Wo Kirche ist, da ist Kreuz
von Edgar Dahl, 24. März 2010, 02:58
Darf man eigentlich noch Mitglied in der römisch-katholischen Kirche sein? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. Angesichts der Kreuzzüge, der Ketzerverfolgungen und der Hexenverbrennungen musste man es sich schließlich schon immer gut überlegen, ob man ein zahlendes Mitglied einer Institution sein will, deren Geschichte so unrühmlich ist. Nachdem nun aber tagtäglich Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester bekannt werden, stellt sich diese Frage plötzlich ganz neu.
Ich erinnere mich noch, was passierte, als bekannt wurde, dass der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben heimlich Zyankali an Sterbewillige verkaufte. Mehr als die Hälfte der Mitglieder betrachteten es als ihre moralische Pflicht, aus der Gesellschaft auszutreten. Mit diesem Schritt wollten sie sowohl ihrer Entrüstung als auch ihrer Scham Ausdruck verleihen. Sie wollten und konnten nicht länger Teil einer Gesellschaft sein, die ihre Bestimmung verraten hat und ihrem eigenen Anspruch einfach nicht genügte.
Sollte dasselbe nicht auch für eine Kirche gelten? Wie kann man also noch guten Gewissens Mitglied der römisch-katholischen Kirche sein?
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Ich denke, die Antwort ist, dass gläubige Katholiken ihre Kirche nicht als einen Verein für Christen sehen, sonder als die Gemeinschaft der Gläubigen. Mitgliedschaft in der Kirche ist für einen Katholiken integraler Bestandteil des Glaubens.
Deshalb denke ich auch, dass der richtige Weg für die Katholiken nicht der Austritt aus der Kirche wäre, sondern die Forderung nach rücksichtsloser Aufklärung und Anzeige und Absetzung der Straffällig gewordenen Priester.
Die meisten Menschen erkennen sehr wohl, dass diese sexuellen Übergriffe nichts mit dem christlichen Glauben und der Kirche zu tun haben. Ein Austritt ist aus diesem Grund nicht notwendig.
In den 60er-/70er Jahren gab es viele Lehrkräfte, die für diesen Beruf nicht qualifiziert waren. Es gab Lehrer, die durch ihre Erlebnisse als Soldat traumatisiert waren und manche Lehrer wurden im Schnellverfahren ausgebildet.
(Das soll keine Entschuldigung für Verbrechen sein!)
Es lohnt sich, eine in letzter Zeit populär gewordene Rede des Regensburger Bischofs Müller zu lesen:
www.mittelbayerische.de > Politik > Ausschnitt aus Rede (man sollte bis zum Schluss lesen Teil 4-5)
Er verweist darauf, dass die meisten der Vergehen schon 50 Jahre zurück liegen - aber er macht auch darauf aufmerksam, dass viele junge Osteuropäerinnen aktuell(!) als Sexsklavinnen missbraucht werden. Diese aktuellen Missbrauchsfälle sind keinerlei Anlass zu igendeiner öffentlichen Empörung. Er wirft deshalb der Presse einseitige, kirchenfeindliche Berichterstattung vor. Und er ruft auf, sich dagegen zu wehren, so wie dies oberpfälzer Frauen auch schon einmal im 3. Reich gemacht haben.
Die Reaktion in den Medien war gigantisch - man griff in an, wegen eines unzulässigen Vergleiches mit einem Vorfall im 3. Reich.
Die aktuelle und massive sexuelle Ausbeutung junger Osteuropäinnerinnen interessiert offenbar keinen. Sexueller Missbrauch ist nur dann ein Vergehen, wenn man gleichzeitig gegen die Kirche agitieren kann.
Diese Moral ist sehr interessant: Moral gibt´s also nur dann, wenn man darauf sein eigenes Süppchen kochen kann.
Osteuropäische Frauen - wen interessiert das schon?
Wie die ersten Kommentare zeigen, liegt ein Grund mit Sicherheit auch darin, dass viele einfach die Augen vor den Tatsachen verschließen. Die katholische Kirche hat Mechanismen herausgebildet, die das Vergewaltigen von Kindern decken und damit auch ermöglichen. Dass diese Strukturen existieren wurde bisher bei jedem Missbrauchsskandal gezeigt - sei es in den USA, in Irland oder jetzt in Deutschland. Es ist daher nicht gerechtfertigt die Schuld ausschließlich bei den straffällig gewordenen Priestern zu suchen und jegliches weitere Fragen zu verdrängen. Doch genau das geschieht - und ermöglicht es so, weiter zu machen wie bisher. Der Bischof, der einen straffällig gewordenen Priester unter maximaler Geheimhaltung einfach nur versetzt hat nichts zu befürchten. Weder strafrechtlich noch im Ansehen. Selbst wenn der Priester wieder "rückfällig" wird und erneut Kinder missbraucht. In meinen Augen ist das der eigentliche Skandal. Und das betrifft explizit auch die Mitglieder der katholischen Kirche.
KRichard, da bleibt mir ehrlich gesagt die Spucke weg. Wir reden hier davon, dass Kinder von Priestern vergewaltigt worden sind, dass diese Priester gedeckt und nicht an weiteren Taten gehindert wurden und dass die dafür verantwortlichen keinerlei Konsequenzen fürchten müssen. Passiert so etwas außerhalb der katholischen Kirche muss sich jeder vom einfachen Polizisten vor Ort bis zum höchsten zuständigen Gericht dafür rechtfertigen und dann werden Konsequenzen gezogen. Die Kirche dagegen tut sich mit jeglicher Offenheit schwer und beharrt auf ihrer Geheimhaltungspraxis indem sie selbige sogar von den Medien fordert. Das muss man sich einmal vorstellen! Da werden ungeheuerliche Verbrechen unter dem Deckmantel einer Institution begangen, die weltweit präsent ist, eine sehr mächtige Lobby hat, die moralische Standards definiert, die Weltsicht vieler Menschen bestimmt, sehr gerne politisch mitredet und noch viel lieber bei jeder Oster- und Weihnachtspredigt mit dem Finger auf andere zeigt und Moral und Menschlichkeit fordert.
Doch statt über die Verbrechen ehrlich schockiert zu seien - was so ohnehin nicht geht, schließlich wussten die Bischöfe ja von Anfang an Bescheid; wirklich empört ist daher nur die Öffentlichkeit - kommen Lippenbekenntnisse und, noch viel dreister, Ablenkungsversuche. Die sexuelle Revolution trage mindestens eine Teilschuld und überhaupt seien andere viel schlimmer. Was spielt es für eine Rolle, dass andere schlimmer seien?
Sehr interessant finde ich aber, dass Bischof Müller die katholische Kirche mit seinem "Andere sind aber viel schlimmer!" die katholische Kirche letztlich indirekt mit dem organisierten Verbrechen vergleicht, welches mit aller staatlicher Macht bekämpft wird. Glückwunsch dazu.
„ Missbrauch ist keine Erfindung katholischer Patres“, das bestätigt (laut kath.net) Feministin und Abtreibungsbefürworterin Alice Schwarzer. Denn „Der Zeitgeist der "sexuellen Befreiung" förderte den Missbrauch, sagt die Feministin und erinnert an unangenehme Fakten der 1970er und 1980er Jahre.“
Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=25970
Die kath. Kirche ist also ganz unschuldig an diesen Vorkommnissen, ihre Pfarrer haben lediglich ein bisschen mitgemischt. Wenn Sporttrainer Kinder missbrauchen wandern sie oft für mehrere Jahre in den Knast, Pfarrer werden für dasselbe Delikt lediglich in eine andere Pfarrei versetzt. Da dreht sich einem doch der Magen um.
Da bleibt Ihnen die Spucke weg - mir auch.
Wenn ein Bischof auf aktuelle sexuelle Ausbeutung von Frauen hinweist, dann ist das ein Ablenkungsmanöver. Das ist eine seltsame Denkweise. Wenn jemand auf ein Verbrechen hinweist, dann ist es also ein dreistes Ablenkungsmanöver - welches gefälligst niemand zu interessieren hat?
Schauen Sie mal bei der oben angegebenen Internet-Adresse in den Auszug der Rede hinein.
Diese Rede war an Mitglieder des Katholischen Frauenbundes gerichtet. Und wenn dort vor Frauen spezielle Frauenprobleme angesprochen werden, kann man das nicht unbedingt als Ablenkungsmanöver betrachten.
Bedenklich ist aber die Reaktion der Medien - kein Mitleid/Mitgefühl mit den ausgebeuteten Sexsklavinnen. Das sollte uns zu denken geben.
@KRichard: Ich finde Ihre (und Herrn Müllers) Argumentation in der Tat auch sehr kurios. Mir bleibt da ebenfalls die Spucke weg.
Zunächst aus einem banalen Grund: Man kann ja nicht Unrecht dadaurch relativieren, dass woanders auch Unrecht geschieht. Das ist ein Ablenkungsmanöver, das nach hinten losgeht, weil man sich mit den anderen Verbrechern letztlich auf eine Stufe stellt.
Außerdem aus einem nicht ganz so banalen Grund: Das Verbrechen Frauenhandel findet in einem Milieu statt, in dem uns Verbrechen nicht überraschen. Natürlich gehört es bekämpft und wird wohl hoffentlich auch mehr oder weniger. Kindesmissbrauch durch kirchliche Amtsträger finden aber in einer Institution statt, die als moralische Größe auftritt, denen Eltern ihre Kinder anvertrauen und die von uns (sogar den Atheisten) finanziert wird. Das hier die moralische Empörung besonders hohe Wellen schlägt ist ja wohl nachvollziebar. Nein, wer ein reines Gewissen haben will, sollte dieser Institution den Rücken kehren.
Der Missbrauchsfall zeigt vor allem eins: Wir haben hier einen Staat im Staate. Das können wir nicht zulassen!
Bischof Müller weißt explizit im Kontext der Berichterstattung über den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf den Missbrauch Osteuropäerinnen hin und fordert, die Medien sollen darüber mehr berichten. Gleichzeitig stellt er klar, dass die Berichterstattung über die katholische Kirche eine Hetze im Geiste des Nationalsozialismus sei und zu unterbleiben habe. Das ist eine sehr deutliche Aussage.
Wenn das eine Verbrechen nicht das andere relativieren soll, warum dann der Verweis darauf in explizit diesem Kontext? Er hätte auf den Missbrauch von Osteuropäerinnen in seiner Rede auch als solchen hinweisen können, wie es - nebenebei gesagt - die Massenmedien schon lange vor ihm getan haben (ich habe selbst schon zwei Reportagen vor langer Zeit darüber im Fernsehen gesehen und es immer wieder bei jeder erfolgreichen Razzia in der Zeitung zu lesen bekommen). Aber genau das tut er nicht.
Was er sagt scheint letztlich auf seine eigene politische Agenda abzuzielen. Die Forderungen werden lauter, dass Kreuze in religiös-neutralen staatlichen Schulen nichts zu suchen haben - Bischof Müller ist sich nicht zu Schade darauf hinzuweisen, dass das im Nationalsozialismus schon einmal so war. Die katholische Kirche steht mit dem Rücken zur Wand weil hunderte Vergewaltigungen von Kindern, üblicherweise kleine Jungen, durch Geistliche ans Licht gekommen sind und darüber berichtet wird und die letzten Vergewaltigungen in jüngster Zeit stattfanden. Bischof Müller behauptet die meisten Taten lägen lange zurück und die Medien würden eine nationalsozialistische Hetze gegen die katholische Kirche fahren und fordert, dass sich die Katholiken gegen die Aufklärung und Information über die Missbrauchsfälle in den Medien zu wehren habe. Schließlich, so scheint er zu denken, reicht es einmal auf Missbrauchsfälle hinzuweisen und über jeden weiteren, der neu auftauche, gäbe es dann nichts mehr zu sagen.
Er thematisiert damit kirchliche Forderungen. Aber Frauenprobleme?
"Ich denke, die Antwort ist, dass gläubige Katholiken ihre Kirche nicht als einen Verein für Christen sehen, sondern als die Gemeinschaft der Gläubigen. Mitgliedschaft in der Kirche ist für einen Katholiken integraler Bestandteil des Glaubens."
Es sit sicher richtig, dass viele Katholiken das so sehen. Doch die Frage ist, ob ihre Überzeugung wirklich gerechtfertigt ist.
In der Vergangenheit hatte der Vatikan verkündet, dass es "außerhalb der Kirche kein Heil" gebe. Dies war sicher ein guter Grund für Gläubige, an ihrer Kirche festzuhalten. Doch wie mich Michael (Blume) aufklärte, ist dieses Dogma inzwischen aufgehoben worden.
Wenn man sein Heil auch außerhalb der Kirche finden kann, warum ihr dann nicht den Rücken kehren, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird?
"Die meisten Menschen erkennen sehr wohl, dass diese sexuellen Übergriffe nichts mit dem christlichen Glauben und der Kirche zu tun haben. Ein Austritt ist aus diesem Grund nicht notwendig."
Stimmt! Dass Priester sich an Kindern vergreifen, ist kein Argument gegen den Glauben. Wenn derartige Missbräuche aber von der Kurie gedeckt werden, ist es durchaus ein Argument gegen die katholische Kirche.
Ich frage mich, warum gerade die römisch-katholische Kirche eine solche Faszination auf Päderasten ausübt. Nach Medienberichten soll insbesondere der Bruder des Papstes ein Vergnügen dabei empfunden haben, "kleinen Jungen den Hintern zu versohlen". Bei ihm kam also noch eine sadistische Note dazu - wenn man den Medienberichten glauben schenken kann - was dann dazu geführt hat, dass seine Form der Sexualität von unserer Gesellschaft eher akzeptiert wird, als ein "zärtlicher" Päderast.
Dass der Zölibat aus einem "normal" veranlagten heterosexuellen Mann einen homosexuellen Päderasten machen kann, halte ich für ausgeschlossen.
Als katholischer Bischof würde ich mit Nazi-Vergleichen ja vorsichtig sein. Denn die Frage, ob man nicht moralisch verpflichtet sei, sich von der römisch-katholischen Kirche abzuwenden, stellte sich ja bereits während des Dritten Reichs.
Wie wir schon seit langem wissen, war der Papst schon früh über die Vorgänge in Auschwitz informiert. Selbst wenn er nicht die Stirn hatte, gegen Hitler aufzubegehren, hätte er zumindest die Juden warnen können. Denn 1942 hatten die europäischen Juden die Berichte über Vernichtungslager noch als bloße "Märchen" abgetan. Ein Wort der Warnung, und, so viele Historiker, die Hälfte der Juden hätte gerettet werden können: Statt Ungewissheit hätten sie Gewissheit gehabt - und stärkere Bemühungen zur Flucht ergriffen.
Wer wird seinen Ansprüchen nicht mehr gerecht? Die Katholische Kirche oder einzelne Mitglieder der Katholischen Kirche? Mißbrauchen alle Katholiken Kinder? Warum sollen die Katholiken aus ihrer Kirche austreten? Es sollen doch besser die homosexuellen Priester für ihre Vergehen bestraft werden.
Wie die Süddeutsche Zeitung vorgestern berichtete, reichen die sexuellen Übergriffe keineswegs so weit zurück, wie die katholische Kirche gerne Glauben machen will:
"Österreich entsetzt sich besonders, dass sexuelle Übergriffe und Quälereien noch bis in jüngste Zeit angedauert haben. Aus Vorarlberg wird gemeldet, in einer Klosterheimschule seien Zöglinge mit Pornofilmen, Alkohol und anderen Drogen traktiert worden, gefolgt von sexuellen Übergriffen bis zur Vergewaltigung."
http://www.sueddeutsche.de/...tik/422/506591/text/
Niemand macht ALLE Katholiken verantwortlich. Warum sollten sie auch für die Übergriffe einiger weniger büßen?
Da ihre Kirche das Unrecht aber seit Jahren gedeckt hat, stellt sich an ALLE Katholiken die moralischen Frage, ob sie weiter guten Gewissens Mitglied ihrer Kirche bleiben können.
Ich selbst bin ja kein Katholik und möchte auch keiner sein. Aber wofür steht diese Kirche? Was will sie, was hat sie für Inhalte? Will sie das Kinder geschändet werden? Das möchte ich doch sehr bezweifeln, daß sie dies wollen. Wenn also diese Kirche etwas anderes will, dann muß diese Kirche und ihre Mitglieder wieder dafür sorgen, daß sie das verfolgen, wofür diese Kirche steht. Die Millionen Kirchenmitglieder können sich doch nicht von ein paar fehlgeleiteten homosexuellen Priester ihre Kirche kaputt machen lassen.
Danke Edgar,
du enttäuscht mich nicht. Als erster reagierst du auf meinen ersten Kommentar in dem Sinne, in dem ich ihn geschrieben und gemeint habe. Nicht reflexartig aus dem Bauch heraus, sondern logisch, wissenschaftlich.
Ich habe ja keinesfalls die Verbrechen der Priester gerechtfertigt und auch nicht die Strategie der katholischen Bischöfe, diese Verbrechen zu decken. Meines Erachtens ist auch das ein Verbrechen.
Es ging mir darum, einen Erklärungsansatz zu finden. Es muss doch einen Grund geben, warum die Reaktion der Kirchenmitglieder so verhalten ist. Nur, wenn man die Mechanismen, die dieses System hervorbringen, versteht, kann man adäquat gegen sie vorgehen.
Edgar: "Es sit sicher richtig, dass viele Katholiken das so sehen. Doch die Frage ist, ob ihre Überzeugung wirklich gerechtfertigt ist.
In der Vergangenheit hatte der Vatikan verkündet, dass es "außerhalb der Kirche kein Heil" gebe. Dies war sicher ein guter Grund für Gläubige, an ihrer Kirche festzuhalten. Doch wie mich Michael (Blume) aufklärte, ist dieses Dogma inzwischen aufgehoben worden.
Wenn man sein Heil auch außerhalb der Kirche finden kann, warum ihr dann nicht den Rücken kehren, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird?"
Ich denke, es kommt nicht darauf an, wie einige fortschrittliche Intellektuelle in der Kirche es sehen. Es mag sein, dass Michael recht hat und das Dogma offiziell nicht mehr existiert. In den Augen der Gläubigen besteht es aber weiter. Sie sehen die Kirche nicht als eine Verein, den man einfach verlassen darf. Nur deshalb konnte die Kirche ja zu einem Staat im Staat werden.
Ich denke, für die meisten Gläubigen gilt die Kirche nach wie vor als einziger Weg zum Heil. Das ist meines Erachtens ein Grund für den Verbleib in der Kirche.
Ich selbst bin übrigens nie Mitglied dieser Kirche gewesen.
Als Bayer und ehemaliger Katholik ist es für mich kaum eine Frage, weswegen viele sich mit einem Kirchenaustritt schwer tun. In der Regel kommt einem ein solcher gar nicht erst in den Sinn.
Als Katholik legt man bei jedem Kirchenbesuch einen treue Schwur ab - nicht nur auf allgemeine Glaubensinhalte, sondern explizit auf die katholische Kirche ("Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen."). Es ist völlig unerheblich ob Theologen meinen, die katholische Kirche bezeichne hier nur die Gemeinschaft der Gläubigen. Katholische Kirche ist katholische Kirche - und als solche ein integraler Bestandteil des eigenen Weltbildes und des eigenen Selbst. Das gibt man nicht einfach auf und stellt es auch nicht einfach in Frage. Viel eher sucht man andere Wege die kognitive Dissonanz zu lösen. Welche das sein können, zeigen katholische Geistliche in letzter Zeit deutlich: Nicht Strukturen der Kirche sind schlecht, schlecht alleine sind einige wenige am untersten Ende der Hierarchie und die Medien.
Die Schuld dort zu suchen, wo es sich nicht leugnen lässt, und die Restschuld bei anderen zu suchen ist bedeutend einfacher und bequemer als das eigene Weltbild in Frage zu stellen. (Bei kirchlich aktiven Menschen würde eine Abkehr von der Kirche sogar das bisherige eigene Leben in Frage stellen.) Und Menschen lieben nun einmal Bequemlichkeit.
Zitat von Joachim: „Ich denke, für die meisten Gläubigen gilt die Kirche nach wie vor als einziger Weg zum Heil. Das ist meines Erachtens ein Grund für den Verbleib in der Kirche.“
Dann bleibt nur der Weg in die innere Immigration, denn viele Christen sind es langsam leid sich ständig mit reaktionären Kirchenvertretern anzulegen. Viele Gläubige haben sich der Kirche entfremdet und beten alleine. Die kath. Kirche ist weltfremd geworden und nur mehr am eigenen Machterhalt interessiert. Sie wird von autoritären Kräften regiert und befindet sich häufig im Dauerstreit mit der eigenen Basis.
Siehe auch:
http://www.taz.de/...ag/artikel/1/die-widersacher/
Ein anderes Problem ist die „symbiotische Partnerschaft“ zwischen Kirche und Staat. „Nicht die Kirchen und ihre Verbände finanzieren das deutsche Sozialsystem, vielmehr sind es die öffentlichen Träger, die Kassen und Versicherungen sowie die Nutzer, die insgesamt mehr als 90% der Kosten aufbringen. Gleichwohl haben die Kirchen als Arbeitgeber und Unternehmer in diesen Betrieben das Sagen, bis in das Privatleben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Wer in Bayern etwas werden will, der kann sich nicht gegen die Kirche stellen. Deshalb wird immer wieder einmal die Trennung von Kirche und Staat gefordert:
http://www.bfg-bayern.de/...rderung_zum_exodus.htm
Wofür steht die römisch-katholische Kirche? Welche Frage! Natürlich für: "Lasst die Kindlein zu mir kommen!"
Nein, Spaß bei Seite. Natürlich steht die katholische Kirche nicht für den sexuellen Missbrauch von Kindern. Sie steht für die Vermittlung der "Frohen Botschaft".
Wenn sie sich bei ihrer Aufgabe aber so schwerwiegender Missetaten schuldig macht, dann stellt sich die moralische Frage, ob man ihr nicht besser den Rücken kehren sollte.
"Ich denke, für die meisten Gläubigen gilt die Kirche nach wie vor als einziger Weg zum Heil. Das ist meines Erachtens ein Grund für den Verbleib in der Kirche."
Ja, wahrscheinlich hast Du recht. Vielen Dank dafür, dass Du mir das noch einmal in Erinnerung gerufen hast. Ich hoffe aber, dass nicht alle Katholiken mehr so denken und den Austritt wagen.
Apropos "Austritt": Hat irgend jemand hier in den Medien schon etwas von einer sich abzeichnenden "Austrittswelle" gehört?
"Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen."
Vielen Dank für diese Erinnerung. So gesehen, ist es natürlich kein Wunder, dass die Katholiken ihre Kirche nicht als einen bloßen Verein betrachten.
Wie erklärt es sich aber, dass andere keine Mühe damit haben, der Kirche den Rücken zu kehren? Offenbar gibt es doch auch Katholiken, die ihre Kirche eher wie eine Partei sehen, aus der man, wenn sie sich eklatanter Misstsände schuldig macht, einfach austritt, oder?
Subsoutane Probleme bestehen schon länger:
http://www.ihatethemedia.com/...he-world-seriously
Sie sind aber gelöst:
http://www.titanic-magazin.de/...cead2dc9276d997d3
Ich habe mal einige Stellungnahmen herausgesucht. Hier ein Zitat aus einem Artikel von Christopher Hitchens:
"Almost every week, I go and debate with spokesmen of religious faith. Invariably and without exception, they inform me that without a belief in supernatural authority I would have no basis for my morality. Yet here is an ancient Christian church that deals in awful certainties when it comes to outright condemnation of sins like divorce, abortion, contraception, and homosexuality between consenting adults. For these offenses there is no forgiveness, and moral absolutism is invoked. Yet let the subject be the rape and torture of defenseless children, and at once every kind of wiggle room and excuse-making is invoked. What can one say of a church that finds so much latitude for a crime so ghastly that no morally normal person can even think of it without shuddering?"
http://www.slate.com/id/2248557/?from=rss
Hier ein Zitat aus einem Interview mit Karlheinz Deschner, dem Autor der zehnbändigen "Kriminalgeschichte des Christentums":
Ist sexueller Missbrauch ein neues Phänomen in der Kirchengeschichte?
Sexuelle „Fehltritte“ aller Art sind so alt wie die Kirchengeschichte und sie florierten, je christlicher die Welt wurde, desto mehr. Die Klöster waren oft die reinsten Bordelle, doch mussten die armen Nonnen, aus Sittlichkeitsgründen nicht selten sogar der Beichtväter beraubt, auch mit Kindern vorlieb nehmen, mit Vierbeinern. Wie denn nur beispielhalber die Ritter des Deutschen Ordens, verpflichtet, ein Leben „allein im Dienste ihrer himmlischen Dame Maria“ zu führen, alles vögelten, was eine Vagina hatte, Ehefrauen, Jungfrauen, kleine Mädchen und, wie wir nicht ohne Grund vermuten dürfen, weibliche Tiere. Wie es ja auch im Vatikan, lange, sehr lange, recht locker zuging, etwa – einer für viele – Papst Sixtus IV, Erbauer der Sixtinischen Kapelle und eines Bordells, noch seine Schwester und Kinder besprang, sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, sich buchstäblich zu Tode koitierte und auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt bekam.
Was sollte die Kirche aus Ihrer Sicht als Kirchenhistoriker tun, um sexuellen Missbrauch in Zukunft den Boden zu entziehen?
Nicht nur, um dem sexuellen Missbrauch den Boden zu entziehen, denn der geistige ist oft noch viel schlimmer – sie sollte verschwinden…
http://feuerbringer.com/...uchsfalle/#comment-6577
Sie schrieben:
» Die Millionen Kirchenmitglieder können sich doch nicht von ein paar fehlgeleiteten homosexuellen Priester ihre Kirche kaputt machen lassen.«
Ist der Hinweis auf die sexuelle Orientierung der Priester nur aus Versehen hineingerutscht, oder waren nur homosexuelle Priester involviert, oder gibt es gar einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch?
Selbstgerecht und beleidigt über die öffentlichen Vorwürfe greifen Vertreter der Kirche nach jedem Strohhalm um den Sturm der Entrüstung einzudämmen. Das ist nicht ganz neu. In Wahrheit warten die Kirchenvertreter, wie üblich, bis sich die Welle legt um wieder zum täglichen Geschäft zurückkehren zu können. Ihre treue Anhängerschaft wird es ihnen ermöglichen. Wäre die Kirche ein jüngerer Verein, würde man angesichts dessen, was sie auf dem Kerpholz hat, der Tatsache dass sie durch die gemeinschaftliche Geheimhaltung schwerer Straftaten durch ihre Funktionäre de facto zur kriminellen Vereinigung wird, die sich den Regeln, den Verordnungen und der Juridiktion der demokratischen Gesellschaft entzieht, vielleicht längst über einen Verbot nachdenken. Wer die Kirche verteidigt, die Taten relativiert, keine offenlegung fordert, nimmt einen Teil der Schuld auf sich. Wer aber denkt, dies sei heldenhaft oder solidarisch, sollte mal in sich gehen und überlegen, was er da tut. Oder was Jesus tun würde. Vergeben? Ich glaube nicht!
Matthäus: "Wer die Kirche verteidigt, die Taten relativiert, keine offenlegung fordert, nimmt einen Teil der Schuld auf sich. Wer aber denkt, dies sei heldenhaft oder solidarisch, sollte mal in sich gehen und überlegen, was er da tut. Oder was Jesus tun würde. Vergeben? Ich glaube nicht!"
Simme Dir zu. Hat Jesus (Christus) nicht gesagt (aus dem Gedächtnis zitiert): "Wer ein Kind quält, sollte mit einem Mühlstein um den Hals an der tiefsten Stelle des Meeres versenkt werden."
Hier mal eine Bibelstelle dazu.
"Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist." (Matthäus 18,6)
Was sagt denn die Kirche? Daß es gutes Recht ist Kinder zu mißhandeln? Nein, das sagt sie nicht! Selbstverständlich dürfen diese Taten nicht relativiert werden. Soweit ich weiß wird das von den Kirchenmitgliedern auch nicht gemacht.
Ich finde es aber zu billig aufgrund von Einzeltätern der Kirche eine Generalschuld zuzuschieben. Selbstverständlich dürfen sich Kirchenmitglieder dagegen wehren. Oder warum sollten sie es nicht tun dürfen?
Wer macht das denn?
Das kommt auf den Sünder an. Der bußfertige Sünder, der um Vergebung bittet, bekommt Vergebung, denn für Sünde auch für diese ist Jesus Christus am Kreuz gestorben.
Aber das ist ein umfangreiches Thema, das ich nicht in zwei Sätzen abhandeln will.
Wenn ein paar schwarfe Schafe in die Irre gehen und großen Schaden verursachen, warum sollte sich deshalb die ganze Herde auflösen? Auch Dein Vergleich mit dem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben überzeugt mich nicht. Dieser ist doch wohl der Meinung, daß er etwas richtiges getan hat. Wer in der Kirche findet denn Mißbrauch von Kindern richtig (außer vielleicht die Täter)?
Ob es einen Zusammenhang zwischen zwischen Homosexualität und Kindesmißbrauch gibt, weiß ich nicht. Aber was ich bisher gelesen habe, wurde Knaben mißbraucht. Also müssen sie doch wohl homosexuell sein, oder. Ich habe auch mal gelesen, einige Homosexuelle werden bewußt katholischer Priester, weil sie dann quasi legitimierte Single sind und sie werden nicht mehr danach gefragt, warum sie nicht verheiratet sind.
"Wenn ein paar schwarfe Schafe in die Irre gehen und großen Schaden verursachen, warum sollte sich deshalb die ganze Herde auflösen?"
Ich glaube, so ist es nicht. Die Probleme sind strukturell, wie Sie auch in Ihrem nächsten Kommentar andeuten. Die Kombination aus Zölibat und Frauenlosigkeit der Priester eröffnet einen Freiraum, den Menschen mit sexuellen Präferenzstörungen nutzen. Und für diese Struktur ist die Führung verantwortlich. Genauso wie Bush, Rumsfeld, Cheney für die Vorgänge in Abu Ghraib verantwortlich waren, und nicht nur die Verurteilten direkten Täter. Zimbardo hat letzteres in 'The Lucifer Effect - How good people turn evil' minutiös dargelegt.
Ich meine allerdings, daß sich für gläubige Katholiken Edgars Frage gar nicht stellt. Natürlich sind sie Mitglieder der katholischen Kirche, sie ist ihre spirituelle Heimat, und das ist auch moralisch legitim. Sie distanzieren sich allerdings häufig vom Vatikan. Ich kenne einige, die sogar seit Jahrzehnten die Opfer sexuellen Mißbrauchs durch katholische Priester betreuen - innerhalb der katholischen Kirche subversiv organisiert. Ich sehe keinen Grund, diesen meinen moralischen Respekt zu versagen.
Was mich an dieser Diskussion erstaunt ist, dass
- die Möglichkeit, dass es sich zum Teil um Falschbeschuldigungen handeln könnte, gar nicht erst in Erwägung gezogen wird
- sich kein Mensch fragt, was alles denn genau unter dem Begriff "sexueller Missbrauch" subsummiert wird, keine Differenzierung stattfindet ("Missbrauch ist Missbrauch")
- sich niemand die Frage stellt, ob Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche derart gehäuft auftreten, so dass von einer statistischen Signifikanz im Vergleich mit "vergleichbaren Institutionen" gesprochen werden kann
Wäre keine Signifikanz gegeben, wäre dies natürlich keine Entschuldigung für Missbrauchsfälle. Es würde nicht Missbrauch relativieren und verharmlosen, aber ein etwas objektiveres Bild zeichnen als das in den Medien suggerierte, der katholischen Kirche als Hort und Schutzraum für Pädophile.
Die katholische Kirche ist für viele ein Ärgernis, weil sie sich wie kaum eine andere Institution dem Zeitgeist widersetzt. Es ist doch auffällig, mit welchem Fanatismus sich viele dem Kampf gegen die katholische Kirche verschrieben haben, mit welcher Inbrunst sie orthodox Gläubige verspotten und mit Häme übergiessen.
Um nicht falsch verstanden zu werden : Nichts liegt mir ferner, als Kindesmissbrauch zu verharmlosen. Es ist ein Verbrechen und wiegt noch etwas schwerer, wenn dies von Leuten begangen wird, die sich als Teil einer moralischen Instanz verstehen.
Ebenso sicher ist aber, dass die Missbrauchsdebatte instrumentalisiert wird, um die katholische Kirche als konservative, für manche schlicht reaktionäre politische Kraft, zu schwächen.
So ist es doch erstaunlich, dass die Partei "die Grünen" bis weit in die Achtzigerjahre sexuelle Handlungen Erwachsener mit Kindern als die "Überwindung einer repressiven, bürgerlichen Sexualmoral" propagiert hat. Warum findet hier keine Aufarbeitung statt ?
Ich bin übrigens Atheist, so nebenbei, um ärgerlichen Schubladisierungen vorzubeugen :)
Vielleicht finden Sie hier Antworten auf ihre Fragen:
http://de.wikipedia.org/...sch-katholischen_Kirche
» Aber was ich bisher gelesen habe, wurde Knaben mißbraucht. Also müssen sie [die Priester] doch wohl homosexuell sein, oder. «
Keineswegs, das bliebe von Fall zu Fall zu klären, wenn man's denn genau wissen möchte. Aber es ist schlicht unerheblich.
"Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist." (Matthäus 18,6)
Vielen Dank für dieses Zitat. Allerdings wirft es sogleich die Frage auf, was mit "ärgern" genau gemeint ist: Ist eine Kritik am Christentum bereits ein Vergehen, auf das ein "Ersäufen im Meer" steht?
Mit anderen Worten: Ist Religionkritik eine Sünde?
Wie heißt es bei uns an der Küste doch gleich? "Der Fisch stinkt vom Kopf her!" Genau dies trifft auch auf die katholische Kirche zu. Der Skandal besteht ja nicht so sehr darin, dass sich einzelne Priester und Nonnen an Kindern vergangen haben, sondern darin, dass die Oberhäupter der Kirche die Täter gedeckt und sogar einige Opfer erpresst haben.
"Ich meine allerdings, daß sich für gläubige Katholiken Edgars Frage gar nicht stellt. Natürlich sind sie Mitglieder der katholischen Kirche, sie ist ihre spirituelle Heimat, und das ist auch moralisch legitim. Sie distanzieren sich allerdings häufig vom Vatikan."
Ich verstehe diesen Einwand. Ich halte ihn aber für verfehlt.
Ich selbst bin kein Christ. Wenn ich jedoch Christ wäre, würde ich keiner Kirche angehören. Erstens, weil ich jede Form von Vereinsmeierei hasse, und zweitens, weil ich nicht glauben würde, dass Gott sich meiner armen Seele nur dann erbarmen werde, wenn ich einer kirchlichen Organisation angehöre.
Weil ich kein Christ bin, verstehe ich die Bedeutung der Mitgliedschaft in einer Kirche vermutlich auch nicht richtig. Die Kirche mit einer Partei zu vergleichen, wie ich es tue, kann wohl nur jemand, der gar nicht weiß, was mit einer "spirituellen Heimat" gemeint ist.
Ich bin, wie mein Blog schon sagt, "Libertarian". Dies ist eine politische Philosophie, die sich in der Tradition von Wilhelm von Humboldt, John Stuart Mill und Robert Nozick betrachtet. Da die FDP in meinen Augen die liberalen Prinzipien verraten hat, bin ich quasi politisch heimatlos.
Würde ich in den USA leben, würde ich dagegen die "Libertarian Party" wählen, deren erster Präsidentschaftskandidat übrigens ein Philosoph war, und zwar John Hospers. Ein weiterer Präsidentschaftskandidat war der bekannte Sioux und Kämpfer der American Indian Movement Russell Means.
Wie auch immer, obgleich ich dieser Partei beitreten würde, würde ich sie sofort wieder verlassen, wenn sie sich irgendwelcher Verbrechen schuldig machte oder auch nur Verbrechen zu decken versuchte. Ich denke, dies ist ein Gebot der moralischen Integrität.
Du hast sicher recht, dass einige die Missbrauchsfälle für ihren Kampf gegen die katholische Kirche instrumentalisieren.
Auch mag es richtig sein, dass es sich bei der Vielzahl von Beschuldigungen mitunter auch um falsche Beschuldigungen handeln dürfte.
Das, was den Skandal zum Skandal macht, nämlich die Tatsache, dass die katholische Kirche die Missbräuche zu decken suchte, ist jedoch erwiesen.
So gesehen, ist es gleichgültig, wieviele der 300 Priester (dies ist die Zahl, die der Vatikan bekannt gegeben hat) wirklich schuldig sind.
Ich bin in fast allem, was Sie in Ihrer Antwort sagen, Ihrer Meinung. Ich bin mit 14 aus der katholischen Kirche ausgetreten, wegen völliger Ungläubigkeit und Ablehnung ihrer Scheinheiligkeit.
Allerdings verstehen wir beide den katholischen Glauben eben nicht (ich wohl von Geburt an) und reden praktisch wie die Blinden von der Farbe. Und umgekehrt ist es genauso. Solange das keine praktischen Konsequenzen hat, ist es unbedeutend, quasi Geschmackssache. Darüber kann man bekanntlich nicht streiten.
Wir sind uns mit vielen Katholiken, die ich kenne, prakisch in der Einschätzung dieses Skandals einig. Gerade hier in Köln gehen Katholiken recht entspannt mit der Kirche um. Den Dom gibt es seit Jahrhunderten, und es wird ihn noch in Jahrhunderten geben, der Dom gehört zu Köln. Meissner dagegen gibt es nur ein paar Jahre, da läßt man sich von ihm die Freude am Besuch der Messe nicht nehmen. Übrigens handhabt man es mit dem FC Köln genauso.
Ich finde diesen lockeren bis subversiven Umgang ganz sympathisch, denn mir ist moralische Rigorosität einigermaßen suspekt.
Ich kann mich nur meinem Vorredner anschließen, der da meinte, der Fisch stinke vom Kopf her. Der Papst und der Vatikan sind immerhin mit ihren Beschlüssen und Äußerungen richtungsweisend für die römisch-katholische Kirche (es gibt ja noch ein paar mehr katholische Kirchen. Gibt's von denen ähnliche Meldungen?), und zumindest Herr Ratzinger scheint nicht das Ausmaß dessen begriffen zu haben, was geschehen ist und was das in den Opfern anrichtet. In seinem Hirtenbrief schreibt er:
"14. Ich möchte Euch nun auch einige konkrete Initiativen zum Umgang mit der Situation vorschlagen.
Am Ende meines Treffens mit den irischen Bischöfen habe ich darum gebeten, dass diese Fastenzeit reserviert wird für das Gebet um das Ausgießen der Barmherzigkeit Gottes und der Geistesgaben der Heiligkeit und Stärke über der Kirche in Eurem Land. Ich lade Euch alle ein, die Freitagsbuße für die Dauer eines Jahres bis Ostern 2011 dieser Intention zu widmen. Ich bitte Euch, Euer Fasten, Euer Gebet, Eure Schriftlesung und Eure Werke der Nächstenliebe dem zu widmen, damit Ihr so die Gnade der Heilung und der Erneuerung für die Kirche in Irland erlangt. "
http://www.radiovaticana.org/...icolo.asp?c=365868
Bitte??? Das soll eine "konkret Initiative zum Umgang mit der Situation" sein? Ja nee, ist schon klar... Das läuft im Prinzip auf Deckung der Schuldigen hinaus.
Ich hab mir den ganzen Sermon mal komplett durchgelesen und bin einfach nur noch entsetzt. Was für ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Eltern! Da stellt dieser Papst sich hin und fordert diese Leute allen Ernstes auf, sich weiterhin für und in der Kirche zu engagieren und der Kirche die Kinder anzuvertrauen und stellt es auch noch so dar, als sei ausgerechnet nach solchen Vorkommnissen die Kirchenmitgliedschaft noch immer der einzige Weg zur Glückseligkeit.
Erwartet hätte man nach diesem weltweiten Skandal, daß der Papst sich hinstellt und sagt: "Paßt mal gut auf, Männer: Ihr habt da ganz großen Mist gebaut. Wer auch immer als Täter entlarvt wird, braucht sich in der Kirche als Würdenträger nicht mehr blicken zu lassen." Was macht er stattdessen? Läßt durchblicken, daß die Schuldigen sich halt pro Forma bestrafen lassen sollen, und danach sind sie auf ihren alten Posten noch immer willkommen.
Er nimmt also billigend in Kauf, daß genau das Gleiche wieder und wieder passiert - und das ist einfach ein Unding. Verzeihen ist eine Sache, aber sich zu weigern, aus den Fehlern, die gemacht wurden, Konsequenzen zu ziehen, ist eine andere. Das hat mit Verzeihen oder auch nur Verstehen nichts mehr zu tun. Da steht die Selbstherrlichkeit der Lernfähigkeit im Weg, und das ist fatal.
Wäre ich Katholikin, ich wäre spätestens jetzt draußen, das steht fest.
Hallo Herr Dahl
zunächst bin ich absolut geschockt darüber,dass Sie den Zyankaliverkauf an Sterbewillige mit den Missbrauchsfällen vergleichen.Hätte der Präsident es den Sterbewilligen gegen ihren Willen gegeben, wäre vielleicht noch ein Zusammenhang zu konstruieren gewesen-aber so paßt es überhaupt nicht zusammen!Das Hauptmerkmal ist ja der NICHT gewollte,erzwungene Missbrauch und das zusätzlich noch an minderjährigen Schutzbefohlenen!
Zum Thema,ob man noch in der katholischen Kirche bleiben solle, denke ich,dass man als guter Christ geradezu moralisch verpflichtet ist spätestens jetzt den menschlichen Vertretern dieser Glaubensrichtung zu zeigen,dass sie ihre Verfahrenstraditionen dringend der Neuzeit anzupassen haben und dass auch sie in einem Rechtsstaat leben!
Da aich die katholische Kirche jedoch stur stellt (nebenbei gefragt:was kann eigentlich das Schweigen des Papstes bedeuten?)geht es wohl nur durch konsequenten Austritt und damit empfindlichen Macht-und Geldverlust - denn das sind ja die beiden Dinge die man sich mithilfe der Gläubigen auf jeden Fall und zu jeder Zeit bewahren wollte und will!Natürlich will man sich als Christ in einer Kirche auch den Glauben bewahren,dazu mag Geld und Macht in gewissem Rahmen notwendig sein - aber spätestens jetzt führt sich dieser Weg in der katholischen Kirche ad absurdum!
Ich will schon seit Jahren aus der Kirche austreten. Ich bin zwar christlich getauft und habe noch die Kommunion ueber mich ergehen lassen, aber die Firmung habe ich nicht mitgemacht. Zur Kirche gegangen bin ich schon seit Jahren nicht mehr und auch Weihnachten (ala Tradition) geht schon lange keiner meiner Familienmitglieder mehr. Ich bin noch Studentin und zahle noch keine Kirchensteuer, dies ist also fuer mich nicht der Grund. Wenn ich mir anhoere, was im Namen dieser Kirche so alles getan wird und wurde dreht sich mir der Magen um. Kreuzzuege, Hexenverbrennungen, Menschen die in Afrika sterben weil der Papst ihnen die Verhuetung versagt, der ganze Missbrauchsskandal, mit allem was dazu gehoert(e): Ein Streit ueber die Hoehe von Entschaedigungen? Vertuschungsversuche? Ein "Hirtenbrief" der sich um die Christen in Irland bemueht, der aber nichts sagt zu den Faellen in anderen Laendern?? Ein Papst der irgendwo davon gewusst haben muss? Aber nee, ist klar "Wir sind Papst" ...*kopfschuettel*
Dies ist eine Kirche die von mir 50 Euro will wenn ich austrete (wie war das mit der freien Kirchenzugehoerigkeit im Grundgesetz?)? Eine Kirche die ihre Missionare in andere Laender schickt um dort die Menschen zur "richtigen" Religion zu bekehren? Eine Kirche die vollkommen ignoriert was die Wissenschaft uns fuer Erkenntnisse gegeben hat?
Die Kirche wird angepriesen als Zufluchtsort..wie kann man also das Vertrauen der Menschen die noch glauben und die ihre Kinder vertrauensvoll uebergeben so sehr missbrauchen?
Ich schaeme mich dieser noch an zu gehoeren. Ich trete nun definitiv aus.
Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen. Es ist weder so noch anders ein Grund den Glauben zu verlieren – oder zu wechseln. Hilf dir selbst – so hilft dir Gott! Er ist immer ein Ansprechpartner – und man ist erleichtert, kann neue Gedanken fassen.
In einem Zeitungsartikel habe ich mal gelesen, dass etwa 50% der Amerikaner zum Psychologen gehen. Wenn sich wohl mehr als die Hälfte Gott offenbart hätten – hätten sie sich selber geholfen, helfen können s. o. , es wäre mindestens einen Versuch wert gewesen.
Das Problem des Kirchenaustritts wird in Bayern größer sein – als in manch anderen Bundesländern. Auch ein späterer Wiedereintritt ist möglich, was die Entscheidung auch erleichtern kann. Es ist aber kein Grund für die Gläubigen Gott aufzugeben!
Die katholische Kirche ist doch nur eine Form van Moeglichkeit an einen wie auch immer gearteten Gott zu glauben. Mir zB geht es nicht um das glauben an einen Gott sondern um das unterstuetzen und ein stilles Einverstandnis mit einer Institution die sich bestimmte Werte auf die Fahren schreibt.
Wie jeder mit sich und mit der Idee eines Gottes umgeht bleibt einem selbat ueberlassen - ich glaube nicht das es hier um das verlierne eines Glaubens ging.
Ach ja, die armen psychotherapeuten-gläubigen Amerikaner, - würden sie es doch einsehen, was die Psychotherapie für ein Scheinglaube ist und sich stattdessen offenbaren, dann wären über 50% von ihnen schon geheilt!!??
Entschuldigung-aber so einfach ist das dann doch nicht!!Außerdem vermisse ich den Respekt vor der individuellen Entscheidung!
Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen.Sie wird von Menschen gebildet.
Ihre Amtsträger kommen aus der Gesellschaft. Deshalb kann die Kirche nicht besser sein, als die Gesellschaft.
Weil die Gesellschaft seit langem vom
ungebremsten Ausleben der Sexualität beherrscht wird, färbt das auch auf die Kirche ab.Im Fernsehen gibt es kaum einen Film ohne Bettszenen. Tabus gelten nicht mehr. Wer ihre Einhaltung fordert, wird als "moralinsauer" etikettiert und abgestempelt. Weite Teile der Gesell-
schaft sind ein schmutziger Sumpf. Wer
im Sumpf steckt, wird von ihm infiziert
„Weil die Gesellschaft seit langem vom ungebremsten Ausleben der Sexualität beherrscht wird, färbt das auch auf die Kirche ab. Im Fernsehen gibt es kaum einen Film ohne Bettszenen. Tabus gelten nicht mehr. Wer ihre Einhaltung fordert, wird als "moralinsauer" etikettiert und abgestempelt. Weite Teile der Gesellschaft sind ein schmutziger Sumpf. Wer im Sumpf steckt, wird von ihm infiziert“
Es ist ja allgemein bekannt, dass viele kath. Priester eine Geliebte haben. Allerdings ist es ein Unterschied ob sich etwas zwischen Erwachsenen abspielt oder ob sich jemand an Kindern vergreift.
Niemand hat hier einem kath. Priester seine Affäre mit einer erwachsenen Frau (oder auch Mann) vorgeworfen, es ging immer nur um Missbrauch an Kindern. Letztere sind Schutzbefohlene, die sich in der Regel nicht selbst verteidigen können, wenn Erwachsene sich an ihnen vergreifen begehen sie eine Straftat.
"Ich schäme mich, dieser Kirche noch an zu gehören. Ich trete nun definitiv aus."
Das ist doch mal ein Wort! Dann war das Bloggen ja nicht umsonst.
Natürlich sind Priester auch nur Menschen. Doch das ist nicht der Punkt! Der Punkt ist, dass sich die Kirche als eine Institution geriert, ohne die wir nicht wissen, was Gut und Böse ist. Sie betrachtet sich als den Hort der Moral.
Da man jede Institution an ihrem Anspruch messen muss, kommen wir nicht umhin, der katholischen Kirche Vorwürfe zu machen. Sie kann sich nicht schmeicheln, eine moralische Einrichtung zu sein, und zugleich Verbrechen decken!
Mal davon abgesehen, daß Mona mit ihren Argumenten schon auf die größte Unstimmigkeit hingewiesen hat, möchte ich noch folgendes zu bedenken geben: Nach ihrer Argumentation dürfte man niemanden mehr verurteilen, der in ein Geschäft einbricht und es ausraubt. Was ist der Ladenbesitzer aber auch so blöd und legt seine Ware ins Schaufenster...
Davon abgesehen hat sich die katholische Kirche den Zölibat selbst auferlegt. Die weltliche Gesellschaft dann dafür verantwortlich zu machen, daß man seine eigenen Regeln nicht einzuhalten imstande ist, finde ich nun doch reichlich verfehlt.