Schnee war im Dezember bei weitem noch nie. An unserer verlässlichen Säkularstation in Potsdam liegen 41 Zentimeter. Der bisherige Dezember-Rekord lag bei 23 Zentimetern im Jahr 1913! Auch an vielen anderen Orten wurden diesen Monat Schneerekorde gebrochen. Sehr kalt ist der Dezember auch (bis einschließlich 29. ist der Mittelwert bei -4,5 ºC), allerdings zumindest in Potsdam nicht rekordverdächtig (der Dezember 1969 war mit -6,2 ºC noch deutlich kälter). Liegt es an der globalen Erwärmung, oder hat es damit nichts zu tun?

 » weiter

Geschrieben in Klimadaten | 31 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


szmtag