Fakten und Irrtümer
Der Büchermarkt ist mittlerweile reich an Werken, in denen die vom Menschen verursachte globale Erwärmung als Hirngespinst dargestellt wird – oder als eine Verschwörung von Wissenschaftlern, die die Öffentlichkeit täuschen, um an Forschungsgelder zu kommen. Oder es geht um die Politik, die angeblich die Wissenschaft für ihre Zwecke missbraucht. Die Frage, weshalb auch bürgerlich-liberale Politiker so erpicht auf die Verkündung unpopulärer Maßnahmen sein sollen, bleibt dabei offen.
Kürzlich ist diese Literaturgattung um ein weiteres Buch bereichert worden. Es stammt von Horst-Joachim Lüdecke, Diplomphysiker und Professor a.D. im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Der Titel lautet “CO2 und Klimaschutz – Fakten, Irrtümer, Politik”. Die Schriftgröße auf dem Buchdeckel - Fakten klein, Irrtümer groß – deutet unabsichtlich schon an, was im Buch zu erwarten ist: wenig Fakten und viele Irrtümer.
Prof. Lüdecke gehört zu den Klimaskeptikern zweiter Stufe, den Ursachenskeptikern: Er erkennt die Existenz einer Klimaerwärmung und auch die Existenz des Treibhauseffekts an, glaubt aber nicht, dass die CO2-Emissionen Hauptursache der Erwärmung sind und ebensowenig, dass die Erwärmung einschneidende Folgen haben könnte. Der Grundtenor des Buches lautet, dass die Politik und die Öffentlichkeit nur dank einer “unvergleichbaren politischen und journalistischen Kampagne” von der Klimaschädlichkeit der CO2-Emissionen überzeugt sind und dass die Mehrheit der Klimaforscher nicht hinter den Aussagen des IPCC steht, denn die Ursachen des Klimawandels seien weitgehend unbekannt und der Treibhauseffekt sei physikalisch nicht verstanden.
Schon nach dem Lesen der ersten Abschnitte wird klar, dass das IPCC die Hauptzielscheibe des Autors bildet, wie dies seit Jahren in Skeptikerkreisen üblich ist. Das in den 1980er Jahren gegründete IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) fasst in regelmäßigen Abständen den jeweils aktuellen Stand der Klimaforschung zusammen - in umfangreichen Berichten, an denen Hunderte von Wissenschaftlern mitarbeiten. Das IPCC wurde dafür im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Wenn in der Diskussion die Fakten ausgehen, bleibt als letzter Ausweg, den Überbringer der Nachricht zu diskreditieren. Nach Lüdeckes Ansicht hat das IPCC “mit Wissenschaft primär nichts zu tun”. Doch alle IPCC-Autoren sind bestens durch eigene Fachpublikationen ausgewiesene Wissenschaftler. Zwar wird die Formulierung der Zusammenfassung für Entscheidungsträger (und lediglich diese, nicht der eigentliche Bericht) mit Regierungsvertretern ausgiebig diskutiert. Dies mit dem Ziel, dass die Botschaft von der Politik auch richtig verstanden und akzeptiert wird. Dies ändert jedoch nichts am wissenschaftlichen Inhalt.
Das zeigt ein Vergleich der Versionen vor und nach Beratung mit den Politikvertretern deutlich, die beide öffentlich zugänglich sind. Es gab zwar einige Versuche der Regierungsvertreter, inhaltlich Einfluss zu nehmen, doch haben diese keinen entscheidenden Einfluss. Im SPM (Summary for Policy Makers) der Arbeitsgruppe 1 gab es beispielsweise in der Diskussion mit den Politikvertretern nur eine nennenswerte Änderung: Die Aussage im Entwurf, dass Veränderungen der Sonnenaktivität höchstens einen Sechstel zur globalen Erwärmung der letzten 50 Jahre beigetragen haben, wurde auf Druck von Saudi-Arabien und China gestrichen. Das war's. Der politische Einfluss geht also, wenn überhaupt, in Richtung Abschwächung des CO2-Einflusses, nicht in Richtung Alarmismus, wie Lüdecke es fälschlicherweise dem IPCC ankreidet.
Nachweislich falsch ist auch seine Behauptung, es würden im IPCC nur Forschungsergebnisse der beteiligten Wissenschafter selektiert. Im IPCC-Bericht wird die ganze wissenschaftliche Literatur berücksichtigt, das ist schon durch einen Blick in die Literaturverzeichnisse klar ersichtlich.
Die Berichte des IPCC werden in mehrjähriger Arbeit von Hunderten von Forschern aus den entsprechenden Fachgebieten erarbeitet und durchlaufen einen dreifachen Begutachtungsprozess, an dem sich jeder Interessierte beteiligen kann. Dem stellt Lüdecke ein auf undurchsichtigem Weg entstandenes Manifest von Klimaskeptikern, die so genannte Leipziger Erklärung (Version 2005), gegenüber. Deren Unterzeichner repräsentieren seiner Meinung nach die Mehrheit der Klimaforschenden. Wenn man sich die Liste der Unterzeichner ansieht, handelt es sich neben den altbekannten Skeptikern der globalen Erwärmung wie Lindzen, Singer, Spencer oder Balliunas um viele fachfremde Wissenschafter (Mathematiker, Chemiker, Ingenieure, Biologen, Ärzte, etc.), deren Klimaexpertise schwierig zu ergründen ist. Einige Beispiele aus der Liste sind unten im Anhang genannt. So gut wie keiner der Unterzeichner der Leipziger Erklärung käme als Autor für das IPCC im Entferntesten in Frage - mangels relevanter wissenschaftlicher Arbeit in den letzten Jahren. Die Expertise auf dem Gebiet der Klimaforschung scheint Lüdecke allerdings nicht weiter zu interessieren, es sind nur pauschale Urteile zu finden.
Es scheint Lüdecke auch nicht zu stören, dass die Leipziger Erklärung (im Gegensatz zu seinem Buch) eine Klimaskepsis erster Stufe vertritt: sie leugnet, dass überhaupt eine Erwärmung stattfindet. Zitat: „In fact, many climate specialists now agree that actual observations from weather satellites show no global warming whatsoever.“ Diese Aussage ist angesichts der Satellitendaten nachweislich falsch (Satellitendaten von Spencer/Christy/UAH, globaler Trend von 1979 bis heute: +0.131°C pro Jahrzehnt - siehe auch die Abb. 3.17 und 3.18 des IPCC-Berichts).
Wenden wir uns nun den „Fakten“ im Buch zu. Fakten oder physikalische Erklärungen sind allerdings im Buch recht dünn gesät, und viele Aussagen werden lediglich als Behauptung ohne weitere Begründung oder Erklärung angeführt.
Hier sind einige Beispiele: In der Zusammenfassung von Abschnitt 3.1 schreibt der Autor, die regional uneinheitlichen Erwärmungstrends auf der Erde würden auf natürliche Ursachen hinweisen. Dabei vergisst Lüdecke, dass die durch Strahlung einfallende Energie durch Winde und Meeresströmungen regional ungleich verteilt wird. Es ist daher gar nicht zu erwarten, dass CO2 eine regional gleichförmige Erwärmung bewirkt. Aufgrund der Wärmespeicherung im Meerwasser ist z.B. eine schwächere Erwärmung über den Ozeanen zu erwarten (die auch beobachtet wird). Und es ist eine besonders starke Erwärmung zu erwarten in Gebieten, wo die Schnee- und Eisbedeckung abnimmt, weil dort dann weniger Sonnenenergie ins All zurückgespiegelt wird. Die Projektionen der Klimamodelle zeigen aufgrund der steigenden Treibhausgaskonzentrationen dann auch ziemlich genau das uneinheitliche Erwärmungsmuster, das in den letzten Jahrzehnten beobachtet worden ist (siehe z.B. Abb. SPM.6 aus dem IPCC-Bericht).
Die Behauptung, der Treibhauseffekt der Erde sei physikalisch nicht verstanden (S.52), stimmt sicher nicht. Der Treibhauseffekt ist genau so gut verstanden wie viele andere physikalische Prozesse auch (Gravitation, Nuklearphysik, Atommodell, usw.). Der Treibhauseffekt kann aus Gesetzen der Strahlungsphysik und Messungen (Absorptionsspektren, Strahlungsspektren, Temperatur und Spektrum der von der Erde ins Weltall abgehende Strahlung, etc.) sowie physikalischen Messungen der Atmosphäre (Temperaturgradient) sehr gut abgeleitet werden.
Die Unsicherheit bezüglich der Klimasensitivität kommt nicht von Unsicherheiten über den Treibhauseffekt, sondern von Unsicherheiten über die Rückkopplungen im Klimasystem, die durch eine Erwärmung ausgelöst werden (z.B. Wolkenbedeckung). Die Klimasensitivität ist nicht "unbekannt", sondern liegt nach zahlreichen Studien mit hoher Wahrscheinlichkeit im vom IPCC angegebenen Bereich (2.0-4.5 Grad für CO2-Verdoppelung).
Für die Behauptungen zu den Klimamodellen (S. 53) fehlen ebenfalls jegliche Belege. So glaubt Lüdecke, die Klimamodelle würden an "politisch gewünschte Resultate" angepasst. Er erklärt jedoch mit keinem Wort, wie (und wozu) das geschehen soll, und welche Parameter wie angepasst werden können, damit ein “gewünschtes” Resultat entsteht. Es fehlt jegliche Erklärung, welche “ad-hoc-Annahmen” gemeint sind und welchen Einfluss diese auf das Resultat haben. Das einzige aufgeführte Beispiel ist nachweislich falsch: Die aktuellen Klimamodelle enthalten seit langem keine Flusskorrekturen mehr, wie sie früher aus technischen Gründen notwendig waren. Klimamodelle beruhen auf physikalischen Grundgleichungen und physikalischem Prozessverständnis. Die Modelle sind so aufwendig und komplex, dass die Auswirkungen von Modellanpassungen auf das Resultat kaum vorhersehbar sind. Das „Tuning“ eines gewünschten Resultats ist deshalb gar nicht realistisch, da aus Zeit- und Kapazitätsgründen nur eine beschränkte Anzahl von kompletten Modelldurchläufen möglich ist.
Die Temperaturverlaufskurven der Klimavergangenheit auf globaler Ebene können von den Modellen gut reproduziert werden. Zwar nicht der exakte Verlauf von Jahr zu Jahr und für jeden Ort, aber darum geht es auch gar nicht. Die chaotischen internen Schwankungen des Klimas von Jahr zu Jahr sind für die Frage, ob es über 30, 50 oder 100 Jahre im Durchschnitt wärmer wird, nicht relevant. Genau so, wie die täglichen Wetterschwankungen irrelevant sind für die saisonalen Temperaturschwankungen. Im Juli wird es wärmer sein als im Januar, auch wenn die Temperatur im April zwei Wochen lang sinkt.
Lüdecke spricht sich gegen den Einbezug von Rückkopplungsmechanismen in Klimamodellen aus (Kapitel 3.5). Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb. Im Gegenteil, es wäre wissenschaftlich fahrlässig, bekannte und unbestrittene physikalische Zusammenhänge in der Wissenschaft außer Acht zu lassen. Aus der Kenntnis, dass erstens Wasserdampf ein Treibhausgas ist (sogar das wichtigste, wie Skeptiker gerne betonen) und zweitens wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann, ergibt sich, dass eine globale Erwärmung (aufgrund des Treibhauseffektes von CO2) einen erhöhten durchschnittlichen Wasserdampfgehalt in der Luft bewirkt, was wiederum aufgrund der Treibhausgaswirkung von Wasserdampf zu einer zusätzlichen Erwärmung führt. Diese Erhöhung der Wasserdampfkonzentration in der Atmosphäre wurde, entgegen den Behauptungen im Buch, auch tatsächlich gemessen (IPCC AR4 WG I, Kapitel 3.4).
Im weiteren folgen im Buch eine ganze Reihe von Skeptikerargumenten, die schon vielerorts ausführlich diskutiert worden sind und auf die ich hier nicht weiter einzugehen brauche. Wirklich neue Argumente finden sich in dem Buch nicht. Es ist eine Mischung von altbekannten Skeptikerbehauptungen und Verschwörungstheorie. Es spiegelt den aktuellen Trend in der Argumentation der Skeptiker wieder, die besagt: Das IPCC ist eine politische Verschwörung und es gibt eine starke Gruppe von “Wissenschaftlern” welche den menschlichen Klimaeinfluss bestreitet.
Bleibt die Frage, wieso so viele Bücher mit falschen und leicht widerlegbaren Behauptungen geschrieben und auch publiziert werden. Eine Antwort ist sicher, dass es einen Markt dafür gibt –viele Menschen sind empfänglich für Verschwörungstheorien, andere wiederum sind froh, wenn sie glauben, ihnen unangenehme Nachrichten widerlegt zu sehen. Eine weitere Antwort gibt eine gerade erschienene Untersuchung für die englischsprachige Skeptikerliteratur: bei den allermeisten dieser Publikationen gibt es eine direkte Verbindung zu Lobbyorganisationen der Industrie. Ich nehme nicht an, dass dies im Fall von Lüdecke zutrifft – viele der „Klimaskeptiker“ haben wahrscheinlich keine finanziellen Interessen, sondern andere Motivationsgründe. Die Thesen und Argumente, die von diesen Leuten vertreten werden, haben allerdings in vielen Fällen ihren Ursprung in den traditionell sehr regulierungsfeindlichen „Think Tanks“ der US-Amerikanischen Wirtschaft.
Urs Neu
ProClim- Forum for Climate and Global Change
Swiss Academy of Sciences
Der Geowissenschaftler Urs Neu promovierte 1994 an der Universität Bern über Atmosphärenchemie. Er ist Mitglied der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften und seit 1997 Stellvertretender Vorsitzer des Klimaforschungs-Forums ProClim.
Anhang
Einige Unterzeichner der Leipziger Erklärung:
- Prof. George Stroke, Max Planck Institute for Meteorology, Munich, Germany: Es gibt weder in München ein Max-Planck-Instiut für Meteorologie, noch findet sich unter den Mitarbeitern des einzigen Max-Planck-Instituts für Meteorologie (in Hamburg) ein George Stroke.
- Dr. Heinz Sundermann, Universität Wien: In der Personensuchliste der ganzen Universität Wien findet sich kein Heinz Sundermann. Auch sonst sind keine Informationen zu finden.
- Christiaan van Sumere, Universität Gent, Belgien: Ist 79-jährig, leitete vor vielen Jahren ein Biotechnologie-Labor. Keine Publikationen zu Klima.
- Gary D. Sharp, Center for Climate/Ocean Resources Study, and Cooperative Institute for Research in the Integrated Ocean Sciences: ist Fischereiexperte. Das "Center for Climate/Ocean Resources Study" besteht nur aus Gary D. Sharp, und befindet sich laut Adresse in einem Einfamilienhaus, bewohnt von Gary und seiner Frau Kathleen. Über das "Cooperative Institute for Research in the Integrated Ocean Sciences" findet man überhaupt keine Informationen. Da wird mit fiktiven Institutsnamen Klimaexpertentum vorgegaukelt.
- Helmut Metzner, Pflanzenphysiologe, gestorben 1999 (angeblich haben alle aufgeführten Unterzeichner den Änderungen im Dokument von 2005 zugestimmt!)
- Robert L. Kovach, Erdbebenspezialist, pensioniert, keine Publikationen zu Klima
- Asmunn Moene, angeblich "former Head of the Forecasting Center, Met. Institute, Norway": nach Auskunft des Meteorologischen Instituts war er von 1971 bis 1988 Administrator der operationellen Wettervorhersage für die Region Südost-Norwegen und nie an Klimaforschung beteiligt. Er war Mitglied einer Organisation, die "wissenschaftliche" Berichte gegen den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs erarbeitet hat.
---
UPDATE:
Zu dieser Rezension liegt nun eine Replik von Herrn Lüdecke vor, die hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden kann.
Antwort von Urs neu auf die dort vorgebrachten Argumente:
Die Replik enthält ähnliche Aussagen wie im Buch und die wurden bereits kommentiert. Zu einzelnen zusätzlichen Punkten, die nicht bereits oben diskutiert wurden untenstehend noch Kommentare:
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Alpen im Mittelalter beinahe gletscherfrei waren, sonst wären der 5000 Jahre alte „Ötzi“ und weitere noch ältere Funde am Schnidejoch nicht erst kürzlich von den Gletschern freigegeben worden. Wären die Gletscher im Mittelalter weggeschmolzen, wären Ötzi und die anderen Funde sehr schnell zerfallen.
Zu Punkt 2.
Auf S. 28 des Buches steht: „Es [das IPCC] leistet keine eigene Forschungsarbiet, sondern sichtet, selektiert und wählt Forschungsergebnisse der sich zur Verfügung stellenden Wissenschaftler aus“. Diese Aussage ist falsch. Es wird die ganze veröffentlichte Fachliteratur gesichtet.
Wasserdampf: In den Zusammenfassungen des IPCC-Berichtes ist primär von den Einflussfaktoren bzw. „forcings“ die Rede. Wasserdampf ist zwar das wichtigste Treibhausgas, hat jedoch im Klimasystem nicht die Rolle eines Antriebsfaktors, sondern einer Rückkopplung. Die Wasserdampfkonzentration reagiert innerhalb von Tagen auf Veränderungen von Temperatur oder Sonnenstrahlung und passt sich an die neuen Bedingungen an, entsprechend der physikalischen Gesetze (wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, höhere Einstrahlung führt zu höherer Verdunstung, usw.). Dieser Effekt ist jedoch kein äusserer Einflussfaktor, wie z.B. die Erhöhung der Treibhausgas-Konzentration oder Veränderungen der Sonnen- oder Vulkanaktivität, sondern eine Reaktion bzw. Rückkopplung im Klimasystem. Diese Rückkopplungen werden in der Klimasensitivität eingerechnet. Wasserdampf wird also nicht einfach „weggelassen“, sondern in allen Rechnungen sehr wohl berücksichtigt.
Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Äusserungen von Lindzen gegenüber Wissenschaftlern und seinen Äusserungen in Medien und Interviews. Ernst genommen und ausführlich diskutiert werden seine wissenschaftlichen Publikationen, von denen es allerdings zur Klimafrage nur ganz wenige gibt.
Zu Punkt 3. Es gibt in der Klimaforschung keine „Mehrheitsbeschlüsse“. Die Aussagen im IPCC-Bericht sind nicht das Resultat einer Meinungsumfrage, sondern das Resultat einer eingehenden Sichtung der entsprechenden Fachbeiträge. Und diese Fachpublikationen ergeben ein ziemlich einheitliches Bild. Bei den „unzähligen“ Physikern, die sich dagegen aussprechen, handelt es sich hingegen überwiegend um Meinungsäusserungen, nicht jedoch um wissenschaftlich publizierte und im Wissenschaftsprozess diskutierte Arbeiten.
Zu Punkt 6. Es gibt zahlreiche saubere Vergleichsrechnungen der verschiedenen Modelle. Seit vielen Jahren läuft das Atmospheric Model Intercomparison Project, das solche Vergleichsrechnungen koordiniert.
Die Klimamodelle können die Vergangenheit, soweit sie durch Messungen oder Rekonstruktionen einigermassen bekannt ist, recht gut wiedergeben. Die kleine Eiszeit lässt sich beispielsweise durch die direkte Wirkung der Sonnenstrahlung und die überdurchschnittliche Vulkanaktivität sehr gut erklären. Auch konnte mit Hilfe der Klimamodelle die durch den Vulkanausbruch des Pinatube bedingte globale Abkühlung ziemlich genau vorausgesagt werden.
Leider werden immer wieder kurzfristige Klimaschwankungen mit längerfristigen Trends verwechselt. Die neuen Rechnungen von M. Latif haben nichts mit den IPCC-Projektionen zu tun (siehe entsprechende Beiträge in der Klimalounge).
Ähnliche Artikel:

